Kardaun

Zentrum von Kardaun

Kardaun (italienisch Cardano) ist ein italienisches Dorf mit rund 500 Einwohnern in Südtirol. Es gehört als Fraktion zur Gemeinde Karneid und beherbergt auch das Rathaus dieser. Mit 300 m s.l.m. ist es das tiefgelegenste Dorf im Eisacktal und grenzt am äußersten an die Landeshauptstadt Bozen. Das Ortsbild von Kardaun ist heute stark von den großen Verkehrsinfrastrukturen bestimmt, die sich von Bozen kommend ins Eisacktal ziehen. In Kardaun befinden sich das Rathaus der Gemeinde Karneid, eine Grundschule für die deutsche Sprachgruppe, ein Sozial- und Gesundheitssprengels sowie ein Sozialzentrum mit Behindertenwerkstätte.

Geographie

Kardaun ist mit 300 m s.l.m. das tiefgelegenste Dorf des Eisacktals, das hier seinen schluchtartigen Charakter verliert, ehe es sich im Bozner Talkessel mit dem Etschtal vereint. Bei Kardaun zweigt das Eggental vom Eisacktal Richtung Südosten ab. Der kleine Ortskern liegt im engen Talboden zwischen dem Eisack und dem Kardauner bzw. Eggentaler Bach. In erhöhter Hanglage über dem Ort befinden sich das Dorf Karneid und Burg Karneid.

Demographie

Maria-Hilf-Kirche im alten Ortskern

Bei der Volkszählung am 31. Dezember 2025 hatte Kardaun 483 Einwohner, 251 Frauen und 233 Männer.[1] Davon sind etwa 88 % italienisch und 11 % der deutschen Sprachgruppe zugehörig.[2]

Geschichte

Möglicherweise ist die aus der Antike bezeugte römische Militärstation Pons Drusi bei Kardaun zu suchen.

Die Örtlichkeit Kardaun wird im Traditionsbuch des hier begüterten Augustinerchorhhernstifts Neustift in den Jahren 1190–1196 als Kardun ersturkundlich genannt.[3] Der Name dürfte auf lateinisch carduus zurückgehen; das mögliche Ausgangswort *Cardumen (Mengensuffix -men) bedeutet so viel wie ‚bei den Disteln‘.[4]

Historisch war Kardaun bis 1760 der Standort eines Zollhauses des Kunterswegs, der – ausgehend von der bis 1866 bestehenden Brücke am Feigenstein – seit der Mitte des 14. Jahrhunderts die Eisackschlucht zwischen Kardaun und Kollmann als bedeutende inner- und transalpine Verkehrsroute erschlossen hatte. Gerichtsherrschaftlich rechnete Kardaun in älterer Zeit zum Gerichtssprengel Steinegg, wie Urkunden des 15. Jahrhunderts bezeugen („ad Gardaun in iurisdictione Stainegkh“ im Jahr 1426; „im Gardaun im gericht Stainegkh“ 1490).[5] Im gleichen Zusammenhang ist 1490 auch das Ortsried Unterkardaun (Vnndergardaun) belegt.[5]

Die Maria-Hilf-Kirche im Dorf wurde um 1700 erbaut, 1875 vergrößert und 1944 aufgrund der Bombardierung der Brennerbahnlinie im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt; ihr wurde in der Nachkriegszeit eine an erhöhter Position nach Entwurf von Erich Pattis neu errichtete Pfarrkirche zur Seite gestellt (mit Fassadenfresko des Hl. Wolfgang von Johann Baptist Oberkofler).[6]

Im 19. und 20. Jahrhundert befand sich in Kardaun eine Porzellanfabrik, die die Lehmvorkommen des Gebiets nutzte.[7]

Infrastruktur

Verkehr

Wasserkraftwerk Kardaun

Neben Kardaun befindet sich die Brennerautobahn, die Brennerstaatsstraße und die Brennerbahn, welche durch den 1990 gebauten Kardauntunner verläuft. Knapp östlich des Ortszentrums nimmt die das Eggental erschließende SS 241 ihren Anfang. Zudem führt die Radroute 1 „Brenner–Salurn“ vorbei, die bei Kardaun als Radkunstweg „Augenreise“ gestaltet ist.

Unternehmen

Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich das Laufwasserkraftwerk Kardaun, welches seit dem 25. August 1929 in Betrieb ist und eine mittlere Jahresproduktion von 620 GWH aufweist. Es ist das einer der größten Kraftwerke seiner Art in Südtirol.[8]

Zudem gibt es in Kardaun einige Unternehmen der Lebensmittelindustrie.

Persönlichkeiten

  • Waltraud Gebert-Deeg (* 1928 in Kardaun; † 1988 in Bruneck), Politikerin der Südtiroler Volkspartei und Mitglied der Landesregierung

Literatur

  • Hans Rottensteiner: Gemeinde Karneid: Steinegg, Gummer, Karneid, Kardaun und Blumau (Südtiroler Gebietsführer 11). Bozen: Athesia 1977.
Commons: Kardaun – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Gemeinde Karneid: Karneid. Abgerufen am 21. Mai 2026 (österreichisches Deutsch).
  2. Karneid | Gemeindeinformation. Abgerufen am 21. Mai 2026.
  3. Max Schrott: Liber testamentorum Conventus Neocellensis (Geschichtsquellen des Etschlandes 1). Bozen 1967, Nr. 143.
  4. Christian Schneller: Beiträge zur Ortsnamenkunde Tirols. Hrsg.: Zweigverein der Leo-Gesellschaft für Tirol und Vorarlberg. Verlag der Vereinsbuchhandlung, Innsbruck 2017.
  5. a b Hannes Obermair: Bozen Süd – Bolzano Nord. Schriftlichkeit und urkundliche Überlieferung der Stadt Bozen bis 1500. Band 2. Stadtgemeinde Bozen, Bozen 2008, ISBN 978-88-901870-1-8, S. 67 f. Nr. 972 und S. 208 Nr. 1267.
  6. Josef Weingartner: Die Kunstdenkmäler Südtirols. Band 2: Bozen und Umgebung, Unterland, Burggrafenamt, Vinschgau. 7. Auflage, bearb. von Magdalena Hörmann-Weingartner. Bozen-Innsbruck-Wien: Athesia-Tyrolia 1991. ISBN 88-7014-642-1, S. 109–110.
  7. Traudl Oberrauch-Wittig, Klaus-Jürgen Wittig: Zur Chronologie der Porzellanfabrik von Ignaz Kircher in Kardaun bei Bozen. In: Der Schlern 71, 1997, S. 139–154.
  8. Wasserkraftwerk Kardaun | Alperia. Abgerufen am 21. Mai 2026.

Koordinaten: 46° 30′ N, 11° 24′ O

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