Mahmood Mamdani
Mahmood Mamdani (* 1946 in Bombay, Britisch-Indien) ist ein ugandischer[1] Anthropologe und Politikwissenschaftler. Mamdani lehrt als Inhaber der Herbert-Lehman-Professur am Institut für Anthropologie an der Columbia University in New York City.
Leben
Mahmood Mamdani ist als Sohn indischer Einwanderer in der ugandischen Hauptstadt Kampala aufgewachsen. Er lebt mit seiner Frau, der Filmregisseurin Mira Nair, in New York City und Kampala.[2] Sein Sohn Zohran Mamdani wurde im November 2025 zum Bürgermeister von New York City gewählt.
Seine akademische Tätigkeit begann an der University of Dar es Salaam, wo er von 1973 bis 1979 lehrte. Von 1980 bis 1993 war er Professor an der Makerere-Universität in Uganda. Im Jahre 1996 wurde er zum Direktor des Centre of African Studies an der Universität Kapstadt ernannt. Aufgrund von Meinungsverschiedenheiten mit Kollegen über die „Dekolonialisierung der Universität“ verließ er diese 1999 und ging in die USA an die Columbia University, wo er die Herbert-Lehman-Professur für Regierungswesen innehat. Nach 16 Jahren kehrte er im Sommer 2017 für eine Vorlesung an die Universität Kapstadt zurück.[3][4]
Wirken
Der Anthropologe und Politikwissenschaftler forscht und schreibt über den religiösen Fundamentalismus und seine politischen Auswirkungen. 1998 gewann er in den USA für das Buch Citizen and Subject: Contemporary Africa and the Legacy of Late Colonialism den renommierten „Herskovits Award“ der African Studies Association.[2]
In seinem 2006 veröffentlichten Buch Guter Moslem, böser Moslem verwirft er die These von den säkularisierten, westlichen und den vormodernen, fanatischen Muslimen.[2]
Das US-Magazin Foreign Policy führte ihn im April 2008 als einen von 100 bedeutenden Intellektuellen in der Öffentlichkeit („Top 100 Public Intellectuals“) auf der Welt.[5] 2017 wurde er zum Mitglied der British Academy ernannt.[6]
2025 publizierte Mamdani „Slow Poison“. In dem Buch vergleicht er den von 1971 bis 1979 diktatorischen Präsidenten Idi Amin und den in Uganda seit 1986 an der Macht befindlichen Präsidenten Yoweri Museveni. In beiden Herrschaften sieht er Gewalt als konstitutives Element, aber mit grundverschiedenen Logiken. Idi Amin, so Mamdani, ein impulsiver, brutaler und sichtbarer Diktator, der seine Herrschaft „spektakulär“ geprägte durch offene Gewalt. Museveni dagegen repräsentiert laut Mamdani eine subtilere, aber langfristig gefährlichere Form der Autorität. Er etabliere eine Art institutionellen Machtapparat, der sich langsam „vergiftet“ daher der gewählte Titel „Slow Poison“.[7][8][9]
Schriften
- Mahmood Mamdani, Joe Oloka-Onyango (Hrsg.): Uganda: Studies in living conditions, popular movements, and constitutionalism. Journal für Entwicklungspolitik, Wien 1994, ISBN 3-901-40302-7.
- Citizen and subject: Contemporary Africa and the legacy of late colonialism. Princeton University Press, Princeton 1996, ISBN 0-691-01107-9.
- When victims become killers: Colonialism, nativism, and the genocide in Rwanda. Princeton University Press, Princeton 2002, ISBN 0-691-05821-0.
- Good Muslim, bad Muslim: America, the Cold War, and the roots of terror. Pantheon, New York 2004, ISBN 0-375-42285-4.
- Übersetzung: Guter Moslem, böser Moslem: Amerika und die Wurzeln des Terrors. Nautilus, Hamburg 2006, ISBN 3-89401-475-X.
- Saviors and Survivors: Darfur, politics, and the War on terror. Pantheon, New York 2009, ISBN 978-0-307-37723-4.
- Übersetzung: Blinde Retter: Über Darfur, Geopolitik und den Krieg gegen den Terror. Nautilus, Hamburg 2011, ISBN 978-3-89401-736-1
- Slow Poison. Idi Amin, Yoweri Museveni, and the Making of the Ugandan State. Harvard University Press, Cambridge, MA 2025, ISBN 978-0-674-29987-0
Weblinks
- Literatur von und über Mahmood Mamdani im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Interview mit dem Deutschlandfunk: Wurzeln des Terrors – Revolte gegen die Moderne (Juni 2007)
- Interview bei Democracynow.org: Mahmood Mamdani on Darfur: „The Politics of Naming: Genocide, Civil War, Insurgency“ (Juni 2007)
- Mahmood Mamdani: Naming the Darfur Crisis (November 2004), im Internet Archive, englisch
Einzelnachweise
- ↑ Zohran Mamdani and the end of the American Dream as we knew it. In: thehindu.com. 8. Juli 2025, abgerufen am 6. Oktober 2025 (englisch): „His father, Mahmood Mamdani, is of Gujarati Muslim origin and a citizen of Uganda, where Zohran was born (Kampala).“
- ↑ a b c Guter Moslem, böser Moslem: Amerika und die Wurzeln des Terrors Nautilus, Hamburg 2006, ISBN 3-89401-475-X.
- ↑ Mahmood Mamdani. Department of Anthropology, Columbia University, abgerufen am 18. Mai 2024 (englisch).
- ↑ Mamdani returns. In: University of Cape Town News. Universität Kapstadt, 24. August 2017, abgerufen am 18. Mai 2024 (englisch).
- ↑ The Top 100 Public Intellectuals: Bios. In: foreignpolicy.com. Archiviert vom am 25. April 2008; abgerufen am 18. Mai 2024 (englisch).
- ↑ Elections to the British Academy celebrate the diversity of UK research. British Academy, 21. Juli 2017, abgerufen am 18. Mai 2024 (englisch).
- ↑ Baker Batte: ‘Worse Than Amin’: Mamdani’s new book takes aim at Museveni’s legacy. In: The Observer. 29. Oktober 2025, abgerufen am 18. November 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Janina Bauer: Mahmood Mamdani und sein Sohn Zohran, der Hoffnungsträger der Linken in New York. 27. Oktober 2025, abgerufen am 18. November 2025.
- ↑ By Tunku Varadarajan: ‘Slow Poison’ Review: Idi Amin Reconsidered. 15. Oktober 2025, abgerufen am 18. November 2025 (amerikanisches Englisch).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Mamdani, Mahmood |
| KURZBESCHREIBUNG | ugandischer Anthropologe und Politikwissenschaftler |
| GEBURTSDATUM | 1946 |
| GEBURTSORT | Bombay, Britisch-Indien |
