Francis Ford Coppola

Francis Ford Coppola (2019)

Francis Ford Coppola (* 7. April 1939 in Detroit, Michigan) ist ein US-amerikanischer Regisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent. Als Regisseur von Klassikern wie die „Der Pate“-Trilogie und Apocalypse Now zählt er zu den bedeutendsten Filmschaffenden des US-amerikanischen Kinos.

Da er dem etablierten Studiobetrieb Hollywoods kritisch gegenüberstand, gründete Coppola 1969 das unabhängige Filmstudio American Zoetrope, wo unter anderem die ersten Filme von George Lucas verwirklicht wurden. Nachdem er mit dem Studio in finanzielle Schwierigkeiten geraten war, inszenierte Coppola ab Mitte der 1980er Jahre auch kommerziell ausgerichtete Filme mit geringerem künstlerischen Anspruch.

Leben

Kindheit und Jugend

Er wurde 1939 als Sohn des Musikers und Komponisten Carmine Coppola und der italienischen Schauspielerin Italia Pennino in Detroit geboren. Er hat zwei Geschwister, den älteren Bruder August Floyd Coppola und die jüngere Schwester Talia Shire. Sein zweiter Name Ford stammte aus einer früheren Arbeit seines Vaters als Arrangeur für die Ford Sunday Evening Hour des CBS Radio. Unmittelbar nach Coppolas Geburt zog die Familie nach New York City um.

Im Alter von zehn Jahren erkrankte Coppola während eines Ausflugs der Pfadfinder an Polio, wodurch seine linke Körperhälfte gelähmt wurde. Die folgenden neun Monate im Bett verbringend, schaute Coppola häufiger Fernsehen und führte Marionettenspiele zur Unterhaltung anderer vor. Coppola akzeptierte die Tatsache, dass er nie wieder würde laufen können, aber sein Vater besorgte ihm einen Physiotherapeuten, mit dessen Hilfe sich Coppolas Zustand allmählich so verbesserte, dass er wieder in der Lage war, die Schule zu besuchen. Nachdem er sich nahezu vollständig erholt hatte, bekam er von seinen Eltern eine 8-Millimeter-Filmkamera geschenkt, mit der er seine ersten Filmaufnahmen machte.

Ausbildung

Er schrieb sich in die New York Military Academy ein, in der Erwartung seines Vaters, dort das Tubaspielen zu erlernen. In der Schule brachte er stets gute Leistungen; zu seinen Kameraden verhielt er sich vorlaut, aber hilfsbereit. Nach 18 Monaten auf der High School brach er den Unterricht ab und zog sich in Manhattan zurück. Nach seiner Rückkehr auf die High School spielte er wieder Tuba und schrieb seine ersten eigenen Stücke.

Nach seinem Abschluss erhielt er einen Platz für ein Stipendium in der Hofstra University, wo zuvor bereits sein Bruder studiert hatte. Dort belegte Coppola verschiedene Theaterseminare und inszenierte erste Bühnenauftritte. Ein Film, der ihn zu dieser Zeit inspirierte, war Sergei Michailowitsch Eisensteins Zehn Tage, die die Welt erschütterten (1927).

Nach dem Studium entschloss Coppola sich 1959, an der Filmhochschule University of California, Los Angeles weiterzustudieren. Während des Studiums traf er auf den unabhängigen Autorenfilmer Roger Corman und wurde dessen Assistent. Er half Corman bei der Produktion einiger Filme, darunter zum Beispiel The Terror – Schloß des Schreckens, nahm dabei die Aufgaben eines Drehbuchautors, Produktionsassistenten, Tonmeisters und Regisseurs wahr und eignete sich so praktische Erfahrungen im Filmbereich an. Während seiner Studienzeit war er auch an Produktionen mehrerer kleiner Horror- und Erotikfilme beteiligt. Sein Regiedebüt gab er 1961 mit dem Western Das gibt es nur im Wilden Westen, danach drehte er 1963 den Horrorfilm Dementia 13. Das Drehbuch dieses Schwarz-Weiß-Films, der von einem Serienmörder handelt, schrieb er selbst. Dementia 13 wurde mit einem Budget von rund 20.000 US-Dollar in Irland gedreht. 1968 beendete er sein Studium in Los Angeles mit der besten Note seines Jahrgangs.

Etablierung als Filmemacher

Coppola (links) mit Petro Vlahos

Coppola nahm eine Stelle im Drehbuchteam von Warner Bros.-Seven Arts ein und wurde mit der Verfilmung des Broadway-Hits Finian’s Rainbow von 1947 beauftragt. Im Juni 1968 begann er mit den Dreharbeiten zu Der goldene Regenbogen und begegnete dort George Lucas, der am Samuel-Warner-Memorial-Stipendium teilnahm. Coppola nahm Lucas als Assistenten für die Dreharbeiten an Der goldene Regenbogen. Dabei ging Lucas mit einer Sofortbildkamera über das Set und schoss Bilder möglicher Kameraeinstellungen. Der Film floppte an den Kinokassen und der Umstand, dass ein Weißer dadurch bestraft wird, dass er zu einem Schwarzen wird, trug ihm den Vorwurf des Rassismus ein.

Bis zum Ende der Dreharbeiten waren Coppola und Lucas gute Freunde geworden. Er erzählte Lucas, dass er plane, ein Roadmovie nach der Vorlage einer eigenen Kurzgeschichte mit dem Titel Echoes zu drehen. Liebe niemals einen Fremden erzählt die Geschichte einer schwangeren Frau, die ihren Ehemann eines Nachts verlässt und sich mit einem Tramper auf eine ziellose Reise begibt. Dabei wollte Coppola selbst zusammen mit Lucas während einer Reise von New York nach Nebraska den Film drehen, möglichst unabhängig von Hollywoods Filmstudios. Da Lucas zu dieser Zeit sein eigenes Projekt mit THX 1138 beginnen wollte, machte Coppola Lucas ein Angebot. Er versprach, eine Absprache mit Warner Bros.-Seven Arts zu treffen, damit Lucas vom Studio dafür bezahlt würde, ein Drehbuch für THX 1138 zu schreiben. So konnte Lucas ihn als Assistent bei Liebe niemals einen Fremden begleiten und während der Reise gleichzeitig an THX 1138 arbeiten.

Coppola, der sich schon längere Zeit von Hollywoods Filmindustrie abwenden wollte, schlug Lucas vor, ein unabhängiges Studio zu gründen. Nach einer Tagung mit dem Filmemacher John Korty, der von seiner dritten Produktion in seinem eigenen Studio berichtete, beschlossen Lucas und Coppola, das Studio Korty Films zu besichtigen. Coppola schaute sich noch andere unabhängige Studios an. So besichtigte er eine kleine Firma namens Lanterna Films in Dänemark und bekam ein Zoetrop als Andenken an seinen Besuch geschenkt. Bald darauf bestellte er zusammen mit Lucas hochwertige Filmausrüstung und kümmerte sich um Räumlichkeiten, die er 1969 in San Francisco gefunden hatte. Seinem Studio gab er den Namen American Zoetrope.

Weiterer Lebensweg

(c) Georges Biard, CC BY-SA 3.0
Francis Ford Coppola (1996)

Coppola wurde die Verfilmung des Mafiaepos Der Pate (The Godfather) nach dem Roman von Mario Puzo aus dem Jahr 1972 angeboten. Dies wurde sein Durchbruch als Regisseur. Die zwei Jahre später veröffentlichte Fortsetzung war bei Kritik und Publikum ebenfalls sehr erfolgreich. Coppolas letzter großer Erfolg war 1979 das Vietnam-Epos Apocalypse Now, in dem unter anderem auch Marlon Brando und Robert Duvall aus Der Pate mitspielten. Erst nach einer Drehdauer von 1976 bis 1979 konnte Coppola den Antikriegsfilm fertigstellen. In der Produktionszeit kam es zu Differenzen mit dem Filmverleih United Artists. Trotzdem wurde das Werk zu einem finanziellen und künstlerischen Erfolg.

Nach dem Flop Einer mit Herz (1982) drehte Coppola tendenziell ambitionierte Arbeiten, mit denen er seine Schulden abbezahlen konnte. 1983 entstanden die auf Romanen von Susan E. Hinton basierenden Coming-of-Age-Filme Die Outsider und Rumble Fish. Die von Coppola eingesetzten Schauspieler wurden als Brat Pack die Jungstars ihrer Generation. Die Outsider war trotz nur gemischter Kritiken ein kommerzieller Erfolg, während der in Schwarzweiß gefilmte Rumble Fish an den Kinokassen floppte. Sein Wunschfilm Cotton Club wurde 1984 ein erneuter Misserfolg, und Coppola drehte anschließend Peggy Sue hat geheiratet. Diesen Teufelskreis aus künstlerisch ehrgeizigen Flops und handwerklich soliden Auftragsarbeiten konnte er bis heute nicht durchbrechen.

So sah er sich entgegen vorherigen Beteuerungen 1990 doch gezwungen, Der Pate III zu drehen; die Kritik reagierte verhalten. Gleiches gilt für den Kinderfilm Jack mit Robin Williams und die John-Grisham-Verfilmung Der Regenmacher. Ein danach geplantes Projekt, das ihm schon lange am Herzen lag, Megalopolis, kam nicht zustande. Dafür veröffentlichte er 2007 den weitaus persönlicheren Film Jugend ohne Jugend, über Alter, Tod, Angst, Liebe, Sprache, Frühgeschichte, Traum, Reinkarnation und Atomwaffen. Mit dem vollständig digital gedrehten Film brachte er es auf die Titelseite der renommierten Cahiers. Die Kritik in den Vereinigten Staaten reagierte aber ablehnend.

Als nächstes wurde 2009 sein Filmdrama Tetro veröffentlicht, dem 2011 der Horrorthriller Twixt – Virginias Geheimnis folgte. Im Anschluss widmete er sich dem Experimentalfilmprojekt Distant Vision, das 2016 an der UCLA School of Theater, Film and Television gezeigt wurde.[1] Für Dezember 2020 war die Veröffentlichung einer von Coppola bearbeiteten neuen Schnittfassung von Der Pate – Teil III angekündigt, die insbesondere am Beginn und Ende von der bekannten Filmfassung abweicht. Zudem trägt der Film den Titel Mario Puzo’s The Godfather, Coda: The Death of Michael Corleone.[2] Unter diesem Titel lief der Film im Dezember in einigen US-amerikanischen Kinos an. Der deutschsprachige Titel lautet Der Pate, Epilog: Der Tod von Michael Corleone.

(c) Georges Biard, CC BY-SA 3.0
Francis Ford Coppola (2011)

Coppola produzierte zahlreiche Kinofilme anderer Regisseure, darunter George Lucas’ American Graffiti (1973), Akira Kurosawas Kagemusha – Der Schatten des Kriegers (1980), Godfrey Reggios Koyaanisqatsi (1983), Paul Schraders Mishima – Ein Leben in vier Kapiteln (1985) und Tim Burtons Sleepy Hollow (1999). Für Jack Claytons mehrfach ausgezeichneten Film Der große Gatsby (1974) schrieb er das Drehbuch. Coppola gelang damit eine werkgetreue und dennoch Hollywood-gerechte Adaption von Fitzgeralds Roman, an der unter anderem Truman Capote gescheitert war. Finanzielle Einnahmen erzielt Coppola heute vor allem mit seinem Weingut.

Privates

Coppola ist seit 1963 mit der Dokumentarfilmerin Eleanor Coppola verheiratet, die er am Set von Dementia 13 kennengelernt hatte. Er ist der Onkel der US-amerikanischen Schauspieler Nicolas Cage und Jason Schwartzman sowie der Vater der Regisseure Sofia Coppola (Lost in Translation) und Roman Coppola (Musikvideos und Kinofilme). Sein ältester Sohn, Gian-Carlo, kam 1986 bei einem Bootsunfall ums Leben.

Filmografie (Regie)

Auszeichnungen

Francis Ford Coppola erhielt bisher insgesamt fünf Oscars bei vierzehn Nominierungen. Er erhielt die Auszeichnung 1971 für das Drehbuch für (das nicht von ihm inszenierte) Patton – Rebell in Uniform, 1972 für das Skript zu Der Pate sowie 1975 für Produktion, Regie und Drehbuch für Der Pate – Teil II.

Filme in den Top 250 der IMDb[3]
PlatzFilm
2Der Pate
3Der Pate – Teil II
54Apocalypse Now

Academy Award

(die Verleihung fand bereits 2010 statt)

Als Regisseur

Als Drehbuchautor

Als Produzent

(jeweils in der Kategorie „Bester Film“)

Coppola ist einer von nur vier Regisseuren, denen es gelang, zwei Filme zu drehen, welche mit dem Oscar für den Besten Film ausgezeichnet wurden (Der Pate und Der Pate 2). Die anderen Regisseure sind Clint Eastwood, Frank Capra und Miloš Forman.

Golden Globe Award

Als Regisseur

Als Drehbuchautor

Als Produzent

Weitere Auszeichnungen

Literatur

  • Jeff Menne: Francis Ford Coppola. University of Illinois Press, Urbana 2014, ISBN 978-0-252-03882-2.

Weblinks

Commons: Francis Ford Coppola – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Bill Desowitz: Francis Ford Coppola Completes ‘Distant Vision’ Live Cinema Workshop at UCLA. In: indiewire. 23. Juli 2016, abgerufen am 1. Oktober 2020 (englisch).
  2. Ryan Carter: 'Godfather: Part III' Recut Gets Release Date. In: hollywoodreporter.com. 30. September 2020, abgerufen am 1. Oktober 2020 (englisch).
  3. Die Top 250 der IMDb (Stand: 7. Oktober 2017)

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Francis Ford Coppola at the Cannes film festival
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Francis Ford Coppola at the Deauville film festival
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Iconic director of The Godfather films, Patton, The Conversation, The Outsiders, Apocalypse Now, Tucker, Peggy Sue Got Married, and The Rainmaker.
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Petro Vlahos (right), an Academy-awarder visual-effect pioneer, with director Francis Ford Coppola (left)