Laatzke

Laatzke
Hansestadt Gardelegen
Koordinaten:52° 34′ N, 11° 22′ O
Höhe: 45 m ü. NHN
Fläche:7,57 km²[1]
Einwohner:105 (31. Dez. 2022)[2]
Bevölkerungsdichte:14 Einwohner/km²
Eingemeindung:20. Juli 1950
Eingemeindet nach:Berge
Postleitzahl:39638
Vorwahl:03907
Laatzke (Sachsen-Anhalt)

Lage von Laatzke in Sachsen-Anhalt

Laatzke ist ein Ortsteil der Ortschaft Berge der Hansestadt Gardelegen im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt.

Geografie

Laatzke, ein Rundplatzdorf, liegt einen Kilometer nördlich von Berge und etwa fünf Kilometer nordwestlich von Gardelegen in der Altmark. Östlich des Dorfes fließt die Berger Bäcke in nordöstliche Richtung in die Milde.[3]

Geschichte

Mittelalter bis Neuzeit

Die erste urkundliche Erwähnung von Laatzke als Latzke stammt aus dem Jahre 1449 als die von Alvensleben ihre Einnahmen von acht Höfen an das Kloster Neuendorf vertauschten.[1] Später kaufte das Große Hospital zu Heiligen Geist in Gardelegen das Dorf.[4] Weitere Erwähnungen stammen aus 1460 achter dem dorpe Latzke, 1541 Loßcke und Laetzke.[1] Im Jahre 1804 wird das Dorf Laatzke und Latsche genannt.[5]

Bei der Bodenreform im Jahre 1945 wurden fünf Besitzungen über 100 Hektar mit zusammen 574 Hektar und 25 unter 100 Hektar mit zusammen 214 Hektar sowie eine Gemeindebesitzung mit vier Hektar erfasst. Aus der Bodenreform wurden 62,7 Hektar aufgeteilt. 10,1 Hektar gingen an fünf landarme Bauern mit Besitz unter fünf Hektar, 3,3 Hektar auf einen landlosen Bauern und Kleinpächter. 49,1 Hektar erhielten fünf Umsiedler.[1]

Andere Erwähnungen

Der Historiker Peter Rohrlach[1] weist darauf hin, dass die von Wilhelm Zahn genannte Ersterwähnung von 1356 laczeke[6] das Dorf Laasche betrifft, sowie die von 1409 Latzke by Zeten von Beckmann[7] und Hermes und Weigelt[8] das Dorf Lotsche betrifft.

Wüstung bei Laatzke

Wilhelm Zahn berichtete 1909 über eine Wüstung bei der „Steinhütte“ auf der Feldmark von Laatzke, 2,75 Kilometer westlich des Dorfes am Fuße der Hellberge. Besondere Kennzeichen einer untergegangenen Ortschaft sind nicht vorhanden.[9]

Eingemeindungen

Ursprünglich gehörte Laatzke zum Salzwedelischen Kreis der Mark Brandenburg in der Altmark. Zwischen 1807 und 1813 lag es im Landkanton Gardelegen auf dem Territorium des napoleonischen Königreichs Westphalen. Ab 1816 gehörte die Gemeinde zum Kreis Gardelegen, dem späteren Landkreis Gardelegen.[1]

Am 20. Juli 1950 wurde die Gemeinde Laatzke in die Gemeinde Berge eingemeindet.[10] Mit der Eingemeindung von Berge in die Hansestadt Gardelegen am 1. Juli 2009 kam der Ortsteil Laatzke zu Gardelegen.

Einwohnerentwicklung

JahrEinwohner
173469
177483
178882
178970
180184
181888
JahrEinwohner
1840113
1864111
1871112
1885106
1892[0]109[6]
1895128
JahrEinwohner
1900[0]119[6]
1905138
1910[0]147[6]
1925150
1939132
1946285
JahrEinwohner
2012[00]105[11]
2017110
2021[0]113[2]
2022[0]105[2]

Quelle, wenn nicht angegeben, bis 1946:[1]

Religion

Die evangelischen Christen aus Laatzke sind in die Kirchengemeinde Estedt eingemeindet,[1] die früher zur Pfarrei Estedt gehörte.[12] Heute gehört die Kirchengemeinde zum Pfarrbereich Estedt im Kirchenkreis Salzwedel im Propstsprengel Stendal-Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.[13] Bis 1998 hatte die Kirchengemeinde zum Kirchenkreis Gardelegen gehört.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Im Dorf befindet sich ein Ortsfriedhof mit einer kleinen Trauerhalle und einem Gefallenendenkmal.[3] Der heutige kommunale Friedhof war „den Laatzkern einst von den Bauern überlassen worden“.[14]

Verkehrsanbindung

Am westlichen Dorfrand führt die B 71 entlang, an der sich die Haltestelle der Linienbusse und Rufbusse der Personenverkehrsgesellschaft Altmarkkreis Salzwedel befindet.[15]

Sage – Der Gretenstein bei Laatzke

Alfred Pohlmann überlieferte 1901 diese Sage aus Laatzke. Auf eine Anhöhe namens Weißgretenberg befand sich früher ein großer Stein, der von 6 kleinen Steinen umgeben war. In Laatzke diente ein Kuhmädchen namens Grete, die immer sechs Rinder auf die Weide treiben musste. Eines Tages war sie ihrer Arbeit überdrüssig. Sie war auf der Weide beim späteren Weißgretenberg. Sie sprach: „Lewer mücht' ick, dat ick un' all' mien söß Köh' to Steen wär'n dähn, as dat ick hier länger Kohdirn spöälen sall!“ Und so geschah es.[16] Hanns H. F. Schmidt vermutet auf der Anhöhe ein zerstörtes Großsteingrab.[17]

Weblinks

Literatur

  • Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (= Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil XII). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-2235-5, S. 1303–1305, doi:10.35998/9783830522355 (E-Book zur zweibändigen Druckausgabe).
  • J[ohann] A[ugust] F[riedrich] Hermes: Historisch-geographisch-statistisch-topographisches Handbuch vom Regierungsbezirke Magdeburg. Hrsg.: J[ohann] A[ugust] F[riedrich] Hermes, M[ichael] J[ulius] Weigelt. Zweiter, oder topographischer Teil. Selbstverlag und W. Heinrichshofen in Kommission, Magdeburg 1842, OCLC 1071081004, S. 409, 51. Laatsche oder Laatzke (Online bei google books).
  • Wilhelm Zahn: Heimatkunde der Altmark. Nach Hinterlassenschaften des Verfassers bearbeitet von Martin Ehlies. 2. Auflage. Verlag Salzwedeler Wochenblatt, Graphische Anstalt, Salzwedel 1928, OCLC 614308966, S. 207 (Reprint 2018, SelbstVerlag Eugen & Constanze Gliege).

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (= Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil XII). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-2235-5, S. 1303–1305, doi:10.35998/9783830522355 (E-Book zur zweibändigen Druckausgabe).
  2. a b c Elke Weisbach: Die Kurve zeigt wieder nach oben. In: Gardelegener Volksstimme, Gardelegener Kreisanzeiger. 24. Januar 2022, DNB 1047268027, S. 13.
  3. a b Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)
  4. Johann Christoph Becmann, Bernhard Ludwig Beckmann: Historische Beschreibung der Chur und Mark Brandenburg. Band 2. Berlin 1753, 5. Teil, 1. Buch, IV. Kapitel, Spalte 35 (uni-potsdam.de).
  5. Friedrich Wilhelm August Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. Für Statistiker, Geschäftsmänner, besonders für Kameralisten. Band 1. Berlin 1804, S. 379 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D%7B%7B%7B1%7D%7D%7D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10000735~SZ%3D00407~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  6. a b c d Wilhelm Zahn: Heimatkunde der Altmark. Nach Hinterlassenschaften des Verfassers bearbeitet von Martin Ehlies. 2. Auflage. Verlag Salzwedeler Wochenblatt, Graphische Anstalt, Salzwedel 1928, OCLC 614308966, S. 207 (Reprint 2018, SelbstVerlag Eugen & Constanze Gliege).
  7. Johann Christoph Becmann, Bernhard Ludwig Beckmann: Historische Beschreibung der Chur und Mark Brandenburg. Band 2. Berlin 1753, 5. Teil, 1. Buch, X. Kapitel, Spalte 127 (uni-potsdam.de).
  8. J[ohann] A[ugust] F[riedrich] Hermes: Historisch-geographisch-statistisch-topographisches Handbuch vom Regierungsbezirke Magdeburg. Hrsg.: J[ohann] A[ugust] F[riedrich] Hermes, M[ichael] J[ulius] Weigelt. Zweiter, oder topographischer Teil. Selbstverlag und W. Heinrichshofen in Kommission, Magdeburg 1842, OCLC 1071081004, S. 409, 51. Laatsche oder Laatzke (Online bei google books).
  9. Wilhelm Zahn: Die Wüstungen der Altmark. In: Geschichtsquellen der Provinz Sachsen und angrenzender Gebiete. Band 43. Hendel, Halle a.S. 1909, S. 359, Nr. 301 (uni-jena.de).
  10. Zweite Verordnung zum Gesetz zur Änderung der Kreis- und Gemeindegrenzen zum 27. April 1950 (GuABl. S. 161). In: Landesregierung Sachsen-Anhalt (Hrsg.): Gesetz- und Amtsblatt des Landes Sachsen-Anhalt. Nr. 18, 5. August 1950, ZDB-ID 511105-5, S. 275, Abs. 7 (PDF).
  11. Einwohnerentwicklung 2012 in den Ortsteilen. In: Volksstimme Magdeburg. 1. Mai 2013 (volksstimme.de [abgerufen am 20. Februar 2022]).
  12. Pfarr-Almanach oder die evangelischen Geistlichen und Kirchen der Provinz Sachsen der Grafschaften Wernigerode, Rossla und Stolberg. 19. Jahrgang, 1903, ZDB-ID 551010-7, S. 61 (genealogy.net [Volltext und Scan]).
  13. Pfarrbereich Estedt. Abgerufen am 24. April 2018.
  14. Gesine Biermann: Trauerhallen: Kosten pro Stuhl ermitteln. In: Volksstimme Magdeburg, Lokalausgabe Gardelegen. 9. September 2015 (volksstimme.de [abgerufen am 4. Februar 2023]).
  15. PVGS Altmarkkreis Salzwedel. In: pvgs-salzwedel.de. Abgerufen am 4. Februar 2023.
  16. Alfred Pohlmann: Sagen aus der Wiege Preußens und des Deutschen Reiches, der Altmark. Franzen & Große, Stendal 1901, S. 99–101, 4. Der Gretenstein bei Laatzke.
  17. Hanns H. F. Schmidt: Das große Sagenbuch der Altmark. Teil 2 von K wie Kleinau bis Z wie Zichtau. dr. ziethen verlag, Oschersleben 1994, ISBN 3-928703-42-0, S. 151.

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