Luftangriffe auf Augsburg

Augsburg erlitt im Zweiten Weltkrieg durch Luftangriffe schwere Schäden, vor allem weil die Stadt Sitz wichtiger Rüstungsunternehmen (unter anderem Messerschmitt AG und MAN) war. Augsburg wurde mehr als zehnmal bombardiert und war zwei großen Luftangriffen ausgesetzt. Befehlshintergrund der Angriffe war die „Anweisung zum Flächenbombardement“ (Area Bombing Directive) des britischen Luftfahrtministeriums vom 14. Februar 1942.

Angriffe

Beim ersten kleinen Angriff am 17. August 1940 warf die Royal Air Force sechs Bomben ab.

17. April 1942

Bedeutung

Der Luftangriff vom 17. April 1942 (Operation „Margin“) gilt als einer der waghalsigsten des gesamten Zweiten Weltkrieges. Ziel war das MAN-Werk. Das RAF Bomber Command wollte die Produktionsstätte von Schiffsdieselmotoren für U-Boote treffen und gleichzeitig die Fähigkeiten ihrer neuen Bomber vom Typ Avro Lancaster testen. Der unerwartet und präzise bei Tag tief im Feindesland ausgeführte Angriff sollte außerdem Angst und Schrecken verbreiten. Man versprach sich davon auf britischer Seite einen Propagandaerfolg. Augsburg wurde ausgewählt, da die am Lech gelegenen Fabrikhallen gut zu erkennen waren und die Stadt zu der Zeit nur einen relativ schwachen Flak-Schutz aufwies.

Ablauf

Der Anflug der in Waddington und Woodhall Spa stationierten Bomber fand am helllichten Tag ohne Eskorte statt, zunächst über den Ärmelkanal in nur 15 Metern (50 feets) Flughöhe[1], um das Radar zu unterfliegen und den Angriff durch deutsche Jagdflugzeuge zu erschweren, dann über Frankreich. Vier Bomber wurden jedoch bereits über Frankreich bei Sens abgeschossen. Die acht übrigen Flugzeuge begannen den tatsächlichen Angriff auf die MAN um 20:00 Uhr aus zwei Kilometern Höhe. Sie sanken schnell auf Bodennähe, um sich der Flak zu entziehen. Die Flughöhe war so niedrig, dass die Flak beim Versuch, die Flugzeuge zu treffen, so niedrig zielte, dass sie sogar Häuser traf. Jedes Flugzeug trug vier 450-kg-Bomben. Zwei Lancaster stürzten während des Angriffs ab, eine kurz danach.

Direkte Folgen

Zunächst als Erfolg deklariert, führte die Bombardierung jedoch nur zu einem mehrwöchigen Ausfall der Motorenproduktion. Fünf Bomben versagten, nur wenige Maschinen in der Produktion wurden tatsächlich zerstört. Auch die Papierfabrik Haindl und die mechanische Baumwollspinnerei und Weberei wurden unbeabsichtigt leicht getroffen. Zwölf Augsburger starben bei dem Angriff, über 20 wurden verletzt. Die Royal Air Force führte danach keinen vergleichbaren Angriff mehr durch.

25./26. Februar 1944

Bedeutung

Britische Bomber vom Typ Avro Lancaster
Britischer Bomber vom Typ Handley Page Halifax
Britischer Bomber vom Typ De Havilland Mosquito

Beim größten, verheerenden Bombenangriff in der Nacht vom 25. auf den 26. Februar 1944 wurden große Teile der Augsburger Innenstadt zerstört. Der Angriff galt den Messerschmitt-Werken und dem Hauptbahnhof als süddeutschem Eisenbahnknotenpunkt und eventuell noch weiteren Zielen.

Ablauf

Der Angriff auf Augsburg wurde mit 594 Flugzeugen durchgeführt, 461 Lancaster, 123 Halifax und 10 Mosquito. 17 Flugzeuge wurden abgeschossen, vier durch Kollisionen zerstört. Die Gegenwehr durch Flugabwehrkanonen war nicht sehr stark. Der Angriff galt zwar wegen seiner unerwarteten Genauigkeit militärisch als erfolgreich, die Folgen des Angriffs in dieser klaren Nacht für die Zivilbevölkerung und das historische Stadtzentrum waren jedoch verheerend. Genau deshalb wurde der Angriff auch kritisiert. Da die eigentlich erwartete Streuung der Bomben ausblieb, mit denen die Industriestandorte in den Randgebieten getroffen werden sollten, betraf die Zerstörung vor allem die historische Innenstadt.

Das Bombardement erfolgte in zwei Wellen. Am 25. Februar um 14.00 Uhr warfen 199 amerikanische Flugzeuge 370 Tonnen Sprengstoff-Bomben und 134 Tonnen Brandmittel ab. Dadurch starben 130 Augsburger und 250 KZ-Häftlinge. Der Angriff war Teil der Operation „Big Week“, welche die deutsche Rüstungsindustrie treffen sollte.

In der so genannten „Bombennacht“ setzten die amerikanischen und britischen Angreifer dann 250.000 Stabbrandbomben, 45.000 Phosphorkanister, 12.000 Flüssigkeitsbomben und 240 Sprengbomben ein. Um ca. 22 Uhr überflogen 248 Lancaster Augsburg, drei Stunden später 130 Lancaster und 115 Halifax. Nicht alle Augsburger hatten mit dieser zweiten, nächtlichen Welle gerechnet.

Direkte Folgen

Bei diesen Bombardements starben 730 Menschen und 1.335 wurden verletzt. 85.000 Augsburger wurden obdachlos, fast ein Viertel aller Wohnungen war zerstört. Es gab 246 große und mittlere sowie 820 kleine Feuer. Aufgrund zugefrorener Wasserflächen und Hydranten wurde die Brandbekämpfung erschwert, die Temperatur betrug minus 18 Grad Celsius.

Januar 1945

Ein weiterer Luftangriff auf Augsburg erfolgte am 15. Januar 1945. Ziel des Luftangriffs waren Fabriken und Bahnanlagen. 129 Menschen kamen dabei ums Leben.[2]

Februar 1945

Am 22. und 23. Februar 1945 wurde das Bahngelände angegriffen und schwer beschädigt. Am 27. Februar traf ein Bombardement das Bahnbetriebswerk.

Die Angriffe am 22. und 23. Februar waren Teil der Operation Clarion der United States Army Air Forces. Mit dieser sollte in einer gemeinsamen Aktion innerhalb von nur zwei Tagen alle verfügbaren Verkehrsmittel der Deutschen zerstört werden. Insgesamt mehrere tausend Flugzeuge griffen Eisenbahnlinien, Brücken, Häfen und Straßen an.

Bereits am 27. Februar 1945 folgte ein weiterer Luftangriff auf die Bahnanlagen und das Hochfeld. Insgesamt 172 Menschen wurden dabei getötet.[3]

März 1945

Der März beginnt mit einem erneuten Luftangriff. So fielen am 1. März 1945 die Bomben insbesondere auf das Hochfeld. 28 Menschen kommen dabei ums Leben.[3]

April 1945

Zwei Wochen vor Einmarsch der Amerikaner fielen am 13. April 1945 nochmal Bomben auf Augsburg. Sie gingen überwiegend in Haunstetten nieder und zerstören dort unter anderem die Turnhalle des TSV Haunstetten.[4] Am 22. April 1945 wurden die Werkhallen der MAN unter Beschuss genommen. Der Luftangriff forderte keine Menschenleben, richtete jedoch Schäden an den Gebäuden an.[4]

Auswirkungen der Bombardements

Bunkereingang heute

Nach dem Angriff von 1944 verließ fast die Hälfte der Bevölkerung die Stadt. Erst nach dem Angriff wurde ein Luftschutzstollen für 1.200 Menschen unter dem Wittelsbacher Park angelegt.

Insbesondere nach den verheerenden Angriffen vom 25. auf den 26. Februar 1944 setzte die Kinderlandverschickung in Augsburg ein. Die Augsburger Schüler wurden nach Neuburg an der Donau, Donauwörth sowie ins Allgäu gebracht.[5] Erst ab Mai 1945 kehrten die Schüler wieder nach Augsburg zurück.[6]

Große Teile der historischen Augsburger Innenstadt wurden bis zum Kriegsende zerstört. Auch das ehemalige Gebäude der Augsburger Börse fiel den Angriffen zum Opfer. Der Platz, den das Gebäude einnahm, prägt heute als Rathausplatz das Bild der Stadt.

Auch nach Kriegsende werden noch Blindgänger gefunden. So führte der Fund einer 1,8 Tonnen schweren Luftmine zur Evakuierung in Augsburg am 25. Dezember 2016.

Siehe auch

Literatur

  • Markus Pöhlmann: Es war gerade, als würde alles bersten. Augsburg im Bombenkrieg, München 2019, ISBN 978-3-86222-282-7.
  • Markus Pöhlmann: Luftangriff(e), in: Stadtlexikon Augsburg (online) vom 26. August 2010.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Augsburg, 17th April 1942 – 5. Absatz (Memento vom 27. November 2007 im Internet Archive)
  2. Stadtarchiv Augsburg (Hrsg.): Trümmer, Jeeps und leere Mägen. Wißner-Verlag, Augsburg, 1995, ISBN 3-928898-81-7, Seite 18.
  3. a b Stadtarchiv Augsburg (Hrsg.): Trümmer, Jeeps und leere Mägen. Wißner-Verlag, Augsburg, 1995, ISBN 3-928898-81-7, Seite 19.
  4. a b Stadtarchiv Augsburg (Hrsg.): Trümmer, Jeeps und leere Mägen. Wißner-Verlag, Augsburg, 1995, ISBN 3-928898-81-7, Seite 24.
  5. Stadtarchiv Augsburg (Hrsg.): Trümmer, Jeeps und leere Mägen. Wißner-Verlag, Augsburg, 1995, ISBN 3-928898-81-7, Seite 23.
  6. Stadtarchiv Augsburg (Hrsg.): Trümmer, Jeeps und leere Mägen. Wißner-Verlag, Augsburg, 1995, ISBN 3-928898-81-7, Seite 36.

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DH98 Mosquito bomber.jpg
A Royal Air Force de Havilland Mosquito B.XVI (serial ML963) in flight. ML963, 8K-K "King" of No. 571 Squadron, the picture having been taken on 30 September 1944, after the aircraft had completed repairs at Hatfield. ML963 was first issued to 109 Squadron on 9 March 1944, going on to 692 Squadron on the 24th of the same month , and then on to 571 on 19 April 1944. It was damaged in action on 12 May 1944 but returned to the Squadron on 23 October of that year. ML963 completed 84 operations with the Squadron, 31 of them to Berlin (one of the others was a low-level sortie to skip-bomb a 4,000 lb bomb into the Bitburg Tunnel, undertaken on New Year's Day, 1945. The crew were Flt Lt Norman J Griffiths & Flg Off WR Ball). Its final sortie came on 10-11 April 1945, when it was abandoned following an engine fire. The crew, F/O R.D. Oliver and F/S L.M. Young RAAF, rejoined their Squadron before the end of the month, F/O Oliver reporting as early as 22 April 1945.
Wittelsbacherpark Bunkereingang.JPG
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Wittelsbacher Park, Bunkereingang
Avro Lancasters flying in loose formation.jpg
Avro Lancasters (Mk. I, Baureihe B) der Royal Air Force in loser Formation, während des Zweiten Weltkriegs. Das Foto zeigt Maschinen der No. 50 Squadron (50. Geschwader), stationiert in Skellingthorpe, Großbritannien. Die beiden Maschinen, die hinter der Tragflächenspitze im Vordergrund zu sehen sind, sind VN-D und VN-J. Erstere, mit der Seriennummer JA899, mit dem Piloten L G Peters und Mannschaft an Bord, gilt als vermisst seit einem Einsatz in der Nacht vom 24. auf den 25. Juni 1944.