Giacomo Puccini


Giacomo Antonio Domenico Michele Secondo Maria Puccini (italienisch []; * 22. Dezember 1858 in Lucca; † 29. November 1924 in Brüssel) war ein italienischer Komponist. Er ist insbesondere bekannt für seine Opern, die zu den wichtigsten Werken des Verismo gehören.
Leben
Herkunft und Familie
Puccini stammte aus einer Musikerfamilie. Seine Eltern waren Albina Magi und Michele Puccini. Dieser war Leiter der Stadtkapelle von Lucca, Organist am Dom und Komponist von Opern und Messen, sein Großvater Domenico Puccini war ebenfalls ein Komponist von Orchesterwerken und Klavierstücken, und schon sein Ururgroßvater Giacomo Puccini war Komponist und Organist. Als Ursprungsort der Familie Puccini gilt das 20 Kilometer von Lucca, dem Geburtsort des Opernkomponisten, entfernte Dorf Celle dei Puccini (heute Ortsteil von Pescaglia), in dem Ururgroßvater Giacomo Puccini geboren wurde.[1.1] Kurz nach Puccinis Geburt wurde mit dem Sardinischen Krieg der Zweite Italienische Unabhängigkeitskrieg geführt, nach dessen Ende das Königreich Italien entstand.[1.2]
Puccini war erste Sohn seiner Eltern.[1.3] Seine Geschwister waren:[1.4]
- Zemi (geb. Oktober 1853; starb wenige Monate nach der Geburt)
- Otilia (geb. o. get. 23. Januar 1851), heiratete später Massimo del Carlo (Augenarzt und später Bürgermeister von Lucca)
- Tomaide (geb. o. get. 14. April 1852), heiratete Enrivo Gherardi (verwitweter Bankbeamter)
- Nitteti (geb. o. get. 27. Oktober 1854), heiratete Alberto Marsili (Anwalt)
- Iginia (geb. o. get. 19. November 1856), ging ins Kloster und wurde Oberin
- Ramelde (geb. o. get. 18. Dezember 1859), heiratete Raffaelo Franceschini (Finanzamtsleiter)
- Macrina (geb. o. get. 13. September 1862)
- Michele (geb. o. get. 13. April 1864)
Er wurde am 23. Dezember 1858 unter dem Namen Giacomo Antonio Domenico Michele Secondo Maria in der Kirche San Giovanni getauft.[1.3] Puccinis Eltern entstammten dem damaligen gehobenen Bürgertum, die nicht besonders reich war, aber auch nicht arm.[1.4] Wie der Vater entstammte auch die Mutter einer musikalischen Familie.[1.5] Am 23. Januar 1864 starb Vater Michele; Mutter Albina erhielt eine Pension von 72 Lire (heute: etwa 615 Euro).[1.6]
Puccini erhielt eine ordentliche Schulbildung, und zwar sehr wahrscheinlich als externer Absolvent der geistlichen Seminare, die an die Hauptkirchen von Lucca, Sani Michele und San Martino, angeschlossen waren, war jedoch ein schlechter Schüler.[1.7] Onkel Fortunato Magi unterstützte die Familie mit der Hälfte seines Gehalts und gab Puccini zusätzlichen Musikunterricht.[1.7]
Ausbildung
Istituto Musicale Pacini
Im Jahr 1871 wechselte Puccini von der Seimnarschule an das Istituto Musicale Pacini, um in der Tradition der Familie Berufsmusiker zu werden, wo er den Unterricht mehr schlecht als recht absolvierte.[1.8] So meinte einer seiner Lehrer angeblich:[1.8]
„Er kommt nur in die Schule, um seinen Hosenboden abzusitzen. Er passt auf nichts auf, Er klopft immer auf seinen Tisch, als ob das ein Klavier wäre. Niemals liest er ein Buch.“
Ihn interessierte eher das Machen von Musik.[1.8] Dementsprechend erhielt er erste Preise wie zum Beispiel in der Orgelklasse im Jahr 1875 und für Komposition und Kontrapunkt im Jahr 1878.[1.8] Ein enges Verhältnis entwickelte Puccini am Istituto Musicale Pacini zu Carlo Angeloni, Lehrer am Istituto für Gesang und Kompositionstheorie, distanzierte sich aber von ihm, als Angeloni ein Vierteljahrhundert später starb.[1.9]
Für den Lebensunterhalt betätigte Puccini sich als Orgelspieler an den weniger wichtigen Kirchen der Stadt und nahm mit Carlo Della Nina den einzigen Schüler seines Lebens an.[1.10] Im Zusammenhang mit seiner Kirchenmusik- und Unterrichtstätigkeit unternahm Puccini auch seine ersten kompositorischen Versuche.[1.10] Viele Anekdoten aus dieser Zeit hat Puccini später als erfunden bezeichnet, aber zumindest seinem priesterlichen Bekannten Don Pietro Panichelli gegenüber zugegeben, dass er zu dieser Zeit Geld, das er für sein Orgelspiel erhielt und für den Familienhaushalt bestimmt war, unterschlagen hat und einnmal Pfeifen aus einer Kirchenorgel als Altmetall verkauft hat.[1.11] Dass er in einem Bordell nahe des Doms verkehrte und dort eine Freundin namens Lola hatte, gilt zumindest als nicht unwahrscheinlich.[1.12] Ein besonderer Bezugspunkt für intellektuellen Austausch war für ihn auch noch Jahrzehnte später das „Caffè Caselli“ (heute Cafè „De Simo“) an der alten Hauptstraße, das dem Vater seines späteren Freundes Alfredo Caselli gehörte.[1.12] Er war sehr an Oper interessiert und besuchte das Teatro del Giglio, wo er Rossini, Bellini, Donizetti und Verdi sah.[1.12] Als prägend beschrieb Puccini die Aufführung von Aida im Jahr 1876 in Pisa, von der er noch im Jahr 1903 berichtete, dass er für sie zu Fuß eine Gesamtstrecke von 40 Kilometern nach Pisa und zurück gewandert sei.[1.13]
In dieser Zeit spielte Puccini zum Gelderwerb im „Cafè Buon Gusto“ in einer Tanzkapelle, die vom Geiger Augusto Michelangeli geleitet wurde, der auch am Instituto Pacini unterrichtete und am Teatro del Giglio dirigierte.[1.14]
Anfang des Jahres 1870 starb die jüngste Schwester, die siebenjährige Macrina.[1.14] Mitte März 1872 heiratete die älteste Schwester Ottilia den Arzt Massimo del Carlo; beide bleiben in Lucca.[1.14] Anfang 1875 trat Schwester Iginia als Suor Giulia Enrichetta dem Orden der Augustinerinnen im Kloster von Vicopelago fünf Kilometer entfernt von Lucca bei.[1.14]
In politischer hinsicht war Puccini enttäuscht, dass Korruption an die Stelle des abgeschafften Absolutismus trat und der politische Neubeginn im politischen Alltag unterging.[1.15] Sowohl in Lucca als auch in ganz Italien gab es viele Auswanderungen ins Ausland.[1.16] Das politische Leben im Italien jener Zeit war eine Mischung aus revolutionärem Aufbruch, bürokratischer Kleinkrämerei, sozialen Spannungen, wirtschaftlicher Depression, aufklärerischem Freidenkertum und klerikaler Reaktion.[1.16] Für Puccini bedeutete der Wegfall des Absolutismus in erster Linie die Unabhängigkeit von aristokratischen Dienstherren.[1.16]
Puccini strebte den Weggang nach Mailand an.[1.16] In Mailand bestand das angesehenste Konservatoriums Italiens; Mailand bot die Beziehungen, die ein erfolgreicher Komponist brauchte; schließlich war das Teatro alla Scala das bedeutendste Opernhaus im Königreich und eines der weltweit ersten überhaupt.[1.16] Aus Puccinis Anfangszeit sind das Preludio a Orchestra (SC 1), das Vexilla regnis prodeunt für zweistimmigen Männerchor und Orgel (SC 7) und die Romanze A te für Singstimme un Klavier (SC 8), die lange verschollene, aber fragmentarisch wiederaufgetauchte Kantate I figli dell'Italia bella erhalten.[1.17] Öffentlichen Erfolg hatte Puccini mit dem am 29. April 1877 am Istituto Pacini uraufgeführten Mottetto per San Paolino für Solobariton, vierstimmigen gemischten Chor und großes Orchester (SC 2).[1.18] Sein umfangreichstes und musikalisch bedeutendstes Werk ist die Messa a 4 voci (SC 6).[1.19]
Konservatorium in Mailand
Da die Familie sich eine Studienaufenthalt Puccinis in Mailand aus eigener Kraft nicht leisten konnte, bat seine Mutter Königin Margherita erfolgreich um Hilfe, die ihm ein einjähriges Stipendium von 100 Lire gewährte; weitere finanzielle Hilfe kam von Onkel Cerù.[1.20] Im Herbst 1880 trat Puccini die Reise nach Mailand an.[1.20]
Am 14. Oktober 1880 reichte Puccini sein Aufnahmegesuch beim Mailänder Conservatorio Giuseppe Verdi ein.[1.21] Als Adresse gab er Via Unione 7 bei seinem vierzehn Jahre älteren Vetter Carlo Biagini an, dem Sohn von Michele Puccinis Schwester Clara.[1.21] Diese Adresse gab er auch weiterhin als seine offizielle Adresse an, auch als er wenige Wochen später in die Via (heute Corso) Monforte 26 wenige hundert Meter vom Konservatorium entfernt umzog.[1.21]
Eigentlich war Puccini schon zu alt für den Eintritt am Konservatorium, doch konnte er wegen seines guten Ergebnisses bei der Aufnahmeprüfung und der Empfehlung seines Lehrers Fortunato Magi trotzdem an das Konservatorium.[1.21] In seiner Anfangszeit knüpfte Puccini erste Kontakte zu seinem lucchesischen Landsmann Alfredo Catalani, dessen erste Opernerfolge bevorstanden, und zu Signora Luca, der siebzigjährigen Chefin des gleichnamigen Musikverlages, der unter anderem die italienischen Rechte an Richard Wagners Opern besaß.[1.21] Seine ersten Stunden in Komposition hatte Puccini bei Professor Antonio Bazzini.[1.22]
Puccini konzentrierte sich ganz auf seine Studien, ohne aber das gesellschaftliche Leben zu vernachlässigen.[1.23] Zunächst klagte er dennoch, dass er aus Geldmangel nicht in die Oper gehen konnte, was sich dank der finanziellen Unterstützung durch seine Mutter bald änderte.[1.24] Die Scala könne er, so klagte er, auf Grund der dortigen hohen Preise, dennoch nicht besuchen.[1.24] Auch zeigte er sich enttäuscht von Frau Lucca, die, obwohl Verfechterin von Richard Wagner, der Macht des großen Traditionsverlags Ricordi unterworfen war und damit der Konvention Giuseppe Verdis.[1.24] Trotzdem berichtete er in den Briefen an seine Familie von weiteren Premieren an der Scala, wobei unklar ist, wieviel er davon wirklich gesehen hat, da er sparsam mit seinem Geld umgehen musste.[1.25] Aus diesem Grund zog er Anfang Februar 1881 der günstigeren Miete wegen aus der Via Monforte in die Via Zecca Vecchia 10 und wohnte ab Mai 1881 in der Vicolo San Carlo 2.[1.26]
In diese Zeit fiel die Heirat seiner zweitältesten Schwester Tomaide.[1.26] Am Konservatorium gehörte Puccini zu den besten Studenten, aber nicht wegen seines Fleißes, sondern wegen seiner Begabung.[1.26] So bekam er wegen unentschuldigten Fehlens schon nach zwei Monaten eine Geldstrafe von 10 Lire.[1.26] Bagazzi, inzwischen Direktor des Konservatoriums, schrieb an Puccinis Mutter, dass ihr Sohn faul war und oft fehlte und trotz Bagazzis Empfehlung wegen der großen Konkurrenz in Mailand nicht mit einer profitablen Stelle rechnen könne.[1.26]
Für Puccini war der Unterricht am Konservatorium eher eine Last, der aus den traditionellen Grundlagen von Harmonielehre, Kontrapunkt und klassischer Instrumentation bestand und die moderne Oper vernachlässigte.[1.27] In diesem Zusammenhang könnte die Anekdote stimmen, Puccini habe seinem neuen Lehrer Amilcare Ponchielli mehrfach die gleiche Fuge, nur in verschiedenen Tonarten, abgeliefert.[1.28] Für Puccini interessanter könnte die Anfertigung von Solfèges, also Übungsstücken zur Gehör und Gesangsbildung, gewesen sein.[1.28] Zu dieser Zeit war er beeindruckt von Carl Maria von Webers Der Freischütz und las die Instrumentationslehre von Hector Berlioz.[1.28] Am Konservatorium lernte Puccini den fünf Jahre jüngeren Pietro Mascagni kennen (wahrscheinlich durch den gemeinsamen Lehrer Ponchielli); ob sie auch zusammen wohnten, ist allerdings unklar.[1.28] Eine prägende Erfahrung war für beide der gemeinsame Kauf eine Klavierauszugs von Richard Wagners Parsifal.[1.29] Puccini verehrte Wagner, obwohl er Wahrscheinlich bis dahin noch keine Wagner-Aufführung gesehen hat.[1.30]
Puccini schloss – offenbar Bazzinis Rat folgend, fleißiger zu sein – das zweite Konservatoriumsjahr mit noch besseren Noten ab als das erste.[1.30] In diese Zeit fällt im Juni/Juli 1882 die Komposition seines konventionellenPreludio sinfonico in A-Dur für Orchester (SC 32) sowie zwischen Frühjahr 1882 und Frühjahr 1883 die Komposition seines nach 2000 rekonstruierten, reiferen Streichquartetts (SC 50, 31, 34, 52, 56), aus dem er später unter anderem in Le Villi, Manon Lescaut und Madama Butterfly Themen übernahm.[1.30]
Im dritten Studienjahr litt Puccini unter Geldnot, da das Stipendium von Königin Margherita nur für das erste Jahr gegolten hatte und das zweite durch familiäre Mittel finanziert wurde, die nun knapp wurden.[1.30] Seine briefliche Bitte an den Bürgermeister von Lucca um finanzielle Unterstützung blieb ohne Erfolg.[1.31] So scheint die Familie, vor allem Onkel Cerú, doch noch einige Mittel aufgebracht zu haben.[1.32]
Puccini scheint auch die Komposition einer eigenen Oper ins Auge gefasst zu haben, denn er bittet Onkel Cerú, denn Bruder Michele solle eine gewissen Medarse Capelletti fragen, ob dieser nichts von dem Libretto wisse, das er Puccini versprochen hatte.[1.32] Ponchielli sah sich zu erneuten Ermahnungen veranlasst, Puccini müsse fleißiger sein.[1.32]
Inzwischen hat Puccinis Schwester Ramelde den Steuerbeamten Rafaello Franceschini geheiratet, mit dem Puccini noch zahlreiche Aktivitäten verbinden sollten.[1.32] Seine musikalischen Fähigkeiten schult Puccini nun durch Theaterbesuche und durch das Schreiben eigener Musik und schreibt auffällig oft Lieder auf Texte von Antonio Ghislanzoni: Melancolia (SC 38), Salve Regina (SC 39), Storiella d'amore (SC 40) und Ad una morta! (SC 41).[1.33]
Anfang Jumi 1883 begannen die Abschlussprüfungen am Konservatorium.[1.34] Von den schriftlichen Aufgaben sind noch zwei vorhanden, und zwar eine vierstimmige Fuge (SC 53) und eine klavierbegleitete Gesangsszene mit den Anfangsworten Mentìa l'avviso (SC 54). Der schwierigste Prüfungsteil war das, aus dem er später Tei Capriccio Sinfonicole für den Beginn seiner Oper La Bohème verwendete.[2] und das bei bestandenem Examen zur öfentlichen Aufführung bestimmt war.[1.34] Puccini erreicht beim Examen eines der besten Ergebnisse.[1.34] Puccini schreibt an seine Familie, dass er nach einer erfolgreichen Aufführung des Capriccio Sinfonico (wahrscheinlich durch Ponchielli) dem Verleger Ricordi vorgestellt werden solle; auch Verlegerin Lucca würde das Werk erhalten.[1.34]
Puccinis Mutter schrieb nach dem erfolgreichen Examen ihres Sohnes einen Brief an Ponchielli und bat ihn, da es auf ein sicheres Einkommen ankäme, sich bei Rcordi und Lucca für ihren Sohn einzusetzen.[1.35] Puccini reagierte wütend: ein solches Vorgehen wirke sich bei Leuten wie Ponchielli und Bagazzi eher negativ aus.[1.35]
Die Uraufführung des Capriccio Sinfonico stand wegen seines Anspruchs und wegen der Unerfahrenheit der Studenten, die im Orchester spielten, unter keinem guten Stern, wurde aber vom erfahrenen Dirigenten Franco Faccio, dem musikalischen Chef der Scala, gerettet.[1.35] Das Stück wurde zunächst von den Konservatoriumsprofessoren Dominiceti, Bazzini und Ponchielli und später von der zeitgenössischen Kritik gelobt.[1.36] Am 16. Juli, dem Tag des Abschlusskonzerts, bei dem das Capriccio erneut erklang, erhielt Puccini sein Abschlussdiplom mit sehr guten 164 von 200 Punkten.[1.37] Doch mahnte Ponchielli an einem Brief an Puccinis Mutter, auch nach dem Erfolg des Capricccio werde dieser Geduld brauchen; auch Ponchielli selbst habe sich anfangs mit bescheidenen Ämtern zufriedengeben müssen.[1.37]
Le Villi
Ponchielli regte Puccini an, an einem Wettbewerb des Verlags Sonzogno teilzunehmen, der sich zur Aufgabe gemacht hat, die italienische Musik zu fördern.[1.38] Der Librettist solle Ferdinando Fontana werden, dessen Librettovorschlag Puccinis angeblicher Art der sinfonisch beschreibenden Komposition entspreche und aus dem die spätere Schwarzwald-Oper Le Villi wurde, in der ein junger Mann seine Verlobte betrügt, woraufhin ihr und andere Geister an ihm Rache nehmen.[1.38][1.39] Ponchielli vermittelte den Kontakt zwischen Puccini und Fontana, der eine günstigere Bezahlung als sonst akzeptierte.[1.38] Puccini reiste nach Lucca und begann sogleich mit der Komposition.[1.38] Am 4. Oktober druckte die Musikzeitschrift La Musica Popolare aus dem Verlag Sonzogno Puccinis Lied Soriella d'amore.[1.40] Gegen Ende der Arbeiten an Le Villi wurde die Zeit knapp.[1.40] Erst am 31. Dezember, dem letzten Tag der Abgabefrist, lieferte Puccini die Oper beim Preisgericht ab, in dem Ponchielli, Faccio und andere Professoren des Konservatoriums saßen.[1.40]
Nach der Komposition von Le Villi zog Puccini wieder für längere Zeit nach Mailand in die Piazza San Simpoliciano, Haus Nr. 2.[1.40] Dort hoffte er auf eine Empfehlung Ponchiellis an Ricordi, die Ponchielli jedoch hinauszögerte.[1.40] Puccini suchte auch vergeblich Kontakt zu Catalani, der gerade nicht in Mailand und laut Puccinis Mutter ein Egoist war.[1.41] Mehr Erfolg hatte Puccini beim Verlag Lucca, der einen Klavierauszug des Capriccio zu vier Händen mit einer Widmung an den Fürsten Carlo Poniatowski veröffentlichte.[1.41]
In dieser Zeit erkrankte Puccinis Mutter, die sich selbst eher um die Karriere ihres Sohnes sorgte.[1.41] Schließlich empfahl Ponchielli Puccini doch noch, jedoch ohne nachhaltigen Erfolg, bei Ricordi, und Puccini ging beim Wettbewerb mit seiner Oper leer aus.[1.42] Die Vorschläge seiner Mutter, Unterricht zu geben oder sich bei Ricordi als Dirigent für eine Ponchielli-Oper verpflichten zu lassen, waren nicht sein Fall – das Einzige, was er wollte, war selber komponieren.[1.43]
Nitteti heiratete als letzte von Puccinis Schwestern den Anwalt Alberto Marsili.[1.43] Ende März kam Puccinis kleiner Bruder Michele, der auch am Konservatorium studieren wollte, zur Aufnahmeprüfung für einige Tage nach Mailand.[1.43]
Im Salon des reichen und kunstbegeisterten Exzentrikers Marco Sala spielte Puccini Le Villi in Anwesenheit von Arrigo Boito und angeblich auch Giovannina Luca und Catalina am Klavier vor.[1.43] Die Anwesenden beschlossen, Le Villi im Teatro al Verme aufzuführen.[1.43] Mitte Mai hatte Fontana einen Großteil des benötigten Geldes beisammen.[1.44]
Inzwischen verschaffte Puccini für Michele eine Stelle bei dem Mailänder Musikalienhändler Pigna und zog in die Piazza Beccaria 13 um, wohnte allerdings auch jetzt noch nicht mit Michele zusammen.[1.43]
Eine Stelle im Briefwechsel zwischen Puccini und seiner Mutter aus dem Jahr 1884, in der von einer gewissen „Capua“ die Rede ist, lässt die Veröffentlichung der Tre Menuetti für Streichquartett (SC 61), die Puccini bei Pigna publizierte, auf eben jenes Jahr 1884 festlegen.[1.44] Sie wurden früher auf 1890 datiert.[1.44] Bei der erwähnten „Capua“ handelt es sich um Vittoria Augusta die Bourbone, Principessa di Capua, die Widmungsträgerin der ersten drei der Menuette.[1.44] Nachdem Puccinis Mutter vergeblich versucht hatte, die Principessa, die wenige Kilometer nördlich von Lucca wohnte, wegen der Erlaubnis einer Widmung zu kontaktieren, bat sie ihren Sohn, es selbst zu versuchen.[1.44] Es lässt sich nicht feststellen, ob die Menuette direkt vor Drucklegung oder schon deutlich vorher entstanden sind.[1.45]
Am 31. Mai 1884 wurde die Premiere von Le Villi im Teatro al Verme ein sensationeller Erfolg.[1.46] Auch die zweite, dritte und eine ursprünglich nicht geplante vierte Aufführung waren gut besucht.[1.46] Puccini konnte mit einem Mal alle Schulden bezahlen.[1.46]
Nach diesem Erfolg erwarb Ricordi alle Rechte an Le Villi und beauftragte Fontana und Puccini mit einer weiteren Oper.[1.47] Nachdem die großen Erfolge des bereits 70-jährigen Verdi Geschichte waren, suchte Ricordi nach jungen Opernkomponisten.[1.47] Auch Verdi äußerte sich einem Freund gegenüber lobend über Le Villi.[1.48] Trotz des Erfolges erkannte Ricordi, dass Le Villi für weitere Aufführungen überarbeitet und länger werden müsste.[1.48]
Puccini zog sich für die nötige Überarbeitung nach Lucca zurück.[1.48] Dort wurde Puccini mit dem schlechten Gesundheitszustand seiner Mutter konfrontiert.[1.48] Er bestand darauf, einen bekannten Arzt in Pisa zu konsultieren, der einen Magenkatarrh und Leberbeschwerden diagnostizierte.[1.48]
Zwischendurch fuhr er nach Turin, wo eine Aufführung des Cappriccio Sinfonico geplant war.[1.49] Puccini nutzte den Turinaufenthalt, um Don Bosco um religiöse Hilfe für die kranke Mutter zu bitten.[1.50] Puccinis Mutter werde, so sagt Don Bosco , gesund weren, wenn sie auf Gott vertraut; er versprach, für Puccinis Mutter zu beten.[1.50] In musikalischer Hinsicht traf sich Puccini mit Turins führendem Musikkritiker, dem Grafen Valletta; auch Dirigent Franco Faccio war anwesend.[1.50] Das Cappriccio wurde auch in Turin ein großer Erfolg und wurde mehrmals aufgeführt.[1.50]
Doch sogleich musste Puccini eilends nach Hause nach Lucca zurückkehren, als seine Mutter am 17. Juli im Alter von 54 Jahren starb.[1.50] Puccini traf dieser Schicksalsschlag schwer.[1.50]
Nach Erledigung der Formalitäten – Verteilung und Verkauf des Nahlasses übernahm Onkel Cerú – reiste Puccini nach Mailand, setzte die Überarbeitung von Le Villi fort und erweiterte die Oper unter anderem vo einem auf zwei Akte.[1.51]
Gleichzeitig drängte Fontana, Puccini solle sich für einen seiner Librettovorschläge für die nächste Oper entscheiden, für die Puccini sich bei Ricordi verpflichtet hatte.[1.51] Ob unter diesen Vorschlägen schon das Libretto für Puccinis nächste Oper Edgar dabei war, ist unklar.[1.51] In Lucca las Puccini in der Gazzetta musicale die erste, allerdings fehlerhafte mehrseitige, von Fontana verfasste Biografie über sich.[1.51] Nach Lehrer Bazzinis Beschwerde, warum er nicht vorkomme, wurde dieser Fehler in der nächsten Version berichtigt.[1.51]
Die erste Aufführung der überarbeiteten Le Villi-Oper fand in Turin statt.[1.51] Puccini und Fontana klagten in einem gemeinsamen Brief an Ricordi über die mangelnde Qualität der Musiker.[1.52] Im Gegensatz zu Puccini glaubte Fontana an einen Erfolg.[1.52] Für eine Aufführung an der Scala müssten die Vorbereitungen jedoch gewissenhater sein.[1.52] Villana schrieb eine wohlwollende Kritik, die Reaktion des Pulikums fiel jedoch mäßig aus.[1.52] An der Scala fand dagegen am 24. Januar 1885 die erste von 13 Aufführungen statt.[1.52] Die Verdi-Sängerin Teresa Stolz äußerte sich in einem Brief an den mit ihr befreunddeten Verdi kritisch über die Oper.[1.53]
Am 1. Februar 1885 veröfentlichte Giulio Ricordi in Gazzetta musicale ein Plädoyer für Puccini, das den jungen, an der deutschen Operntradition orientierten Nachwuchs-Komponisten daran erinnern sollte, dass er Italiener sei.[1.54]
Nach den Mailänder Aufführungen des Villi fuhr Piccini nach Lucca, um sich auf die Arbeit an seinem nächsten Projekt zu konzentrieren, und zwar die Oper Edgar nach einem Libretto von Fontana[1.54] über Edgar, der vor dem Hintergrund der Kriege gegen die Flamen zwischen zwei Frauen steht[1.55] Daneben vermarktete er Li Villi und nutzte die Chance zur Aufführung seines Opernerstlings in Bologna durch den bedeutenden Dirigenten Luigi Mancinelli.[1.56] Eine Aufführung in Lucca lehnte Puccini jedoch ab, das das Orchester hier zu schlecht sei.[1.57]
Elvira Bonturi

Am Ende des Jahres erwähnte Puccini in einem Gruß an Fontana das erste Mal seine Lebenspartnerin Elvira Bontuni.[1.57] Die am 13. Juni 1860 geborene Elvira hatte zwei Kinder aus ihrer ersten Ehe mit dem lucchesischen Kaufmann Narciso Gemignani (1857–1903): die am 5. April 1880 geborene Tochter Fosca und den Sohn Renato (1885–1957).[1.57] Ein Brief Puccinis belegt, dass beide Männer sich gut kannten, vielleicht schon in ihrer Jugend.[1.57] Am 22. Dezember 1886 wurde Puccinis und Elviras gemeinsamer Sohn Antonio geboren, woraufhin Elvira ihren Ehemann und gemeinsam mit Puccini Lucca verließ.[1.57] Bei ihrem Weggang nahm Elvira die sechsjährige Tochter Fosca mit und ließ das Baby Renato bei ihrem Ehemann zurück.[1.57] Narciso Gemignani gab sich mit den Umständen zufrieden, obwohl das bürgerliche Recht auf seiner Seite gewesen wäre, was bedeuten könnte, dass er Fosca für Puccinis Tochter hielt.[1.58] Falls dem so gewesen wäre, hätten Puccini und Elvira bereits vor seinem Studium in Mailand eine Affäre gehabt, was sich aber auf Grund der dürftigen Quellenlage nicht mehr aufklären lässt.[1.59]
Edgar
Im Mai 1886 bat Puccini seinen Verleger, seine eigentlich im Juni ablaufende Dotation zu verlängern, da er noch Zeit für die Komposition von Edgar bräuchte und noch seinen Bruder unterstützen müsse.[1.59] Biograf Dieter Schickling vermutet den wahren Grund für diese Bitte darin, dass Puccini nun eine Frau und deren Tochter zu versorgen hatte.[1.59] In diese Zeit fällt die erste Aufführung von Le Villi außerhalb Italiens, und zwar in Buenos Aires.[1.59]
Im Sommer und Herbst arbeitete Puccini weiter an Edgar.[1.59] Der Autograph erlaubt dabei wenig Einblick in Puccinis Schaffensprozess.[1.60] In dieser Zeit half Fontana Puccini neben der Arbeit am Libretto auch in dessen familiärer Situation und verschaffte dem Paar kurz vor der Geburt des Sohnes Antonio eine Wohnung in Monza nahe bei Mailand, wo das Paar sicherer vor gesellschaftlicher Verurteilung war als in der Großstadt Mailand.[1.61] Am 22. Dezember wurde schließlich Sohn Antonio Ferdinando Maria geboren.[1.61]
Am 5. Februar 1887 wurde Le Villi im damals östereichischen Triest uraufgeführt, wodurch Puccini die mit Spannung erwartete Mailänder Uraufführung von Verdis Otello verpasste, aber rechtzeitig zur zweiten Otello-Aufführung nach Mailand zurückkehrte.[1.61] Verdi kombinierte in Otello Wagners Musiksprache mit der italienischen, woraufhin Puccini große Teile des Edgar umkomponierte.[1.61] Biograf Schickling sieht in dem Kurswechsel und der damit verbundenen Unsicherheit verheerende Folgen für die musikalische Qualität des Edgar.[1.61]
Ende März reisten Puccini und Elvira trotz des sozialen Drucks wegen ihrer Flucht vor gerade mal einem Jahr nach Lucca, kehrten aber recht schnell wieder nach Monza zurück.[1.62] Aus finanziellen Gründen gaben sie ihre Wohnung in Monza auf; Elvira lebte nun mit den Kindern bei ihrer Mutter und ihrer Schwester in Florenz und Puccini unter anderem in Fontanas Sommerfrische in Bergamasco.[1.62]
In Italien begann zu dieser Zeit eine neue politische Epoche, als nach dem Tod von Agostino Depretis Ende Juli 1887 Francesco Crispi an die Macht kam, der sich vom alten Bündnispartner Frankreich lösen wollte und mit seinem Zollkrieg gegen Frankreich wirtschaftliche Turbulenzen in Italien auslöste.[1.62]
Puccini zeigte sich inzwischen optimistisch, da der Edgar fast fertig sei, Ricordi mit seiner Arbeit zufrieden sei, der Edgar in Rom oder vielleicht auch an der Scala uraufgeführt werden solle und Mancinelli den Edgar für Madrid haben wolle.[1.63] Dennoch musste Fontana zwischenzeitlich Ricordi für Puccini um Geld für Reisekosten und Notenpapier bitten.[1.63] Ende Oktober beendete Puccini die Arbeit an Edgar, doch niemand wollte die neue Oper spielen, auch nicht in Mailand, wohin Puccini in die Via Solferino 27 zog, seine Mailänder Adresse für die nächsten 15 Jahre, da die Scala gerade mit den Vorbereitungen für Wagners Lohengrin beschäftigt war.[1.63] In dieser Zeit brachte Schwester Ramelde ihr erstes Kind, Tochter Albina, zur Welt.[1.63]
Zu Beginn des Jahres 1888 wurde eine Aufführung von Le Villi in Neapel zum Fiasko.[1.64] Die Angst vor der unberechenbaren Reaktion des Publikums sollte Puccini von nun an nie mehr loslassen.[1.65] Während er auf eine Aufführungsmöglichkeit für Edgar wartet, finden sich in dessen Autograf nur wenige Bearbeitungsspuren.[1.65] In einem Brief von 1888 schrieb er, er arbeite bereits an einer dritten Oper, wobei unklar ist, ob er Manon Lescaut oder ein anderes, aufgegebenes Opernprojekt meinte.[1.65] Am 1. März 1888 komponierte er die Mattinata Sole e amore (SC 63) die im selben Jahr in der Genueser Musikzeitschrift Paganini veröffentlicht wurde.[1.66]
Am 2. Juli fand in Bologna die erste italienische Aufführung von Wagners Tristan und Isolde statt; möglicherweise hat auch Puccini sie besucht.[1.67] Der Verlag Lucca und seine Wagner-Rechte wurden kurz zuvor von Puccinis Verlag Ricordi aufgekauft.[1.67] Von seinem schweizerischen Ferienort Vacallo aus besuchte Puccini gemeinsam mit Fontana die Bayreuther Festspiele, wo die beiden auf jeden Fall Parsifal und Die Meistersinger von Nürnberg gesehen haben.[1.67]
Nach seiner Rückkehr aus Bayreuth blieb Puccini mindestens bis November in Vacallo und nahm Korrrekturen am Edgar vor, schloss ber die Partitur ab.[1.67] Die Beteiligten an Edgar erwarteten mit Spannung die Premiere des Edgar, zu der auch Verdi erwartet wurde, aber nicht kam.[1.67]
Am Premierenabend am 21. April 1889 reagiere das Publikum merklich kühl.[1.67] Auch die Kritiker reagierten zurückhaltend und warfen Puccini Eklektizismus vor, da einiges nach Gounod klinge und einiges nach Bizet.[1.68] Nach zwei weiteren Aufführungen wurde Edgar vom Spielplan genommen und an der Scala zu Puccinis Lebzeiten nie mehr aufgeführt.[1.69]
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Nach einer langen Entstehungsgeschichte wurde seine Oper Edgar am 21. April 1889 an der Mailänder Scala ohne besonderen Erfolg uraufgeführt. Vier Jahre später, am 1. Februar 1893 fand die Premiere der Oper Manon Lescaut im Teatro Regio di Torino mit großem Erfolg statt. Ebenfalls in Turin wurde am 1. Februar 1896 die Oper La Bohème uraufgeführt, Dirigent war Arturo Toscanini. Am 14. Januar 1900 fand die Uraufführung der Oper Tosca am Teatro Costanzi in Rom statt.
Im Jahr 1903 war Puccini, der schnelle Automobile liebte, in einen schweren Autounfall verwickelt, an dessen Folgen er einige Monate litt. Somit war er eines der ersten prominenten Opfer des motorisierten Straßenverkehrs.

Am 3. Januar 1904 heiratete Puccini seine Lebensgefährtin, Elvira Bonturi (* 13. Juni 1860, † 9. Juli 1930), mit der er bereits einen Sohn hatte, Antonio (auch Tonio oder Anton; * 23. Dezember 1886; † 21. Februar 1946).
Die Uraufführung seiner Oper Madama Butterfly am 17. Februar 1904 war ein außerordentlicher Misserfolg. Nach einer Überarbeitung u. a. durch seinen Freund und Kollegen Alfred Brüggemann wurde die Oper drei Monate später am Teatro Grande von Brescia erneut aufgeführt und nun begeistert aufgenommen.
Mit La fanciulla del West erlebte er am 10. Dezember 1910 sein glanzvolles Debüt an der Metropolitan Opera in New York. Es dirigierte Arturo Toscanini, die männliche Hauptrolle sang Enrico Caruso, den Part der Minnie Emmy Destinn. Am 14. Dezember 1918 wurden an der Metropolitan Opera die zu einem Triptychon (Il trittico) zusammengefassten Einakter Il tabarro, Suor Angelica und Gianni Schicchi uraufgeführt.
Von 1919 bis 1921 lebte Puccini in Orbetello in der Maremma, wo er auf dem Strand der Tagliata einen alten Aussichtsturm, heute Torre Puccini genannt, aus der Zeit der spanischen Herrschaft kaufte und bewohnte. Hier begann er die Komposition seiner letzten Oper, Turandot, die er unvollendet hinterließ.
1921 siedelte er nach Torre del Lago (heute als Torre del Lago Puccini ein Stadtbezirk von Viareggio) über. Bereits im Jahr 1900 hatte er sich dort ein Haus gekauft. Der passionierte Raucher starb am 29. November 1924 in einer Brüsseler Klinik wenige Tage nach einer Halsoperation wegen Kehlkopfkrebs. Die Gedenkrede bei der Trauerfeier im Mailänder Dom hielt Benito Mussolini.
Puccinis letzte Oper, Turandot, wurde am 25. April 1926 an der Mailänder Scala unter der Leitung Toscaninis in der unvollendeten Fassung uraufgeführt. Toscanini brach die Aufführung an der entsprechenden Stelle mit den Worten ab: „An dieser Stelle starb der Maestro.“ In den folgenden Vorstellungen wurde das Stück mit dem von Franco Alfano nach Entwürfen des Komponisten vollendeten Schluss aufgeführt.
Die Grabstätte Puccinis und seiner Frau befindet sich in seinem Haus in Torre del Lago. Der italienische Staat hat Puccinis Geburtshaus in Lucca, das heute ein Museum beherbergt, zugleich mit den Geburtshäusern von Gioachino Rossini und Giuseppe Verdi, mit dem europäischen Kulturerbe-Siegel ausgezeichnet.
Das künstlerische Schaffen Giacomo Puccinis erstreckte sich von 1884 bis 1924. In dieser Zeit entstanden seine zwölf Opern. Die geringe Zahl seiner Werke scheint unter anderem im frühen Erfolg des Komponisten begründet zu sein, der ihm rasch zu Wohlstand verhalf und der Notwendigkeit enthob, immer neue Stücke zu komponieren. So konnte er etwa seiner Vorliebe für das Reisen ausgiebig nachgehen. Auch legte Puccini generell eine langsame, aber gründliche Arbeitsweise an den Tag. Der enorme Erfolg seiner Werke, der noch zu Lebzeiten einsetzte, hält bis in die Gegenwart an. Er ist einer der häufigsten aufgeführten Opernkomponisten, zusammen mit Mozart und Verdi.[3]
Bühnenwerke


- Le Villi. Opera-ballo in einem Akt. Libretto: Ferdinando Fontana. UA 31. Mai 1884, Mailand (Teatro Dal Verme);
- revidierte Fassung: UA 26. Dezember 1884, Turin (Teatro Regio);
- zweite revidierte Fassung: UA 24. Januar 1885, Mailand (Teatro alla Scala);
- dritte revidierte Fassung: UA 7. November 1889, Mailand (Teatro Dal Verme).
- Edgar. Dramma lirico in vier Akten. Libretto: Ferdinando Fontana. UA 21. April 1889, Mailand (Teatro alla Scala);
- revidierte Fassung: UA 5. September 1892, Lucca (Teatro del Giglio);
- zweite revidierte Fassung: UA 28. Januar 1892, Ferrara (Teatro Comunale);
- dritte revidierte Fassung: UA 8. Juli 1905, Buenos Aires (Teatro Ópera).
- Manon Lescaut. Dramma lirico in vier Akten. Libretto: Marco Praga, Domenico Oliva, Ruggero Leoncavallo, Luigi Illica, Giuseppe Giacosa, Giulio Ricordi. UA 1. Februar 1893, Turin (Teatro Regio);
- revidierte Fassung: UA 21. Dezember 1893, Novara (Teatro Coccia).
- La Bohème. Oper in vier Bildern. Libretto: Giuseppe Giacosa, Luigi Illica. UA 1. Februar 1896, Turin (Teatro Regio).
- Tosca. Melodramma in drei Akten. Libretto: Luigi Illica, Giuseppe Giacosa. UA 14. Januar 1900, Rom (Teatro Costanzi).
- Madama Butterfly. Tragedia giapponese (2 Akte). Libretto: Luigi Illica, Giuseppe Giacosa. UA 17. Februar 1904, Mailand (Teatro alla Scala);
- revidierte Fassung: UA 28. Mai 1904, Brescia (Teatro Grande);
- zweite revidierte Fassung: UA 10. Juli 1905, London (Covent Garden);
- dritte revidierte Fassung: UA 28. Dezember 1905, Paris (Opéra-Comique);
- vierte revidierte Fassung: UA 9. Dezember 1920, Mailand (Teatro Carcano).
- La fanciulla del West (Das Mädchen aus dem goldenen Westen). Oper in drei Akten. Libretto: Guelfo Civinini, Carlo Zangarini. UA 10. Dezember 1910 New York City (Metropolitan Opera);
- revidierte Fassung: UA 29. Dezember 1912, Mailand (Teatro alla Scala).
- La rondine. Commedia lirica in drei Akten. Libretto: Giuseppe Adami, Alfred Maria Willner, Heinz Reichert. UA 27. März 1917, Monte-Carlo (Opéra de Monaco);
- revidierte Fassung: UA 10. April 1920, Palermo (Teatro Massimo);
- zweite revidierte Fassung: UA 11. April 1924, Rijeka (Teatro Verdi).
- Il trittico (Das Triptychon). UA 14. Dezember 1918, New York City (Metropolitan Opera). Bestehend aus drei Einaktern:
- Il tabarro (Der Mantel). Libretto: Giuseppe Adami.
- Suor Angelica (Schwester Angelica). Libretto: Giovacchino Forzano.
- Gianni Schicchi. Libretto: Giovacchino Forzano.
- Turandot. Dramma lirico in drei Akten (Finale unvollendet). Libretto: Giuseppe Adami, Renato Simoni (1875–1952). UA (als Fragment) 25. April 1926, Mailand (Teatro alla Scala);
- ergänzte Fassung von Franco Alfano: UA 1926 (zweite Vorstellung nach der UA), Mailand (Teatro alla Scala);
- ergänzte Fassung von Luciano Berio: UA am 25. Mai 2002, Los Angeles (Los Angeles Opera).[4][5]
Sonstige Werke (Auswahl)
- Messa di Gloria (Abschlussarbeit). UA 12. Juli 1880, Lucca.
- Requiem. UA 27. Januar 1905, Mailand.
Literatur
- Luigi Ricci: Puccini interprete di se stesso, Ricordi, Mailand 1954 (rist. 2003, ISBN 88-7592-725-1).
- Mosco Carner: Puccini. Biografia critica. Il Saggiatore, Mailand 1961.
- Antonino Titone: Vissi d'arte: Puccini e il disfacimento del melodramma. Feltrinelli, Milano 1972.
- Enzo Siciliano: Puccini. Rizzoli, Mailand 1976 (italienisch).
- Wolfgang Marggraf: Giacomo Puccini (= Reclams Universal-Bibliothek 703). Philipp Reclam jun., Leipzig 1977, (keine ISBN).
- Howard Greenfeld: Puccini – Sein Leben und seine Welt. Athenäum, Königstein/Taunus 1981, ISBN 3-7610-8181-2.
- Dieter Schickling: Puccini – Biografie. Carus, Stuttgart 2017 [1983], ISBN 978-3-89948-282-9.
- Clemens Höslinger: Giacomo Puccini. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten (= rororo Bildmonografien). Rowohlt, Reinbek 1984, ISBN 3-499-50325-5.
- Giorgio Magri: L'uomo Puccini. Mursia, Mailand 1992, ISBN 88-425-1263-X (italienisch).
- Michele Girardi: Giacomo Puccini. L'arte internazionale di un musicista italiano. Marsilio, Venedig 1995, ISBN 88-317-5818-7 (italienisch).
- Fedele d'Amico: L'albero del bene e del male – naturalismo e decadentismo in Puccini (raccolta di scritti a cura di Jacopo Pellegrini), Maria Pacini Fazzi, Lucca 2000, ISBN 88-7246-403-X (italienisch).
- Eduardo Rescigno: Dizionario Pucciniano. Ricordi/BMG Publications, San Giuliano Milanese 2004, ISBN 88-7592-767-7 (italienisch).
- Julian Budden: Puccini. (ed. originale: Puccini – His Life and Works) (= Master Musicians Series). Oxford University Press, Oxford 2002, ISBN 0-19-816468-8 (englisch).
- italienische Ausgabe: Carocci Editore, Rom 2005, ISBN 88-430-3522-3.
- Benedikt Stegemann: Orpheus, der klingende Opernführer, Folge 2: Giacomo Puccini. Ricordi, München 2006, ISBN 978-3-938809-52-5.
- Georg Gerry Tremmel: John Luther Long (1861–1927): „Madame Butterfly“ (1898). Das literarische Konzept der amerikanischen Kurzgeschichte im historischen Kontext. Logos, Berlin 2007, ISBN 978-3-8325-1076-3.
- Michael Klonovsky: Der Schmerz der Schönheit. Über Giacomo Puccini. Berlin Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-8270-0771-1.
- Helmut Krausser: Die kleinen Gärten des Maestro Puccini. Dokumentar-Roman, DuMont, Köln 2008, ISBN 978-3-8321-7989-2.
- Adrian Mourby: „Scandalissimo! Puccini's sex life exposed.“ In: The Independent, 6. Juli 2008.
- Clemens Höslinger: Wien war mir immer sympathisch. Giacomo Puccinis Spuren in Wien. Zum 150. Geburtstag des Komponisten. In: Michael Jahn (Hrsg.): Aus Archiv und Oper. Fünf Jahre rism-osterreich (2004–2009). (= Veröffentlichungen des rism-österreich A/12). Verlag Der Apfel, Wien 2009, S. 42–58. ISBN 978-3-85450-242-5.
- Michael Jahn: Wildwest in der Hofoper. Rezensionen zu Puccini-Erstaufführungen in Wien. In: Ders. (Hrsg.): Verismo, Verträge, Verschollen. Schriften zur Wiener Operngeschichte 7 (= Veröffentlichungen des rism-österreich B/9). Verlag Der Apfel, Wien 2009, S. 181–261. ISBN 978-3-85450-289-0.
- Helmut Krausser: Zwei ungleiche Rivalen. Puccini und Franchetti. C. Bertelsmann, München 2010, ISBN 978-3-570-58011-0.
- Arnold Jacobshagen: Giacomo Puccini und seine Zeit, Laaber, Lilienthal 2024, ISBN 978-3-89007-807-6.
Film
- Giacomo Puccini – Die dunkle Seite des Mondes. Filmbiografie, Deutschland, 2008, 60:22 Min., Buch und Regie: Andreas Morell mit Peter Hladik als Giacomo Puccini
- Puccini – Magier der Leidenschaft. Leben und Werk des Komponisten. Dokumentarfilm, Deutschland, Österreich, Belgien, 2008, 43:44 Min., Buch und Regie: Volker Schmidt, Produktion: SWR, MDR, WDR, ORF, VRT, merkur.tv, Inhaltsangabe vom SWR, mit Puccinis Enkelin Simonetta, Riccardo Chailly, Dieter Schickling und Helmut Krausser.
Eponyme
Der Asteroid (4579) Puccini wurde 1991 nach ihm benannt.[6] Gleiches gilt für den Puccini Spur, einen Gebirgskamm auf der Alexander-I.-Insel in der Antarktis.
Weblinks
- Werke von und über Giacomo Puccini im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Werke von und über Giacomo Puccini in der Deutschen Digitalen Bibliothek
- Literatur über Giacomo Puccini in der Bibliographie des Musikschrifttums
- Noten und Audiodateien von Giacomo Puccini im International Music Score Library Project
- Centro studi Giacomo Puccini
- Liste der Bühnenwerke von Giacomo Puccini auf Basis der MGG bei Operone
Einzelnachweise
- ↑ Dieter Schickling: Puccini – Biografie. Carus, Stuttgart 2017 [1983]
- ↑ S. 18.
- ↑ S. 29-30.
- ↑ a b S. 30.
- ↑ a b S. 30-31.
- ↑ S. 31.
- ↑ S. 32-33.
- ↑ a b S. 33.
- ↑ a b c d S. 34.
- ↑ S. 34-35.
- ↑ a b S. 35.
- ↑ S. 35-36.
- ↑ a b c S. 36.
- ↑ S. 36-37.
- ↑ a b c d S. 37.
- ↑ S. 37-38.
- ↑ a b c d e S. 38.
- ↑ S. 38-39.
- ↑ S. 39.
- ↑ S. 39-40.
- ↑ a b S. 40.
- ↑ a b c d e S. 42.
- ↑ S. 43.
- ↑ S. 43-44.
- ↑ a b c S. 44.
- ↑ S. 44-45.
- ↑ a b c d e S. 45.
- ↑ S. 45-46.
- ↑ a b c d S. 46.
- ↑ S. 46-47.
- ↑ a b c d S. 47.
- ↑ S. 47-48.
- ↑ a b c d S. 48.
- ↑ S. 49-51.
- ↑ a b c d S. 51.
- ↑ a b c S. 52.
- ↑ S. 52-53.
- ↑ a b S. 53.
- ↑ a b c d S. 54.
- ↑ S. 67-71.
- ↑ a b c d e S. 55.
- ↑ a b c S. 56.
- ↑ S. 56-57.
- ↑ a b c d e f S. 57.
- ↑ a b c d e S. 58.
- ↑ S. 58-59.
- ↑ a b c S. 59-60.
- ↑ a b S. 60.
- ↑ a b c d e S. 61.
- ↑ S. 61-62.
- ↑ a b c d e f S. 62.
- ↑ a b c d e f S. 63.
- ↑ a b c d e S. 64.
- ↑ S. 64-65.
- ↑ a b S. 73.
- ↑ S. 83-87.
- ↑ S. 73-74.
- ↑ a b c d e f S. 74.
- ↑ S. 74-75.
- ↑ a b c d e S. 75.
- ↑ S. 75-76.
- ↑ a b c d e S. 76.
- ↑ a b c S. 77.
- ↑ a b c d S. 78.
- ↑ S. 78-79.
- ↑ a b c S. 79.
- ↑ S. 79-80.
- ↑ a b c d e f S. 80.
- ↑ S. 80-81.
- ↑ S. 81.
- ↑ Pietro Spada, in: Beiheft zur Einspielung unter Riccardo Chailly, Decca Records, 1983.
- ↑ Opera Performance Survey. Abgerufen am 11. Juni 2025.
- ↑ thefreelibrary.com: Placido Domingo Outlines His Plans for Los Angeles Opera ( vom 2. Februar 2018 im Internet Archive)
- ↑ Los Angeles Magazine Juni 2002 in der Google-Buchsuche
- ↑ The MINOR PLANET CIRCULARS. Abgerufen am 28. Oktober 2024.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Puccini, Giacomo |
| ALTERNATIVNAMEN | Puccini, Giacomo Antonio Domenico Michele Secondo Maria (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | italienischer Komponist |
| GEBURTSDATUM | 22. Dezember 1858 |
| GEBURTSORT | Lucca |
| STERBEDATUM | 29. November 1924 |
| STERBEORT | Brüssel |
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Giacomo Puccini in a studio photograph.
Elvira Bonturi, moglie di Giacomo Puccini.
Giacomo Puccini on his horse at the Torre del Lago, oil on canvas, signed,dated (lower right) and framed. Described in Il valore dei dipinti dell '800 e del primo '900, a cura di Giuseppe Luigi Marini, edito da Allemandi
Giacomo Puccini signature
Autor/Urheber:
Martin Geisler
, Lizenz: CC-by-sa 3.0Das Puccini-Denkmal in Lucca
Puccini standing, facing slightly left; wearing paddock coat and bowler hat.