Franz Gurk
Franz Gurk (* 9. Februar 1898 in Karlsruhe; † 12. Juli 1984 ebenda) war ein deutscher Politiker der CDU.
Leben
Gurks Vater starb, als er acht Jahre alt war. Er legte die Mittlere Reife ab. Er begann seine berufliche Laufbahn 1913 bei der Stadt Karlsruhe, wo er sich in der Zeit der Weimarer Republik eine führende Position erarbeitete und zuletzt gehobener Beamter im Finanz- und Personalressort der Stadt war. Zwischenzeitlich kämpfte er von 1915 bis 1918 im Ersten Weltkrieg. Er war Bezirksvorsitzender des Katholischen Jungmännerverbands. Von 1926 bis 1933 war er Abgeordneter der Zentrumspartei in der Stadtverordnetenversammlung und ab 1932 im Rat des Großkreises Karlsruhe-Bruchsal-Pforzheim, wo er auch Fraktionsvorsitzender des Zentrums war. 1931 wurde er Mitglied der Badenwacht, der Wehr- und Schutzorganisation des Zentrums in Baden nach Vorbild der Bayernwacht.
Gurk verlor er nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 seine politischen Ämter. Seine Beamtenstelle bei der Stadtverwaltung behielt er, wurde jedoch 1934 vom Personal- in das politisch weniger wichtige Rechnungsprüfungsamt versetzt. Als Rechnungsprüfer war Gurk bis 1945 beschäftigt, ohne befördert zu werden. Er war von 1933 bis 1939 Förderndes Mitglied der SS, gehörte von 1934 bis 1945 der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt an, von 1934 bis 1945 dem Reichsbund der deutschen Beamten und von 1939 bis 1945, als er selber Soldat war, der Nationalsozialistischen Kriegsopferversorgung. In seiner Militärzeit, 1941, trat Gurk in die NSDAP ein. Im Kriegsdienst wurde Gurk heimatnah eingesetzt. Er war zunächst Zahlmeister in der Verwaltung eines Lazaretts in Ehingen (Donau) und leitete anschließend die Verwaltung der Lazarette in Freiburg im Breisgau.
1941 legte Gurk die Begabtenprüfung ab und begann ein Studium der Wirtschaftswissenschaft, nachdem er sich schon in der Zwischenkriegszeit als Autodidakt und Gasthörer an der TH Karlsruhe wirtschaftswissenschaftliches Wissen angeeignet hatte. 1942 legte er sein Examen als Diplom-Volkswirt ab. 1943 wurde er bei Walter Eucken in Freiburg zum Dr. rer. pol. promoviert. Gegen die Entscheidung der Karlsruher Spruchkammer, die ihn im November 1946 zum „Mitläufer“ erklärte, legte er Berufung ein, und wurde im Januar 1947 als „Entlasteter“ eingestuft.
Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm er seine politischen Aktivitäten wieder auf. Beruflich war er von 1945 bis 1952 (mit Ausnahme von März bis Mai 1946) Stadtkämmerer in Karlsruhe. 1946 wurde er Mitglied der CDU, 1947 wurde er deren Kreisvorsitzender in Karlsruhe. Von 1951 bis 1968 war er Landesvorsitzender der CDU Nordbaden, deren Ehrenvorsitzender er anschließend wurde. 1952 wurde er für den Wahlkreis Karlsruhe-Stadt II in den Landtag des neu gebildeten Bundeslandes Baden-Württemberg gewählt und war dort bis 1953 Fraktionsführer der CDU, der bei den Wahlen mit 36 % stärksten Partei. Das Amt als erster Ministerpräsident des Landes blieb ihm jedoch verwehrt, nachdem Reinhold Maier (FDP/DVP) von der Verfassunggebenden Landesversammlung am 25. April 1952 gewählt worden war und die von ihm gebildete Koalition aus DVP, SPD und BHE die CDU in die Opposition schickte.
Am 9. März 1952 wurde Franz Gurk zum Mitglied der Verfassunggebenden Landesversammlung des noch namenlosen Südweststaats gewählt. Außerdem wurde er Mitglied des am 2. April gebildeten Verfassungsausschusses, der das am 15. Mai beschlossene Überleitungsgesetz ausarbeitete. In diesem Gesetz, wurde in Artikel 1 „Baden-Württemberg“ als vorläufiger Name des neuen Südweststaats festgelegt. Er setzte sich auch in den weiteren Beratungen nachdrücklich für diese Namensgebung als endgültig ein, was schließlich auch in der später verabschiedeten Verfassung Niederschlag fand. Er gilt daher als geistiger Vater des Namens des Bundeslands.[1]
Gurk kandidierte noch im selben Jahr bei der Wahl zum Karlsruher Oberbürgermeister, unterlag aber in der Stichwahl am 8. Juni gegen Günther Klotz. Danach bekleidete er von 1953 bis 1963 das Amt als Wirtschaftsbürgermeister. Daneben war er noch bis 1972 Abgeordneter des baden-württembergischen Landtags (ab 1956 für den Wahlkreis Bruchsal), davon 1960 bis 1968 zugleich Landtagspräsident.
Gurk war verheiratet und Vater von sechs Kindern. Er war ab 1954 Ehrenmitglied der katholischen Studentenverbindungen K.D.St.V. Normannia im CV.[2]
Auszeichnungen
- 1963: Großkreuz des Gregoriusorden
- 1963: Großes Bundesverdienstkreuz
- 1964: Großes Silbernes Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich[3]
- 1968: Verfassungsmedaille in Gold des Landes Baden-Württemberg
- 1975: Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg[4]
- Für seine Leistungen als Kommunal- und Landespolitiker wurde ihm 1978 die Ehrenmedaille und 1981 die Ehrenbürgerwürde der Stadt Karlsruhe verliehen.
- 1982: Konradsplakette der Erzdiözese Freiburg
Literatur
- René Gilbert: Franz Gurk und der Südweststaat, in: Blick in die Geschichte Nr. 116, 15. September 2017, S. 3f.
- René Gilbert: Franz Gurk. Info Verlag, Karlsruhe 2019, ISBN 978-3-96308-035-7
- Leonie Beiersdorf und Frank Engehausen: Forschungsprojekt: NS-Vergangenheit südwestdeutscher Landtagsabgeordneter nach 1945. Teilprojekt: NS-Bezüge der im Landtag von Baden-Württemberg ausgestellten Kunstwerke, herausgegeben von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, S. 102–108 (online).
Weblinks
- Literatur von und über Franz Gurk im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Franz Gurk bei LEO-BW
- Eintrag im Stadtwiki Karlsruhe
Einzelnachweise
- ↑ https://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/blick_geschichte/blick116/gurk.de
- ↑ Funk, H.: 100 Jahre Normannia Karlsruhe., 1990, S. 247.
- ↑ Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF-Datei; 6,59 MB)
- ↑ Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg – Liste der Ordensträgerinnen und Ordensträger 1975–2025. (PDF; 372 kB).Staatsministerium Baden-Württemberg, 2. Juni 2025.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Gurk, Franz |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Politiker (CDU), MdL |
| GEBURTSDATUM | 9. Februar 1898 |
| GEBURTSORT | Karlsruhe |
| STERBEDATUM | 12. Juli 1984 |
| STERBEORT | Karlsruhe |