Landtag des Saarlandes

Landtag des Saarlandes
LogoLandtagsgebäude in Saarbrücken
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Basisdaten
Sitz:Saarbrücken
Legislaturperiode:fünf Jahre
Erste Sitzung:14. Oktober 1947
Abgeordnete:51
Aktuelle Legislaturperiode
Letzte Wahl:26. März 2017
Nächste Wahl:voraussichtlich 2022
Vorsitz:Landtagspräsident Stephan Toscani (CDU)
Sitzverteilung:Regierung (41)
  • CDU 24
  • SPD 17
  • Opposition (10)
  • Die Linke 6
  • AfD 2
  • Fraktionslose 2
  • Website
    www.landtag-saar.de

    Der Landtag des Saarlandes ist das saarländische Landesparlament mit Sitz in der Landeshauptstadt Saarbrücken.

    Geschichte

    Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Saargebiet aus dem Deutschen Reich herausgelöst. Zwischen 1920 und 1935 bestand der Landesrat als Volksvertretung und damit als Vorgänger des Landtags des Saarlandes. Während der Zeit des Nationalsozialismus bestand keine saarländische Volksvertretung. Nach der deutschen Niederlage im Zweiten Weltkrieg wurde das Saarland französisches Protektorat. Am 23. Mai 1947 wurde eine aus 20 Personen bestehende Verfassungskommission eingesetzt. Diese Kommission stand in der Tradition der Ernannten Landtage der anderen deutschen Länder. Am 5. Oktober 1947 wurde eine Verfassunggebende Versammlung gewählt. Diese trat nach der Annahme der Verfassung des Saarlandes in die Rolle des ersten Landtags ein.

    Der Landtag des Saarlandes tagt im 1865/1866 für die Saarbrücker Casino-Gesellschaft erbauten Gebäude in der heutigen Franz-Josef-Röder-Straße. Das Gebäude wurde durch den Architekten Julius Carl Raschdorff errichtet, der unter anderem auch den Berliner Dom erbaute.[1]

    Sitzverteilung im Landtag seit 1947

    WahltagSitzeSitze nach ParteienListe der Mitglieder
    CDUSPDDIE LINKEAfDPIRATENGRÜNEFDP/DPSCVP/SVP1DDUSPSKPS
    5. Oktober 1947503281721. Landtag
    30. November 195250291742. Landtag
    18. Dezember 195550147122132223. Landtag
    4. Dezember 19605019167624. Landtag
    27. Juni 1965502321425. Landtag
    14. Juni 19705027236. Landtag
    4. Mai 197550252237. Landtag
    27. April 1980512324348. Landtag
    10. März 198551202659. Landtag
    28. Januar 1990511830310. Landtag
    16. Oktober 1994512127311. Landtag
    5. September 199951262512. Landtag
    5. September 2004512718434313. Landtag
    30. August 200951195131135514. Landtag
    25. März 2012511918686472715. Landtag
    26. März 201751241778316. Landtag
    1 Ab 1957 nannte sich die CVP-Fraktion CSU, 1959 schloss sie sich der CDU an.
    2 Aufgrund einer Entscheidung der Verfassungskommission vom 19. April 1956 erhielt die DPS einen der bisherigen CVP-Sitze.
    3 Am 7. Dezember 1984 trat der Abgeordnete Peter Lindner aus der SPD-Fraktion aus.
    4 Am 7. August 2007 trat die Abgeordnete Barbara Spaniol aus Partei und Fraktion Bündnis 90/Die Grünen aus und gehörte dem Landtag in der Folge als fraktionsloses Mitglied der Partei Die Linke an.
    5 Am 15. Dezember 2011 trat der bisherige FDP-Fraktionsvorsitzende Christian Schmitt aus der FDP-Fraktion aus und am 19. Dezember 2011 der CDU-Fraktion bei.
    6 Am 12. April 2012 (noch vor der Konstituierung des 15. Landtags) trat die Abgeordnete Pia Döring von der Partei „Die Linke“ zur SPD über.
    7 Am 26. Januar 2015 wechselte der Abgeordnete Michael Neyses aus der Fraktion der Piraten zur Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.
    8 Am 2. August 2018 verließ Dagmar Ensch-Engel die Linksfraktion und ist seitdem fraktionslos.

    Wahlergebnisse

    2012Landtagswahl 2017
    Amtliches Endergebnis[2]
    Wahlbeteiligung: 69,7 %
     %
    50
    40
    30
    20
    10
    0
    40,7
    29,6
    12,9
    6,2
    4,0
    3,3
    0,8
    0,7
    0,7
    1,2
    Gewinne und Verluste
    im Vergleich zu 2012
     %p
       8
       6
       4
       2
       0
      -2
      -4
      -6
      -8
    +5,5
    −1,0
    −3,2
    +6,2
    −1,0
    +2,1
    −0,9
    −6,7
    −0,5
    −0,3
    Landtagswahlen im Saarland seit 1947
    CDUSPDDIE LINKE[b 1]AfDGRÜNEFDP/DPS[b 2]FAMILIEPIRATENNPDCVP[b 3]DDUKPSPS[b 4]Sonstige
    19477,6 %51,2 %8,4 %32,8 %
    195254,7 %9,5 %32,4 %3,4 %
    195525,4 %14,3 %[b 5]24,2 %21,8 %0,9 %6,8 %5,8 %0,8 %
    196036,6 %30,0 %13,6 %11,4 %5,0 %3,4 %
    196542,7 %40,7 %8,3 %5,2 %3,1 %
    197047,8 %40,8 %4,4 %3,4 %0,9 %2,7 %
    197549,1 %41,8 %7,4 %0,7 %1,0 %
    198044,0 %45,4 %2,9 %6,9 %0,8 %
    198537,3 %49,2 %2,5 %10,0 %0,7 %0,3 %
    199033,4 %54,4 %2,6 %5,6 %0,2 %0,2 %3,4 %
    199438,6 %49,4 %5,5 %2,1 %0,5 %3,9 %
    199945,5 %44,4 %0,8 %3,2 %2,6 %1,0 %2,5 %
    200447,5 %30,8 %2,3 %5,6 %5,2 %3,0 %4,0 %1,6 %
    200934,5 %24,5 %21,3 %5,9 %9,2 %2,0 %1,5 %1,1 %
    201235,2 %30,6 %16,1 %5,0 %1,2 %1,7 %7,4 %1,2 %1,5 %
    201740,7 %29,6 %12,8 %6,2 %4,0 %3,3 %0,8 %0,7 %0,7 %1,2 %

    Regierungsparteien = fett; nicht im Landtag vertretene Parteien = kursiv

    Fußnoten

    1. Bis 2007 als Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS)
    2. Bis 1957 DPS (1951 bis 1955 verboten), danach Teil der FDP
    3. 1959 (Teil-)Fusion mit CDU Saar; Ergebnisse ab 1960 Saarländische Volkspartei (SVP) bzw. SVP/CVP
    4. 1956 Fusion mit der DSP zur SPD Saarland
    5. Deutsche Sozialdemokratische Partei (DSP)

    Präsidenten des Landtags

    Landtagspräsident Stephan Toscani
    Präsidenten des Landtags des Saarlandes
    PräsidentFraktionAmtszeitAnmerkung
    Johannes HoffmannCVP1947Präsident der Gesetzgebenden Versammlung des Saarlandes
    Peter ZimmerSPS1947–1956
    Heinrich SchneiderDPS1956
    Wilhelm KratzCDU1957–1959
    Julius von LautzCDU1959
    Alfons DawoCDU1959–1961
    Josef SchmittCDU1961–1966
    Hans MaurerCDU1966–1974im Amt verstorben
    Franz SchneiderCDU1974–1975
    Ludwig SchnurCDU1975–1980
    Albrecht HeroldSPD1980–1994
    Hans KasperSPD1994–1999
    Hans LeyCDU1999–2015im Amt verstorben
    Klaus MeiserCDU2015–2018am 12. Februar 2018 zurückgetreten
    Stephan ToscaniCDU2018–

    Ausschüsse

    In der 16. Wahlperiode wurden folgende Ausschüsse und Unterausschüsse gebildet:[3]

    • Ausschuss für Bildung, Kultur und Medien
    • Ausschuss für Eingaben
      • Unterausschuss für Datenschutz und Informationsfreiheit
    • Ausschuss für Europa und Fragen des Interregionalen Parlamentarierrates
    • Ausschuss für Finanzen und Haushaltsfragen
      • Unterausschuss zur Prüfung der Haushaltsrechnung
    • Ausschuss für Fragen des Verfassungsschutzes
    • Ausschuss für Grubensicherheit und Nachbergbau
    • Ausschuss für Inneres und Sport
      • Unterausschuss für Bauen
    • Ausschuss für Justiz, Verfassungs- und Rechtsfragen sowie Wahlprüfung
    • Ausschuss für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie
    • Ausschuss für Umwelt und Verbraucherschutz
    • Ausschuss für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr
    • Ausschuss für Wissenschaft, Forschung und Technologie

    Bezahlung

    Siehe Abgeordnetenentschädigung der Abgeordneten des Landtags des Saarlandes

    Die Mitglieder des Landtages erhalten eine Abgeordnetenentschädigung. Im Februar 2013 stellte der Rechnungshof des Saarlandes fest, dass „mehr als 70 Prozent“ der Abgeordneten verfassungswidrige Zulagen erhielten, für die keine gesetzliche Grundlage existiert.[4] Nach Angaben des Bundes der Steuerzahler stehen die saarländischen Abgeordneten mit 3,13 Euro pro Einwohner auf Rang 14 aller deutschen Parlamente. Nur die Abgeordneten der Bundesländer Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen erhalten ein höheres Abgeordnetengehalt bzw. -entschädigung durch die Bürger und Bürgerinnen.[5]

    Baugeschichte des Landtagsgebäudes

    Saarbrücker Casino-Gesellschaft

    Saarbrücker Casino-Gesellschafts-Haus, Eintrittskarte zur großen Fasnachts-Redoute der Saarbrücker Fasnachtsvereinigung „Momus“ am 26. Februar 1848 im alten Casino-Saal in der Wilhelm-Heinrich-Straße (Stadtarchiv Saarbrücken)

    Der heutige Landtag des Saarlandes war ursprünglich das Gesellschaftshaus der Alt-Saarbrücker und St. Johanner Casino-Gesellschaft. Die Casino-Gesellschaft geht auf einen in den Jahren zwischen 1770 und 1780 entstandenen Abendgesellschaftsverein der Saarbrücker Beamten- und Kaufmannschaft zurück. Bereits im Jahr 1796 hatten 19 ihrer Mitglieder eine Geselligkeitsvereinigung gegründet. Zunächst bezog der Verein ein erstes „Casino“ in der Wilhelmstraße, übersiedelte dann in die Altneugasse und fand etwa ab 1817 ein Veranstaltungshaus in der heutigen Wilhelm-Heinrich-Straße.

    Bau des Casino-Gebäudes durch Raschdorff

    Casino in Saarbrücken, Fassade an der Herrengarten-Allee, Zeitschrift für Bauwesen 1869
    Casino in Saarbrücken, Nordwestfront und Grundrisse, Zeitschrift für Bauwesen 1869
    Casino in Saarbrücken, Südostfront und Längendurchschnitt, Zeitschrift für Bauwesen 1869

    Nachdem die Gesellschaft in den 1850er Jahren zahlenmäßig angewachsen war, beschloss man am 7. Mai 1864, an der Herrengartenallee über dem Saarufer einen Neubau zu errichten. Die „Herrengärthen“ waren die Fläche der von Hofgärtner Köllner im 18. Jahrhundert angelegten Gärten hinter dem Saarbrücker Schloss. In einem zum Bau eines neuen Gesellschaftshauses ausgeschriebenen Architektenwettbewerb erhielt Julius Carl Raschdorff, damals Stadtbaumeister von Köln, den ersten Preis. Die Grundfläche des Gebäudes sollte 4.300 bis 4.500 Quadratfuß (425 bis 450 Quadratmeter) nicht übersteigen, ebenso sollten die Baukosten nicht mehr als 6½ Reichstaler pro Quadratfuß betragen. Im Erdgeschoss waren an Räumen verlangt:

    • Ein größeres und ein kleineres Gesellschaftszimmer. Dabei sollte das größere Gesellschaftszimmer einen Ausgang auf die Gartenterrasse haben.
    • Ein Billard- und ein Spielzimmer
    • Ein Lese- und ein Bücherzimmer
    • Eine Portierloge
    • Ein Buffetraum mit Speiseaufzug
    • Eine Herrengarderobe
    • Ein Zimmer für den Ökonomen

    Das obere Stockwerk sollte folgende Räume umfassen:

    • Einen Tanzsaal mit Musikergalerie von ca. 2.000 Quadratfuß (200 Quadratmeter; heute der Plenarsaal des saarländischen Landtages)
    • Einen Damensalon mit Toilettenzimmer und Zubehör
    • Einen Speisesaal oder auch zwei Speisesäle mit Buffetzimmer und Speiseaufzug in der Nähe des Tanzsaales.

    Für das ganze Gebäude war ein Untergeschoss verlangt. Dort sollten Küche und Hauswirtschaftsräume sowie der Weinkeller eingerichtet werden. Auch sollten hier oder in einem Obergeschoss die Dienstwohnung für den Ökonomen sowie mehrere Stuben für das Gesinde eingerichtet werden.[6] Die Bauausführung leitete Baumeister Julius Emmerich aus Trier. Das Gebäude wurde von Februar 1865 bis zum 1. Oktober 1866 errichtet und kostete zusammen mit einer Kegelbahn und der umfangreichen Möblierung 66.000 Reichstaler. Zunächst erfolgte im Oktober 1866 der Bezug der unteren Räume, im Dezember waren auch die oberen Räume fertiggestellt.

    Durch die städtebaulichen Veränderungen – insbesondere durch den Straßenbau nach dem Zweiten Weltkrieg und den Bau der Stadtautobahn im Jahr 1963 – nimmt man heute das Gebäude aus wesentlich veränderter Perspektive wahr. Raschdorffs Entwurf eines „40 Fuß“ tiefen Zugangs durch einen gestalteten Vorgarten mit großzügiger Freitreppe und zentralem Springbrunnen sowie seitlichen Pergolen (Raschdorff nennt sie „Veranden“) wurde nicht vollständig ausgeführt, ist aber für die Vermittlung der Grundidee des Gebäudes aufschlussreich. Die Terrassenanlage, so Raschdorff, „… erhebt sich 3 Fuß über das Straßenniveau, ist von der Herrengartenallee vermittelst einer Freitreppe erreichbar; enthält in der Mittelaxe eine kleine, durch ein Blumenbosquet eingeschlossene Fontaine, rechts und links Veranden. Der Raum, ohne Pflanzungen, nur mit einigen Orangen- und Lorbeerbäumen besetzt, ist möglichst frei gehalten für Sitzplätze und den Aufenthalt im Freien.“[7][8] Raschdorffs Vorstellung von einem Einzelgebäude in mediterran-arkadischer Landschaft lehnt sich an ländliche Villenbauten der italienischen Renaissance an, wie sie etwa Andrea Palladio im 16. Jahrhundert z. B. bei der Villa Emo in Vedelago geschaffen hatte. Für die Lage einer von Pergolen gesäumten Villa am Wasser könnte Carl Friedrich Schinkels in den Jahren 1824/1825 errichtetes Casinogebäude im Park Klein-Glienicke Inspirationsquelle gewesen sein. Die ursprüngliche Ansicht des Saarbrücker Casino-Gebäudes, das bald Teil eines herrschaftlichen Villenviertels am linken Saarufer wurde, erschließt sich am ehesten noch vom Beginn der Alten Brücke in St. Johann oder von der gegenüberliegenden Saarseite, wobei das mittlerweile erhöhte Straßenniveau der heutigen Franz-Josef-Röder-Straße den ursprünglichen Eindruck stark schmälert. Auch fehlen die zwischen Saarufer und Casino vermittelnden Alleebäume und die Gartenanlagen.

    Raschdorffs zeitnah veröffentlichter Wettbewerbsentwurf wurde in einigen Punkten nicht umgesetzt, sodass die gestalterischen Änderungen den Baukörper sachlicher erscheinen lassen. Der Haupteingang im Erdgeschoss ist als Vorhalle mit zwei dorischen Säulen gestaltet, die von zwei Pfeilern flankiert werden. Für die dahinter liegende Tür und die beiden Fenster verwendet Raschdorff eine antikisierende Wandöffnung mit schräg nach oben sich verjüngenden Seitengewänden. Dieses Architekturelement wurde bei Renovierungsmaßnahmen in den 1980er Jahren im Inneren wieder aufgegriffen, indem man die Türgewände der Innenräume ähnlich gestaltete. Bei den Umbauarbeiten der Jahre 2004 bis 2008 kam hinter der Mauer eines Versorgungsschachtes eine bauzeitliche Dekorationsmalerei zum Vorschein. In diesem Bereich des Obergeschosses befand sich ursprünglich das Buffetzimmer mit Speiseaufzug und ein Speisesaal. Daran schloss sich der große Tanzsaal der Casino-Gesellschaft, der heutige Plenarsaal des Landtags, an. Die gemalte Wanddekoration in Ölmalerei auf Gipsgrund misst ca. 4 Meter × 1,5 Meter und besteht aus einem zentralen Bildmotiv, einem herbstlichen Stillleben, flankiert von Rahmengemälden. Der erste Rahmen ist ein perspektivisch angelegter Architekturrahmen mit marmoriertem renaissancehaftem Sockel. Der zweiten Rahmen beinhaltet eine frei schwebende Groteske im Stile antik-römischer Wandmalereien, die von einem gemalten Fantasie-Rahmen umgeben ist. Das zentrale Stillleben im Stil des 17. Jahrhunderts thematisiert innerhalb der vier Jahreszeiten den Herbst mit Früchten und Jagdbeute. So darf vermutet werden, dass im Raum auch die übrigen Jahreszeiten dargestellt waren. Julius Carl Raschdorff hatte in seinen ursprünglichen Aufrisszeichnungen eine divergierende Wanddekoration vorgesehen. Die ausgeführten Wandmalereien wurden schließlich von dem aus Trier gebürtige Baumeister Julius Emmerich entworfen.[9]

    Anbau eines Wirtschaftstraktes

    Im Deutsch-Französischen Krieg diente das Casino-Gebäude in den Jahren 1870 und 1871 als Lazarett. Im Jahr 1881 entstanden der östliche Anbau parallel zur Hauptfassade und die rückwärtige Gartenhalle nach Entwürfen des Saarbrücker Architekten Hugo Dihm.

    Zu Beginn der 1890er Jahre entschloss man sich zu einem größeren Neu- und Umbau des Casino-Gebäudes. Die diesbezüglichen Pläne hatte der St. Johanner Architekt Karl Brugger im Jahr 1891 gefertigt. Die Erweiterungsbauten wurden 1892 ausgeführt. Im Inneren veränderte man die Raumaufteilung und an der Ostseite wurde ein zweigeschossiger Küchentrakt mit drei Fensterachsen hinzugefügt.

    Erster Weltkrieg und Völkerbundszeit

    Während des Ersten Weltkrieges wurden die Räume des Casinos wiederum als Lazarett genutzt. In der Zeit nach dem Krieg bis zur ersten Saarabstimmung am 13. Januar 1935, als das Saargebiet unter der Verwaltung des Völkerbundes stand, wurde der Casinobetrieb wieder aufgenommen.

    Enteignung und Zwangsauflösung der Casino-Gesellschaft durch die NSDAP

    Nach der Rückgliederung des Saargebietes an das Deutsche Reich am 1. März 1935 sah sich die Casino-Gesellschaft unter dem Druck des NS-Regimes gezwungen, sich am 19. März 1938 aufzulösen und ihr Haus und das sonstige Vereinsvermögen dem „Nationalsozialistischen Bund Deutscher Technik“ (NSBDT) ohne Entschädigungszahlungen zu überschreiben. Das Casino firmierte nun unter dem Titel „Haus der Technik“. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde es in seinem östlichen Anbau von einer Bombe getroffen und schwer beschädigt.

    Unmittelbare Nachkriegszeit

    Nach Kriegsende trafen sich im Jahr 1948 eine Reihe früherer Casinomitglieder, um über die Fortsetzung der Casino-Gesellschaft zu beraten und die Rückgabe ihres Vermögens zu betreiben. Bereits im April 1945 hatte die Gesellschaft für Förderanlagen Ernst Heckel ihre Büros in das ehemalige Haus des Casinos verlegt und es für diesen Zweck notdürftig wieder instand gesetzt. Durch das alliierte Kontrollratsgesetz galt das gesamte Vermögen der ehemaligen NSDAP, ihrer Gliederungen und der ihr angeschlossenen Verbände als beschlagnahmt und unter Zwangsverwaltung gestellt.

    Das Casino-Gebäude als Sitz des Landtages des Saarlandes

    Der Zwangsverwalter kündigte im Jahr 1947 der Firma Heckel das Mietverhältnis und wies das Haus dem Landtag des Saarlandes als Plenargebäude zu. Der Umbau des Gesellschaftshauses für die Zwecke des Landesparlamentes lag in den Händen des französischen Architekten und Städteplaners Pierre Lefèvre, den der französische Militärgouverneur Gilbert Grandval nach der französischen Besetzung des Saarlandes im Jahr 1945 zum Wiederaufbau an die Saar beordert hatte. Im Zuge der Wiederherstellungsarbeiten am Casino-Gebäude wurden dem bestehenden Küchentrakt zwei weitere Fensterachsen hinzugefügt. Anfang der 1950er Jahre wurde der Trakt mit dem „Großen Restaurant“ und der darüber liegenden Präsidentensuite errichtet. Im Jahr 1960 ließ die Landtagsverwaltung einen weiteren Anbau südöstlich des Küchentraktes von 1892 errichten sowie im Bereich der ehemaligen Kegelbahn einen umfangreichen Autogaragentrakt anfügen. Wann genau die reiche Innenausstattung der Erbauungszeit mit Stuck, Tapisserien, Malereien und Wandverkleidungen zerstört worden ist, konnte bisher nicht genau datiert werden.

    Rekonstruktionsarbeiten der 1980er Jahre

    Blick vom Saarbrücker Schlossfelsen auf den Landtag des Saarlandes

    In den Raschdorffschen Plänen war im ersten Obergeschoss zur Straßenseite (Plenarsaal zur Saar hin) noch eine Loggia dargestellt, die allerdings nicht ausgeführt worden war. Stattdessen wurden Fenster in die Vorderfront eingebaut, die heute noch die ursprüngliche Gliederung haben. Die Mittelrisalite im ersten und zweiten Obergeschoss waren an der Vorder- und Rückfront von gleicher architektonischer Gestaltung. In der Nachkriegszeit hatte man zum Zwecke einer besseren Belichtung des großen Saales auf der Rückseite des Gebäudes die Sandsteinkämpferzone in Höhe der Decke über dem ersten Obergeschoss sowie die Architrave und Schmuckfelder über den Fenstern des zweiten Obergeschosses entfernt. Auch waren die Basis- und Kapitell-Wülste der die Fenster seitlich einrahmenden kleinen Pfeiler abgeschlagen worden. Im Jahre 1981 wurde dieser rückwärtige Mittelrisalit nach dem Vorbild der Vorderfassade rekonstruiert. Man verzichtete aber auf die Nachschöpfung der Schmuckfelder, die musisch-bacchantische Stillleben im Basrelief gezeigt hatten. Stattdessen symbolisieren jetzt stilisierte Reliefs mit den Themen „Volksvertreter“, „Parlamentssitze“ und „Gesetzestafeln“ die heutige Zweckbestimmung des ehemaligen Casino-Gebäudes. Mit dieser Rekonstruktion fand eine in den Jahren 1979/80 begonnene Sanierung der Gebäudefronten ihren Abschluss. Die Erneuerung der Putzflächen, die Reparatur der Buntsandsteinsockel und -gewände sowie ein Anstrich der Fassaden mit Mineralfarben waren vorausgegangen, ebenso der Einbau des Hauptportals und der Eingangstür auf der Seitenfront in ihrer ursprünglichen Gestalt als zweiflügelige Türen aus Holz und Glas. Nachdem in den Folgejahren fünf Sitzungssäle mit Stuckarbeiten, Türen und Kronleuchtern in Anlehnung an Raschdorffs Konzeption wiederhergestellt worden waren, erfolgte im Jahr 1985 die Rekonstruktion des Vestibüls in originaler Gestalt.

    Baumaßnahmen der Jahre 1994 bis 2009

    Plenarsaal
    Vorzimmer des Plenarsaales
    Landespressekonferenz-Zimmer

    Zunächst erfolgte im Jahr 1994 die Neugestaltung des „Kleinen Restaurants“ nach einem Entwurf des damals in Saarbrücken ansässigen Büros von Miroslav Volf. Das Architekturbüro lieferte auch die Pläne für den östlich an das Haupthaus angrenzenden Erweiterungsbau, der 2004 eingeweiht werden konnte. In Zusammenarbeit mit Miroslav Volf erfolgte die Neugestaltung der Außenanlagen in zwei Bauabschnitten in den Jahren von 2000 bis 2004 durch die Saarbrücker Landschaftsarchitekten Gerhard Hegelmann und Hanno Dutt. An der Spichererbergstraße leitet in Weiterführung der Schlossgartentreppe nun eine zweiläufige Treppe in den neu konzipierten Landtagsgarten über. Darunter befindet sich eine im Jahr 2000 fertiggestellte Tiefgarage. Etwa zeitgleich mit den Arbeiten an dem Erweiterungsbau wurden an dem Raschdorffschen Casino gravierende Schäden im Bereich der Gründung und am Dachstuhl festgestellt. Einerseits hatten Fäulnis und Pilzbefall die Dachkonstruktion so stark geschädigt, dass Einsturzgefahr bestand, andererseits traten breite Setzungsrisse am Gebäude auf, die durch Kriegsschäden, Grundwasserschwankungen, den Bau der Stadtautobahn und die Erschütterung durch den erhöhten Straßenverkehr, An- und Umbauten sowie den Bau der Tiefgarage verursacht worden waren. Eine Gesamtsanierung erwies sich demnach als notwendig. Mit der Erstellung der Planungszeichnungen und der Ausführung der Arbeiten wurde der Architekt Oliver Brünjes, vormals langjähriger Mitarbeiter von Architekt Miroslav Volf, und die Innenarchitektin Vera Burbach-Brünjes, beide Saarbrücken, beauftragt. Die notwendige Erneuerung des niedrigen Dachstuhles und der darunterliegenden Raumdecke zog eine Neuordnung und Neugestaltung aller Räume des zweiten Obergeschosses nach sich. Bei den Sanierungsarbeiten wurde das gesamte historische Hauptgebäude im Inneren gemäß den aktuellen Brandschutz- und Sicherheitsbestimmungen ertüchtigt bzw. erneuert. Die Sanierungsarbeiten betrafen auch den Plenarsaal. Für den Umbau erhielt Oliver Brünjes den Landes- und BDA-Preis für Architektur und Städtebau im Jahr 2008. Ausschlaggebend war für die Jury der zurückhaltende Umgang mit der historischen Bausubstanz der 1860er und der 1950er Jahre, die in dem Konzept der durchgreifenden Sanierung und Erneuerung berücksichtigt wurde. Als wiederkehrendes Leitmotiv diente ein Raster aus Dreierreihen von Lichtöffnungen. Im Jahr 2009 wurde das „Große Restaurant“ nach Entwürfen des Saarbrücker Architekturbüros von Stefan Krüger und Karin Dalbert-Krüger modernisiert.[10][11][12][13][14][15]

    Siehe auch

    Einzelnachweise

    1. Albert Ruppersberg: Geschichte der ehemaligen Grafschaft Saarbrücken, Geschichte der Städte Saarbrücken und St. Johann 1815–1909, der Stadt Malstatt-Burbach und der vereinigten Stadt Saarbrücken bis zum Jahre 1914, Band III, Teilband 2, 2. Auflage von 1914, Saarbrücken 1914, S. 99.
    2. Endgültiges amtliches Endergebnis der Landtagswahl 2017 (Memento des Originals vom 26. März 2017 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.statistikextern.saarland.de, Die Landeswahlleiterin, Statistisches Amt Saarland
    3. Zusammensetzung: 1. Erweitertes Präsidium; 2. Ständige Ausschüsse des Landtages sowie sonstige parlamentarische Gremien. (PDF; 109 kB) In: Drucksache 16/22. Landtag des Saarlandes, 21. Juni 2017, abgerufen am 17. September 2017.
    4. Saarbrücker Zeitung: Rechnungshof rügt Ausgaben im Saar-Landtag, Sa./So. 23./24. Februar 2013, S. 1
    5. Saarbrücker Zeitung, Nr. 97, 26. April 2013, S. A2
    6. August Krohn: Saarbrücker Kasino-Chronik 1796–1896. Saarbrücken 1896.
    7. Julius Carl Raschdorff: Casinogebäude in Saarbrücken, in: Zeitschrift für Bauwesen, Jahrgang 19, 1869, S. 195.
    8. Julius Carl Raschdorff: Aufzeichnungen aus dem Leben und Schaffen des Architekten Professor J. C. Raschdorff, Königl. Geheimer Regierungsrat, Dombaumeister zu Berlin, Berlin 1903.
    9. August Krohn: Saarbrücker Kasino-Chronik 1796–1896, Saarbrücken 1896, S. 19.
    10. Friedrich Lutz: Der Baumeister Julius Carl Raschdorff (1823–1914) und sein Saarbrücker Werk, das Gebäude der Casino-Gesellschaft (1864–1866), heute Sitz des Saarländischen Landtages, in: 25./26. Bericht der Staatlichen Denkmalpflege im Saarland 1978/1979, Beiträge zur Archäologie und Kunstgeschichte, Abteilung Kunstgeschichte, Saarbrücken 1988, S. 67–81.
    11. Friedrich Lutz: Das Landtagsgebäude, Der Baumeister Julius Carl Raschdorff (1823–1914) und sein Werk, in: 40 Jahre Landtag des Saarlandes, 1947–1987, hrsg. vom Präsident des Landtages des Saarlandes, Saarbrücken 1987, S. 181–194.
    12. Helmut T. Schweer und Bernhard Stollhof: Das Gebäude des Landtags des Saarlandes und seine wechselvolle Geschichte, hrsg. von Hans Ley, Präsident des Landtags des Saarlandes, Saarbrücken 2006.
    13. Oliver Brünjes, Helmut T. Schweer, Benedikt Stollhof: Vom Casino zum Parlament – Dokumentation zur Sicherung und Sanierung des Dienstgebäudes des Landtags des Saarlandes 2004–2007, hrsg. von Hans Ley, Präsident des Landtags des Saarlandes, Saarbrücken 2007.
    14. Landes- und BDA-Preis für Architektur und Städtebau im Saarland 2008, hrsg. vom Ministerium für Umwelt des Saarlandes und Bund Deutscher Architekten BDA Landesverband Saarland, Saarbrücken 2008.
    15. Kristine Marschall: Das Landtagsgebäude in Saarbrücken. (PDF; 557 kB) Ministerium für Umwelt, Energie und Verkehr, Landesdenkmalamt, 2011, abgerufen am 5. Mai 2017.

    Weblinks

    Commons: Landtag des Saarlandes – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

    Koordinaten: 49° 13′ 46″ N, 6° 59′ 40″ O

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    Casino in Saarbrücken, Nordwestfront und Grundrisse, Zeitschrift für Bauwesen 1869
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    Eintrittskarte zur großen Fasnachts-Redoute der Saarbrücker Fasnachtsvereinigung "Momus" am 26. Februar 1848 im alten Casino-Saal in der Wilhelm-Heinrich-Straße
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    Saarbrücker Schlossgarten mit Blick auf den Landtag des Saarlandes
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    Casino in Saarbrücken, Fassade an der Herrengarten-Allee, Zeitschrift für Bauwesen 1869
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    Vorraum zum Plenarsaal im Landtag des Saarlandes
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    Stephan Toscani, MdL, Parlamentarischer Geschäftsführer, CDU-Fraktion, Saarländischer Landtag, Generalsekretär der CDU Saar
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    Saal der Landespressekonfernz Saar im Landtag des Saarlandes
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    Das Reichswappen in seiner Form von 1928 bis 1935 und Bundeswappen Deutschlands seit 1950.
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    Plenarsaal im Landtag des Saarlandes
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    Casino in Saarbrücken, Südostfront und Längendurchschnitt, Zeitschrift für Bauwesen 1869
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