Kamjanez-Podilskyj

Kamjanez-Podilskyj
Кам'янець-Подільський
Wappen von Kamjanez-Podilskyj
Kamjanez-Podilskyj (48° 40′ 40″ N, 26° 35′ 14″O)
Kamjanez-Podilskyj
Basisdaten
Oblast:Oblast Chmelnyzkyj
Rajon:Kreisfreie Stadt
Höhe:360 m
Fläche:26 km²
Einwohner:101.728 (1. Januar 2015)
Bevölkerungsdichte:3.913 Einwohner je km²
Postleitzahlen:32318
Vorwahl:+380 3849
Geographische Lage:48° 41′ N, 26° 35′ O
KOATUU:6822400000
Verwaltungsgliederung:1 Stadt
Bürgermeister:Mychajlo Possitko
Adresse:Майдан Відродження 1
32300 м. Кам’янець-Подільський
Website:http://kam-pod.gov.ua
Statistische Informationen
Kamjanez-Podilskyj (Oblast Chmelnyzkyj)
Kamjanez-Podilskyj (48° 40′ 40″ N, 26° 35′ 14″O)
Kamjanez-Podilskyj
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Kamjanez-Podilskyj (ukrainisch Кам'янець-Подільський; russisch Каменец-ПодольскийKamenez-Podolski, rumänisch Cameniţa, polnisch Kamieniec Podolski) ist eine Stadt in der westukrainischen Oblast Chmelnyzkyj mit 93.300 Einwohnern (2004). Die Stadt liegt in der historischen Region Podolien.

Lage

Französische Karte von 1691 mit Stadt und Festung. Gut zu erkennen ist, wie beide durch einen Seitenarm des Flusses Smotrytsch umflossen werden

Kamjanez-Podilskyj liegt etwa 20 km nordöstlich von Chotyn in einer landschaftlich reizvollen und strategisch außergewöhnlichen Lage. Der Fluss Smotrytsch mäandert hier etwa 60 m tief eingeschnitten in den Kalkstein der podolischen Platte. Einer dieser Mäander umschließt einen ca. 700 × 500 m großen Umlaufberg, auf dem mit Unterstützung von Befestigungsmauern die Altstadt errichtet wurde. Der Zugang zu dieser strategisch so günstig liegenden Stadt wurde zusätzlich durch den Bau einer Festung gesichert. Heute verbindet eine moderne Brücke die Altstadt mit der im Osten nahezu im Schachbrettmuster errichteten Neustadt.

In der Festung begann am 20. Mai 1784 die erste Ballonfahrt in Osteuropa.

Geschichte

Kamjanez-Podilskyj ist eine der ältesten Städte der Ukraine. Das genaue Alter der Stadt lässt sich nicht angeben. In Chroniken wird der Ort schon im Jahr 1106 als Stadt erwähnt. Vom 14. bis zum 18. Jahrhundert erlebte Kamjanez eine Aufschwung- und Blütezeit. Ab 1373 stand sie unter polnischer Herrschaft als Sitz der Woiwodschaft Podolien; von 1672 bis 1699 gehörte die Stadt zum Osmanischen Reich. Seit dem 14. Jahrhundert war Kamjanez eine der bedeutendsten polnischen Festungen in der Ukraine. Bei der zweiten Teilung Polens kam Kamjanez 1793 zum Russischen Reich und war Hauptstadt des Gouvernements Podolien. 1918 wurde hier die Nationale Iwan-Ohijenko-Universität als erste ukrainische Universität gegründet und 1919 war die Stadt Interimssitz der Ukrainischen Nationalregierung. Seit Ende 1922 gehörte die Ukrainische SSR zur Sowjetunion.

Ende August 1941 ermordeten SS-Einsatzgruppen beim Massaker von Kamenez-Podolsk mehr als 23.000 Juden. 1944 litt die Stadt in der Kesselschlacht von Kamenez-Podolski. Bei der Einkreisung der deutschen 1. Panzerarmee hatte die Rote Armee die Stadt erobert; sie wurde dann aber von den Deutschen zurückerobert, bevor der Kessel nach Westen „wanderte“. Der Entlastungsstoß des aus Frankreich herangeführten II. SS-Panzerkorps (9. SS-Panzer-Division „Hohenstaufen“ und 10. SS-Panzer-Division „Frundsberg“) kam aus dem Raum Stanislau, das noch bis Juni 1944 von den Deutschen gehalten wurde.[1] Erst nach Kriegsende konnte der Wiederaufbau der Stadt beginnen. Die Stadt trug bis dahin den russischen Namen Kamenez-Podolsk/Каменец-Подольск, am 9. August 1944 wurde sie dann per Ukas in Kamenez-Podolski/Kamjanez-Podilskyj umbenannt.[2]

Die Einwohnerschaft von Kamjanez wurde im Wesentlichen von vier Bevölkerungsgruppen bestimmt: Polen, Ukrainern, Armeniern und Juden. Jede Bevölkerungsgruppe hatte bestimmte Wohnquartiere und hinterließ Spuren in der gesamten Stadtarchitektur. In der Blütezeit der Stadt soll es über 30 Kirchen und Klöster gegeben haben. Viele sind oder werden restauriert.

Sehenswürdigkeiten

  • Verkündigungskirche im armenischen Viertel aus dem 13. Jahrhundert,
  • Peter-und-Paul-Kathedrale aus dem Jahre 1370 (heutiges Aussehen aus dem 16. Jh.) ist katholischer Bischofssitz, Davor steht ein zu einer Mariensäule umgewidmetes Minarett aus der Zeit der Türkenherrschaft.
  • Kreuzerhöhungskirche am Ufer des Smotrytsch, Holzkirche aus dem Jahr 1700 – eine der bedeutendsten Holzkirchen Podoliens
  • Festung aus dem 16. Jahrhundert
  • Triumphbogen zu Ehren des polnischen Königs Stanisław August bei dessen Besuch im Jahre 1781
  • Dominikanerkirche aus dem 15. Jh. mit Gotik-, Renaissance- und Barockelementen
  • mehrfach umgebautes Rathaus im ursprünglich gotischen Stil – ältestes öffentliches Gebäude am polnischen/ukrainischen Markt
  • die ehemalige Synagoge, die zu einem Restaurant umgebaut wurde

Städtepartnerschaften

Kamjanez unterhält eine Städtepartnerschaft mit der polnischen Stadt Kalisz.

Söhne und Töchter der Stadt

  • Jan de Witte (1709–1785), polnischer General und Architekt
  • Fürst Józef Zajączek (1752–1826), polnischer General und Politiker
  • Iwan Lutschyzkyj (1845–1918), ukrainisch-russischer Historiker und Hochschullehrer
  • Aleksander Michałowski (1851–1938), polnischer Pianist, Musikpädagoge und Komponist
  • Marc Rosenberg (1852–1930), russisch-deutscher Kunsthistoriker
  • Iossif Kotek (1855–1885), russischer Violinist und Geliebter Tschaikowskis
  • David Günzburg (1857–1910), russischer Orientalist
  • Cezaryna Wojnarowska (1861–1911), Sozialistin
  • Lidija Swjagina (1861–1943), ukrainisch-russische Kontra-Altistin und Gesangspädagogin
  • Karl Waegner (1864–1939), deutsch-russischer Unfallchirurg und Orthopäde
  • Maurice Fishberg (1872–1934), Anthropologe
  • Natalija Masepa-Sinhalewytsch (1882–1945), Bakteriologin
  • Serhij Dloschewskyj (1889–1930), klassischer Philologe, Archäologe und Hochschullehrer
  • Nikolai Tschebotarjow (1894–1947), sowjetischer Mathematiker
  • Moshe Stekelis (1898–1967), Archäologe
  • Israel Brandmann (1901–1993), jüdischer Komponist, Dirigent und Violinist
  • Mykola Baschan (1904–1983), Dichter, Publizist und Übersetzer klassischer Literatur
  • Wolodymyr Bjeljajew (1907–1990), sowjetischer Schriftsteller und Drehbuchautor
  • Sergei Gorschkow (1910–1988), sowjetischer Admiral und Marinestratege
  • Edward Statkiewicz (1921–1970), polnischer Geiger und Musikpädagoge
  • Mark Kopytman (1929–2011), israelischer Komponist und Musikpädagoge
  • Leonid Stein (1934–1973), sowjetischer Großmeister im Schach
  • Michail Alperin (1956–2018), Jazz-Pianist
  • Iryna Merleni (* 1982), Ringerin
  • Iryna Kindzerska (* 1991), Judoka

Siehe auch

Weblinks

Commons: Kamjanez-Podilskyj – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Militärgeschichtliches Forschungsamt, Freiburg im Breisgau
  2. УКАЗ от 9 августа 1944 года Об уточнении наименований городов: Тарнополь, Черновицы, Каменец-Подольск, Владимир-Волынск, Чертков Украинской ССР in der russischsprachigen Wikisource


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