Karl Gotthelf von Hund und Altengrotkau

Karl Gotthelf von Hund und Altengrotkau

Karl Gotthelf, Reichsfreiherr von Hund und Altengrotkau (* 11. September 1722 in Unwürde, Oberlausitz; † 8. November 1776 in Meiningen, Herzogtum Sachsen-Meiningen) war ein schlesischer Grundbesitzer, nach dem u. a. Carlsbrunn benannt ist. Besondere Bedeung erlangte er als Gründer und Förderer der Strikten Observanz in Deutschland.

Kindheit und Jugend

Hund entstammte dem schlesischen Geschlecht, das bis auf Heinrich von Hundt und Alten-Grottkau um 1480 zurückgeht. Dessen gleichnamiger Sohn war Komtur des Malteserordens in Glatz, wo er 1518 das Amt des Burggrafen von Glatz und 1523–24 das Amt des Landeshauptmanns bekleidete.[1] In Urkunden kommen zwar schon um 1300 Johann und Christoph von Hund vor, es ist jedoch nicht nachweisbar, dass sie zur nachmaligen Altgrotkauer Linie gehören. Karl Gotthelfs Vater, Joachim Hildebrand von Hund, war kursächsischer Kammerherr und Großgrundbesitzer. Die Familie von Hundt und Alten-Grottkau besaß seit 1607 das Rittergut Unwürde und seit 1704 das Gut Oberkittlitz in der Oberlausitz. Der Vater starb sehr früh, so dass das Erbe dem noch unmündigen Sohn zufiel, wobei die Vormundschaft der Mutter und dem Landesältesten Caspar Heinrich von Rodewitz zufiel. Karl Gotthelf war zwar das jüngste nach drei Kindern, die jedoch alle bereits vor seiner Geburt gestorben waren, so dass ihm besondere Fürsorge und eine gute geistige Erziehung zukam. Er studierte von 1737 bis 1739 in Leipzig. Danach ging er unter Führung des Obersten Friedrich von Schoenberg auf Reisen. Wegen des Todes der von ihm sehr geliebten Tochter seines Vormundes Rodewitz brach Hund seelisch zusammen und beschloss nie zu heiraten.

Hund und die Freimaurerei

Erste Kontakte zur Freimaurerei

1741 war Hund anlässlich der Kaiserkrönung Karls VII. in Frankfurt am Main und wurde dort in den Freimaurerbund aufgenommen. 1742 weilte er in Paris und soll dort unter dem Einfluss einer vornehmen Dame zum Katholizismus übergetreten sein. Hier hat er am 20. Februar 1743 eine Loge als Meister vom Stuhl geleitet. Am 25. August 1743 fungierte er bei der Einsetzung einer Loge als Erster Aufseher. Später erklärte er, 1742 in Paris von schottischen Rittern in den Orden der Tempelherren aufgenommen und dem englischen Thronprätendenten Charles Edward Stuart als dem Großmeister des angeblich wiedererweckten Templerordens vorgestellt worden zu sein. Das Letztere ist vermutlich eine Legende. Einen urkundlichen Beweis für eine freimaurerisch-templerische Institution vor 1750 gibt es bis heute nicht. Dabei soll Hund angeblich von diesen „unbekannten Oberen“ der Tempelherren als „Heermeister“ (Provinzial-Großmeister) der VII. Ordensprovinz (Deutschland) eingesetzt worden sein. Ob er getäuscht oder ob er für fremde Zwecke missbraucht worden war, ist nicht nachvollziehbar. Als Beweis legte er später, der Unwahrheit bezichtigt, ein chiffriertes, so genanntes „Heermeisterpatent“ vor, das bis heute nicht entziffert werden konnte. Hund hüllte sich bei genaueren Nachfragen stets in Schweigen und verwies immer wieder auf seine Schweigepflicht gegenüber den „unbekannten Oberen“, die ihm angeblich den Auftrag zur Wiedererweckung des Templerordens in Deutschland auferlegt hatten. Die Beziehungen Hunds zu dem angeblichen französischen Tempelherrenorden sind verworren und nicht mehr aufzuhellen. Die überlieferten Tagebuchaufzeichnungen Hunds geben jedenfalls hierüber keine Auskunft.

Hunds Wirken in der Freimaurerei

Nach Deutschland zurückgekehrt, wurde Hund 1750 das Gut Niederkittlitz übereignet. Das dort von ihm errichtete Schloss Kittlitz weist einen oktogonalen Grundriss auf, der als freimaurerisches Symbol gedeutet wird. Es kann angenommen werden, dass er nach mehreren vergeblichen Versuchen, mit dem Hofe des Thronprätendenten Karl Eduard Stuart in Kontakt zu treten, schließlich den Beschluss gefasst hat, die Ausgestaltung der siebenten Provinz des Tempelordens selbst verantwortlich in die Hand zu nehmen. Ab 1751 begründete er den Ritus der Strikten Observanz innerhalb der Freimaurerei. Dabei propagierte er stets die Idee einer Entwicklungslinie von den Tempelrittern zu den Freimaurern. Als Erstes gründete er 1751 auf seinem Gut Unwürde das Kapitel der Strikten Observanz Zu den drei Säulen, das zunächst nur ihn selbst und seinen besten Jugendfreund von Schoenberg umfasste. 1755 erstellte er für die Gemeinschaft der Tempelritter einen Operationsplan zur Gewinnung möglichst vieler Personen hohen Standes. Deren Mitglieder gaben sich klingende Ordensnamen. Hund selbst führte den Namen „Carolus eques ab Ense“ (Karl, Ritter vom Degen) oder „Chevalier de l´epée“ (Ritter vom Degen).

Charakterisierung von Hunds Wirken

Aus heutiger Sicht war Hund kein Scharlatan, wie es im 18. Jahrhundert davon mehrere gab. Fest steht, dass Hund begeisterungsfähig sowie relativ leicht beeinflussbar gewesen war. Bereits als Jüngling soll er die Dichter des Altertums geliebt haben und sich ganz den Idealen des ritterlichen Geistes zugewandt haben. Gerade zu seiner Zeit verehrte man ritterliche Ideale, was auch in den anderen Hochgradsystemen der Freimaurerei des 18. Jahrhunderts stark zum Ausdruck kam. So vertrat Hund in seinem ganzen weiteren Leben mit Begeisterung die irrige Ansicht, dass die Freimaurerei von dem angeblich noch bestehenden Tempelherrenorden herstamme, den es wiederzuerwecken gelte. Von freimaurerischen Historikern wird Hund als ein Mensch von Herzensgüte und Brüderlichkeit eingeschätzt, der für seine Ideale alles opferte. Er hätte ein Leben in Wohlstand führen können, hätte höhere Hof- und Staatsstellungen einnehmen können. Auf dies alles verzichtete er zu Gunsten des Ordensgedankens. So ertrug er Mühe, Anfeindungen und Verfolgungen bis an sein Lebensende, immer in der irrigen Ansicht, Sendbote der Tempelritter gewesen zu sein. Als man ihn auf dem Konvent von Braunschweig am 11. Juni 1775 nach dem „unbekannten Oberen“ befragte, der ihn angeblich seinerzeit in Paris in das System der Strikten Observanz eingeführt habe, soll Hund unter Tränen versichert haben, dass dies seinem Eid und seinem Gewissen zuwiderliefe.

Für die Freimaurerei und das von ihm begründete System der Strikten Observanz opferte er viel Zeit, Geld und fast seinen gesamten Grundbesitz. Mit welcher Opferbereitschaft er sich für diese Lehrart einsetzte, beweist letztendlich auch, dass er, bereits sehr krank, 1776 noch nach Meiningen reiste, um den regierenden Herzog Friedrich August persönlich in die Strikte Observanz aufzunehmen.

Lebensabend und Tod

Kurze Zeit nach der Aufnahme des Herzogs Friedrich August starb Hund an „hitzigem Fieber“ und wurde im vollen Heermeisterornat in der Stadtkirche St. Kilian in Mellrichstadt (Unterfranken) beigesetzt.[2] Dabei trug er seinen Heermeisterring mit den Initialen N. V. I. O., d. i. „nulla vi invertur ordo“ („Durch keine Gewalt kann der Orden gestürzt werden“), dem Wahlspruch der Strikten Observanz. Hunds Epitaph ist heute noch in der Stadtkirche St. Kilian erhalten.

Literatur

  • Helmut Schlereth: Der Freimaurer Carl Gotthelf von Hundt († 1776 in Meiningen) und sein Grab in der Kilianskirche zu Mellrichstadt in: Jahrbuch Hennebergisch-Fränkischer Geschichtsverein, Salier-Verlag, Kloster Veßra 1993, S. 127–136.
  • Friedrich Bülau, Geheime geschichten und räthselhafte menschen, Band 1, S.356f
  • Eugen Lennhoff, Oskar Posner, Dieter A. Binder: Internationales Freimaurerlexikon. 5. überarbeitete und erweiterte Neuauflage der Ausgabe von 1932. Herbig, München 2006, ISBN 978-3-7766-2478-6.
  • Ferdinand Runkel: Geschichte der Freimaurerei. 3 Bände. Reprint von 1932, Edition Lempertz, Königswinter 2006, ISBN 3-933070-96-1. Bd. 1, S. 193 ff.
  • Gothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser, S.337f Familie Hundt und Alten-Grottkau

Einzelnachweise

  1. Landes-Hauptleute der Grafschaft Glatz. (Nach Köglers handschriftlichen Chroniken.) In: Vierteljahrsschrift für Geschichte und Heimatkunde der Grafschaft Glatz. 2. Jahrgang 1882–1883, S. 167
  2. Naumann, Germania sacra: ein topographischer Fuehrer durch die Kirchen- und Schulgeschichte deutscher Lande, S.1026

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