Jules-Louis Breton

Jules-Louis Breton 1913
Pulcinella Breton, Musée des horreurs 1900

Jules-Louis Breton (geboren am 1. April 1872 in Courrières; gestorben am 2. August 1940 in Meudon) war ein französischer Erfinder, Leiter einer öffentlichen Forschungseinrichtung und Politiker der Dritten Republik.

Leben

Jules-Louis Breton stammte aus einer bürgerlichen Familie. Sein Großvater, sein Vater und einer seiner Onkel bekleideten ab 1848 nacheinander das Amt des Bürgermeisters von Courrières. Seine Onkel Jules Breton und Émile Breton[1] waren renommierte Maler.[2]

Jules-Louis Breton engagierte sich bereits während seiner Studienzeit in der sozialistischen Bewegung und gründete 1891 gemeinsam mit Alexandre Zévaès[3] die Gruppe der Étudiants socialistes révolutionnaires internationalistes.[4] Er schloss sein Studium nicht ab, blieb jedoch einer der Initiatoren der ersten sozialistischen Studentengruppen im Quartier Latin. Er arbeitete als Journalist für den Le Réveil du Nord[5] und gründete selbst ein sozialistisches Blatt, Le drapeau rouge.[2]

Wegen eines scharfen Artikels gegen Präsident Carnot zur Zeit der anarchistischen Anschläge wurde er für ein Jahr inhaftiert. Als Anhänger des Blanquisten Édouard Vaillant, der das Comité révolutionnaire central und später die Sozialistische Revolutionäre Partei leitete, trat Breton bei den Wahlen 1898 zur Abgeordnetenkammer erfolgreich als Kandidat des Départements Cher an.[2]

Im Parlament gehörte er bis 1921 zunächst zur Groupe ouvrier, dann zur Parti socialiste français (der auch Jean Jaurès angehörte), dann zur führenden sozialistischen Partei dieser Zeit, der Section française de l’Internationale ouvrière (SFIO) und schließlich zu Alexandre Millerands Parti républicain-socialiste. Danach wechselte er in den Senat, wo er Teil der Fraktion der Gauche démocratique war. 1930 schied er aus.[2]

Während des Ersten Weltkriegs leitete er die Abteilung für Erfindungen und technische Versuche. Bereits 1914 erkannte er die Notwendigkeit, gepanzerte Fahrzeuge zu entwickeln, und seine Forschungen führten dazu, dass er in Frankreich den Kettenantrieb einführte. Dies macht ihn zu einer maßgeblichen Person bei der Einführung von Panzern in Frankreich. In den Jahren 1916/1917 wurde er zum Sous-secrétaire d’État für Erfindungen im Bereich der nationalen Verteidigung in den Regierungen Briand VI, Ribot V und Painlevé I ernannt.[2] 1918 startete er ein Programm zur Bewertung des Potenzials der Elektrokultur, also der Auswirkung elektrischer Phänomene auf das Pflanzenwachstum.[6]

Nach dem Krieg wurde er 1920 zum freien Mitglied der Académie des sciences gewählt und zum Minister für Gesundheit, Wohlfahrt und Sozialfürsorge ernannt, was ihn zum ersten Gesundheitsminister machte. Dieses Amt übte er in den drei aufeinander folgenden Regierungen Millerand I, Millerand II und Leygues aus.[2]

Er gründete 1923 den Salon des arts ménagers[A 1]. Bis zu dessen Auflösung 1938 war Direktor des Office national des recherches scientifiques et industrielles et des inventions, Präsident mehrerer Einrichtungen und somit fast während der gesamten Zwischenkriegszeit eine Schlüsselfigur der staatlichen Forschungspolitik.[2]

Werke

Die Bibliothèque nationale de France führt auf ihrer Seite (siehe Weblink) eine Vielzahl von Werken Bretons auf; darunter als einziges online abrufbares Rayons cathodiques et rayons X[7] (Kathodenstrahlen und Röntgenstrahlen).

Literatur

  • Christine Moissinac, Yves Roussel: Jules-Louis Breton (1878–1940) un savant parlementaire. PUR, 2010, ISBN 978-2-7535-1101-9.
Commons: Jules-Louis Breton – Sammlung von Bildern

Anmerkungen

  1. Eine bis 1983 bestehende Haushaltsmesse, siehe dazu weiterführend den Artikel Salon des arts ménagers in der französischsprachigen Wikipédia.

Einzelnachweise

  1. Angaben zu Émile Breton in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
  2. a b c d e f g Jean Jolly: Dictionnaire des parlementaires français (1889-1940). PUF, 1960 (assemblee-nationale.fr).
  3. Zévaès, Alexandre. In: Deutsche Biographie (Index-Eintrag).
  4. Jean Maitron: Le groupe des Etudiants Socialistes Révolutionnaires Internationalistes de Paris (1892–1902): Contribution à la connaissance des origines du syndicalisme révolutionnaire. In: Le Mouvement social. 1964, JSTOR:3777262.
  5. Angaben zu Le Réveil du Nord in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
  6. Les folles années des in (Memento vom 19. Juli 2012 im Internet Archive; PDF; 3,57 MB)
  7. Rayons cathodiques et rayons X auf Gallica
VorgängerAmtNachfolger

Paul Jourdain
selbst
selbst
Gesundheitsminister
20.01. 1920 – 18.02. 1920
18.02. 1920 – 23.09. 1920
24.09. 1920 – 16.01. 1921

selbst
selbst
Georges Leredu

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French chemist and politician Jules-Louis Breton (1872-1940).