Hörbert

Hörbert mit Betriebs-LED und USB-C-Ladebuchse

Der Hörbert (Eigenschreibweise: hörbert) ist ein autarkes Tonabspielgerät aus Holz mit einfacher Bedienung. Es wird von der HMC Hightech Media Components GmbH & Co. KG (HMC) in Deutschland hergestellt und vertrieben. Im Gegensatz zu Konkurrenzsystemen verwendet der Hörbert gebräuchliche Dateiformate und Schnittstellen; er lässt sich ohne Internetzwang mit neuen Inhalten bestücken. Da keine Daten über die Nutzung, abgespielten Inhalte und Nutzer erfasst werden, ist der Hörbert datenschutzfreundlich.

Der Hörbert entstand 2011 im Unternehmen Winzki mit Sitz in Stuttgart-Vaihingen.[1] Im Jahr 2022 kam es zur Insolvenz und 2023 wurde die Firma von HMC Hightech Media Components aus Bremen übernommen, die Entwicklung und Service werden seitdem in Nürtingen betrieben.[2]

Funktion

Der Hörbert verwendet eine Standard-SD-Karte als Tonträger. Entsprechend der neun unterschiedlich gefärbten Tasten kann man die Inhalte in neun Wiedergabelisten organisieren. Die Speicherkapazität der frei wählbaren SD-Karte (bis 512 GB) beschränkt die Länge der aufspielbaren Inhalte.

Durch mehrfaches Drücken einer Wiedergabelisten-Taste springt die Wiedergabe in der gewählten Wiedergabeliste um einen Titel weiter. Eine zusätzliche Taste dient zum hörbaren Schnellvorlauf, eine weitere Taste zum Sprung an den Anfang des aktuellen Titels. Ein drückbarer Drehencoder dient zum Ein- und Ausschalten des Geräts sowie zur Lautstärkeregelung.

Im Inneren des Geräts, das nur durch Lösen einer Schraube erreichbar ist, gibt es die Möglichkeit, 4 AA-Batterien einzusetzen, die für eine Laufzeit von etwa 35 Stunden bei mittlerer Lautstärke sorgen. Mit der 2026 eingeführten USB-C-Ladebuchse können stattdessen auch eingesetzte Akkus ohne Öffnen des Geräts geladen werden. Weiterhin ist der Wechsel der SD-Karte möglich.

Verwendete Materialien

Erweiterungen

Der Hörbert wurde seit Markteinführung um zusätzliche Funktionen erweitert, die auch in bestehenden Geräten nachgerüstet werden können. Ein Bluetooth-Audio-Modul wurde im Rahmen einer Crowdfunding-Kampagne[3] entwickelt. Damit lassen sich simultan zwei Bluetooth-Kopfhörer mit dem Hörbert verbinden, und das Gerät kann als Bluetooth-Lautsprecher eingesetzt werden. Alle bisherigen Erweiterungen flossen in die neuen Revisionen auf Basis des ESP32-Mikrocontrollers mit ein.

Für Menschen mit Behinderung sind Modelle mit besonders einfacher Bedienung erhältlich, die lediglich über drei sehr große Wiedergabetasten (und damit -listen) verfügen. Für den Anschluss von externen Tastern und Sensoren verfügt ein weiteres Sondermodell über eine 3,5-mm-Klinkenbuchse, die an Steuergeräten und Tasten für Menschen mit Behinderung Verwendung finden.

Da der Ur-Hörbert ohne Funkschnittstelle gestaltet war, wurde für das Übertragen der Audioinhalte (wie Musik oder Hörspiele) die nur über das Lösen einer Schraube erreichbare SD-Karte entnommen, an einem Computer mit Daten gefüllt und anschließend wieder eingesetzt. Mittlerweile gibt es die Möglichkeit, über das Bluetooth-Modul Audio auf den Hörbert zu streamen. Weiterhin können Inhalte per Funk aufgespielt werden.[4]

Audio-Angebot

Der Hörbert ist ein offenes System. Es können Dateien in den Formaten MP3, Wav oder M4a auf die Speicherkarte übertragen werden. Dafür gibt es eine eigene komfortable Hörbert-Software.[5] Seit Oktober 2024 geschieht die Übertragung auch per Funk über den Browser Set Mode[6] direkt im Gerät, ohne die Speicherkarte entnehmen zu müssen.

Es ist keine Internetverbindung und kein Lizenzshop zum Bespielen notwendig. Bei den ursprünglichen Hörbert-Geräten wurden die Inhalte von der Software in ein unkomprimiertes Wave-Format umgewandelt, das zum Abspielen besonders wenig Rechenleistung und damit Energie benötigte. Aktuelle Geräte können auch mit MP3s umgehen. Eine Einschränkung beim Bespielen besteht darin, dass keine DRM-geschützten Titel übertragen werden können.

Zusätzlich zur mitgelieferten Speicherkarte, die mit mehr als zwei Stunden Inhalten vorbespielt ist, sind weitere bereits gefüllte Speicherkarten erhältlich mit Titeln von ausgesuchten Verlagen wie Sternschnuppe, Helbling Verlag oder Janosch. Darüber hinaus sind Karten mit internationalen Inhalten oder in Schweizerdeutsch erhältlich. Alle vorbespielten Karten enthalten mehrere Stunden Inhalte. Sie sind dazu gedacht, durch ihr umfangreiches Repertoire mehrere Tage, Wochen oder Monate unverändert im Gerät zu verbleiben. Die Sondereditionen Benjamin Blümchen oder Bibi und Tina enthielten neun komplette Hörspiele und eine ganzseitige Lasergravur auf der Rückseite des Geräts.

Herstellung

Nach eigenen Angaben erfolgen die Fertigung des Gehäuses und die Montage im Erzgebirge. Die Elektronik des aktuellen Modells basiert auf dem Mikrocontroller ESP32.

Bereits im Design berücksichtigt ist die Reparierbarkeit des Geräts. Durch die Verwendung von Schrauben statt Klebstoffen können Besitzer eigenhändig viele Komponenten reparieren oder austauschen.

Geschichte

Im Jahr 2011 wurde das Unternehmen von Rainer Brang in Stuttgart gegründet, zunächst wurde nur innerhalb Deutschlands versandt.[7] Das Unternehmen legte von Beginn an Wert auf Handarbeit in Deutschland.[8][9]

2014 stellte das Museum of Modern Art in New York den Hörbert für 10 Monate im „Art Lab: Places and Spaces“ aus.[10]

2016 gewann das Unternehmen Winzki den KFW Award GründerChampion 2016 für Baden-Württemberg.[11]

Ab 2018 war ein Hörbert in der StoryBoxx des Projekts „Field Trip" fest eingebaut – einer umgebauten Telefonzelle auf dem Tempelhofer Feld in Berlin, in der Besucher O-Ton-Erinnerungen an den ehemaligen Flughafen abhören konnten. Der Einsatz des Hörberts ist im interaktiven Web-Dokumentarfilm „Field Trip" dokumentiert, der unter fieldtrip.tagesspiegel.de abrufbar ist.[12]

Im Oktober 2021 wurde das Gerätedesign grundlegend überarbeitet.[13] Der mechanische Kippschalter und das Potentiometer als Lautstärkeregler wurden durch einen drückbaren Drehencoder ersetzt, und die Elektronik auf den Mikrocontroller ESP32 umgestellt. Der innen liegende Schalter zur Lautstärkebegrenzung wich einer SET-Taste, die das Gerät in einen Einstellungs-Modus bringt. Die Lautstärkebegrenzung konnte damit über Tastenkombinationen eingestellt werden. Die bunten Tasten bestehen seitdem aus gedrechselter Birke, und nicht mehr aus ABS-Kunststoff.

Am 26. Juli 2022 wurde ein vorläufiges Insolvenzverfahren für den Hörbert-Hersteller Winzki eröffnet.[14][15]

Ab 1. Januar 2023 wurde der Hörbert nach einem Asset-Deal von HMC Hightech Media Components weiterentwickelt, produziert und verkauft.[16]

Im Herbst 2024 erschien die Firmware-Version „Butterfly", die den Browser Set Mode einführte.[6] Damit entfiel die Notwendigkeit einer separaten Desktop-Software; Audioinhalte können seitdem direkt über einen Webbrowser auf die Speicherkarte übertragen werden, ohne diese entnehmen zu müssen. Auch Einstellungen wie etwa die Lautstärkebegrenzung, das Bluetooth-Pairing oder die Mikrofoneinstellungen werden per Webbrowser und nicht mehr per Tastenkombinationen vorgenommen.

Am 12. Januar 2026 erschien die Firmware-Version „Butterfly 2", die eine Podcast-Funktion ergänzte.[17] Der Hörbert kann seitdem Podcasts abspielen und neue Episoden selbstständig aus dem Internet herunterladen.

Seit dem 13. März 2026 wird der Hörbert serienmäßig mit einer USB-C-Ladebuchse und einer LED zur Anzeige des Betriebszustands ausgeliefert.[18] Akkus müssen seitdem nicht mehr zum Laden entnommen werden. Das Gerät wurde bis zu diesem Zeitpunkt mit 4 Einwegbatterien ausgeliefert.

Der Hörbert ist in 10 Ländern erhältlich: Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich, Italien, Dänemark, Luxemburg, Niederlande, Vereinigtes Königreich, Liechtenstein.

Rezeption

Gelobt wird vielfach die Robustheit, die einfache Bedienbarkeit, die lange Laufzeit und die datenschutzfreundliche Nutzung ohne Internetzwang[19][20][21]. Kritisiert wird der hohe Einstiegspreis, der mitunter in der umfangreichen Ausstattung begründet ist[21]. 2019 wurde der Hörbert zum Testsieger unter 13 Musikspielern für Kinder (darunter die Toniebox) bei der Stiftung Warentest.[22]

Rezeption in der Maker-Szene

Seit 2014 ist die Elektronik des Geräts separat für private Projekte erhältlich.[23] Die mit diesem Elektronikbausatz kreierten Geräte werden auf Wunsch auf der Hersteller-Website ausgestellt.[24] Nicht nur durch das Anbieten eines eigenen Bausatzes, sondern auch wegen des simplen Bedienkonzepts entstanden in der unabhängigen Maker-Community zahlreiche Projekte und Nachbauten.[25][26]

Einzelnachweise

  1. Ein MP3-Player aus Vaihingen – ein Hörbert für alle. In: Stuttgarter Zeitung. 30. April 2012, abgerufen am 15. Juni 2026.
  2. MP3-Player aus Nürtingen – Neue Hoffnung für Hörbert. In: Stuttgarter Zeitung. 27. Januar 2023, abgerufen am 15. Juni 2026.
  3. Kickstarter: Bluetooth-Kopfhörer mit Hörbert nutzen. 26. Juni 2019, abgerufen am 10. August 2021.
  4. https://www.hoerbert.com/hoerbert-blog/eigene-dateien-auf-hoerberts-speicherkarte-oder-auf-eine-eigene-sd-karte-uebertragen/
  5. Hörbert Software Source Code auf GitHub. 2. Februar 2021, abgerufen am 10. August 2021.
  6. a b hörbert fliegt mit Butterfly – großes Firmware-Update, neuer Webauftritt und neue Produkte für Senioren und Pflege. In: hoerbert.com. 25. November 2024, abgerufen am 15. Juni 2026.
  7. CleanKids-Magazin: Das können wir empfehlen: Hörbert aus Holz spielt jetzt die Musik im Kinderzimmer. 21. Februar 2012, abgerufen am 10. August 2021.
  8. Türöffner-Tag der Sendung mit der Maus begeistert Klein und Groß. 15. Dezember 2014, abgerufen am 10. August 2021.
  9. Welt der Fertigung: Hörbert: Ein MP3-Player der besonderen Art. 15. Dezember 2014, abgerufen am 10. August 2021.
  10. MoMa Art Lab: Places and Spaces (Oct 30, 2014–Aug 31, 2015). 30. Oktober 2014, abgerufen am 10. August 2021.
  11. deGUT-Pressebüro: Winzki GmbH & Co. KG gewinnt im Unternehmenswettbewerb KfW Award GründerChampions 2016 für Baden-Württemberg. 4. Oktober 2016, abgerufen am 10. August 2021.
  12. FieldTrip. 26. Juni 2019, abgerufen am 10. August 2021.
  13. Der Auslieferungsstart für den neuen Hörbert hat begonnen. In: hoerbert.com. 4. November 2021, abgerufen am 15. Juni 2026.
  14. Investorensuche für hörbert-Hersteller Winzki wird im vorläufigen Insolvenzverfahren unverändert fortgeführt. Abgerufen am 3. Februar 2023.
  15. Winzki GmbH & Co.KG | Insolvenz-Portal. Abgerufen am 3. Februar 2023.
  16. HMC Hightech Media Components GmbH & Co. KG | HMC Homepage. Abgerufen am 28. Juni 2023.
  17. hörbert Firmware Butterfly 2 ist da. Abgerufen am 15. Juni 2026.
  18. Neu: Serienmäßig USB-C-Ladefunktion und Betriebs-LED. Abgerufen am 15. Juni 2026.
  19. Elternguide.online: Hörbert - die etwas andere Hörbox. 19. Juli 2019, abgerufen am 10. August 2021.
  20. faz.net Musikplayer für Kinder im Test. 19. Juli 2019, abgerufen am 10. August 2021.
  21. a b chip.de: Musikbox für Kinder im Test: Sieger der Stiftung Warentest. 24. August 2020, abgerufen am 10. August 2021.
  22. Stiftung Warentest, Heft 11/2019: Musikspieler für Kinder im Test. 14. November 2019, abgerufen am 10. August 2021.
  23. c't (Heise Verlag): Hörbert im Eigenbau. 15. Dezember 2014, abgerufen am 10. August 2021.
  24. Selbstbauten von Hoerbert-Bausatz-Kunden
  25. hoerborn: Anleitung zum Bau eines Hörbert Klons. 20. November 2016, abgerufen am 10. August 2021.
  26. Make Magazin: DIY-Musikbox für Kinder. August 2020, abgerufen am 10. August 2021.

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Autor/Urheber: Therab, Lizenz: CC BY-SA 4.0
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