Heldengedenktag

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Heldengedenktag 1935 in Berlin

Der Heldengedenktag war ein Gedenktag in der Zeit des Nationalsozialismus. Er ging durch Umbenennung aus dem bisherigen Volkstrauertag hervor, im Zentrum stand jedoch nicht die Trauer um die Gefallenen des Ersten Weltkriegs, sondern ihre Verehrung als Helden.

Geschichte

In der Weimarer Republik wurde der Volkstrauertag vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge initiiert und durchgeführt.

Im Gesetz über die Feiertage vom 27. Februar 1934 wurde der Volkstrauertag auf den zweiten Fastensonntag festgelegt und in Heldengedenktag umbenannt. Die Umbenennung geschah nach direkter Intervention des Präsidenten des Volksbundes Siegfried Emmo Eulen bei Propagandaminister Joseph Goebbels. Auch der Charakter des Tages wurde vollständig geändert: Nicht mehr Totengedenken sollte im Mittelpunkt stehen, sondern Heldenverehrung. Träger waren nun die Wehrmacht und die NSDAP.

Ab der Wiedereinführung der Wehrpflicht im Jahr 1935 wurden die Reichskriegsflaggen nicht mehr wie bislang auf halbmast gehisst, sondern vollstock gesetzt.[1] Goebbels als Propagandaminister erließ die Richtlinien über Inhalt und Durchführung.

Am 25. Februar 1939 verlegte Adolf Hitler per Erlass[2] den Heldengedenktag auf den 16. März,[3] den Tag der Wiedereinführung der Wehrpflicht, wenn dieser Tag auf einen Sonntag fiel, andernfalls sollte er am Sonntag vor dem 16. März begangen werden. Damit wurde die Bindung an den kirchlichen Kalender aufgegeben.[4] Ursprünglich waren alle der Unterhaltung dienenden öffentlichen Veranstaltungen am Heldengedenktag verboten. 1939 wurden das Verbot auf Veranstaltungen beschränkt, bei welchen „nicht der der Bedeutung dieses Tages entsprechende soldatische und heroische Charakter gewahrt“ war.[5]

Die Propagandawirkung des Tages wurde so hoch eingeschätzt, dass alle entscheidenden Schritte der Kriegsvorbereitung bis einschließlich 1939 auf ein Datum in unmittelbarer Nähe zum Heldengedenktag gelegt wurden.[6]

Liste der Heldengedenktage

Tag der Wehrmacht

(c) Auckland Museum, CC BY 4.0
Abzeichen für Teilnehmer des Tags der Wehrmacht

Am auf den Heldengedenktag folgenden Sonntag veranstaltete das Winterhilfswerk des Deutschen Volkes ab 1939 den Tag der Wehrmacht, an dem Spenden gesammelt wurden und der Bevölkerung das Kriegsgerät vorgeführt wurde.[7][8]

Literatur

  • Georg Kaisenberg: Das neue Feiertagsrecht. In: Archiv des öffentlichen Rechts, Band 65 (N.F. 26), Nr. 1 (1935), S. 90–101 (Vorschau).
  • Thomas Peter Petersen: Die Geschichte des Volkstrauertages. 2., erweiterte Auflage. Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Bad Kleinen 1998 (PDF; 5,78 MB).
Commons: Heldengedenktag – Sammlung von Bildern
  • Der Heldengedenktag 1942. In: Neues Wiener Tagblatt. Demokratisches Organ / Neues Wiener Abendblatt. Abend-Ausgabe des („)Neuen Wiener Tagblatt(“) / Neues Wiener Tagblatt. Abend-Ausgabe des Neuen Wiener Tagblattes / Wiener Mittagsausgabe mit Sportblatt / 6-Uhr-Abendblatt / Neues Wiener Tagblatt. Neue Freie Presse – Neues Wiener Journal / Neues Wiener Tagblatt, 14. März 1942, S. 1 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/nwg
  • Deutscher Heldengedenktag. In: Oberdonau-Zeitung. Amtliche Tageszeitung der NSDAP. Gau Oberdonau / Oberdonau-Zeitung. Tages-Post. Amtliche Tageszeitung der NSDAP. Gau Oberdonau, 13. März 1944, S. 1 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/obz
  • Heldengedenktag des deutschen Volkes. In: Oberdonau-Zeitung. Amtliche Tageszeitung der NSDAP. Gau Oberdonau / Oberdonau-Zeitung. Tages-Post. Amtliche Tageszeitung der NSDAP. Gau Oberdonau, 12. März 1945, S. 1 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/obz

Einzelnachweise

  1. Beflaggung am Heldengedenktag. In: Das kleine Volksblatt, 15. März 1941, S. 2 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/dkv
  2. RGBl. 1939 I, S. 322 vom 25. Februar 1939. – Zusätzlich wurde der 9. November als „Gedenktag für die Gefallenen der Bewegung“ eingeführt.
  3. Thomas Peter Petersen: Die Geschichte des Volkstrauertages. Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V., 1998, S. 22 (volksbund.de, PDF).
  4. Die Glorifizierung des sinnlosen Sterbens, (Memento vom 4. August 2012 im Internet Archive) Verfassungsschutz Brandenburg; abgerufen am 16. Februar 2009.
  5. Verordnung vom 8. März 1939 (RGBl. I. S. 427) (Online)
  6. Alexandra Kaiser: Von Helden und Opfern – Eine Geschichte des Volkstrauertags (= Campus Historische Studien, Bd. 56). Campus-Verlag, Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3-593-39288-2, S. 184.
  7. Hans Erwin Max Konstantin von Hausen, Hellmuth Rössler, Heinrich Stadelmann: Grundriss der deutschen Wohlfahrtspflege. W. Kohlhammer, Abteilung Schaeffer, 1944 (google.de [abgerufen am 26. März 2025]).
  8. Heidemarie Uhl, Richard Hufschmied, Dieter A. Binder: Gedächtnisort der Republik: Das Österreichische Heldendenkmal im Äußeren Burgtor der Wiener Hofburg. Geschichte – Kontroversen – Perspektiven. Böhlau Wien, 2021, ISBN 978-3-205-20907-2 (google.de [abgerufen am 26. März 2025]).

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“Die große Heldengedenkfeier in Berlin

Angesichts der historischen Entschließung des Führers, dem deutschen Volk die allgemeine Wehrpflicht wieder zu geben, gestaltete sich die Heldengedenkfeier in Berlin zu einem Ereignis von ganz besonderer Bedeutung. Zehntausende grüßten unter den Linden, Zehntausende auf dem Schloßplatz in unbeschreiblicher Begeisterung den Führer der Deutschen und die deutsche Wehrmacht. Und diese Begeisterung war an diesem Tage und in dieser Stunde mehr als das, sie war ein Schwur der Gefolgschaft für den Führer.

Bild zeigt, wie der große Kranz der deutschen Wehrmacht in das Ehrenmal "Unter den Linden" getragen wird. Dahinter von links Admiral Raeder, General v. Fritsch, General Göring, Feldmarschall von Mackensen, der Führer und Generaloberst v. Blomberg.”