Kinzig (Main)

Kinzig
Verlauf der Kinzig (interaktive Karte)

Verlauf der Kinzig (interaktive Karte)

Daten
GewässerkennzahlDE: 2478
LageHessisch-Fränkisches Bergland

Rhein-Main-Tiefland


Deutschland

FlusssystemRhein
Abfluss überMain → Rhein → Nordsee
Quelle500 m südwestlich der Ortslage von Sinntal-Sterbfritz
50° 18′ 13″ N, 9° 37′ 11″ O
Quellhöhe400 m ü. NHN[1]
Mündungwestlich der Altstadt von Hanau in den Main bei Strom-Kilometer 55Koordinaten: 50° 7′ 46″ N, 8° 54′ 8″ O
50° 7′ 46″ N, 8° 54′ 8″ O
Mündungshöhe99 m ü. NHN[1]
Höhenunterschied301 m
Sohlgefälle3,5 ‰
Länge86 km[1]
Einzugsgebiet1.058,283 km²[1]
Abfluss am Pegel Hanau[2][3]
(87,0 % des Einzugsgebiets)[4]
AEo: 921,2 km²
Lage: 5 km oberhalb der Mündung
NNQ (26.08.1964)
MNQ 1957–2006
MQ 1957–2006
Mq 1957–2006
MHQ 1957–2006
HHQ (03.01.2003)
1 m³/s
2,39 m³/s
10 m³/s
10,9 l/(s km²)
71,9 m³/s
160 m³/s
Abfluss[1][5]
AEo: 1.058,28 km²
an der Mündung
MQ
Mq
10,97 m³/s
10,4 l/(s km²)
Linke NebenflüsseAhlersbach (2478118), Auerbach, Ahlersbach (2478152), Klingbach, Orb, Bieber, Schandelbach, Birkigsbach, Hasselbach, Lache
Rechte NebenflüsseRamholzer Wasser, Grennelbach, Elmbach, Riedbach, Steinaubach, Ulmbach, Salz, Bracht, Gründau, Fallbach
Durchflossene StauseenKinzig-Stausee
MittelstädteHanau, Gelnhausen
KleinstädteSchlüchtern, Steinau an der Straße, Bad Soden-Salmünster, Wächtersbach, Langenselbold
Schiffbarnein (im Mittelalter von Gelnhausen bis zur Mündung)
Kinzig in der Bulau bei Hanau

Kinzig in der Bulau bei Hanau

Mündung in Hanau

Mündung in Hanau

Die Kinzig ist ein 86 km langer Fluss in Hessen, der in Sterbfritz entspringt, den Main-Kinzig-Kreis durchfließt und in Hanau in den Main mündet. Urkundlich erstmals erwähnt wurde die Kinzig 815 als „Chinzicha“.

Geografie

Kinzigquelle

Die Kinzigquelle liegt am Fuße des Berges Steinfirst (512 m) auf etwa 400 m ü. NHN in der Nähe eines Aussiedlerhofes südlich von Sterbfritz, einem Ortsteil von Sinntal. Es ist eine kleine, in Sandstein gefasste Quelle, die mit einem Abflussrohr versehen ist.

Der dort entspringende Quellbach fließt wenige Meter nach Nordwesten und vereinigt sich mit einem längeren Quellast.

Verlauf

Von der Quelle an läuft die Kinzig zunächst nordwestlich; sie ist bis Schlüchtern die Grenze zwischen dem Naturpark Hessische Rhön und dem Naturpark Hessischer Spessart. Abwärts von Schlüchtern fließt die Kinzig in südwestlicher Richtung und trennt den Vogelsberg im Norden vom Spessart im Süden. Zwischen Steinau und Ahl durchläuft der Fluss den Kinzig-Stausee. Am Unterlauf kann die Kinzig auch von Kanuten befahren werden.

Kurz vor Hanau durchfließt die Kinzig die so genannte Bulau. Dieses Waldgebiet wurde früher von der US Army als Übungsgebiet verwendet und ist daher noch sehr naturbelassen. Bei Hochwasser läuft die Waldaue durch viele Gräben schnell mit Wasser voll, so dass im Frühling weitläufige Bärlauch-Wiesen zu finden sind. Der Fluss mündet nach etwa 82 km in Hanau auf etwa 100 m ü. NHN in den Main. Dort gibt es eine Aussichtsplattform aus zwei ineinandergeschobenen, durch eine Stahlmauer verbundenen Terrassendecks, von wo aus man wie von einem Balkon zum Schloss Philippsruhe oder zum Mainhafen blicken kann.

Zuflüsse

Das Einzugsgebiet der Kinzig ist 1058 Quadratkilometer groß.

Wichtigste Nebenflüsse (mit über 10 km Länge) sind:

nach Länge sortiert:

flussabwärts aufgezählt:

Eine umfassendere Aufstellung, die auch kleine Zuflüsse enthält, findet sich in der Liste der Fließgewässer im Flusssystem Kinzig (Main).

Orte an der Kinzig

(in Flussrichtung von der Quelle zur Mündung, nur die kursiv markierten Orte sind direkte Anrainer)

Fauna

In der Kinzig kommen u. a. folgende Fischarten vor:

Aal, Barsch, Brasse, Hecht, Rotfeder, Rotauge, Karpfen, Neunauge, Gründling Forelle und Zander.[6]

Mühlen

Sterbfritz

  • Klingenmühle
    • an der Kinzig gelegen
    • 1356 als Hanclingen molendinum genannt.

Sannerz

  • Eckenmühle (Obermühle)
    • im südlichen Ortsbereich
  • Untermühle (auch Schloßmühle)
    • am nördlichen Dorfende.

Vollmerz

  • Schlagmühle
  • Steinmühle
    • an einem von der Kinzig abgeleiteten Betriebsgraben gelegen
  • Gerlingsmühle
    • an einem von der Kinzig abgeleiteten Betriebsgraben gelegen

Herolz

  • Dorfmühle Herolz
    • inmitten der Ortslage
  • Alte Mühle (Ried Mühle)
    • ca. 300 m unterhalb des Ortskerns

Schlüchtern

  • Hutzelmühle (Fuldische oder Walk-Mühle)
    • vor dem Krämertor
    • 1353 erwähnt
  • Hildebrandmühle (Mühle im Sach, Christenmühle, Kösgen- oder Kästches-Mühle)
  • Klostermühle
    • im Hofbereich des früheren Klosters
  • Klöbersmühle (Hofmühle)
    • am Untertor
    • 1285 erwähnt
  • Richtscheidermühle (Riedscheider Mühle)
    • am südlichen Ortsausgang
    • 1331 erwähnt

Niederzell

  • Städter Mühle
    • an einem von der Kinzig abgeleiteten Betriebsgraben gelegen
  • Rosenmühle
    • an einem von der Kinzig abgeleiteten Betriebsgraben
    • Mühlenbetrieb 1948 eingestellt

Steinau

  • Papiermühle
  • Hopfenmühle
  • Walkmühle
  • Herrenmühle
    • Sägemühle
  • Neumühle
    • Mahl- und Sägemühle
  • Erlensee - Rückingen

• Mühle zur Stromerzeugung

Geschichte

Der Fluss war schon zur Römerzeit als Verkehrsweg von Bedeutung, wie die Anlage mehrerer Kastelle am Unterlauf belegt. Die Stelle, wo der Limes bei Erlensee-Rückingen die Kinzig kreuzt, wurde durch das Kastell Rückingen gesichert. Da die Römer schwere Lasten bevorzugt mit kleineren Schiffen oder gar Flößen durch Treideln transportierten, dürfte in Rückingen südlich des Kastells ein erheblicher Teil des Baumaterials und der Versorgungsgüter für die östliche Wetterau-Linie umgeschlagen worden sein. In direkter Nähe zur Flussmündung stand das Kastell Kesselstadt, einer der größten bekannten Kastellbauten am Limes, das aber wohl nur kurze Zeit existiert hat. Es wurde durch das Kastell Salisberg ersetzt, das in der Nähe auf einer leichten Erhebung über der Kinzig und der Mündung des Salisbachs stand.

Im Mittelalter kam der Kinzig eine Bedeutung bei der Sicherung des Landes durch Burgen zu, hierzu ist besonders die Pfalz Gelnhausen zu nennen, die von der Kinzig umflossen wurde. Wahrscheinlich ebenfalls in die Zeit Friedrich Barbarossas fallen weitere Burggründungen dieser Zeit in der Region, an der Kinzig selbst das Stadtschloss Hanau sowie die Wasserburg in Rückingen, die 1234 bzw. 1248 erstmals erwähnt werden; beide dürften jedoch schon etwas länger bestanden haben. 1405 ließ König Ruprecht von der Pfalz die Wasserburg in Rückingen zusammen mit einigen anderen Burgen der Region wegen Übergriffen auf Kaufleute zerstören.

Schifftor in Gelnhausen

Für Schifffahrt auf der Kinzig im Mittelalter gibt es besonders aus Gelnhausen eindeutige Belege. Neben dem Namen des Schiffertors gab es auch eine Schiffleute-Zunft und eine Schiffordnung. Die Schiffleute-Zunft existierte noch im 16. Jahrhundert. Transport erfolgte jedoch nur talwärts, was das Geschäft auf Dauer unrentabel machte.[7] Auch die Anlage von Mühlen und die Versandung des Flusses erschwerten die Schifffahrt und Flößerei. Der Konflikt zwischen Müllern und Flößern bestand bis ins 18. Jahrhundert.[8]

Um die Burg zwischen den Kinzigarmen in Hanau entwickelte sich die Stadt Hanau, Residenz der Herren und Grafen von Hanau. Vor ihrer Mündung in den Main schließt die Kinzig in einem Bogen nach Nordwesten die Stadt ein, was in der Neuzeit die Anlage von polygonalen Befestigungen der Alt- und Neustadt begünstigt hat. Nach der Niederlegung der Befestigungsanlagen 1806 wurden auch die meisten durch die Stadt verlaufenden Stadtgräben und Kinzigarme zugeschüttet. Erhalten geblieben ist von diesen allein ein Arm, der durch den Hanauer Schlossgarten fließt.

1601/02 gab es nochmals gemeinsame Bestrebungen des Isenburger Grafen Wolfgang Ernst zu Ysenburg und Büdingen und Philipp Ludwig II. von Hanau, die Kinzig durch Anlage von Wehren und Schleusen schiffbar zu machen. Der Ysenburger hoffte auf mögliche Abfuhr von Holz auf dem Wasserwege aus dem Büdinger Wald und auf Einnahmen durch einen Wasserzoll. Philipp Ludwig von Hanau war interessiert, die Verkehrsverbindungen seiner 1597 entstandenen Neustadt Hanau zu verbessern, wo er calvinistische Glaubensflüchtlinge aus den Spanischen Niederlanden und Frankreich angesiedelt hatte. Das Projekt scheiterte am Widerstand der Stadt Frankfurt und von Kurmainz, die bei Kaiser Rudolf II. intervenierten.[9]

Am 30. und 31. Oktober 1813 fand unmittelbar nördlich der Kinzig die Schlacht bei Hanau statt. Ein Gedenkstein an der Kinzigbrücke westlich der Hanauer Vorstadt erinnert an die Verwundung des bayrischen Generals Carl Philipp von Wrede.

Verkehr

Das Kinzigtal zwischen den Bergen von Vogelsberg und Spessart war seit dem Mittelalter eine wichtige Verkehrsverbindung sowohl für den Ost-West- als auch den Nord-Süd-Verkehr, wie schon der Beiname von Steinau an der Straße bezeugt. Hier verlief ein Teilstück der Via Regia oder Hohen Straße von Mainz über Frankfurt am Main nach Leipzig und Breslau. Heute folgt die Bundesautobahn 66 der Kinzigtalachse hinauf bis Fulda, sie hat die frühere Bundesstraße 40 ersetzt. Die von Nord nach Süd laufende Bundesstraße 276 quert dort das Tal, weitestgehend parallel zu ihr führt der Vogelsberger Südbahnradweg von Hartmannshain nach Wächtersbach. Für den Bahnverkehr von Frankfurt nach Fulda gibt es die Kinzigtalbahn (Hessen).

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Commons: Kinzig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e Topografische Karte 1:25.000 und WRRL Datenbank
  2. Pegel Hanau, Gewässerkundliches Jahrbuch 2011, Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie
  3. Statistik Hanau / Kinzig, Bayerischer Hochwassernachrichtendienst (abgerufen am 6. September 2013)
  4. Stammdaten Hanau / Kinzig
  5. Pegelwert Hanau vermehrt um den Gebietsabfluss des Resteinzugsgebietes (137,08 km²), ermittelt aus den Daten der Pegel Rück, Hainstadt, Goldbach, Harreshausen, Alzenau, Hanau, Kleinheubach und Frankfurt a. M. Osthafen
  6. Kinzig, mein-biss
  7. Martin Eckoldt: Schiffahrt auf kleinen Flüssen Mitteleuropas in Römerzeit und Mittelalter. Schriften des Deutschen Schiffahrtsmuseums 14, Oldenburg, Hamburg, München 1980 S. 84–86.
  8. Jürgen Ackermann: Die „Flöß- und Schiffbarmachung der Kinzig“ (1599–1716). In: Lutz Vogel u. a.: Mehr als Stadt, Land, Fluss. Festschrift für Ursula Braasch-Schwersmann. Schmidt, Neustadt an der Aisch 2020. ISBN 978-3-87707-197-7, S. 70–74.
  9. Jürgen Ackermann: 1601/02: Warentransport auf der Kinzig oder auf der Frankfurt-Leipziger Landstraße? In: Büdinger Geschichtsblätter 18, 2004/2005, S. 341–344.

Auf dieser Seite verwendete Medien

Kinzig Bulau 1.jpg
Autor/Urheber: MdE aus der deutschsprachigen Wikipedia (→ Benutzerseite auf Commons), Lizenz: CC BY-SA 3.0
Pegel an der Kinzig in der „Bulau“ nahe Hanau
Kinzigtalsperre.jpg
Autor/Urheber: Die Autorenschaft wurde nicht in einer maschinell lesbaren Form angegeben. Es wird Fafner als Autor angenommen (basierend auf den Rechteinhaber-Angaben)., Lizenz: CC-BY-SA-3.0
Kinzigtalsperre, a small dam east of Frankfurt am Main, Germany.
Hanau Kinzigsteg.jpg
Autor/Urheber: Haselburg-müller, Lizenz: CC BY-SA 3.0
Kinzig-Steg in der Bulau, Hanau, Hessen; Bereich im FFH-Gebiet „Erlensee bei Erlensee und Bulau bei Hanau“
Gelnhausen - Schifftor.jpg
Autor/Urheber: unknown, Lizenz: CC BY-SA 2.5
Kinzig-muendung-hu001.jpg
Autor/Urheber: dontworry, Lizenz: CC-BY-SA-3.0
Kinzigmuendung in Hanau
Kinzig Bulau 2.jpg
Autor/Urheber: MdE aus der deutschsprachigen Wikipedia (→ Benutzerseite auf Commons), Lizenz: CC BY-SA 3.0
Die Kinzig in der „Bulau“ nahe Hanau
Kinzig.png
Autor/Urheber: OpenStreetMap contributors, Ccmpg, Lizenz: CC BY-SA 4.0
carte réalisée sur umap [1]
Kinzig Bulau 3.JPG
Autor/Urheber: MdE aus der deutschsprachigen Wikipedia (→ Benutzerseite auf Commons), Lizenz: CC BY-SA 3.0
Ein Graben in der Bulau an der Kinzig mit Wiesenschaumkraut-Wiese (Cardamine pratensis)