Grünliberale Partei

Grünliberale Partei
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Gründungsdatum:25. Juni 2004 (Kanton Zürich)
19. Juli 2007 (Nationale Partei)
Ideologie:Liberalismus, Wirtschaftsliberalismus, Grüne Politik
Präsidium:Jürg Grossen
Jürg Grossen
Vizepräsidium:Melanie Mettler
Michel Matter
Generalsekretär:Michael Köpfli
Mitglieder:4'500[1]
(Stand: 2019)
Frauenanteil:im Nationalrat: 50 %
(Stand: 2021)
Durchschnittsalter:im Nationalrat: 50.1
(Stand: 2019)
Wähleranteil:7,8
(Stand: Nationalratswahl 2019)
Nationalrat:
16/200
Ständerat:
0/46
Fraktion (BV):glp-Fraktion
Fraktionspräsidentin:Tiana Angelina Moser
Kantonale Parlamente:
129/2609

(Stand: April 2021)
Kantonale Regierungen:
1/154

(Stand: April 2021)
Parteigliederung:20 Kantonalparteien
Gruppierungen:Junge Grünliberale
Frauengruppe
queer glp
Hausanschrift:Monbijoustrasse 30
3011 Bern
Europapartei:Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa[2]
Website:www.grunliberale.ch

Die Grünliberale Partei Schweiz (glp; französisch Parti vert’libéral Suisse, pvl; italienisch Partito Verde Liberale svizzero, pvl; rätoromanisch , pvl) ist eine politische Partei in der Schweiz. Sie will eine liberale Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik mit einer nachhaltigen Umweltpolitik verbinden. Die Partei ist seit den Schweizer Parlamentswahlen 2019 mit 16 Sitzen im Nationalrat vertreten und hält Sitze in 15 kantonalen Parlamenten.

Geschichte

Stimmenanteile der Grünliberalen 2011

Grünliberale Partei Kanton Zürich

Die Grünliberale Partei Kanton Zürich entstand 2004 als Abspaltung von den Grünen Kanton Zürich, als Balthasar Glättli an Stelle von Martin Bäumle zum Präsidenten der Zürcher Grünen Partei gewählt wurde. Innerhalb eines Jahres traten knapp 300 Mitglieder der neuen Partei bei.

Die Grünliberalen waren anfangs mit Martin Bäumle im Nationalrat und bis Mai 2007 mit Verena Diener im Zürcher Regierungsrat vertreten. Beide waren ursprünglich nicht als Mitglieder der Grünliberalen Partei gewählt, sondern sind von den Grünen übergetreten.

Anfangs 2006 traten die Grünliberalen erstmals in einigen Gemeinden mit eigenen Listen zu den Wahlen an. In den Städten Winterthur, Uster und Opfikon konnten die Grünliberalen mit je zwei Sitzen in das Gemeindeparlament einziehen, in der Stadt Zürich scheiterten sie dagegen an der 5-Prozent-Hürde (die Regel, wonach eine Partei in mindestens einem Wahlkreis mindestens 5 % der Stimmen erhalten muss; siehe Ergebnisse der Kommunalwahlen in Zürich).

Bei den Kantonsratswahlen am 15. April 2007 konnte die glp einen Wahlerfolg erzielen und holte auf Anhieb zehn Sitze (von insgesamt 180). In der Folge wurde auch in anderen Kantonen die Gründung einer grünliberalen Partei angestrebt.

Nach der Gründung der nationalen Partei konnten die Grünliberalen im Kanton Zürich weitere Wahlsiege verbuchen. Bei den Gemeinderatswahlen am 7. März 2010 konnten sie ins Zürcher Stadtparlament einziehen und wurden in den anderen Gemeindeparlamenten deutlich gestärkt.[3] Bei den Zürcher Kantonsratswahlen vom 3. April 2011 erreichten sie 10,3 % Stimmenanteil und 19 Sitze (+9); bei den Kantonsratswahlen vom 12. April 2015 erreichte sich 7,64 % Stimmenanteil und 14 Sitze.[4] 2018 wurde mit Andreas Hauri der erste grünliberale Stadtrat von Zürich gewählt.

Nationale Partei

WahlWähleranteilNationalratStänderat
20071,4 %
3/200
1/46
20115,4 %
12/200
1/46
20154,6 %
7/200
0/46
20197,8 %
16/200
0/46

Die Grünliberalen der Kantone Zürich und St. Gallen haben am 20. Juli 2007 offiziell eine nationale Partei gegründet. Die beiden Kantonalsektionen haben sich an den Schweizer Parlamentswahlen 2007 beteiligt. Bei den Nationalratswahlen gewann die glp 1,4 % der Stimmen und drei Nationalratssitze im Kanton Zürich. Die frühere Zürcher Regierungsrätin Verena Diener wurde zudem im zweiten Wahlgang in den Ständerat gewählt.

Für die 48. Legislaturperiode schloss sich die glp mit CVP und EVP des Nationalrates in einer gemeinsamen Fraktion zusammen.[5]

Nach Gründung der nationalen Partei wurden in den beiden folgenden Jahren in den meisten Deutschschweizer Kantonen Sektionen gegründet; im Jahr 2010 schliesslich auch in den französischsprachigen Kantonen Genf und Waadt. Die Grünliberalen traten zwischen 2007 und 2008 bei verschiedenen kantonalen Wahlen in der Deutschschweiz an und konnten dabei jeweils zwischen einem und sechs Sitzen in den Kantonsparlamenten gewinnen. Weitere Kantonsparlamentarier gewann die glp durch Übertritte aus anderen Parteien.

Nachdem der zuvor parteilose Urner Regierungsrat Markus Stadler am 20. Mai 2010 in den Ständerat gewählt worden war, entschied er sich, der glp beizutreten, die in Uri keine kantonale Sektion hat. Die glp verfügte damit über zwei Ständeräte.

Aus den Schweizer Parlamentswahlen 2011 ging die Grünliberale Partei gestärkt hervor. Sie erreichte bei den Nationalratswahlen 5,4 % der Stimmen und 12 Sitze, damit gewann sie neun Sitze hinzu. Erstmals konnte eine eigene Grünliberale Fraktion der Bundesversammlung gebildet werden. Die beiden Ständeräte wurden wieder gewählt.[6] Die Schweizer Parlamentswahlen 2015 brachten hingegen bei den Nationalratswahlen einen Rückgang auf 4,6 % der Stimmen und – nicht zuletzt wegen fehlender Listenverbindungen – nur noch 7 Sitze.[7] Die beiden Sitze im Ständerat konnten nach dem Rücktritt von Verena Diener und Markus Stadler nicht mehr von der GLP besetzt werden. Bei den Wahlen von 2019 legten die Grünliberalen wieder zu: Sie gewannen bei einem Wähleranteil von 7,8 % 16 Nationalratssitze, bleiben jedoch weiterhin ohne Ständerat.

Politische Einordnung

Die Grünliberalen sehen sich als Partei der politischen Mitte und stehen damit nicht links wie die Grüne Partei der Schweiz. Sie wollen eine liberale Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik konsequent mit einer nachhaltigen Umweltpolitik verbinden. Differenzen zur Grünen Partei bestehen insbesondere in wirtschafts-, sozial- und finanzpolitischen Fragen. Die Grünliberale Partei versucht die Wirtschaft mit der Umwelt zu versöhnen.

Organisation

Die Grünliberale Partei Schweiz besteht zurzeit (Stand Dezember 2020) aus 20 Kantonalparteien. Sie sind die Mitglieder der nationalen Partei. Für Einzelpersonen aus Kantonen ohne Kantonalpartei besteht zudem die Möglichkeit einer direkten Mitgliedschaft bei der Grünliberalen Partei Schweiz.[8]

Delegiertenversammlung

Das oberste Organ der Grünliberalen Partei Schweiz ist die Delegiertenversammlung. Sie setzt sich zusammen aus den Delegierten der Kantonalparteien, wobei jede Kantonalpartei Anspruch auf vier Delegierte hat. Dazu kommen weitere Delegierte abhängig vom Wahlerfolg der jeweiligen Sektion. Weiter sind die National-, Stände- und Regierungsräte der Partei und die Mitglieder des nationalen Vorstandes stimmberechtigte Delegierte. Ehemalige Mitglieder der Bundeshausfraktion sind ebenfalls Delegierte.[8] In der Regel finden vier Delegiertenversammlungen pro Jahr statt.

Vorstand

Der Vorstand ist das strategische Organ der Partei. Der Präsident oder die Präsidentin einer Kantonalpartei ist von Amtes wegen Mitglied im Vorstand. Den Netzwerken (Frauen, GayLP, Junge Grünliberale) steht ebenfalls je ein Sitz im Vorstand zu. Für jedes Vorstandsmitglied kann ein Stellvertreter oder eine Stellvertreterin gewählt werden. Die Vorstandsmitglieder werden von der Delegiertenversammlung auf zwei Jahre gewählt.[8] Ebenfalls und von Amtes wegen Mitglied des Vorstandes sind Partei- und Fraktionspräsidium sowie beratend der Generalsekretär bzw. die Generalsekretärin.[8]

Geschäftsleitung

Die Geschäftsleitung vertritt die Partei gegen aussen und führt die laufenden Geschäfte. Sie setzt sich zusammen aus dem Partei- und Fraktionspräsidium sowie (mit beratender Stimme) der Generalsekretärin bzw. dem Generalsekretär.[8]

Junge Grünliberale

2016 gründeten die Grünliberalen eine eigene Jungpartei, nachdem bereits zuvor bei Wahlen Listen von Jungen Grünliberalen aufgestellt worden waren.[9]

Thinktank glp lab

2016 gründeten GLP-Mitglieder um Kathrin Bertschy den Thinktank glp lab[10], der sich als «Politlabor für grüne, liberale und progressive» Ideen versteht[11]. Das glp lab hat seinen Sitz in Zürich und wird von der Zürcher Nationalrätin Corina Gredig geleitet.[12]

Wahlergebnisse

Parteistärke der Grünliberalen bei den Nationalratswahlen 2019
JahrSchweizSchweiz 
National-
rat
Kantonsparlamente
Kanton ZürichKanton Zürich 
ZH
Kanton BernKanton Bern 
BE
Kanton LuzernKanton Luzern 
LU
Kanton UriKanton Uri 
UR
Kanton SchwyzKanton Schwyz 
SZ
Kanton ObwaldenKanton Obwalden 
OW
Kanton NidwaldenKanton Nidwalden 
NW
Kanton GlarusKanton Glarus 
GL
Kanton ZugKanton Zug 
ZG
Kanton FreiburgKanton Freiburg 
FR
Kanton SolothurnKanton Solothurn 
SO
Kanton Basel-StadtKanton Basel-Stadt 
BS
Kanton Basel-LandschaftKanton Basel-Landschaft 
BL
Kanton SchaffhausenKanton Schaffhausen 
SH
Kanton Appenzell AusserrhodenKanton Appenzell Ausserrhoden 
AR
Kanton Appenzell InnerrhodenKanton Appenzell Innerrhoden 
AI
Kanton St. GallenKanton St. Gallen 
SG
Kanton GraubündenKanton Graubünden 
GR
Kanton AargauKanton Aargau 
AG
Kanton ThurgauKanton Thurgau 
TG
Kanton TessinKanton Tessin 
TI
Kanton WaadtKanton Waadt 
Kanton WallisKanton Wallis 
VS
Kanton NeuenburgKanton Neuenburg 
NE
Kanton GenfKanton Genf 
Kanton JuraKanton Jura 
JU
20071,45,8n. a.n. a.**n. a.n. a.
2008n. a.n. a.5,1n. a.2,42,0
20093,73,5n. a.n. a.n. a.
20104,1n. a.n. a.n. a.3,9*n. a.
20115,410,35,93,64,5n. a.*n. a.
2012n. a.n. a.5,0n. a.5,05,55,94,4
20135,3n. a.4,83,1
20146,7n. a.n. a.3,95,0*
20154,67,64,34,4n. a.*0,4n. a.
2016n. a.2,52,54,35,73,95,35,2
20174,24,8n. a.4,4
20186,9n. a.n. a.6,05,3*1,6
20197,812,96,55,0n. a.*1,0
2020n. a.5,87,88,66,29,27,64,5
20217,00,98,2
Legende: * – Landsgemeinde oder Majorzwahlen/Gemeindeversammlungen in mehreren/allen Wahlkreisen; … – zuk. Wahlen im laufenden Jahr; kursiv – Einzug ins Parlament verpasst; n. a. – nicht angetreten; Wahlergebnisse in Prozent; Quelle:[13]

Siehe auch

Weblinks

Literatur

  • Werner Seitz: Die Grünliberale Partei (GLP). Sind die Grünliberalen eine Rechtsabspaltung der Grünen? In: Die Parteien in Bewegung. Nachbarschaft und Konflikte. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2013, ISBN 978-3-03823-846-1, S. 123–155.

Einzelnachweise

  1. Der Bund kurz erklärt 2015. (PDF; 12437 kB) (Nicht mehr online verfügbar.) Schweizerische Bundeskanzlei, 12. Februar 2015, archiviert vom Original am 29. März 2015; abgerufen am 20. April 2015.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bk.admin.ch
  2. ALDE Party Council meets in Zürich. ALDE, 28. Juni 2019, abgerufen am 28. Juni 2019 (englisch).
  3. Grünliberale als Gewinner der Zürcher Gemeinderatswahlen | NZZ. In: Neue Zürcher Zeitung. 7. März 2010, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 28. Juli 2018]).
  4. Hochrechnung, Resultate, Stimmbeteiligung – Statistisches Amt des Kantons Zürich (Memento vom 14. April 2015 im Internet Archive) (abgerufen 20. Mai 2015).
  5. Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven:@1@2Vorlage:Toter Link/tagesschau.sf.tv Schweizer Fernsehen: Grünliberale und EVP bandeln mit CVP an
  6. Urs Bloch: BDP und GLP als starke Kräfte der neuen Mitte | NZZ. In: Neue Zürcher Zeitung. 23. Oktober 2011, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 28. Juli 2018]).
  7. Nationalratswahlen: Übersicht Schweiz. Bundesamt für Statistik, 18. Oktober 2015, abgerufen am 16. Dezember 2015.
  8. a b c d e Statuten der Grünliberalen Partei Schweiz. (PDF) (Nicht mehr online verfügbar.) Grünliberalen Partei Schweiz, 3. November 2012, archiviert vom Original am 7. Februar 2014; abgerufen am 22. April 2014.
  9. Website der Jungen Grünliberalen. In: junge.grunliberale.ch. Abgerufen am 1. Mai 2016.
  10. «Die Grünliberalen melden sich zurück – mit progressiven Ideen aus eigener Denkfabrik», watson.ch vom 22. März 2017, abgerufen am 25. September 2018.
  11. Homepage des glp lab, abgerufen am 25. September 2018.
  12. Bilanz vom 10. Juni 2018 über Thinktanks in der Schweiz, abgerufen am 25. September 2018.
  13. Bundesamt für Statistik: Kantonale Parlamentswahlen: Parteistärken mit Zuteilung der Mischlisten auf die Parteien

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