Kitaamiut

Grönländerinnen rupfen Seevögel (1960er Jahre)

Die Kitaamiut (auch Westgrönländer) sind mit knapp 46.000 Menschen (2005) die mit Abstand größte Volksgruppe Grönlands. Ihre Sprache Kitaamiutut ist ein Idiom der grönländischen Sprache Kalaallisut, das mit einigen dänischen Lehnworten durchmischt ist.[1] Aufgrund der Tatsache, dass über 90 % der Grönland-Inuit diese Sprache sprechen, wird sie im Allgemeinen häufig nicht vom Kalaallisut differenziert.

Sie wohnen an der Westküste zwischen Upernavik und Nanortalik.

Kujataamiut

Eine kleine Untergruppe der Kitaamiut sind die rund 150 Südgrönländer (Kujataamiut), die an der klimatisch milderen Südwestküste (vor allem in den Siedlungen Qassiarsuk und Igaliku) leben, wo sie Schafzucht betreiben.

Herkunft

Genetisch betrachtet gehen die Kitaamiut zu drei Vierteln auf Einwanderer der Thule-Kultur, die nach dem Jahr 1000 von Norden kommend die westgrönländische Küste besiedelten, und zu einem Viertel auf Europäer, die seit dem 18. Jahrhundert auf die Insel kamen, zurück.[2]

Kultur

Sisimiut, typische Stadt an der westgrönländischen Küste
Zwei Kitaamiut in traditionellen Kayaks

Ursprünglich waren alle Grönland-Inuit – die man zum nordamerikanischen Kulturareal „Arktis“ zählt – Jäger, Fischer und Sammler, die sich insbesondere von Meeressäugern und Fischen ernährten. Noch heute stellt die subsistenzwirtschaftliche Jagd neben der Fischereiwirtschaft, dem Tourismus und dem Bergbau (Eisen, Öl, Uran) bei vielen Familien eine wichtige Zusatzversorgung dar.[3] Wie in vielen anderen Regionen der Arktis weicht die traditionelle Selbstversorgung mehr und mehr dem Vertrauen in die moderne Marktwirtschaft, was allerdings zu einer wachsenden Abhängigkeit von der Außenwelt führt. Dies gilt insbesondere für die Westgrönländer. Seit den 1950er Jahren ist der kommerzielle Fischfang – vor allem für Kabeljau und Garnelen – die wichtigste Einnahmequelle der Westgrönländer geworden.[4][5]

Die Kitaamiut sind zu 99 % evangelisch. Von der traditionell animistischen Religion (Allbeseeltheit) sind nur noch wenige Bräuche erhalten geblieben, da die Christianisierung bereits um das Jahr 1800 weit fortgeschritten und bis 1901 komplett abgeschlossen war.[6]

Einzelnachweise

  1. Hein van der Voort: History of Eskimo interethnic contact and its linguistic consequences, in: Stephen A. Wurm, Peter Mühlhäusler u. Darrell T. Tryon (Hrsg.): Atlas of Languages of Intercultural Communication in the Pacific, Asia and the Americas. Band 2, International Council of Philosophy and Humanistic Studies (UNESCO), Moutoun de Gruyter, ISBN 3-11-013417-9. Berlin, New York 1996. S. 1052.
  2. Ida Moltke et al.: Uncovering the Genetic History of the Present-Day Greenlandic Population. pdf-Version, Artikel in The American Journal of Human Genetics 96, S. 54–69, 8. Januar 2015.
  3. Frank Sejersen: Greenland, erschienen in: Cæcilie Mikkelsen (Hrsg.): The Indigenous World – 2014. International Work Group for Indigenous Affairs (IWGIA), Kopenhagen 2014, ISBN 978-87-92786-41-8. S. 20–25.
  4. Peoples and Cultures of the Circumpolar World I - Module 3: People of the Coast. University of the Arctic, abgerufen am 21. Juli 2015. S. 4–5.
  5. Stefan Bauer, Stefan Donecker, Aline Ehrenfried, Markus Hirnsperger (Hrsg.): Bruchlinien im Eis. Ethnologie des zirkumpolaren Nordens (= Beiträge zum zirkumpolaren Norden. Bd. 1). Lit-Verlag, Wien 2005, ISBN 3-8258-8270-5, S. 73–74, 80–86
  6. Rolf Gilberg: Polar Eskimo, in William C. Sturtevant (Hrsg.): Handbook of North American Indians: Arctic S. 597.

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