Liste der Stolpersteine in Merzig

Die Liste der Stolpersteine in Merzig umfasst die Stolpersteine, die vom deutschen Künstler Gunter Demnig in der saarländischen Kreisstadt Merzig verlegt wurden. Stolpersteine sind Opfern des Nationalsozialismus gewidmet, all jenen, die vom NS-Regime drangsaliert, deportiert, ermordet, in die Emigration oder in den Suizid getrieben wurden. Demnig verlegt für jedes Opfer einen eigenen Stein, im Regelfall vor dem letzten selbst gewählten Wohnsitz.

Die ersten Verlegungen in der Stadt fanden am 20. November 2012 statt.

Jüdische Gemeinde

Denkmal Synagoge Merzig

Zur Zeit der Angliederung des Saargebietes an Hitler-Deutschland, 1935, wohnten in Merzig noch rund dreißig Juden. Wegen der zunehmenden Entrechtung gingen viele von ihnen in die Emigration. Im Zuge der Novemberpogrome von 1938 wurde die Synagoge von fanatischen NSDAP-Anhänger angezündet. Der Friedhof wurde geschändet. Die noch in Merzig verbliebenen Juden wurden aus ihren Wohnungen gezerrt und unter Beschimpfungen und Misshandlungen in den Rathauskeller getrieben. Im Haus Weil wurde die Einrichtung zerstört und die 78-jährige Frau Frank misshandelt.[1] 1939 kaufte die Stadt Merzig die ausgebrannte Ruine der Synagoge, die während eines Bombenangriffes 1944 fast völlig zerstört und in den Nachkriegsjahren abgerissen wurde. Heute erinnert ein Denkmal an die Synagoge. 19 der 21 Stolpersteine sind jüdischen Bürgern gewidmet, die von Vertretern des NS-Regimes ermordet wurden.[2]

Verlegte Stolpersteine

In Merzig wurden bislang 21 Stolpersteine an neun Adressen verlegt.

StolpersteinÜbersetzungVerlegeortName, Leben
HIER WOHNTE
BELLA BERL
JG. 1888
DEPORTIERT 1940
GURS
1942 AUSCHWITZ
ERMORDET
Schankstraße 22
Bella Berl (1888–1942)
HIER WOHNTE
LEOPOLD BAUM
JG. 1876
VERHAFTET 1938
DACHAU
DEPORTIERT 1941
GHETTO RIGA
ERMORDET 9.12.1941
Am Feldchen 5
Leopold Baum (1876–1941)
HIER WOHNTE
EMIL BONE
JG. 1920
[...]
30.3.1940
Besseringen,
Mühlenstraße
Emil Bone (1920–1940)[3]
HIER WOHNTE
BERTHOLD BONNEM
JG. 1925
FLUCHT 1935 FRANKREICH
INTERNIERT PITHIVIERS
DEPORTIERT 1942
AUSCHWITZ
ERMORDET 23.8.1942
Poststraße 42
Berthold Bonnem (1925–1942)
HIER WOHNTE
EDITH BONNEM
JG. 1927
FLUCHT 1935 FRANKREICH
INTERNIERT PITHIVIERS
DEPORTIERT 1942
AUSCHWITZ
ERMORDET 1942
Poststraße 42
Edith Bonnem (1927–1942)
HIER WOHNTE
GUSTEL BONNEM
GEB. KAHN
JG. 1903
FLUCHT 1935 FRANKREICH
INTERNIERT PITHIVIERS
DEPORTIERT 1942
AUSCHWITZ
ERMORDET 4.12.1942
Poststraße 42
Gustel Bonnem geb. Kahn (1903–1942)
HIER WOHNTE
MARCEL BONNEM
JG. 1902
FLUCHT 1935 FRANKREICH
INTERNIERT DRANCY
DEPORTIERT 1942
ERMORDET IN
AUSCHWITZ
Poststraße 42
Marcel Bonnem (1902–1942)
HIER WOHNTE
REBECCA BONNEM
GEB. HANAU
JG. 1863
FLUCHT 1935 FRANKREICH
INTERNIERT DRANCY
DEPORTIERT 1942
ERMORDET IN
AUSCHWITZ
Poststraße 42
Rebecca Bonnem geb. Hanau (1863–1942)
HIER WOHNTE
RUDOLF BONNEM
JG. 1929
FLUCHT 1935 FRANKREICH
INTERNIERT DRANCY
DEPORTIERT 1942
ERMORDET IN
AUSCHWITZ
Poststraße 42
Rudolf Bonnem (1929–1942)
HIER WOHNTE
JULIE FRANK
GEB. WEIL
JG. 1860
DEPORTIERT 1940
GURS
LAGER RECEBEDOU
TOT 21.12.1941
Wagnerstraße 13
Julie Frank geb. Weil wurde am 5. Februar 1860 in Merzig geboren. Sie lebte mit ihrem Bruder Hermann Weil in Merzig. Sie wurde am 22. Oktober 1940 im Rahmen der Wagner-Bürckel-Aktion nach Gurs deportiert und von dort am 20. März 1941 ins Lager Rècèbèdou verbracht. Julie Frank starb dort am 21. Dezember 1941 und wurde auf dem Friedhof Portet-Saint-Simon bestattet.

Ihr Bruder starb am 29. November 1941 in Gurs.

HIER WOHNTE
JULIUS FRENKEL
JG. 1879
'SCHUTZHAFT' 1938
DACHAU
FLUCHT 1939
LUXEMBURG
DEPORTIERT 1941
ŁODZ/LITZMANNSTADT
ERMORDET IN
AUSCHWITZ
Synagogenstraße
(Kantehaus neben der Synagoge)
Julius Frenkel
HIER WOHNTE
SARA FRENKEL
GEB. NEUBERGER
JG. 1887
FLUCHT 1939
LUXEMBURG
DEPORTIERT 1941
ŁODZ/LITZMANNSTADT
ERMORDET
Synagogenstraße
(Kantehaus neben der Synagoge)
Sara Frenkel
HIER WOHNTE
OTTHILIA HANAU
JG. 1875
DEPORTIERT 1940
TOT IN
GURS
Wagnerstraße 24
Otthilia Hanau
HIER WOHNTE
EDGAR KAHN
JG. 1907
FLUCHT 1935 FRANKREICH
INTERNIERT DRANCY
DEPORTIERT 1942
MAJDANEK
ERMORDET 4.3.1943
Hochwaldstraße 66
Edgar Kahn (1907–1943)
HIER WOHNTE
IDA KAHN
GEB. KAUFMANN
JG. 1878
FLUCHT 1935 FRANKREICH
INTERNIERT DRANCY
DEPORTIERT 1942
ERMORDET IN
AUSCHWITZ
Hochwaldstraße 66
Ida Kahn geb. Kaufmann (1878–1942)
HIER WOHNTE
JULIUS KAHN
JG. 1867
FLUCHT 1935 FRANKREICH
INTERNIERT DRANCY
DEPORTIERT 1942
AUSCHWITZ
ERMORDET 11.11.1942
Hochwaldstraße 66
Julius Kahn (1867–1942)
HIER WOHNTE
VALENTIN KIEFER
JG. 1879
IM WIDERSTAND
VERHAFTET 1940
'KRITISCHE ÄUSSERUNGEN'
DACHAU
[...]
Hilbringen,
Mittelstraße
Valentin Kiefer
HIER WOHNTE
CAMILLA LEVY
JG. 1876
DEPORTIERT 1940
GURS
ERMORDET IN
AUSCHWITZ
Am Feldchen 5
Camilla Levy
HIER WOHNTE
MATHILDE LEVY
JG. 1878
DEPORTIERT 1940
GURS
1942 AUSCHWITZ
ERMORDET 1942
Am Feldchen 5
Mathilde Levy
HIER WOHNTE
LILLY GERMAINE
MEYER
GEB. KAHN
JG. 1913
FLUCHT 1935 FRANKREICH
INTERNIERT DRANCY
DEPORTIERT 1942
AUSCHWITZ
ERMORDET 13.2.1943
Hochwaldstraße 66
Lilly-Germaine Meyer geb. Kahn (1913–1943)
HIER WOHNTE
HERMANN WEIL
JG. 1864
DEPORTIERT 1940
GURS
TOT 29.11.1941
Wagnerstraße 13
Hermann Weil

Verlegedaten

  • 20. November 2012: Am Feldchen 5, Hochwaldstraße 66, Poststraße 42, Schankstraße 22, Wagnerstraße 13 und 24
  • 22. Februar 2014: Besseringer Mühlenstraße, Synagogenstraße[4]
  • 2015: Mittelstraße in Hilbringen

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Stolpersteine für Merzig: Stolpersteinverlegung am 20. November 2012, abgerufen am 24. Januar 2022
  2. Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum: Merzig (Saarland), abgerufen am 24. Januar 2022
  3. Einlasskarte zur Hinrichtung von Emil Bone, abgerufen am 24. Februar 2022
  4. Kreisstadt Merzig: Stolpersteine in Merzig, abgerufen am 24. Februar 2022

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Stolpersteine für Rudolf Pick und Ruzena Lindtova.jpg
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Stolpersteine für Rudolf Pick und Ruzena Lindtova
Denkmal Synagoge Merzig.jpg
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Denkmal Synagoge Merzig