Lotilaner

Strukturformel
Strukturformel von Lotilaner
Allgemeines
FreinameLotilaner[1]
Andere Namen
  • 3-Methyl-N-{2-oxo-2-[(2,2,2-trifluor­ethyl)amino]ethyl}-5-[(5S)-5-(3,4,5-trichlorphenyl)-5-(trifluormethyl)-4,5-dihydro-1,2-oxazol-3-yl]thiophen-2-carboxamid (WHO)
  • 5-[(5S)-4,5-Dihydro-5-(3,4,5-trichlor­phenyl)-5-(trifluormethyl)-3-isoxazolyl]-3-methyl-N-[2-oxo-2-[(2,2,2-trifluorethyl)­amino]ethyl]-2-thiophencarboxamid
SummenformelC20H14Cl3F6N3O3S
Kurzbeschreibung

weißer geruchloser Feststoff[2]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer1369852-71-0
PubChem76959255
ChemSpider32699771
DrugBankDB17992
WikidataQ27279888
Arzneistoffangaben
ATC-Code

QP53BE04

Wirkstoffklasse

Antiparasitikum

Wirkmechanismus

Hemmung des GABA-gesteuerten Chloridkanals

Eigenschaften
Molare Masse596,76 g·mol−1
Aggregatzustand

Fest[3]

Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung[2]

Achtung

H- und P-SätzeH: 319​‐​410
P: 264​‐​273​‐​280​‐​305+351+338​‐​337+313​‐​501[2]
Toxikologische Daten

>2000 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)[2]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Lotilaner ist ein synthetischer Wirkstoff aus der Gruppe der Antiparasitenmittel. Er hat eine akarizide (milben- und zeckenabtötende) und insektizide (insektenabtötende) Wirkung und wird in der Tier- und Humanmedizin als Arzneimittel eingesetzt.

Chemisch gehört Lotilaner zu den Isoxazolinen, pharmakologisch zu den Inhibitoren des GABA-gesteuerten Chloridkanals.

Anwendungsgebiete

Tiermedizin

In der EU ist Lotilaner seit 2017 als Kautablette (Präparatename Credelio) zur Behandlung von Floh- und Zeckenbefall bei Hunden, seit 2018 zusätzlich bei Katzen zugelassen.[4] Der Wirkstoff wird aus dem Magen-Darm-Trakt der Tiere systemisch resorbiert und wirkt erst, nachdem die Parasiten sich am Wirtstier angeheftet und mit der Nahrungsaufnahme begonnen haben.[5] Lotilaner ist wirksam gegen Flöhe (Ctenocephalides felis und Ctenocephalides canis) und gegen die Zeckenarten Dermacentor reticulatus, Ixodes hexagonus, Ixodes ricinus, Rhipicephalus sanguineus.[6] Flöhe werden vor der Eiablage abgetötet und somit der Vermehrungszyklus unterbrochen und eine Kontamination der Umgebung verhindert. Lotilaner kann auch als Teil der Behandlungsstrategie zur Kontrolle der allergischen Flohdermatitis (FAD) eingesetzt werden.[6]

Die Substanz wird rasch resorbiert und ist einen Monat lang wirksam. Die Ausscheidung erfolgt überwiegend über die Gallenflüssigkeit (biliär). Die terminale Plasmahalbwertszeit beträgt rund 4 Wochen.[6]

WirkungseintrittHundeKatzen
Max. Plasmaspiegelinnerhalb 2 Stundeninnerhalb 4 Stunden
Abtötung von Flöheninnerhalb 4–6 Stundeninnerhalb 8–12 Stunden
Abtötung von Zeckeninnerhalb 8–48 Stundeninnerhalb 18–24 Stunden

Als Nebenwirkungen wurden nach dem Inverkehrbringen in sehr seltenen Fällen leichte gastrointestinale Effekte (Erbrechen, Durchfall, Appetitlosigkeit) und Benommenheit, bei Hunden auch neurologische Störungen wie Zittern oder Bewegungsstörungen, berichtet, die üblicherweise ohne weitere Behandlung vergehen.[6]

Humanmedizin

© Palopoli et al.; licensee BioMed Central. 2014, CC BY 4.0
Haarbalgmilbe

Für die Anwendung am Menschen ließ die US-Behörde FDA im Juli 2023 Augentropfen mit Lotilaner (Handelspräparat Xdemvy) für die Behandlung der Demodex-Blepharitis zu, einer durch Haarbalgmilben (Demodex) verursachten Lidentzündung.[7] In den USA sind 25 Millionen Menschen von dieser Erkrankung betroffen.[8] Die Anwendung erfolgt über 6 Wochen.[7] Die Zulassung stützt sich auf die Daten der Studien Saturn-1 und Saturn-2 mit insgesamt 833 Patienten.[7] In den Studien war der primäre Endpunkt die weitgehende Beseitigung von Kollaretten (Wimpernanhaftungen aus teilweise verdauten Epithelzellen, Milbenabfällen und -eiern) am Oberlid, die unter Lotilaner signifikant besser war gegenüber Placebo. Darüber hinaus kam es zur signifikanten Verbesserung bei der Milbeneradikation und der Abheilung des Erythems.[9][10] Als häufigste unerwünschte Wirkungen traten ein Stechen und Brennen am Auge auf.[7]

Wirkungsmechanismus

Lotilaner hemmt antagonistisch und nicht kompetitiv ligandengesteuerte Chloridkanäle (überwiegend GABA-Rezeptoren, in geringem Ausmaß auch Glutamat-Rezeptoren) bei Arthropoden (Gliederfüßern).[11] Der prä- und postsynaptische Transfer von Chloridionen durch die Zellmembran wird unterbunden, was zu einer irreversiblen und spastischen Lähmung der Parasiten führt, die rasch absterben.[5]

Lotilaner zeigt in den therapeutisch verwendeten Konzentrationen an den Chloridkanälen von Säugetierzellen in vitro keine messbare Wirkung.[11]

Sonstiges

Lotilaner hat ein chirales C-Atom und ist in der S-Form pharmakologisch aktiv. Es war nach Afoxolaner, Fluralaner und Sarolaner das vierte tiermedizinisch zugelassene Isoxazolin-Ektoparasitikum[5] und wurde von Elanco entwickelt. In der Humanmedizin ist es das erste therapeutisch einsetzbare Antiparasitikum bei Demodex-Blepharitis.[8]

Handelsnamen

Tiermedizin

  • Monopräparate: Credelio (EU), AdTab (EU)
  • In fixer Kombination mit Milbemycinoxim: Credelio Plus (EU)

Humanmedizin

Xdemvy (USA)

Einzelnachweise

  1. INN Recommended List 72, World Health Organisation (WHO), 9. Dezember 2014.
  2. a b c d LGC Standards: Lotilaner | CAS 1369852-71-0 | LGC Standards, abgerufen am 3. August 2023.
  3. Lotilaner – Parasite – GABA Receptor – TargetMol. In: targetmol.com. Abgerufen am 1. August 2023 (englisch).
  4. Credelio – European Medicines Agency. In: ema.europa.eu. 18. Juni 2021, abgerufen am 1. August 2023 (englisch).
  5. a b c Ilka Ute Emmerich: Neue Arzneimittel für Kleintiere 2018. In: Tieraerztliche Praxis Ausgabe Kleintiere Heimtiere. 2019. DOI:10.1055/a-0858-4261.
  6. a b c d Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels - Credelio, EMA, 18. Juni 2021(PDF; 0,1 MB).
  7. a b c d Lori Solomon: FDA Approves Xdemvy for Demodex Blepharitis. In: drugs.com. Abgerufen am 1. August 2023.
  8. a b Adam Zamecnik: FDA approves first-ever therapy for Demodex blepharitis. In: pharmaceutical-technology.com. 26. Juli 2023, abgerufen am 1. August 2023 (englisch).
  9. Elizabeth Yeu, David Wirta, Paul Karpecki, Stephanie N. Baba, Mark Holdbrook: Lotilaner Ophthalmic Solution, 0.25%, for the Treatment of Demodex Blepharitis: Results of a Prospective, Randomized, Vehicle-Controlled, Double-Masked, Pivotal Trial (Saturn-1). In: Cornea. 2022, Band 42, Nummer 4, S. 435–443 doi:10.1097/ICO.0000000000003097.
  10. Ian Benjamin Gaddie, Eric D. Donnenfeld, Paul M. Karpecki, Patrick Vollmer, Gregg J. Berdy, Jared D. Peterson, Blake Simmons, Aimée R.P. Edell, William E. Whitson, Joseph B. Ciolino, Stephanie N. Baba, Mark Holdbrook, José Trevejo, John Meyer, Elizabeth Yeu: Lotilaner Ophthalmic Solution, 0.25% for Demodex Blepharitis: Randomized, Vehicle-Controlled, Multicenter, Phase 3 Trial (Saturn-2). In: Ophthalmology. 2023 doi:10.1016/j.ophtha.2023.05.030.
  11. a b Lucien Rufener, Vanessa Danelli, Daniel Bertrand, Heinz Sager: The novel isoxazoline ectoparasiticide lotilaner (Credelio™): a non-competitive antagonist specific to invertebrates γ-aminobutyric acid-gated chloride channels (GABACls). In: Parasites & Vectors. 2017, Band 10, Nummer 1. DOI:10.1186/s13071-017-2470-4.

Auf dieser Seite verwendete Medien

Lotilaner 2.svg
Autor/Urheber: Benff, Lizenz: CC BY-SA 4.0
Chemical structure of lotilaner
Demodex folliculorum SEM crop.jpg
© Palopoli et al.; licensee BioMed Central. 2014, CC BY 4.0
צילום של דמודקס פוליקולרום