Jungheinrich
| Jungheinrich Aktiengesellschaft | |
|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft |
| ISIN | DE0006219934 |
| Gründung | 7. August 1953 |
| Sitz | Hamburg, |
| Leitung |
|
| Mitarbeiterzahl | 21.438 (2025)[1] |
| Umsatz | 5,5 Mrd. Euro (2025)[1] |
| Branche | Intralogistik, Maschinenbau |
| Website | jungheinrich.de |
| Stand: 31. Dezember 2025 | |

Die Jungheinrich Aktiengesellschaft mit Sitz in Hamburg ist ein börsennotiertes deutsches Unternehmen in der Flurförderzeug-, Lager- und Materialflusstechnik. In diesen Segmenten rangiert das Unternehmen weltweit auf Platz drei (nach Toyota Industries und Kion), in Europa auf dem zweiten Platz.
Die Hauptverwaltung befindet sich in Hamburg-Wandsbek, wo das Unternehmen Anfang 2016 einen eigenen Neubau bezog.[2][3] Der Entwurf stammt von den Hamburger Architekten Prof. Klaus Sill & Assoziierte, bauausführend war als Generalunternehmer die MBN Bau AG, Georgsmarienhütte.[4]
Geschichte
Friedrich Jungheinrich gründete am 7. August 1953 die H. Jungheinrich & Co. Maschinenfabrik in Hamburg. Die erste Filiale im Ausland wurde 1956 in Österreich eröffnet. 1958 wurde die Unternehmenszentrale mit Werk in Hamburg-Wandsbek in Betrieb genommen. Unter dem Namen „Ameise GmbH“ mit Sitz in Aarau wurde am 11. Juli 1960 die heutige Jungheinrich AG als schweizerische Tochtergesellschaft gegründet.[5] Ein Gelände in Friedrichsgabe im heutigen Norderstedt wurde 1966 erworben und die Produktion von Hamburg schrittweise bis 1984 dorthin verlagert. Der Unternehmensgründer Friedrich Jungheinrich starb am 28. Januar 1968. 1974 startete das Miet- und Gebrauchtgerätegeschäft mit eigener Organisation. 1989 entstand der Neubau des Werks Lüneburg. Die ersten osteuropäischen Filialen wurden 1991 in Tschechien und Ungarn gegründet.
1994 erwarb Jungheinrich die Steinbock und Boss Group.[6] Die Produktionsstätten in Frankreich, Großbritannien und Spanien wurden geschlossen und die Produktion nach Deutschland verlagert. 2002 wurden die Konzernmarken MIC, Steinbock und Boss aufgegeben und seitdem Geräte nur noch unter dem Markennamen Jungheinrich verkauft. 2004 wurde die Dr.-Friedrich-Jungheinrich-Stiftung gegründet.[7] Sie fördert Stipendien für Studenten im Hauptfach Maschinenbau oder Wirtschaftsingenieurwesen. Das Unternehmen präsentierte 2005 den weltweit ersten Gabelstapler mit Drehkabine.[8]
Im Jahr 2006 eröffnete ein Montagewerk im chinesischen Qingpu bei Shanghai. Hier werden elektrobetriebene Deichselhubwagen montiert. Die gefertigten Niederhub- und Hochhubwagen dienen der Versorgung des Jungheinrich-Vertriebs in China und des asiatischen Marktes. Ebenfalls 2006 nahm das Gebrauchtgeräte-Zentrum Dresden zur Wiederaufbereitung von Gebrauchtgeräten den Betrieb auf. Im Jahr 2009 nahm Jungheinrich in seinem neuen Werk in Landsberg in Sachsen-Anhalt die Produktion von Elektro-Niederhubwagen auf.[9] 2013 wurden in Moosburg an der Isar ein Werk für Lager- und Systemfahrzeuge,[10] in Kaltenkirchen das neue Zentrallager für Ersatzteile[11] und in Qingpu das neue Werk für Flurförderzeuge für die Region Asia-Pacific eingeweiht,[12] Anfang Oktober 2015 ein neues Ersatzteillager am Standort Kuzayevo bei Moskau in Betrieb genommen, das 2022 aufgelöst wurde. Dieses wurde vom Logistikdienstleister Kühne + Nagel Kontrakt-Logistik betrieben und sollte nicht nur Jungheinrich-Kunden in Russland, sondern auch in dessen Anliegerstaaten mit Ersatzteilen versorgen.[13]
Des Weiteren übernahm das Unternehmen Ende 2015 die Münchner MIAS Group, die sich auf Maschinenbau in der Lagerlogistik spezialisiert hat. Im Jahr 2019 gründet Jungheinrich gemeinsam mit der Triathlon GmbH das Joint Venture „JT Energy Systems“ für die Weiterverwendung und Wiederaufbereitung von Lithium-Ionen-Batterien.[14] Seit den 2020er Jahren baut das Unternehmen seine Aktivitäten im Bereich der Lagerautomatisierung und Robotik aus. Dazu zählen die Beteiligung am Robotikunternehmen Magazino GmbH im Jahr 2020[15], die Übernahme des Robotikunternehmens arculus GmbH im Jahr 2021[16] sowie die vollständige Übernahme der Magazino GmbH im Jahr 2023[17]. Zuletzt erweiterte das Unternehmen den Direktvertrieb mit der Eröffnung der neuseeländischen Vertriebsgesellschaft.[18] Anfang des Jahres 2023 baute Jungheinrich die Präsenz im nordamerikanischen Markt durch die Übernahme der Storage Solutions Gruppe aus Indiana (USA) aus.[19]
In 2025 hat Jungheinrich Maßnahmen zur Anpassung der Unternehmensstruktur bekanntgegeben.[20] Im Rahmen dieses Restrukturierungsprogramms wurde auch die Schließung des Werks in Lüneburg angekündigt, die zum 31. März 2027 abgeschlossen sein soll. Aufgrund des mit der Schließung verbundenen Abbaus von 160 Stellen kam es zu einem mehr als 80 Tage andauernden Streik, bis zwischen der Gewerkschaft IG Metall und dem Unternehmen eine Einigung erzielt wurde.[21] Die russische Tochtergesellschaft Jungheinrich Lift Truck OOO mit Sitz in Moskau wurde am 13. Februar 2026 an einen Investor verkauft, nachdem der Geschäftsbetrieb in Folge von Sanktionen aufgrund des russischen Angriffs gegen die Ukraine in 2022 bereits weitgehend eingeschränkt war.[22] Aufgrund der russischen Regeln über ausländische Investitionen lag der Verkaufspreis deutlich unter dem ursprünglichen Buchpreis.[23]
Börsennotierung
Im Jahr 1990 verschmolzen die inländischen Gesellschaften, anschließend firmierten sie in einer Aktiengesellschaft, die mit Vorzugsaktien an die Börse ging und am 30. August 1990 zum ersten Mal notiert wurde. Die Stammaktien, und somit die unternehmerische Kontrolle, liegt weiterhin bei den Familien der beiden Töchter des Unternehmensgründers. Die Jungheinrich-Aktie ist im SDAX gelistet.[24]
Produkte und Dienstleistungen


Jungheinrich bietet Produkte und Dienstleistungen für die Intralogistik an. Das Angebot umfasst Flurförderzeuge, Automatisierungslösungen, Serviceleistungen sowie den Versandhandel für Betriebs- und Lagerausstattung.
Flurförderzeuge
Das Unternehmen entwickelt und produziert elektrische Flurförderzeuge für den innerbetrieblichen Materialtransport. Das Produktportfolio umfasst unter anderem[25]:
- Hubwagen
- Kommissionierstapler
- Schubmaststapler
- Hochregalstapler
- Gabelstapler
- Elektro-Schlepper
- Routenzug-Anhänger
Das wohl bekannteste Produkt ist die „Ameise“. Sie ist ein eingetragenes Warenzeichen der Jungheinrich PROFISHOP AG & Co. KG und wird häufig als Synonym für Hand- oder Elektro-Hubwagen benutzt.[26]
Seit 2025 vertreibt Jungheinrich Produkte zusätzlich unter der Marke "antON by Jungheinrich". Diese Produkte werden im Rahmen einer Partnerschaft mit dem chinesischen Hersteller EP Equipment angeboten.[27]
Automatisierung und Lagerlösungen
Jungheinrich entwickelt und integriert Automatisierungslösungen für Lager und Distributionszentren. Das Angebot in diesem Bereich umfasst
- automatisierte Flurförderzeuge,
- autonome mobile Roboter (AMR),
- Regalbediengeräte,
- automatische Kleinteilelager,
- Fördertechnik sowie
- Lagerverwaltungs- und Materialflusssoftware
Durch die Übernahme verschiedener Automatisierungs- und Robotikunternehmen, darunter Magazino[17], arculus[16], Storage Solutions[19] und Invar[28] hat das Unternehmen sein Angebot in diesem Bereich deutlich erweitert.
Weiterhin umfasst das Portfolio intralogistische Gesamtlösungen, sowohl Neuplanung als auch Optimierung bestehender Lager. Die Palette reicht von der Analyse über Planung, Projektierung und Realisierung bis zum Kundendienst und ist für alle Automationsgrade möglich. Die Jungheinrich AG bietet hierfür sowohl manuelle Lagersysteme mit einem Warehouse Management System (WMS), Datenfunkdienstleistungen und Datenfunkequipment als auch vollautomatische Lagersysteme mit Regalbediengeräten an.
Service- und Finanzdienstleistungen
Jungheinrich betreibt ein internationales Servicenetzwerk mit über 6.100 Technikern weltweit[29]. Zu den Servicedienstleistungen zählen alle Tätigkeiten aus dem Bereich der Instandhaltung, wie Reparaturen, Wartungen und Sicherheitsprüfungen aber auch die Ersatzteilversorgung. Mit einem Umsatzanteil von rund 30 % spielt der Kundendienst eine bedeutende Rolle für den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens[30].
Ergänzend hierzu bietet das Unternehmen Schulungen, Flottenmanagement, Energieberatung sowie Finanzierungs-, Leasing- und Mietkaufmodelle an.
Versandhandel
Über die Tochtergesellschaft Jungheinrich PROFISHOP AG & Co. KG betreibt Jungheinrich seit 2006 einen B2B fokussierten Online-Versandhandel für Intralogistik-Lösungen, Betriebs- und Lagerausstattung und Material Handling.[31] Das Sortiment umfasst über 100.000 Artikel aus den Bereichen Stapeln und Heben, Transport, Lager, Betriebs- und Büroausstattung, Werkstatt, Arbeitsschutz und Umwelt. Der Shop richtet sich primär an Gewerbetreibende aus Industrie, Handel und Handwerk, steht aber auch Privatpersonen offen.
Der Jungheinrich PROFISHOP ist heute in mehreren europäischen Ländern aktiv, darunter Deutschland, Österreich und die Schweiz.[32][33][34][35][36][37][38][39][40] Neben Produkten der Marke Jungheinrich und der Marke „Ameise“ werden auch Artikel weiterer Exklusiv-Marken wie Steinbock und Hemmdal sowie Produkte von Drittanbietern angeboten.
Standorte

Jungheinrich ist weltweit in über 40 konzerneigenen Vertriebs- und Servicegesellschaften vertreten. Darüber hinaus ist Jungheinrich über Händler, insbesondere in den Überseemärkten, präsent. Der Konzern ist insgesamt in rund 120 Ländern aktiv; er betreibt ein Logistikzentrum für Osteuropa in Bratislava und ein Montagewerk in Qingpu in der Volksrepublik China.
Deutschland
- Hamburg, Konzernzentrale
- Norderstedt, Produktion
- Lüneburg, Produktion – Schließung 2027[41]
- Moosburg an der Isar, Produktion, Planung und Realisierung von Gesamtsystemen
- Klipphausen, Gebrauchtgeräte-Zentrum Dresden
- Kaltenkirchen, Zentrallager Ersatzteile
- Landsberg (bei Halle), Produktion
- München, Produktion
In Deutschland werden 2 Vertriebszentren in mit insgesamt 23 Niederlassungen betrieben.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b Bundesanzeiger: Konzernabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2024 bis zum 31.12.2024, abgerufen am 13. Februar 2026.
- ↑ Jungheinrich baut neue Unternehmenszentrale. Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 8. November 2019; abgerufen am 8. November 2019.
- ↑ Heiner Schmidt: Jungheinrich eröffnet neue Zentrale in Wandsbek. In: abendblatt.de. Abgerufen am 26. November 2017.
- ↑ Grundsteinlegung: Jungheinrich baut neue Unternehmenszentrale – Jungheinrich. In: jungheinrich.de. 15. August 2014, abgerufen am 26. November 2017.
- ↑ Geschichte Jungheinrich Schweiz AG. Abgerufen am 14. Oktober 2019.
- ↑ Lancer Boss 'forced under'. 12. Juni 1994, abgerufen am 8. November 2019 (englisch).
- ↑ Jungheinrich Stiftung • Dr. Friedrich Jungheinrich-Stiftung. Abgerufen am 25. Januar 2023 (deutsch).
- ↑ Jungheinrich präsentiert weltweit ersten Drehkabinenstapler - Archiv - www.flurfoerderzeuge.de. Archiviert vom am 8. November 2019; abgerufen am 8. November 2019.
- ↑ Die Jungheinrich-Story: unsere Geschichte. Abgerufen am 8. November 2019.
- ↑ Jungheinrich eröffnet Werk für Lager- und Systemfahrzeuge ( vom 29. Januar 2016 im Internet Archive), Pressemitteilung vom 27. November 2013
- ↑ Jungheinrich eröffnet neues Ersatzteilzentrum ( vom 29. Januar 2016 im Internet Archive), Pressemitteilung vom 6. September 2013
- ↑ Jungheinrich eröffnet neues Werk in China ( vom 9. März 2016 im Internet Archive), Pressemitteilung vom 8. August 2013
- ↑ Gabelstapler: Jungheinrich baut auf Russland. Abgerufen am 8. November 2019.
- ↑ Strategische Investition in Lithium-Ionen-Technologie. Abgerufen am 9. März 2023 (deutsch).
- ↑ Jungheinrich beteiligt sich an Robotik-Start-up Magazino. Abgerufen am 9. März 2023 (deutsch).
- ↑ a b arculus wird neues Mitglied in der Jungheinrich Familie. Abgerufen am 9. März 2023 (deutsch).
- ↑ a b Jungheinrich übernimmt Robotik-Unternehmen Magazino. Abgerufen am 13. Juni 2026 (deutsch).
- ↑ Jungheinrich erweitert Direktvertrieb. Abgerufen am 9. März 2023 (deutsch).
- ↑ a b Jungheinrich AG erwirbt Storage-Solutions-Gruppe. Abgerufen am 9. März 2023 (deutsch).
- ↑ Ad-hoc-Meldung: Transformationsprogramm beschlossen, Anpassung der Prognose für das Geschäftsjahr 2025. Abgerufen am 13. Juni 2026 (deutsch).
- ↑ ndr.de: Gabelstapler-Hersteller schließt Produktion - 160 Beschäftigte verlieren ihren Arbeitsplatz. Abgerufen am 13. Juni 2026.
- ↑ Jungheinrich schließt Verkauf von russischer Tochtergesellschaft ab. Abgerufen am 13. Juni 2026 (deutsch).
- ↑ Esra Laubach: Jungheinrich-Aktie unter Druck: Russland-Exit kostet Millionen. In: FINANCE. 21. Juli 2025, abgerufen am 13. Juni 2026.
- ↑ STOXX Announces Scheduled Adjustments to DAX Blue-Chip Indices. In: ISS STOXX. 3. Juni 2026, abgerufen am 22. Juni 2026 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Stapler & Flurförderzeuge. Abgerufen am 9. März 2023 (deutsch).
- ↑ Florian Langenscheidt (Hrsg.): Deutsche Standards: Marken des Jahrhunderts. Die Königsklasse deutscher Produkte und Dienstleistungen in Wort und Bild – von Aspirin bis Zeiss. 15., neubearb. Auflage. Deutsche Standards EDITIONEN, Köln 2006, ISBN 3-8349-0436-8, S. 260.
- ↑ Start für die neue Marke „AntOn by Jungheinrich“. Abgerufen am 13. Juni 2026 (deutsch).
- ↑ Jungheinrich expands U.S. market activities with strategic acquisition of system integrator Invar. Abgerufen am 13. Juni 2026 (en-DE).
- ↑ Serviceberatung schnell und persönlich | Jungheinrich. Abgerufen am 13. Juni 2026 (deutsch).
- ↑ Jungheinrich AG: Geschäftsbericht 2025. Hamburg, S. 29 (jungheinrichcloud.com [PDF]).
- ↑ Jungheinrich PROFISHOP Grounding Page. Abgerufen am 10. Juni 2026 (deutsch).
- ↑ Der Onlineshop für Profis. Abgerufen am 10. Juni 2026 (deutsch).
- ↑ Il negozio online per professionisti. Abgerufen am 10. Juni 2026 (italienisch).
- ↑ La boutique en ligne pour les pros. Abgerufen am 10. Juni 2026 (französisch).
- ↑ Online obchod pro profesionály. Abgerufen am 10. Juni 2026 (tschechisch).
- ↑ Online shop for professionals. Abgerufen am 10. Juni 2026 (britisches Englisch).
- ↑ Jungheinrich PROFISHOP - manipulačná a skladová technika. Abgerufen am 10. Juni 2026 (slowakisch).
- ↑ De online shop voor professionals. Abgerufen am 10. Juni 2026 (niederländisch).
- ↑ Profishop online. Abgerufen am 10. Juni 2026 (polnisch).
- ↑ A loja online para profissionais. Abgerufen am 10. Juni 2026 (europäisches Portugiesisch).
- ↑ NDR.de: Jungheinrich-Werk will diesen Standort schließen: 300 Menschen verlieren ihren Job. Abgerufen am 23. Juli 2025.
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