Ehrenfriedhof (Bützow)

Ehrenfriedhof
Ehrenfriedhof
Daten
OrtBützow, Friedhof
BaustilMassengrab mit Mahnmal
Baujahr1945
Koordinaten53° 50′ 50,4″ N, 11° 57′ 43,5″ O
Besonderheiten
Bützower Baudenkmal Nr. 0269

Der Ehrenfriedhof ist eine denkmalgeschützte Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus auf dem Friedhof der Evangelischen Kirchengemeinde in Bützow im Landkreis Rostock.

Ehrenfriedhof

Gestaltung

Die auf dem südwestlichen Teil vom Friedhof befindliche Anlage läuft in Terrassenform auf ein Mahnmal zu.

Geschichte

Von 1933 bis 1945 war das Zuchthaus Bützow-Dreibergen Haftort für Zwangsarbeiter und Hinrichtungsstätte der NS-Justiz. Bis 1944 wurden Hinrichtungen in Dreibergen von einem Scharfrichter (für 60 Reichsmark) mit dem Handbeil hinter der Anstaltstischlerei vorgenommen. Von Dezember 1944 bis zum Kriegsende war dort das Fallbeil aus der Zentralen Hinrichtungsstätte V (UH Hamburg-Stadt) aufgestellt und im umgebauten Apfelkeller vollstreckt.[1] Wegen der näher rückenden Kriegsfronten 1945 wurden über 900 Gefangene aus dem Zuchthauslager Holzen und dem Zuchthauses Celle auf Todesmärsche in offenen Bahnwaggons nach Bützow gezwungen. Nach Angaben von Teilnehmern verloren auf dem Marsch annähernd 200 Menschen ihr Leben. Aufgrund der katastrophalen Haftbedingungen in Bützow-Dreibergen starben 771 Menschen aus Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Polen, Russland und der Tschechoslowakei an Hunger, Entkräftung, Krankheit und Mord. Sie wurden in vier Massengräber auf dem Friedhof verscharrt. Außerdem ist bekannt; dass ein größer Teil der Ermordeten nach Rostock zur Einäscherung ins Krematorium gebracht wurde. Nach der Befreiung durch die Rote Armee sind viele der Inhaftierten in das extra eingerichtete Lazarett der Mittelschule (Schule am Rathaus) verlegt worden und dort an den Haftfolgen verstorben.[2][3][4]

Bekannte Opfer in Massengräbern

NameGeburtsdatumGeburtsortTodesmarschTodesdatumTodesort
Werner Schütz21. März 1914Solingen-Wald26. Februar 1942Zuchthaus Bützow-Dreibergen
Leo Bichler10. April 1917BerdorfHolzen / Bützow-Dreibergen13. Mai 1945Lazarett Mittelschule-Bützow[5]
Max Anton Schlichting8. Februar 1907Hamburg-Bergedorf24. März 1945Zuchthaus Bützow-Dreibergen
August Quest25. Februar 1886Hamburg28. April 1945Zuchthaus Bützow-Dreibergen
Heinrich Kerpel23. Mai 1903TreuenApril 1945Zuchthaus Bützow-Dreibergen
Josef Walter Borchert2. August 1907SeeburgHolzen / Bützow-Dreibergen18. Mai 1945Zuchthaus Bützow-Dreibergen[5]
Robert Anasch22. Dezember 1907Zella/Rhön15. April 1945Zuchthaus Bützow-Dreibergen
Emile Boucq23. Juni 1885AmentrièresHolzen / Bützow-Dreibergen19. April 1945Zuchthaus Bützow-Dreibergen[5]
Georges Castel1. März 1918La ForêtHolzen / Bützow-Dreibergen7. Mai 1945Lazarett Mittelschule-Bützow[5]
Pierre Cocquereaux3. September 1919MolenbeekHolzen / Bützow-Dreibergen23. April 1945Zuchthaus Bützow-Dreibergen[5]
Paul Fernand Didier18. Juni 1919RuetteHolzen / Bützow-Dreibergen22. Juni 1945Lazarett Mittelschule-Bützow[5]
Paul Dreibrodt19. Juli 1905KöllitschCelle / Bützow-Dreibergen28. Mai 1945Zuchthaus Bützow-Dreibergen[6]
Wilhelm Fiedler23. März 1906MöckernHolzen / Bützow-Dreibergen11. Mai 1945Zuchthaus Bützow-Dreibergen[5]
Theodor Gaul20. August 1917BrachtenbachHolzen / Bützow-Dreibergen12. Mai 1945Lazarett Mittelschule-Bützow[5]
Erich Giese31. Mai 1881unbekanntCelle / Bützow-Dreibergen13. April 1945Bahnhof Bützow[5]
Friedrich Gutowski6. Januar 1906RegelnitzenCelle / Bützow-Dreibergen17. April 1945Zuchthaus Bützow-Dreibergen[5]
Jean Hemery22. September 1917Paris, 14. ArrondissementHolzen / Bützow-Dreibergen22. April 1945Bützow[5]
Maurice Roger Jacquemai10. September 1924DelemontHolzen / Bützow-Dreibergen16. Mai 1945Zuchthaus Bützow-Dreibergen[5]
Ludwig Bernhard Krynen18. Februar 1905SchwerteCelle / Bützow-Dreibergen19. April 1945Zuchthaus Bützow-Dreibergen[5]
Leo Kwiotek12. April 1896PolenCelle / Bützow-Dreibergen20. April 1945Zuchthaus Bützow-Dreibergen[5]
Johannes Letonja25. August 1907DolenaCelle / Bützow-Dreibergen12. Mai 1945Lazarett Mittelschule-Bützow[5]
Georges Malfait25. September 1882RenaixCelle / Bützow-Dreibergen16. April 1945Zuchthaus Bützow-Dreibergen[5]
Artur MaschkeunbekanntunbekanntHolzen / Bützow-Dreibergen24. Mai 1945Zuchthaus Bützow-Dreibergen[5]
Eugene Massicot10. Februar 1902LusangerCelle / Bützow-Dreibergen17. April 1945Zuchthaus Bützow-Dreibergen[5]
Walter Medau6. Januar 1894GeesthachtCelle / Bützow-Dreibergen24. Juni 1945Lazarett Mittelschule-Bützow [7]
Emil Nies20. Dezember 1895unbekanntCelle / Bützow-Dreibergen17. April 1945Zuchthaus Bützow-Dreibergen[5]
René Noe27. Juli 1921La MadelaineHolzen / Bützow-Dreibergen11. Mai 1945Lazarett Mittelschule-Bützow[5]
Viktor Paap,9. Januar 1900HannoverCelle / Bützow-Dreibergen24. April 1945Zuchthaus Bützow-Dreibergen[5]
Johan Picek10. März 1917GödingHolzen / Bützow-Dreibergen12. Mai 1945Lazarett Mittelschule-Bützow[5]
Franz Selzam27. Dezember 1891OberdürrbachHolzen / Bützow-Dreibergen21. Mai 1945Lazarett Mittelschule-Bützow[5]
Oskar Simon13. März 1906Bruay-sur-l’EscautHolzen / Bützow-Dreibergen13. Mai 1945Lazarett Mittelschule-Bützow[5]
Heinrich Stoll6. August 1892OffenbachCelle / Bützow-Dreibergen18. Mai 1945Zuchthaus Bützow-Dreibergen[5]
Wladislaw Tarnowski13. Oktober 1913DomaradzHolzen / Bützow-Dreibergen11. Mai 1945Lazarett Mittelschule-Bützow[5]
Alfons Joseph van den Bosch21. Mai 1921LierHolzen / Bützow-Dreibergen12. Mai 1945Lazarett Mittelschule-Bützow[5]
Moritz Vanhuyse4. Januar 1907MoosledeCelle / Bützow-Dreibergen12. Mai 1945Zuchthaus Bützow-Dreibergen[5]
Jan Verhagen10. März 1920OlivosHolzen / Bützow-Dreibergen13. Mai 1945Zuchthaus Bützow-Dreibergen[5]

Mahnmal

Mahnmal

Geschichte

Im Auftrag der Stadt Bützow gestaltete Paul Voigt aus Bützow 1947 das Mahnmal. Unter Einbeziehung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes und zahlreicher Bürger der Stadt Bützow wurde der Ehrenfriedhof mit dem Mahnmal eingerichtet und am 14. September 1947 der Öffentlichkeit übergeben.[8]

Während der DDR-Zeit fanden jährliche Gedenkveranstaltungen am Mahnmal statt.

Im Jahr 2006 erfolgte eine Sanierung des Mahnmals durch die Stadt Bützow.

Gestaltung

Das auf einem doppelt gemauertem Sockel freistehende Mahnmal besteht aus einem zweieinhalb Meter hohen großer Steinblock mit einer umgedrehten pyramidenförmigen Spitze.

Inschrift

Ehre
den
Opfern

Bützower Baudenkmal Nr. 0269

Dem Bützower Baudenkmal Nr. 0269 sind folgende Denkmale und Kleindenkmale untergliedert:

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Andreas Wagner: FORSCHEN,GEDENKEN UND LERNEN. Schwerin 2008 (fes.de [PDF]).
  2. 500 Leichen von Gefangenen entdeckt. In: Welt am Abend, 24. September 1947, S. 4 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/waa
  3. Pädagogisches Kreiskabinett des Kreises Bützow: Der Kreis Bützow-Arbeitsmaterial zum Heimatkundeunterricht. Bützow 1985.
  4. Dr. Wolfgang Schmidtbauer: Als die neue Zeit begann-Die Befreiung des Kreises Bützow. 1975.
  5. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab ac Verein für regionale Kultur- und Zeitgeschichte Hameln e.V.: Todesmarsch vom Zuchthaus-Außenlager Holzen und Zuchthaus Celle zum Zuchthaus Bützow-Dreibergen. In: Die Dokumentation der Opfer der NS-Herrschaft in der Stadt Hameln und im Landkreis Hameln-Pyrmont. 2016 (geschichte-hameln.de).
  6. Hans-Joachim Meyer: Paul Dreibrodt -Stolpersteine Hamburg. 2021 (stolpersteine-hamburg.de).
  7. Hildegard Thevs: Walter Medau-Stolpersteine Hamburg. 2021 (stolpersteine-hamburg.de).
  8. Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern: Gedenkstättenführer. 2013, ISBN 978-3-00-035469-4.

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Mahnmal für Opfer des Nationalsozialismus