Fürstliche Sammlungen Liechtenstein

Gartenpalais Liechtenstein, wo die Sammlung 2004–2012 regelmäßig ausgestellt wurde
Die sala terrena ist der Eingangsbereich mit Fresken von Johann Michael Rottmayr und einer Madonnenstatue von Franz Xaver Messerschmidt.
Bernardo Bellotto-Canaletto, Das Gartenpalais Liechtenstein 1759

Die Fürstlichen Sammlungen des Hauses Liechtenstein ist eine bedeutende private Kunstsammlung. Sie umfasst Gemälde und Plastiken aus vier Jahrhunderten: der zeitliche Rahmen geht von der Renaissance bis zum Biedermeier. Sie ist im Besitz der Stiftung Fürst Liechtenstein. Die Liechtenstein-Sammlungen werden unter dem Begriff „The Princely Collection“ publiziert. Ihr Leiter ist seit April 2023 Stephan Koja.[1] Die Sammlungen sind Teil des Netzwerks „Private Art Collections“.[2] Sie sind nicht mehr in einem Museum ausgestellt, es gibt aber gelegentliche Präsentationen und Sonderausstellungen eines Teils davon.

Auswahl

Ehemaliger Ausstellungsbetrieb im Gartenpalais Liechtenstein

2004–2011 wurde im Gartenpalais Liechtenstein (9. Wiener Gemeindebezirk Alsergrund) unter der Bezeichnung Liechtenstein Museum ein großer Teil der Sammlung ausgestellt.

Im Palais war bereits von 1805 bis 1938 die Privatsammlung des Hauses Liechtenstein zu besichtigen, die nach dem „Anschluss Österreichs“ an das nationalsozialistische Deutsche Reich Anfang des Jahres 1945 von Gustav Wilhelm nach Liechtenstein gebracht wurde.

Vom 29. März 2004 bis Anfang 2012 wurde die Sammlung als zu fixen Öffnungszeiten zugängliches Kunstmuseum präsentiert. Der Schwerpunkt der Präsentation lag – dem Ambiente des Gebäudes entsprechend – auf dem Barockzeitalter, vor allem auf dem Werk von Peter Paul Rubens. Im Erdgeschoß war auch der Prunkwagen des Fürsten Johann Adam Andreas ausgestellt, mit dem er in diplomatischer Mission nach Paris reiste.

Am 15. November 2011 wurde bekanntgegeben, dass der reguläre Museumsbetrieb wegen der hinter den ursprünglichen Erwartungen sehr stark zurückgebliebenen Besuchszahlen (bis zu 300.000 Besuche pro Jahr erwartet, tatsächlich etwa 45.000) mit Jänner 2012 beendet wird. Seit damals ist der Museumsbetrieb eingestellt. Der Fokus wurde nunmehr auf Veranstaltungen und gebuchte Führungen durch die Fürstlichen Sammlungen gelegt. Der Name Liechtenstein-Museum wird nicht mehr verwendet. Das Palais bleibt Heimat eines Teils der Sammlung.

Das Stadtpalais Liechtenstein im 1. Bezirk, das seit 2009 zum zweiten Standbein des Museums ausgebaut wurde und ursprünglich im Herbst 2011 hätte eröffnet werden sollen, beherbergt ebenfalls Kunstwerke der Fürstlichen Sammlungen, wird aber wie das Gartenpalais nicht mehr als Museum bezeichnet und bietet keinen regulären Museumsbetrieb.

Literatur

  • Rudolf H. Wackernagel: Der goldene Wagen des Fürsten Joseph Wenzel von Liechtenstein. Ausstellung der Wagenburg in Schönbrunn mit Leihgaben der Sammlungen des Regierenden Fürsten von Liechtenstein. Katalog. Kunsthistorisches Museum, Wien 1977, DNB 780553756.
  • Johann Kräftner, Gottfried Knapp (Hrsg.): Liechtenstein Museum. Ein Haus für die Künste. Das Gartenpalais in der Rossau. Prestel, Wien 2004, ISBN 978-3-7913-3138-6 (deutsch, englisch, italienisch).
  • Johann Kräftner (Hrsg.): Liechtenstein Museum: Die Sammlungen. Prestel, Wien 2004, ISBN 978-3-7913-3142-3.
  • Isabel Kuhl: Wer lacht da im Barock? Prestel, Wien 2004, ISBN 978-3-7913-3193-5.
  • Johann Kräftner (Hrsg.): Liechtenstein Museum: Die Fürstlichen Sammlungen. Prestel, Wien 2004, ISBN 978-3-7913-3139-3 (deutsch, englisch, italienisch).
Ausstellungskataloge
  • Stephan Kemperdick: Liechtenstein Museum: Das frühe Porträt. Aus den Sammlungen des Fürsten von und zu Liechtenstein und dem Kunstmuseum Basel. Prestel, Wien 2006, ISBN 978-3-7913-3597-1
  • Johann Kräftner (Hrsg.): Liechtenstein Museum: Die Malerfamilie Alt. Jakob, Rudolf und Franz Alt in der Sammlung der Raiffeisen-Zentralbank (anlässlich der Ausstellung "Die Malerfamilie Alt. Jakob, Rudolf und Franz Alt aus der Sammlung der Raiffeisen-Zentralbank im Liechtenstein-Museum Wien" 29. Juni bis 20. August 2007). Liechtenstein Museum, Wien, ISBN 978-3-9502380-0-6.
  • Johann Kräftner (Hrsg.): Liechtenstein Museum: Unter dem Vesuv. Prestel, Wien 2005, ISBN 978-3-7913-3787-6.
  • Johann Kräftner (Hrsg.): Liechtenstein Museum: Biedermeier im Haus Lichtenstein. Prestel, Wien 2005, ISBN 978-3-7913-3496-7.
  • Johann Kräftner (Hrsg.): Liechtenstein Museum: Oasen der Stille. Die großen Landschaftsgärten Mitteleuropas. Brandstätter, Wien 2008, ISBN 978-3-85033-231-6.
  • Johann Kräftner. Veronika Kopecky (Hrsg.): Liechtenstein Museum: Barocker Luxus Porzellan. Die Manufakturen Du Paquier in Wien und Carlo Ginori in Florenz. Prestel, Wien 2005, ISBN 978-3-7913-3500-1.
  • Samuel Wittwer: Raffinesse & Eleganz. Königliche Porzellane des frühen 19. Jahrhunderts aus einer amerikanischen Privatsammlung. Hirmer, München 2007, ISBN 978-3-7774-3465-0.
  • Johann Kräftner (Hrsg.): Liechtenstein Museum: Klassizismus und Biedermeier. Prestel, Wien 2004, ISBN 978-3-7913-3145-4.
  • Johann Kräftner, Veronika Kopecky (Hrsg.): Liechtenstein Museum: Vorbild Rubens. Prestel, Wien 2004, ISBN 978-3-7913-3342-7.
  • Johann Kräftner (Hrsg.): Liechtenstein Museum: Das Badminton Cabinet. Commessi di pietre dure in den Sammlungen des Fürsten von und zu Liechtenstein. Prestel, Wien 2005, ISBN 978-3-7913-3503-2.
  • Johann Kräftner (Hrsg.): Liechtenstein Museum: Auf goldenem Grund. Brandstätter, Wien 2009, ISBN 978-3-85033-283-5.
  • Gustav Wilhelm, Johann Kräftner (Hrsg.): Liechtenstein Museum: Der Weg der Liechtenstein-Galerie von Wien nach Vaduz. Der Weg von Wien nach Vaduz im Frühjahr 1945. Prestel, Wien 2005, ISBN 978-3-7913-3339-7.
  • Johann Kräftner (Hrsg.): Liechtenstein Museum: Fürstlich kochen. Kulinarisches aus dem Hause Liechtenstein. Prestel, Wien 2008, ISBN 978-3-7913-3340-3.
  • Johann Kräftner (Hrsg.): Liechtenstein Museum: Der Blick in die Ferne. Landschaftsmalerei aus den Sammlungen des Fürsten von und zu Liechtenstein 15. bis 19. Jahrhundert. Brandstätter, Wien 2008, ISBN 978-3-85033-250-7.
  • Johann Kräftner (Hrsg.): Liechtenstein Museum: Giovanni Giuliani. 2 Bände. Prestel, Wien 2006, ISBN 978-3-7913-3360-1.
  • Reinhold Baumstark, Johann Kräftner, Herbert W. Rott: Wiener Malerei des Biedermeier aus der Sammlung Liechtenstein. Cantz, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-7757-2227-8.
  • Johann Kräftner (Hrsg.): Liechtenstein Museum: Pferde, Wagen, Ställe. Reiten, Fahren und die Jagd zu Pferd im Haus Liechtenstein. Prestel, Wien 2006, ISBN 978-3-7913-3739-5.

Weblinks

Commons: Liechtenstein Collection – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Fürstliche Sammlungen Liechtenstein: Stephan Koja wird 2023 neuer Direktor. Abgerufen am 21. August 2023 (österreichisches Deutsch).
  2. Almuth Spiegler: Mäzene heute, oder: Noblesse oblige. Die Presse, 20. September 2003, abgerufen am 31. März 2009 (deutsch).

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VALENTIN DE BOULOGNE - Concert avec une diseuse de bonne aventure - A Musical Company with a Fortune-Teller (Reunion with a Gypsy) 1631 LIECHTENSTEIN COLLECTION PRINCIERE.jpg
Late work commissioned by a Sicilian aristocrat living in Madrid, Fabrizio Valguarnera, when on a visit to Rome in 1631: a “picture of people featuring a gypsy, with soldiers and other women playing instruments”. Strong contrasts of light and shade, known as chiaroscuro, are modelled on Michelangelo Merisi, known as Caravaggio (1571–1610). As in this painting, Valentin’s work is based on the secular scenes of Caravaggio’s early period, but he combined them with the dark, highly contrasting colors of the master’s late style
Liechtenstein Palais Wien5.jpg
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Nicolas Pineau. Der Goldene Wagen des Fürsten Joseph Wenzel I. von Liechtenstein, 1738.

Holz, farbig gefasst und vergoldet, Stahl, vergoldete Bronze, Leder, Kristall, Samt mit Goldstickerei, Brokat

Höhe 610 cm, Breite 213 cm, Tiefe 319 cm

Inv.-Nr. SK1

Provenienz: 1738 erworben als Auftragswerk durch Fürst Joseph Wenzel von Liechtenstein für seinen Einzug als kaiserlicher Botschafter in Paris

Ausgestellt in Sala Terrena
ST JOHN THE BAPTIST IN THE WILDERNESS LIECHTENSTEIN. THE PRINCELY COLLECTIONS.jpg
"St John the Baptist in the Wilderness" has traditionally been attributed to Giulio Romano and is largely identical to the work of the same name in the Tribuna of the Uffizi in Florence, which is usually attributed to Raphael
Wien Palais Liechtenstein.jpg
Autor/Urheber: Photo: Andreas Praefcke, Lizenz: CC BY 3.0

Vienna, Austria (Alsergrund borough). Palais Liechtenstein, home to the Liechtenstein Museum

  Dieses Bild zeigt das in Österreich unter der Nummer 10723 denkmalgeschützte Objekt. (Commons, de, Wikidata)
Liechtenstein Palais Wien4.jpg
Autor/Urheber: Welleschik, Lizenz: CC BY-SA 3.0
Die Sala Terrena ist das Entrée des Gartenpalais Liechtenstein und war nach der Art italienischer Palastbauten als offene Halle konzipiert. Vom Ehrenhof des Palais gelangte der Besucher noch bis Ende des 19. Jahrhunderts direkt in den Garten im Norden, allein Gitter schlossen den Raum ab. Die Fresken in den Deckenspiegeln sind Werke des Johann Michael Rottmayr (1654–1730) und zeigen untere anderem die vier Elemente und die fünf Sinne.

Links: Franz Xaver Messerschmidt. Maria Immaculata, 1766

Blei-Zinn-Legierung

Höhe 300 cm

Inv.-Nr. SK1479

Provenienz: Beauftragt beim Künstler durch Maria Felicitas von Savoyen-Carignan für die Fassade des Savoyenschen Damenstiftes, Johannesgasse 15–17, Wien