Henri Friedlaender

Henri Friedlaender (* 15. März 1904 in Lyon; † 15. November 1996 in Jerusalem) war Buchgestalter und Typograf.

Henri Friedlaender, ~1975

Leben

Henri Friedlaenders Mutter war Engländerin, sein Vater Deutscher. Als er sechs wurde, zog die Familie nach Berlin, wo er das Mommsen-Gymnasium besuchte. Anschließend begann er eine zweijährige Lehre des graphischen Handwerks bei Willi Simon und beschäftigte sich danach mit Bürodienst bei der Deutschen Chalcographie. Nebenbei lernte er im Selbststudium Schriftschreiben in der Bibliothek des Kunstgewerbemuseums. Im Herbst 1925 zog er nach Leipzig, wo er die Akademie besuchte und auch die Meisterprüfung (Handsatz) absolvierte. Er arbeitete in den Jahren danach als Handsetzer bei Teubner und bei Wirth in Dresden, als Werksetzer bei Jakob Hegner in Hellerau (wo er viel vom Faktor Max Malte Mueller lernte) und für die Hausdruckerei von Klingspor unter Max Dorn. In dieser Zeit arbeitete er mit und für Rudolf Koch. Im Anschluss daran wurde er typographischer Entwerfer bei Hartung in Hamburg und danach Akzidenzfaktor und Disponent bei Haag-Drugulin in Leipzig unter Ernst Kellner. Seine Aufgabe bestand in der Betreuung der „anspruchsvollen Kunden“ u. a. beim Insel Verlag und der orientalischen Abteilung u. a. beim Schocken Verlag.

Friedländer verließ Deutschland 1932 mit dem Aufziehen der Naziherrschaft und zog bis 1950 nach Holland. In Holland wurde er Künstlerischer Leiter der Druckerei Mounton & Co. in Haag, wo er typographische Arbeiten und Schriftgestaltungen mit deutschem Einfluss schuf, den er auch weiter in seiner Arbeitsstätte lehrte. Er druckte auch ein Fachbuch und Fachblätter, um sein Fachwissen zu verbreiten. Während der Besatzungsjahre zwischen 1940 und 1945 musste Friedlaender diese Tätigkeit unterbrechen, druckte aber weiterhin heimlich Schriftblätter und Drucke (u. a. Pulvis Viarum, eine kleine Reihe). Die Wahl der Texte erläutert seine Einstellung: Es handelte sich nicht um Streitschriften, sondern um von ihm selbst übersetzte Bibelfragmente wie auch u. a. einen Text Martin Bubers.

Friedlaender untersucht Hadassah-Hebrew-Schriftskizzen. Die Aufnahme wurde 1978 in seinem Studio in Motza-Illit (in der Nähe von Jerusalem) gemacht.
Dualer lateinisch-hebräischer Schreibmaschinenkugelkopf IBM Selectric II Hadar, designt von Friedlaender
Henri Friedlaender mit Ehefrau Maria in seinem Arbeitszimmer in Motza Illit, Israel (1989)

1950 übernahm er die Leitung und den Aufbau der Hadassah-Druckereifachschule (Hadassah Apprentice School of Printing) in Jerusalem. 1970 verließ er die Schule, widmete seine Arbeit wieder der Buchgestaltung und gab weiterhin Unterricht an verschiedenen Schulen (u. a. an der Bezalel Kunstakademie in Jerusalem).

Friedlaenders Ehefrau Maria war die Tochter des Mediziners Christian Bruhn und Schwester des Verlegers Max Bruhn.

Schriften (Auswahl)

  • Bücher und Broschüren: Typographisch ABC (1939, holländisch)
  • Über Buchstaben und Ziffern (1960, hebräisch)
  • Formen des Buches (1962, hebräisch)
  • Farbenlehre für Drucker (hebräisch)
  • Modern Hebrew Lettering. In: A Quarterly Review of the Arts and Sciences in Israel. Nr. 4 (Winter 1962)
  • Die Entstehung meiner Hadassah-Hebräisch. Auflage für die Mitglieder des Bundes deutscher Buchkünstler. Kurt Christians und Richard von Sichowsky, Hamburg 1967

Ausstellungen und Preise

  • Silberne Medaillen: Weltausstellung Paris 1937
  • Triennale in Mailand 1954
  • Internationale Buchkunst Ausstellung in Leipzig 1959
  • Buchpreis (Duwaer-Prijs) der Stadt Amsterdam 1950
  • Gutenbergpreis 1971 („eine Weichenstellung für die Internationalität des Preises“)

Siehe auch

Quellen

  • M. Keim: Der Gutenberg-Preis: eine internationale Botschaft aus der Medienstadt Mainz seit 1968. Gutenberg-Gesellschaft, Mainz 1998.
  • G. W. Ovink: Die Gesinnung des Typographen: Laudatio, anläßlich der Verleihung des Gutenberg-Preises 1971 der Stadt Mainz am 21. Juni 1971 an Henri Friedlaender. Kleiner Druck der Gutenberg-Gesellschaft, Mainz 1973.
  • Grafici in ballingschap: Henri Friedlaender en Paul Urban, Duitse grafisch vormgevers in het Nederlandse exil 1932–1950 / inl. van Kurt Löb. Universiteitsbibliotheek Amsterdam, 1997. (Catalogus van een tentoonstelling in de Universiteitsbibliotheek van Amsterdam, 21 maart t/m 16 mei 1997.)
  • Kurt Löb: Exil-Gestalten. Deutsche Buchgestalter in den Niederlanden 1931–1950, Dissertation, Universiteit van Amsterdam, 1994. Handelsuitgave: Gouda Quint, Arnheim 1995 ISBN 90-387-0267-1
  • Joseph Blumenthal: Typographic Years: A Printer’s Journey Through a Half Century 1925–1975. Frederic C. Beil, New York 1982.
  • Paul Standard: Henri Friedlaender: A Koch Pupil Who Brings His Master’s Reflective Spirit to the Dutch Book Arts. Print: A Quarterly Journal of the Graphic Arts no. 2 (1947), S. 15–27
  • Robert Ranc: Henri Friedlaender. Arts et techniques graphiques no. 85 (1972), S. 3–26
  • Israel Soifer: Henri Friedlaender: New Approach to Type. Publishers Weekly, 1. Juli 1968, S. 74–75
  • Ada Wardi (Hg.): New Types. Three Pioneers of Hebrew Graphic Design. (Ausstellungskatalog), Israel Museum, Jerusalem 2016, ISBN 978-965-278-457-5.
  • Henri Friedlaender: Book Designer. Ariel (Jerusalem) no. 33–34 (Special literary issue, 1973), S. 131–140
  • Hans A. Halbey (Hg.): Henri Friedlaender, in Scriptura. Harenberg Edition, 1990 ISBN 3-88379-599-2
  • David Fischbach (Hrsg.): Die Galerie im Setzkasten. Der Sammler Arno Stolz. Niggli Verlag, Salenstein 2019, ISBN 978-3-7212-0986-0.

Weblinks

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Typographer Henri Friedlaender and his wife Maria, in his study in Motza Illit, Israel (1989)
Friedlaender.webmsd.webm
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Israeli typographer Henri Friedlaender examines Hadassah typeface sketches. The sequence was shot in his study in Motza-Illit (near Jerusalem) in 1978.
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Israeli typographer Henri Friedlaender in Jerusalem
SelectricII Hadar.jpg
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IBM Selectric II dual Latin/Hebrew Hadar typeball with 92 printable characters (font designed by Henry Friedlaender). The type ball was made from plastic, vacuum plated with some type of metal.