Achse (Architektur)

Axialsymmetrisch aufgebauter Grundriss (La Rotonda)

Als Achse bezeichnet man in Architektur, Städtebau und Landschaftsarchitektur eine gedachte Gerade, die durch ein Gebäudeensemble, einen Baukörper, ein Bauteil oder raumbildende Grünstrukturen und Gewässer gezogen werden kann und als Gestaltungs- und Ordnungsmittel benutzt wird.[1]

Die Westfassade des Petit Trianon wird durch fünf senkrechte Fensterachsen gegliedert, wobei der Mittelrisalit drei Fensterachsen aufweist

Achsen in der Architektur

  • Eine Vertikalachse gliedert die Fassade eines Gebäudes in senkrechte Abschnitte. Ein typische Vertikalachse ist die Fensterachse, die eine gedachte senkrechte Mittellinie übereinander liegender Fensteröffnungen bezeichnet.[2] Die gleichmäßige oder rhythmische Anordnung von Fensterachsen trägt – neben der horizontalen Geschossteilung – zur Gliederung einer Fassade bei.
  • Eine Horizontalachse gliedert die Fassade in waagrechte Abschnitte, beispielsweise mittels Gesimsen oder Fensterbändern.
  • Eine Längsachse bezeichnet im Grundriss die Mittellinie der Längsausrichtung, beispielsweise eines mittelalterlichen Kirchenschiffes (vgl. auch Achsknick). Entsprechend ist die Querachse im rechten Winkel zur Grundriss-Längsachse ausrichtet, beispielsweise bei einem Querschiff.
  • Eine Mittelachse[3] bezeichnet in Grundriss, Fassade oder Querschnitt eine auf das ganze Gebäude oder seine Bauteile bezogene, gedachte Mittellinie. In der historischen Architektur sind in der Mittelachse häufig das Portal und die Haupterschließung angeordnet.
  • Wird eine Fassade oder ein Grundriss insgesamt symmetrisch geteilt, spricht man von einer Symmetrieachse.

Auch in der planimetrischen Beschreibung von Erschließungen spricht man von Achsen (adj. axial), bei einem Richtungswechsel von Knickachsen (adj. knickachsig).

Achsen im Städtebau

Im Städtebau kann zwischen Strukturachsen und Gestaltachsen unterschieden werden.[4]

Strukturachsen

Strukturachsen dienen vor allem der Anordnung von Baufeldern in der Stadt und bestimmen dadurch den Stadtkörper (zum Beispiel Cardo und Decumanus in der römischen Stadt bzw. das Hippodamisches System im antiken Griechenland); sie müssen nicht notwendigerweise gerade sein (vgl. die Bandstadtidee oder auch die Eixo Rodoviário in Brasília).

Gestaltachsen, Monumentalachsen

Gestaltachsen sind Teil des Stadtraums und weisen oft eine besondere architektonische Gestaltung auf, die sich auf die Straßenwände beziehen kann (zum Beispiel die Grand Rue in Richelieu), oder aber auf die Endpunkte der Achse, die points de vue. Hier spricht man auch von Sichtachsen, die den Blick auf bedeutende Bauwerke oder die Landschaft prägende Elemente lenken, wobei die Sichtachse nicht zugleich eine Bewegungsachse sein muss (aufgrund querender Wasserläufe oder aber größerer Höhenunterschiede wie beispielsweise beim Schloss und Bergpark in Kassel-Wilhelmshöhe).

Städtebauliche Monumentalachse (Petersplatz mit anschließender Via della Conciliazione in Rom)

Eine besondere Form der Gestaltachse ist die Monumentalachse, also weite städtische Prachtstraßen, an der sich wichtige kommerzielle, kulturelle und/oder politisch-administrative Einrichtungen aufreihen und die auf ein imposantes Bauwerk oder Denkmal zulaufen. Sie ist oft Ausdruck eines besonderen politischen Machtanspruchs.

Beispiele für Monumentalachsen:

Gestaltachsen wurden im Städtebau des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts häufig auch in bereits bestehenden Stadtstrukturen eingefügt. Diese städtebaulichen Schneisen dienten zumeist der Neustrukturierung von Verkehrswegen und der Modernisierung der Gebäudesubstanz; beides unmittelbare Folgen der Industrialisierung und der damit verbundenen Bedeutungssteigerung des Boden- und Wohnungsmarkts. Beispiele hierfür sind die Transformation von Paris unter Haussmann (zum Beispiel Avenue de l’Opéra), aber auch verhältnismäßig kleinere Straßendurchbrüche wie die Kaiser-Wilhelm-Straße in Berlin (heute Karl-Liebknecht-Straße) oder die Pařížská (Pariser Straße) in Prag.

Siehe auch

Literatur

  • Katrin Bek: Achse und Monument. Zur Semantik von Sicht- und Blickbeziehungen in fürstlichen Platzkonzeptionen der frühen Neuzeit. VDG, Weimar 2005, ISBN 9783897395039.
  • Karsten Ley: Raum, Zeit, Funktion. Die Dimensionen der Achse im Städtebau. FdR, Aachen, 2005, ISBN 3-936971-08-0.
  • Wilhelm Rave: Die Achse in der Baukunst. Dissertation TH Berlin; Aschendorff, Münster 1929.
  • Clemens Steenbergen, Wouter Reh: Architecture and Landscape. The Design Experiment of the Great European Gardens and Landscapes. Prestel, München/New York 1996, ISBN 3-7643-0335-2.

Einzelnachweise

  1. Hans Koepf, Günther Binding: Bildwörterbuch der Architektur. Mit englischem, französischem, italienischem und spanischem Fachglossar (= Kröners Taschenausgabe. Bd. 194). 4., überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-19404-X (Digitalisat auf moodle.unifr.ch, abgerufen am 3. Mai 2026), S. 5 f.: Achse (mit erläuternden Schemazeichnungen).
  2. Hans Koepf, Günther Binding: Bildwörterbuch der Architektur. Mit englischem, französischem, italienischem und spanischem Fachglossar (= Kröners Taschenausgabe. Bd. 194). 4., überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-19404-X (Digitalisat auf moodle.unifr.ch, abgerufen am 3. Mai 2026), S. 173: Fensterachse.
  3. Hans Koepf, Günther Binding: Bildwörterbuch der Architektur. Mit englischem, französischem, italienischem und spanischem Fachglossar (= Kröners Taschenausgabe. Bd. 194). 4., überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-19404-X (Digitalisat auf moodle.unifr.ch, abgerufen am 3. Mai 2026), S. 5 f.: Achse, hier S. 6, Buchstabe c (Schemazeichnungen).
  4. vgl. Karsten Ley: Raum, Zeit, Funktion. Die Dimensionen der Achse im Städtebau. FdR, Aachen 2005, ISBN 3-936971-08-0.

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(c) I, Williamlll, CC BY-SA 3.0
schema de croissance harmonique par racine carré de 2 du plan de la villa Rotonda par Palladio