Kenia

Jamhuri ya Kenya (Swahili)
Republic of Kenya (englisch)
Republik Kenia
Flagge Kenias
FlaggeWappen
Wahlspruch: Harambee
(Kiswahili, „Lasst uns zusammenarbeiten“)
AmtsspracheSwahili und Englisch
HauptstadtNairobi
Staats- und Regierungsformpräsidentielle Republik
Staatsoberhaupt, zugleich RegierungschefPräsident Uhuru Kenyatta
Fläche580.367[1] km²
Einwohnerzahl47.564.296 (Volkszählung 2019)[1][2]
Bevölkerungsdichte90 Einwohner pro km²
Bevölkerungs­entwicklung+ 2,3 % (Schätzung für das Jahr 2019)[3]
Bruttoinlandsprodukt
  • Total (nominal)
  • Total (KKP)
  • BIP/Einw. (nom.)
  • BIP/Einw. (KKP)
2019[4]
  • 95 Milliarden USD (64.)
  • 237 Milliarden USD (63.)
  • 2.004 USD (147.)
  • 4.985 USD (147.)
Index der menschlichen Entwicklung0,601 (143.) (2019)[5]
WährungKenia-Schilling (KES)
Unabhängigkeit12. Dezember 1963
(vom Vereinigten Königreich)
National­hymneEe Mungu Nguvu Yetu
ZeitzoneUTC+3
Kfz-KennzeichenEAK (East Africa)
ISO 3166KE, KEN, 404
Internet-TLD.ke
Telefonvorwahl+254
ÄgyptenTunesienLibyenAlgerienMarokkoMauretanienSenegalGambiaGuinea-BissauGuineaSierra LeoneLiberiaElfenbeinküsteGhanaTogoBeninNigeriaÄquatorialguineaKamerunGabunRepublik KongoAngolaDemokratische Republik KongoNamibiaSüdafrikaLesothoEswatiniMosambikTansaniaKeniaSomaliaDschibutiEritreaSudanRuandaUgandaBurundiSambiaMalawiSimbabweBotswanaÄthiopienSüdsudanZentralafrikanische RepublikTschadNigerMaliBurkina FasoJemenOmanVereinigte Arabische EmirateSaudi-ArabienIrakIranKuwaitKatarBahrainIsraelSyrienLibanonJordanienZypernTürkeiAfghanistanTurkmenistanPakistanGriechenlandItalienMaltaFrankreichPortugalMadeiraSpanienKanarenKap VerdeMauritiusRéunionMayotteKomorenSeychellenÎles ÉparsesMadagaskarSão Tomé und PríncipeSri LankaIndienIndonesienBangladeschVolksrepublik ChinaNepalBhutanMyanmarAntarktikaSüdgeorgien (Vereinigtes Königreich)ParaguayUruguayArgentinienBolivienBrasilienFrankreich (Französisch-Guayana)SurinameGuyanaKolumbienKanadaDänemark (Grönland)IslandMongoleiNorwegenSchwedenFinnlandIrlandVereinigtes KönigreichNiederlandeBarbadosBelgienDänemarkSchweizÖsterreichDeutschlandSlowenienKroatienTschechische RepublikSlowakeiUngarnPolenRusslandLitauenLettlandEstlandWeißrusslandMoldauUkraineNordmazedonienAlbanienMontenegroBosnien und HerzegowinaSerbienBulgarienRumänienGeorgienAserbaidschanArmenienKasachstanUsbekistanTadschikistanKirgisistanRusslandKenya on the globe (Africa centered).svg
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Kenia [ˈkʰeːni̯a] (Swahili, englisch Kenya [ˈkʰɛnjə, ˈkʰiːnjə]), offiziell Republik Kenia, ist ein Staat in Ostafrika. Die Hauptstadt und größte Stadt des Landes ist Nairobi, die zweite Millionenstadt ist Mombasa. Die Wirtschaft Kenias ist, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, die größte in Südost- und Zentralafrika.[6]

Kenia erlangte im Dezember 1963 die Unabhängigkeit von Großbritannien. Nach der Verabschiedung einer neuen Verfassung im August 2010 ist Kenia in 47 halbautonome Gebietskörperschaften, sogenannte Counties, unterteilt, in denen jeweils ein gewählter Gouverneur regiert.

Geographie

Kenia grenzt im Nordwesten an den Südsudan, im Norden an Äthiopien, im Nordosten an Somalia, im Süden an Tansania, im Westen an Uganda und im Südosten an den Indischen Ozean.

Inseln

Folgende Inseln gehören ebenfalls zum Staatsgebiet Kenias:

Geomorphologie

Zentral-Mittel-Kenia wird vom Rift Valley durchzogen, einem Teil des Ostafrikanischen Grabenbruchs. Die höchste Erhebung – der Batian mit 5199 m – befindet sich im Mount-Kenya-Massiv, das Gebirge gehört zum UNESCO-Weltnaturerbe. Der tiefste Punkt liegt bei 0 m an der 480 km langen Küste des Indischen Ozeans; dort sind teilweise Korallenriffe vorgelagert. Die längsten Flüsse des Landes sind: Tana, Sabaki und Kerio. Im Osten erstreckt sich das Küstentiefland als ein schmaler Saum. Die Küstenlinie wird dabei von Buchten und Lagunen gegliedert. Südlich sind Korallenriffe vorgelagert. Nach Westen schließen sich Hügel- und Tafelländer an.[7]

Klima

Vegetation in Kenia
Klimazonen in Kenia

Kenia kann in zwei Klimazonen unterteilt werden: Im Hochland, das höher als 1800 m liegt, kommt es von April bis Juni und von Oktober bis November zu Regenperioden. Der Niederschlag fällt meist nachmittags, abends und nachts. Die Nächte sind relativ kühl. Die kälteste Zeit in dieser Region liegt im Juli und August mit etwa 10 °C täglichem Minimum. Die warme Periode liegt im Januar und Februar mit etwa 25 bis 26 °C täglichem Maximum. Die Luftfeuchtigkeit beträgt etwa 65 Prozent. In Nairobi liegen die Temperaturen im Juli bei 11 bis 21 °C und im Februar bei 13 bis 26 °C. Die jährliche durchschnittliche Niederschlagsmenge liegt in Nairobi bei 958 mm. Am Victoriasee sind die Temperaturen viel höher, hier gibt es zum Teil starke Regenfälle.

An der Küste liegen die Temperaturen zwischen 22 und 32 °C, und die mittlere Luftfeuchtigkeit beträgt etwa 75 Prozent. Der meiste Niederschlag fällt von April bis Juni. Die trockensten Monate sind Januar und Februar. Die wärmsten Monate sind Oktober bis Mai.

Hydrogeographie

Die Hydrogeographie des Landes ist von unterschiedlichem Charakter. Bedingt durch die unterschiedlichen Klimazonen ergibt sich, dass das kleinste Einzugsgebiet, das des Viktoriasees mit knapp 10 % der Landesfläche, mit der Hälfte der Gesamtwassermenge den höchsten Abfluss hat. Das größte Einzugsgebiet hingegen, das des Ewaso Ng’iro, der in den Juba entwässert, hat mit mehr als einem Drittel der Landesfläche nur einen Anteil des Abflusses von weniger als 2 %. Neben dem regenreichen Südwesten stellt das Massiv des Mount Kenya das „Wasserschloss“ des Landes dar. Knapp ein Viertel des Landes entwässern in abflusslose Becken wie das des Turkana-Sees.

Nationalparks und Naturschutz

Es gibt eine Vielzahl an Nationalparks in Kenia, die ein wichtiges Standbein für den Tourismus darstellen. Der größte Nationalpark ist der Tsavo-Nationalpark, der in Tsavo-Ost und Tsavo-West gegliedert ist. Die bekannte Masai Mara, der nördliche Ausläufer der Serengeti, ist formell kein Nationalpark, sondern ein Naturschutzgebiet. Bedingt durch die Herdenwanderungen von Gnus, Zebras, Antilopen, Büffeln und Impalas, findet man hier besonders in den Monaten Juli und August einen großen Tierreichtum. Weitere bedeutende Nationalparks sind Amboseli, Lake Nakuru und Meru. Ebenso sehenswert ist der Nationalpark in Nairobi, ein kleineres tierreiches Reservat inmitten der Hauptstadt. Wohl nirgends sonst kann man Giraffen und Zebras so dicht vor einer Großstadtskyline beobachten. An der Küste von Kenia liegt der Watamu Marine Nationalpark, ca. 120 Kilometer nördlich von Mombasa. Der Nationalpark besteht aus einem Korallenriff mit vielen verschiedenen Fischarten.[8]

Bevölkerung

Demographie

Bevölkerungspyramide Kenias 2016
AIDS war zeitweise für eine rückläufige Lebenserwartung in Kenia mitverantwortlich

Die zusammengefasste Fruchtbarkeitsziffer lag im Jahr 2019 bei 3,4 Kindern pro Frau. Die Rate geht seit Anfang der 1970er Jahre zurück, als noch etwa 8 Kinder pro Frau geboren wurden.[9] Der Rückgang rührt unter anderem daher, dass der Anteil der kenianischen Frauen, denen moderne Verhütungsmethoden zur Verfügung stehen, kontinuierlich steigt und mittlerweile bei 79 % liegt.[10]

Kenia nimmt mit etwa 47,5 Millionen Einwohnern (2019)[9] Rang 34 der bevölkerungsreichsten Länder der Erde ein. Die durchschnittliche Lebenserwartung bei der Geburt wird für 2019 mit 66,7 Jahren angegeben.[9] Auf dem Höhepunkt der AIDS-Epidemie 2000 lag sie nur noch bei 50 Jahren.[1][11][12][13] Ein Bevölkerungsanteil von über 39,2 % ist jünger als 15 Jahre.[9]

Entwicklung der Bevölkerung laut UN[9]
JahrEinwohnerzahlJahrEinwohnerzahl
195006.077.000199023.403.000
195506.980.000199527.346.000
196008.105.000200031.450.000
196509.505.000200536.048.000
197011.252.000201041.350.000
197513.487.000202053.771.000
198016.269.000203066.450.000
198519.651.000205091.575.000

Volksgruppen

Insgesamt leben in Kenia mehr als 40 verschiedene Volksgruppen, die mehr als 50 verschiedene Sprachen und Dialekte sprechen.

Die meisten Einwohner Kenias gehören bantusprachigen Volksgruppen an.[14] Zu diesen zählen die Kikuyu (mit rund 22 % Bevölkerungsanteil[15] die größte Volksgruppe Kenias), die Luhya (14 %), die Kamba (11 %), die Kisii (6 %), die Mijikenda (5,1 %) und die Meru (4,3 %).

Des Weiteren leben im Nordwesten Kenias nilotische Volksgruppen wie die Kalendjin (mit 12,9 % die drittgrößte Gruppe), die Luo (mit 10,5 %), die Turkana (2,6 %), die Massai (2,2 %) und die Samburu (0,6 %).

Zu den kuschitischsprachigen Völkern im Nordosten des Landes gehören die kenianischen Somali (6,2 %) und die Oromo sowie kleinere Gruppen wie die Rendille (0,2 %) und die El Molo.

Nicht-afrikanische Bevölkerungsgruppen (Europäer vorwiegend britischer Herkunft, Asiaten, Araber) machen etwa 1 % der Bevölkerung aus.

Die kenianische Regierung erkennt aktuell (Stand: 2017) 43 Völker als zur Staatsbürgerschaft berechtigt an. Daneben gibt es eine Reihe von Völkern und Communitys, die vermutlich bereits vor der Unabhängigkeit in Kenia lebten, aber als staatenlos gelten – insgesamt rund 18.500 Personen. Zu ihnen zählen die Shona, die Shirazi, die Galja’el sowie die Pemba.[16]

Im Jahre 2017 waren 2,2 % der Bevölkerung im Ausland geboren. Die meisten Ausländer sind Flüchtlinge aus Somalia, Uganda und dem Südsudan.[17][18]

Sprachen und Dialekte

Nach der geltenden Verfassung gilt seit 1992 Swahili mit Englisch als eine der offiziellen Sprachen des Parlamentes, jeder Kandidat muss Kenntnisse der Sprache nachweisen. Alle Beschlüsse des Parlamentes sind aber auf Englisch zu fassen.[19] Auf der unteren Ebene der Gerichte ist Swahili als Verhandlungssprache zugelassen, Niederschriften und Urteile sind hingegen auf Englisch auszufertigen. Die öffentlichen Verwaltungen dürfen im Verkehr mit dem Bürger Englisch und Swahili verwenden.[20] Im Entwurf der neuen Verfassung sind Englisch und Swahili als die beiden offiziellen Sprachen des Staates vorgesehen, Swahili außerdem als nationale Sprache.[21] Die wichtigsten Sprachen von insgesamt 52 Volksgruppen (die Linguisten führen ganz genau 61 Sprachvarianten inkl. indischer Sprachen und Dialekte auf) sind:[22]

  • Englisch ist als Erbe der britischen Kolonialzeit eine der beiden offiziellen Amtssprachen Kenias und besonders durch den Gebrauch als Schulunterrichtssprache weit verbreitet.
  • Swahili ist die zweite Amtssprache. Es wird an der Küste um Mombasa z. B. von den Giriama gesprochen und in den Schulen gelehrt. Gleichzeitig ist Swahili Verkehrssprache in ganz Ostafrika. In Kenia ist es die vor allem auf dem Land am meisten gesprochene Sprache.
  • Kikuyu: Sprache der größten Volksgruppe (22 Prozent der Gesamtbevölkerung), insbesondere um Nairobi; berühmte Kikuyu: Jomo Kenyatta, Mwai Kibaki, Wangari Maathai, Ngũgĩ wa Thiong’o und Uhuru Kenyatta.
  • Kamba: dem Kikuyu verwandt, wird von 11 Prozent der Bevölkerung östlich des Mount Kenya gesprochen.
  • Luhya: Sprache der gleichnamigen zweitgrößten Volksgruppe (14 Prozent) im Westen um Kakamega (Provinzhauptstadt) umfassend aus mehreren Sprachen z. B. Bukusu, Maragoli, Tiriki.
  • Luo: Die Sprache des drittgrößten Volks (13 Prozent), wird am Victoriasee um Kisumu gesprochen. Berühmte Luo: Jael Mbogo, Oginga Odinga, Raila Odinga und Tom Mboya.
  • Kalendjin: Ist eine mehrere Sprachen umfassende Sprachgruppe (11 Prozent), z. B. Pokot oder das Tugen, die Sprache des Volks, aus dem der zweite Präsident Daniel arap Moi entstammt. Die meisten der kenianischen „Wunderläufer“ sind Kalenjin, besonders aus dem Volk der Nandi.
  • Turkana: Sprache des Turkana-Volkes; etwa 340.000 Sprecher.
  • Maa: Sprache der Massai und verwandter Völker wie der Samburu und Njemps.
  • Indische Sprachen und Dialekte der „Asians“ genannten Inder im Land.
  • Sheng ist die aktuelle Jugendsprache.
  • Ki-Settler war die auf Swahili basierende Lingua franca der weißen Kolonialherren mit ihren Bediensteten, ähnlich dem Fanakalo in Südafrika oder dem Chilapalapa im kolonialen Rhodesien. Die Vorsilbe Ki- steht im Swahili für „Sprache“, heißt hier also: „Sprache der Siedler“.

Religion

Nach der Volkszählung von 2009 sind 82,6 Prozent der Bevölkerung Christen, davon etwa 26 % Anglikaner, 23,3 % Katholiken, 2,5 % Orthodoxe sowie Anhänger der zahlreichen afrikanischen Kirchen.[23] Insgesamt sind 47,4 % der Bevölkerung Protestanten.[14]

Nur noch knapp 1,6 % der Kenianer werden den traditionellen afrikanischen Religionen zugerechnet.[14] Weiterhin gibt es insbesondere an der Küste Muslime der sunnitischen Richtung, die ungefähr 11,1 % der Gesamtbevölkerung ausmachen und vor allem in den südöstlichen Küstengebieten leben. Im östlichen Viertel des Landes dominieren muslimische Somali, die etwa die Hälfte aller Muslime Kenias ausmachen. Genauere Zahlen sind umstritten, da eine Unterscheidung zwischen kenianischen Somali und zwischen einer halben und einer Million Flüchtlingen aus Somalia schwierig ist. Daher könnten sie inzwischen bis zu 20 % der Bevölkerung ausmachen. Daneben sind 0,1 % der Bevölkerung Hindus und 2,4 % der Bevölkerung sind konfessionslos.[14]

Geschichte

Das Gebiet des heutigen Staates Kenia war bereits vor mehr als vier Millionen Jahren von frühen Vormenschen wie Australopithecus und Kenyanthropus besiedelt und gehört zu jenen Regionen Afrikas, in denen sich die Gattung Homo entwickelte.

Prähistorische Stätten, die besucht werden können, sind z. B. die Olorgesailie Prehistoric Site oder Kariandusi bei Gilgil. Viele Grabungsstätten der Paläoanthropologen, wie etwa von Orrorin, können jedoch nicht besucht werden. Die anthropologische Forschung Kenias ist untrennbar mit dem Namen der Familie Leakey verbunden.

Die Geschichte Kenias als Kolonie beginnt 1885 mit einem deutschen Protektorat über die Besitzung Witu an der Küste des Sultanats von Sansibar. 1888 kam die Imperial British East Africa Company nach Kenia und verwaltete bis 1895 Britisch-Ostafrika. Deutschland übergab Witu gemäß dem sogenannten Helgoland-Sansibar-Vertrag von 1890 an die Briten.

1895 rief die britische Regierung Britisch-Ostafrika als Protektorat aus und gab 1902 das fruchtbare Bergland als Siedlungskolonie für Weiße frei. 1920 wurde Kenia offiziell zur Kronkolonie. Kenia durchlebte Kolonialgeschichte und war lange Zeit in der Hand der Briten.

Am 20. Oktober 1952 verhängte der damalige britische Gouverneur den Ausnahmezustand in Kenia, nachdem der oberste afrikanische Repräsentant der Kolonialadministration ermordet worden war. Dann begannen Aufstände (auch Mau-Mau-Krieg genannt). Im März 1957 fand die erste allgemeine Wahl statt. Die Kenya African National Union (KANU) bildete die erste Regierung. Am 1. Juni 1963 wurde Jomo Kenyatta Ministerpräsident. Am 10. November fusionierten KANU und KADU; Kenia wurde ein Einparteiensystem. Am 12. Dezember 1963 wurde Kenia unabhängig und Kenyatta wurde der erste Präsident Kenias.

Der Oberste Gerichtshof erklärte die Präsidentschaftswahl vom 8. August 2017 wegen eines Hackerangriffs für ungültig.[24][25]

Soziales

Medizinische Versorgung

Entwicklung der Lebenserwartung in Kenia
JahrLebenserwartung
in Jahren
JahrLebenserwartung
in Jahren
196046,4199057,5
196549,4199553,9
197052,2200051,7
197555,0200555,8
198057,8201062,9
198559,1201566,6

Die Säuglingssterblichkeit lag im Jahr 2019 bei 38 je 1000 Geburten[26], die Müttersterblichkeit bei 342 je 100000 Geburten.[27]

Nach Angaben von UNAIDS sind 5,2 bis 6,7 % der erwachsenen Bevölkerung (15–49 Jahre) HIV-positiv.[28] Jugendliche sind besonders häufig betroffen. AIDS hat in Kenia zu einem Absinken der Lebenserwartung beigetragen. In den letzten Jahren konnten jedoch Fortschritte im Kampf gegen die Epidemie erzielt werden und die durchschnittliche Lebenserwartung stieg wieder an. 2018 gehörte sie laut Angaben der Weltbank mit 66,6 Jahren zu den höchsten in Subsahara-Afrika.[29]

Beschneidung

2002 wurde in Kenia mit dem Childrens Act eine moderne Kinderschutzgesetzgebung verankert. Hiernach ist die Genitalbeschneidung an Mädchen unter 17 Jahren gesetzlich verboten und wird in Artikel 14 unter Strafe gestellt.[30] Es ist nicht bekannt, ob dieser Artikel vor Gericht schon einmal zur Anwendung kam.

Die kenianische Regierung hat einen „Nationalen Aktionsplan zur Abschaffung der Genitalbeschneidung von 1999 bis 2019“ (also ein Programm gegen die weibliche Genitalbeschneidung) aufgestellt. Dieser Plan deutet darauf hin, dass die Beschneidung von Frauen und Mädchen – wie sie z. B. wieder von Mungiki praktiziert wird – noch nicht überall erfolgreich verhindert werden kann.

Homosexualität

Homosexualität in Kenia ist in Teilen der Gesellschaft tabuisiert und homosexuelle Handlungen zwischen Männern sind strafbar. Allerdings gab es seit einigen Jahren keine strafrechtlichen Verurteilungen auf dieser Grundlage. Darüber hinaus gibt es in Kenia weder ein Antidiskriminierungsgesetz noch eine Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare.

Hunger und Überflutungen

Im Januar 2006 litt der Nordosten des Landes unter den Folgen einer Dürre und dem damit einhergehenden Nahrungsmittelmangel. Von der Hungerkrise am Horn von Afrika 2006 waren auch in den angrenzenden Ländern Millionen Menschen bedroht.

Anfang April 2006 kam es nach rekordartigen Regenfällen (Nairobi: 54,5 mm) im ganzen Land zu Überflutungen. Viele Menschen starben in den Fluten. Mehrere Orte im Norden waren von der Außenwelt abgeschnitten, so dass die Armee Hubschrauber zur Versorgung der Bevölkerung einsetzte.

2011 kam es zu einer weiteren schweren Hungerkrise am Horn von Afrika, von der bis zu 11,5 Millionen Menschen in Somalia, Äthiopien, Kenia und Dschibuti betroffen waren.[31]

2015 waren 19,1 % der Bevölkerung unterernährt. Im Jahr 2000 betrug die Rate noch 32,2 %.[32]

Bildung

Der Lehrplan orientiert sich am sogenannten 8-4-4-System, welches das koloniale Schulsystem mit seinen eurozentristischen Inhalten ablöste, das heißt acht Jahre Grundschule, vier Jahre Gymnasium und vier Jahre Hochschule.

Jedes Jahr findet zwischen den Schulen ein Wettkampf um die höchsten Punktzahlen im nationalen Wettbewerb statt. Die Medien berichten ausführlich und mit Homestorys über die Sieger und Siegerinnen. Die besten Schüler des Landes erhalten vom Präsidenten Preise, etwa einen Ochsen oder ein Universitätsstipendium.

Die Alphabetisierungsrate in Kenia betrug 2015 78,0 %.[33] In Kenia stieg die mittlere Schulbesuchsdauer über 25-Jähriger von 3,7 Jahren im Jahr 1990 auf 6,3 Jahre im Jahr 2015 an. Die Bildungserwartung der aktuellen Generation liegt bereits bei 11,1 Jahren.[34]

Vorschulerziehung

Kindergärten und Vorschulerziehung (preschool education) sind überwiegend auf die Städte beschränkt und kostenpflichtig. Sie werden meist von bildungsstarken und wohlhabenderen Elternhäusern verlangt. Einige der Kindergärten arbeiten z. B. nach der Montessoripädagogik. Der US-amerikanisch-britische Unternehmen Bridge International Academies (BIA) betreibt einige Vorschulen.

Achtjährige Grundschule

Besonders auf dem Land wurden viele Grundschulen nach dem Harambee-Prinzip unterhalten, das heißt die Eltern finanzierten sie durch Spenden selbst. Diese Schulen waren in jeder Hinsicht arm. Diese Situation verbesserte sich erst, als 2003 die Regierung Kibaki ihr Wahlversprechen einlöste und das Schulgeld für die „Primary Schools“ abschaffte. Damit ermöglichte sie zum ersten Mal den Zugang zur Bildung für Kinder aus ärmeren Familien. Es gingen innerhalb eines Jahres 1,7 Millionen Kinder mehr zur Schule. Jedoch blieben Investitionen im Bildungssektor aus, und das Schulsystem ist kaum im Stande, der steigenden Anzahl von Schülern gerecht zu werden.

Das Lehrer-Schüler-Verhältnis hat sich auf 1:100 verschlechtert, ein qualitativ guter Unterricht ist daher kaum möglich. Zudem nimmt die Zahl der Lehrer kontinuierlich ab. Und wer eine halbwegs akzeptable Lehrer-Schüler-Relation für seine Kinder wünscht mit dem daraus resultierenden besseren Lernerfolg und sich nicht zufrieden gibt, nur dem Papier nach seine Kinder eine Klasse weiter aufsteigen zu lassen, ist weiterhin gezwungen, seine Kinder gegen entsprechendes Schulgeld auf eine der vielen Privatschulen zu schicken. Zu ihnen gehören zahlreiche Schulen von BIA. Der Betrieb dieser Schulen ist umstritten.

Weiterführende Schulen

Weiterführende Schulen (Klasse 9–12) sind kostenpflichtige Gesamtschulen. Ihre Träger sind der Staat, große Organisationen wie z. B. die Kirchen oder private Unternehmer. Die beiden letzteren werden allgemein als Privatschulen bezeichnet. Aufgrund der Kosten sind diese Schulen für große Teile der Bevölkerung unzugänglich, auch wenn die Privatschulen Stipendien vergeben. Einige Schulen nehmen kostenlos nur begabte Kinder aus den Slums auf.

Berufsausbildung

Eine Berufsausbildung, wie sie in Deutschland etwa nach dem Dualen System oder in Berufsfachschulen flächendeckend bekannt ist, existiert in Kenia nicht. Eine Art Ausbildung gibt es im Betrieb (in-service-training) oder an einem der in den Städten zahlreichen Privatinstitute. Dort werden etwa Kfz-Mechaniker, Frisöre oder Computerfachleute ausgebildet. Alle diese Ausbildungen kosten Geld. Ein Hardware-Fachmann wird zum Beispiel in Nairobi für 2000 Euro in 18 Monaten ausgebildet. Eine solche Ausbildung erhöht die Chancen auf dem freien Markt enorm.

Universitäten

Kenia hat heute sieben staatliche Volluniversitäten und eine Vielzahl von Colleges. Nur die besten Schüler erhalten an den staatlichen Universitäten kostenlose Studienplätze. Wer weniger „gut“ ist, ist auf die kostenpflichtigen (internationalen) Privatuniversitäten angewiesen. An den Universitäten fehlt es öfter an nötigen Geldern, daher sind Streiks der Dozenten oder Studenten häufig.

Noch immer zieht es die Elite des Landes (oder Gemeinschaften, die über Harambee das Geld aufbringen) vor, ihre Kinder in Großbritannien oder den USA studieren zu lassen. Einige kommen zum Studium auch nach Deutschland. Ein Auslandsstudium gibt ihnen in der Regel einen Startvorteil bei der Berufssuche. Manche Studiengänge können in Kenia nicht belegt werden.

Politik

Politische Indizes
Name des IndexIndexwertWeltweiter RangInterpretationshilfeJahr
Fragile States Index90,63 von 12029 von 178Stabilität des Landes: Alarm
0 = sehr nachhaltig / 120 = sehr alarmierend
2020[35]
Demokratieindex 5,05 von 10 95 von 167Hybridregime
0 = autoritäres Regime / 10 = vollständige Demokratie
2020[36]
Freedom in the World48 von 100---Freiheitsstatus: teilweise frei
0 = unfrei / 100 = frei
2020[37]
Rangliste der Pressefreiheit33,72 von 100103 von 180Erkennbare Probleme für die Pressefreiheit
0 = gute Lage / 100 = sehr ernste Lage
2020[38]
Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) 31 von 100 124 von 1800 = sehr korrupt / 100 = sehr sauber2020[39]

Politisches System

Kenia ist nach der Verfassung von 2010 eine Präsidialrepublik. Der Staatspräsident verfügt über weitreichende Exekutivvollmachten. Ihm unterstehen sowohl die Regierung als auch die Streitkräfte. Nach friedlicher Annahme der neuen Verfassung mit großer Mehrheit im Referendum vom August 2010 finden mit der Umsetzung des Grundrechtekatalogs, den Reformen in den Feldern Sicherheit und Justiz sowie der Dezentralisierung politischer Verantwortungen wichtige Änderungen statt. Kenia ist seit den allgemeinen Wahlen vom 4. März 2013 ein dezentral aufgebautes und verwaltetes Land, das in 47 "counties" gegliedert ist. Neben dem Präsidenten und Vizepräsidenten wurden erstmals Gouverneure und Parlamente auf Bezirksebene gewählt.[40]

Innenpolitik

Wegen Korruptionsvorwürfen wurden 2005/06 zehn Minister entlassen oder traten wegen größerer Finanzskandale (Anglo-Leasing-Skandal und Goldenberg-Skandal) selbst zurück. Zu den aus mangelnder Loyalität zur Regierung von Präsident Kibaki 2006 entlassenen Ministern gehörten unter anderem Bauminister Raila Odinga und Außenminister Kalonzo Musyoka.

Am 22. März 2006 trat das (nach der für die Regierung gescheiterten Volksabstimmung über die neue Verfassung) von Präsident Kibaki beurlaubte Parlament zur neunten Periode zusammen. Kibaki äußerte sich zur neuen Verfassung und positiv zum Kampf gegen die Korruption. Er bejahte die Pressefreiheit (hier bezog er sich auf den „Sturm auf den Standard“), mahnte die Presse aber gleichzeitig zur Verantwortung.

Am 28. November 2006 gelang in der KANU ein interner Parteicoup, in dem durch eine nicht durch die Führung der Partei einberufene Delegiertenkonferenz in Mombasa eine neue Parteiführung gewählt und wohl mit Hilfe der Regierung und Ex-Präsident Moi registriert wurde. Damit wurde trotz lautstarker Proteste mit Uhuru Kenyatta fast die gesamte alte Parteiführung entmachtet und Nicholas Biwott neuer Parteichef. Gleichzeitig wurde er damit auch der mit zahlreichen Privilegien versehene offizielle Führer der Opposition im Parlament.

Der Oberste Gerichtshof (High Court) hob diese Entscheidung am 29. Dezember 2006 wieder auf, bis in der Hauptsache am 11. Februar 2007 entschieden würde. Damit war Uhuru wieder Partei- und Oppositionsführer – auf Zeit.

Präsident Mwai Kibaki (vom Stamm der Kikuyu), Raila Odinga (vom Stamm der Luo) und Kalonzo Musyoka traten in der Präsidentenwahl im Dezember 2007 als Kandidaten an. Die Wahlen fanden am 27. Dezember statt. Kibaki wurde hierbei mit einer knappen Mehrheit von 300.000 Stimmen im Amt bestätigt. Die Opposition und internationale Wahlbeobachter sprechen von massiven Wahlfälschungen. Nach der Bekanntgabe der Vereidigung von Mwai Kibaki zum Präsidenten kam es in ganz Kenia zu schweren Auseinandersetzungen zwischen den Sicherheitskräften und Demonstranten. Schwerpunkte der gewalttätigen Auseinandersetzungen waren die Hauptstadt Nairobi, Kisumu, und die Städte Nakuru, Naivasha und Eldoret in der Provinz Rift Valley. Es wurden bis zu 1.500 Menschen getötet und mehr als 600.000 Menschen vertrieben. Angeheizt wurde die Situation durch ethnisch motivierte Gewaltakte in mehreren Landesteilen, die für einen Wechsel an der Spitze des politischen Systems stimmten.[41] Diese richteten sich vor allem gegen Kikuyu, Angehörige der Ethnie von Präsident Kibaki.

Am 4. August 2010 wurde über eine neue Verfassung in einem Referendum abgestimmt, die mehrheitlich von der Bevölkerung angenommen wurde.[42]

Wahlen 2013 und 2017

Bei den allgemeinen Wahlen am 4. März 2013 wurden der Präsident, die Nationalversammlung, der Senat sowie Gouverneure und Repräsentanten der Landkreise (Counties) neu gewählt.

Bei der Präsidentschaftswahl traten acht Kandidaten an. Am 9. März wurde Uhuru Kenyatta, ältester Sohn von Kenias erstem Präsidenten Jomo Kenyatta, von der Wahlkommission zum Sieger erklärt. In der Folge wurde das Wahlergebnis von mehreren unterlegenen Parteien, vor allem Raila Odinga, vor dem Höchstgericht beeinsprucht. Am 30. März wurden alle Einsprüche abgewiesen.[43] Laut dem am 18. Juli veröffentlichten offiziellen Endergebnis wurden für Uhuru Kenyatta 6.173.433 gültige Stimmen abgegeben, womit mit 50,51 % aller gültigen Stimmen die notwendige absolute Mehrheit erreicht wurde. Raila Odinga erreichte mit 5.340.546 gültigen Stimmen 43,70 %.[44]

Bei den Wahlen zur Nationalversammlung entfielen von 349 Sitzen 167 Sitze auf die Jubilee-Koalition, 141 auf die CORD-Koalition, 24 auf die Amani-Koalition sowie weitere 17 Sitze auf sonstige Kleinparteien.[45]

Im August 2017 gewann Kenyatta erneut die Präsidentschaftswahl gegen Odinga, sie musste aber aufgrund von Unregelmäßigkeiten wiederholt werden. Odinga rief zum Boykott dieser Wahl auf. Kenyatta gewann mit rund 98 % der Stimmen, bei einer Wahlbeteiligung von rund 39 %.[46]

Menschenrechte

Amnesty International bemängelt in seinem Jahresbericht von 2010, dass es der kenianischen Regierung am politischen Willen fehlt, die Personen, die für Menschenrechtsverstöße bei den gewalttätigen Ausschreitungen nach den Wahlen im Jahr 2007 verantwortlich waren, vor Gericht zu stellen und für eine angemessene Entschädigung der Opfer zu sorgen. Auch am Zustand der Straflosigkeit für Mitarbeiter der Staatssicherheitsdienste, die ungesetzliche Tötungen und Folterungen zu verantworten hatten, änderte sich nichts, so der Bericht. Auch andere Menschenrechtsorganisationen wie zum Beispiel die Kenya National Commission of Human Rights (KNCHR) beklagen weiterhin eine „Kultur der Straflosigkeit“ in Kenia, da es bislang nicht gelungen ist, ein örtliches Strafgericht zur Aburteilung der Verursacher und Hintermänner der gewaltsamen Ausschreitungen nach den Wahlen am 27. Dezember 2007 einzurichten. Eine endgültige Entscheidung, ob der IStGH in Den Haag sich des Falles Kenia offiziell annimmt, steht noch aus.

Menschenrechtsverteidiger sahen sich Bedrohungen und großen persönlichen Risiken ausgesetzt. Bei pogromartigen Zusammenstößen zwischen einzelnen Ethnien kommt es ebenfalls immer wieder zu Menschenrechtsverletzungen. Tausende von Menschen wurden bereits gewaltsam aus ihren Häusern vertrieben. Sexualverbrechen wie Vergewaltigungen und Zwangsbeschneidungen von Frauen und Mädchen sind nach wie vor weit verbreitet. Im März 2010 erschien eine Studie der International Federation of Women Lawyers (FIDA), der zufolge in Kenia für Frauen und Mädchen mit Behinderungen das Risiko, Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt zu werden, dreimal so hoch ist wie für nicht behinderte Frauen. Die Studie stellte außerdem fest, dass entsprechende Vorfälle praktisch nie zur Anzeige gelangen.[47][48]

Die Kinderprostitution in dem ostafrikanischen Land hat gemäß einem UNICEF-Bericht dramatische Ausmaße angenommen. Fast ein Drittel aller Mädchen zwischen 12 und 18 Jahren hätten bereits Sex gegen Geld oder Geschenke gehabt. Bei rund 36 % aller Geschlechtsakte mit Kinderprostituierten seien keine Kondome verwendet worden. Laut dem Bericht bieten bis zu 15.000 Mädchen im Alter von 12 bis 18 Jahren an den kenianischen Küsten gelegentlich Sex gegen Geld oder Sachgüter an. Das seien bis zu 30 % dieser Altersgruppe in der Region. Regelmäßig prostituierten sich dort zwei- bis dreitausend Jungen und Mädchen.[49] Im Human Rights Report 2009 der Vereinigten Staaten von Amerika wird zur Situation der Menschenrechte in Kenia zusätzlich der Menschenhandel und die Rekrutierung von Kindersoldaten erwähnt.[50]

In Kenia herrscht ein Klima der gesellschaftlichen Ablehnung, Diskriminierung und Gewalt gegen Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität. 2007 hat der Rat der Imame und Prediger von Kenia Homosexualität öffentlich verurteilt und sich gegen die Legalisierung von gleichgeschlechtlichen Ehen ausgesprochen.[50]

Das Strafgesetzbuch kriminalisiert und verbietet homosexuelle Handlungen im Allgemeinen und sieht ein Höchststrafmaß von 14 Jahren vor. Eine spezielle Klausel nennt explizit homosexuelle Handlungen unter Männern und sieht hier eine Höchststrafe von 21 Jahren vor.[51] Im Februar 2010 wurden drei homosexuelle Männer im Küstenort Mtwapa von einer durch einen Bischof aufgehetzten Menge gejagt, misshandelt und beinahe umgebracht.[52][53]

Innere Konflikte

Im Turbi-Massaker, bei dem es um Viehdiebstahl, Weideland und Wasserrechte ging, waren 2005 bei Kämpfen zwischen verfeindeten Ethnien 90 Menschen ums Leben gekommen.

Am 10. April 2006 ereignete sich in der Nähe von Marsabit ein Flugzeugunglück, bei dem 14 Menschen ums Leben kamen. Drei Insassen überlebten den Absturz einer Harbin Yunshuji Y 12 II Turbo Panda (chinesische Weiterentwicklung der ukrainischen Antonow An-26), die bei stürmischem Wetter und Nebel in einen Hügel raste. Das Flugzeug brannte sofort völlig aus. Unter den 14 Personen befanden sich hochrangige Politiker. Es handelte sich hierbei um vier (Assistant) Minister, sechs Parlamentarier, einen anglikanischen Bischof und weitere Regierungsangestellte. Die Gruppe war auf dem Weg, um Friedensgespräche mit verfeindeten nomadischen Clans zu führen. Drei der verunglückten Politiker repräsentierten die dort angesiedelten und seit langem verfeindeten Clans. MP Dr. Bonaya Godana war ein Gabbra, MP Abdi Sasura ein Borana und Vize-Minister Titus Ngoyoni ein Rendille. Erst kurz zuvor waren sie übereingekommen, für den Frieden in der Region zusammenzuarbeiten. Da fast alle Toten im Flugzeug aus dieser Gegend stammten, verlor die Provinz mit einem Schlag einen Großteil ihrer politischen Elite.

Präsident Kibaki ordnete drei Tage Staatstrauer an; das Parlament unterbrach seine Arbeit für eine Woche. Die durch den Tod notwendigen fünf Nachwahlen brachten am 24. Juli 2006 in drei Fällen Verwandte der Getöteten ins Parlament. In Nakuru gewann William Kariuki Mirugi, der 28-jährige Sohn des verstorbenen Mirugi Kariuki. Er gehörte der damals neuen – vom ehemaligen Präsidenten Kibaki favorisierten – Partei NARC-K an.

Korruption

Korruption kann in Kenia in allen Regierungsperioden der drei bisherigen Präsidenten Kenyatta, Moi und Kibaki beobachtet werden. Eine Schätzung besagt, dass der durchschnittliche kenianische Stadtbewohner 16 Mal pro Monat besticht, z. B. Polizisten an Straßensperren. Sicherlich sind die meisten dieser Bestechungsgelder klein und nicht immer im politischen Raum zu suchen. In die großen Korruptionsfälle, seien es Bestechungen, Verschwendungen oder das Abzweigen von Geldern bei völlig überteuerten Geschäften, waren nicht nur Geschäftsleute, sondern immer auch Regierungsstellen, teils in großem Ausmaß, verwickelt.

Zwei der bedeutendsten Korruptionsskandale waren der Goldenberg-Skandal, in dem Kenia Anfang der 1990er-Jahre 700 Millionen Euro durch gefälschte Gold- und Diamantenexporte verlor, sowie der Anglo-Leasing-Skandal.

Die aktuelle Politik ist stark mit der Auseinandersetzung um die Korruption beschäftigt. Zwei Körperschaften bekämpfen neben der Presse und den gesellschaftlichen Gruppierungen offiziell die Korruption:

  • Das „Public Accounts Committee“ (PAC) – ein Komitee des Parlaments – steht unter der Leitung von Uhuru Kenyatta.
  • Die Kenya Anti-Corruption Commission (KACC) wird von einem Direktor geleitet, seit 2005 von dem Richter Aaron Ringera. Diese Kommission ist Nachfolgerin der aufgelösten KACA. Kritisiert wird, dass sie nur Ermittlungs-, aber keine Strafverfolgungsbefugnisse hat. Parallel hierzu war als unabhängiger Antikorruptionsberater des Präsidenten seit 2003 der frühere Journalist John Githongo tätig, der aufgrund von Drohungen um sein Leben fürchtete und 2005 ins selbst gewählte Exil nach London ging. Nach vier Jahren im Exil kehrte Githongo 2009 nach Kenia zurück, um seinen Kampf gegen die Korruption fortzusetzen.[54]

Außenpolitik

Die Bezugspunkte der kenianischen Außenpolitik liegen traditionell innerhalb Afrikas, zunehmend auch im Rahmen der Vereinten Nationen und von Regionalorganisationen. Die Republik Kenia ist seit der Unabhängigkeit im Jahr 1963 von politischer Stabilität geprägt und bemüht sich daher auch um regionale Stabilisierung im ostafrikanischen Raum.

In Ostafrika nimmt Kenia eine regionale Führungsrolle für sich in Anspruch. Das Land tritt als Vermittler in regionalen Konflikten auf. Beleg dafür sind kenianische Friedensbemühungen etwa in Burundi, in Südsudan und in Somalia sowie die Teilnahme an allen für die Region wichtigen Initiativen. So ist Kenia eine treibende Kraft in der East-African Community (EAC), der regionalen wirtschaftlichen Kooperationsgemeinschaft mit dem Fernziel, eine politische Union nach dem Vorbild der EU zu werden. Des Weiteren arbeitet Kenia in der Inter-Governmental Authority on Development (IGAD) mit.

Im IGAD-Rahmen hatte Kenia zu Fortschritten beim Friedensprozess für Sudan beigetragen und war wichtige Stütze der Unabhängigkeit Südsudans. Dies gilt auch für die Stabilisierung des fragilen Nachbarlands Somalia. Flüchtlingsbewegungen aus Somalia sowie die kritische Sicherheitslage vor allem an der kenianisch-somalischen Grenze bleiben Gründe für das aktive Engagement Kenias in diesem Bereich. Kenia bemüht sich darum, das weltgrößte Flüchtlingslager Dadaab in absehbarer Zeit zu schließen und ermutigt dessen Bewohner zur freiwilligen Rückkehr nach Somalia. Ein dreiseitiges Abkommen mit UNHCR und der somalischen Regierung bildet hierfür die Grundlage.

Kenia unterhält insbesondere im Sicherheitsbereich enge Beziehungen zu den USA und der ehemaligen Kolonialmacht Großbritannien und beteiligt sich an der Zusammenarbeit gegen den internationalen Terrorismus. Durch seinen militärischen Einsatz in Südsomalia im Rahmen von AMISOM (African Union Mission in Somalia) trägt Kenia zur Bekämpfung der dortigen islamistischen Al-Shabaab-Miliz bei. Mit den Anschlägen gegen die US-Botschaft in Nairobi im Jahr 1998, gegen ein Ferienhotel in Mombasa 2002, im September 2013 mit dem Überfall von Al-Shabaab auf die Westgate-Mall, und dem Anschlag auf die Garissa University im April 2015 wurde Kenia selbst mehrfach Ziel von massiven Terrorakten.

Kenia ist außerdem ein wichtiger Partner bei den internationalen Bemühungen zur Bekämpfung der Piraterie im Indischen Ozean und kooperiert durch die Strafverfolgung mutmaßlicher Piraten vor kenianischen Gerichten mit der EU-Mission Atalanta zur Bekämpfung der Piraterie vor der somalischen Küste.[55]

Militär

Die Kenya Defence Forces (KDF) sind die Streitkräfte der Republik Kenia. Sie wurden im Jahre 1963, nach der Unabhängigkeit Kenias, aus den Teilen der King’s African Rifles gebildet. Gegenwärtig hat die KDF eine Personalstärke von 24.120 Mann, wobei mit 20.000 Soldaten der größte Anteil auf die Landstreitkräfte (Kenya Army) entfällt. Die Hauptaufgabe der KDF ist die Grenzsicherung zum Nachbarland Somalia, wo sie seit 2007 ein Kontingent für AMISOM stellt. Kenia gab 2017 knapp 1,2 Prozent seiner Wirtschaftsleistung oder 964 Millionen US-Dollar für seine Streitkräfte aus.[56]

Verwaltungsgliederung

Territoriale Gliederung

Karte der Countys von Kenias in den Farben der früheren Provinzen

Der Staat Kenia gliedert sich seit der Verfassungsreform 2010 in 47 Countys:

CodeCountyHauptstadtEinwohnerzahl 2009[57]Einwohnerzahl 2019
1MombasaMombasa939.3701.208.333
2KwaleKwale649.931866.820
3KilifiKilifi1.109.7351.453.787
4Tana RiverHola240.075315.943
5LamuLamu101.539143.920
6Taita-TavetaVoi284.657340.671
7GarissaGarissa623.060841.353
8WajirWajir661.941781.263
9ManderaMandera1.025.756867.457
10MarsabitMarsabit291.166459.785
11IsioloIsiolo143.294268.002
12MeruMeru1.356.3011.545.714
13Tharaka-NithiChuka365.330393.177
14EmbuEmbu516.212608.599
15KituiKitui1.012.7091.136.187
16MachakosMachakos1.098.5841.421.932
17MakueniWote884.527987.653
18NyandaruaOl Kalou596.268638.289
19NyeriNyeri693.558759.164
20KirinyagaKutus528.054610.411
21Murang’aMurang’a942.5811.056.640
22KiambuThika1.623.2822.417.735
23TurkanaLodwar855.399926.976
24West PokotKapenguria512.690621.241
25SamburuMaralal223.947310.327
26Trans NzoiaKitale818.757990.341
27Uasin GishuEldoret894.1791.163.186
28Elgeyo-MarakwetIten369.998454.480
29NandiKapsabet752.965885.711
30BaringoKabarnet555.561666.763
31LaikipiaRumuruti399.227518.560
32NakuruNakuru1.603.3252.162.202
33NarokNarok850.9201.157.873
34KajiadoKajiado687.3121.117.840
35KerichoKericho752.396901.777
36BometBomet730.129875.689
37KakamegaKakamega1.660.6511.867.579
38VihigaVihiga554.622590.013
39BungomaBungoma1.375.0631.670.570
40BusiaBusia743.946893.681
41SiayaSiaya842.304993.183
42KisumuKisumu968.9091.155.574
43Homa BayHoma Bay963.7941.131.950
44MigoriMigori917.1701.116.436
45KisiiKisii1.152.2821.266.860
46NyamiraNyamira598.252605.576
47NairobiNairobi3.138.3694.397.073

Bis dahin war Kenia in sieben Provinzen und einen Hauptstadt-Distrikt aufgeteilt:

KarteNr.ProvinzFläche (km²)Einwohnerzahl 2015Hauptstadt
WesternRift ValleyNyanzaNairobiCentralEasternCoastNorth-EasternIndischer OzeanSüdsudanSomaliaTansaniaÄthiopienUgandaKenya, administrative divisions - de - colored.svg
Über dieses Bild
1Central13.2364.947.400Nyeri
2Coast84.1134.054.900Mombasa
3Eastern154.3546.083.700Embu
4Nairobi6934.232.100-
5North-Eastern126.1861.572.200Garissa
6Nyanza12.5076.222.700Kisumu
7Rift Valley182.41312.231.900Nakuru
8Western8.2854.811.600Kakamega
gesamt581.78744.156.600Nairobi

Städte

Die größten Städte sind (Stand Zensus 2019):[58]

StadtEinwohner
Nairobi4.397.073
Mombasa1.208.333
Nakuru0.570.674
Ruiru0.490.120
Eldoret0.475.716

Wirtschaft

Kenias Bruttosozialprodukt ist in den letzten Jahrzehnten im Vergleich zu anderen afrikanischen Staaten überdurchschnittlich gewachsen. Da auch das Bevölkerungswachstum überdurchschnittlich war, hat sich dies nicht in einer wesentlichen Verbesserung der Lebensverhältnisse der meisten Kenianer niedergeschlagen. Die Arbeitslosenquote wurde 2008 mit etwa 40 % angegeben, die Inflationsrate lag bei etwa 26 %.[1] 2019 lag die Arbeitslosenquote hingegen bei 9,3 %.[59] Kenias BIP pro Kopf betrug 2016 1.512 US-Dollar, womit es weltweit auf Rang 147 von 188 Ländern lag. Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes misst, belegt Kenia Platz 91 von 137 Ländern (Stand 2017/2018).[60] Im Index für wirtschaftliche Freiheit belegte es 2017 Platz 135 von 180 Ländern.[61]

Landwirtschaft

Weit mehr als die Hälfte der Kenianer leben von der Landwirtschaft, doch sind nur etwa 20 Prozent der Fläche des Landes nutzbar. Der Rest ist wegen karger Böden oder zu geringen Niederschlägen meist Brach- oder Bergland. Angebaut werden neben Kaffee und Tee auch Sisal und Pyrethrum, das als Basis vieler Insektenbekämpfungsmittel dient.

Rosenzucht in Kenia

Daneben erzeugen die Menschen hauptsächlich für den Eigenbedarf Mais, Weizen, Gerste, Zuckerrohr, Bohnen, Bananen, Reis, Ananas und Baumwolle.

Außerdem werden Rosen angebaut. Dies geschieht rund um den Naivashasee in großen Plantagen.

In der Viehwirtschaft sind die Mast- und Milchrinder vorherrschend. Die größeren Betriebe im Hochland Kenias haben einen guten Entwicklungsstand erreicht. Umfangreiche Rinder-, Schaf-, Ziegen- und sogar Kamel-Herden müssen mit den kargen Mitteln des Landes ernährt werden.

Viele Wälder stehen unter Naturschutz. Demgemäß sind die Bambuswälder für die Papierindustrie und die Rinde der Akazien (als Gerbstoff genutzt) im Freiland von eher untergeordneter Bedeutung.

Der besonders artenreiche Dakatcha-Tropenwald im Südosten des Landes wurde 2011 durch den geplanten Bau einer Jatropha-Plantage durch die Firma Kenya Jatropha Energy zur Gewinnung von Agrarenergie bedroht. Die großflächige Plantage hätte auch Auswirkungen auf die traditionelle Landwirtschaft der mehr als 20.000 in dem Gebiet lebenden indigenen Kleinbauern gehabt, weshalb das Vorhaben allgemein umstritten war[62] und schließlich gestoppt wurde.[63]

Bodenschätze

Kenia hat nur geringfügige Vorkommen an Bodenschätzen. Man gewinnt in nennenswerter Menge Natriumcarbonat (z. B. im Magadi-See) und Salz, daneben geringe Mengen an Gips, Blei, Gold, Silber, Kupfer, Asbest, Kalkstein, Graphit sowie Flussspat, Kieselgur und Seifenstein.

Außenhandel

Kenia lebt vom Tee- und Kaffee-Export, von der Industrie (Maschinen- und Fahrzeugbau, Textil und Bekleidung, Ernährung und Genussmittel) und vom Tourismus (Nationalparks und Wildreservate).

Im Jahr 2018 exportierte Kenia Tee im Wert von 1,2 Mrd. €, vor allem in die Arabische Welt, was 22 % der Exporte Kenias ausmachte. Kaffee wurde im Wert von 200 Mio. € exportiert, vor allem nach Europa und in die USA.[64]

Gegen Ende der 1990er-Jahre konnte im gleichen Maße, wie der Kaffee an Bedeutung verlor, die Blumen-Industrie gewinnen. Im Jahr 2018 exportierte Kenia Schnittblumen im Wert von 520 Mio. €. Kenia ist der größte Blumenexporteur Afrikas, über die Hälfte der aus Afrika importierten Schnittblumen stammen aus Kenia.

Andere wichtige Exportprodukte sind Titanerz, Tropenfrüchte, Kleidung und tierische Erzeugnisse.

Kenia hat ein hohes Handelsbilanzdefizit. 2018 waren die Importe beinahe dreimal so hoch wie die Exporte. Wichtigste Handelspartner sind inzwischen Indien und China (auf der Exportseite machen sie jedoch nur etwa 3 % aus).

Am 1. Januar 2021 startete die innerafrikanische Freihandelszone – mit 54 Ländern die größte der Welt.[65][66]

Wirtschaftsdaten

Veränderung des Bruttoinlandsprodukts (BIP)
in % gegenüber dem Vorjahr (real)
Jahr2007200820092010201120122013201420152016
Veränderung in % gg. Vj.6,90,23,38,46,14,65,95,45,75,8
Quelle: Weltbank[67]
Entwicklung der Inflationsrate
in % gegenüber dem Vorjahr
Entwicklung des Haushaltssaldos
in % des BIP
(„minus“ bedeutet Defizit im Staatshaushalt)
Jahr2013201420152016Jahr2013201420152016
Inflationsrate5,76,96,67,0Haushaltssaldo−5,1−4,8−5,2−7,2
Quelle: gtai[68]
Entwicklung des Außenhandels
(Außenhandel in Mrd. US-$ und seine Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %)
201420152016
Mrd. US-$% gg. Vj.Mrd. US-$% gg. Vj.Mrd. US-$% gg. Vj.
Einfuhr17,6+9,915,6−11,613,6−12,5
Ausfuhr6,2+6,45,9−3,15,8−3,7
Saldo−11,4−9,6−7,8
Quelle: GTAI[68]
Haupthandelspartner Kenias (2013), GTAI[68]
Export (in Prozent) nachImport (in Prozent) von
UgandaUganda Uganda11,9IndienIndien Indien18,3
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich7,9China VolksrepublikVolksrepublik China Volksrepublik China12,9
TansaniaTansania Tansania7,7Vereinigte Arabische EmirateVereinigte Arabische Emirate Vereinigte Arabische Emirate8,3
NiederlandeNiederlande Niederlande6,8JapanJapan Japan5,9
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten6,3SudafrikaSüdafrika Südafrika5,0
PakistanPakistan Pakistan5,1Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten4,1
Vereinigte Arabische EmirateVereinigte Arabische Emirate Vereinigte Arabische Emirate4,8Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich3,4
sonstige Länder49,5sonstige Länder42,1

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 17,85 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 12,89 Mrd. US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 7,2 % des BIP.[1]

Die Staatsverschuldung betrug 2016 37,4 Mrd. US-Dollar oder 54,4 % des BIP.[69]

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

Mikrofinanzen

Der Sektor der Mikrofinanz und Genossenschaftsbanken ist in Kenia stark segmentiert und unzusammenhängend. Laut einem Bericht der Weltbank von 2007 besteht er aus mehr als 5000 Institutionen. Viele davon, wie zum Beispiel der Kenya Women Finance Trust (KWFT) und die National Association of Self-Employed Women of Kenya, sind speziell auf Frauen fokussiert. Den meisten dieser Institute fehlt das Kapital, um ihr Angebot zu diversifizieren, so dass sie sich auf einzelne Marktnischen beschränken.[71]

Tourismus

In Kenia findet sich eine Vielzahl an unterschiedlichen Landschaften, die alle charakteristisch für den afrikanischen Kontinent sind. Schöne Küstengebiete und ein langes Korallenriff, weite Savannen mit Großwildtieren, schneebedeckte Gipfel, Wüste und im äußersten Westen im Kakamega Forest National Reserve ein kleiner Ausläufer des zentralafrikanischen Tieflandregenwaldes. Dies alles ist im Wesentlichen für den Tourismus erschlossen, sowohl was den Massentourismus – meist an der Küste – aber auch den Individualtourismus – eher im Landesinneren, z. B. bei der Besteigung des Mount Kenya – angeht. Tragendes Element des Tourismus sind neben den weißen Stränden an der Küste die großen Nationalparks (siehe oben).

2015 besuchten knapp 1.114.000 Touristen das Land. Die Tourismuseinnahmen beliefen sich 2016 auf 824 Mio. US-Dollar und sind ein wichtiger Devisenbringer.[72]

Raketenstarts

Scout-Rakete auf der San-Marco-Plattform

Durch seine Äquatornähe ist Kenia günstig für Orbit-Raketenstarts gelegen. Mit der San-Marco-Plattform (San Marco Equatorial Range – SMER, Centro Spaziale Luigi Broglio) wurde ein Raketenstartplatz vor der Küste Kenias zum Start von Feststoffraketen aus zwei ehemaligen Ölplattformen und zwei Versorgungsschiffen vor der Küste Malindi errichtet. Von 1964 bis 1988 wurden insgesamt 18 Höhenforschungsraketen und neun Scout-Trägerraketen gestartet. Z. B. wurde von der San-Marco-Plattform 1972 der Röntgensatellit Uhuru („Freiheit“ auf Swahili) mit einer Scout-Rakete in den Orbit gebracht. Am 16. Februar 1980 wurden von dieser Plattform zur Beobachtung einer totalen Sonnenfinsternis einige Höhenforschungsraketen gestartet. Die Zulassung der Plattformen lief 2014 aus.

Infrastruktur

Verkehrsnetz

Es gibt im kenianischen Verkehrsnetz insgesamt 3000 Kilometer Eisenbahnstrecken und fast 65.000 Kilometer Straßen; dort herrscht Linksverkehr. Der Straßenverkehr gilt als sehr unsicher. 2013 kamen in Kenia insgesamt 29,1 Verkehrstote auf 100.000 Einwohner. Zum Vergleich: In Deutschland waren es im selben Jahr 4,3 Tote. Insgesamt kamen damit ca. 13.000 Personen im Straßenverkehr ums Leben. Die Rate an Verkehrstoten ist noch weitaus höher wenn man sie der niedrigen Motorisierungsrate des Landes gegenüberstellt. 2010 kamen in Kenia 24 Kraftfahrzeuge auf 1000 Einwohner (in Deutschland waren es über 500 Fahrzeuge).[73]

Seit Mai 2017 verkehren Züge auf der Neubaustrecke Mombasa–Nairobi. Diese Strecke wurde fast komplett von China finanziert.

Die Fluggesellschaft Kenya Airways beschäftigt fast 3000 Arbeitnehmer und unterhält ein internationales Liniennetz. In Kenia gibt es die zwei internationalen Flughäfen Nairobi und Mombasa, neben vielen kleinen Flugplätzen. Über 30 Fluglinien fliegen Nairobi an.

Zu den in Kenia verbreiteten Verkehrsmitteln zählen Matatus und Busse (z. B. Akamba, Easy Coach).

Im Logistics Performance Index, der von der Weltbank erstellt wird und die Qualität der Infrastruktur misst, belegte Kenia 2018 den 68. Platz unter 160 Ländern. Von allen Länder in Afrika belegt Kenia damit den drittbesten Platz hinter Südafrika und Ruanda.[74]

Kommunikation

Mit Beginn des 21. Jahrhunderts hat die Zahl der Mobilfunkanschlüsse stark zugenommen. Es gibt etwa 19,4 Millionen Mobilfunkanschlüsse sowie etwa 664.000 Festnetzanschlüsse (Stand 2009).[1] Durch die zunehmende Verbreitung von Internetcafés und der Nutzung des Mobilfunknetzes steht vielerorts Internet zur Verfügung. Knapp 45 % der Bevölkerung nutzten 2016 das Internet. Kenia verfügt über eine der am weitesten entwickeltensten digitalen Infrastrukturen des Afrikanischen Kontinents. Zahlungen werden in Kenia inzwischen häufig über das Bezahlsystem M-Pesa abgewickelt.[75]

Energieversorgung

Arbeiter am Geothermiekraftwerk Olkaria

Im Jahr 2019 hatten 84,5 % der Menschen Zugang zu elektrischem Strom. Im Jahr 2013 waren es erst 20 %, und durch dieses Wachstum liegt Kenia inzwischen auch weit vor seinen Nachbarländern. Dennoch blieben 8,1 Mio. Menschen ohne Strom, vor allem in ländlichen Gebieten.[76]

2018 wurden in Kenia 11.800 GWh Elektrizität generiert.[77] Davon stammen 18 % aus Wasserkraft, 44 % aus Geothermie und 34 % aus der Verstromung von Öl.

Kenia ist zu etwa 65 % auf Wasserkraft angewiesen. Lang anhaltende Trockenperioden seit 2009 und großflächige Abholzung der Wälder reduzierten jedoch die Verfügbarkeit der Wasserkraftwerke auf etwa 30 %, was den vermehrten Einsatz von Ölkraftwerken erforderlich macht und damit zu einer verstärkten Abhängigkeit von Importen führt.[78]

Installierte Leistung nach Energieträgern in Megawatt
Energieträger2011Anteil 2011Geplant 2030Anteil 2030
geplant
Wasserkraft0743052,1 %01039005,4 %
Fossil0456032,5 %06035031,4 %
Geothermie0198013,2 %05110026,6 %
Biomasse0026001,8 %0?0?
Windkraft0006000,4 %02036010,6 %
Sonstige00000003000015,6 %
Import00000002000010,4 %
Summe1.429100,0 %19.220100,0 %
regenerativer Anteil0973067,5 %ca. 11.000ca. 60 %

Wegen der geringen Versorgungssicherheit der Wasserkraftwerke setzt Kenia verstärkt auf andere erneuerbare Energieträger.

Geothermie

Kenia errichtete 1981 als erstes afrikanisches Land ein Geothermiekraftwerk. Die im Besitz des staatlichen Energieerzeugers KenGen befindlichen Kraftwerke Olkaria I–III sowie das in Privatbesitz befindliche Kraftwerk Olkaria IV in der Rift-Valley-Provinz decken mit einer Gesamtleistung von 198 MW 13,2 % des kenianischen Strombedarfs – damit liegt Kenia im internationalen Spitzenfeld.[79] Geologische Untersuchungen ergaben ein Potential für Geothermie zwischen 7000 und 10.000 MW verteilt auf 14 Lagerstätten, vor allem im Großen Afrikanischen Grabenbruch, wo die Ausbeutung geothermaler Quellen besonders effizient ist.

Kenia plant die Ausweitung seiner Erdwärmekraftwerkskapazitäten auf 750 Megawatt.[80]

Windenergie

In der Lake-Turkana-Region entstand mit dem Windpark Lake Turkana der größte Windpark im subsaharischen Afrika mit einer Gesamtleistung von 310 MW. Die Bauarbeiten an dem 617 Millionen Euro teuren Projekt, in dem insgesamt 365 Windkraftanlagen zum Einsatz kommen, begannen 2015 und liefen bis 2017. Mit dem Betrieb sollen durch den Wegfall von Ölkraftwerken jährlich bis zu 700.000 Tonnen CO2-Emissionen vermieden werden.[81]

Kernenergie

Im September 2010 gab Energieminister Patrick Nyoike bekannt, dass bis 2017 ein Atomkraftwerk mit einer Leistung von 1000 MW errichtet werden sollte. Das Kraftwerk sollte mit südkoreanischer Technologie errichtet werden und etwa 2,6 Milliarden Euro (3,5 Mrd. US-Dollar) kosten.[82] Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima im Jahre 2011 kam es immer wieder zum Verschieben des Baubeginns, an der generellen Entscheidung für den Atomstrom änderte sich aber nichts.

Solarenergie

Im Januar 2014 berichtete die britische Tageszeitung The Guardian, dass Kenia bis zum Jahr 2016 mehr als die Hälfte seiner Energieproduktion aus Solarenergie beziehen will. Das Investitionsvolumen bemisst sich auf knapp 885 Millionen Euro (1,2 Milliarden Dollar). Bis Ende des Jahres 2013 wurden in Kenia etwa 370 Millionen Euro (500 Millionen US-Dollar) in Solarprojekte investiert. Vom Ausbau der Solarenergie verspricht sich das Land um bis zu 80 % niedrigere Strompreise.[83]

Netz

Es ist geplant, die Netze von Kenia und Äthiopien durch eine 1070 km lange Stromtrasse, die Kenya-Ethiopia Electricity Highway, zu verbinden.[84] Es handelt sich um eine Hochspannungs-Gleichstrom-Leitung. 2019 befand sich die Leitung bereits in der Testphase.[85]

Wasserversorgung

In Kenia sind lediglich etwa 70 % der städtischen und nur 48 % der ländlichen Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser versorgt.[86] Die kenianischen Städte Mombasa und Nairobi werden mit Wasser aus den Mzima Springs versorgt. Aus der Quelle von Mzima Springs[87] im größten Nationalpark Kenias sprudeln täglich 200 Millionen Liter Trinkwasser. Das Quellwasser stammt aus unterirdischen Gängen und wird durch das Lavagestein der Umgebung gefiltert.

Kultur

Medien

Bei der Rangliste der Pressefreiheit 2018, welche von Reporter ohne Grenzen herausgegeben wird, belegte Kenia Platz 96 von 180 Ländern. Bei der Situation der Pressefreiheit im Land gibt es laut der Nichtregierungsorganisation „erkennbare Probleme“. Immer wieder gebe es Drohungen und Angriffe von Lokalpolitikern und Polizei auf investigativ arbeitende Journalisten. Somalische Exiljournalisten würden von kenianischen Islamisten wie auch von offiziellen Sicherheitsbehörden drangsaliert. Ein weiteres Problem ist eine umstrittene Gesetzesreform aus dem Jahr 2013. Bei Verstößen gegen den Medienkodex drohen Journalisten seither ruinöse Geldstrafen und andere drastische Sanktionen, was zu Selbstzensur führen kann.[88]

Im März 2006 kam es zu einem recht mysteriösen Überfall einer Spezialeinheit der Polizei auf die Tageszeitung The Standard und deren Fernsehsender KTN. Bei der Polizeiaktion liefen die üblichen Überwachungskameras weiter. Die Spezialeinheit hatte vergessen, die Kameras auszuschalten oder wenigstens die Videos zu beschlagnahmen. Diese Bilder wurden am nächsten Tag im Fernsehen gesendet und konnten weltweit von der Website des Standard heruntergeladen werden. Die Attacke wurde von einer Schnellen Eingreiftruppe namens Kanga Squad durchgeführt, die von Offizieren der Geheimpolizei CID und der paramilitärischen Einheit General Service Unit (GSU) befehligt wurden. Die Kanga Squad waren mit sowjetischen Kalaschnikows und deutschen G3-Gewehren bewaffnet. Der Überfall erfolgte simultan auf die Büros des Standard und der KTN-Senderäume in Nairobi. Gleichzeitig wurden die Druckanlagen im Industriegebiet stillgelegt und Stapel frisch gedruckter Zeitungen in Brand gesetzt. In den Büros wurde Equipment wie Computer und Unterlagen beschlagnahmt. Die TV-Sendung wurde sofort unterbrochen. Als spätere Begründung für die Attacke gab der Innenminister John Michuki einen Verdacht auf angebliche staatsfeindliche Aktivitäten der Zeitungsredaktion an. Die Zeitung hatte zuvor veröffentlicht, dass sich Kibaki mit Kalonzo Musyoka, einem seiner stärksten politischen Gegner, heimlich im Präsidentenpalast getroffen haben sollte. Die Opposition protestierte.

Am 12. Mai 2006 ereignete sich ein ähnlicher Überfall auf Radio „Hope FM“, eine christliche Station der Nairobi Pentecostal Church, bei der bewaffnete Gangster die Senderäume stürmten, einen Wachmann erschossen und zwei weitere Menschen verletzten und anschließend die Räume in Brand setzten.

Das Media Council of Kenya (MCK) gründete daraufhin am 2. Juni 2006 unter der Leitung des altgedienten Journalisten Mitch Odero einen Presserat (Ethics Team), um alle Vorwürfe gegen die Presse selbst regeln zu können.

Literatur

Mehrere kenianische Autoren sind weltweit bekannt, insbesondere Ngugi wa Thiongo (* 1938), der 1964 mit Weep not Child bekannt wurde und als Literaturnobelpreiskandidat gilt. Zu den weiteren bekannten Schriftstellern zählen Grace Ogot (1930–2015), Meja Mwangi (* 1948) und Binyavanga Wainaina (1971–2019).

Museen und Archive

Die meisten der kenianischen Museen, die über das ganze Land verteilt liegen, werden von den National Museums of Kenya (NMK) verwaltet.

  • Nairobi National Museum; dort werden spartenübergreifend naturgeschichtliche, zoologische, anthropologische, kulturelle und historische Aspekte behandelt.
  • Fort Jesus in Mombasa
  • Gedi Ruinen, in Gedi bei Malindi
  • Hyrax Hill bei Nakuru
  • Jumba la Mtwana, in Mtwapa bei Mombasa
  • Kabarnet Museum in Kabarnet
  • Karen Blixen Museum in Nairobi
  • Kapenguria Museum in Kapenguria
  • Kariandusi Museum bei Gilgil
  • Kisumu Museum in Kisumu
  • Kitale Museum in Kitale
  • Koobi Fora im Sibiloi National Park
  • Lamu Museum in Lamu
  • Meru Museum in Meru
  • Mnarani Ruinen in Kilifi
  • Narok Museum in Narok
  • Olorgesailie in der Nähe des Magadisees
  • Siyu Fort auf Pate Island
  • Takwa auf Manda Island
  • Thimlich Ohinga 45 km westlich von Migori

Weitere Museen werden von anderen Organisationen unterhalten, so das Railway Museum oder die National Archives.

Musik und Tanz

(c) [ Dmitri Markine Photography http://www.dmitrimarkine.com], CC BY 3.0
Tanz der Massai

Besonders Nairobi bietet häufige nationale oder internationale Musik-, Tanz- und Akrobatik-Shows, sei es in großen Hotels, Theaterspielstätten, Schulen oder Kulturzentren. Der Tradition verschrieben sind die Gonda Traditional Entertainers, die Bomas of Kenya und die Original Zengala Band.

Die bekanntesten Bands aus Kenia sind die Safari Sound Band und Them Mushrooms, die beide traditionelle Lieder auf Swahili in modernen Fassungen aufgenommen haben. Sie gehören zu den Vertretern des Hotelpops, Bands die in Hotels für ausländische Touristen musizieren.

Kenia hat eine reiche Chormusikszene mit einer starken Betonung auf religiösen Gesang. Einer der bekanntestes Chöre ist der Muungano National Choir unter der Leitung von Boniface Mganga, der unter anderem auch die bekannte kongolesische Missa Luba singt.

Bekannte kenianische Sänger sind: Susan Awiyo, Merry Johnson, Alex und Merry Ominde, Kim4Love, Necessary Noize (Sängerin: Nazizi), Longombaz und Redsan, Juacali.

Theater

Das Theaterleben wird stark vom Schultheater geprägt. Jedes Jahr finden in den Distrikten, Provinzen und auf nationaler Ebene Wettbewerbe und Festivals statt. Die Stücke, die sich um das Genre des Volkstheaters bewegen – und thematisch z. B. häufig AIDS oder frühe Schwangerschaft aufgreifen – werden häufig im Fernsehen gezeigt.

Klassische Theaterspielstätten gibt es wenige, so das Kenya National Theater, welches jedoch kein festes Ensemble hat, sondern nationalen und internationalen Truppen und Show-Events Raum bietet.

Bekanntere Theatergruppen sind Heartstrings Ensemble, Mbalamwezi Players, Tufani, Hearts Ablaze und Winds of Change. Bekannte Schauspieler sind Winnifred Gitao, Angel Waruinge, Antony Kinuthia und Benta Stephanie Ochieng. Mumbi Kaugwa ist zudem Stückeschreiber und Regisseurin.

Die einzige feste Truppe mit eigener Spielstätte, meist Laien mit guter schauspielerischer Qualität, haben die Phoenix Players Theatre Company.[89] Der Theaterraum befindet sich im Professional Centre in der Innenstadt Nairobis. Die Truppe ist unter seinem Gründer James Falkland 1984 aus dem kolonialen und von der Familie Maule betriebenen Donovan Maule Theater hervorgegangen, das im modernen Kenia nicht mehr lebensfähig war. Die Phoenix Players haben sich mit einem speziellen Programm dem Thema Anti-HIV gewidmet. Sie leben von ihren Mitgliedern und Spendern, kämpfen aber trotzdem ständig um ihre Existenz.

Ansonsten bieten die Kulturzentren großer Nationen in Nairobi Theatergruppen und Säle, in denen periodisch Theater gespielt wird, so im French Cultural Centre, dem Alliance française oder im Goethe-Institut.

Aufgrund dieser Bedingungen hat sich eine kleine, aber lebhafte Theaterszene entwickelt. Autoren wie Cajetan Boy oder Jimmy Makotsi schreiben moderne authentische Stücke in Englisch oder Swahili.

Film

Das Filmleben wird in den großen Städten vom US-amerikanischen Mainstream und von Bollywood (aufgrund der starken indischen Minderheit im Land) beherrscht. Gemeinsam organisieren das Alliance Française und das Goethe-Institut in Nairobi z. B. Kinderfilm-Festivals.

In Kenia wurden relativ viele international ausgezeichnete Filme gedreht, z. B. Jenseits von Afrika (1986), Nirgendwo in Afrika (2001), Die weiße Massai (2004), Der ewige Gärtner (2005) oder Afrika, mon amour (2007).[90]

Für das Fernsehen, die Kenya Broadcasting Corporation (KBC), werden auch Filme im Land produziert, so z. B. Reflections oder Naliaka von Brutus Serucho.

Feiertage

Die öffentlichen Feiertage wurden in der Verfassung von 2010 neu festgelegt. Darin wurden Feiertage wie der 10. Oktober (Moi Day, zu Ehren des früheren Präsidenten Daniel arap Moi) gestrichen. Der 20. Oktober (Kenyatta Day, zu Ehren des ersten Präsidenten Jomo Kenyatta) wurde umbenannt in Mashujaa Day – ein Gedenktag für alle Helden in der kenianischen Geschichte. Idd ul-Azha und Diwali gelten nur für Angehörige der jeweiligen Glaubensrichtung als öffentliche Feiertage. Sollte ein öffentlicher Feiertag auf einen Sonntag fallen, wird der nächste darauf folgende Werktag zum Feiertag.[91]

Zu bestimmten Anlässen werden immer wieder einzelne Tage zu Feiertagen erklärt; diese gelten jedoch nur in dem entsprechenden Jahr. Zum Beispiel wurde anlässlich des Wahlsieges von US-Präsident Barack Obama der 6. November 2008 als Obama Day zum Feiertag erklärt.[92]

Feiertage
DatumNameDeutscher NameAnmerkungen
1. JanuarNew Years DayNeujahr
März/AprilGood FridayKarfreitagTermin variabel, abhängig vom Erscheinen des Mondes
März/AprilEaster MondayOstermontagTermin variabel, abhängig vom Erscheinen des Mondes
1. MaiLabour DayErster Mai
1. JuniMadaraka Daysiehe Jomo Kenyatta
September/OktoberIdd ul-FitrFest des FastenbrechensTermin variabel, abhängig vom Erscheinen des Mondes
20. OktoberMashujaa DayTag der Heldenvor der Verfassung von 2010 als Kenyatta Day gefeiert
Oktober/NovemberDiwaliHinduistisches LichterfestTermin variabel, abhängig vom Erscheinen des Mondes
12. DezemberJamhuri DayTag der RepublikNationalfeiertag, Unabhängigkeit von Großbritannien (1963)
25. DezemberChristmas DayWeihnachten
26. DezemberBoxing DayZweiter Weihnachtsfeiertag
Idd ul-AzhaIslamisches OpferfestTermin variabel, abhängig vom Erscheinen des Mondes

Sport

Die Fußballnationalmannschaften Kenias und Sudans während des LG Africa Cups 2011
Cricketspiel zwischen Kenia und Nepal in Kathmandu, 13. März 2017
Siebener-Rugby-Spiel zwischen Kanada und Kenia, 2008

In Kenia werden mehrere Sportarten wie Cricket, Rallye, Fußball, Rugby und Boxen ausgeübt, von denen einige ihren Ursprung im Vereinigten Königreich haben. Gemeinsam mit den afrikanischen Staaten Äthiopien und Marokko stellt Kenia regelmäßig die besten Langstreckenläufer der Welt, insbesondere in den olympischen Disziplinen 5000-Meter-Lauf, 10.000-Meter-Lauf, dem Hindernislauf und dem Marathonlauf.[93] Bei den olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro konnten kenianische Sportler zudem auch bei kürzeren Laufdistanzen (1500 m, 800 m und 400 m Hürden) sowie im Speerwurf der Männer Medaillen gewinnen. Während die Grundlage für den Langstreckenlauf meist schon in der Grundschule gelegt werden, weil die weiten Wege zur Schule gehend/laufend zurückgelegt werden, werden die besten Talente in gemeinsamen Trainingslagern entdeckt. Da die Einkommensverhältnisse in Kenia begrenzt sind, dient vor allem der Langstreckenlauf als eine Einkommensgelegenheit. Seit der Initiierung von Title IX haben sich auch amerikanische Hochschulsportprogramme darauf spezialisiert, weiblichen Läufernachwuchs in Kenia zu rekrutieren. Im Vergleich zum europäischen Trainingssystem wird in Kenia häufiger in großen Gruppen trainiert, wobei an Ort und Stelle eine Auswahl der besten erfolgt, weil (fast) jedes Training ein Ausscheidungsrennen ist.[94] In der Laufkultur trifft sich die traditionelle Stammeskultur der Hirten der Savanne mit dem post-kolonialem Lebensgefühl der unbegrenzten Möglichkeiten. Genetik, Tradition, Höhentraining und ein internationaler Markt für Rennen im Dauerlauf begünstigen vor allem die Läuferinnen und Läufer aus dem Rift Valley.[95] Zu den bekanntesten Athleten gehören u. a. Kipchoge Keino, Ben Jipcho, Abel Kirui, Catherine Ndereba, Samuel Kamau Wanjiru, Wilson Kipsang und Eliud Kipchoge.

Fußball ist in Kenia die beliebteste Mannschaftssportart und die kenianische Fußballnationalmannschaft trägt den Spitznamen Harambee Stars (Swahili für: „Lasst uns zusammenarbeiten“). Die Mannschaft qualifizierte sich noch nicht für eine Fußball-Weltmeisterschaft. Man nahm bisher an fünf Afrika-Cups teil (1972, 1988, 1990, 1992 und 2004), erreichte jedoch noch nicht die K.O.-Phase.

Cricket ist in Kenia ebenfalls beliebt und die erfolgreichste Mannschaftssportart des Landes. Die kenianische Cricket-Nationalmannschaft nahm zwischen 1996 und 2011 an jedem Cricket World Cup teil, jedoch nicht an den Turnieren 2015 und 2019. Kenia war zusammen mit Südafrika und Simbabwe Co-Gastgeber des Cricket World Cups 2003, bei dem man das Halbfinale erreichte, dort jedoch gegen den späteren Vizeweltmeister Indien unterlag. Trotz den Erfolgen des Landes blieb Kenia weiterhin ein Associate Member des International Cricket Council und der Teststatus blieb ihnen verwehrt.[96][97]

Rugby erfreut sich ebenfalls zunehmender Beliebtheit, vor allem dank der Erfolge der kenianischen Siebener-Rugby-Nationalmannschaft der letzten Jahre. Man nimmt regelmäßig an der World Rugby Sevens Series teil und 2009 erreichte man den dritten Platz. Im Gegensatz dazu gelang es der kenianischen Rugby-Union-Nationalmannschaft (mit dem Spitznamen Simbas – Swahili für: „Löwen“) noch nicht, sich für eine Rugby-Union-Weltmeisterschaft zu qualifizieren; bei der Rugby-Union-Afrikameisterschaft ist man dagegen regelmäßiger Teilnehmer und gewann bisher zwei Turniere (2011 und 2013).

Bekannte kenianische Fußballspieler sind Victor Wanyama, der bei Tottenham Hotspur spielt, und McDonald Mariga.

Literatur

  • Charles Hornsby: Kenya: A History Since Independence. I.B. Tauris, New York City 2012, ISBN 978-1-78076-501-3.

Siehe auch

Weblinks

Commons: Kenia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikimedia-Atlas: Kenia – geographische und historische Karten
 Wikinews: Kenia – in den Nachrichten
Wikivoyage: Kenia – Reiseführer
Wiktionary: Kenia – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h CIA World Factbook: Kenya 14. Mai 2015 (englisch)
  2. 2019 Kenya Population and Housing Census Volume I: Population by County and Sub-County
  3. Population growth (annual %). In: World Economic Outlook Database. World Bank, 2020, abgerufen am 14. März 2021 (englisch).
  4. World Economic Outlook Database Oktober 2020. In: World Economic Outlook Database. International Monetary Fund, 2020, abgerufen am 14. März 2021 (englisch).
  5. Table: Human Development Index and its components. In: Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (Hrsg.): Human Development Report 2020. United Nations Development Programme, New York 2020, ISBN 978-92-1126442-5, S. 345 (englisch, undp.org [PDF]).
  6. Kenya GDP purchasing power 2010: 66 Billion. Imf.org.
  7. Harenberg Länderlexikon. Alle 192 Staaten der Welt auf einen Blick. Harenberg Verlag, Dortmund 1998, S. 521.
  8. Nationalparks in Kenia. Abgerufen am 19. August 2018.
  9. a b c d e World Population Prospects 2019, Volume II: Demographic Profiles. United Nations, Department of Economic and Social Affairs, Population Division, abgerufen am 24. Januar 2021.
  10. Länderdatenbank der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung
  11. Life expectancy at birth, total (years) | Data. Abgerufen am 3. August 2017 (amerikanisches Englisch).
  12. Kenya – Country Profile. International Human Development Indicators – UNDP, archiviert vom Original am 31. Oktober 2011; abgerufen am 8. Juni 2013.
  13. Life expectancy: Life tables Kenya. who.int, abgerufen am 8. Juni 2013.
  14. a b c d Kenianische Volkszählung 2009. (PDF; 1,7 MB) Archiviert vom Original am 10. August 2013; abgerufen am 2. November 2011.
  15. Rifts in the Rift, The Economist, January 23, 2016
  16. Stateless Persons - Kenya. UNHCR, abgerufen am 7. November 2017.
  17. Migration Report 2017. UN, abgerufen am 30. September 2018 (englisch).
  18. Origins and Destinations of the World’s Migrants, 1990-2017. In: Pew Research Center's Global Attitudes Project. 28. Februar 2018 (pewglobal.org [abgerufen am 30. September 2018]).
  19. (N. O. Ogechi: On language rights in Kenya, S. 287)
  20. (Ogechi, S. 290)
  21. (Ogechi, S. 288)
  22. (Ogechi, S. 290 f)
  23. Länderinformationen des Auswärtigen Amtes zu Kenia Auswaertiges-Amt.de. Zugriff: 26. Mai 2014
  24. Martin Holland: Kenia: Gericht annulliert Präsidentschaftswahl nach Hackingvorwurf In: heise.de, 1. September 2017
  25. guardian.com: Kenyan supreme court annuls Uhuru Kenyatta election victory
  26. UNICEF Data Warehouse
  27. WHO, UNICEF, UNFPA, World Bank Group, and the United Nations Population Division. Trends in Maternal Mortality: 2000 to 2017. Geneva, World Health Organization, 2019. Via World Bank Open Data
  28. UNAIDS 2020 Schätzungen, [1] mit Excel-Tabelle
  29. Life expectancy at birth, total (years) | Data. Abgerufen am 10. Januar 2020 (amerikanisches Englisch).
  30. The Children Act 2001. (PDF-Datei, 1,6 MB) National Council for Law Reporting, abgerufen am 23. September 2013 (englisch).
  31. Horn of Africa Drought Crisis: Situation Report No. 5. (PDF; 166,76 kB) reliefweb.int, 21. Juli 2011, abgerufen am 8. Juni 2013.
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  38. 2020 World Press Freedom Index. Reporter ohne Grenzen, 2020, abgerufen am 15. Januar 2021 (englisch).
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  41. Loren B Landau / Jean Pierre Misago: Who to Blame and What’s to Gain? Reflections on Space, State, and Violence in Kenya and South Africa Afrika Spectrum Vol.44 N°1 (2009), Institut für Afrika-Studien des GIGA German Institute of Global and Area Studies, Hamburg
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  46. Kenia: Wahlkommission meldet fast 100 Prozent für Kenyatta. spiegel.de vom 30. Oktober 2017, abgerufen am 1. November 2017
  47. Menschenrechtssituation in Kenia. Auswärtiges Amt, 1. November 2010, abgerufen am 22. März 2011.
  48. Jahresbericht Kenia 2010 Amnesty International
  49. UNICEF Bericht in englischer Sprache als PDF The Extent and Effect of Sex Tourism and Sexual Exploitation of Children on the Kenyan Coast
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  51. Felix Wadewitz, Matthias Mengel: „Ich bin müde“ in Die Zeit
  52. Süddeutsche Zeitung Homosexuelle in Afrika – Schwulsein als Verbrechen (Seite besucht am 16. Juni 2010)
  53. Der Standard Von Kirchen aufgehetzter Mob wollte Homosexuelle lynchen (Seite besucht am 17. Juni 2010)
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  71. Amanda Ellis, Jozefina Cutura, Nouma Dione, Ian Gillson, Clare Manuel, Judy Thongori: Gender and Economic Growth in Kenya: Unleashing the Power of Women. Weltbank, Washington D.C. 2007, ISBN 978-0-8213-6919-7, S. 42
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  80. – Kenia sucht Investoren für Geothermie (deutsch) 14. Januar 2014.
  81. reuters.com – Kenyan wind farm gets U.N. carbon credit approval (englisch) 24. Mai 2011.
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  92. Kenia macht den 6. November zum Feiertag. spiegel.de
  93. Heimat zahlreicher Spitzenläufer: Kenia. InÖ Runner’s World. Abgerufen am 3. November 2014.
  94. Arnd Krüger: Viele Wege führen nach Olympia. Die Veränderungen in den Trainingssystemen für Mittel- und Langstreckenläufer (1850–1997). In: N. Gissel (Hrsg.): Sportliche Leistung im Wandel. Czwalina, Hamburg 1998, S. 41–56.
  95. John Bale, Joe Sang: Kenyan running. Movement culture, geography and global change. F. Cass, London 2003.
  96. The decline and fall of Kenyan cricket. The Roar, 2. März 2018, abgerufen am 12. Februar 2021 (englisch).
  97. Test Status: Kenya's next, but who then? Cricinfo, 13. Juli 2000, abgerufen am 12. Februar 2021 (englisch).

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This is a photo from when Canada played Kenya in the Emirates Airline Edinburgh Sevens 2008.
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Continents with Africa marked
Masaidance.jpg
(c) [ Dmitri Markine Photography http://www.dmitrimarkine.com], CC BY 3.0
Tanz der Massai: Nach dem Volksglauben kann man umso mehr Frauen heiraten, je höher man springen kann.
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Lage von XY (siehe Dateiname) auf der Erde.
Kenya county map labelled.svg
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Furfur

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Karte der Countys von Kenia.
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a map symbol for a mountain, the center is in the middle of the base line - as opposed to Fire.svg
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unbekannt

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