LGV Bordeaux–Toulouse

LGV Bordeaux–Toulouse
Streckenlänge:222 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Stromsystem:25 kV 50 Hz ~
Höchstgeschwindigkeit:320 km/h

Die LGV Bordeaux–Toulouse ist eine geplante, 222 Kilometer lange Schnellfahrstrecke in Frankreich. Sie ist für TGV-Züge vorgesehen und erfüllt zwei Funktionen: Zum einen wird sie als Verlängerung der LGV Sud Europe Atlantique die Regionalhauptstadt Toulouse mit durchgehendem Hochgeschwindigkeitsverkehr an Paris anbinden. Zum anderen stellt sie den ersten Abschnitt einer Querverbindung zwischen Atlantik und Mittelmeer dar. Zwischenhalte sind in Agen und Montauban geplant. Die LGV Bordeaux–Toulouse soll mit bis zu 320 km/h befahren werden. Die Fahrtzeit für die Gesamtstrecke zwischen Paris und Toulouse wird sich um knapp eine Stunde auf dann drei Stunden und fünfzehn Minuten verkürzen.[1]

Zusammen mit der parallel zu errichtenden LGV Bordeaux–Espagne bildet die neue Strecke die Grands Projets ferroviaires du Sud-Ouest. Nach 57 Kilometern gemeinsamer Trasse trennen sich beide Strecken in der Nähe des Ortes Bernos-Beaulac im Süden des Départements Gironde.

Kosten

Die Baukosten werden zurzeit auf vier Milliarden Euro veranschlagt. Das Alternativprojekt einer Modernisierung der bestehenden Trasse hätte zwar nur 780 Millionen Euro gekostet, wurde jedoch aufgrund der geringen Fahrzeitverkürzung um nur zehn Minuten von der französischen Netzgesellschaft Réseau Ferré de France (RFF) abgelehnt.[2]

Geschichte

Vorbereitungen

In den Jahren 2002 bis 2004 war die Hochgeschwindigkeitsstrecke Objekt offizieller Studien. Diese kamen zu folgenden Ergebnissen:

  • Die Linie soll die bisherigen Bahnhöfe Bordeaux Saint-Jean und Toulouse Matabiau miteinander verbinden.
  • Als Zwischenhalte sind Agen und Montauban vorgesehen.
  • Zwischen Agen und Toulouse wird die Strecke der Autobahn A 62 und dem Tal der Garonne folgen.

Im zweiten Halbjahr 2005 fanden öffentliche Anhörungen zum Projekt statt. Grundlage war ein zehn Kilometer breiter Korridor, innerhalb dessen die Trasse liegen würde.

Auf Basis der Ergebnisse beschloss der Vorstand des RFF am 13. April 2006 die Konkretisierung des Projektes. Montauban soll über einen neu zu bauenden Bahnhof bedient werden, für Agen wurden zwei Varianten untersucht. Favorisiert wird die südlich der Garonne verlaufende Trasse, die einen Tunnel beinhaltet.[3]

Am 21. Mai 2007 einigten sich die Gebietskörperschaften der Region Midi-Pyrénées über die Aufteilung ihres Kostenbeitrages. Am 11. Januar 2010 veröffentlichte RFF die auf einen Kilometer präzisierte Trassenführung.[4] Dem Widerstand, der sich seither unter den betroffenen Anliegern regt, werden kaum Erfolgsaussichten eingeräumt.[2] Auch die regionalen Politiker der französischen Grünen stimmen dem Projekt zähneknirschend zu, da es als das kleinere Übel gegenüber einem Ausbau des überlasteten Flughafens Toulouse-Blagnac angesehen wird.[2] Am 9. Januar 2012 verabschiedete der Lenkungsausschuss, der sich aus den Repräsentanten der Regionen Midi-Pyrénées und Aquitaine, den betroffenen nationalen Ministern und dem Präsidenten des RFF zusammensetzt, die endgültige Trassenführung.[3]

Die Phase der öffentlichen Anhörung begann am 14. Oktober 2014. Die Erklärung, dass das Projekt im öffentlichen Interesse ist, erfolgte am 2. Juni 2016. Einsprüche dagegen wurden am 29. Juni 2017 vom Verwaltungsgericht Bordeaux und am 15. Juni 2018 vom Verwaltungsgericht Toulouse gutgeheißen; diese Urteile wurden jedoch 2019 bzw. 2020 von der Berufungsinstanz aufgehoben. Das öffentliche Interesse war auch vom Conseil d’État am 11. April 2018 bestätigt worden.[5] Einen verlässlichen Terminplan für die Realisierung gibt es seither noch nicht. Im Januar 2020 wurde der Baubeginn für 2022 angekündigt, die Dauer der sich daran anschließenden Arbeiten mit sieben Jahren angegeben.[6] Anlässlich einer Finanzierungszusage der Pariser Regierung wurde im April 2021 von einem erhofften Baubeginn im Jahr 2024 geschrieben.[7][1]

Geplante Weiterführung

Im April 2010 gab RFF Vorstudien für eine Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Toulouse und Narbonne in Auftrag[8]. Zusammen mit der geplanten LGV Languedoc-Roussillon wäre damit eine Querverbindung zwischen Atlantik und Mittelmeer hergestellt.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b Castex agrees to fund Bordeaux – Toulouse high speed line, Artikel von Railway Gazette vom 30. April 2021
  2. a b c Frédéric Potet: Le TGV, il ne passera pas par chez moi. In: Le Monde Magazine No. 36 vom 22. Mai 2010, S. 31ff.
  3. a b GPSO-Newsletter Nr. 13, Januar 2012 (französisch) (PDF; 2,2 MiB)
  4. Offizielle Webseite des Projektes (französisch)
  5. Confirmation des DUP pour GPSO. Abgerufen am 25. August 2021
  6. LGV Bordeaux-Toulouse : début des travaux en 2022 Meldung auf France bleu vom 21. Januar 2020
  7. LGV : comment Toulouse a réussi à mettre Paris à 3 heures de train. LGV Bordeaux-Toulouse, Occitanie, Toulouse. In: LaDepeche.fr. La Dépêche du Midi, 29. April 2021, abgerufen am 25. August 2021 (französisch, mit Grafik zu den zwei Teilen des GPSO (Grand projet du Sud-Ouest)).
  8. Meldung der Dépêche du Midi vom 8. April 2010