Manfred Beilharz

Manfred Beilharz (* 13. Juli 1938 in Böblingen) ist ein deutscher ehemaliger Intendant, ehemaliger Festival-Leiter und Theater-Regisseur. Verdient gemacht hat sich Beilharz insbesondere um die internationale Theaterarbeit. Er war von 2002 bis 2008 Präsident des Internationalen Theaterinstituts (ITI) und leitete von 1999 bis 2014 das deutsche Zentrum des ITI. Manfred Beilharz gründete mehrere Theaterfestivals, deren bedeutendstes die Theaterbiennale Neue Stücke aus Europa ist.

Studium und Beruf

Beilharz studierte Germanistik, Rechtswissenschaft und Theaterwissenschaft an den Universitäten Tübingen und München und beendete sein Studium 1967 mit dem zweiten Juristischen Staatsexamen und der Promotion in Theater- und Urheberrecht. Noch während seines Studiums gründete Beilharz zwischen 1964 und 1967 die Studiobühne der Universität München, unter anderem gemeinsam mit Peter Stein und Otto Sander. Nach Abschluss seines Studiums arbeitete er 1967 als Regieassistent an den Münchner Kammerspielen und verbrachte einige Studienaufenthalte in Paris und London.

Intendanzen in Tübingen, Freiburg und Kassel

In der Spielzeit 1968/69 war Beilharz Oberspielleiter und Chefdramaturg am Westfälischen Landestheater (WLT) Castrop-Rauxel. Von 1970 bis 1975 übernahm er die Intendanz des Landestheaters Tübingen und war anschließend in gleicher Position von 1976 bis 1983 an den Städtischen Bühnen Freiburg im Breisgau. Dort gründete er 1976 das Theaterfestival Freiburg (heute Zelttheater-Festival). Von 1983 bis 1991 war Beilharz Intendant am Staatstheater Kassel. Zur documenta 8 (1987) gründete er das Festival Spielräume und 1990 das Festival Theater im Aufbruch – Sowjetisches Theater nach Perestrojka und Glasnost. Während der Intendanz von Beilharz inszenierten führende Regisseure des Musiktheaters in Kassel, so Herbert Wernicke (Zyklus Die Entdeckung des Goldenen Zeitalters), Peter Mussbach (Mozart-Zyklus), Siegfried Schoenbohm (Wagners Ring des Nibelungen) und Peter Konwitschny (Herzog Blaubarts Burg von Bartók).

Intendanz in Bonn

Von 1991 bis 1997 war Beilharz als Intendant am Schauspiel Bonn tätig, wo er zusammen mit Tankred Dorst und Rainer Mennicken 1992 die Bonner Biennale, das weltweit größte Theaterfestival für zeitgenössische Dramatik, gründete. Von 1997 bis 2002 war Beilharz als Nachfolger von Giancarlo del Monaco, dem er bereits in Kassel als Intendant nachgefolgt war, Generalintendant in Bonn. Das Schauspiel, die Oper und das Ballett, bis dahin getrennt, wurden nach dem Willen des Bonner Stadtrates unter seiner Leitung zum heutigen Theater der Bundesstadt Bonn vereinigt.

Drei Inszenierungen, die in der Intendanz Beilharz entstanden, wurden zum Berliner Theatertreffen eingeladen (1993 Woyzeck in der Regie von Valentin Jeker, 1996 Der große Knall in der Regie von David Mouchtar-Samorai und 1999 Rose Bernd in der Regie von Valentin Jeker und mit Johanna Wokalek in der Titelrolle).[1]

2002 war Beilharz Künstlerischer Direktor des ITI-Festivals Theater der Welt, das in den Theatern Bonn, Düsseldorf, Duisburg und Köln stattfand.

1995 inszenierte er an der Comédie de Saint-Etienne in Frankreich die französische Erstaufführung von Frank Wedekinds Frühlings Erwachen.

Intendanz in Wiesbaden

Von 2002 bis Juli 2014 war Beilharz Intendant des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden sowie künstlerischer Leiter der Internationalen Maifestspiele. Auch die Biennale Neue Stücke aus Europa fand in Wiesbaden ihre Fortsetzung und erlebte dort im Juni 2014 ihre 12. Ausgabe.[2] Eine grundsätzliche künstlerische Neuorientierung erfuhr die Sparte Ballett in der Intendanz von Manfred Beilharz durch das Engagement des Choreografen Stephan Thoss. Zahlreiche Gastspiele von Inszenierungen des Wiesbadener Staatstheaters, darunter Opern- und Schauspiel-Inszenierungen von Beilharz, führten das Ensemble u. a. nach China, Frankreich, Zypern, in den Kosovo, nach Italien, Polen, Spanien, Slowenien und Luxemburg sowie in die Türkei.[3] Am Hessischen Staatstheater Wiesbaden arbeiteten in den Jahren der Intendanz von Manfred Beilharz die Regisseure Dietrich Hilsdorf, David Mouchtar-Samorai, Cesare Lievi, Konstanze Lauterbach, Rebecca Horn, Herbert Fritsch, Hermann Schmidt-Rahmer, Immo Karaman, Ricarda Beilharz, Carlos Wagner, Michiel Dijkema, Alexander Lang, Tilman Gersch u. a.

Die Intendanz von Manfred Beilharz endete im August 2014. Zu seinem Nachfolger wurde der Regisseur, Schauspieler und ehemalige Kölner Opernintendant Uwe Eric Laufenberg berufen.[4] Beilharz ist Ehrenmitglied des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden.[5]

Regiearbeiten Oper (Auswahl)

Regiearbeiten Schauspiel (Auswahl)

Lehrtätigkeit

Ämter und Auszeichnungen

Manfred Beilharz wurde von 2002 bis 2008 drei Mal hintereinander zum Präsidenten des weltweiten ITI (Internationales Theaterinstitut) gewählt. Von 1999 bis 2014 war er Präsident des deutschen Zentrums des ITI (Sitz: Berlin), dessen Ehrenmitglied er ist. Beilharz war bis 2007 Vorsitzender der Dramaturgischen Gesellschaft, deren Ehrenmitglied er heute ist. Seit 2004 ist er Jury-Mitglied des europäischen Theaterpreises Premio Europa. Er ist (Gründungs-)Mitglied der Europäischen Theaterkonvention Brüssel und Paris. Manfred Beilharz ist Mitglied der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste (Sitz: Bensheim).

Im März 2007 wurde Beilharz für seine internationale Theaterarbeit mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

2013 erhielt er den Stanisław-Ignacy-Witkiewicz-Preis in Warschau für seine Verdienste um die Verbreitung der polnischen Theaterkultur im Ausland.

2014 erhielt Beilharz die Ehrenplakette der Stadt Wiesbaden und den Hessischen Verdienstorden für die Beförderung der Theaterkultur.[6] Im selben Jahr wurde Beilharz gemeinsam mit Tankred Dorst für die Konzeption der Biennale Neue Stücke aus Europa mit dem Brücke Berlin Initiativpreis ausgezeichnet.[7] Ebenfalls 2014 erhielt er die Goethe-Plakette des Landes Hessen.

Schriften

  • Der Bühnenvertriebsvertrag als Beispiel eines urheberrechtlichen Wahrnehmungsvertrages. C.H. Beck, München 1970, ISBN 3-406-00319-2. (Dissertation)

Literatur

  • Chancen der Internationalität. Zur Theaterarbeit von Manfred Beilharz. Hrsg. von Irma Dohn und Harald Müller. Verlag Theater der Zeit Berlin 2014. ISBN 978-3-943881-92-9

Weblinks

Einzelnachweise

  1. http://www.berlinerfestspiele.de/chronicle/?finder%5B_req%5D=1&finder%5Bfulltext%5D=&finder%5Btitle%5D=&finder%5Btheater%5D=Theater+Bonn&finder%5Byear%5D=1999&search=Suche
  2. Archivierte Kopie (Memento desOriginals vom 22. März 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/newplays.de
  3. Chancen der Internationalität. Zur Theaterarbeit von Manfred Beilharz. Hrsg. von Irma Dohn und Harald Müller. Berlin 2014.
  4. Archivierte Kopie (Memento desOriginals vom 19. August 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wiesbadener-kurier.deLandesportal Hessen – Pressemitteilung vom 13. November 2012@1@2Vorlage:Toter Link/www.hessen.de (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2019. Suche in Webarchiven)  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., abgerufen am 13. November 2012
  5. Archivierte Kopie (Memento desOriginals vom 19. August 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wiesbadener-kurier.de
  6. Staatstheater Wiesbaden: Abschied von Intendant Manfred Beilharz mit Aufführungen auf allen Bühnen und großer Show (Memento vom 23. August 2014 im Internet Archive), In: Wiesbadener Kurier. 13. Juli 2014.
  7. http://www.nachtkritik.de/index.php?option=com_content&view=article&id=9792&catid=126&Itemid=100089