Marktgemeinde

Eine Marktgemeinde oder ein Markt ist ein Ort mit Marktrecht; in Bayern, Österreich und Südtirol ist es eine kommunalrechtliche Bezeichnung für eine Gemeinde mit einem entweder historischen oder formell verliehenen Marktrecht. Die Führung des Wortes „Markt“ im Gemeindenamen, zum Beispiel Markt Allhau oder Markt Schwaben, ist nicht erforderlich, wird aber vereinzelt praktiziert. In anderen Fällen sind die Bezeichnung Markt und der ursprüngliche Ortsname fest zusammengewachsen, wie beispielsweise Marktbergel.

Bayern

Das Spalter Tor in Pleinfeld als Beispiel eines Marktes mit Stadttor und Stadtmauer

Vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert hinein wurde Orten das Marktrecht verliehen, die städtisch geprägt, aber nicht so groß waren. Meist ging das Marktrecht mit der Verleihung anderer Rechte einher, wie etwa dem Wappen- und Siegelrecht. Ein weiterer Unterschied zu den damaligen Städten war, dass sie nicht mit einer Stadtmauer, sondern nur mit einem Wall mit einem Palisadenzaun darauf umgeben waren. Jedoch hatten sie wie die Städte Torbauten. Im heutigen Freistaat Bayern kann das Bayerische Innenministerium nach Artikel 3 der eine Gemeinde zum „Markt“ erheben. Die Bezeichnung Markt ist eine Besonderheit des bayerischen Kommunalrechts, die es in anderen deutschen Bundesländern nicht gibt. Sie hat nichts mehr mit dem Recht zu tun, regelmäßig Märkte abhalten zu können, vielmehr bescheinigt sie dem Ort eine gewisse Bedeutung für die umliegenden Gemeinden, etwa durch zentrale Lage, Größe oder Sitz von überörtlichen Einrichtungen. Damit ist ein Markt eine Zwischenstufe zwischen Gemeinde und Stadt und besitzt meist eine Zentralfunktion für die umliegenden Orte. Damit handelt es sich bei Marktgemeinden um Minderstädte.

In Bayern gibt es 386 Märkte (Stand: 31. März 2009). Jüngster Markt in Bayern ist Ruhstorf an der Rott, das diese Bezeichnung am 29. November 2008 erhielt. Zu den ältesten Marktgemeinden Bayerns gehören Hengersberg und Kreuzwertheim (Marktrechtsverleihung bei beiden Orten im Jahr 1009). Bevölkerungsreichste Gemeinde mit Marktrecht, die nicht zu einer Stadt erhoben worden ist, ist Garmisch-Partenkirchen mit etwa 26.000 Einwohnern. Kleinste Marktgemeinde Bayerns ist Gelchsheim mit rund 800 Einwohnern. Aufgrund ihrer Einwohnerzahl sind die meisten Marktgemeinden als Landstadt oder kleinere Kleinstadt einzuordnen.

Ähnlich wie Landeshauptstadt oder Universitätsstadt ist „Markt“ nicht Bestandteil des Ortsnamens. Ausnahmen sind Markt Berolzheim (WUG), Markt Bibart (NEA), Markt Einersheim (KT), Markt Erlbach (NEA), Markt Indersdorf (DAH), Markt Nordheim (NEA), Markt Rettenbach (MN), Markt Schwaben (EBE), Markt Taschendorf (NEA) und Markt Wald (MN). Gemeinden verlieren auch ihr Recht, die Bezeichnung Markt zu führen, wenn sie zur Stadt erhoben werden (z. B. Erhebung des Marktes Stadtbergen zur Stadt am 12. Mai 2007) oder weil die Gemeinde aufgelöst und in einen anderen Ort eingemeindet wurde (z. B. geschehen mit Stopfenheim und Oberföhring). Wenn die Bezeichnung Markt ein fester Bestandteil des Ortsnamens geworden ist, kann dieser aber so bestehen bleiben, wie bei der Stadt Marktoberdorf, deren ursprünglicher Ortsname Oberdorf war. Bei einer Fusion mehrerer Gemeinden kann das Marktrecht eines Ortsteils auf die neue Gesamtgemeinde übertragen werden, geschehen bei Marktrodach und Mallersdorf-Pfaffenberg.

In bayerischen Marktgemeinden trägt der Gemeinderat offiziell die Bezeichnung Marktgemeinderat.

Hessen

Marktgemeinden gibt es in den Landkreisen Fulda (Burghaun und Eiterfeld) und Hersfeld-Rotenburg (Niederaula, Haunetal und Philippsthal (Werra)).

Österreich

Zur Marktgemeinde erhoben werden in Österreich – abgesehen von einem vorhandenen Marktrecht von alters her – etwa „Gemeinden, denen besondere Bedeutung zufolge ihrer geografischen Lage und ihres wirtschaftlichen Gepräges zukommt“.[1] Die Entscheidung trifft die jeweilige Landesregierung aufgrund der entsprechenden Gemeindeordnung des Landes.[2] Markterhebungen betrafen bis in die 1930er-Jahre (in Oberösterreich sogar bis 1965) eindeutig die betreffende Ortschaft, nicht die gesamte Gemeinde. Daher wurden gelegentlich innerhalb einer Gemeinde mehrere Märkte geführt.[3] Beispielsweise hat Naarn im Machlande in Oberösterreich zwei Marktorte, Naarn (der Gemeindehauptort) und Au an der Donau.

In Österreich ist die Bezeichnung „Markt“ oder „Marktgemeinde“ seit der Gemeindereform von 1849 weitgehend ohne rechtliche Bedeutung, denn die Abhaltung von Märkten innerhalb einer Gemeinde ist an eigene, vom formalen Marktrecht unabhängige Bedingungen gebunden. Das heißt, es gibt neben den Marktgemeinden mit einem Recht zur Abhaltung eines Marktes auch solche ohne Recht zur Abhaltung eines Marktes; und es gibt andererseits Gemeinden mit dem Recht zur Abhaltung eines Marktes in ihrem Hauptort, ohne dass damit eine Markterhebung verbunden war.[3] Trotzdem streben auch heute noch zahlreiche Gemeinden die Verleihung des Titels Marktgemeinde an, hauptsächlich zu repräsentativen Zwecken.

Vor der Gemeindereform hoben sich Märkte z. B. im 17. Jahrhundert durch den Namen Markt, den Gebrauch eines Wappens, die Wahl von Richter und Rat, das Prädikat Bürger, die Errichtung eines Prangers, die zu Jahrmarktzeiten aufgesteckte Fahne und durch bürgerlichen Handel und Gewerbe von niederrangigeren Orten ab.[4] Nach der Reform von 1849 bestand ein wesentlicher Unterschied zwischen Stadt- und Marktgemeinden einerseits und Gemeinden ohne derartigen Rang seit den 1860er-Jahren nur bei den Regelungen zur Verleihung des Bürger- und Ehrenbürgerrechts.[3]

Marktgemeindelisten nach Bundesland:
  • Burgenland
  • Kärnten
  • Niederösterreich
  • Oberösterreich
  • Salzburg
  • Steiermark
  • Tirol
  • Vorarlberg

Bannmarkt

Der Bannmarkt war in (Alt-)Bayern (und Österreich) ein Markt, dem die peinliche Gerichtsbarkeit verliehen war (die Bannstadt, eine solche Stadt).[5]

Zur damaligen Definition siehe auch diese Quelle.[6]

Der Name stammt vom mittelalterlichen Wortstamm pon-, pa(e)n-, poen-, vgl. „ein panmarkt, da man das lantgericht besizt mit unterschaid um erb und eigen, halsgericht, das ander zu richten hat der probst dem muͤß der lantrichter den stab ubergeben an der schran“ (15. Jh., Geiselhering/Rockinger [7])

Bannmärkte waren in Bayern u. a.:

Österreich

Siehe auch

  • Liste der Marktgemeinden im Sudetenland
  • Liste der Gemeinden mit Marktrecht in Südtirol
  • Flecken (Ort)

Einzelnachweise

  1. § 3 Abs. 2 der Steiermärkischen Gemeindeordnung 1967
  2. Eintrag im Österreich-Lexikon von aeiou
  3. a b c Wilhelm Rausch (Hg.), Hermann Rafetseder: Gebiets- und Namensänderungen der Stadtgemeinden Österreichs seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. (= Band 2 von Forschungen zur Geschichte der Städte und Märkte Österreichs.) Österreichischer Arbeitskreis für Stadtgeschichteforschung, Linz 1989. S. 21–27.
  4. Alfred Hoffmann: Die oberösterreichischen Städte und Märkte. Eine Übersicht ihrer Entwicklungs- und Rechtsgrundlagen. in: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines. Bd. 84 (1932), S. 93.
  5. Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart der Universität Trier, abgerufen am 23. August 2016.
  6. Nachrichten vom Zustande der Gegenden und Stadt Juvavia vor, während …. Band 1, S. 451 f. (books.google.at).
  7. Bannmarkt. In: Preußische Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Deutsches Rechtswörterbuch. Band 1, Heft 8 (bearbeitet von Eberhard von Künßberg). Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1962, OCLC 934824402, Sp. 1218 (adw.uni-heidelberg.de – Erstausgabe: 1931 oder 1932).
  8. Geschichte Ambergs, abgerufen am 23. August 2016
  9. RegioWiki für Niederbayern & Altötting, abgerufen am 23. August 2016
  10. Statistische Aufschlüsse über das Herzogthum Baiern: aus ächten Quellen …. S. 129 (books.google.at).
  11. M. Aquinata Schnurer O.P.: Heimatbuch des Marktes Dießen a. Ammersee. Hrsg.: Markt Dießen a. Ammersee. Dießen am Ammersee 1976.
  12. Bayerische Staatsbibliothek München: Neue Sammlung geographisch-historisch-statistischer Schriften. Enthält: die geographische Einleitung- und Beschreibungen der übrigen schwäbischen Kreislande, des baierischen Kreises, einiger Ganerbschaftlicher Oerter und der sämtlichen freien Reichsstädte. Teil 2 der Geographischen Schriften, dritte und lezte Abtheilung. Joh. Georg Friedr. Jakobi, Weissenburg im Nordgau 1785, OCLC 631129035.
  13. Bayerische Staatsbibliothek München: Neue Sammlung geographisch-historisch-statistischer Schriften. Enthält: die geographische Einleitung- und Beschreibungen der übrigen schwäbischen Kreislande, des baierischen Kreises, einiger Ganerbschaftlicher Oerter und der sämtlichen freien Reichsstädte. Teil 2 der Geographischen Schriften, dritte und lezte Abtheilung. Joh. Georg Friedr. Jakobi, Weissenburg im Nordgau 1785, OCLC 631129035.
  14. Bayerische Staatsbibliothek München: Neue Sammlung geographisch-historisch-statistischer Schriften. Enthält: die geographische Einleitung- und Beschreibungen der übrigen schwäbischen Kreislande, des baierischen Kreises, einiger Ganerbschaftlicher Oerter und der sämtlichen freien Reichsstädte. Teil 2 der Geographischen Schriften, dritte und lezte Abtheilung. Joh. Georg Friedr. Jakobi, Weissenburg im Nordgau 1785, OCLC 631129035.
  15. Bayerische Staatsbibliothek München: Neue Sammlung geographisch-historisch-statistischer Schriften. Enthält: die geographische Einleitung- und Beschreibungen der übrigen schwäbischen Kreislande, des baierischen Kreises, einiger Ganerbschaftlicher Oerter und der sämtlichen freien Reichsstädte. Teil 2 der Geographischen Schriften, dritte und lezte Abtheilung. Joh. Georg Friedr. Jakobi, Weissenburg im Nordgau 1785, OCLC 631129035.
  16. Bayerische Staatsbibliothek München: Neue Sammlung geographisch-historisch-statistischer Schriften. Enthält: die geographische Einleitung- und Beschreibungen der übrigen schwäbischen Kreislande, des baierischen Kreises, einiger Ganerbschaftlicher Oerter und der sämtlichen freien Reichsstädte. Teil 2 der Geographischen Schriften, dritte und lezte Abtheilung. Joh. Georg Friedr. Jakobi, Weissenburg im Nordgau 1785, OCLC 631129035.
  17. Rede auf die hohe Geburt zwener durchlauchtigster Prinzen aus dem …. (books.google.at, Coverseite).
  18. Geschichte – Finanzamt Wolfratshausen – Außenstelle Bad Tölz auf finanzamt.bayern.de, abgerufen am 23. August 2016.
  19. Bayerische Staatsbibliothek München: Neue Sammlung geographisch-historisch-statistischer Schriften. Enthält: die geographische Einleitung- und Beschreibungen der übrigen schwäbischen Kreislande, des baierischen Kreises, einiger Ganerbschaftlicher Oerter und der sämtlichen freien Reichsstädte. Teil 2 der Geographischen Schriften, dritte und lezte Abtheilung. Joh. Georg Friedr. Jakobi, Weissenburg im Nordgau 1785, OCLC 631129035.
  20. Der lange Weg zur Stadterhebung, auf meinbezirk.at am 30. April 2013, abgerufen am 23. August 2016
  21. Karl Jägersberger (Hrsg.): Werden und Wachsen der Stadt Hainfeld. St. Pölten 2004 (tintenblau.at, abgerufen am 23. August 2016).
  22. Geschichte bis 1800, abgerufen am 23. August 2016.
  23. Neue historische Abhandlungen der Baierischen Akademie der …. Band 1, S. 26 (books.google.at).
  24. Zell am See auf Salzburgwiki, abgerufen am 23. August 2016.

Weblinks

WiktionaryWiktionary: Marktgemeinde – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

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