Hochschullehre

Neben Forschung ist die Hochschullehre eine der Grundaufgaben von Hochschullehrern. Sie ist curricular ausgerichtet. Auf Basis von Qualifikationszielen eines Studiengangs wird die Kompetenzentwicklung durch ein konsistentes, sequentiell-modularisiertes Studienprogramm realisiert, in dem auch mögliche Veranstaltungsformate und Prüfungsformen festgeschrieben sind.

Über die Hochschullehre sollen die Studierenden Kompetenzen erwerben. Die übergeordnete Handlungskompetenz wird dabei analytisch in Fachkompetenzen (fundamentales Fachwissen und Methoden) und personale Kompetenzen (soziale und personale Fähigkeiten, Fertigkeiten und Bereitschaften) unterteilt, auf deren Basis neue Forschungsfragen gestellt und methodische Lösungsansätze entwickelt werden können. Darauf aufbauend erwerben die Studierenden Praktiken des wissenschaftlichen Arbeitens, die es erlauben Forschungsfragen in wissenschaftlichen Projekt- und Abschlussarbeiten selbstständig zu lösen.

Ziele

Die Lehre im Studium sollte keine Ansammlung von beliebig austauschbaren Elementen von aktuell gültigem Wissen mit kurzer Halbwertszeit sein, sondern den Studierenden eine Bildungsmöglichkeit eröffnen, die vor allem auf die Entwicklung einer intellektuellen und weltoffenen Persönlichkeit für die Begegnung mit der Wissenschaft führt, die individuelle Lern- und Reflexionsfähigkeit fördert und die Studierenden somit das Wissenswerte erkennen lässt.

Auf diese Weise werden Studierende auf ihren beruflichen Einstieg entweder im wissenschaftlichen, im sozialen, im kulturellen, im unternehmerischen oder in sonstigen Tätigkeitsbereichen fachspezifisch vorbereitet.

Methoden und Formate

Hochschullehre setzt verschiedene didaktische Methoden ein, die von Wissenschaftsdisziplinen, der Veranstaltungsform und den Teilnehmern abhängig und auf diese zugeschnitten sind. Dabei ist das deutsche Hochschulwesen bis heute geprägt durch die im humboldtschen Bildungsideal einer ganzheitlichen Ausbildung der Studierenden angelegten Einheit von Forschung und Lehre. Dabei soll das aktive forschungsorientierte Lernen das Anwenden des Wissens sowie das Übertragen in neue und realitätsnahe Zusammenhänge ermöglichen und so zu einem tieferen Verständnis und einem nachhaltigeren Lernen führen.

Die Hochschullehre ist in weiten Teilen in den traditionellen Formen Vorlesung und Seminar organisiert und ist meist durch ein Hierarchie- und Wissensgefälle gekennzeichnet, eine Art Meister-Schüler-Beziehung. Häufig werden Vorlesung und Seminare durch Peer-assisted-learning Formate ergänzt, also dem Unterrichten von Studierenden durch andere Studierende im Sinne von studentischen Tutorien.

Neben diesen eher traditionellen Lehrformaten, gehören auch stärker handlungsorientierte Lehr- und Lernformen zum Methodenkanon der Hochschulen. Dies sind u. a. Übungen, Praktika, Exkursionen und Experimentieren.

In diesem Zusammenhang erfahren derzeit Lehrkonzepte auf der Grundlage des „Forschenden Lernens“ großes Interesse, da sie die freie, selbstmotivierte Beschäftigung mit praktischen wie theoretischen Inhalten des Studienfachs fördern, inter- und transdisziplinäre Zusammenhänge greifbar machen und am ehesten dazu in der Lage sind, nicht-intendierte positive Lerneffekte zu erzielen, die außerhalb jeglicher curricularen Gestaltungskraft liegen.

Forschendes Lernen setzt dabei auf das Erleben eines “Forschungsvorhabens, das auf die Gewinnung von auch für Dritte interessanten Erkenntnissen gerichtet ist, in seinen wesentlichen Phasen – von der Entwicklung der Fragen und Hypothesen über die Wahl und Ausführung der Methoden bis zur Prüfung und Darstellung der Ergebnisse in selbständiger Arbeit oder in aktiver Mitarbeit in einem übergreifenden Projekt – (mit)gestalten, erfahren und reflektieren.”[1]

Eine Voraussetzung für den Erfolg beim forschenden Lernen ist die ‘kritisch fragende Grundhaltung‘ bei den Studierenden, so dass die Entwicklung und Förderung dieser Haltung, die auch eine Basis für einen auf Verständnis beruhenden Erkenntnisgewinn sowie für nachhaltiges und lebenslanges Lernen bildet, fächerübergreifend eine zentrale Aufgabe guter Hochschullehre ist.

Qualität der Lehre

Die Hochschulen in Deutschland widmen der Qualität der Lehre mehr und mehr Aufmerksamkeit.[2]

Qualität bezeichnet das Ausmaß, in dem ein Produkt oder eine Dienstleistung den Kundenanforderungen entspricht (vgl. DIN EN ISO 9000:2005-12). Bezogen auf das Hochschulumfeld betrifft dies die Anforderungen der beteiligten Stakeholder wie Studierende, Hochschulleitung, Bildungsministerien, Arbeitgeber sowie Gesellschaft[3] Die folgende Tabelle gibt einen exemplarischen Überblick über die Zielgruppen von “guter Lehre”, ihre Anforderungen sowie existierende Instrumente zur Qualitätsmessung und -sicherung.

ZielgruppeAnforderung(en)Instrumente zur Qualitätsmessung
Studierende(Subjektive) Zufriedenheit bzgl. Kompetenzzuwachs, Persönlichkeitsentwicklung sowie StudierbarkeitLehrevaluation, Studiengangsevaluation, Studienkommissionen, Gruppendiskussionen, Hochschul-Rankings/-Portale
Gesellschaft und ArbeitsmarktEmployability (Qualifikation für den Arbeitsmarkt)Alumnibefragung,

Arbeitgeberbefragung

HochschulleitungWeiterempfehlung von Studierenden,

Zufriedenheit von Studierenden, Image der Hochschule bzw. des Bildungsangebots || Hochschul-Rankings, Lehrberichte der Studiendekane, Qualitätszirkel, Peer-Reports

EU-Kommission, BildungsministerienStudierbarkeit und Vergleichbarkeit von Studiengängen, EmployabilityProgrammakkreditierungen, Systemakkreditierungen
BildungsministerienAbsolventenzahlen, AbbruchquotenAbsolventen- und Abbruchstatistiken

Zwei Faktoren werden als herausragend für die Qualität der Lehre herausgestellt: die Kompetenz der Lehrenden sowie die Qualitätskultur an Hochschulen, die vor allem durch die Hochschulleitung geprägt wird. Qualitätskultur bedeutet ein gemeinsames Qualitätsverständnis zu entwickeln und zu leben.[4]

Die Qualität der Lehre kann unterteilt werden in Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität. Die Strukturqualität umfasst die Adäquanz von Personal-, Sach- und Finanzausstattung oder das Betreuungsverhältnis von Studierenden und Lehrenden. Die Prozessqualität umfasst alle Prozesse, die an der Hochschule für die Studierenden durchgeführt werden. Dies betrifft Verwaltungsprozesse wie Immatrikulation sowie die zentralen Lernprozesse im Bildungsbetrieb. Die Ergebnisqualität bezieht sich z. B. auf die erworbene Kompetenz der Absolventinnen und Absolventen.[5]

Hochschuldidaktische Zentren zur Qualitätsentwicklung im Bereich der Lehr-/Lernprozesse leisten einen hohen Beitrag.

Die Trias „Bildung, Wissenschaft und Innovation“ bilden in der Hochschullehre gemeinsam den Grundstein zur Pflege der Wissenschaften und Künste durch Forschung und Lehre sowie der praxisorientierten beruflichen Aus- und Weiterbildung; Hochschullehre ist somit nahezu untrennbar mit Wissenschaftsforschung und Wissenschaftsdidaktik verwoben und breiter angelegt als die Fokussierung auf die reine Lehr-Lernsituation. Sie steht damit in der Herausforderung, in der Organisation des Lernens und Erfahrungen-Machens dem niemals abschließbaren Prozess der Wissensentwicklung in den wissenschaftlichen Disziplinen Rechnung zu tragen, was für das Studium bedeutet, dass sich Lerninhalte aus wissenschaftlichen Problemstellungen (z. B. Einordnen von Fragen in einen größeren theoretischen/methodologischen Zusammenhang, Reflexion der Güte von Daten oder Reichweite von Theorien, Sicherstellung einer Überprüfbarkeit von Schlüssen) ergeben und sich die lernenden Subjekte in diesen größeren Problemzusammenhang einer Wissenschaft hineinbegeben.

Digitalisierung der Hochschullehre

Auch die Hochschullehre ist den Umbrüchen der Digitalisierung ausgesetzt, digital organisierte oder unterstützte Lehr- und Lernformen gewinnen deshalb an Gewicht. Die Digitalisierung der Lehre bietet organisatorisch den Vorteil, die Lehre sowohl räumlich als auch zeitlich von der physischen Bildungsinstitution zu entkoppeln, was den individuellen Bedürfnissen der Studierenden Rechnung trägt; gleichzeitig bietet sie aber auch die Möglichkeit, der Lerninhalte zu personalisieren, was insbesondere in sehr heterogenen Lerngruppen an Relevanz gewinnt. Der Erkenntnisprozess beim Lernenden wird dadurch ggf. besser unterstützt, bleibt aber dennoch eine zentrale Herausforderung. Hochwertiges digitales Lehrmaterial in Form von Online-Modulen, die außer Text (mit Sprachaufnahmen) und Bildern auch Videos, Animationen, interaktiven Elementen, Games und Tests enthalten, kann nicht nur von einem Lehrenden erstellt und gepflegt werden. Dies bedarf einer hochschulübergreifenden Gruppe von Professoren. Bei der Erstellung von digitalen Lehrmaterialien ist in besonderem Maße auch darauf zu achten, dass die Inhalte mit vertretbarem Aufwand aktualisiert werden können, was gerade bei komplexeren Materialien wie Animationen und Games ein häufig unterschätzter Aspekt ist.

Hoffnungen auf eine deutliche Erhöhung der Lerneffizienz durch digitale Medien haben sich bisher nur teilweise erfüllt.

Förderprogramme

In der letzten Dekade sind von staatlicher, aber auch privater Seite aus Förderprogramme und Preise vergeben worden, um die Hochschullehre strukturell zu stärken und die Reputation zu erhöhen. Mit fachkulturellen Unterschieden lässt sich eine gestiegene Aufmerksamkeit und Wertschätzung sowie der Aufbau von Lehrexpertise an den Hochschulen und die hochschulübergreifende Vernetzung von Experten feststellen.[6]

Förderprogramme (Auswahl)

FörderprogrammAusrichtungTrägerLaufzeit
Qualitätspakt LehreVerbesserung der Ausstattung, Qualifizierung des Personals, Qualitätsmanagement, Weiterentwicklung von regional passenden LehrkonzeptenBMBF2011–2017
Ars-Legendi-Preis für exzellente HochschullehreReputationsförderungStifterverbandSeit 2006
Wettbewerb Exzellente LehreFörderung eines institutionellen Lehrprofils und StrategieentwicklungKMK, Stifterverband2008
Bologna – Zukunft der LehreFörderung besonderer Lehrkonzepte in einzelnen Studiengängen und EinrichtungenStiftung Mercator und VolkswagenStiftung2009–2010
Fellowships für Innovationen in der HochschullehrePersonenbezogene Förderung zur Innovationssteigerung und Vernetzung der ExpertenStifterverband, Baden-Württemberg Stiftungseit 2011
Lehre hoch NVernetzung und professionelle Begleitung besonders engagierter AkteureStifterverband, Hoachim-Herz-Stiftung, Nordmetall-Stiftung, Alfred-Töpfer-Stiftung und VolkswagenStiftung, BMBF (Seit 2017)Seit 2012

Zusätzlich existieren auf Länder- und Hochschulebene weitere Förderprogramme und Preise, die unter anderem besonders den Aufbau digitaler Kompetenzen fokussieren.[7]

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Huber: Warum Forschendes Lernen nötig und möglich ist. In: Huber, Hellmer, Schneider (Hrsg.): Forschendes Lernen im Studium. 2009, S. 9 (11).
  2. Strategien für die Hochschullehre. (PDF) Wissenschaftsrat, Positionspapier, 2017.
  3. DGQ (Hrsg.): Qualitätsmanagement für Hochschulen. Hanser 2015.
  4. Wissenschaftsrat (Hrsg.): Empfehlungen zur Akkreditierung der Qualitätssicherung. (PDF) 2012, S. 10, 13.
  5. BMBF (Hrsg.): Evaluation des Bund-Länder-Programms für bessere Studienbedingungen und mehr Qualität in der Lehre (Qualitätspakt Lehre). Abschlussbericht über die 1. Förderphase 2011–2016., 2016, S. 96–109.
  6. Strategien für die Hochschullehre. (PDF) Wissenschaftsrat, Positionspapier, 2017, S. 10–12.
  7. Strategien für die Hochschullehre. (PDF) Wissenschaftsrat, Positionspapier, 2017, S. 13.

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