Die Kantonsschule Olten, auch Kantonsschule Hardwald genannt, ist eine kantonale Mittelschule in der Schweizer Stadt Olten. Ihr Bildungsangebot umfasst ein Gymnasium, eine Fachmittelschule, ein Progymnasium (Sekundarschule P) und einen Vorkurs für die Pädagogische Hochschule.[1]
Der Betonbau aus den Jahren zwischen 1968 und 1974 gehört zu den schützenswerten Bauten des Kantons Solothurn und zählt gemäss dem Solothurner Denkmalpfleger Stefan Blank «zu den bedeutendsten Werken der Nachkriegsmoderne im Kanton Solothurn».[2]
Die Kantonsschule liegt 10 Minuten vom Bahnhof Olten entfernt in einer Lichtung des Hardwaldes. Die Formung des ansteigenden Geländes widerspiegelt sich im Grundriss und Schnitt des Gebäudes.[3]
Architektur
In den Untergeschossen wurde das in zwei Trakte gegliederte Gebäude in Ortbeton, in den oberen Geschossen in vorfabrizierter Bauweise erstellt. Dabei wurde es in glattem, rauem Sichtbeton sowie rostbraunem Corten-Stahl materialisiert. Freitreppen sowie Terrassen verbinden die verschiedenen Niveaus.[4]
Die Kantonsschule Olten ist im 2013 erstellten und publizierten Inventar für schützenswerte Bauten von 1940 bis 1980 aufgeführt, da der Betonbau eines der bedeutendsten Werke der Nachkriegsmoderne im Kanton Solothurn ist.[5][2]
Kantonsschule Olten 2025, Ansicht von Südost.
Kunst
Kantonsschule Olten mit Plastik "Roter Schweizer" von Wilfrid Moser
Zu der künstlerischen Ausstattung der Kantonsschule Olten gehören folgende Kunstwerke:[6]
Eisenplastik von Oskar Wigglieine Plastik aus Corten-Stahl von Oscar Wiggli
Geschichte
Von der kantonalen Lehranstalt zur Kantonsschule Hardwald
Im Jahr 1929 fand im Kanton Solothurn die kantonale Gymnasialreform statt, worin der Gemeinderat von Olten, die Bezirksschulpflege und die Aufsichtskommission der Handels- und Verkehrsschule mit einer gemeinsamen Eingabe im Jahr 1930 auf die Einrichtung eines kantonalen Progymnasiums in Olten hofften. Obwohl der damalige Erziehungsdirektor Robert Schöpfer und auch sein Nachfolger Oskar Stampfli wohlwollend für die Eingabe gestimmt waren, geschah nichts. Eine erneute Eingabe 1936 führte dazu, dass ein Gesetz für die Einrichtung einer kantonalen Lehranstalt im unteren Kantonsteil verfasst wurde. Da der Kanton damals finanziell schlecht da stand und der Wunsch explizit von der Region Olten kam, musste sich die Stadt Olten finanziell an der damaligen kantonalen Lehranstalt und Handelsschule beteiligen.[7]
Trotzdem war seitens Olten nach wie vor der Wunsch nach einer eigenen Kantonsschule vorhanden. Die Bevölkerung der Region sah auch teilweise eine Benachteiligung gegenüber anderen Regionen. Daher reichte 1957 der damalige Rektor der Oltner Schulen, Arnold Kamber, im Solothurner Kantonsrat eine Motion für die Schaffung eines Maturitätszuges in Olten ein. Daraufhin arbeitete die Kantonsregierung ein Gesetz aus, welches 1960 das Volk im Kanton Solothurn annahm. Aufgrund der Raumverhältnisse wurde ein Neubau ins Auge gefasst und im Jahr 1963 stimmte das Solothurnervolk dem «Gesetz über die Kantonsschule Olten» zu. Dabei wurde der Vollausbau der damaligen kantonalen Lehranstalt zu einer Mittelschule mit sämtlichen Maturitätsabteilungen, der Handels- und Verkehrsschule und einem Unterseminar zum Auftrag.[8]
Im März 1962 erwarb der Kanton Bauland von der Bürgergemeinde Olten für die geplante Kantonsschule und der Kantonsrat beschloss im Februar 1964 einen Projektierungskredit von 500'000 Schweizer Franken. Am 2. Juli 1967 beschloss das Volk mit 16'655 Ja- zu 5'559 Nein-Stimmen den Bau-Kredit von rund 33 Millionen Schweizer Franken.[9] Die Badener Architekten Marc Funk und Hans Ulrich Fuhrimann gewannen 1962/1963 den Architektur-Wettbewerb und durften das Gebäude planen.[10] Im Jahr 1969 erfolgte beim Hardwald der Spatenstich. Am 24. April 1973 konnte die neu gebaute Schulanlage bezogen werden. Im Oktober 1973 folgte das Hallenbad, welches mit einem zusätzlichen, durch das Volk am 7. Februar 1971 bewilligten Baukredit ermöglicht wurde.[9] Die Kantonsschule Hardwald wurde am 15. Juni 1974 feierlich eröffnet.[11]
Gesamtsanierung 2016–2022
Nachdem der Solothurner Kantonsrat Ende 2012 grünes Licht für eine Gesamtsanierung gab, wurde am 27. Juni 2016 mit den Bauarbeiten angefangen.[12] Die Renovation der Fassade und die Sanierung des zur Schule gehörigen Hallenbads wurden im Herbst 2017 abgeschlossen. Eine weitere Etappe galt dem Innenbau. Die ganze Sanierung lief parallel zum Schulbetrieb und wurde im Sommer 2022 abgeschlossen.[13][14][15] Die Kosten betrugen rund 85,8 Millionen Schweizer Franken.[16]
Veränderungen der Schulstrukturen
Eingestellte Schulformen: Im Laufe der Zeit wurden mehrere Bildungszweige abgeschafft. Dazu gehören die Handelsschule (1995), das Unterseminar (2001) und die Verkehrsschule (2003).
Eine wesentliche Neuerung war die Einführung der Diplommittelschule im Jahr 1991. Diese wurde 2004 zur Fachmittelschule umgestaltet, die gezielt auf Berufe im sozialen, pädagogischen und Gesundheitswesen vorbereitet.
Seit 2011 steht ein spezieller Vorkurs für Quereinsteiger zur Verfügung, der ihnen den Zugang zur Pädagogischen Hochschule ermöglicht.
Das klassische, dreijährige Untergymnasium mit Lateinschwerpunkt wurde 2011 von der zweijährigen Sekundarschule P abgelöst. Das neue System spiegelt einen Wandel in den Präferenzen der Lernenden wider, die nunmehr mehrheitlich statt Latein das Wahlpflichtfach «Wissenschaft und Technik» wählen.[17]
Thomas Notz (Red): Kantonsschule Olten 2016-2022. Gesamtsanierung, Hochbauamt Kanton Solothurn/Kantonsschule Olten, Olten 2022
Unterschiedliche Autoren, Redaktion durch Peter André Bloch: Neubau Kantonsschule Hardwald Olten. Zur Einweihung. In: Oltner Neujahrsblätter. Band32, 1974, S.47–78, doi:10.5169/seals-658541.
Michael Hanak (Hrsg.): Baukultur im Kanton Solothurn 1940–1980 – Ein Inventar zur Architektur der Nachkriegsmoderne. Scheidegger & Spiess, Zürich 2013, ISBN 978-3-85881-394-7, S.86–89.
Thomas Notz: Kantonsschule Olten 1974-2022. Beton lebt!, Hochbauamt Kanton Solothurn/Kantonsschule Olten, Olten 2022
↑Michael Hanak (Hrsg.): Baukultur im Kanton Solothurn 1940–1980 – Ein Inventar zur Architektur der Nachkriegsmoderne. Scheidegger & Spiess, Zürich 2013, ISBN 978-3-85881-394-7, S.55 & 87.
↑ abMax Jeltsch: Daten der Planung und der Bauarbeiten. In: Oltner Neujahrsblätter. Band32, 1974, S.56, doi:10.5169/seals-658543.
↑Michael Hanak (Hrsg.): Baukultur im Kanton Solothurn 1940–1980 – Ein Inventar zur Architektur der Nachkriegsmoderne. Scheidegger & Spiess, Zürich 2013, ISBN 978-3-85881-394-7, S.87.
↑Bruno Colpi, Erich Meyer: 1938-1988. 50 Jahre Gymnasium Olten. Walter-Verlag, Olten 1988, S.86.