Kambyses II.

Kambyses II. (persisch کمبوجیه Kambūdschīye [kʲæmbuːʤiˈɛ], altpersisch Kambūdschiya, griech. Καμβύσης Kambýsēs;[1] * um 558 v. Chr.; † Juli 522 v. Chr.) war Sohn des Kyros II., der als 7. achämenidischer König von 529 bis 522 v. Chr. regierte.[2]

Anfänge

Etwa ein Jahr nach dem festlichen Empfang von Kyros II. in Babylon starb Ugbaru[3] im Jahr 538 v. Chr. am 18. Oktober.[4] Nach dem Tod des Ugbaru setzte Kyros II. seinen Sohn Kambyses II. als Nachfolger ein[5] und verlieh ihm den Titel König von Babylon, während er selbst den übergeordneten Rang König der Länder führte.[6] Kassandane, die Gattin des Perserkönigs,[7] erlitt wenige Monate später das gleiche Schicksal wie Ugbaru und starb am 28. März 537 v. Chr.[8] Nach der angeordneten siebentägigen Staatstrauer begannen am 5. April 537 v. Chr.[9] die offiziellen Feierlichkeiten des babylonischen Neujahrsfests. Kambyses II., der anscheinend mit dem babylonischen Protokoll nicht vertraut war, erschien in Heereskleidung zur Begrüßung der babylonischen Gottheiten. Er löste damit einen Eklat aus, der die Priesterschaft brüskierte und beleidigte. Wahrscheinlich musste Kambyses II. deshalb bald darauf sein Amt dem Nachfolger Gobryas übergeben, der in der babylonischen Chronik offiziell ab 536 v. Chr. als Satrap von Babylon und der Transeuphratene geführt wurde.[10] Noch bevor Kyros II. einige Jahre später zu seinem letzten Feldzug aufbrach, bestimmte er – um die Thronfolge zu gewährleisten – Kambyses II. zu seinem Nachfolger. Er folgte seinem Vater im Juli/August 529 v. Chr. auf den persischen Königsthron.

Ägyptenfeldzug

Den Plan für einen Ägyptenfeldzug soll bereits Kyros II. gefasst haben. Angeblich ließ Kambyses II. 525 v. Chr. gemäß Herodot seinen jüngeren Bruder Bardiya vor dem Feldzug gegen Ägypten heimlich umbringen. Historische Belege für diese Annahme konnten bisher nicht erbracht werden. Historiker schließen deshalb die Möglichkeit nicht aus, dass sich diese Erklärungen auf Propaganda-Angaben des Dareios I. und dessen gewaltsame Aneignung des Throns beziehen.

Die ab 526 v. Chr. durchgeführten Kriegsvorbereitungen waren sorgfältig geplant. Dies kann daran abgelesen werden, dass Kambyses II. ein Bündnis mit Polykrates von Samos abschloss, dessen Bruder Syloson ein Flottenkontingent von Samos nach Ägypten führte, das allerdings meuterte. Angeblich war auch Kroisos als Berater am Feldzug beteiligt. Die Wasserversorgung für den Wüstenzug der Truppen wurde durch einen Vertrag mit den Arabern der Sinai-Halbinsel gesichert. Die Schlacht bei Pelusium im Mai 525 v. Chr. brachte den Sieg über die ägyptischen Grenztruppen. Die Hauptstadt Memphis mit der versammelten Flotte wurde nach einer kurzen Belagerung genommen.

Der Aufenthalt des Kambyses II. in Ägypten von nahezu drei Jahren lässt einigen Raum für Spekulationen. Nach Herodot führte er einen Feldzug nach Nubien durch. Dieser scheint Herodot zufolge erfolglos verlaufen zu sein, doch deuten archäologische Funde darauf hin, dass die Perser wenigstens im nördlichen Nubien einige Erfolge verbuchen konnten.[11]

Nach Herodot (3,1) heiratete er die – mindestens 40 Jahre alte – ägyptische Prinzessin Nitetis, wahrscheinlich die letzte Überlebende der saitischen Dynastie, um seinen Anspruch auf den ägyptischen Thron zu legitimieren.

Ende

Herodot berichtet, dass der Stellvertreter des Großkönigs in Persien, der Priester Gaumata, die heimliche Ermordung von Kambyses’ Bruder zur Thronübernahme nutzte und sich im März 522 v. Chr. als Bardiya (griech. Smerdis) ausgab. Nach dieser Empörung soll Kambyses den Rückzug aus Ägypten veranlasst haben. Auf dem Weg zurück nach Persien starb er in Syrien im Juli 522 v. Chr. an einer Beinverletzung, die er laut Herodot selbst verschuldet haben könnte:

„Als er (Kambyses) geweint und über sein ganzes Unglück geklagt hatte, da springt er auf sein Pferd, in der Absicht, schnellstens nach Susa gegen den Mager zu ziehen. Doch als er hinaufspringt, fällt ihm der Knauf von dem Schwertgriff ab, und das blanke Schwert dringt ihm in den Schenkel.“

Herodot (3,64)

Für die Berichte Herodots fehlen jedoch historische Belege. Möglich ist daher auch, dass es wirklich der echte Bardiya war, der sich gegen seinen Bruder erhob. Kambyses’ Nachfolger wurde sein Lanzenträger Dareios, der Bardiya durch einen Aufstand mit verbündeten Heerführern ermorden ließ und wenig später die Halbschwester seines Vorgängers, Atossa, heiratete.

Literarische Rezeption

Spätestens seit Herodot galt Kambyses in der antiken Literatur als Inbegriff des tyrannischen Herrschers.[12] Im spätantiken koptischen Kambysesroman etwa wird Kambyses als grausam, feige und hinterlistig geschildert und dem ebenfalls als gottlosem Despoten verrufenen babylonischen König Nebukadnezar II. gleichgesetzt.[13] Dem historischen Kambyses entsprechen solche Darstellungen (späterer Quellen) wohl nicht.

Stammbaum des Kambyses II.

 
 
Achaimenes
1. König, Regent von Persien
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Teispes
2. König, Regent von Persien
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Ariaramna I.
3. König, Regent der Persis
 
Kyros I.
4. König, Regent von Anschan
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Arschama I.
Regionalregent
 
Kambyses I.
5. König, Regent von Anschan
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Hystaspes
Prinz
 
Kyros II.
6. König, Regent von Persien
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Dareios I.
9. König, Regent von Persien
 
Kambyses II.
7. König, Regent von Persien
 
Bardiya
8. König, Regent von Persien
(oder Gaumata als Smerdis)
 
Artystone
Prinzessin
 
Atossa
Prinzessin
 
Roxane
Prinzessin
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Xerxes I.
10. König, Regent von Persien
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Artaxerxes I.
11. König, Regent von Persien
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Verheiratet war er mit seinen Halbschwestern Atossa und Roxane († 523 v. Chr. in Ägypten an einer Fehlgeburt) sowie der genannten Nitetis. Er hinterließ keine Kinder.

Siehe auch

Literatur

  • Leo Depuydt: Saite and Persian Egypt, 664 BC–332 BC (Dyns. 26–31, Psammetichus I to Alexander’s Conquest of Egypt). In: Erik Hornung, Rolf Krauss, David A. Warburton (Hrsg.): Ancient Egyptian Chronology (= Handbook of Oriental studies. Section One. The Near and Middle East. Band 83). Brill, Leiden/Boston 2006, ISBN 978-90-04-11385-5, S. 265–283 (Online).
  • Heidemarie Koch: Achämeniden-Studien, Harrassowitz, Wiesbaden 1993, ISBN 3-447-03328-2
  • Otto Kaiser, Bernd Janowski, Gernot Wilhelm, Daniel Schwemer (Hrsg.): Texte aus der Umwelt des Alten Testaments. Band 1 – Neue Folge -, Gütersloh 2004, ISBN 3-579-05289-6
  • Thomas Schneider: Lexikon der Pharaonen. Albatros, Düsseldorf 2002, ISBN 3-491-96053-3, S. 142–143.
  • Josef Wiesehöfer: Das antike Persien 550 v. Chr bis 650 n. Chr. Patmos, Düsseldorf 2005, ISBN 3-491-96151-3
  • Karen Engelken: KAMBYSES. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 3, Bautz, Herzberg 1992, ISBN 3-88309-035-2, Sp. 992–999.

Weblinks

Commons: Kambyses II. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. Wilhelm Gemoll, Karl Vretska, Heinze Kronasser: Griechisch-Deutsches Schul- und Handwörterbuch. 9. Auflage, G. Freytag, München; Hölder-Pichler-Tempsky, Wien; beide 1979, S. 406 linke Spalte.
  2. Konrat Ziegler, Walther Sontheimer: Der kleine Pauly. Band 3: Iuppiter bis Nasidienus. Druckenmüller, Stuttgart 1969, Sp. 418.
  3. In der Literatur wird auch die Angabe kurz danach verwendet und das Jahr 539 v. Chr. angesetzt. Rüdiger Schmitt verweist jedoch in der Encyclopædia Iranica [1] auf die Möglichkeit von einem Jahr. Die Chronologie der Nabonaid-Chronik setzt entsprechend auch eine einjährige Amtsdauer an.
  4. Gemäß Nabonaid-Chronik in der Nacht des 11. Arahsamna. Im proleptischen julianischen Kalender 538 v. Chr. fiel der 11. Arahsamna auf den 25. Oktober und der Frühlingsanfang auf den 28. März. In Umrechnung auf den heutigen gregorianischen Kalender müssen daher 7 Tage in Abzug gebracht werden. Berechnungen nach Jean Meeus: Astronomische Algorithmen – Anwendungen für Ephemeris Tool 4,5, Barth, Leipzig 2000 und Ephemeris Tool 4,5 Umrechnungsprogramm.
  5. Hubert Cancik: Der Neue Pauly (DNP) – Enzyklopädie der Antike. Band 6, Metzler, Stuttgart 2003, S. 219.
  6. Dietz-Otto Edzard: Reallexikon der Assyriologie und vorderasiatischen Archäologie (RLA). Band 6, Berlin 1983, S. 402.
  7. Herodot, Historien 2, 1; 3, 2.
  8. Gemäß Nabonaid-Chronik am 26. Adaru. Im proleptischen julianischen Kalender 537 v. Chr. fiel der 26. Adaru auf den 4. April und der Frühlingsanfang auf den 28. März. In Umrechnung auf den heutigen gregorianischen Kalender müssen daher 7 Tage in Abzug gebracht werden. Berechnungen nach Jean Meeus: Astronomische Algorithmen – Anwendungen für Ephemeris Tool 4,5, Barth, Leipzig 2000 und Ephemeris Tool 4,5 Umrechnungsprogramm.
  9. Gemäß Nabonaid-Chronik am 4. Nisanu (8 Tage nach dem Todesdatum der Kassandane).
  10. Nach Urkunden im 4. Regierungsjahr von Kyros II., vgl. dazu Hubert Cancik: Der Neue Pauly (DNP) – Enzyklopädie der Antike. Band 4, Metzler, Stuttgart 2003, S. 1126. Ein genaues Datum wird in der Chronik nicht genannt. Nach babylonischer Zählung der Regierungsjahre wird das gesamte Jahr dem alten Amtsinhaber zugeschlagen, auch wenn er nicht das volle Jahre regiert hat. Die Amtsübergabe an Gobryas erfolgte im Laufe des Jahres 537 v. Chr.; die Nennung als neuer Amtsinhaber wurde dann offiziell ab 536 v. Chr. chronologisch vermerkt.
  11. Pierre Briant: From Cyrus to Alexander. Winona Lake 2002, S. 54f.
  12. Truesdell S. Brown: Herodotus’ Portrait of Cambyses. In: Historia 31/4, 1982, S. 387–403; John Dillery: Cambyses and the Egyptian Chaosbeschreibung Tradition. In: The Classical Quarterly 55/2, 2005, S. 387–406.
  13. Alan B. Lloyd: Cambyses in late tradition. In: Christopher Eyre, Anthony Leahy, Lisa Montagno Leahy (Hrsg.): The Unbroken Reed. Studies in the Culture and Heritage of Ancient Egypt in Honour of A. F. Shore, London 1994, S. 195–204; S. 196.
VorgängerAmtNachfolger
Kyros II.Persischer König
529–522 v. Chr.
Dareios I.
Psammetich III.Pharao von Ägypten
27. Dynastie
Dareios I.
Kyros II.König von Babylonien
538–537 v. Chr. (Amtsenthebung)
unklar, ob Kyros II. den Titel wieder übernahm