Haus Tambaran

Haus Tambaran ist ein Tok-Pisin-Ausdruck, der eine Art traditionelles Ahnenkulthaus in der Ost-Sepik-Region von Papua-Neuguinea beschreibt. Die bekanntesten Tambaran-Formen stammen aus dem Maprik-Gebiet mit einer hohen und kunstvoll verzierten vorderen Eingangswand, von wo der Firstbalken zur Rückseite des Gebäudes hin abfällt, das Dach diesem Gefälle folgt und oft bis zum Boden reicht. Das Volk des Sepikgebietes ist für seine hervorragenden künstlerischen Fähigkeiten im Malen und Schnitzen bekannt, die besonders in diesen religiösen Bauwerken zur Anwendung kommen.

Der Haupteingang des modernen Nationalparlamentsgebäudes (das manchmal informell als Haus Tambaran bezeichnet wird) in Port Moresby ist der traditionellen Haus-Tambaran-Architektur nachempfunden. Es kann auf Google Earth unter Breitengrad: 9°25'41.69"S, Längengrad: 147°11'33.45"E angesehen werden[1] und ist auf der 50-Kina-Note von Papua-Neuguinea abgebildet. Auch das Hochkommissariat von Papua-Neuguinea in Canberra, Australien, ist vom Haus Tambaran beeinflusst.

Haus Tambaran, Apangai, Giebel, 2012

Die Tambaran-Kultur

In der von Männern dominierte Tambaran- (oder Tambaram-) Kultur wird das Haus Tambaran als Versammlungshaus und Ort für Initiationsrituale genutzt. Es wird auch in der Götterverehrung des Yamswurzelkults verwendet, da die Yamswurzel das Grundnahrungsmittel des Sepik-Volkes ist. Die Frauen fungieren in erster Linie als Vorbereiterinnen von Festen, sie sind von den Ritualen ausgeschlossen und Zuschauerinnen.

Die Figur eines Riesengeistes, beseelt durch Geräusche, die aus dem Haus Tambaran zu hören sind, wird bei den Abelam- und Süd-Arapesh-Völkern Nggwal oder Ngwalndu genannt. Nggwal ist die wichtigste Ahnengottheit.[2] Aber auch andere Figuren werden häufig durch große, flache bemalte Gesichter dargestellt. Solche Darstellungen von Ahnengeistern können auch als stilisierte Frauenkörper gesehen werden. Das Malen ist für das Sepik-Volk eine heilige Tätigkeit und die Malereien werden sehr ernst genommen.

Literatur

  • René Gardi: Sepik. Land der sterbenden Geister. Bilddokumente aus Neuguinea. Einführender Text und Bildlegenden von Alfred Bühler, Zürich, 1958.[3]
  • Donald F. Tuzin: The Voice of the Tambaran: Truth and Illusion in Ilahita Arapesh Religion. University of California Press, 1980. ISBN 9780520039643.[4]
  • Philippe Peltier, Markus Schindlbeck, Christian Kaufmann (Herausgeber): Tanz der Ahnen. Kunst vom Sepik in Papua-Neuguinea, Katalog zu den gleichnamigen Ausstellungen in Berlin, Zürich und Paris, 2015/2016.[5]
  • Michael Hirschbichler: Mythische Konstruktionen. Kult- und Geisterhäuser Papua-Neuguineas, 2021. ISBN 978-3-8030-2109-0.[6]

Einzelnachweise

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Haus Tambaran ist ein Tok-Pisin-Ausdruck für ein Geisterhaus in der Ost-Sepik-Region in Papua-Neuguinea. Foto: Ingo Kühl
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Haus Tambaran ist ein Tok-Pisin-Ausdruck für ein Geisterhaus in der Ost-Sepik-Region in Papua-Neuguinea. Foto: Ingo Kühl
Papua-Neuguinea, Ost-Sepikgebiet, Maprik Distrikt, in einem Haus Tambaran, Ingo Kühl, Tomulopa Deko und indigene Männer (von links nach rechts), 2012.jpg
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Papua New Guinea, East Sepik area, Maprik Distrikt, inside of a Haus Tambaran, Ingo Kühl, Tomulopa Deko and indigenous men (left to right), 2012
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Special placement for initiation of men in the ceremonial house of the village Apangai, Papua New Guinea, 1984.Nowadays placed in the State Museum of Etnology, Leiden, The Netherlands.In the front one sees the clanfounder Tappoka. Behind him: female jungle-ghosts, clan-ancestors and mythical ancestors like the creator of the yam-tuber.
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Haus Tambaran ist ein Tok-Pisin-Ausdruck für ein Geisterhaus in der Ost-Sepik-Region in Papua-Neuguinea. Foto: Ingo Kühl
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Haus Tambaran ist ein Tok-Pisin-Ausdruck für ein Geisterhaus in der Ost-Sepik-Region in Papua-Neuguinea. Foto: Ingo Kühl
Giebelwand eines Zeremonial-Giebelhauses der Abelam in Kinbangwa.JPG
Giebelwand eines Zeremonial-Giebelhauses der Abelam in Kinbangwa, Nord-Guinea (Exponat im Staatlichen Museum für Völkerkunde München, aus der Sammlung Adolf J. Schuster, Neuendettelsau, erworben 1975)