Engelbert von Admont

Engelbert von Admont (* um 1250 in Volkersdorf, Gemeinde Purgstall bei Eggersdorf in der Steiermark; † 10. April oder 12. Mai 1331 in Admont, Steiermark) war von 1297 bis 1327 Abt von Admont. Er verfasste zahlreiche Werke (darunter das staatstheoretisch bedeutende De ortu et fini Romani Imperii) und gilt als einer der fruchtbarsten Schriftsteller seiner Zeit.

Leben

Engelbert von Admont gilt als einer der universalsten Geister des spätmittelalterlichen Österreich und jedenfalls als der vielseitigste Gelehrte in der Geschichte des Stiftes Admont. Die Grundlagen für diesen ungewöhnlich weit gespannten Horizont seiner Gelehrsamkeit und seinen Kenntnisreichtum hat sich der „österreichische Albertus Magnus“ in einer gediegenen Ausbildung von 1271 bis 1285 zunächst in Prag unter anderem bei Mistr Bohumil und dann insbesondere in Padua erworben. Er machte sich hier speziell mit dem aristotelischen Denken vertraut und konnte dann die Schriften des griechischen Philosophen für sein eigenes Werk nutzen. Auch dieser rezeptions- und wissenschaftsgeschichtliche Aspekt hat in der Forschung immer wieder Beachtung gefunden.

Er leitete das Stift Admont als Abt von 1297 bis 1327. Sein Andenken wird im Hause seit eh und je in hohen Ehren gehalten: Mitunter hat man ihn sogar stillschweigend der Schar der Heiligen oder doch der Seligen zugezählt, und schon seit Jahrhunderten trägt jeweils ein Klosterangehöriger seinen Namen. Bei den Zeitgenossen war er allerdings nicht unumstritten, und in seinem Konvent soll es sogar Stimmen gegeben haben, die ihn – vielleicht gerade wegen seines ausgeprägten Hanges zur Gelehrsamkeit – als untauglich für das Amt des Stiftsvorstehers bezeichneten.

Das wissenschaftliche Werk des Engelbert von Admont, das aus mehr als 40 größeren und kleineren Abhandlungen besteht, umfasst sowohl philosophische als auch theologische Traktate, womit sich dieser Abt als der wohl fruchtbarste benediktinische Autor seiner Zeit im mitteleuropäischen Raum erweist. Innerhalb der erstgenannten Gruppe unterscheidet er selbst zwischen natur- und moralphilosophischen Werken, wobei unter den letzteren vor allem seine umfangreichen staatstheoretischen Schriften in der Forschung großes Interesse gefunden haben. Die Musikwissenschaft verdankt ihm den einzigen in Österreich entstandenen musiktheoretischen Traktat des Mittelalters, und als Theologe wird Engelbert immer mehr in seiner Bedeutung als durchaus eigenständiger scholastischer Denker anerkannt.

In einem Brief an Magister Ulrich in Wien gibt Engelbert Ratschläge für Studenten. Erstens empfiehlt er, der Reihe nach vorzugehen. Man soll nicht sprungweise vorgehen, sondern die Bücher in der Abfolge der Überlieferung und der wissenschaftlichen Theorien hören. Zweitens soll man sich immer nur mit einem Studium beschäftigen. Man soll weder ein anderes Studium einschieben, noch sich mit mehreren Wissensgebieten gleichzeitig beschäftigen. Drittens soll man auf dem begonnenen Studium beharren bis zum Ende des angefangenen Werkes. In Engelberts Brief ist eine Liste seiner Werke enthalten. Er will auf diese Weise sichergehen, dass sich kein anderer eines dieser Werke zuschreibt. Sollte Ulrich eines dieser Werke noch nicht haben, ist Engelbert gerne bereit, es ihm zu schicken. Engelberts Brief ist für seine Zeit einmalig und gibt interessante Einblicke in seinen Werdegang und in das intellektuelle Leben.

Abt Engelbert nimmt jedoch nicht nur als Philosoph und Theologe einen besonderen Platz in der Geistesgeschichte des Stiftes ein, sondern lässt sich auch mit zwei der großartigsten Kunstwerke in Zusammenhang bringen, die je in Admont vorhanden waren: Während seiner Studienzeit in Padua dürfte er dort jenes prächtige Missale in Auftrag gegeben haben, das zu den herausragenden buchkünstlerischen Leistungen seiner Zeit zu rechnen ist und sich nunmehr in der Gulbenkian-Stiftung in Lissabon befindet. Als Abt von Admont hat er dann die wunderbare Marien-Statue beschafft, die zur „Admonter Madonna“ schlechthin geworden ist; sie wurde ebenso wie das Missale 1936 veräußert und steht nun in der Alten Galerie in Graz.

Werke

Engelbert verfasste zahlreiche Abhandlungen dogmatisch-theologischen, naturphilosophischen, musikmethodischen sowie staatspolitischen Inhalts.[1]

Exemplarisch:

  • De regimine principum (um 1300, staatstheoretisches Werk und Fürstenspiegel)
  • Speculum virtutum (entstanden um 1310, ein den Herzögen Otto und Albrecht von Österreich gewidmeter Fürstenspiegel)
  • De ortu et fini Romani Imperii (um 1312).

De ortu et fini Romani Imperii

In diesem Werk versuchte Engelbert in 24 Kapiteln zu begründen, weshalb die Weltmonarchie, also die (theoretische) Weltherrschaft der Kaiser des römisch-deutschen Reiches im Rahmen der mittelalterlichen Reichsidee, zum Wohl der Menschheit notwendig sei.[2] Engelbert unterfütterte seine stark von aristotelischen Überlegungen geprägte Argumentation mit Vergleichen aus der Natur- und Sozialphilosophie.[3] Er ging dabei von einer natürlichen Hierarchie der Menschen aus, die er mit der Rangordnung in der Natur vergleicht: So gebe es bei den Menschen höher stehende Personen, die durch ihren Intellekt die anderen überragen und damit besser zur Herrschaft befähigt sind.[4] Die politisch denkenden Menschen streben demnach nach einer gerechten, tugendhaften Herrschaft und wählen jemanden aus ihrer Mitte, den sie für den geeignetsten Anführer halten. Eine gute Herrschaft sei eine gerechte Herrschaft, in der sich der Herrschende um das Wohl seiner Untertanen kümmert, womit das Glück im Gemeinwesen wachsen würde. Frieden für die Menschen im Gemeinwesen könne durch die Universalmonarchie verwirklicht werden. Ebenso wie in der Natur, so existiert auch bei den Menschen eine Rangordnung: Wie der Adler und der Löwe über die Tiere herrschen, so ordnet sich das Haus dem Dorf, das Dorf der Stadt und schließlich die Stadt dem König unter.[5] Die Königreiche wiederum müssen dem Imperium untergeordnet sein. Dies sei zur Wahrung der Einheit der Christenheit notwendig, da der Kaiser den Glauben besser verteidigen könne als zersplitterte einzelne Reiche.

Engelberts Vorstellung vom Weltkaisertum ähnelte in Teilen Dantes Theorie in dessen Werk Monarchia, doch ergeben sich einige wichtige Unterschiede.[6] Engelbert war fest in der christlichen Heilsgeschichte verwurzelt und warnte vor dem Verfall und dem Ende des Imperiums. Diese eschatologische Komponente fehlt bei Dante. Während für Dante Jenseitsvorstellungen keine größere Rolle spielten, betonte Engelbert die Funktion des Kaisers als Schirmherr der Christenheit.

Engelberts Überlegungen sind ein Beispiel für die im Spätmittelalter und hier vor allem im frühen 14. Jahrhundert noch einmal aufkommende Diskussion unter Gelehrten im Reich über Bedeutung und Stellung des Kaisertums als Universalmacht.[7] Es ist kein Zufall, dass dies in der Zeit der Kaiser Heinrichs VII. und Ludwigs IV. geschah, als das letzte Mal der theoretische Streit über die Bedeutung des universalen Kaisertums ausgetragen wurde.

Literatur

Anmerkungen

  1. Werkübersicht mit Ausgaben und Literatur, in: Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters.
  2. Ausgaben und Literatur bei De ortu, progressu et fine Romani imperii, in: Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters.
  3. Vgl. zur Interpretation Karl Ubl: Engelbert von Admont. Ein Gelehrter im Spannungsfeld von Aristotelismus und christlicher Überlieferung. Wien/München 2000, S. 155 ff.
  4. Engelbert, De ortu et fine 1.
  5. Engelbert, De ortu et fine 15.
  6. Vgl. Karl Ubl: Engelbert von Admont. Ein Gelehrter im Spannungsfeld von Aristotelismus und christlicher Überlieferung. Wien/München 2000, S. 160 f.
  7. Vgl. Karl Ubl: Die Rechte des Kaisers in der Theorie deutscher Gelehrter des 14. Jahrhunderts (Engelbert von Admont, Lupold von Bebenburg, Konrad von Megenberg). In: Claudia Märtl u. a. (Hrsg.): Konrad von Megenberg (1309–1374) und sein Werk. München 2006, S. 353–387.
VorgängerAmtNachfolger
Heinrich II.Abt von Stift Admont
1297–1327
Eckard von Lauterbeck