Flugabwehr

US-Soldaten beim Start einer FIM-92 Stinger

Unter Flugabwehr (abgekürzt Flab, veraltet Luftabwehr) versteht man militärische Maßnahmen zur Verteidigung des eigenen Luftraums gegen das Eindringen feindlicher Flugzeuge und anderer Flugkörper (Marschflugkörper, Drohnen, ballistische Raketen).

Der Begriff Fliegerabwehr aller Truppen (zu Lande) bezeichnet im Sprachgebrauch der deutschen Bundeswehr die Bekämpfung von Luftzielen zur Selbstverteidigung durch alle Truppen, die nicht auf diesen Einsatzzweck spezialisiert sind. Dazu werden alle Waffen, auch Handfeuerwaffen und Panzerabwehrhandwaffen (zur Bekämpfung von Hubschraubern), zur Abwehr feindlicher Luftfahrzeuge eingesetzt. Dabei können gegen niedrigst fliegende Klein-Drohnen auch Repetierflinten mit Schrotmunition zum Einsatz kommen.

Zur Feuerregelung siehe auch Feuererlaubnis.

Grundlage

(c) Bundesarchiv, Bild 101II-M2KBK-196-34 / Vater / CC-BY-SA 3.0
Fliegerabwehr mit Infanteriewaffen: deutsche Soldaten im Zweiten Weltkrieg am Atlantikwall

Bei den zur Flugabwehr eingesetzten Waffensystemen wird unterschieden zwischen Flugabwehrkanonen und Flugabwehrraketen (Boden-Luft-Raketen). Bei der Bundeswehr werden diese Systeme kurz FlaK und FlaRak genannt. Während Ziele früher nach Sicht oder Schall geortet wurden, kommt heute als Sensor primär Radar zum Einsatz. Ferner verwenden Systeme mit geringer Reichweite Infrarot- oder andere optische Sensoren zur Ortung feindlicher Flugzeuge. Bei Nachtangriffen wurden Flugabwehrkanonen durch Flakscheinwerfer unterstützt.

Flugabwehrsysteme können fest und auch mobil auf Kraftfahrzeugen, Panzern oder Schiffen installiert werden. Außerdem gibt es Flugabwehrraketen, die von einem Mann bedient werden können, sogenannte MANPADS wie die amerikanische Stinger oder die russische Strela.

Gegenmaßnahmen

Start einer MIM-104 Patriot

Eine erfolgreiche Flugabwehr relativiert den Vorteil der Luftüberlegenheit des Angreifers. Daher wurden parallel zur Entwicklung der Flugabwehr ab dem Zweiten Weltkrieg auch Eigenschutzvorrichtungen für Flugzeuge gegen das neu erfundene Radar entwickelt. Recht primitive Anfangsentwicklungen waren etwa die deutschen Düppelstreifen und die britischen Chaff oder Windows. Seit Mitte der 1970er-Jahre ist man bestrebt, mittels der Stealth-Technologie Tarnkappenflugzeuge zu bauen, die für das feindliche Radar schwerer zu entdecken sind.

Eine besondere Form der passiven Flugabwehr war der Bau von Scheinanlagen. Im Zweiten Weltkrieg wurden z. B. etwa ein Drittel des 1,5 Quadratkilometer großen bebauten Werksgeländes der Kruppschen Gussstahlfabrik, hauptsächlich Anlagen im äußeren Bereich, völlig zerstört, ein weiteres Drittel teilweise. Zur Abwendung und Täuschung alliierter Luftangriffe wurde ab 1941 auf dem Rottberg bei Velbert eine Attrappe der Gussstahlfabrik geschaffen, die sogenannte Kruppsche Nachtscheinanlage. Sie lenkte anfangs einige Angriffe auf sich, verlor jedoch mit besseren Orientierungsmöglichkeiten der Flieger, unter anderem mit Einführung des Radars, ab 1943 ihre Wirksamkeit. Beim ersten Angriff auf die eigentliche Gussstahlfabrik im März 1943 warfen die Alliierten 30.000 Bomben ab, wobei auch umliegende Wohnsiedlungen und damit Zivilisten ausgebombt wurden.

Die Flugabwehr ist selbst stark durch Luftangriffe gefährdet. Dabei kann man insbesondere radargestützte Systeme durch Sender stören, lokalisieren und schließlich mit speziellen Raketen zerstören. Die Rakete nutzt die ausgesendete Energie des Radarsenders als Leitstrahl und fliegt bis zu dessen Quelle, also der Radarantenne. Solche Einsätze werden Unterdrückung der feindlichen Flugabwehr (engl. Suppression of Enemy Air Defenses (SEAD)) bezeichnet. Für diese Aufgabe setzen die deutsche sowie die italienische Luftwaffe das Waffensystem ECR-Tornado ein, der eine modifizierte Version des Jagdbombers Tornado mit Raketen des Typs HARM ist. Die US-amerikanische Luftwaffe bekämpft die Flugabwehr unter anderem mit der Wild-Weasel-Taktik.

Durch geschickte Taktik lässt sich das Risiko der Lokalisierung und Zerstörung von Flugabwehreinrichtungen reduzieren. Dazu werden die Radarstationen vernetzt und die eigentliche Radaranlage nur betrieben, wenn es unbedingt erforderlich ist.

Organisation und Zuordnung

Deutschland

Luftverteidigung eines Schiffes

Bei der Bundeswehr ist mit der Flugabwehr die Luftwaffe beauftragt. Im Heer gab es bis zum 12. März 2012 die Heeresflugabwehrtruppe. Sie bekämpfte den Luftfeind vornehmlich im niedrigen und mittleren Flughöhenbereich und schützte alle Truppen, deren Einrichtungen und Anlagen in ihrem befohlenen Einsatzbereich lagen.

Für die Bekämpfung von feindlichen Luftfahrzeugen in großer Höhe ist das Flugabwehrraketengeschwader 1 der Luftwaffe zuständig. Bei der Marine sind für die Flugabwehr/Luftverteidigung hauptsächlich die Fregatten der Klasse F 124 vorgesehen. Die meisten anderen Schiffe der Marine verfügen ebenfalls über Fliegerabwehrwaffen.

Zur Fliegerabwehr aller Truppen zu Lande dienen Maschinengewehre (mit Fliegerabwehrvisier) sowie (Bord-)Maschinenkanonen und Panzerabwehrlenkwaffen wie das PARS 3, in Ausnahmefällen auch Sturmgewehre. Mit Panzerabwehrhandwaffen können insbesondere aus erhöhten Feuerstellungen im Orts- und Häuserkampf langsame Luftfahrzeuge wie Hubschrauber bekämpft werden.

Österreich

Im Österreichischen Bundesheer übernimmt die Fliegerabwehr die Aufgabe der Flugabwehr und ist ein Synonym.

Schweiz

20-mm-Becker-Oerlikon-Prototyp
20-mm-Oerlikon-Kanone (Zweiter Weltkrieg, Schweiz)

In der Schweizer Armee wird als Teil der Schweizer Luftwaffe diese Truppengattung als Fliegerabwehrtruppen bezeichnet und ist ein Synonym.

USA

In den US-Streitkräften sind bodengebundene Flugabwehrkräfte eine Truppengattung der US Army.

Siehe auch

Literatur

  • Hartmut Oberfell: Chronik der Flugabwehr- und Flugabwehrraketentruppe der Luftwaffe. 1991.
  • Otto Wilhelm von Renz: Deutsche Flug-Abwehr im 20. Jahrhundert. E.S. Mittler & Sohn, 1960.
  • Raimo Vehviläinen, Ahti Lappi, Markku Palokangas: Independant Finland air defence cannons 1917–2000. Finnisches Kriegsmuseum, 1/2005.
  • Wolfgang Zecha, Hans Hirnschall: 200 Jahre Flugabwehr in Österreich 1794–1994. Verlagsbuchhandlung Stöhr, Wien 1994.
  • Warren J. Boord, et al.: Air and missile defense systems engineering. CRC Press, Boca Raton, 2016, ISBN 978-1-439-80670-8.

Weblinks

Commons: Flugabwehr – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Auf dieser Seite verwendete Medien

Ship Air Defence (DE).JPG
Da die Nahbereichsverteidigung sowohl durch Raketen (RAM), Geschütze oder andere Systeme erfolgen kann, ist die genaue Methode in der Darstellung offen gelassen worden. (deutschsprachige Fassung)
Bundesarchiv Bild 101II-M2KBK-196-34, Atlantikwall, Fliegerabwehr durch Gewehrbeschuss.jpg
(c) Bundesarchiv, Bild 101II-M2KBK-196-34 / Vater / CC-BY-SA 3.0
Mellingen Güggel 02.jpg
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Fliegerabwehr Zweiter Weltkrieg, Mellingen AG, Schweiz: auf der Zinne des Restaurants Güggel zum Schutz der nahen Reussbrücke
Austria Bundesadler.svg
Wappen der Republik Österreich: Nicht gesetzeskonforme Version des österreichischen Bundeswappens, umgangssprachlich „Bundesadler“, in Anlehnung an die heraldische Beschreibung des Art. 8a Abs. 3 Bundes-Verfassungsgesetz mit zwar nach Wappengesetz detailliertem, aber schwarzem statt grauem Gefieder, mit zu grellem Gelb, sowie mit inkorrekter Darstellung des Bindenschilds, da die weiße Binde zu breit und der untere rote Balken zu schmal, sowie der Spitz statt halbrund zu sein zu flach gerundet ist:

Das ursprüngliche Staatswappen wurde in der ersten Republik Österreich im Jahr 1919 eingeführt. Im austrofaschistischen Ständestaat wurde es im Jahr 1934 wieder abgeschafft und, im Rückgriff auf die österreichisch-ungarische Monarchie, durch einen Doppeladler ersetzt. In der wiedererstandenen (zweiten) Republik im Jahr 1945 wurde das Bundeswappen mit dem Wappengesetz in der Fassung StGBl. Nr. 7/1945 in modifizierter Form wieder eingeführt. Der Wappenadler versinnbildlicht, diesem Gesetzestext entsprechend (Art. 1 Abs. 1), „die Zusammenarbeit der wichtigsten werktätigen Schichten: der Arbeiterschaft durch das Symbol des Hammers, der Bauernschaft durch das Symbol der Sichel und des Bürgertums durch das Symbol der den Adlerkopf schmückenden Stadtmauerkrone […]. Dieses Wappen wird zur Erinnerung an die Wiedererringung der Unabhängigkeit Österreichs und den Wiederaufbau des Staatswesens im Jahre 1945 dadurch ergänzt, dass eine gesprengte Eisenkette die beiden Fänge des Adlers umschließt.“

Mit dem Bundesverfassungsgesetz vom 1. Juli 1981, mit dem das Bundes-Verfassungsgesetz in der Fassung von 1929 geändert wird, BGBl. Nr. 350/1981, wurden die Wappengesetze von 1919 und 1945 außer Kraft gesetzt und dem Text des Bundes-Verfassungsgesetzes mit Artikel 8a B-VG eine Verfassungsbestimmung über die Farben, die Flagge und das Wappen der Republik Österreich hinzugefügt. Mit der Neuverlautbarung des Wappengesetzes mit BGBl. Nr. 159/1984 in § 1 in der grafischen Umsetzung der Anlage 1 wurde das Bundeswappen in seiner aktuellen Version eingeführt.
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Becker Flab 1917