Kurzwelle

Als Kurzwellen (Abk. KW, engl. SW für short wave oder HF für high frequency), manchmal auch Dekameterwellen, bezeichnet man Radiowellen in einem höheren Frequenzbereich als die Lang- und Mittelwellen. Die Bezeichnungen Kurzwellen und Dekameterwellen beziehen sich auf die Wellenlänge im Bereich zwischen 10 m und 100 m, entsprechend einer Frequenz zwischen 3 und 30 MHz. Der KW-Frequenzbereich ist in Frequenzbänder eingeteilt, die für verschiedene Sende- und Funkdienste reserviert sind. So gibt es zum Beispiel spezielle KW-Rundfunkbänder und Amateurbänder.
Physikalische Eigenschaften
Ausstrahlung von Kurzwellensignalen

Die Kurzwelle nimmt unter den Funkwellen einen besonderen Platz ein. Auf Grund ihrer großen Reichweite können Kurzwellensignale weltweit empfangen werden. Kein anderer Frequenzbereich weist eine solch große Reichweite auf. Von einer Sendeantenne breitet sich sowohl eine Bodenwelle als auch eine Raumwelle aus. Die Bodenwelle breitet sich entlang der Erdoberfläche aus und hat eine beschränkte Reichweite, die je nach Frequenz und Sendeleistung 30 bis etwa 100 km beträgt. Die Raumwelle verlässt die Erdoberfläche, erreicht die Ionosphäre und wird bei günstigen Bedingungen an ihr reflektiert. Im Vergleich zu Radiowellen in anderen Frequenzbereichen, wie Langwelle (LW), Mittelwelle (MW) und Ultrakurzwelle (UKW), zeichnet sich die Kurzwelle durch ein sehr gutes Reflexionsverhalten ihrer Raumwellen aus. Sie werden an verschiedenen Schichten der Ionosphäre reflektiert und wieder zurück zum Erdboden gestreut. Von dort können sie erneut in den Raum reflektiert werden. So kann das Kurzwellensignal um die ganze Erde wandern (Multi-Hop).
Eine Anwendung sind die VOLMET-Berichte des Flugfunkdienstes. Dabei handelt es sich um Stationen, die auf festen Frequenzen zu bestimmten Zeiten Wetterberichte für den internationalen Flugverkehr aussenden. Flugfunk wird in der Umgebung von Flughäfen auf UKW betrieben, bei größeren Entfernungen wie Transatlantikflügen muss man Kurzwelle verwenden. Gesendet wird in Einseitenbandmodulation (SSB). Hauptsendesprachen sind Englisch und Russisch. Die Berichte enthalten Informationen über Sicht, Bewölkung, Bodentemperatur und Luftdruck.
Reflexion an Schichten der Ionosphäre
Die Reflexion von Kurzwellen an der elektrisch leitfähigen Ionosphäre ist verlustarm, funktioniert aber nur bis zu einer einfallswinkelabhängigen Grenzfrequenz (Maximum Usable Frequency – MUF). Die Ionosphäre wird in erster Linie durch kurzwellige Ultraviolett-Strahlung der Sonne erzeugt.

Die Elektronen- und Ionen-Dichte ist in der Mesosphäre bis zu einer Höhe von etwa 60 km praktisch Null. Darüber nimmt sie zu und erreicht (bei Tag) in der E-Schicht ein erstes Maximum. Über dieser Schicht nimmt sie etwas ab, steigt aber ab etwa 200 km Höhe wieder deutlich an. Die unterschiedlichen Zonen in diesem Profil nennt man Ionosphärenschichten. Als erste sagten 1902 Arthur Edwin Kennelly und Oliver Heaviside unabhängig voneinander eine solche Schicht voraus, die 1924 von Edward Victor Appleton entdeckt und Kennelly-Heaviside-Schicht genannt wurde.
Der deutsche Physiker Hans Lassen[1] entdeckte 1926 in großer Höhe eine wesentlich stärker ionisierte Schicht, die später F-Schicht genannt wurde und für die Reflexion von Kurzwellensignalen entscheidend ist. Das Höhenprofil der Schichten, vor allem die Stärke der Ionisierung hängen stark von der Tageszeit ab, aber auch von der Jahreszeit. Den Höchstwert der Elektronen-Dichte beschreibt die kritische Frequenz foF2, deren weltweite Veränderung mithilfe der Messergebnisse vieler Stationen in Ionisationskarten erfasst wird. Alle Daten sind von der Sonnenaktivität abhängig, die langfristig bedeutende Änderungen bewirkt. Im Verlauf ihres (etwa) 11-jährigen Zyklus verschieben sich die nutzbaren Frequenzbereiche ganz erheblich.
Nachts entfällt die Sonneneinstrahlung als Ionisationsquelle. Dann lösen sich verschiedene Schichten durch Rekombination von Ionen und Elektronen zu ungeladenen Atomen auf. Die D-Schicht verschwindet nach Sonnenuntergang sehr schnell, weil die hohe Luftdichte viele Zusammenstöße bedingt. Die E-Schicht verschwindet einige Stunden nach Sonnenuntergang. Die am Tage gebildeten F1- und F2-Schichten verschmelzen zur F-Region, deren Ionisation in den Nachtstunden zwar abnimmt, jedoch nicht vollständig verschwindet.
Kurzwellensignale müssen die D- und E-Schicht passieren, bevor sie an der F2-Schicht reflektiert werden können. Sie werden bei Tag in diesen unteren Schichten oft erheblich geschwächt durch Zusammenstöße der schwingenden Elektronen mit Luft-Molekülen. Nachts, wenn sich die unteren Ionosphärenschichten aufgelöst haben, tritt diese Dämpfung nicht ein.
Die Reflexion elektromagnetischer Wellen an der F2-Schicht kann mit dem Brechungsgesetz von Snellius erklärt werden, wenn der Brechungsindex des Plasmas bekannt ist. Nach diesem, in der Optik oft benutzten Gesetz, wird eine elektromagnetische Welle beim Eintritt in ein optisch dichteres Medium zum Einfallslot hin gebrochen. Funkwellen unterhalb der Plasmafrequenz werden von den ionisierten Schichten reflektiert, ihre Bahnkurven sind in diesem Bereich gekrümmt. In der Schicht wird die Strahlrichtung immer flacher, dann horizontal und verläuft schließlich wieder abwärts. Die höhenabhängige Plasmafrequenz bewirkt, dass niedrigere Frequenzen in tieferen Schichten reflektiert werden als höhere Frequenzen; andererseits erleiden Erstere aber tagsüber eine stärkere Dämpfung in den tiefen Schichten.
In einer Höhe von 90 bis 120 km tritt sporadisch die Es-Schicht (Sporadic-E) auf; in Mitteleuropa geschieht dies meist tagsüber in den Sommermonaten. Es wird vermutet, dass langlebige Metall-Ionen, die von Meteoriten-Einschlägen stammen, zur Entstehung dieser Schicht beitragen. Ist die Ionisation der Es-Schicht sehr stark, so können Kurzwellen daran reflektiert werden und so nicht mehr zur F2-Schicht gelangen (Abdeckung). Im UKW-Bereich können dagegen Überreichweiten auftreten, wenn UKW-Signale an der Es-Schicht reflektiert werden.
Der Mögel-Dellinger-Effekt (englisch sudden ionospheric disturbance SID) Ist eine plötzlich auftretende, massive Störung des gesamten Kurzwellen-Verkehrs auf der sonnenbeschienenen Seite des Globus, die eine Viertelstunde oder etwas länger andauert [tote Viertelstunde]. Sie wird von einer harten Strahlung hervorgerufen, die die Sonne bei einer Eruption abstrahlt und kommt nur wenige Male im Jahr vor.
| Schicht | Höhe (ca.) | Bemerkung |
|---|---|---|
| D | 70…90 km | tagsüber vorhanden, Ionisation entsprechend dem Sonnenstand |
| E | 110…130 km | tagsüber vorhanden, Ionisation entsprechend dem Sonnenstand |
| Es | 110 km | dünn, oft lückenhaft, sporadisch, vor allem im Sommer |
| F1 | 200 km | tagsüber vorhanden, geht nachts mit F2-Schicht zusammen |
| F2 | 250…400 km | Tag und Nacht vorhanden |

Das Frequenznutzungsfenster für Funkwellen liegt zwischen der LUF und MUF. Physikalisch ist die LUF durch Dämpfung im Plasma tieferer Schichten bestimmt, die MUF dagegen durch Brechung, fast immer in der F2-Schicht. Tritt ein sogenannter Shortwave Fadeout auf, so schließt sich das Fenster kurzzeitig. Eine hohe Sendeleistung verschiebt die LUF abwärts und macht so das Frequenzfenster größer; sie beeinflusst aber die MUF nicht, abgesehen von Verbindungen über Streustrahlung, die nur bei sehr hohen Sendeleistungen verwendbar werden (Troposcatter-Verbindungen).
Die MUF (maximum usable frequency) ist deutlich größer als die kritische Frequenz foF2, weil bei schrägem Einfall schon eine geringere Richtungsänderung zur Totalreflexion ausreicht. Die minimale Grenzfrequenz, unterhalb derer die Dämpfung zu stark ist, wird als LUF (lowest usable frequency) bezeichnet. Sie hängt von der Ausrüstung (Sendestärke, Antennen, Empfindlichkeit des Empfängers) ab. Zu bestimmten Zeiten kann für gewisse Verbindungen die LUF über der MUF liegen, sodass kein Kurzwellenempfang möglich ist. So ist beispielsweise im Minimum des Sonnenflecken-Zyklus zur Mittagszeit in Mitteleuropa kein Empfang von südamerikanischen Sendern möglich.[3]
Ähnlich wie in der Meteorologie gibt es für die Ausbreitungsbedingungen der Kurzwellen einen Funk-Wetterbericht sowie Ausbreitungsvorhersagen, die nach Frequenz, Tageszeit, Jahreszeit und geografischem Zielgebiet aufgeschlüsselt sind.
Das Reflexionsverhalten ist vom Winkel der eintreffenden Strahlung des Senders abhängig. Sendeantennen werden auch unter Berücksichtigung dieses Aspektes entworfen und gebaut. Der niedrigste Abstrahlwinkel einer Kurzwellenantenne sollte nicht über 5 Grad liegen. Die F2-Schicht wird in einer Entfernung vom Sender von etwa 1500 bis 2000 km getroffen. Nach der Reflexion kann das Signal in einer Entfernung von 3000 bis 4000 km am Erdboden empfangen werden. Durch diese große Sprungdistanz entsteht ein Bereich – auf der Erdoberfläche ringförmig um den Sender, in dem das Signal nicht empfangen werden kann – die so genannte Tote Zone. Ist die Entfernung zwischen Sender und Empfänger größer als die einfache Sprungdistanz, sind mehrere Ionosphären-Reflexionen erforderlich, um diese Distanz zurückzulegen (Multi Hop).
Geschichte der Kurzwelle
Erste Funkverbindungen
Aufgrund der Zunahme der Funkübertragungen fand vom 3. Oktober bis zum 3. November 1906 in Berlin die erste Konferenz der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) statt, auf der Grundsätze und Verhaltensregeln im Kommunikationsverkehr festgelegt wurden.
Im November 1923 gelang den beiden Amateurfunk-Pionieren Léon Deloy, 8AB, und Fred Schnell, 1MO, das erste Transatlantik-Funkgespräch in Morsezeichen mithilfe von Kurzwellen. Überraschend für alle Welt, insbesondere auch für die „Funk-Profis“, war, dass ein „schlappes“ halbes Kilowatt (500 W)[4] und relativ kompakte und kostengünstige Hochfrequenztechnik ausreichten, um drahtlose Fernverbindungen zu etablieren – eine neue Erkenntnis, die anschließend die professionelle Funktechnik revolutionierte.
Feste und mobile Kommunikationsdienste
Küstenfunkstationen und Schiffssender bedienten sich – neben Langwelle und Mittelwelle – auch der Kurzwelle zur Nachrichtenübermittlung. Der Seefunk hatte dabei eine zentrale Position, denn erstmals in der Geschichte der Seefahrt war es möglich, ein Schiff auf hoher See jederzeit zu erreichen. Darüber hinaus konnten erstmals präzise (sekundengenaue) Zeitzeichen auf hoher See mit handelsüblichen Rundfunkgeräten empfangen werden, was elementar wichtig für die exakte Positionsbestimmung mit Sextanten ist. Zu den Funkdiensten, die Funkfernschreiben (radio teletype RTTY) nutzen, gehören zum Beispiel Presseagenturen, Seefunk, Wetterfunk, militärische Funkdienste und Botschaftsfunk. Der Einsatz der Kurzwellen erreichte seinen Höhepunkt im Zweiten Weltkrieg. Auf deutscher Seite erlaubte ein 1940 von Karl Rawer entwickeltes Verfahren den Anwendern eine Abschätzung der Verbindungs-Wahrscheinlichkeit in Abhängigkeit von Zeit und Distanz. Da den meisten nur wenige (meist 2) Frequenzen, täglich wechselnd, zur Verfügung gestellt wurden, half ihnen das sehr bei der Frequenz-Wahl und ermöglichte eine Abschätzung der Chancen.
Vorhersagen der für langfristige Prognosen entscheidenden Sonnenaktivität wurden mit der Methode von Wolfgang Gleißberg gemacht, die auf einem Vergleich mehrerer vorhergehender Sonnenflecken-Zyklen beruht.
Über sogenannte Zahlensender wurden vor allem während des Kalten Krieges und werden vereinzelt auch heute noch Spionagebotschaften auf Kurzwellenfrequenzen gesendet, die man zwar mit fast jedem Kofferradio empfangen kann, die aber verschlüsselt sind.
Auf Kurzwelle senden auch manche Zeitzeichensender, üblicherweise auf den Standardfrequenzen 2500, 5000, 10.000 und 15.000 kHz. Sie dienen der genauen Zeitmessung – meist für die Seeschifffahrt – und der Synchronisation von Uhren. Betrieben wurden diese Zeitzeichendienste zum Beispiel vom Deutschen Kurzwellensender.[5]
Kurzwellenrundfunk

1924 fanden erste Übertragungstests statt, u. a. zwischen Nauen und Buenos Aires. Erste reguläre Radiosendungen wurden ab 1925 von der BBC und Radio Moskau, der heutigen Stimme Russlands, gesendet.
Im Kalten Krieg wurden seitens der kommunistischen Staaten Sendungen der Gegenseite häufig durch Störsender (Jamming) mit Absicht gestört, um den Empfang unliebsamer Sendungen zu unterbinden. Sender, die oft gestört wurden, waren zum Beispiel Radio Free Europe/Radio Liberty, die Deutsche Welle, der BBC World Service und die Voice of America.
Wegen der weltweiten Reflexions- und Ausbreitungsbedingungen wurden in den 1960er Jahren sogenannte Weltempfänger (Allwellenempfänger) mit Schwerpunkt auf den Kurzwellenbändern entwickelt. In Europa war der Weltempfänger T 1000 von Braun weit verbreitet, der allein auf KW acht Frequenzbereiche hatte, weiterhin der Grundig Satellit mit seinem durchgehenden Frequenzbereich von 520 kHz bis 30 MHz.
Die Bundesnetzagentur ist seit für die Bundesrepublik Deutschland zuständig und hat mehrere Frequenzbänder zum Beispiel ab 3.950 kHz und ab 5.900 kHz für den Rundfunk festgelegt.[6]
Kurzwellen- und Satellitenkommunikation
Der Seefunk wurde schon früh international geregelt und ist durch die Einführung des Seefunks über Satellit von den wetterbedingten Schwankungen weitgehend unabhängig gerworden. Neue Medienanalysen haben jedoch ergeben, dass nur wenige Radiohörer auf Satellitenempfang umgestiegen sind. So sind die damit verbundenen Kosten weitaus höher als der Betrieb eines normalen Transistorradios.
Weiterhin große Bedeutung hat die Kurzwelle in den infrastrukturell weniger entwickelten Gebieten der Erde auf Grund der mangelnden Verfügbarkeit beziehungsweise sehr hohen Kosten für andere Informationsmittel. Eine wichtige Informationsquelle ist der Kurzwellenrundfunk in Gesellschaften mit staatlicher Zensur der Massenmedien.[7]
Digitalisierte Modulation auf Kurzwelle
Die Amplitudenmodulation (AM) ist systembedingt anfälliger gegenüber atmosphärischen Störungen. Um auch im AM-Hörfunk eine bessere Klangqualität einzuführen und die starken Verzerrungen des selektiven Trägerschwundes zu verringern, wurde Digital Radio Mondiale (DRM) gegründet. Dieses Konsortium verfolgt das Ziel, ein standardisiertes digitales Übertragungssystem zu definieren und einzuführen. Dem DRM-Konsortium gehören mittlerweile 80 Mitglieder an, die sich aus nationalen und internationalen Rundfunksendern, Forschungseinrichtungen und Herstellern von Sendetechnik und Empfangsgeräten zusammensetzen. Es gibt noch weitere digitale Übertragungsverfahren, auch für Daten, beispielsweise MT63 zur tongestützten Datenübertragung (6 Bit bei 64 tonhöhenmodulierten Signalen) von je 20 Bd je 2 kHz Bandbreite im Frequenzspektrum.
Auf der Weltfunkkonferenz (englisch World Radiocommunication Conference, kurz WRC) 2003 in Genf ging DRM in den Regelbetrieb. Eine Reihe von Hörfunksendern strahlt nun zusätzliche digitale Signale zu den herkömmlichen AM-Rundfunksendungen aus. Auf der Internationalen Funkausstellung werden seit 2003 immer wieder Prototypen von Standalone-Empfängern für den DRM-Empfang präsentiert, im Handel war jedoch für den Konsumbereich bis Ende 2006 kein solches Gerät erhältlich. Seit Anfang 2007 sind die Geräte Himalaya DRM-2009 und Morphy-Richard DRM Radio 27024 verfügbar.
Empfang
Im Gegensatz zu Radiosendungen auf Langwelle und Mittelwelle, bei denen bei Tag die Raumwellen in den unteren Schichten der Ionosphäre absorbiert werden, können Rundfunksendungen auf Kurzwelle ohne großen Aufwand weltweit mit einem handelsüblichen Transistorradio, das ein Kurzwellen-Frequenzband enthält (Weltempfänger), empfangen werden.
Durch verschiedene Einflüsse kann es zu Veränderungen und Störungen beim Empfang für analoge Kurzwellen kommen:[8]
1. Natürliche Erscheinungen:
- Aktivitäten auf der Sonne (Sonnenfleckenminimum, Sonnenfleckenmaximum); hierdurch werden die ionisierenden Schichten, die die Kurzwellenbänder reflektieren, verändert
- der Mögel-Dellinger-Effekt kommt nur wenige Male im Jahr am Tage vor
- Gewitter, deren Entladungen das auf Kurzwelle charakteristische „Knacken“ verursachen
2. Störaussendung von technischen Geräten im Kurzwellenbereich, z. B.:
- Schaltnetzteile
- Computer
- Zeilenendstufen in Monitoren und Fernsehgeräten
- Plasmafernseher
- Leuchtstoff- und Energiesparlampen
3. Bestimmte geschaltete und modulierte Ströme:
- Powerline Communication, kurz PLC, auch bekannt als Internet aus der Steckdose oder LAN aus der Steckdose
- nicht abgeschirmte oder defekte Starkstromanschlüsse (auch im Haushaltsbereich)
Ein Hauptanwendungsbereiche von PLC ist die Anbindung von intelligenten Stromzählern (Smart-Meter) der Elektrizitätsversorgungsunternehmen (EVU), dafür sind die Frequenzbereiche von 9 kHz bis 1 MHz vorgesehen. Die meist privat genutzten Anwendungen zum Aufbau eines Local Area Network (LAN) über das Stromnetz nutzen hingegen im Regelfall Frequenzbereiche über 1 MHz, daher sind diese seitens der Kurzwellennutzer kritisch zu betrachten, sofern ungeschirmte Stromleitungen genutzt werden. Diese ungeschirmten Leitungen verhalten sich wie Antennen, strahlen im Kurzwellenbereich ab und können den Kurzwellenempfang im Umfeld stören.
Da sich die Intensität der Abstrahlungen nie genau vorhersagen lässt, liegt den Bedienungsanleitungen der Inhouse-PLC-Geräte meist ein Hinweis auf die Problematik bei: Diese Einrichtung kann im Wohnbereich Funkstörungen verursachen; in diesem Fall kann vom Betreiber verlangt werden, angemessene Maßnahmen durchzuführen.
Kurzwellen in der Medizin
Die sogenannte Kurzwellentherapie (als Diathermie oder Hyperthermie) ist ein Heilverfahren, das in den Bereich der Thermotherapie einzuordnen ist. Im Gegensatz zu den Reizstromtherapieformen, die elektrische Ströme auf den Körpers einwirken lassen, erzeugen die Kurzwellen eine Erwärmung des Körpergewebes.
Je nach gewünschter Eindringtiefe wird Kurzwellenstrahlung (Kurzwellentherapie etwa mit 27,12 MHz)[9][10] verwendet.[11] Kurzwellen-Therapiegeräte wie Isotherm 514 und Ultratherm 525 der Marke Siemens stellten etwa die Siemens-Reiniger-Werke in Erlangen her.[12] Die Heilwirkung soll durch gezielte Erwärmung des zu behandelnden Körpergewebes bewirkt werden. Vor allem zur Behandlung von rheumatischen Erkrankungen, aber auch von Erkrankungen des Bewegungsapparates, der Muskeln und der Haut hat die Kurzwellentherapie gute Ergebnisse gezeigt. Patienten mit Muskel- und Weichteilschmerzen, wie zum Beispiel Verspannung, können von der Kurzwellentherapie profitieren. Mit geeigneten Geräten kann auch tiefliegendes Gewebe erreicht werden, wenn die Elektroden ein bis zwei Zentimeter entfernt von der Körperstelle, die erwärmt werden soll, positioniert werden können. Die Wirkung besteht in einer selektiven Tiefenerwärmung je nach Applikationstechnik und Dosierung. Auch bei Erkrankungen der Haut, der Augen sowie im HNO-Bereich findet sie Anwendung.[13]
Die chirurgische Diathermie (Elektrochirurgie) bezeichnet ein Verfahren der Hochfrequenz-Chirurgie, bei dem hochfrequenter Strom zur Trennung oder lokalen Zerstörung (Nekrotisierung) von Gewebe eingesetzt wird. Sie findet besonders bei stark durchblutetem Gewebe Anwendung, um die Blutung gering zu halten. Es werden Frequenzen von 300 kHz bis meist nicht über 4 MHz eingesetzt.
Bedeutung der Kurzwelle heute
Die Kurzwelle bietet auf Grund ihrer besonderen Ausbreitungsbedingungen die Möglichkeit, Radiosendungen aus jedem Land der Erde zu empfangen. So bieten diese Sendungen den Vorteil, Nachrichten direkt aus erster Quelle zu erhalten – nicht zitiert oder referiert, wie es in den heimischen Medien der Fall ist. Dies ist ein besonderer Reiz des Kurzwellenrundfunks. Durch die Abschaltung von vielen leistungsstarken Rundfunksendern im Mittel- und Langwellenbereich seit Anfang des 21. Jahrhunderts[14][15][16][17] wächst das Interesse an Kurzwellensendern.[18]
Heute senden Radiostationen aus über 30 Ländern deutschsprachige Programme. Es handelt sich meist um Informations- und Unterhaltungsprogramme mit einer Dauer von ½ bis einer Stunde, die in den Abendstunden gesendet werden. Aus über 200 Ländern sind englischsprachige Sendungen zu hören. Im deutschsprachigen Raum betreiben viele Leute den Kurzwellenempfang als Hobby – mehr als 4000 Hörer sind sogar in Kurzwellen-Hörerklubs organisiert. Kurzwellenhörer werden auch als SWL bezeichnet, kurz für Short Wave Listener. Den Empfang von weit entfernten Radiosendern nennt man auch DXen. Manche Kurzwellenhörer, wie auch Funkamateure, lassen sich QSL‑Karten zuschicken, die zugleich beliebte Sammlerobjekte sind und einen erfolgreichen Empfang nachweisen.
In abgelegenen Gebieten, wie zum Beispiel in Australien, Afrika, Kanada, Papua-Neuguinea und Südamerika, sind Kurzwellenverbindungen heute noch eine weitverbreitete Art der Kommunikation. Sie dienen der normalen Rundfunkausstrahlung, der Nachrichtenübermittlung bei Notfällen (Notfunk) sowie als Medium zur Übertragung von Schulungsinhalten. Aber auch Kriminelle und Guerilleros nutzen die leicht verfügbaren und transportablen Sende- und Empfangsgeräte gerne. In den tropischen Regionen der Erde steht ein spezieller Frequenzbereich zur Verfügung, der auch als Tropenband bezeichnet wird. Dieser Bereich wird von Gewittern, wie sie im Tropengürtel häufig vorkommen, weniger gestört und ist daher eigens für diese Sender reserviert.
Funkamateure sind in der Lage, weltweit – oftmals auch mit selbstgebauten Geräten – über Kurzwelle zu kommunizieren. Zum Betrieb von Amateurfunk ist eine Lizenz erforderlich. In Katastrophenfällen in abgelegenen Gebieten waren es meist Funkamateure, die der Außenwelt erste Informationen und Kontakte ermöglichten.
Während Amateursender auf Kurzwelle mit geringen Leistungen auskommen und der Betrieb von einfachen Empfängern sogar ohne elektrischen Strom möglich ist,[18] sind für der Betrieb von Rundfunk-Kurzwellensendern, die eine Leistung von 100 bis 500 Kilowatt haben, große und kostenintensive Anlagen erforderlich. Da bei einer digitalisierten Ausstrahlung deutlich geringere Sendeleistungen (ERP) erforderlich sind, wird derzeit eine Digitalisierung der Kurzwellensender betrieben. Ziel ist es, durch eine gute Übertragungsqualität insbesondere informationsinteressierte Hörer zu halten.
In Katastrophenfällen, in denen die lokale Stromversorgung und die Telefonleitungen zerstört werden, helfen auch in heutiger Zeit immer wieder private Funkamateure bei der Nachrichtenübermittlung Notfunk oder gar bei der Hilfestellung bei medizinischen Notfällen (MAR).
Kurzwellen-Überhorizontradare stellen auch nach Ende des Kalten Krieges ein probates Mittel dar, mit relativ geringem Aufwand feindliche Flugobjekte oder Raketenstarts über große Entfernungen durch diese Methode zu orten.
Kurzwellen sind auch für RFID bei 13,56 MHz von Bedeutung.
In der Popkultur
Für Peter Gabriel, einem ehemals begeisterten Kurzwellenhörer, sind die Tagesdämpfung der Raumwellenausbreitung[19] und die bei Dämmerung deshalb stärker werdenden Signale eine Metapher für die „psychische Energie“, die er bei Nacht intensiver erlebte. In seinem Song Here Comes the Flood aus dem Jahre 1977 verarbeitet er einen apokalyptischen Traum, in dem er den Einblick in die Gedanken anderer in der Nacht beschreibt, was eine mentale Flut auslöst.[20]
Gabriel schrieb außerdem 1978 den Song On the Air über eine fiktive Figur namens Mozo, einen von der Welt entfremdeten Außenseiter, der versucht, über das Medium Kurzwellen-Radio berühmt zu werden, indem er sich ein Alter Ego ausdenkt, das seinen Bestrebungen entspricht.[21][22]
Literatur
- Josef Fuchs, Franz J. Fasching: Signalbuch für den Kurzwellenverkehr. Verlag Fasching, Wien 1944 (historisches Handbuch).
- Gerd Klawitter: Zeitzeichensender. Time Signal Stations. Siebel-Verlag, Meckenheim 1992, ISBN 3-922221-61-0.
- Karl Rawer: Wave Propagation in the Ionosphere. Kluwer, Dordrecht 1993. ISBN 0-7923-0775-5.
- Nils Schiffhauer: Kurzwellenempfang heute – Die neuen Perspektiven der SDRs. 1. Auflage. VTH, Baden-Baden 2012, ISBN 978-3-88180-872-9.
- J. Vastenhoud: Kurzwellen-Empfangspraxis. Hüthig, Heidelberg ISBN 3-7785-0816-4.
- Martin Gerhard Wegener: Moderne Rundfunk-Empfangstechnik. Franzis-Verlag, München 1985, ISBN 3-7723-7911-7 & Yüce-Group, Istanbul 1989, ISBN 975-411-058-1.
- Lothar Wiesner: Fernschreib- und Datenübertragung über Kurzwelle. Grundlagen und Netze. Siemens AG, Erlangen 1984, ISBN 3-8009-1391-7.
Weblinks
- Frequenzplan der Bundesnetzagentur (BNetzA).
- A-DX Kurzwellen-Forum
Einzelnachweise
- ↑ Lassen, H., I. Zeitschrift für Hochfrequenztechnik, 1926. Volume 28, pp. 109–113
- ↑ Karl Rothammel: Rothammels Antennenbuch. Neu bearbeitet und erweitert von Alois Krischke. 12. aktualisierte und erweiterte Auflage. DARC-Verl., Baunatal 2001, ISBN 3-88692-033-X, 2. Die Ausbreitung der elektromagnetischen Wellen (Online).
- ↑ Andreas Lüer, DJ7IK: Ausbreitung Kurzwelle, Folie 6 ( vom 27. September 2007 im Internet Archive) (PDF; 1,4 MB)
- ↑ The Fourth Time’s the Charm. In: Ham Radio History. 25. August 2013, abgerufen am 27. April 2025 (englisch).
- ↑ Dr. A. Repsold: Übertragung des Nauener Zeitsignals durch Rundfunk, Schriftenreihe der Gesellschaft für Zeitmeßkunde und Uhrentechnik, Band 4, Berlin 1932, Seiten 31 ff
- ↑ Frequenzplan der Bundesnetzagentur, siehe dort auf Seite 21 ff.
- ↑ Während des Ukraine-Krieges 2022 aktivierte die BCC zwei KW-Frequenzen, um so Zensurmaßnahmen im Internet zu umgehen. Millions of Russians turn to BBC News. 2. März 2022.
- ↑ https://www.intruder-watch.de/stoerungen_auf_kurzwelle.html
- ↑ verschiedene Geräte
- ↑ Gebrauchsanweisung Kurzwellen-Therapiegerät ULTRATHERM 1008, auf gbo-med.de
- ↑ Physikalische Therapie: Grundlagen - Methoden - Anwendung
- ↑ Münchener Medizinische Wochenschrift. Band 95, Nr. 1, 2. Januar 1953, S. CXI (Anzeige).
- ↑ Kurzwellentherapie. MediLexi, 13. November 2021, abgerufen am 17. November 2022.
- ↑ Fast alle ARD-Radiosender stellen Mittelwelle ein auf heise.de vom 6. Januar 2015
- ↑ Marcus Heumann: Abschied von der Mittelwelle. Der gefürchtete Wellensalat ist Geschichte (Deutschlandfunk.de vom 17. Dezember 2015)
- ↑ Extinction des ondes moyennes ( vom 31. Dezember 2015 im Internet Archive)
- ↑ Radio: Tschechien schaltet Mittelwelle und Langwelle ab. In: digitalfernsehen.de. 30. Dezember 2021, abgerufen am 21. August 2022 (deutsch).
- ↑ a b https://www.elexs.de/radio1.htm
- ↑ Günter Lindemann: Warum sind Signale im 160- und 80-Meter-Band tagsüber nur schwach und nicht für den weltweiten Funkverkehr geeignet? Sie sind ungeeignet wegen der Tagesdämpfung in der D-Schicht. (PDF) TI210. In: www.dl9hcg.a36.de. Dezember 2013, abgerufen am 24. August 2024 (deutsch).
- ↑ Mariano Gonzalez: Peter Gabriel – Here Comes the Flood. Songlexikon - Eine Netzpublikation des Zentrums für Populäre Kultur und Musik der Universität Freiburg in Kooperation mit Schott Music und der HS Düsseldorf, 2024, abgerufen am 17. Mai 2024 (deutsch).
- ↑ Ian Birch: Peter Gabriel, Latest Edition. In: Melody Maker. The Genesis Archive, 1. Juli 1978, abgerufen am 24. August 2024 (britisches Englisch, S. 10, 46).
- ↑ Adam Sweeting: Peter Gabriel - Past, Present and Future. In: International Musician and Recording World. The Genesis Archive, Januar 1979, abgerufen am 24. August 2024 (britisches Englisch, S. 39, 41).
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The usage frequency window for radio propagation lies between the lowest and maximum usable frequencies. When the window closes, as shown here, a shortwave fade occurs.
(c) I, Kuebi, CC BY-SA 3.0
Die Kurzwellensendeanlage von International Broadcasting Bureau (USA) bei Biblis (Südhessen, Landkreis Bergstraße), die für die Ausstrahlung der Programme des Radio Free Europe/Radio Liberty verwendet wird.
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Autor/Urheber: Hp.Baumeler, Lizenz: CC BY-SA 4.0
Eine Kurzwellen-Sende-Empfangsanlage mit einer 1kW-Röhren-Endstufe der Firma Drake. Sie wurde von Funkamateuren und professionellen Diensten eingesetzt.
Zwei Fernmeldesoldaten des Australischen Heeres während der Hörausbildung mit aufgesetzten Kopfhörer an einer Marconi Mk II Kristall-KW-Empfangsfunkstelle. Die Soldaten befinden sich augenscheinlich in der Ausbildung an der Fernmeldeschule in Broadmeadows, Vic.
(c) AndreasS in der Wikipedia auf Deutsch, CC BY-SA 3.0
Aufbau der Ionosphärenschichten. Selbst gezeichnet
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Schematic of wave propagation by ground and sky wave
Autor/Urheber: Sebastian Janke, Lizenz: CC BY-SA 2.5
Relationship between radiation angle and ionospheric reflection
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