Der elektrische Bass oder kurz E-Bass (englisch bass guitar) ist eine auf elektrische Verstärkung angewiesene Bassgitarre.
Als Bassinstrument legt er in einer Band mit tiefen Frequenzen das harmonische Fundament. Basslinien sind typisch für viele Musikrichtungen, etwa Funk, Reggae, Jazz, Rock und Pop, vor allem im Funk und Reggae kommt er mit ausgefallenen Basslinien zum Vorschein.
Ein siebensaitiger Fretless-E-Bass, typischerweise gestimmt in ,,Fis-,,H–,E–,A–D–G–h
Ein E-Bass hat normalerweise vier Saiten, in besonderen Versionen auch mehr, die normalerweise durchgehend in Quarten gestimmt sind. Die Standard-Stimmung eines viersaitigen E-Basses (,E–,A–D–G) entspricht der Stimmung des Kontrabasses und ist eine Oktave tiefer als die vier tiefsten Saiten der Gitarre. Wie Gitarre und Kontrabass ist der E-Bass ein transponierendes Instrument; die Noten werden eine Oktave höher notiert, als der Bass klingt.
Neben den viersaitigen E-Bässen gibt es auch fünfsaitige E-Bässe[1] mit ,,H als tiefster Saite.
Die Tonhöhenveränderung geschieht durch Abgreifen der Saiten auf dem Griffbrett. Auf diesem sind meist 20 bis 24 Bundstäbchen in gleichstufigen Halbtonschritten eingelassen, so dass der Tonumfang eines viersaitigen E-Basses in Standardstimmung vom Kontra-E bis (bei 24 Bünden) zum eingestrichenen g (klingend) reicht. Dies entspricht einem Grundtonfrequenzbereich von 41,2 bis 392 Hz.[2][3]
Aufbau
Im Gegensatz zu akustischen Instrumenten dient der Korpus eines E-Basses nicht als Resonanzkörper, er besteht meistens aus einem massiven Stück Holz (englisch: Solidbody).
Der Hals des E-Basses ist bei den meisten Instrumenten in eine taschenförmige Fräsung im Korpus eingesetzt und aufgeschraubt oder seltener angeleimt. Bei einer anderen Konstruktionsweise wird der Bass mit durchgehendem Hals gebaut (englisch neck-thru), an den die beiden Korpusflügel seitlich angeleimt werden. Diese Bauweise hat den Vorteil, dass kein Übergang zwischen Hals und Korpus die Saitenschwingungen dämpft und so eine längere Ausklingzeit der Saiten (englisch sustain) erreicht werden kann.[4]
Vorder- und Rückseite der Kopfplatte von E-Bassgitarren: Fender American Performer P-Bass Guitar (links) und Sandberg Electra Bass Guitar (rechts)
Anordnung der Pickups: P-Style- (oben) und J-Style-Tonabnehmer (unten) an einem viersaitigen E-Bass. Rechts daneben die Dreh-Regler für den Klang und Schalter zur Pickups-Wahl und den Vorverstärker
Eine spezielle Art des E-Basses ist der in den 1960er-Jahren entwickelte bundlose (engl.: fretless) Bass,[5] mit dem sich singende Klänge erzielen lassen.
Mehrchörige Bässe
Für besondere klangliche Anforderungen werden manchmal doppelchörige Instrumente (nach dem Prinzip der zwölfsaitigen Gitarre) eingesetzt, bei denen zur Grundsaite noch eine zusätzliche Oktavsaite verwendet wird.
Eine weitere Bauart ist ein Bass mit mehreren Hälsen (engl. multi-neck guitar / bass) Die häufigste Kombination in diesem Bereich, ist sechssaitige Gitarre und viersaitiger Bass, manchmal auch ein bundierter und ein nicht bundierter Hals, oder jegliche andere Kombination aus Hals- und Tonabnehmer-Arten, sind vertreten. Chris Squire, Bassist der englischen Gruppe Yes, spielte einen dreihalsigen Bass der Marke Wal: der mittlere Hals ist ein Standard-Viersaiter mit Bünden, der untere Hals ist bundlos, und der obere Hals sollte ursprünglich wie eine Telecaster sein, aber Squire bespannte ihn mit drei Oktavpaaren (siehe weiter oben: Mehrchörige Bässe).[6]
D-Tuner
Um bei den viersaitigen E-Bässen etwas mehr Spielraum im tiefen Frequenzbereich zu haben, wurde der D-Tuner für den E-Bass entwickelt. Diese Vorrichtung an der Stimmmechanik erlaubt es, durch Umlegen eines Hebels die Saite um einen ganzen Ton herunterzustimmen.
Verwendung anderer Materialien als Holz
Der Bedarf nach stabileren Hälsen führte in den 1970er- und 80er-Jahren zur Verwendung von Materialien wie Acrylglas (Ampeg Dan Armstrong-Modell), Aluminium (Travis Bean, Kramer) und kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (Modulus, zeitweise auch in Zusammenarbeit mit Alembic, Steinberger, Status, Clover, Ritter, die inzwischen davon abgekommen sind, Miller Guitars & Basses, Schack, Moses, Vigier, SKC Bogart, Zon und andere), die zunächst große Mode waren, sich auf Dauer allerdings nicht im Massenmarkt durchsetzen konnten, da die damaligen Bässe mit Graphithals zu steril klangen (was sich bis heute teilweise geändert hat). Der Klang ist sehr brillant und klingt lange nach (Sustain). Außerdem ist ein Gitarrenhals aus Graphit unanfällig gegen Temperatur- oder Feuchtigkeitsänderungen. Die Stabilität ist so groß, dass auf einen Halsspannstab verzichtet werden kann, was viele Hersteller von Graphit-Bässen auch tun. Stärker verbreitet als Voll-Graphit-Hälse ist die Verwendung von Graphitstäben oder -rohren im Holzhals zu dessen Stabilisierung, was zum Ziel hat, die Stabilität von Graphit mit der klanglichen Wärme und Natürlichkeit von Holz zu paaren. Im Jahr 1979 erschien mit dem Steinberger L der erste E-Bass, der vollständig aus einem Laminat aus Kohlenstofffaser und Kunstharz (kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff, KFK, Carbon) gefertigt war. Als State-of-the-art gilt heutzutage ein stabilisierter mehrteiliger Hals unter Verwendung von harten bis sehr harten Hölzern wie zum Beispiel Mahagoni, Ahornholz, Amarant (Purpleheart), Wenge, Bubinga, Amazaque, Ovangkol, Palisander, Ebenholz, Cocobolo und Olive.
Bassjo
Das Bassjo oder Banjo-Bass kombiniert einen E-Bass-Hals mit einem Banjo-Korpus und wird mit E-Bass-Saiten ausgestattet.[7]
Sonstiges
Klaus Voormann hat eine elektrische achtsaitige Gitarre (mit vier Basssaiten und vier Gitarrensaiten, jeweils mit Verbindung zu einem Bassverstärker bzw. Gitarrenverstärker, bzw. drei Basssaiten und fünf Gitarrensaiten)[8] erfunden.
Neck-thru-Bauweise: das durchgängige Hals-Korpus-Element mit den angesetzten Seitenteilen
Doppelhals-Instrument: 4 Saiten Bass / 6 Saiten Standard
Kopfplatte mit D-Tuner in „D-Position“
Cort Curbow E-Bass-Korpus aus „Luthite“-Kunststoff
Geschichte
Vorgeschichte
Akustische Bass-Zupfinstrumente mit bundiertem Hals wie zum Beispiel die Basslaute sind bereits seit etwa dem 17. Jahrhundert bekannt. Ein weiteres Bass-Musikinstrument mit Bünden ist das mit dem Kontrabass verwandte südslawische Volksinstrument Berda. Ab dem 19. Jahrhundert entstanden verschiedene akustische Bass-Zupfinstrumente in Gitarrenform, deren Abgrenzung voneinander jedoch nicht vollständig möglich ist: die Kontragitarre, die Bassgitarre sowie die akustische Bassgitarre. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts produzierte der US-Instrumentenhersteller Gibson einen ähnlich der Mandoline konstruierten akustischen „Mando-Bass“.[9]
Neue Anforderungen in Bands
Vorläufer des E-Basses wurden in den 1930er-Jahren entwickelt und basieren auf zwei Instrumentenfamilien: dem Kontrabass und der Gitarre beziehungsweise E-Gitarre. Der erste kommerziell vermarktete E-Bass, viersaitig, mit Bünden ausgestattet und für eine horizontale Spielweise ausgelegt, ist die Model #736 Electronic Bass Fiddle, die ab 1935 von Paul Tutmarcs Firma Audiovox Manufacturing Co. zu einem Listenpreis von $ 65 verkauft wurde. Audiovox hat bis zur Geschäftsaufgabe um das Jahr 1950 etwa 100 Exemplare dieses E-Basses produziert.[10]
Die wohl typischste Aufgabe eines E-Basses ist die Sättigung des musikalischen Arrangements mit tiefen Basstönen.
Finger-Picking: Spiel- und Griffhand
Es existieren verschiedene Spieltechniken für E-Bässe, die sich vor allem auf die Spielhand (im Gegensatz zur Griffhand) beziehen. Grob unterscheiden kann man:
Das zupfende Spiel mit Zeige-, Mittel- und teilweise auch Ringfinger (engl.: Plucking), verwandt dem Pizzicato bei klassischen Kontrabässen und dem Apoyando der klassischen Gitarre. Diese Technik erlaubt präzises Spiel und eine sehr hohe Kontrolle über die Schwingungen der Saiten und damit über die Tongestaltung. Während das Abdämpfen schwingender Saiten mit der Greifhand stets ein schwaches, aber hörbares Nebengeräusch verursacht, ermöglicht die Zupftechnik das geräuschlose Abdämpfen mit den Fingern der Schlaghand. Der entstehende Ton ist im Allgemeinen von seinem Charakter her runder und kräftiger als mit anderen Spieltechniken.
Das Spiel mit Plektrum, einem kleinen Plättchen, meist aus Kunststoff. Dies entspricht der typischen E-Gitarren-Spielweise. Hierbei ist der Anschlag definierter als bei der Zupftechnik. Bekannte Protagonisten in der Rockmusik sind Paul McCartney (Beatles), Roger Waters (Pink Floyd) und Jason Newsted (Ex-Metallica). Unter den international bekannten Jazz-Bassisten wird diese Spieltechnik zum Beispiel von Steve Swallow und Colin Hodgkinson praktiziert.
Die perkussive orientierte Slaptechnik durch Schlagen mit Daumen und Reißen mit dem Zeige- oder Mittelfinger, wie sie zum Beispiel von Flea (Red Hot Chili Peppers) und von Fieldy (Korn) ausgeführt wird. Der erzielte prägnante Klang unterscheidet sich deutlich von den anderen Spieltechniken. Bekannt wurde diese Technik durch den Bassisten Larry Graham der Funk- und Soul-Band Sly & The Family Stone.
Eine weitere Technik, die vor allem durch Victor Wooten bekannt gemacht wurde, aber auch von Bassisten wie Marcus Miller und Alain Caron benutzt wird, ist das Double-Thumbing. Bei dieser dem Plektrumspiel vergleichbaren Ausführungsweise wird mit Auf- und Abschlägen des Daumens die Saite angeschlagen.
Eher eine Randerscheinung ist das meist solistisch eingesetzte Tapping, bei dem auch die rechte Hand auf dem Griffbrett Töne anschlägt und so zusammen mit der linken Hand besondere Effekte erzielen kann. Beim Two-Hand-Tapping, das durch Billy Sheehan bekannt wurde, werden beide Hände zum Tappen verwendet. Oftmals wird Tapping in Kombination mit Slapping verwendet.
Eine weitere Spieltechnik ist Palm muting, bei der die angeschlagene Saite mit der Kante der Schlaghand leicht vor dem Steg abgedämpft wird, was die Klangdauer der Saite verringert und einen dumpferen Klang erzeugt. Diese Spieltechnik eignet sich dazu, die Dynamik der Basslinien innerhalb eines Stückes zu variieren, und zur Imitation des Klangs eines Kontrabasses.
Eine spezielle Art des Spielens, die John Entwistle populär gemacht hat, ist das Typewriting („Schreibmaschinen-Stil“). Dabei wird normal gegriffen, aber mit den Fingerspitzen der Spielhand auf die Saite geschlagen und dadurch ähnlich wie beim Slappen ein klarer, aber kurzer Ton erzeugt.
Tony Levin mit Funk fingers (2006)Eine weitere Spezialtechnik sind die erstmals von Tony Levin verwendeten Funk fingers. Dabei werden zwei Holzstöcke, die Drumsticks ähneln, an Zeige- und Mittelfinger befestigt und durch das Schlagen auf die Saiten ein perkussiver Ton erzeugt.[11]
Das Spielen mit Flageoletttönen ist eine Technik, um Obertöne einer Saite oder eines gegriffenen Tones zu erzeugen.
E-Bass-Effekte
Unter E-Bass-Effekten versteht man diverse Geräte, die mittels elektronischer Schaltungen das E-Bass-Signal verändern. Hauptsächlich kommen sie in Form von Pedalen vor (umgangssprachlich als „Bodentreter“ oder „Tretminen“ bezeichnet), daneben werden auch komplexe 19"-Effekt-Prozessoren genutzt. Für den E-Bass sind auch Multieffektgeräte wie zum Beispiel das BOSS GT-10B im Bodenformat verfügbar. Verbreitet sind vor allem verzerrende, Hall-, Modulations- und Wah-Wah-Effekte. Bekannte Nutzer sind beispielsweise Cliff Burton, Jaco Pastorius, John Myung, Geezer Butler und Doug Wimbish.
Jaco Pastorius nahm in den 1970er Jahren eine Vorreiterrolle in Jazz und Fusion ein. Auch Stanley Clarke gilt im Fusionbereich als bedeutend; sein Bassspiel ist gekennzeichnet von einer ausgereiften Slaptechnik und Virtuosität.
Eberhard Weber erzeugte mit seinem E-Kontrabass besondere Klangfärbungen.
Tal Wilkenfeld ist eine australische Jazz- und Fusion-Bassistin.
Musikalische Präsenz
Obwohl der E-Bass primär ein songunterstützendes Rhythmus-Instrument ist, gibt es einige Musikstücke, in denen die Bass-Linie zum prägenden Lick wurde, oder zur Hoockline, die maßgeblich den Wiedererkennungswert bestimmt.
↑Brian Fox: Les Does More. In: Bass Player. Bd. 17, Nr. 8, 2006, ISSN1050-785X, S. 40–50.
↑Philipp Roser: „Ich brauchte drei Wochen, bis die Fingerkuppen wieder hart wurden.“ Interview mit Klaus Voormann. In: guitar. Band 112, Nr. 9, 2009, S. 20–22, hier: S. 22.
↑Tony Bacon, Barry Moorhouse: The Bass Book. 1996, S. 9.
↑Jim Roberts: How the Fender Bass Changed the World. Backbeat Books, San Francisco CA 2001, ISBN 0-87930-630-0eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
blazer (2007-06-09). Mike Rutherford's new double neck.. RickResource. "So there it is, the Yamaha custom shop Rutherford double neck. He first unveiled it during the VH1 Rock Honors concert where Genesis played a couple of tunes. / The bass side of that new double neck DEFINATELY is a Yamaha TRB series bass, the scooped body and the shape of the headstock are give aways but the upper half of that instrument is far more interresting. / According to an interview in the German magazine "Gitarre und Bass" Rutherford stated that they used the neck of his favorite acoustic Gibson twelve string. I assumed that he meant that they'd copy the profile and feel of that particullar neck, figuring that the Yamaha custom shop wouldn't use the actual neck. But lo and behold, the headstock shape and the diamond inlay show that they indeed used a Gibson neck on this double neck. / So if that neck comes from Rutherford's favorite Gibson twelve string, what happened to that Gibson, did it get smashed up?"