Klein Oschersleben
Klein Oschersleben Stadt Oschersleben (Bode) | ||
|---|---|---|
| Koordinaten: | 52° 1′ N, 11° 20′ O | |
| Höhe: | 81 m | |
| Einwohner: | 650 (31. Dez. 2018)[1] | |
| Eingemeindung: | 1. Januar 2003 | |
| Postleitzahl: | 39387 | |
| Vorwahl: | 03949 | |
Lage von Klein Oschersleben in Sachsen-Anhalt | ||
Klein Oschersleben ist ein Ortsteil der Stadt Oschersleben (Bode) in Sachsen-Anhalt.
Historie des Gutes
Die Ortsgeschichte von Klein Oschersleben war mehrere Jahrhunderte geprägt durch das Rittergut der uradeligen Familie von Kotze. Die Familie hatte seit dem 15. Jahrhundert mit dem Großgrundbesitzer Hans von Kotze erste Besitzungen im Ort, ihm gehörten sogar Flächen in Halle, insgesamt acht Güter in der Region. Hans von Kotze führte noch den Zusatz Ritter, er war zudem erzbischöflicher magdeburgischer Rat, Hofmarschall und Hofmeister. Klein Oschersleben war zunächst ein Nebengut. Über 1815 hinaus war die Gerichtsbarkeit in den Händen der Gutsbesitzerfamilie und wurde nachfolgend noch mehrfach bestätigt, als Königl. Preuß. Land- und Stadtgericht, als Adelich von Kotzesches Patrimonialgericht zu Groß Germersleben und Klein Oschersleben, so zu jener Zeit mit vollständiger Titulatur.[2] Später bildete sich einige Generationen später eine eigene Familienlinie Klein Oschersleben hervor, etwa mit Lebrecht von Kotze, der 1831 in Klein Oschersleben verstarb und mit Dorothea Raabe eine bürgerliche Ehefrau wählte.[3] Sie übten auch das Kirchenpatronat im Dorf für die evangelische Kirche aus und brachten mehrere Persönlichkeiten hervor die unmittelbar mit der Geschichte des Dorfes verbunden waren. Vor 1900 lebten 1366 Einwohner am Ort, Dorf und eigenständiger Gutsbezirk zusammen.[4] Um 1920 war das Rittergut Klein Oschersleben[5] mit Flächen in Wanzleben 475 ha groß, als Verwalter für den minderjährigen Eigentümer agierte der ehemalige Landrat Ludolf von Kotze, Major a. D.
Letzte Gutsherren waren Hans-Lothar von Kotze (1912–1941), der als Leutnant d. R. im Krieg blieb,[6] und dann dessen jüngerer Bruder Ludolf (Hans Ludolf) von Kotze (1913–2006).[7]
1945/1946 wurde das Adelsgeschlecht enteignet. Ludolf von Kotze-Klein Oschersleben ging zunächst als Kaufmann nach Südafrika und lebte dann in Niedersachsen. Sein 1947 geborener Sohn Hans Peter von Kotze-Klein Oschersleben wiederum gründete in der relativer Nähe der Hauptstadt Luanda (etwa 400 km entfernt) eine Pflanzung in Angola, bei Loati-Libolo, lebte dann mit seiner Familie in Portugal.[8]
Politische Geschichte des Ortes
Die Ortschaft galt lange als Dorf mit Rittergut, gelegen in Preußen, Regierungsbezirk Magdeburg, Kreis Wanzleben, Amtsgericht Oschersleben, mit evangelischen Pfarrbezirk und einer Zuckerfabrik. Klein Oschersleben wurde am 1. Januar 2003 in die Stadt Oschersleben eingegliedert.[9]
Wappen
Das Wappen wurde am 10. Januar 1996 durch das Regierungspräsidium Magdeburg genehmigt.[10]
Blasonierung: „In Grün eine goldene Odalsrune über einem silbernen Wellenbalken.“
Flagge
Die Flagge ist grün-weiß-grün (1:3:1) gestreift (Querform: Streifen waagerecht verlaufend, Längsform: Streifen senkrecht verlaufend) und mit dem mittig aufgelegten Wappen belegt.
Religionen
Die evangelisch-lutherische Kirche wurde 1868 im neogotischen Stil errichtet. Im Jahr 1885 wurde das Gotteshaus unter Federführung der Firma Gustav Kuntzsch, Anstalt für kirchliche Kunst, Wernigerode, einer umfassenden Neugestaltung unterzogen.[11] Heute gehört die Kirche zum Pfarrbereich Hadmersleben.
Die katholische Kirche St. Marien Unbefleckte Empfängnis wurde 1900–1901 im Stil der Neogotik errichtet, die Konsekration erfolgte 1902. Sie gehört heute zur Pfarrei St. Marien mit Sitz in Oschersleben.
Verkehr
Der Bahnhof Hadmersleben liegt westlich des Ortes am Nordufer der Bode an der Bahnstrecke Magdeburg–Thale. Dort halten die Regionalbahnen von Oschersleben nach Magdeburg im Zweistundentakt. Der Bahnsteig wurde 2016 erneuert, wodurch nun ein barrierefreier Zustieg möglich ist.[12] Der nächstgelegene Fernbahnhof ist Magdeburg Hauptbahnhof.

Söhne des Ortes
- Hans Friedrich Wilhelm von Kotze (1802–1868), Rittmeister u. Landrat
- Gustav von Kotze (1806–1880), Generalleutnant
- Stefan von Kotze (1869–1909), Kolonialschriftsteller
- Hans Peter von Kotze (1873–1915), Verwaltungsbeamter u. Landrat
- Hans Ludolf von Kotze (1840–1917), Major u. Landrat
- Hans Ludolf von Kotze (1876–1952), Verwaltungsbeamter, Rittmeister u. Landrat
- Helmut Bergmann (1898–1946), Jurist u. Diplomat, als Kriegsverbrecher hingerichtet
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Integriertes Stadtentwicklungskonzept Oschersleben (Bode) 2030 |Die Ortsteile. (PDF; 11,8 MB) Stadt Oschersleben (Bode), S. 8, abgerufen am 7. Juni 2023.
- ↑ Vollständiges Archiv der von 1816 bis mit 1836 durch die Amtsblätter der Königl. Preuss. Regierung zu Magdeburg publici(e)rten, die Justiz und die gesammte Verwaltung betreffenden ... . Abschnitt: Justizverwaltung im Allgemeinen. Kap. 1, A. Verlag Franzen und Große, Stendal 1838, S. 2.
- ↑ Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel (Uradel). 1905. Jahrgang 6, Justus Perthes, Gotha 1904, S. 394 ff.
- ↑ Gustav Neumann, Wilhelm Keil: Neumanns Orts-Lexikon des Deutschen Reichs. Ein geographisch-statistisches Nachschlagebuch für deutsche Landeskunde. 3. Auflage-Neuer Abdruck, Bibliographisches Institut, Leipzig/Wien 1894, S. 419.
- ↑ Oskar Köhler, Gustav Wesche, H. Krahmer: Landwirtschaftliches Güter-Adreßbuch der Provinz Sachsen. 1922. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter und Güter von ungefähr 20 ha herab mit Angabe der Gutseigenschaft, des Grundsteuerertrages, der Gesamtfläche und des Flächeninhalts der einzelnen Kulturen. Hrsg. Mit Unterstützung der Landwirtschaftskammer zu Halle a. S., In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band V, (Paul Niekammer), 3. Auflage, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1922, S. 90–91.
- ↑ Vgl. Matthias Graf von Schmettow (Hrsg.): Gedenkbuch des deutschen Adels. (Hauptband), In: Aus dem Deutschen Adelsarchiv. Band 3, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1967, S. 177.
- ↑ Gottfried Graf Finck von Finckenstein, Christoph Franke: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A/B (Uradel u. Briefadel). 2012. Band XXXIII, Band 152 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 2012, ISSN 0435-2408, S. 317 f.
- ↑ Vgl. u. a . Hans Friedrich von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler, Jürgen von Flotow, Walter von Hueck: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel). 1957. Band III, Band 15 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke Verlag, Glücksburg (Ostsee) 1957, ISSN 0435-2408, S. 272 ff.
- ↑ StBA-Wiesbaden (Hrsg.): Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003.
- ↑ Amtsblatt für den Regierungsbezirk Magdeburg. Nummer 5, Magdeburg 15. Mai 1996, S. 82.
- ↑ Soproni Múzeum, Sopron (Ungarn), Invent.-Nr. S. 2425 E 251 (Storno könyvtár): Gustav Kuntzsch Mappe, nicht paginiert.
- ↑ Bahnhofsprogramm Sachsen-Anhalt. Abgerufen am 7. November 2017.
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Positionskarte von Sachsen-Anhalt, Deutschland
Wappen von Klein Oschersleben, Ortsteil von Oschersleben
Autor/Urheber: Olaf Meister, Lizenz: CC BY-SA 3.0
katholische Kirche in Klein Oschersleben

