Kiribati-Kokosfaserrüstung

Kiribati-Kokosfaserrüstung
Warrior suit, Nauru, 1891 - Staatlichen Museums für Völkerkunde München - DSC08286.JPG
Angaben
Waffenart:Rüstung
Bezeichnungen:Coconut fibre armor
Verwendung:Waffe
Ursprungsregion/
Urheber:
Kiribati
Verbreitung:Kiribati, Tuvalu, Nauru
Listen zum Thema
Rüstung, Anfang 20. Jahrhundert, Gilbertinseln (Museum of Anthropology, Vancouver, Inventarnr. C1491 a-e.)

Die Kiribati-Kokosfaserrüstung (gilbertesisch: Te tanga ni buaka), (engl. Coconut fibre armour) ist eine Schutzwaffe aus Kiribati in der Form einer Ganzkörperrüstung. Gleichartige Rüstungen sind auch aus Tuvalu und Nauru bekannt.

Beschreibung

Die gilbertesische Kokosfaserrüstung (heute Kiribati) besteht aus den geflochtenen Fasern der Kokosnusspalme (Cocos nucifera). Die Fasern werden verwoben und dann zu einem Helm, einer Hose, sowie einem Brustpanzer mit Ärmeln zusammengefügt.

Der Helm ist schalenförmig gearbeitet und mit einem Wangenschutz versehen. Wahlweise wurde auch der Igelfischhelm oder andere Helme zu dieser Rüstung getragen. Die Jacke ist als Brustpanzer sehr dicht geflochten, sie hat einen langen Rückenschild, der weit über den Kopf herausragt. Dieser dient dazu, das Genick und den Rücken vor Angriffen zu schützen und bietet außerdem Schutz vor Treffern aus den eigenen Reihen. Auf Kiribati war es üblich, dass die Frauen und nicht am Nahkampf teilnehmende Angehörige der Gruppe oder des Stammes etwas weiter hinter der Reihe der Krieger standen. Sie bewarfen die Gegner mit Steinen und Korallenbrocken über die Köpfe der Krieger hinweg.

Die Jacke ist an beiden Seiten zu öffnen und erlaubt so, sie anzuziehen. Sie wird mit einem Band auf der Brust verschlossen. Die Ärmel sind grober geflochten als das Bruststück.

Die Hose ist ebenfalls grob geflochten und bedeckt die Beine bis etwa zu den Knöcheln. Eine Art Hosenträger, die ebenfalls aus Kokosnussfaser angefertigt sind, dienen dazu, die Hose in ihrer Position zu halten. Schuhe wurden nicht getragen, aber wahrscheinlich hatten die Krieger noch ein Untergewand aus Stoff unter dieser Rüstung.

Bedingt durch ihre Steifigkeit war es schwierig, sich in der Rüstung zu bewegen. Jeder Krieger hatte deshalb einen Helfer, der als Waffenträger diente. Die Rüstung ist durch ihre Verarbeitung und das verwendete Material stark genug, die Geschosse früher Musketen aufzuhalten, ebenso Speere und Schläge mit Keulen, Schwertern oder anderen Haizahnwaffen.

Krieger aus Nauru, um 1880

Auf der Rüstung sind meist karoförmige Verzierungen angebracht, die aus dunkel eingefärbter Kokosnussfaser, oft aber aus Frauenhaarschnur eingearbeitet waren. Zusätzlich wurde oft noch ein Panzergürtel sowie ein Brustpanzer aus Rochenhaut getragen.

Als Waffe benutzten die Krieger der Gilbertinseln eine Art Schwert oder Keule aus Kokosnussholz, das aus drei „Klingen“ bestand und Taumangaria genannt wird. Als Schneide dienten Haifischzähne, die an den Kanten der Waffe befestigt waren.[1]

Literatur

  • Adrienne Lois Kaeppler: The Pacific arts of Polynesia and Micronesia. Oxford University Press, 2008, ISBN 978-0-19-284238-1, S. 133.
  • George Cameron Stone: A Glossary of the Construction, Decoration and Use of Arms and Armor: in All Countries and in All Times. Courier Dover Publications, 1999, ISBN 978-0-486-40726-5, S. 64–65.
  • David Stanley: South Pacific handbook. David Stanley, 1982, ISBN 978-0-9603322-3-6, S. 426.
  • Kiribati: Aspects of History. Institute of Pacific Sudies, Suva, Fidji, Tarawa 1979, ISBN 978-982-02-0051-7.
  • Gerd Koch: Materielle Kultur der Gilbert-Inseln. Nonouti, Tabiteuea, Onotoa. Museum für Völkerkunde, Berlin 1965 (Veröffentlichungen des Museums für Völkerkunde, Berlin. Abteilung: Südsee 3 = Veröffentlichungen des Museums für Völkerkunde Berlin. NF 6, ISSN 0522-9766). (Zum Thema: Kapitel: Waffen, S. 193–197, mit Abbildungen).

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Kiribati-Kokosfaserrüstung (coconut fibre armour) im Pitt Rivers Museum, Inventarnr. 1941.2.74, englisch, abgerufen am 25. Dezember 2011

Auf dieser Seite verwendete Medien

Early 20th Century Micronesian Armour.jpg
Autor/Urheber: Leoboudv/FBoudville, Lizenz: CC BY-SA 3.0
This is an excellent example of early 20th century Micronesian Armour collected by Frank Burnett, a Canadian writer, in Kiribati in 1902. The armour is made of finely woven coir that covers the whole body and its breastplate is intriguingly made of stingray skin. The neck protector has rows of a diamond design pattern in black on dark brown ground. This item was donated to the UBC Museum of Anthropology in Vancouver, Canada, in 1927 where its museum catalogue number is C1491 a-e
Nauruan-warrior-1880ers.jpg
Nauruan warrior, Oceania, Pacific Ocean
Warrior suit, Nauru, 1891 - Staatlichen Museums für Völkerkunde München - DSC08286.JPG
Kokosfaserrüstung eines Kriegers aus Nauru. Vergleichbare Ganzkörperschutzwaffen kamen auch auf Kiribati (gilbertesisch: Te tanga ni buaka) und Tuvalu vor. Die Abbildung zeigt ein Ausstellungsstück des Staatlichen Museums für Völkerkunde in München, erworben 1891. - In der Vitrine unten rechts ist ein Igelfischhelm zu sehen. Zur Bewaffnung gehören Haizahnwaffen, hier zu sehen ist ein Stoßspeer.