Friedrich Middelhauve

Friedrich Middelhauve (* 17. November 1896 in Siegen, Westfalen; † 14. Juli 1966 in Bad Mergentheim, Baden-Württemberg) war ein deutscher Verleger und Politiker der FDP.

Leben und Beruf

Nach einem Studium der deutschen Literatur, Geschichte und Kunstgeschichte erfolgte 1921 die Promotion Middelhauves zum Dr. phil. an der Universität zu Köln. Er arbeitete danach zunächst als selbständiger Buchhändler in Leverkusen und ab 1922 als Verleger. 1924 gründete er eine Druckerei in Opladen. 1938 übernahm er ein Papierverarbeitungswerk in Köln.

Friedrich Middelhauve war 1947 Gründer und Inhaber des gleichnamigen schöngeistigen Verlages, der als erster die Werke von Heinrich Böll veröffentlichte. Diesen Verlag führte später seine Tochter Gertraud unter ihrem Namen. Mit dem Westdeutschen Verlag gründete Middelhauve außerdem einen der führenden sozialwissenschaftlichen Verlage Deutschlands (2004 im VS Verlag für Sozialwissenschaften aufgegangen, heute Springer VS). Er war Mitglied der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer Solingen.

Middelhauve war verheiratet mit Bertha und hatte drei Kinder: Friedrich Middelhauve jun., Gertraud Middelhauve und Mechthild Ruf geb. Middelhauve.

Parteitätigkeit

Friedrich Middelhauve war in der Weimarer Republik Mitglied der Deutschen Staatspartei (DDP). Während des Nationalsozialismus war er nicht politisch aktiv.

1945 gründete Middelhauve zuerst die Deutsche Aufbaupartei in Opladen. Er überführte diese jedoch bald in die FDP und gehörte schnell mit Franz Blücher, Hermann Höpker-Aschoff und Erich Mende zu deren Führungsfiguren im Rheinland. Von 1947 bis 1956 war er als Nachfolger von Gustav Altenhain Landesvorsitzender in Nordrhein-Westfalen.[1] Von 1952 bis 1956 war er zudem stellvertretender Bundesvorsitzender und von 1950 bis 1956 Mitglied im FDP-Bundesvorstand. Er war außerdem Vizepräsident der Deutschen Gruppe der Liberalen Weltunion, der späteren Liberalen Internationale.

Middelhauve hatte über Ernst Achenbach engen Kontakt zum rechtsextremen Kreis um Werner Naumann, der einen innerparteilichen Umsturz plante, aber von den Briten Anfang 1953 ausgehoben wurde. Mit Achenbach und diversen ehemaligen Nationalsozialisten entwarf Middelhauve auch das Deutsche Programm, das bei der Abstimmung auf dem FDP-Bundesparteitag 1952 in Bad Ems an der Ablehnung der Landesverbände Hamburg, Bremen und Baden-Württemberg scheiterte.[2]

Nach dem Coup der sogenannten Jungtürken (Wolfgang Döring, Hans Wolfgang Rubin, Walter Scheel und Willi Weyer) im Jahr 1956, die nach Absprache mit Thomas Dehler den CDU-Ministerpräsidenten Karl Arnold mit einem konstruktivem Misstrauensvotum ablösten und durch den SPD-Politiker Fritz Steinhoff ersetzten, legte Middelhauve, der innerparteilich als Ziehvater der Jungtürken galt, sein Amt als Landesvorsitzender nieder und zog sich mit Auslaufen seines Landtagsmandates zwei Jahre später aus der Politik zurück. Im Gegensatz zum sogenannten Ministerflügel um August-Martin Euler blieb er jedoch bis zu seinem Tode Parteimitglied.[3]

Von 1962 bis zu seinem Tod war er Mitglied des Beirats der Friedrich-Naumann-Stiftung.

Abgeordneter

Middelhauve war vor 1933 stellvertretender Vorsitzender des Wahlkreises Düsseldorf-Süd und Vorsitzender des Kreisverbandes Rhein-Wupper der Deutschen Staatspartei. Von 1946 bis 1958 war Middelhauve Landtagsabgeordneter. 1946/47 war er auch Stadtrat in Leverkusen. Von 1949 bis zum 17. Oktober 1950 und von 1953 bis zum 10. September 1954 gehörte Middelhauve auch dem Deutschen Bundestag an.

Öffentliche Ämter

Von 1954 bis 1956 war Middelhauve stellvertretender Ministerpräsident und Minister für Wirtschaft und Verkehr in Nordrhein-Westfalen.

Der Nachlass Middelhauves wird im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland verwahrt und bildet dort den Bestand RWN 0172.

Siehe auch

Kabinett Arnold III

Literatur

  • Kristian Buchna: Nationale Sammlung an Rhein und Ruhr. Friedrich Middelhauve und die nordrhein-westfälische FDP 1945–1953, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2010, ISBN 3-486-59802-3.[4]
  • Karl Hax: Friedrich Middelhauve zum Gedächtnis. In: ZfbF 1966, S. 613–615.
  • Friedrich Henning: Friedrich Middelhauve. In: Walter Först (Hrsg.): Zwischen Ruhrkampf und Wiederaufbau, Köln/Berlin 1972, S. 166–172.
  • Franz Menges: Middelhauve, Friedrich. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 17, Duncker & Humblot, Berlin 1994, ISBN 3-428-00198-2, S. 461 f. (Digitalisat).

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Christof Brauers: Die FDP in Hamburg 1945 bis 1953, Martin Meidenbauer Verlagsbuchhandlung, München 2007, ISBN 978-3-89975-569-5, S. 281.
  2. Norbert Frei, Franka Maubach, Christina Morina und Maik Tändler: Zur rechten Zeit. Wider die Rückkehr des Nationalismus. Ullstein, Berlin 2019, ISBN 978-3-550-20015-1, S. 78 ff.
  3. Rolf Zundel: Die Legende von Heppenheim. In: Zeit Online, 9. Dezember 1988.
  4. Hierzu: sehepunkte 11 (2011), Nr. 1.

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