Franz Ludwig Gehe

Franz Ludwig Gehe

Franz Ludwig Gehe (* 7. Mai 1810 in Merkwitz bei Oschatz; † 22. Juni 1882 in Dresden[1]) war ein deutscher chemisch-pharmazeutischer Unternehmer, Politiker und Philanthrop.

Leben und Wirken

Gehe wurde als Sohn des Pastors von Altoschatz geboren[2] und wuchs in einem ländlichen Umfeld auf. Beide Eltern starben 1814 an einer Nervenepidemie. Gehes Onkel mütterlicherseits, der Hofrat Gottfried Winckler (1767–1856), übernahm die Vormundschaft des Vierjährigen. Gehe durfte das Privatgymnasium von Christian F. Krause in Dresden-Neustadt besuchen. Der Schwerpunkt der Bildung lag auf Fremdsprachen und modernem naturwissenschaftlichem Unterricht, verbunden mit polytechnischem, berufsvorbereitendem Bildungsgang. Anschließend zog Gehe nach Leipzig, um von 1824 bis 1834 eine Apothekerlehre an der damals sehr bekannten Exportdrogenhandlung Brückner & Lampe zu absolvieren. Zehn Jahre Lehrzeit waren eine Vorschrift der Innung für jeden, der sich als Apotheker selbstständig machen wollte. Die Zeit des Novemberaufstands 1830/31 erlebte Gehe als bewusster Demokrat. Er trat für die Unabhängigkeit Polens mit einer eigenen Verfassung ein und hatte polnische Freunde. Er pflegte ebenfalls enge Beziehungen zum Kreis um den Wirtschaftstheoretiker und Eisenbahn-Pionier Friedrich List. Am 10. Mai 1838 heiratete Gehe Henriette Karoline Rothe. Die Ehe blieb kinderlos.[2]

Geschäftshaus Königstraße 1

Gehes erster Versuch, einen Drogeriegroßhandel zu gründen, scheiterte daran, dass er keinen Kredit erhielt. Die Bank begründete dies damit, dass Dresden als Handelsplatz abseits der Verkehrswege liege. Mit Hilfe seines Stiefvaters[2] gründete Gehe am 1. Mai 1835 die Drogerie- und Farbwarenhandlung Gehe & Comp. in Dresden. Zuvor hatte der Drogenhandel die für Apotheker notwendigen Rohstoffe unverändert verkauft. Gehe wollte die Ausgangsstoffe gereinigt, verfeinert und sortimentsgerecht weiterverkaufen. Noch im Jahr der Gründung lieferte Gehe in verschiedene europäische Städte und stellte einen Handlungsreisenden ein. Der Dresdner Maschinenbau lieferte die zum Bearbeiten, Reinigen, Zerkleinern und Veredeln notwendigen Maschinen. Diese maschinelle Bearbeitung brachte eine bedeutende Verbilligung der Arzneiwaren und eine wesentliche Verbesserung der Ausgangsstoffe.[2] 1846 bezog die Firma ihre ersten eigenen Geschäftsräume in der Dresdner Königstraße 1. Dort blieb die Großhandelsfirma bis 1908.[2]

1859 trat mit Gehes Neffen[2], dem Apotheker und Chemiker Rudolph August Luboldt (1831–1894), sein späterer Nachfolger in das Unternehmen ein.

Die Fabrik an der Leipziger Straße

1865 wurde der Grundstein für eine Fabrik an der Leipziger Straße gelegt, mit direktem Gleisanschluss zum gegenüberliegenden Neustädter Güterbahnhof und eigenem Elbhafen. Im Folgejahr 1866 wurde dort die Drogen- und Appretur-Anstalt Gehe & Co. eröffnet, aus der nach dem Zweiten Weltkrieg zusammen mit Madaus das Arzneimittelwerk Dresden entstehen sollte.

Im Dezember 1842 wurde Gehe als Sekretär des Elbschiffahrtskomitees berufen.[2] Von 1842 bis 1851 war er stellvertretender Abgeordneter des Handels und Fabrikwesens in der II. Kammer des Sächsischen Landtags, anschließend hatte er 1860 bis 1868 das volle Mandat im 1. Wahlbezirk.[3]

Kurz vor seinem Tod vermachte Gehe der Commercial-Akademie 2 Millionen Mark, daraus entstand im Jahr 1885 die Gehe-Stiftung. Ziel der Stiftung war zum einen die „Ausbildung von Männern, welche sich im Dienst der Gemeinden [...] betätigen wollen“ und zum anderen die „Altersversorgung arbeitsunfähig gewordener Männer, die ihre Kräfte in verdienstvoller Weise dem öffentlichen Wohl gewidmet haben“.[2] Die Stiftung bot in ihrem Wintersemester sechs Vorlesungen zu politischen Streitfragen an. 1902 erhielt sie den Rang einer Akademie. Sie ist die Gründungseinrichtung der Sächsischen Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie Dresden.

Franz Ludwig Gehes Grab auf dem St.-Pauli-Friedhof in Dresden

Franz Ludwig Gehe starb 1882 in Dresden an Magenkrebs.[2] Sein Grab befindet sich auf dem St.-Pauli-Friedhof in Dresden, die Grabfiguren und die Büste Franz Ludwig Gehes schuf der Bildhauer Johannes Schilling. In der Leipziger Vorstadt trägt die Verbindungsstraße zwischen Erfurter Straße und Moritzburger Platz den Namen Gehestraße.

1945 wurden große Teile des Unternehmens bei den Luftangriffen auf Dresden zerstört. 1948 wurde die Firmenzentrale nach München verlegt.[2]

Literatur

Commons: Franz Ludwig Gehe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Stadtarchiv Dresden, Standesamt Dresden III, Sterberegister Januar–Juni 1882, Nr. 792.
  2. a b c d e f g h i j Klaus Hoffmann-Reicker: Der geänderte Canalettoblick. Gründerzeit in Dresden. edition Sächsische Zeitung SAXO'Phon GmbH, Dresden 2013, ISBN 978-3-943444-06-3, S. 67–78.
  3. Josef Matzerath: Aspekte sächsischer Landtagsgeschichte. Präsidenten und Abgeordnete von 1833 bis 1952. Dresden 2001, S. 99.

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Alte "Droguen-Appretur-Anstalt und Transito-Lager" auf der Leipziger Straße [Nr. 7 in Dresden]. Reproduktion nach Lithografie von Kleinhempel. Abb. Seite 43 unten in: 100 Jahre Gehe. Geschichte der Firma Gehe & Co., A.G., Dresden 1835/1935. Dresden: W. Limpert, 1935. Dresden: SLUB 34.4.1589

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Grab des deutschen Unternehmers Franz Ludwig Gehe auf dem St. Pauli Friedhof in Dresden. Die Grabfiguren schuf Johannes Schilling.
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Das alte Geschäftshaus Königstraße 1 [in Dresden]. Reproduktion nach Lithografie von Kleinhempel. Abb. Seite 23 in: 100 Jahre Gehe. Geschichte der Firma Gehe & Co., A.G., Dresden 1835/1935. Dresden: W. Limpert, 1935. Dresden: SLUB 34.4.1589

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Regine Richter: Das alte Geschäftshaus Königstraße 1 [in Dresden]. Reproduktion nach Lithografie von Kleinhempel. Abb. Seite 23 in: 100 Jahre Gehe. Geschichte der Firma Gehe & Co., A.G., Dresden 1835/1935. Dresden: W. Limpert, 1935. Dresden: SLUB 34.4.1589, 1996.12.03

Datierung: um 1900

Herausgabe: 1935
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Porträt Franz Ludwig Gehe (1810–1882; Chemiker, Industrieller). Reproduktion nach Fotografie/Lithografie. Frontispiz in: 100 Jahre Gehe. Geschichte der Firma Gehe & Co., A.G., Dresden 1835/1935. Dresden: W. Limpert, 1935. Dresden: SLUB 34.4.1589

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