Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main

Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main
Gründung1832
OrtOffenbach am Main
BundeslandHessen
LandDeutschland
PräsidentBrigitte Franzen[1]
Studierende738 (SoSe 2023)[2]
Mitarbeiter183 (2022)[3]
davon Professoren25 (2022)[3]
Websitewww.hfg-offenbach.de

Die Hochschule für Gestaltung ist eine Kunsthochschule des Landes Hessen in Offenbach am Main. Die Hochschule hat ca. 738 Studenten[2] und 183 Mitarbeiter, davon 25 Professoren.[3]

Studium

Eingang an der Schloßstraße (2005)
Ausstellung im Gebäude während eines Rundgangs (2008)
Erstsemesterpräsentation 2009, Rundgang 1. Etage
Blick vom Westflügel auf das Hauptgebäude (2007)
Schlossplatz mit Ludo-Mayer-Brunnen (von Heinrich Jobst) und Hauptgebäude mit dem 2003 neu errichteten Westflügel. Sichtbar der Stumpf des 2. Treppenhauses ohne Zwiebelturm (2008)
Das von der HfG genutzte Isenburger Schloss (2008)

Für den Abschluss des zehnsemestrigen Studiums Diplom-Designer stehen zwei Fachbereiche zur Auswahl: Kunst mit den Fachrichtungen Kommunikationsdesign, Medien, Bühnen- und Kostümbild und Design.

Zusätzlich bietet die Hochschule ein zweisemestriges Postgraduiertenstudium an.

Seit dem Sommersemester 2010 gibt es an der HfG Offenbach die Möglichkeit nach einem die Wissenschaft mit Kunst bzw. Gestaltung verschränkenden Modell zum Dr. phil. zu promovieren. Dabei gibt es die fachliche Ausrichtungen Kunst- und Medienwissenschaften oder Designwissenschaft.

Geschichte

Die heutige Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main wurde 1832 vom Geometer Georg Fink als Handwerkerschule gegründet. Sie wurde 1877 mit der Schule für Kunst und Industrie zu den Technische Lehranstalten Offenbach am Main mit Abteilungen für Maschinenbau, Baugewerbe und Kunstgewerbe vereinigt. Die 1883 erschienene The Cyclopædia of Education zählte die Schule zu den wichtigen Ausbildungsstätten ihres Bereichs in Europa.[4] 1885 wurde das neue Gebäude am Mathildenplatz bezogen, das sich bald als zu klein erwies (und heute von der Polizei genutzt wird).

Blütezeit als „Offenbacher Schule“

Ab 1908 lehrte Dominikus Böhm an den Technischen Lehranstalten, der in Offenbach 1919 seinen ersten Kirchenbau errichtete (als erste „moderne“ Kirche überhaupt). Eine Spende des Unternehmers Ludo Mayer ermöglichte 1910 einen Neubau für die Schule (das heute genutzte Gebäude), das von deren Direktor, dem Architekten Hugo Eberhardt, entworfen wurde. Am 24. Januar 1913 wurde es in Beisein von Großherzog Ernst Ludwig eröffnet. Im Jahr 1914 wurde Mizzi Vogl an die Kunstgewerbe-Abteilung berufen, sie übernahm dort die Klasse für künstlerische Frauenarbeit.

Aus der Lehrmittelsammlung der Technischen Lehranstalten ging 1917 das Deutsche Ledermuseum hervor. Von 1879 bis 1920 war Karl Brockmann an der Schule tätig, der den Schwerpunkt Entwurf von Mustern für die Industrie („Musterzeichner“) einführte, was heute in etwa dem Produktdesign entspricht. Man strebte eine „werkgerechte Materialbehandlung“ an.[5] Ernst Engel, ein Grafiker an der Schule, initiierte in den 1930er Jahren die Zusammenarbeit von Hugo Eberhardt mit dem Designer und Schriftgestalter Rudolf Koch. 1925 wurden die Textildesignerinnen Isolde Czóbel und Maria Steudel als erste Professorinnen an die Schule berufen.

In der Weltwirtschaftskrise erschöpften sich die Mittel des Volksstaats Hessen, und das Konzept Einheit von Industrie und Kunst (die Vorform des Design) konnte sich gegenüber der Politik nicht behaupten. Die Schule musste erst die Lehrbereiche Innenarchitektur, Bildhauerei und Dekorationsmalerei an die Kunstgewerbeschule Mainz abgeben. Nach dem Tod Rudolf Kochs 1934 ging das Profil verloren, das Hugo Eberhardt der Institution gegeben hatte, und als Offenbacher Schule weltweit Synonym für eine materialgerechte und akademische Haltung gewesen war.

Niedergang durch Abgabe von Fachbereichen in der Zeit des Nationalsozialismus und Nachkriegszeit

Die Nationalsozialisten ordneten die Abgabe des Fachbereichs Maschinenbau an die Landesbaugewerkschule Darmstadt an und benannten die Technischen Lehranstalten in Meisterschule des Deutschen Handwerks um, somit war diese faktisch zu einer Berufsschule degradiert und teilte das Schicksal der Städelschule in Frankfurt. Nach 1945 wurde die Schule Werkkunstschule Offenbach am Main genannt. Die unter den Nationalsozialisten begonnene Entfernung akademischer Fachbereiche wurde fortgesetzt. Nun traf es den Fachbereich Architektur, der sich international besonders mit der Ausbildung von Kirchenarchitekten profiliert hatte. An den Technischen Lehranstalten und der Werkkunstschule konnten Architekten nicht den akademischen Grad Diplom-Ingenieur erlangen (der den Technischen Hochschulen vorbehalten war), sondern schlossen wie an anderen Kunsthochschulen in Deutschland als Diplom-Architekt ab. Zu dieser Zeit war die Berufsbezeichnung Architekt in Deutschland nicht gesetzlich geschützt. Nachdem Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre in ganz Deutschland Architektenkammern eingerichtet wurden, war die Führung der Berufsbezeichnung Architekt an die Kammermitgliedschaft gebunden, und folglich konnte der bisherige Abschluss nicht mehr vergeben werden. Nach Ablauf diverser Fristen ging der Architektur-Fachbereich zum 30. September 1983 auf die Fachhochschule Darmstadt über.

Neukonstitution als Hochschule nach 1970

1970 erfolgte die Umwandlung in eine Kunsthochschule des Landes Hessen. Dabei übernahm die Hochschule als erste nach Schließung der renommierten Hochschule für Gestaltung Ulm deren Titel „Hochschule für Gestaltung“ (den zuvor auch das Bauhaus benutzt hatte) und einen großen Teil von deren Lehrkonzept. Der Erfolg führte dazu, dass sich der Begriff „Hochschule für Gestaltung“ bzw. dessen Abkürzung „HfG“ quasi als Gattungsbegriff durchsetzte und weitere Schulen sich HfG nannten. 1986 gelang es Kurt Steinel (Rektor der HfG von 1974 bis 1994), erneut Professorenstellen in den Bereichen Bildhauerei und Malerei einzurichten. Erster Professor der Bildhauerei wurde der Schweizer Vincenzo Baviera.

Im Fachbereich Produktgestaltung wurde ab den 1970er Jahren die „Theorie der Produktsprache“ entwickelt, der sogenannte „Offenbacher Ansatz“. Diese ermöglicht eine Bewertung und Gestaltung von Produkten nach formalen, symbolischen und semantischen Gesichtspunkten. 2006 wurde an der HfG das Institut für technologieorientierte Designinnovation (heute Design Institute of Technology) gegründet.

Lage und Gebäude

Die Hochschule befindet sich im Rhein-Main-Gebiet, das eine hohe Design-Clusterbildung aufweist, unter anderem im Automobildesign. Der Campus liegt in unmittelbarer Nähe des Mains, und wenige Meter von der Hochschule befindet sich im Südflügel des Büsing-Palais an der Herrnstraße das Klingspor-Museum für Typografie und Buchkunst.

Der Hochschulcampus umfasst drei Gebäude, die um den Schlossplatz gruppiert sind:

  • Das 1576 errichtete Isenburger Schloss
  • Das 1909–1913 von Hugo Eberhardt entworfene Hauptgebäude
  • Der 2003 neu errichtete Westflügel, entworfen von Reuter + Werr

Das heutige Hauptgebäude, 1909–1913 von Hugo Eberhardt als Neubau der Technischen Lehranstalt in historisierender Architekturform errichtet, befindet sich am Schlossplatz gegenüber dem Isenburger Schloss. Es wurde als zweiflügelige, hofartige Anlage mit einem Torbogen über der Schloßstraße erbaut. Unterschiedliche Geländer, Kapitelle etc. im Gebäude sollten als Muster für die Architekturstudenten dienen (sie sind bis heute erhalten). Der Bau wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt. Nach 1945 folgte ein Wiederaufbau, unter heftigen Protesten von Traditionalisten, die das Gebäude abreißen lassen wollten, um den Blick von der Stadt hin zum Schloss wiederherzustellen. Die vollkommen zerstörte Dachregion – ursprünglich ein durch Dachgauben und Turmhauben gegliedertes steiles Walmdach – wurde durch ein Flachgeschoss ersetzt. Dadurch wurde zwar eine zusätzliche, vollwertig nutzbare Etage geschaffen, jedoch die ursprüngliche architektonische Gesamtwirkung des Gebäudes und die Formensprache Eberhardts stark beeinträchtigt. Dadurch ist der ursprüngliche architektonische Dialog mit dem benachbarten Isenburger Schloss heute nur noch unvollständig erlebbar. Beim Wiederaufbau wurden neue Einheitsfenster eingebaut und alle ovalen Fenster bis auf eines (der Raum hätte sonst keines) zugemauert. Dieser Eingriff wurde mit der Renovierung im Jahr 2003 wieder rückgängig gemacht, als im Rahmen einer Fassadensanierung wieder Fenster mit mittigem Fensterkreuz eingebaut wurden.

Standort Geleitsstraße 103 (2012)

Seit Beginn des Sommersemesters 2011 nutzt die HfG zusätzlich ein Gebäude Geleitsstraße 103. Dort sind untergebracht:

  • die Fachrichtung Kunst (Bildhauerei, Experimentelle Raumkonzepte, Malerei und Performance im erweiterten Feld),
  • die Professur Grafikdesign und Illustration,
  • das Labor Kunst,
  • die Grundlehre des Fachbereichs Kunst.

Neubauprojekt

Im Jahr 2019 erwarb das Land Hessen ein ca. 15.000 m² großes Grundstück im Neubaugebiet am Offenbacher Hafen. Im Januar 2023 wurde ein internationaler Architektenwettbewerb entschieden. Hier soll ab 2026 ein kompletter Neubau der HfG realisiert werden. Das Land Hessen stellt hierfür im Rahmen des sogenannten HEUREKA II Programms etwa 100 Mio. € zur Verfügung.[6]

Bibliothek

Die Hochschule verfügt über eine umfangreiche Bibliothek zu Design, Kunst, Architektur. Die Bibliothek und Mediothek sind öffentlich zugänglich und auch online recherchierbar, das Magazin mit historischen Büchern jedoch nicht.

Siehe auch

  • Liste der Dozenten und Absolventen der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main

Literatur

  • Axel Blohm, Herbert Heckmann, Wolfgang Sprang: Vom Handwerk zur Kunst. Die Geschichte der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main. Hochschule für Gestaltung, Offenbach 1984, ISBN 3-921997-12-7
  • Bernd Kracke (Hrsg.): „Gestalte – create – Design, Medien, Kunst“. 175 Jahre Hfg Offenbach. 1832, 1970, 2007. av edition, Ludwigsburg 2007, ISBN 978-3-89986-092-4
  • Andreas Hansert: Offenbach am Main. Kultur im Sog des Nationalsozialismus. Kunstgewerbeschule, Deutsches Ledermuseum, Schriftgiesserei Klingspor. Böhlau Verlag, Wien 2019, ISBN 978-3-205-20896-9

Einzelnachweise

  1. Tagesschau Hessen vom 30. September 2024: Brigitte Franzen: Von der Senckenberg-Chefin zur HfG-Präsidentin, abgerufen am 1. Oktober 2024
  2. a b Statistischer Bericht - Statistik der Studierenden - Sommersemester 2023, Tabelle 21311-07. (XLSX; 1,1 MB) Statistisches Bundesamt, abgerufen am 19. April 2024.
  3. a b c Statistischer Bericht - Statistik des Hochschulpersonals 2022, Tabelle 21341-10. (XLSX; 1,5 MB) Statistisches Bundesamt, abgerufen am 19. April 2024.
  4. dort bezeichnet als „art-industry school in Offenbach“: Henry Kiddle, Alexander J. Schem (Hrsg.): The cyclopædia of education. A dictionary of information for the use of teachers, school officers, parents, and others. E. Steiger & Co. u. a., New York NY u. a. 1883, S. 812. (eingeschränkte Vorschau bei Google Bücher)
  5. Alexander Koch (Hrsg.): Architektur und Wohnform (ISSN 0003-8792), Jahrgang 1933, ...
  6. „Kleine Stadt“ um einen grünen Campus: HfG Offenbach bekommt Neubau im Hafen. Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, 27. Januar 2023, abgerufen am 28. Mai 2025.

Koordinaten: 50° 6′ 27″ N, 8° 45′ 53″ O

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Die Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main ist eine staatliche Kunsthochschule in Offenbach am Main.
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Der Eingang der HfG Offenbach kurz nach Abschluss der Fassaden-Renovierungsrabeiten, 2005
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HfG Offenbach, 2007. Architekt: Hugo Eberhardt
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