Gauliga Erzgebirge

Gauliga Erzgebirge
Voller Name Gauliga Erzgebirge
VerbandVMBV
Erstaustragung1912
Letztmalige Austragung1933
Hierarchie1. Liga
Mannschaften6 – 17
RekordsiegerFC Viktoria Lauter (5)
Qualifikation fürmitteldeutsche Fußballmeisterschaft
RegionErzgebirgeVorlage:InfoboxFußballwettbwerb/Wartung/Kartenformat
↓ 2. Klasse

Die Gauliga Erzgebirge (auch 1. Klasse Erzgebirge) war eine der obersten Fußballligen des Verbandes Mitteldeutscher Ballspiel-Vereine (VMBV). Sie wurde 1912 ins Leben gerufen und bestand bis zur Auflösung des VMBV 1933. Der Sieger qualifizierte sich für die Endrunde der mitteldeutschen Fußballmeisterschaft.

Überblick

Am 29. September 1912 erfolgte in Schneeberg die offizielle Gründung des Gaues Erzgebirge, die Gauliga wurde mit sechs Teilnehmern ausgetragen. Zur folgenden Spielzeit wurde die Anzahl der Vereine auf neun erhöht. Da in der Gauliga Erzgebirge im Frühjahr-Herbst-Rhythmus gespielt wurde, begannen bereits im Mai 1914 die Verbandsspiele für die Spielzeit 1914/15. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges Mitte 1914 wurde die Meisterschaft jedoch nicht beendet. Anders als in anderen Gauligen fand während des Krieges kein Spielbetrieb statt. 1916 wurde zwar versucht, die 1. Klasse mit den Vereinen FC Sachsen Schneeberg, FC Alemannia Aue, Concordia Schneeberg und FC 1910 Lößnitz auszuspielen, die Liga wurde jedoch nicht zu Ende gespielt.

Im Zuge der Spielklassenreform des VMBV 1919 war die Gauliga Erzgebirge nur noch zweitklassig. Mit der Kreisliga Mittelsachsen wurde eine neue oberste Spielklasse geschaffen, die neben dem Gau Erzgebirge noch die Gaue Mittelsachsen, Obererzgebirge und Südwestsachsen beinhalteten. Diese Kreisliga wurde von den Chemnitzer Vereinen dominiert, keine Mannschaft aus dem Gau Erzgebirge konnte in diese oberste Kreisliga vordringen. Zur Spielzeit 1923/24 wurden die Kreisligen wieder abgeschafft, fortan war die Gauliga Erzgebirge bis 1933 erneut erstklassig. Mit der Gauliga Obererzgebirge spaltete sich ein Teil des Gaus ab und spielte eine eigene Gaumeisterschaft aus. Die Teilnehmeranzahl in den 1920ern variierte zwischen sieben und neun Vereinen. 1925 wechselten die Vereine aus Schneeberg in den Gau Westsachsen. Zur Spielzeit 1930/31 schloss sich der Gau Obererzgebirge wieder dem Gau Erzgebirge an, der Spielbetrieb fand fortan in den beiden Staffeln Erzgebirge und Obererzgebirge statt, die beiden Staffelsieger spielten in einem Finale den Gaumeister aus.

Im Zuge der Gleichschaltung wurde der VMBV und demzufolge auch die Gauliga Erzgebirge, wenige Monate nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahre 1933 aufgelöst. Kein Verein aus diesem Gau qualifizierte sich für die neu eingerichtete erstklassige Gauliga Sachsen, stattdessen wurden die Vereine in die unteren Spielklassen eingeordnet.

Die Gauliga Erzgebirge wurde in den 1920ern vom FC Viktoria Lauter dominiert, der fünf Gaumeisterschaften gewinnen konnte. Anfang der 1930er erreichte Saxonia Bernsbach zweimal den Sieg in der Gauliga.

Einordnung

Die übermäßige Anzahl an erstklassigen Gauligen innerhalb des VMBVs hatte eine Verwässerung des Spielniveaus verursacht, es gab teilweise zweistellige Ergebnisse in den mitteldeutschen Fußballendrunden. Die Vereine aus der Gauliga Erzgebirge gehörten zu den spielschwächsten Vereinen im Verband. Kein einziges Mal konnte der Gaumeister Erzgebirges sportlich die erste Runde in der mitteldeutschen Fußballendrunde überstehen, nur 1925/26 wurde Viktoria Lauter wegen Protest gegen die Spielwertung in die 2. Runde der mitteldeutschen Fußballendrunde übernommen. In der ersten Runde gab es bereits meist hohe Niederlagen, so verloren die Gaumeister Erzgebirges 1913/14 (0:14 gegen den Chemnitzer BC), 1923/24 (1:14 gegen den Zwickauer SC), 1926/27 (0:10 gegen den Dresdner SC) und 1930/31 (1:10 gegen den 1. Vogtländischer FC Plauen) gar zweistellig.

Auch in der ab 1933 ausgespielten Gauliga Sachsen konnte sich kein Verein aus der ehemaligen Gauliga Erzgebirge qualifizieren. Die SG Lauter (Zusammenschluss von Viktoria Lauter und Waldhaus Lauter) erreichte aber immerhin die Aufstiegsrunde zur Gauliga Sachsen 1940/41.

Meister der Gauliga Erzgebirge 1913–1933

JahrGaumeister
Erzgebirge
Abschneiden
mitteldt. Meisterschafta
Mitteldeutscher Meister
1912/13FC Alemannia Auebkeine TeilnahmeVfB Leipzig
1913/14Concordia Schneeberg1. Runde (1)SpVgg 1899 Leipzig-Lindenau
1914/15abgebrochenkeine mitteldeutsche Endrunde
1915/16abgebrochenFC Eintracht Leipzig
1916/17kein SpielbetriebHallescher FC 1896
1917/18VfB Leipzig
1918/19Hallescher FC 1896
1919/20Kreisliga MittelsachsenVfB Leipzig
1920/21FC Wacker Halle
1921/22SpVgg 1899 Leipzig-Lindenau
1922/23SV Guts Muts Dresden
1923/24VfL Schneeberg1. Runde (1)SpVgg 1899 Leipzig-Lindenau
1924/25FC Viktoria Lauter1. Runde (1)VfB Leipzig
1925/26FC Viktoria Lauter2. Runde (2)Dresdner SC
1926/27FC Viktoria Lauter1. Vorrunde (1)VfB Leipzig
1927/28BC Olympia Grünhain1. Vorrunde (1)FC Wacker Halle
1928/29FC Viktoria Lauter1. Vorrunde (1)Dresdner SC
1929/30FC Viktoria Lauter1. Vorrunde (1)Dresdner SC
1930/31Saxonia Bernsbach1. Runde (1)Dresdner SC
1931/32Saxonia Bernsbach1. Vorrunde (1)PSV Chemnitz
1932/33SV Sturm Beierfeld1. Vorrunde (1)Dresdner SC
a 
In Klammern ist die erreichte Spielrunde als Zahl angegeben.
b 
Vom Spielausschuss als Meister benannt, obwohl die Liga Concordia Schneeberg gewann.

Rekordmeister

Rekordmeister der Gauliga Erzgebirge ist der FC Viktoria Lauter, der den Titel fünf Mal gewinnen konnten.

VereinTitelJahr
FC Viktoria Lauter51924/25, 1925/26, 1926/27, 1928/29, 1929/30
Saxonia Bernsbach21930/31, 1931/32
FC Alemannia Aue11912/13
Concordia Schneeberg11913/14
VfL Schneeberg11923/24
BC Olympia Grünhain11927/28
SV Sturm Beierfeld11932/33

Ewige Tabelle

Berücksichtigt sind alle überlieferten Spielzeiten der erstklassigen Gauliga Erzgebirge von 1912 bis 1933 inklusive der Entscheidungsspiele der Staffelmeister ab 1930. Die vollständige Abschlusstabelle der Meisterschaft 1913/14 ist nicht überliefert, daher ist für diese Spielzeit nur die Teilnahme berücksichtigt. Ähnlich sind die Abschlusstabellen der Staffel Obererzgebirge 1931/32 und 1932/33 nicht komplett überliefert, auch hier wurde nur die Teilnahme berücksichtigt. Da es in einigen Spielzeiten zu Spielen kam, die als Niederlage für beide Mannschaften gewertet wurden, gibt es mehr Gegenpunkte als Punkte.

Pl.VereinJahreSp.SUNT+T-Diff.PunkteØ-Pkt.TitelSpielzeiten
 1.FC Viktoria Lauter10 128 76 12 40392264+128164:921,2851923–1933
 2.SV Sturm Beierfeld10 134 75 12 47344271+73162:1061,2111923–1933
 3.FC Tanne Thalheim10 130 60 12 58292287 +5132:1281,0201923–1930
 4.Saxonia Bernsbach7 102 60 3 39261203+58123:811,2121924–1926, 1928–33
 5.VfB 1914 Zwönitz10 129 49 8 72251305−54106:1520,8201923–33
 6.VfR Auerhammer7 94 38 10 46223243−2086:1020,9101926–33
 7.BC Olympia Grünhain8 103 30 10 63168293−12570:1360,6811923–1930, 1932/33
 8.Alemannia Aue6 57 30 3 24123112+1163:511,1111912–1914, 1923–27
 9.VfB Aue-Zelle3 42 18 6 18102100 +242:42101929–32
10.VfL Schneeberg2 25 19 0 66927+4238:121,5211923–25
11.SC Waldhaus Lauter2 28 15 5 89752+4535:211,2501931–33
12.VfB 1912 Geyer4 18 12 2 45432+2226:101,4401912/13, 1930–33
13.DSC Weipert3 21 12 1 87240+3225:171,1901930–33
14.VfB 09 Annaberg3 16 9 5 26931+3823:901,4401930–33
15.FC Cranzahl3 16 10 2 44419+2522:101,3801930–33
16.Concordia Schneeberg2 10 9 0 12910+1918:201,811912–14
17.Eibenstocker BC4 50 6 5 3976161−8517:830,3401912/13, 1927–29, 1930/31
18.TuSV 1911 Bärenstein3 16 7 2 74148 −716:16101930–33
19.VfR 1913 Elterlein3 16 5 1 103551−1611:210,6901930–33
20.BC 1913 Jahnsbach3 16 4 2 102553−2810:220,6301930–33
21.FC 1910 Lößnitz2 23 4 1 181768−519:370,3901923–25
22.FC Wacker Schwarzenberg1 10 4 0 6636−308:120,801912/13
23.FC Sachsen Schneeberg2 10 3 1 61023−137:130,701912–14
24.BC Ehrenfriedersdorf1 16 3 1 123064−347:250,4401930/31
25.FC Sachsen Annaberg2 10 3 0 71913 +66:140,601912–14
26.BV 1908 Thum3 16 2 2 121861−436:260,3801913/14, 1930/31, 1932/33
27.BC S.Vg. Niederschlema 19121 0 0 0 000 ±00:00001913/14
28.FC Sturmvogel Ehrenfriedersdorf1 0 0 0 000 ±00:00001913/14
29.VfR Buchholz1 0 0 0 000 ±00:00001931/32

Quellen

  • Udo Luy: Ergebnisse und Tabellen im Verband Mitteldeutscher Ballspiel-Vereine 1900 – 1914., 2015.
  • Udo Luy: Ergebnisse und Tabellen im Verband Mitteldeutscher Ballspiel-Vereine 1914/15 – 1917/18., 2016.
  • Hardy Grüne: Vom Kronprinzen bis zur Bundesliga. In: Enzyklopädie des deutschen Ligafußballs. Band 1. AGON, Kassel 1996, ISBN 3-928562-85-1.
  • Hardy Grüne: Vereinslexikon (= Enzyklopädie des deutschen Ligafußballs. Band 7). 1. Auflage. AGON, Kassel 2001, ISBN 3-89784-147-9 (527 Seiten).
  • Abschlusstabellen Deutschland
  • Abschlusstabellen auf oberberg-fussball.de

Auf dieser Seite verwendete Medien

Saxonia Bernsbach Kurmark.png
Kurmark-Version des Logos des Sportvereins Saxonia Bernsbach (1931)
FC Concordia Schneeberg e.V. Logo.gif
Autor/Urheber: Weisskeiner, Lizenz: CC BY-SA 3.0
Das offizielle Logo des Vereins FC Concordia Schneeberg e.V.
FC Viktoria Lauter.jpg
Autor/Urheber:

FC Viktoria Lauter

, Lizenz: Logo

Logo des FC Viktoria Lauter