Fenamidon

Strukturformel
Strukturformel von Fenamidone
Allgemeines
NameFenamidon
Andere Namen
  • (5S)-3-Anilino-5-methyl-2-(methylsulfanyl)-5-phenyl-3,5-dihydro-4H-imidazol-4-on (IUPAC)
  • (S)-1-Anilino-4-methyl-2-methylthio-4-phenyl-2-imidazolin-5-on
  • (5S)-3-Anilino-5-methyl-2-(methylthio)-5-phenyl-3,5-dihydro-4H-imidazol-4-on
  • Consento
SummenformelC17H17N3OS
Kurzbeschreibung

voluminöses, weißes Pulver[1]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer161326-34-7
EG-Nummer (Listennummer)605-252-0
ECHA-InfoCard100.122.945
PubChem10403199
ChemSpider8578637
WikidataQ5442966
Eigenschaften
Molare Masse311,40 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

137 °C[1]

Löslichkeit

praktisch unlöslich in Wasser (0,0078 g·l−1 bei 20 °C)[1]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP),[3] ggf. erweitert[2]
GefahrensymbolGefahrensymbol

Achtung

H- und P-SätzeH: 312​‐​410
P: 273​‐​280​‐​302+352+312​‐​362+364​‐​391​‐​501[2]
Toxikologische Daten
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Fenamidon ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der Imidazoline und ein von Rhône-Poulenc entwickeltes und 2001 eingeführtes Fungizid, welches heute von Bayer CropScience vertrieben wird.[1]

Gewinnung und Darstellung

Ausgehend von (S)-2-Methyl-2-phenylglycin (1) wird im Rahmen einer vierstufigen Synthese zuerst eine Veresterung zum Methylester (2) durchgeführt und der Ester anschließend mit Thiophosgen zum entsprechenden Thioisocyanat-Derivat (3) umgesetzt. Durch Zugabe von Phenylhydrazin wird das Thiohydantoin-Derivat (4) erhalten, welches im finalen Schritt zu Fenamidon (5) methyliert wird.[4]

Darstellung von Fenamidon (5).
Darstellung von Fenamidon (5).

Zu Beginn der Produktion fielen stark riechende Nebenprodukte an.[5][6]

Wirkung und Verwendung

Fenamidon besitzt denselben Wirkmechanismus wie die Strobilurine. Die Wirkung beruht auf der Hemmung vom Komplex III der Atmungskette, der Cytochrom-c-Reduktase an der Qo-Stelle. Es wirkt sowohl protektiv als auch kurativ.

Zulassung

In den Staaten der EU ist Fenamidon seit dem 14. August 2018 nicht mehr zugelassen.[7] Auch in der Schweiz sind keine Pflanzenschutzmittel mit diesem Wirkstoff mehr zugelassen.[7] Für Broccoli gilt dort ein relativ hoher Rückstandshöchstgehalt von 5 Milligramm Fenamidon pro Kilogramm.[8]

Zudem wird Wirkstoff auch auf dem brasilianischen Markt vertrieben.[9]

Einzelnachweise

  1. ↑ a b c d e f Eintrag zu Fenamidon. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 19. April 2014.
  2. ↑ a b Eintrag zu Fenamidon in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 2. Januar 2024. (JavaScript erforderlich)
  3. ↑ Eintrag zu (S)-5-methyl-2-methylthio-5-phenyl-3-phenylamino-3,5-dihydroimidazol-4-one im Classification and Labelling Inventory der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA), abgerufen am 1. August 2016. Hersteller bzw. Inverkehrbringer können die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung erweitern.
  4. ↑ Clemens Lamberth: Organic Isocyanates and Isothiocyanates: Versatile Intermediates in Agrochemistry. In: Synthesis. Band 54, Nr. 05, März 2022, S. 1250–1260, doi:10.1055/a-1678-8528.
  5. ↑ Chemiefirma Rohner wusste vom Fisch-Gestank. Der vorherige Produzent von Fenamidon kämpfte mit dem gleichen Problem wie die Prattler Firma.
  6. ↑ Green and Stereoselective Synthesis of New imidazolones as Potential Candidates for Crop Protection (Memento vom 20. April 2014 im Internet Archive).
  7. ↑ a b Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit der Europäischen Kommission: Eintrag zu Fenamidone in der EU-Pestiziddatenbank; Eintrag in den nationalen Pflanzenschutzmittelverzeichnissen der Schweiz, Österreichs und Deutschlands, abgerufen am 6. April 2023.
  8. ↑ Verordnung des EDI über die Höchstgehalte für Pestizidrückstände in oder auf Erzeugnissen pflanzlicher und tierischer Herkunft. In: admin.ch. Abgerufen am 6. Februar 2020.
  9. ↑ Benjamin Luig, Fran Paula de Castro und Alan Tygel (beide Campanha Permanente Contra os Agrotóxicos e Pela Vida), Lena Luig (INKOTA-netzwerk), Simphiwe Dada (Khanyisa), Sarah Schneider (MISEREOR) und Jan Urhahn (Rosa-Luxemburg-Stiftung): Gefährliche Pestizide. (PDF; 2,4 MB) von Bayer und BASF – ein globales Geschäft mit Doppelstandards. Rosa-Luxemburg-Stiftung, INKOTA-netzwerk, Bischöfliches Hilfswerk Misereor u. a., April 2020, abgerufen am 25. April 2020.

Auf dieser Seite verwendete Medien

Synthese von Fenamidon.png
Autor/Urheber: Danandmue, Lizenz: CC0
Darstellung von Fenamidon (5).
Fenamidone USA 2011.png
Geschätzte ausgebrachte Fenamidonmenge in den USA 2011
(S)-Fenamidon structural formula V2.svg
Strukturformel des (S)-Enantiomers von Fenamidon