Herrschaft Heusenstamm

Die Herrschaft Heusenstamm oder Amt Heusenstamm war ein neuzeitliches Territorium im heutigen Hessen. Sie bestand aus Heusenstamm, Hausen, Obertshausen und den Höfen Hausen hinter der Sonne, Patershausen und Gravenbruch (bis 1. April 1957 Grafenbruch).[1]

Die Herrschaft Heusenstamm war der Kern des Besitzes des Adelsgeschlechtes Heusenstamm. 1616 gelangte die Herrschaft Heusenstamm nach mehreren Todesfällen vollständig an die nach Wien gezogene Seitenlinie des Geschlechtes. Die Österreicher hatten wenig Interesse an ihrem Stammsitz und verpachteten ihn 1628 an die Frankfurter Patrizierfamilie Steffan von Cronstetten.

Schloss Heusenstamm (Landkreis Offenbach), erbaut ab 1661 für Philipp Erwein von Schönborn

1661 erwarb Philipp Erwein von Schönborn das Amt und der Besitz fiel an die Familie von Schönborn, die das Schloss Heusenstamm in seiner erhaltenen Form erbaute. Im Reichsdeputationshauptschluss 1803 wurden die Grafen von Schönborn mediatisiert und die Herrschaft Heusenstamm kam an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt.

Durch Staatsvertrag vom 24. September 1806[2] fiel die Herrschaft Heusenstamm an das Fürstentum Isenburg.

Durch den Wiener Kongress kam die Herrschaft Heusenstamm zum Kaisertum Österreich,[3] das es dem Großherzog von Hessen abtrat. Die Übergabe an den Großherzog hat am 9. Juli 1816 stattgefunden (wie auch die der übrigen Orte des Fürstentums Isenburg[4]), soweit dieser sie nicht seinerseits an den Kurfürst von Hessen abgetreten hat.[5]

Im Großherzogtum Hessen blieb das Amt zunächst als Patrimonialgericht-Herrschaft Graf von Schönborn selbstständige Verwaltungseinheit und ging 1821 im Landratsbezirk Seligenstadt auf. Die Grafen von Schönborn verfügten weiter über standesherrliche Rechte in der Rechtsprechung, die im Gräflich Schönbornischen Patrimonialgericht Heusenstamm ausgeübt wurden.

Literatur

  • Otto Rudolf Kissel: Neuere Territorial- und Rechtsgeschichte des Landes Hessen, 1961, S. 143

Einzelnachweise

  1. Heusenstamm, Landkreis Offenbach. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. abgedruckt bei Manfred Mayer Geschichte der Mediatisierung des Füstenthums Isenburg, München (M. Rieger'sche Universitäts-Buchhandlung) 1891, S. 180–182
  3. Art. 52 der Wiener Kongressakte
  4. XXXVII. Kaiserlich-östreichisches Patent wegen der Übergabe der Oberhoheit über verschiedene fürstlich und gräflich-isenburgische Gerichte, an Kurhessen; ferner der Oberhoheit über die übrigen unter Benennung Fürstenthum Isenburg vereinigt gewesenen Gebietstheile, über die gräflich-schönbornsche Herrschaft Heusenstamm, die freiherrlich-groschlagische Herrschaft Eppertshausen, den gräflich-ingelheimischen Ort Obererlenbach und die gräftlich-solmsische Hälfte des Ortes Niederursel, an das Großherzogthum Hessen; datiert Offenbach, den 9. Jul. 1816 in: Johann Ludwig Klüber Staatsarchiv des teutschen Bundes, Band 1, Erlangen (J. J. Palm und Ernst Enke) 1816, S. 419–421 Digitalisat
  5. Convention Territorial entre le Grand Duc de Hesse et Electeur de Hesse. — Signèe à Francfort sur Mein, le 29 Juin, 1816. British and Foreign State Papers 1815–1816, Band 3, Compiled by the Librarian and Keeper of the Papers, Foreign Office, London (James Ridgway and Sons, Piccadilly) 1838, S. 812–819 (größtenteils in deutscher Sprache), Digitalisat; auch abgedruckt in Grindaha, Heft 26, Geschichtsverein Gründau e. V., Gründau 2016 ISSN 2194-8631 S. 4–12 mit Anmerkung von Norbert Breunig

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Schloss Heusenstamm in Heusenstamm, Deutschland