Deutsch-Französischer Krieg

Deutsch-Französischer Krieg
Das preußische 7. Kürassier-Regiment greift die französischen Stellungen in der Schlacht bei Mars-la-Tour am 16. August 1870 an. Zeitgenössische Darstellung aus Canadian Illustrated News, 19. November 1870, vol. II, no. 21, 336.
Das preußische 7. Kürassier-Regiment greift die französischen Stellungen in der Schlacht bei Mars-la-Tour am 16. August 1870 an. Zeitgenössische Darstellung aus Canadian Illustrated News, 19. November 1870, vol. II, no. 21, 336.
Datum19. Juli 1870 bis 10. Mai 1871
OrtFrankreich und Rheinpreußen
AusgangSieg des Norddeutschen Bundes und seiner Verbündeten
Territoriale ÄnderungenFrankreich tritt den Großteil des Elsass und einen Teil von Lothringen ab
FolgenDer Norddeutsche Bund und vier süddeutsche Staaten schließen sich zum Deutschen Reich zusammen;
Ende des Zweiten Kaiserreiches in Frankreich,
Gründung der Dritten Republik
FriedensschlussFriede von Frankfurt
Konfliktparteien

Norddeutscher BundNorddeutscher Bund Norddeutscher Bund
Königreich BayernKönigreich Bayern Bayern
WurttembergKönigreich Württemberg Württemberg
BadenGroßherzogtum Baden Baden
Großherzogtum HessenGroßherzogtum Hessen Hessen

Zweites KaiserreichZweites Kaiserreich Frankreich

Befehlshaber

Norddeutscher BundNorddeutscher Bund Wilhelm I.

Zweites KaiserreichZweites Kaiserreich Napoleon III.

Truppenstärke
519.000[1] Mann bei Kriegsbeginn (insgesamt mobilisiert: 1.400.000 Mann)336.000[2] Mann bei Kriegsbeginn (insgesamt mobilisiert: 1.600.000 Mann)
Verluste

44.781 Gefallene
89.732 Verwundete[3]

138.871 Gefallene[4]
143.000 Verwundete
474.414 Gefangene[5]

Der Deutsch-Französische Krieg von 1870 bis 1871 war eine militärische Auseinandersetzung zwischen Frankreich einerseits und dem Norddeutschen Bund unter der Führung Preußens sowie den mit ihm verbündeten süddeutschen Staaten Bayern, Württemberg, Baden und Hessen-Darmstadt andererseits.

Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg 1864 und dem Deutschen Krieg 1866 war der Konflikt mit Frankreich der dritte und letzte der deutschen Einigungskriege. Noch während seines Verlaufs traten Baden, Bayern, Württemberg und Hessen-Darmstadt dem Norddeutschen Bund bei. Damit und mit der Verfassung vom 1. Januar 1871 entstand das Deutsche Kaiserreich. In Frankreich hatte der Krieg die Abschaffung der Monarchie und die Abtretung Elsaß-Lothringens zur Folge.

Auslöser des Konflikts war der Streit zwischen Frankreich und Preußen um die Frage der spanischen Thronkandidatur des Prinzen Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen. Nachdem dessen Vater und er selbst seine Kandidatur zurückgezogen hatten, stellte die französische Regierung weitere Forderungen an König Wilhelm I., die dieser als Oberhaupt der Hohenzollern-Dynastie zurückwies. Die Empörung hierüber veranlasste den französischen Kaiser Napoleon III. dazu, am 19. Juli 1870 Preußen den Krieg zu erklären.

Entgegen Napoléons Erwartung traten die vier süddeutschen Staaten in den Krieg ein. Währenddessen blieben die übrigen europäischen Mächte neutral, da sie Frankreichs Angriff als unbegründet ansahen. Innerhalb weniger Wochen des Spätsommers 1870 wurden große Teile der französischen Armeen besiegt. Direkt nach der Schlacht von Sedan in Nordfrankreich, am 2. September, ging Kaiser Napoléon III. in Gefangenschaft.

Daraufhin bildete sich in Paris eine provisorische nationale Regierung, die den Krieg fortführte und damit die Grundlage der Dritten Französischen Republik schuf.

Wie schon die kaiserliche Regierung vermochte auch die neue es nicht, nennenswerte militärische Erfolge zu erzielen. Von den großen Schlachten gingen im gesamten Kriegsverlauf alle für Frankreich verloren oder endeten, wie die Schlacht bei Mars-la-Tour (16. August 1870), im Patt. Die kurzzeitige Wiederbesetzung von Orléans nach der Schlacht bei Coulmiers (9. November 1870) oder Siege bei Villepion (1. Dezember 1870) und Villersexel (9. Januar 1871) sowie das Ausharren der französischen Festungsbesatzungen während der Belagerungen von Bitsch und Belfort konnten die Gesamtniederlage nicht abwenden.

Trotzdem fand sich die französische Regierung erst im Februar 1871, nach dem Fall von Paris, zum Vorfrieden von Versailles bereit. Offiziell endete der Krieg am 10. Mai 1871 mit dem Frieden von Frankfurt.

Bezeichnung

Der Deutsch-Französische Krieg ist im deutschsprachigen Raum auch unter der Bezeichnung Krieg von 1870/71[6] bekannt. In Frankreich und im englischsprachigen Raum wird die Auseinandersetzung nach der Gewohnheit, den Angreifer zuerst zu benennen, Guerre Franco-Allemande (Französisch-Deutscher Krieg) bzw. Franco-Prussian War[7] (Französisch-Preußischer Krieg) genannt.

Diplomatische Vorgeschichte

Außenpolitische Lage Frankreichs bis 1866

Der französische Kaiser Napoleon III.

In Frankreich wirkte die Erinnerung an die Niederlage des napoleonischen Kaiserreiches noch lange fort. Die territoriale Zurückstufung von 1814/1815 wurde als schwere Demütigung empfunden. Der französische Staat musste niederländische, deutsche und piemontesische Territorien, die während der Französischen Revolution und Napoleons Herrschaft annektiert worden waren, abtreten.[8] Der öffentlichen Erwartung einer Rückgewinnung des alten Einflusses konnte die Bourbonen-Dynastie und die Julimonarchie nicht gerecht werden. So ließ zwar Louis-Philippe I. während der belgischen Revolution Antwerpen belagern, verzichtete aber auf britischen Druck hin auf eine dynastische Anbindung des neu gegründeten Staates Belgien an Frankreich (der belgische Nationalkonvent hatte 1831 dem zweiten Sohn von Louis Philippe, Louis d’Orléans, die belgische Krone angeboten). Die enttäuschten Hoffnungen auf eine Wiederherstellung der alten Machtposition Frankreichs trug im Jahr 1848 schließlich zur Präsidentenwahl von Louis Napoleon bei, der sich vier Jahre später als Napoleon III. zum Kaiser der Franzosen krönte. Sein außenpolitisches Ziel hatte Napoleon III. bereits während seiner Exilzeit formuliert. In der Schrift Idées Napoléoniennes sah er sich als zukünftiger Vollender des Werkes seines Onkels Napoleon I. Hierfür sollten Russland und Österreich geschwächt oder aufgelöst werden. Napoleon III. wollte an ihre Stelle liberale, von Frankreich abhängige Nationalstaaten setzen.[9]

In den 1850er Jahren konnte Napoleon III. noch eindeutige außenpolitische Erfolge in dieser Hinsicht vorweisen: Im Krimkrieg gelang es Paris, ein Militärbündnis mit London abzuschließen und Russland zu schwächen. Im Sardinischen Krieg unterstütze Napoleon III. das Königreich Sardinien-Piemont gegen Österreich. Während Österreich die Lombardei an Piemont abtreten musste, erhielt Frankreich als Gegenleistung für seine militärische Hilfe die beiden piemontesischen Provinzen Nizza und Savoyen zugesprochen.[10] In den 1860er Jahren häuften sich dann jedoch die außenpolitischen Rückschläge: Der Versuch in Mexiko einen von Frankreich abhängigen Vasallenstaat zu installieren, schlug fehl und kostete das französische Kaiserreich 360 Millionen Franc. 1863 versuchte Napoleon III. die polnische Nationalbewegung zu unterstützen, intervenierte aber letztlich nicht gegen die Niederschlagung des Januaraufstandes durch russische Truppen. Der Ausgang des Deutschen Krieges von 1866 sollte das innenpolitische Ansehen von Napoleons Regime noch weiter beschädigen.[11]

Deutscher Krieg von 1866

Der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck

Der Konflikt zwischen Österreich und Preußen um die Führungsrolle im Deutschen Bund erreichte unter dem preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck einen neuen Höhepunkt. Napoleon III. hoffte zunächst von dieser Rivalität zu profitieren, denn Österreich und Preußen waren noch im Jahr 1864 im Deutsch-Dänischen Krieg als Verbündete aufgetreten. Der Bruch dieser Allianz zwischen den deutschen Großmächten schien Frankreichs außenpolitische Position zu stärken.[12] Im Herbst 1865 besuchte Bismarck heimlich Napoleon III. in Biarritz. Der preußische Ministerpräsident wollte sich von der französischen Neutralität im Falle eines Krieges gegen Österreich überzeugen. Napoleon III. zeigte sich dem nicht abgeneigt, brachte aber als Gegenleistung für das militärische Stillhalten französische Gebietserweiterungen ins Gespräch (etwa Teile Belgiens, die Saarregion und die Pfalz). Bismarck gab Napoleon III. jedoch keine verbindlichen Garantien für territoriale Kompensationen.[13] Mit Österreich schloss Frankreich einen Geheimvertrag, der ihm für seine Neutralität das preußische Rheinland überließ.

Napoleon III. und sein Beraterkreis erwarteten einen längerdauernden Krieg zwischen Österreich und Preußen. Aus diesem Grund verzichteten sie darauf, die französischen Truppen für eine schnelle Intervention zusammenzuziehen. 28.000 Soldaten blieben in Mexiko, 63.000 in Algerien, 8.000 in Rom und 2.000 in Cochinchina stationiert. Somit standen Napoleon III. nur etwa 100.000 Mann gegen sofort einsatzbereite 300.000 Soldaten unter preußischem Oberbefehl zur Verfügung. Angesichts dieser Lage versuchte Napoleon III. diplomatischen Druck auf Preußen auszuüben. Einen Monat nach der kriegsentscheidenden Schlacht bei Königgrätz forderte er von dem siegreichen Preußen Unterstützung für französische Gebietsgewinne ein. Die Pläne sahen eine Rückgewinnung von Territorien vor, die Frankreich im Ersten Pariser Frieden von 1814 noch hatte behalten dürfen und erst nach der Schlacht bei Waterloo von 1815 an deutsche Staaten hatte abtreten müssen.[14] Der schnelle Friedensschluss mit Österreich beugte letztlich einer französischen Intervention vor. Gleichzeitig verschob sich nach dem Deutschen Krieg das machtpolitische Kräfteverhältnis: Preußen annektierte norddeutsche Staaten wie das Königreich Hannover, das Kurfürstentum Hessen-Kassel, das Herzogtum Nassau und die Freie Stadt Frankfurt am Main. Es gewann 7 Millionen Einwohner und 1300 Quadratmeilen hinzu. Die restlichen norddeutschen Staaten traten dem sogenannten Norddeutschen Bund bei, welcher die politische Führungsrolle Preußens weiter zementierte.[15] Noch im Jahr 1860 erreichte Preußen weniger als 50 % der französischen Bevölkerungszahl. Der Norddeutsche Bund von 1867 zählte nun 30 Millionen Einwohner, was der französischen Einwohnerzahl von 37 Millionen näher kam. Darüber hinaus war die Armee des Norddeutschen Bundes aufgrund der allgemeinen Wehrpflicht um ein Drittel größer als ihr französisches Gegenstück.[16] Der Ruf nach Rache für Sadowa (französischer Name der Schlacht von Königgrätz) kam in Frankreich auf.

Angesichts der Kriegsdrohungen aus Paris konnte Bismarck noch keine vollständige deutsche Einigung realisieren. Der Norddeutsche Bund reichte nur bis zum Main.[17] Die süddeutschen Staaten Württemberg, Baden und Bayern schienen ihre staatliche Unabhängigkeit zu bewahren. Aus französischer Perspektive war dies nicht unwesentlich. Die drei süddeutschen Länder konnten in einem potenziellen Krieg weitere 200.000 Soldaten aufbieten und grenzten zum Teil direkt an Frankreich.[18] Die geopolitische Ausklammerung von Süddeutschland war jedoch letztlich politisch wertlos, denn noch im August 1866 war es Bismarck gelungen, geheime Schutz- und Trutzbündnisse (gegenseitige Verteidigung im Falle eines Angriffskriegs) mit Bayern, Württemberg und Baden abzuschließen. Grund für die Verträge waren die neuen Grenzziehungen, welche die um ihre staatliche Souveränität bangenden süddeutschen Regierungen in eine Notlage brachten. Sie befanden sich geographisch nun zwischen den Großmächten Österreich, Frankreich und dem Norddeutschen Bund. Die erstarkende Nationalbewegung ließ dabei nur eine außenpolitische Orientierung an den Norddeutschen Bund zu.[19]

Luxemburgkrise von 1867

Fotografie der luxemburgischen Festung kurz vor 1867

Nachdem im August 1866 die preußisch-französischen Verhandlungen über umfangreiche territoriale Kompensationen gescheitert waren, wich die französische Regierung von ihrer ursprünglichen Zielsetzung ab. Sie forderte von Preußen nun, es bei Annexion des Großherzogtums Luxemburg zu unterstützen. Die politischen Rahmenbedingungen hierfür erwiesen sich jedoch als schwierig: Der Kleinstaat Luxemburg gehörte bis 1866 dem Deutschen Bund an, weshalb auf der luxemburgischen Festung noch immer eine preußische Garnison stationiert war. Das Großherzogtum wurde gleichzeitig in Personalunion vom niederländischen König Wilhelm III. regiert. Bismarck reagierte auf das Gesuch des französischen Botschafters Vincent Benedetti zwar durchaus freundlich, machte aber nur vage Versprechungen.[20] Im März 1867 nahm die französische Regierung Verhandlungen mit Wilhelm III. auf. Dieser zeigte sich damit einverstanden, Luxemburg gegen eine finanzielle Entschädigung (5 Millionen Gulden) Frankreich zu übergeben. Wilhelm III. machte den Verkauf aber auch von der Billigung des preußischen Monarchen Wilhelm I. abhängig und somit öffentlich.[21] Bismarck ließ daraufhin die bisher geheimgehaltenen Schutz- und Trutzverträge mit den süddeutschen Staaten im Preußischen Staats-Anzeiger drucken. Die Veröffentlichung des Bündnisses stärkte in den deutschen Staaten eine nationalistische Empörung gegenüber Frankreich. Davon beeindruckt weigerte sich der niederländische König den Vertrag mit Frankreich zu unterzeichnen. Bismarck appellierte zusätzlich an die anderen europäischen Großmächte, sich für eine friedliche Beilegung der Luxemburgkrise einzusetzen. So kam es im Mai 1867 zu einer Konferenz in London. Frankreich musste im Zuge dessen seine Ansprüche auf Luxemburg dauerhaft aufgeben. Preußen war dazu gezwungen, seine Garnison aus der Festung abzuziehen.[22]

Annäherung zwischen Frankreich und Österreich von 1867/1868

Europa im Jahr 1867

Die Luxemburgkrise bewirkte eine Annäherung zwischen Frankreich und Österreich. Beide Großmächte versuchten ein gegen Preußen gerichtetes Bündnis ins Leben zu rufen. Hierfür reiste Napoleon III. im August 1867 nach Salzburg, wo er den österreichischen Kaiser Franz Joseph I. traf. Als offizieller Anlass seines Besuches wurde die Trauer um den ermordeten Erzherzog Ferdinand Maximilian vorgeschoben. Die französische Diplomatie sah zeitweise eine Erweiterung der geplanten Allianz um Italien vor. Allerdings traten unüberwindbare Interessengegensätze zwischen den drei Mächten zu Tage. So forderte Florenz den Rückzug französischer Truppen aus Rom, die den Kirchenstaat vor einer italienischen Annexion schützten. Des Weiteren beanspruchte die italienische Regierung österreichische Gebiete wie das Isonzotal und Triest für sich. Wien wiederum misstraute Paris. Es war nicht bereit, französische Gebietserweiterungen in den Raum des ehemaligen Deutschen Bundes zu unterstützen.[23] Trotz dieser außenpolitischen Konstellation war Bismarck beunruhigt: Noch am 18. Februar 1868 empfing Napoleon III. den österreichischen Feldmarschall Albrecht von Österreich-Teschen und dessen Offiziere bei Paris. Bismarck rechnete mit Fortschritten in den Verhandlungen zwischen Wien und Paris.[24] Die französische Regierung hoffte ihrerseits, dass – obwohl ein Bündnisvertrag mit Österreich und Italien letztlich nicht zustande kam – sie Rückendeckung in einem möglichen Krieg gegen Preußen erhalten würde. Diese Einschätzung ermutigte Paris darin, in der Frage der spanischen Thronfolge einen diplomatischen Konfrontationskurs mit Preußen zu suchen.[25]

Zunächst sah sich Frankreich aber vor allem durch die Schaffung eines gesamtdeutschen Zollparlamentes provoziert. Mit dieser Reform des Deutschen Zollvereins versuchte Bismarck die süddeutschen Staaten enger an den Norddeutschen Bund zu binden. Daraufhin ließ Napoleon III. Bismarck mitteilen, dass Frankreich bereits die Einverleibung auch nur eines süddeutschen Staates als Kriegsgrund auffassen würde.[26] Die Zollparlamentswahlen in Süddeutschland brachten Bismarck nicht die „gewünschten“ Ergebnisse. Die Gegner eines Anschlusses an den Norddeutschen Bund trugen einen deutlichen Sieg davon. Bei der bayerischen Landtagswahl vom Februar 1870 erreichte die an der staatlichen Unabhängigkeit festhaltende Bayerische Patriotenpartei die absolute Mehrheit. Der bayerische König ernannte mit Otto von Bray-Steinburg einen engen Freund des österreichischen Außenministers zum Vorsitzenden im Ministerrat. Bismarck musste also eine gemeinsame Außenpolitik von Bayern und Österreich befürchten.[27] Die süddeutschen Staaten drohten damit potenziell (trotz der Schutz- und Trutzverträge) zu möglichen Verbündeten der österreichisch-französischen Bündnisbemühungen zu werden.[28]

Krise in der Frage um die Spanische Thronfolge (1870)

Prinz Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen, Kandidat auf den spanischen Thron

Zum unmittelbaren Auslöser des Deutsch-Französischen Krieges entwickelte sich die Frage um die spanische Thronfolge. Die Herrschaft von Königin Isabella II. war bereits seit langem von Krisen geprägt. Schnell wechselnde Regierungen, Konflikte am Hof und Korruptionsfälle hatten das Ansehen der Bourbonen-Monarchie in Spanien schwer beschädigt. So spekulierte der preußische Botschafter in Madrid, Georg Freiherr von Werthern, schon 1866/1867 auf einen möglichen preußenfreundlichen Nachfolger. In Madrid brachte er Prinz Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen ins Gespräch. Dieser entstammte einer katholischen Nebenlinie der in Berlin regierenden Hohenzollern-Dynastie.[29] Im September 1868 putschte das Militär Isabella II. tatsächlich vom spanischen Thron. Die Führer des Putsches suchten anschließend bei den europäischen Herrscherhäusern nach einem neuen König für Spanien. Nach mehreren Absagen aus Italien und Portugal wandte sich der spanische Regierungschef Juan Prim im Februar 1870 schließlich an die Sigmaringer Linie der Hohenzollern.[30] Für diese Entscheidung sprach aus spanischer Sicht, dass Erbprinz Leopold mit der Schwester des portugiesischen Königs verheiratet war. Über die dynastische Verbindung hoffte Madrid eines Tages Erbansprüche auf Portugal erheben zu können.[31] Das Risiko einer Konfrontation mit Frankreich schien zunächst gering. Durch seine Großmütter (väterlicherseits Antoinette Murat und mütterlicherseits Stéphanie de Beauharnais) war Leopold immerhin mit der Dynastie Napoleons III. verbunden. Der jüngere Bruder Karl gelangte 1866 auf nachdrückliche Empfehlung Napoleons III. auf den rumänischen Thron.[32] Mit dem preußischen Zweig der Hohenzollern war Leopold hingegen nur entfernt verwandt.[33]

Der preußische König Wilhelm I.

Die Entscheidung über eine Annahme des spanischen Angebotes hing vom Oberhaupt der Hohenzollern-Dynastie ab, dem preußischen König Wilhelm I. Bismarck empfahl diesem, dem spanischen Projekt seinen Segen zu geben. Der Monarch zeigte sich allerdings wenig interessiert an einer spanischen Königswürde seines Neffen. Er befürchtete, dass Preußen – sollte Leopold ebenso gestürzt werden wie Königin Isabella II. – einen Gesichtsverlust erleiden und in die spanische Politik verwickelt werden könnte.[34] Letztlich gab Wilhelm aber dem Drängen Bismarcks nach und erklärte, der Annahme der Kandidatur zu zustimmen, sollte Leopold dies fordern. Der Prinz selbst hatte freilich wenig Ambitionen auf die spanische Königswürde. Bis Mai 1870 lehnte er eine Kandidatur zwei Mal schriftlich ab. Bismarck ignorierte diese Entscheidung und schickte seinen Vertrauten Lothar Bucher nach Madrid. Bucher sollte die spanische Regierung von dem fortbestehenden Interesse der Hohenzollern an der spanischen Königswürde überzeugen.[35] Im Mai 1870 wandte sich Bismarck brieflich an Leopolds Vater Karl Anton und ermutigte ihn aus patriotischen Beweggründen, sich für das spanische Projekt einzusetzen. Drei Wochen später gab auch Leopold seinen Widerstand gegen die Kandidatur auf.[36]

Bei der Frage nach der Motivation Bismarcks im spanischen Thronfolgeprojekt gehen die Meinungen in der Forschung auseinander. Von Historikern wie Otto Pflanze wird die These vertreten, Bismarck habe eine Krise in der spanischen Angelegenheit von vornherein mit dem Ziel hochgeschaukelt, eine französische Kriegserklärung zu provozieren. Dieser Interpretation folgend arbeitete Bismarck auf einen Krieg mit Frankreich hin, um die deutsche Einigung zu vollenden. Auch innenpolitische Motive hätten hierbei eine Rolle gespielt: Die anstehenden Verhandlungen über den Militäretat etwa sollten durch eine angefachte nationalistische Begeisterung erleichtert werden. Andere Historiker wie Eberhard Kolb schreiben dagegen den französischen Entscheidungsträgern die Hauptschuld am Kriegsausbruch zu. Das politische Paris hätte unter dem Druck der Öffentlichkeit „die Hohenzollernkandidatur als diplomatische Kampfansage und nicht hinnehmbare Beeinträchtigung ihres Prestiges empfunden“.[37]

Berlin und Madrid sahen ursprünglich vor, ihr gemeinsames Projekt gegenüber der Öffentlichkeit geheim zu halten. Erst nach der Bestätigung Leopolds als König durch das spanische Parlament sollte das politische Paris über die Königskandidatur in Kenntnis gesetzt werden.[38] Die Strategie schlug fehl, da sich bei der Entschlüsselung einer Telegrafiebotschaft aus Berlin ein Fehler einschlich. Die spanische Regierung ging nun fälschlicherweise davon aus, dass die parlamentarische Abstimmung über die Königskandidatur erst am 9. Juli 1870 stattfinden sollte. Vorgesehen war aber eigentlich schon der 26. Juni – ein Termin zwei Wochen früher. Der Dechiffrierefehler hatte zur Folge, dass die Regierung das Parlament verfrüht in die Sommerpause entließ. Als Juan Prim von dem Missverständnis erfuhr, musste er das Parlament zurückrufen. Bei diesem Anlass rechtfertigte er seine Entscheidung mit der spanischen Thronkandidatur, wodurch die Angelegenheit öffentlich bekannt wurde.[39] Am 1. Juli 1870 berichtete die Presse in der spanischen Hauptstadt über die Pläne der Regierung.[40] Einen Tag später gab Prim gegenüber dem französischen Botschafter in Madrid zu, Leopolds Kandidatur forciert zu haben. Am 3. Juli telegraphierte der Botschafter die Nachricht an den französischen Außenminister Gramont. König Wilhelm I. kommentierte diese Entwicklung gegenüber seiner Ehefrau Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach mit dem Kommentar: „Die spanische Bombe ist also mit einmal geplatzt...“.[41]

Der französische Außenminister Antoine Alfred Agénor de Gramont

Eine mögliche Inthronisation Leopolds als spanischer König weckte in Frankreich Ängste vor einer neuen dynastischen Umklammerung, wie sie durch Habsburger-Monarchen im 16. und 17. Jahrhundert schon einmal bestanden hatte.[42] Die Nachricht aus Madrid sorgte besonders in Paris für nationalistische Entrüstung. Beispielsweise gab die Zeitung Le Temps die Losung „Krieg oder Resignation“ aus.[43] Der öffentliche Druck nahm auf die französische Regierung somit weiter zu. Angesichts einer ohnehin starken Opposition der Republikaner im Parlament mussten der Kaiser und seine Regierung ihren Sturz befürchten. Um die brisante innenpolitische Stimmung zu besänftigen, blieben Napoleon III. drei Optionen: Paris konnte versuchen, von der spanischen Regierung eine Rücknahme des Angebotes an Prinz zu Leopold zu erwirken. Alternativ bot sich an, entweder von der Sigmaringer Linie der Hohenzollern oder von dem preußischen König selbst eine Rücknahme der Kandidatur zu fordern.[44] In dieser Situation setzte sich der Kurs des französischen Außenministers durch. Der Herzog de Gramont bekam Unterstützung von der französischen Kaiserin Eugénie de Montijo, die eine Abneigung gegenüber Preußen hegte.[45] Eugénie war der festen Überzeugung, dass nur ein militärischer Triumph gegen Berlin ihrem Sohn Napoléon Eugène Louis Bonaparte den Thron sichern würde. Ein erfolgreicher Waffengang sollte damit auch die liberale Opposition in Frankreich verstummen lassen.[46] Außenminister Gramont gehörte dem kriegszuneigenden Zirkel um Kaiserin Eugénie an.[47] Am 6. Juli 1870 hielt er eine Rede vor der gesetzgebenden Versammlung, dem Corps législatif. Er beschuldigte die preußische Regierung hinter dem spanischen Projekt zu stehen und erklärte, dass dies einer Ehrverletzung Frankreichs gleichkäme. Obwohl Gramont mit keinem Wort direkt von Krieg sprach, ließ sich seine Rhetorik als Kriegsdrohung an Preußen interpretieren.[48]

Graf Benedetti, der französische Botschafter in Preußen

Am 7. Juli 1870 ordnete Gramont die Reise des französischen Botschafters in Preußen, Vincent Graf Benedetti, nach Bad Ems an. In der Stadt hielt sich König Wilhelm I. und seine höfische Gefolgschaft zur Kur auf. Benedetti sollte den König darum bitten, die Kandidatur Leopolds zurückzuziehen. Bismarck war nicht in Bad Ems anwesend, sondern hielt sich auf seinem Landgut Varzin auf. Zur maßgeblichen politischen Figur in der Umgebung Wilhelms avancierte daher der aus Paris abgereiste preußische Botschafter. Karl von Werther empfahl dem Monarchen die französische Bedingung zu erfüllen und so den Frieden nicht zu gefährden.[49] Am 9. Juli 1870 erklärte Wilhelm I. dem französischen Botschafter, die Kandidatur lediglich als Oberhaupt der Hohenzollern, nicht aber als preußischer König unterstützt zu haben. Es sei eine rein dynastische Angelegenheit. Um die Situation weiter zu entschärfen, lud Wilhelm I. noch am selben Tag Benedetti zu einem abendlichen Essen und Theaterbesuch ein.[50] Das Geständnis Wilhelms I. stärkte Gramonts diplomatische Position in Europa. Er konnte nun nach außen zweifelsfrei beweisen, dass die preußische Regierung mit Bismarck an der Spitze in dem spanischen Projekt involviert war.[51] So ließ etwa Prinz Reuß, der preußische Botschafter in Russland, Wilhelm telegraphisch mitteilen, dass Zar Alexander II. ihm empfahl, die Kandidatur aufzugeben. Am 10. Juli 1870 schickte Wilhelm I. schließlich einen Sondergesandten nach Sigmaringen. Dessen Aufgabe bestand darin, Karl Anton von einem Verzicht zu überzeugen. Leopold selbst war aufgrund seines Urlaubes in den Alpen nicht erreichbar. Am 12. Juli verzichtete Karl Anton stellvertretend für seinen Sohn auf die spanische Krone. Paris hatte damit einen großen diplomatischen Erfolg vorzuweisen.[52]

Auf der Kurpromenade von Bad Ems erinnert bis heute ein Gedenkstein an das historische Zusammentreffen des preußischen Königs mit dem Grafen Benedetti

Gramont reichte der diplomatische Sieg nicht aus. Die unterzeichnete Verzichtserklärung verschwieg nämlich jede preußische Teilhabe an dem spanischen Thronfolgeprojekt. Aus diesem Grund forderte Gramont eine öffentliche Entschuldigung Preußens.[53] Erstens sollte Wilhelm I. in einem Brief an Napoleon III. erklären, nie eine Verletzung der „Interessen und der Ehre der französischen Nation“ gewollt zu haben. Die französische Regierung sah eine Veröffentlichung dieses Briefes vor. Zweitens schickte Gramont Benedetti noch einmal zu Wilhelm I. Der Botschafter sollte dem preußischen Monarchen die verbindliche Zusage entlocken, auch in aller Zukunft keine spanische Hohenzollern-Kandidatur mehr zu fördern. Am 13. Juli 1870 suchte Benedetti den Monarchen auf der Bad Emser Kurpromenade auf.[54] Wilhelm I. reagierte auf die Forderung zwar höflich, aber wies sie doch entschieden zurück. Er fürchtete einen Gesichtsverlust für Preußen. Solange nur ein nicht–regierendes Mitglied der Hohenzollern-Dynastie die Kandidatur öffentlich zurückzog, konnte die Krise nicht das Ansehen des gesamten preußischen Staates diskreditieren. Anders verhielt es sich, hätte er selbst als Monarch eine entsprechende Erklärung offiziell abgegeben. Wilhelm I. war nicht bereit, „auf immer und ewig“ („ a à tout jamais“) die Thronbesteigung eines Hohenzollern in Spanien zu untersagen. Er teilte Benedetti aber brieflich mit, die Kandidatur nicht zu billigen.[55] Inzwischen war Leopold aus seinen Alpenferien zurückgekehrt und hatte persönlich seinen Verzicht auf den spanischen Thron verkündet. Die Meldung hierüber in der Morgenzeitung ließ Wilhelm I. dem französischen Botschafter bringen. Als Benedetti Gramont über die Zurückweisung der französischen Forderung in Kenntnis setzte, ordnete der Außenminister noch am selben Tag eine weitere Unterredung mit Wilhelm I. an. Der Monarch verweigerte dem französischen Botschafter allerdings eine weitere Audienz und ermächtigte das preußische Außenministerium damit, sowohl die Presse als auch die preußischen Botschafter über seine Begegnung mit Benedetti zu informieren.[56]

Heinrich Abeken, der Vortragende Rat im Außenministerium, sandte die Zusammenfassung der Geschehnisse des Tages an Bismarck, der inzwischen nach Berlin zurückgekehrt war und in seine Amtswohnung Generalstabschef Helmut von Moltke und Kriegsminister Albrecht von Roon zum Abendessen eingeladen hatte. Um 18:09 Uhr traf die telegrafische Nachricht bei ihnen ein. Bismarck strich alle diplomatischen Floskeln und formulierte den Schlusssatz neu. In der unbearbeiteten Version war noch davon die Rede, dass Wilhelm I. eine weitere Audienz ablehnte, da der Rückzug der Kandidatur bereits geschehen war. Bismarcks Fassung stellte es jedoch so dar, als hätte der König die Audienz ohne jede Erklärung verweigert.[57] Der umgeänderte Text gipfelte in der Erklärung, der Monarch habe Frankreich nichts weiter mitzuteilen. Diese Wortwahl konnte fast schon als eine Aufkündigung des diplomatischen Kontaktes mit Paris verstanden werden.[58] Dennoch war die sogenannte Emser Depesche nicht unmittelbar verantwortlich für den Beginn des Krieges. Zwar ließ Bismarck die Emser Depesche noch am selben Tag, um 21 Uhr, in einer Sonderausgabe der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung drucken, doch bekannt wurde der vollständige Text in Frankreich erst am 14. Juli um 18:30 Uhr.[59] Bereits Stunden vor der Veröffentlichung der Emser Depesche ordnete die französische Regierung die Mobilmachung der Armee an. Dabei spielte die Zurückweisung ihrer Forderung durch Wilhelm I. die zentrale Rolle.[60] Die Emser Depesche spielte Bismarck dennoch auf zwei Ebenen in die Karten: Mit der Veröffentlichung konnte er Frankreich als scheinbar alleinigen Aggressor darstellen, was die anderen europäischen Großmächte von einer militärischen Intervention abhalten sollte. Des Weiteren löste die Emser Depesche im Norddeutschen Bund und den süddeutschen Staaten eine nationalistische Begeisterung aus.[61]

Noch am Abend des 14. Juli 1870 versammelten sich tausende Menschen auf den Straßen und Plätzen von Paris, um für einen Krieg zu demonstrieren. Chöre wie „Nach Berlin“ und „Nieder mit Preußen“ waren zu hören. Selbst die zu dieser Zeit noch verbotene Marseillaise wurde angestimmt.[62] Die öffentliche Wut dieser Tage richtete sich ebenfalls gegen Kriegsgegner wie Adolphe Thiers. Dieser hatte sich im Parlament lange gegen eine Teilmobilisierung der Armee ausgesprochen. Mit dem Bekanntwerden der Emser Depesche verlor eine solche Haltung jedoch an Rückhalt im politischen Paris. Vor Thiers Wohnung am Place Saint-Georges erschien eine wütende Menge und verlangte die Totschlagung des Abgeordneten. Paris war derart von Menschen verstopft, dass Fuhrwerke die Straßen der Stadt stellenweise nicht mehr durchqueren konnten.[63] Am 15. Juli 1870 stimmte das französische Parlament über die Aufnahme von Kriegskrediten ab. Nach einer elf Stunden andauernden Diskussion entschieden sich 245 Abgeordnete für und 10 gegen die Kriegskredite. Vier Tage später, am 19. Juli 1870, erklärte Frankreich Preußen den Krieg.[64]

Außenpolitische Ausgangslage und Kriegsziele

Süddeutsche Staaten

Louis Braun – Bayerischer Infanterist, Max Lehner

Das diplomatische Geschehen in Bad Ems bewirkte in den süddeutschen Staaten einen Stimmungsumschwung zu Gunsten Preußens. Die Öffentlichkeit zeigte sich mehrheitlich empört über die aus ihrer Sicht zu weitgehenden französischen Forderungen an den preußischen König.[65] Die bayerische und württembergische Regierung ließen dennoch zunächst offen, ob sie in dem bevorstehenden Krieg ihren vertraglichen Bündnisverpflichtungen gegenüber dem Norddeutschen Bund tatsächlich nachkommen würden. Nur die Regierung des Großherzogtums Baden sprach von Beginn an Preußen seine militärische Unterstützung aus.[66]

In Bayern führte der Ministerrat am 14. Juli 1870 – nur fünf Tage vor der französischen Kriegserklärung – eine hitzige Debatte über die Rolle des Landes in dem sich abzeichnenden Krieg. Einen Tag später einigte sich die Regierung in München dann doch darauf, auf preußischer Seite zu kämpfen. Am 16. Juli 1870 befahl der bayerische König Ludwig II. die Mobilmachung der Armee. München hoffte durch die aktive Beteiligung an dem Waffengang möglichst wenig Souveränitätsrechte abtreten zu müssen.[67]

Der bayerische Außenminister Bray-Steinburg fasste die politischen Optionen Bayerns wie folgt zusammen:

„Gehen wir mit Preußen und gewinnt dieses den Krieg, so ist Preußen gezwungen, den Bestand Bayerns zu achten. Unterliegt Preußen, so verlieren wir vielleicht die Pfalz, aber mehr kann uns nicht geschehen, denn Frankreich muss die Selbständigkeit der deutschen Einzelstaaten immer begünstigen; das Gleiche tritt ein, wenn wir neutral geblieben sind und Frankreich siegt. Siegt aber Preußen, obwohl wir es gegen den Vertrag im Stiche gelassen haben, dann erwartet uns das Schicksal Hannovers.“[68]

Auch die württembergische Regierung hegte Vorbehalte gegen einen Kriegseintritt: Während der Krise in der spanischen Thronfolge hatte der württembergische Ministerpräsident Karl von Varnbüler mit der Hilfe des französischen Botschafters in Stuttgart noch versucht, auf die französische Regierung mäßigend einzuwirken. Diese sollte davon abgebracht werden, die rein dynastische Angelegenheit zu einem nationalen Vorfall zu machen. Erst die weitere diplomatische Zuspitzung in Bad Ems veranlasste Varnbüler in Absprache mit der bayerischen Regierung zu einer Anerkennung des Bündnisfalls. Auch auf Druck der Straße ließ König Karl I. daraufhin die württembergische Armee mobilmachen. Das Parlament stimmte den Kriegskrediten fast einstimmig zu.[69]

Das Großherzogtum Baden grenzte direkt an Frankreich. Die Regierung in Karlsruhe war daher darum bemüht, Paris während der spanischen Thronfolgekrise nicht zu reizen. Nachdem sich der Krieg aber abzeichnete, schien nur Preußen und dessen norddeutsche Verbündete in der Lage, eine französische Besetzung des Landes zu verhindern. Seit der preußischen Niederschlagung der Badischen Revolution im Jahr 1849 stand die badische Dynastie überdies den Hohenzollern sehr nahe. Bereits am 15. Juli lief die badische Mobilmachung an. Für Empörung gegen Frankreich sorgte auch der Kommentar von Gramont, Baden sei lediglich eine „Zweigstelle Berlins“, die politisch zerstört werden müsse.[70]

Europäische Großmächte

Die Emser Depesche erfüllte den von Bismarck beabsichtigten Zweck: Frankreich stand isoliert als Aggressor da, denn in den Augen der Weltöffentlichkeit war der Kriegsanlass nichtig, und Frankreich hatte sich durch überhöhte Forderungen unnötig in Zugzwang gebracht.

Zar Alexander II. von Russland

Bei Kriegsbeginn stand Frankreich weiterhin ohne einen echten Bündnispartner da. Österreich – der Verlierer von Königgrätz – verhielt sich neutral. Dies lag auch an der für Wien ungünstigen außenpolitischen Konstellation zwischen Sankt Petersburg und Berlin: Russland setzte sich 1870 über den Dritten Pariser Frieden hinweg, der es Russland seit dem Krimkrieg verbot, eine eigene Schwarzmeerflotte aufzubauen. Bismarck versprach der russischen Regierung, deren Aktivitäten im Orient diplomatisch zu unterstützen. Im Gegenzug duldete Sankt Petersburg nicht nur den preußischen Waffengang gegen Frankreich, sondern erhöhte auch den Druck auf Österreich, ebenfalls neutral zu bleiben.[71] Zar Alexander II. teilte der österreichischen Regierung mit, andernfalls Truppen ins österreichische Galizien zu entsenden. Mit Wilhelm I. von Preußen sah sich der Zar dynastisch verbunden. Der preußische König war immerhin sein Onkel. Darüber hinaus ging Sankt Peterburg davon aus, dass ein französisch-österreichischer Sieg Unabhängigkeitsunruhen in den von Preußen und Russland besetzten polnischen Gebieten nach sich ziehen würde.[72]

Kaiser Franz Joseph I. von Österreich

Wien war schon rüstungstechnisch nicht auf einen Krieg vorbereitet. Die schnellen Erfolge der verbündeten deutschen Armeen in Frankreich machten Überlegungen für eine österreichische Mobilmachung noch in den ersten Kriegswochen obsolet.[73] Die Bemühungen um ein österreichisch-französisches Bündnis waren zu diesem Zeitpunkt gescheitert. Im Juni 1870 – noch vor der französischen Kriegserklärung an Preußen – reiste zwar der französische General Lebrun nach Wien, konnte aber der österreichischen Regierung kaum Zusagen abringen. Kaiser Franz Joseph erklärte nur dann militärisch einzugreifen, wenn für Österreich die Chance bestünde, von den süddeutschen Regierungen als Befreier wahrgenommen zu werden. Genau jenes Szenario trat allerdings nicht ein; die süddeutschen Staaten bekannten sich im Juli 1870 zu ihrem Bündnis mit dem Norddeutschen Bund.[74] Die österreichische Neutralität ermöglichte es, alle deutschen Truppen an die französische Grenze zu verlegen. Die einzige Ausnahme hiervon bildete die preußische 17. Division, welche die schleswig-holsteinische Küste gegen französische Attacken von See verteidigen sollte.[75]

König Viktor Emanuel II. von Italien

Mit militärischer Hilfe konnte Paris auch von Italien nicht rechnen. Streitpunkt war weiterhin die sogenannte Römische Frage: Um sich die Sympathie der katholischen Bevölkerung und der Geistlichkeit in Frankreich zu sichern, bestand Napoleon III. auf den Fortbestand des päpstlichen Kirchenstaates. Die Regierung in Florenz pochte dagegen auf die Inbesitznahme Roms durch italienische Truppen. Rom sollte ihrer Meinung nach die Hauptstadt Italiens werden. Diesem Ziel standen allerdings die französischen Schutztruppen im Weg, die die politische Souveränität des Papstes sicherstellten.[76] In dem sich abzeichnenden Deutsch-Französischen Krieg bot sich Italien plötzlich die Chance, Rom zu besetzen: Noch kurz vor ihrer Kriegserklärung an Preußen einigte sich die französische Regierung darauf, die Truppen aus dem Vatikan abzuziehen. Damit machte Paris ungewollt den Weg für die italienische Eroberung Roms frei.[77] Die französisch-italienische Diplomatie im Vorfeld des Krieges wirkte sich auch deshalb nicht für Frankreich in dem gewünschten Umfang aus, da der italienische König Viktor Emanuel II. Paris nur versicherte, keine Verhandlungen mit anderen Mächten aufzunehmen. Die französische Regierung sah hierin fälschlicherweise eine Beistandserklärung. Italien griff jedoch, anders als erwartet, nicht in den Konflikt ein.[78]

Großbritannien war in der Frage gespalten: Trotz des Konfliktes mit Preußen um die Welfen-Enteignung und den Welfenfonds zeigte Königin Victoria Sympathie für die deutsche Seite, die britische Regierung indessen für den Rivalen Frankreich, den ehemaligen Verbündeten im Krimkrieg und im Mexiko-Abenteuer. So blieb Großbritannien neutral und löste die profranzösische Welfenlegion auf, aber ebendiese britische Neutralität hielt nun auch Dänemark davon ab, mit Frankreich eine zweite Front zu eröffnen. Pläne einer Landung in Norddeutschland gab Frankreich daher auf. Der Seekrieg im Deutsch-Französischen Krieg beschränkte sich im Wesentlichen auf eine Seeblockade der deutschen Nordseeküste. Belgien, die Niederlande und Luxemburg hielt Bismarck aus dem Krieg, indem er einen vom französischen Gesandten in Berlin, Vincent Graf Benedetti eigenhändig verfassten Vertragsentwurf veröffentlichte, in welchem Frankreich im Vorfeld des Krieges 1866 Pläne zur Annexion des frankophonen Teils Belgiens niedergelegt hatte.

Am 16. Juli 1870 trat der Bundesrat zusammen und erklärte sich mit den Erklärungen Bismarcks einverstanden. Zum 19. Juli wurde der Reichstag des Norddeutschen Bundes einberufen und von König Wilhelm, der das Bundespräsidium innehatte, mit einer vergleichsweise gemäßigten Thronrede eröffnet. Unmittelbar nach der Feierlichkeit empfing Bismarck die französische Kriegserklärung; die Mitteilung darüber wurde in der sogleich anschließenden Reichstagssitzung mit Jubel aufgenommen.

Frankreich war damals die wohl stärkste Großmacht auf dem europäischen Kontinent. Seine Berufsarmee überschätzte sich jedoch massiv und hielt sich in dem nun folgenden Krieg auch ohne Verbündete für überlegen.[79] Die militärische Kraft des Norddeutschen Bundes wurde unterschätzt. Auch der Zeitvorteil bei der Mobilisierung der französischen stehenden Berufsarmee gegenüber den Wehrpflichtigen-Armeen in Deutschland war geringer als erhofft.

Französische Minimalforderung aber waren (die zwischen 1797 und 1815 schon einmal französisch besetzten) Teile des preußischen Saarlandes, deren Eroberung dem Sohn Napoleons III., Napoléon Eugène Louis Bonaparte (1856–1879), militärischen Ruhm einbringen und dessen zukünftige Position als Thronfolger festigen sollte. „Ohne diesen Krieg wird Ihr Sohn nie herrschen“, soll der französische Marschall Patrice de Mac-Mahon (1808–1893) den Kaiser und die Kaiserin gedrängt haben.

Verlauf

(c) Bundesarchiv, Bild 146-1970-053-87 / CC-BY-SA 3.0
Exerzieren einer französischen Truppe im Lager Ile Chambrière bei Metz, 1870
Sturm auf die Spicherer Höhen bei Saarbrücken, Gemälde von Anton von Werner

Aufmärsche

Durch die Mobilisierung, die als Reaktion auf die turbulente Sitzung im französischen Senat vom 15. Juli 1870 in Bayern und in Preußen bereits am 16. Juli angelaufen war, wurden deutsche Truppen ausgerüstet und mit Hilfe der Eisenbahnen in den Einsatzräumen zusammengezogen, während der Aufmarsch in Frankreich schleppender verlief. Großherzog Friedrich I. von Baden mobilisierte am 16. Juli, König Karl von Württemberg am 17. Juli. So war bald die gesamte deutsche Heereskraft vertragsgemäß unter der Führung des Königs von Preußen zusammengefasst. Trotzdem ließ man sich planmäßig Zeit, Reserven und weitere Pferde auszuheben, und brachte alle Truppenteile auf volle Kriegsstärke. Erst danach marschierten die Truppen an der französischen Grenze auf. Im Verlauf des Krieges sollen zwei Drittel aller eingesetzten deutschen Pferde zu Tode gekommen sein. Durch den stärkeren Einsatz von Pferden waren die deutschen Truppen beweglicher und schneller als die französischen.[80] An Streitkräften der verbündeten deutschen Staaten waren vorhanden: in erster Aufstellung zu den Operationen 447.000 Mann, als erste Reserve zum Nachrücken 188.000 Mann, als zweite Reserve 160.000 Mann Landwehr und 226.000 Mann Ersatztruppen, im Ganzen also 1.021.000 Mann.

Die deutschen Juden waren bemüht, ihren Patriotismus durch ihre Teilnahme unter Beweis zu stellen. Es standen ca. 14.000 Soldaten jüdischen Glaubens auf preußisch-deutscher Seite im Feld, auch deshalb, weil sich für diesen Einsatz als Gegenleistung weitere Emanzipationsschritte fordern ließen.[81] Auch in der französischen Armee kämpften Juden. In der Allgemeinen Zeitung des Judenthums wurde der Krieg daher als jüdischer „Bruderkrieg“ bezeichnet. Ein innerer Konflikt entstand dadurch, dass sie in dem Kriegsgegner Frankreich ein Land bekämpften, das eine Vorreiterrolle in der Emanzipation der Juden einnahm und das ihnen daher seit der Französischen Revolution als Vorbild galt.[82]

Am 1. März 1871 standen auf französischem Boden 464.221 Mann Infanterie, 55.562 Reiter und 1.674 Geschütze an Feldtruppen sowie 105.072 Mann Infanterie, 5.681 Reiter und 68 Geschütze an Besatzungstruppen. Insgesamt wurden auf deutscher Seite im Kriegsverlauf etwa 1,4 Millionen Mann mobilisiert, von denen 1,1 Millionen in Frankreich zum Einsatz kamen.

Deutsche Feldtruppen in Frankreich, gegen Ende des Krieges (1. März 1871), ohne Besatzungs- und Ersatztruppen
InfanterieKavallerieGeschütze
Norddeutscher Bund385.600 Mann48.000 Mann1.284 Geschütze
Bayern50.000 Mann5.500 Mann192 Geschütze
Württemberg15.000 Mann1.500 Mann54 Geschütze
Baden11.700 Mann1.800 Mann54 Geschütze
462.000 Mann56.800 Mann1.584 Geschütze
Die Berennung von Lichtenberg, Gemälde von Karl Albert von Schott
Europa nach dem Deutsch-Französischen Krieg (mit Darstellung des von deutschen Truppen eroberten Gebiets) und der Gründung des Deutschen Kaiserreichs.
Napoleon übergibt seinen Degen, Lithographie von Hartwich

Der ursprüngliche Plan der französischen Militärführung, der vorsah, mit der Hauptmacht über die Pfalz ins Maintal vorzustoßen, um so die süddeutschen von den norddeutschen Staaten zu trennen und Österreich-Ungarn zum Kriegseintritt zu bewegen, erwies sich rasch als schon im Ansatz unausführbar. Die Dislozierung der aufmarschierenden französischen Truppen war jedoch ganz auf diese Offensivbewegung ausgerichtet, eine Offensive der preußisch-deutschen Truppen und das in diesem Fall erforderliche defensive Manövrieren war nicht einkalkuliert worden.[83] Dieses Defizit, das organisatorische Durcheinander beim Aufmarsch bzw. bei der Ausrüstung der Verbände und nicht zuletzt deren deutliche numerische Unterlegenheit – zu Beginn der Operationen war die französische Rheinarmee nur 210.000 Mann stark und damit mindestens im Verhältnis 1:2 unterlegen[84]  – schränkten von vornherein die Aussicht auf eine erfolgreiche Abwehr eines deutschen Einfalls ein.

Der einzige strukturelle Vorteil der französischen Armee war die dem preußisch-deutschen Ausrüstungsstandard weit überlegene Infanteriebewaffnung: Die französischen Chassepotgewehre waren deutlich effizienter und sorgten mit ihrer großen Reichweite und der hohen Schussfrequenz dafür, dass Frontalangriffe der deutschen Truppen für diese meistens mit enormen Verlusten verbunden waren. Die französische Artillerie hingegen war zahlenmäßig stark, technisch aber klar veraltet (ausschließlich Vorderlader) ausgerüstet. Die Soldaten wurden, wie vorgesehen, sehr schnell in die Aufmarschräume verlegt, jedoch befand sich die erforderliche Ausrüstung noch in den Depots: Die französische Armee stationierte ihre Einheiten in Friedenszeiten im ganzen Land und sorgte für regelmäßige Verlegungen, dabei blieben die Depots mit der Kriegsausrüstung aber in ihren ursprünglichen Heimatstandorten. So kam es, dass z. B. die Soldaten von der Mittelmeerküste aus nach Metz fuhren, die Ausrüstung jedoch aus der Bretagne herangebracht werden musste.

Der Aufmarsch der deutschen Truppenteile erfolgte in sehr hohem Tempo und traf die französische Armee zum Teil unvorbereitet. Das Vorgehen war vom Generalstab detailliert geplant worden und erfolgte vor allem über das sehr gut ausgebaute deutsche Schienennetz. Die Truppen wurden bereits in ihren Garnisonen auf volle Stärke gebracht und dann geschlossen mit aller Ausrüstung in den Aufmarschraum verlegt.

Der preußische Generalstab, der seit 1864 eine eigene Eisenbahnsektion unterhielt, hatte auf Vermehrung der Ost-West-Strecken an den Rhein gedrängt, so dass den Preußen sechs ausgebaute Ost-West-Strecken zur Verfügung standen, den süddeutschen Verbündeten weitere drei. Binnen achtzehn Tagen wurden 462.000 gefechtsbereite deutsche Soldaten in ihre Konzentrationsräume vor der Grenze gebracht. Die französischen Militärbehörden dagegen führten Mobilmachung und Aufmarsch gleichzeitig durch und warfen überstürzt teilmobilisierte Einheiten an die Grenze, die hier auf ihre Reservisten und nachgesandtes Material warteten. Auf diese Weise wäre die volle Kriegsbereitschaft erst etwa sechs Wochen nach Beginn der Mobilmachung hergestellt gewesen.[85]

Abwehr des Angriffs und Eindringen in Frankreich

Die Kampfhandlungen begannen mit einem französischen Vorstoß. Sechs Divisionen griffen am 2. August deutsches Territorium an. Doch nur Saarbrücken, strategisch eher isoliert und nur von wenigen preußischen Truppen geschützt, wurde von den Franzosen (bis zum Lulustein) eingenommen; später wurde es wieder aufgegeben. Schon am 3. August standen 320.000 Deutsche an der Grenze, weshalb eine von Napoleon III. erhoffte Großoffensive gescheitert wäre.

Drei Armeen marschierten schließlich, geführt von Karl Friedrich von Steinmetz, Prinz Friedrich Karl Nikolaus von Preußen und Kronprinz Friedrich Wilhelm, nach Frankreich ein. Die Franzosen wurden durch die beweglichere deutsche Führung ausmanövriert, die vom preußischen Generalstab unter Helmuth von Moltke koordiniert wurde. Frankreich verlor in kurzer Folge die Schlachten von Weißenburg (4. August 1870), Wörth (6. August, beide im Elsass) und Spichern (6. August, Lothringen). Nach seiner Niederlage bei Wörth räumte das französische Feldheer das Elsass und überließ das Rheintal der deutschen 3. Armee, die nach Süden vorrückte, das Elsass besetzte und schließlich die Festung Belfort belagerte. Einzig die Zitadelle von Bitsch konnte von den Deutschen nicht eingenommen werden und ergab sich erst am 25. März 1871. Während die preußischen Hinterlader-Zündnadelgewehre gegen Österreich 1866 noch überlegen gewesen waren, hatten nun die Franzosen klare Vorteile bei Reichweite und Schussfolge mit dem neuen Chassepotgewehr und dem Mitrailleuse-Salvengeschütz. Dafür waren die deutschen stählernen Hinterlader-Geschütze von Alfred Krupp die ausschlaggebende Artillerie, die mit über vier Kilometer mehr als die doppelte Reichweite der französischen besaß. Das damals neueste dieser Geschütze hieß C/64/67; es hatte zahlreiche Vorteile. Speziell bei der Schlacht bei Sedan zeigte sich, dass eine hohe Kadenz (bis zu zehn Schuss pro Minute) zusammen mit einer großen Reichweite bei guter Trefferleistung eine verheerende, schlachtentscheidende Wirkung erzeugte.

Alphonse de Neuville, Der Friedhof von Saint-Privat 1881. Der Friedhof in der Nähe von Metz wurde zum Schlachtfeld: am 18. August 1870 kämpften dort in der Schlacht bei Gravelotte französische Truppen, erkennbar an ihren roten Hosen, gegen die preußische Armee.

Die französischen Armeen wurden meist umfasst und zu teils überstürzten Rückzügen oder zu Teil-Kapitulationen gezwungen. Durch den Sieg in der Schlacht bei Mars-la-Tour verwehrte Preußen der französischen Rheinarmee den Rückzug nach Verdun, stellte sie in der Schlacht bei Gravelotte und besiegte sie. Nach dieser Niederlage zog Marschall Bazaine die französische Rheinarmee zurück nach Metz in den Schutz des starken Festungsgürtels. Dort wurden er und seine Truppen ab dem 20. August von der 2. Armee unter Führung von Prinz Friedrich Karl (linkes Moselufer) und der 1. Armee unter Manteuffel (rechtes Moselufer) eingeschlossen.

Um die Belagerung von Metz aufzuheben, wurden auf Druck des französischen Ministerrates und der Umgebung des Kaisers die unter dem Kommando von Marschall Mac Mahon im Lager von Châlons zusammengezogenen Verbände – ursprünglich für die Deckung von Paris vorgesehen – in Marsch gesetzt. Der widerstrebende, um das hohe Risiko wissende Mac Mahon marschierte am 23. August von Reims ab und gelangte über Montmédy entlang der belgischen Grenze in die Nähe von Metz. Der Marsch war schlecht konzipiert, viele Verbände wurden zudem kaum versorgt. Moltkes Gegenmaßnahmen zielten seit dem 25. August auf eine Umfassung der Armee Mac Mahons, der sich am 28. August der erkannten Gefahr durch Rückzug entziehen wollte, vom Kriegsminister aber angewiesen wurde, weiter auf Metz zu marschieren.

Im Gefecht bei Beaumont schlugen Teile der deutschen 3. und 4. Armee am 30. August ein Korps der Armee Mac Mahons, die sich nun auf Sedan zurückzog, wo sie am 1. September eine vernichtende Niederlage erlitt (vgl. Schlacht bei Sedan). Diese Niederlage führte zwar zum politischen Zusammenbruch des französischen Kaiserreiches, war aber unter rein militärischen Gesichtspunkten nicht kriegsentscheidend.[86] Der Tag der Schlacht bei Sedan wurde später im Kaiserreich bis 1918 als Sedantag gefeiert und mythisiert. Der Sieg bei Sedan wurde zum Symbol der Überlegenheit über den Erbfeind hochstilisiert.

Napoléon III. als preußischer Gefangener im Gespräch mit Bismarck nach der Schlacht bei Sedan vor dem Maison Tisserand
(c) Bundesarchiv, Bild 183-R09517 / CC-BY-SA 3.0
Otto von Bismarck im Hauptquartier in Versailles
(c) Bundesarchiv, Bild 183-H26707 / CC-BY-SA 3.0
Preußische Batterie vor Paris, 1870

Durch die Kapitulation der ausweglos eingekreisten französischen Truppen am 2. September war eine der beiden französischen Hauptarmeen vernichtet worden. Auch Napoléon III. gab sich in Donchery bei Sedan gefangen. Er verbrachte mit Bismarck im Maison du Tisserand, dem Haus eines Webers, die entscheidenden Stunden vor der Kapitulation. In den folgenden Monaten wurde Napoléon im Schloss Wilhelmshöhe festgehalten und übersiedelte im Frühjahr 1871 nach London.

Mit dem Untergang der Armée de Chalons und der nicht mehr zu durchbrechenden Einschließung der Rheinarmee in Metz geriet die französische Kriegführung in eine schwere Krise. Die Feldarmee war bis auf das bei Sedan entwichene 13. Korps ausgeschaltet. Der preußische Generalstab hielt es für ausgeschlossen, dass der französische Staat, der nur noch auf etwa 100.000 ausgebildete Soldaten und Offiziere zurückgreifen konnte, in nennenswertem Umfang Neuaufstellungen vornehmen könne. Durch einen Vorstoß auf Paris sollten der Krieg beendet und die nun offen erhobenen territorialen und finanziellen Forderungen durchgesetzt werden. Am 21. August waren die beiden elsässischen Departements und mehrere lothringische Arrondissements als Generalgouvernement Elsaß und Deutsch-Lothringen unter deutsche Verwaltung gestellt worden, ihre spätere Annexion war schon zu diesem Zeitpunkt fest vorgesehen.[87]

Dritte Republik

In Paris hatte die legislative Kammer unter dem Druck der Massen am 4. September 1870 die Dritte Republik proklamiert. Die neue Regierung der nationalen Verteidigung unter General Trochu – mit dem Innen- und Kriegsminister Léon Gambetta als treibende Kraft – hielt eine Fortsetzung des Krieges für möglich, da Frankreich noch über weit mehr als zwei Millionen wehrfähige Männer, beträchtliche Mengen an Waffen und Munition, eine intakte Rüstungsindustrie, offene Seehäfen und internationalen Kredit verfügte. Zudem genoss die neue republikanische Regierung ein weit höheres Ansehen als die gestürzte kaiserliche, die die nationalistische Welle des Sommers 1870 nur sehr bedingt hatte ausnutzen können. Die Regierung forderte alle kampffähigen Männer zum Eintritt in die Mobilgarde und die Bevölkerung der besetzten Gebiete zur Organisation von Franktireurabteilungen auf. Letztere begannen bald darauf, im rückwärtigen Raum der deutschen Armeen kleinere Abteilungen und Posten, Kuriere und Trainfahrzeuge zu überfallen, lieferten sich aber auch offene Gefechte mit größeren deutschen Verbänden.[88]

Ab dem 19. September wurde die französische Hauptstadt belagert und – noch vor Jahresende – systematisch von den Deutschen beschossen. Dies und der Guerillakrieg der Franc-tireurs führte zu einer erheblichen Verbitterung auf beiden Seiten. Der preußische Generalstab drängte die Kommandeure zu rücksichtslosem Vorgehen gegen irreguläre französische Truppen; Bismarck äußerte sich im Herbst anerkennend über die bayerische Kavallerie, da diese mit dem „Totschießen“ von Freischärlern „rasch bei der Hand“[89] sei.

Durch die Kapitulation von Metz am 27. Oktober wurden größere deutsche Truppenkörper für andere Aufgaben frei. Prinz Karl konnte gegen die neu aufgestellten französischen Armeen in Flandern, an der Loire, im Lyonnais und in der Normandie vorgehen und sie an einem Entsatz des belagerten Paris hindern. 87.000 Franzosen der Armée de l’Est unter Charles Denis Bourbaki wurden bis auf Schweizer Gebiet abgedrängt und dort interniert (→ Schweiz im Deutsch-Französischen Krieg).

Dennoch war der Krieg auch Anfang 1871 für Frankreich noch nicht völlig verloren. Zu diesem Zeitpunkt erreichte die französische Feldarmee eine Stärke von 535.000 Mann und war damit den preußisch-deutschen Truppen erstmals zahlenmäßig überlegen. Weitere 354.000 Mann befanden sich in Ausbildung.[90] Die deutschen Kräfte waren zu schwach, um gleichzeitig Paris erfolgreich zu belagern, das besetzte Gebiet zu sichern und die noch im Feld operierenden französischen Verbände auszuschalten – zu schwach also, um den Frieden militärisch zu erzwingen. Moltke erwartete „noch schwere Kämpfe“ und wies warnend darauf hin, dass sich „Schwierigkeiten von allen Seiten häufen“[91] würden. Er verlangte die Verlegung sämtlicher deutscher Truppen nach Frankreich, was Bismarck und Roon mit Blick auf Österreich und von ihnen befürchtete Unruhen in Deutschland ablehnten.[92]

Wahl in Frankreich, Kaiserproklamation und Kriegsende

3. März 1871: Extrablatt des Mainzer Wochenblatts zur Ratifizierung des Friedensschlusses durch Kaiser Wilhelm

Am 31. Januar 1871 trat jedoch ein gegen den Willen Gambettas von den in Paris verbliebenen Regierungsmitgliedern um Jules Favre verhandelter, zunächst auf 21 Tage befristeter allgemeiner Waffenstillstand in Kraft, der die Entwaffnung der Pariser Garnison und die vorübergehende Besetzung eines Teils von Paris vorsah. Bismarck hatte zuvor gegen die weitergehenden Forderungen Moltkes, alle bei und in Paris stehende französischen Truppen (insgesamt etwa 250.000 Mann) gefangen zu nehmen und nach Deutschland zu transportieren, interveniert. Bismarck rechnete fest damit, dass die maßgeblichen politischen Kräfte in Frankreich vor allem aus innenpolitischen Gründen davon absehen würden, den Kampf nach Ablauf des Waffenstillstands wieder aufzunehmen. Die von der provisorischen Regierung sehr kurzfristig für den 8. Februar 1871 angesetzte Wahl einer neuen Nationalversammlung wurde von den deutschen Truppen deshalb nicht behindert.

Der großen Mehrheit der hierbei gewählten 675 Abgeordneten war vor allem an einer inneren Konsolidierung Frankreichs unter konservativen Vorzeichen gelegen; besonders die etwa 400 bourbonischen und orléanistischen Monarchisten wollten den Krieg unter allen Umständen beenden, um danach mit den Republikanern „abzurechnen“ und die Monarchie wiederherzustellen. Um dafür freie Hand zu bekommen, waren sie auch zu den von deutscher Seite geforderten Gebietsabtretungen und Entschädigungszahlungen bereit. Der von der Nationalversammlung zum provisorischen Staatsoberhaupt gewählte Adolphe Thiers unterzeichnete am 26. Februar 1871 den Vorfrieden von Versailles, mit dem die Kampfhandlungen beendet wurden. Knapp drei Wochen später löste der Versuch der Regierung Thiers, die von linken Republikanern und Sozialisten kontrollierte Pariser Nationalgarde zu entwaffnen, den schließlich im Mai unter den Augen der deutschen Truppen blutig niedergeschlagenen Kommune-Aufstand aus.

Noch während des Krieges gelang es Bismarck, die Novemberverträge mit den süddeutschen Staaten abzuschließen. Nicht der Form, aber dem Inhalt nach schlossen sie sich dem Norddeutschen Bund an. Dazu änderten Bundesrat und Reichstag am 8. Dezember die Bundesverfassung. Die Verfassung neuer Form, die Verfassung des Deutschen Bundes trat am 1. Januar 1871 in Kraft. Damit war der Staat in Reich und das Präsidium des Bundes in Kaiser umbenannt. Erst nach langem Zögern war der preußische König Wilhelm bereit, den Titel anzunehmen und sich am 18. Januar als Kaiser ausrufen zu lassen. Verfassungsrechtlich hatte er den Titel bereits. Diese Kaiserproklamation wurde in den späteren Jahren als eigentlicher Akt der Reichsgründung dargestellt. In Frankreich wurde die Proklamation als Demütigung empfunden, da sie im Spiegelsaal des Schlosses zu Versailles nahe Paris stattfand.

Am 10. Mai folgte im Frankfurter Hotel zum Schwan, nach langwierigen Verhandlungen in Brüssel und Frankfurt, der Friede von Frankfurt.

Bis zur Begleichung der im Artikel 7 des Frankfurter Friedens geforderten Reparationssumme in Höhe von 5 Milliarden Goldfranken durch Frankreich blieben deutsche Besatzungstruppen im Osten des Landes. Sie zogen im September 1873 ab.

Aufstand der Pariser Kommune

Am 18. März 1871 versuchte der französische Premierminister Adolphe Thiers, die verteidigungsbereite Nationalgarde von Paris (französisch Garde nationale) entwaffnen zu lassen. Dies führte zu einem Aufstand. Am 26. März 1871 übernahm in Paris eine Revolutionsregierung die Macht, die Commune de Paris. Die republikanische Übergangsregierung wurde für abgesetzt erklärt. Es kam zu einem der blutigsten Bürgerkriege in der neueren Geschichte. Erst im Mai 1871 gelang es den neu formierten bürgerlichen Regierungstruppen, die bewaffneten Milizen der Aufständischen im Straßenkampf zu schlagen. In der blutigen Woche vom 21. bis 28. Mai wurden ungefähr 25.000 Menschen getötet. Es folgten 38.000 Verhaftungen und 7.500 Deportationen.

Kriegsfolgen

Für Frankreich und Deutschland

Preußische Truppen ziehen nach dem Krieg in Berlin ein, 1871
Karikatur, die eine Annexion Elsass-Lothringens propagiert. Bildunterschrift: „Man muß der Bestie die Krallen abschneiden, damit man künftig Ruhe vor ihr hat.“ Satire-Zeitschrift Kladderadatsch, 1870
Grenzstein mit der Nummer 2792 und den Buchstaben „D“ und „F“ zur Kennzeichnung der ehemaligen Grenze zwischen Deutschland und Frankreich auf dem Vogesenkamm (2016)

Frankreich verzichtete im Vorfrieden von Versailles auf größere, damals überwiegend deutsch- oder zweisprachig geprägte Gebiete des Elsass und Lothringens. Sie wurden zum Reichsland Elsaß-Lothringen zusammengeschlossen, welches bis 1918 bestand. Diese territorialen Veränderungen waren seit der französischen Kriegserklärung (19. Juli 1870) von konservativen und liberalen Politikern und Journalisten in Deutschland gefordert worden. Die preußisch-deutsche Führung hielt sie vor allem aus militärischen Gründen für nützlich. Daneben spielten Fragen dynastischer Politik sowie das Interesse deutscher Industrieller am lothringischen Erz eine Rolle. In Deutschland lehnten lediglich die sozialistischen Abgeordneten im norddeutschen Reichstag und einzelne linksliberale Publizisten öffentlich die Annexionspolitik ab.[93] Die Haltung der sozialistischen Abgeordneten, die seit September 1870 jede neue Kriegskreditvorlage ablehnten (August Bebel und Wilhelm Liebknecht hatten sich – anders als die Lassalleaner – bereits am 19. Juli enthalten), erregte – auch im Ausland – großes Aufsehen und trug erheblich zum – bis 1914 – hohen internationalen Ansehen der deutschen Sozialdemokratie bei.[94] Bei der Grenzziehung spielten Sprachgrenzen eine Rolle, aber auch kleinere Gebiete mit französischsprachiger Bevölkerung in Nordlothringen (mit Metz) wurden vom neuen Deutschen Reich verlangt. Hierbei wirkte Bismarck als mäßigender Faktor. Auf eine Eingliederung Belforts wurde verzichtet. Außerdem musste Frankreich Reparationen in Höhe von fünf Milliarden Francs leisten.[95] Anlässlich des Krieges kam es in Algerien zur Mokrani-Revolte der algerischen Bevölkerung gegen die Kolonialherrschaft, die bis 1872 niedergeschlagen wurde.[96]

Die französische Niederlage unterbrach auch den seit 1850 laufenden wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Modernisierungsprozess Frankreichs und erschütterte das Vertrauen in Staat und Armee, was das Land bis zur Dreyfus-Affäre beschäftigte. In Deutschland beschleunigte der Sieg hingegen vor allem den militärischen Modernisierungsprozess. Auch das preußische Modell der allgemeinen Wehrpflicht bei kurzer Dienstzeit verbreitete sich rasch weltweit.[97]

Die französischen Reparationen waren einer der Auslöser des deutschen Booms der Gründerzeit. Unter anderem wurden mit ihnen Infrastrukturmaßnahmen im ganzen Deutschen Reich finanziert. Bahnhöfe, Poststationen in Ostpreußen, Kirchen und Schulen in der Pfalz und im Elsass sind heute noch sichtbare Zeichen. Ein kleiner Teil (120 Mio.) wurde als Reichskriegsschatz im Juliusturm der Zitadelle Spandau eingelagert. Die französische Wirtschaft wurde durch das Aufbringen der Reparationen in ihrer Entwicklung gebremst. Das Deutsche Reich wurde in der Folge die größte Binnenvolkswirtschaft der Welt.

In einem Brief vom 21. August 1870 an seinen Botschafter Albrecht von Bernstorff (1809–1873) in London begründete Bismarck die deutsche Absicht zur Annexion von Elsass-Lothringen wie folgt:

„Wir stehen heute im Felde gegen den 12. oder 15. Überfall und Eroberungskrieg, den Frankreich seit 200 Jahren gegen Deutschland ausführt. 1814 und 1815 suchte man Bürgschaften gegen Wiederholung dieser Friedensstörungen in der schonenden Behandlung Frankreichs. Die Gefahr liegt aber in der unheilbaren Herrschsucht und Anmaßung, welche dem französischen Volkscharakter eigen ist und sich von jedem Herrscher des Landes zum Angriff auf friedliche Nachbarstaaten missbrauchen lässt. […] Wir können nicht immer auf eine außerordentliche Erhebung des Volkes rechnen und der Nation nicht ansinnen, stets das Opfer so starker Rüstung zu tragen. Wenn die Entwaffnungstheorie in England ehrliche Anhänger hat, so müssen dieselben wünschen, dass die nächsten Nachbarn Frankreichs gegen diesen alleinigen Friedensstörer Europas mehr als bisher gesichert werden. Dass in den Franzosen dadurch eine Bitterkeit geweckt werde, kann dagegen nicht in Betracht kommen. Diese Bitterkeit wird ganz in demselben Maße stattfinden, wenn sie ohne Landabtretung aus dem Kriege herauskommen. Wir haben Österreich, wesentlich aus jener Rücksicht, keine Gebietsabtretungen angesonnen, haben wir irgendeinen Dank davon gehabt? Schon unser Sieg bei Sadowa hat Bitterkeit in den Franzosen geweckt; wie viel mehr wird es unser Sieg über sie selbst tun! […] Die einzig richtige Politik ist unter solchen Umständen, einen Feind, den man nicht zum aufrichtigen Freunde gewinnen kann, wenigstens etwas unschädlicher zu machen und uns mehr gegen ihn zu sichern, wozu nicht die Schleifung seiner uns bedrohenden Festungen, sondern nur die Abtretung einiger derselben genügt.“[98][99]

Bismarck zementierte mit der von ihm betriebenen Reichsgründung die Teilung des ehemaligen Territoriums des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation in ein kleindeutsches Deutsches Reich und die – mittlerweile durch den Ausgleich von 1867 geschaffene – Doppelmonarchie Österreich-Ungarn, die als Vielvölkerstaat unter der Herrschaft der Habsburger fortbestand.

Die Eingliederung Deutsch-Lothringens und des alemannischen Elsass als Reichsland Elsaß-Lothringen verschärfte die sogenannte deutsch-französische Erbfeindschaft. Léon Gambetta, Staatsmann der Dritten Republik, formulierte die weitverbreiteten französischen Revanchegelüste am 16. November 1871 mit dem Satz: „Y penser toujours, n’en parler jamais.“ („Immer daran denken, niemals davon sprechen“). Jean Jaurès bezichtigte Frankreich einer Mitschuld am Krieg, es hätte über Jahrhunderte eine Einigung Deutschlands hintertrieben.

„An dem Konflikt, der zwei mächtige Nationen gegeneinander aufgebracht hat, trägt Frankreich eine tiefe Mitschuld. Frankreich war es, die ihn seit langem vorbereitet und fast unvermeidbar gemacht hat, indem es die Lebensbedingungen Deutschlands verkannt hat und der notwendigen und legitimen deutschen Einheit mit stiller Feindschaft entgegengetreten ist. (…) Wie schwer tat sich Frankreich, eine gleiche unter gleichen Nationen zu werden! Wie schmerzhaft war es, nicht länger die große Nation, sondern nur eine große Nation zu sein! […]“

Jean Jaurès in seiner Analyse über den Krieg

[100]

Auf den 1870/71er-Krieg folgte eine der längsten Friedensphasen in Westeuropa, doch ein stabiler politischer Ausgleich zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich wurde nicht erreicht. Mobilmachung und Kriegsbeginn 1914 emotionalisierten Deutsche (siehe Augusterlebnis) und Franzosen: die Deutschen wollten dem „Erbfeind“ alle Ambitionen auf eine Ostexpansion dauerhaft austreiben, Frankreich motivierte das revanchistische Ziel, die Deutschen hinter den Rhein zurückzudrängen und die „Schmach von 1870/71“ wettzumachen.[101] Der Versailler Vertrag – sowohl seine Inhalte als auch die Art seines Zustandekommens – von 1919 war von französischem Revanchebedürfnis geprägt und legte Grundlagen für die tiefgreifende Krise der jungen Weimarer Republik und den Aufstieg des Nationalsozialismus.

Für den Kirchenstaat

Mit dem Kriegsausbruch wurde in Rom das Erste Vatikanische Konzil abgebrochen. Die Diskussion zur Unfehlbarkeit des Papstes konnte deshalb nicht beendet werden. Damals befand Rom sich innerhalb eines eigenen Kirchenstaates, welcher seine Unabhängigkeit vom 1861 gegründeten Königreich Italien noch wahren konnte. Die Franzosen hatten den Kirchenstaat lange beschützt, zogen ihre Truppen aber zur Verwendung in Frankreich ab. Daher konnte Italien fast ohne Kämpfe den Kirchenstaat erobern und am 20. September 1870 annektieren. Erst 1929 erlangte der fortan Vatikanstadt genannte und territorial extrem beschnittene Kirchenstaat wieder seine Unabhängigkeit.

Zahlreiche Kriegerdenkmäler von 1870/71 erinnern in Deutschland an die Toten des Krieges, so auch am Christian-Friedrich-Voigt-Platz in Flensburg.

Verluste

Im Sanitäts-Bericht über die Deutschen Heere im Krieg gegen Frankreich 1870/71 werden folgende deutsche Verluste für den Zeitraum 16. Juli 1870 bis 30. Juni 1871 genannt (nur im Feld stehende Truppen):[102]

Gefallen:a 17.255; Verwundet: 99.566, davon nachträglich gestorben: 11.023

an Krankheiten gestorben: 14.904, davon 256 Offiziere

Tote insgesamt: 43.182, davon 1.964 Offiziere

In den (immobilen) Armeen im Deutschen Reich starben im gleichen Zeitraum 2.438 Unteroffiziere und Mannschaften an Krankheiten.

Von den kriegsgefangenen Franzosen wurden 374.995 ins Deutsche Reich gebracht. Von diesen starben dort insgesamt 13.349 in Lazaretten. Weitere 4.284 Kriegsgefangene starben bereits in deutschen Feldlazaretten in Frankreich. Damit kamen 17.633 Franzosen in deutschem Gewahrsam ums Leben.[103]

a Die in der Infobox genannte Zahl von knapp 45.000 gefallenen Deutschen schließt offenbar die knapp 26.000 hier als im Feldlazarett verstorben deklarierten Soldaten mit ein.

Quellen

  • Der deutsch-französische Krieg 1870–1871. Redigiert von der kriegsgeschichtlichen Abteilung des Großen Generalstabes. Mittler, Berlin 1872–1881. (5 Bände, 3 Kartenmappen)
  • Helmuth von Moltke: Geschichte des deutsch-französischen Krieges von 1870–1871. Volksausgabe zur Wiederkehr der Gedenktage unserer vor 25 Jahren erfochtenen Siege in den großen Kämpfen von 1870–1871. Mittler, Berlin 1895. (Reprint: Melchior, Wolfenbüttel 2005, ISBN 3-939102-10-5).
  • Helmuth Graf von Moltke: Geschichte des deutsch-französischen Kriegs von 1870–1871. 1895 (online bei Archive.org)
  • Ernst Theophil Ferdinand Engel: Die Verluste der deutschen Armeen an Offizieren und Mannschaften im Kriege gegen Frankreich 1870 und 1871. Mit 7 graphischen Darstellungen. Berlin 1872.
  • Theodor Fontane: Der Krieg gegen Frankreich 1870–1871. 1873–1876. (Reprint: Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2004, ISBN 3-937135-25-1, ISBN 3-937135-26-X, ISBN 3-937135-27-8).
  • Sigismund von Dobschütz: „Wir sind dahin gekommen, ganze Dörfer niederzubrennen“. Briefe aus dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 und der Okkupationszeit 1872/73 von Paul von Collas an seine Eltern. In: Ostdeutsche Familienkunde. (OFK), ISSN 0472-190X, Heft 1/2006, S. 321 f. (Paul von Collas war damals Generalstabsoffizier und Adjutant unter Karl Friedrich von Steinmetz und später unter General Edwin von Manteuffel, dessen Memoiren er schrieb.)
  • Émile Leclercq: La Guerre de 1870. L’esprit parisien produit du regime impérial. 5. Auflage. Claassen, Brüssel 1871. (Digitalisat als PDF)
  • Jean Francois Lecaillon: Eté 1870. Giovanangeli, Paris 2002, ISBN 2-909034-30-5.
  • Wilhelm Müller: Illustrirte Geschichte des deutsch-französischen Kriegs 1870 und 1871. Melchior, Wolfenbüttel 2006, ISBN 3-939791-06-7. (Nachdruck der Prachtausgabe Hallberger, Stuttgart 1873. (Digitalisat))
  • Verschiedene Ausgaben der Oldenburger Zeitung (Oldenburg), August bis November 1870.

Literatur

  • In seiner Monographie 1870/71. Der Deutsch-Französische Krieg erzählt in Einzelschicksalen nähert sich der deutsche Historiker Tobias Arand dem Kriegsgeschehen über eine multiperspektivische Darstellung an. Der Autor trug hierfür zahlreiche Schriftzeugnisse von Zeitgenossen zusammen, die entweder unmittelbar am Krieg beteiligt waren oder dessen Entwicklung zumindest beobachteten. Zu Wort kommen dabei sowohl prominente Persönlichkeiten wie Bismarck, Fontane, Nietzsche und Sarah Bernhardt, aber auch einfache Soldaten beider Seiten und Opfer des Krieges. Arand demontiert die historiographische Siegererzählung, nach der die nationale Begeisterung und der Jubel über die deutsche Reichsgründung alle kritischen Töne zum Schweigen gebracht hätte. So zeichnet das Buch beispielsweise die fortbestehenden süddeutschen Vorbehalte gegen den preußischen Staat sowie die Existenzängste der Soldaten und ihrer Familien nach. Hiermit zusammenhängend schildert der Autor, dass der Deutsch–Französische Krieg trotz seiner „geringeren“ Dimension bereits viel von der späteren industriellen Massentötung der beiden Weltkriege vorwegnahm.[104] Vgl. Arand, Tobias: 1870/71. Der Deutsch-Französische Krieg erzählt in Einzelschicksalen. Hamburg 2018, ISBN 978-3-95510-167-1.
  • Arand, Tobias (Hrsg.): Der großartigste Krieg, der je geführt worden. Beiträge zur Geschichtskultur des Deutsch-Französischen Kriegs 1870/71. (= Geschichtskultur und Krieg. Band 2). Universität Münster Zentrale Koordination Lehrerausbildung (ZfL), Münster 2008, ISBN 978-3-934064-82-9.
  • Audoin-Rouzeau, Stéphane: 1870. La France dans la guerre. Paris 1989, DNB 1011031361. (französisch)
  • Bucholz, Arden: Moltke and the German Wars of Unification, 1864–1871. Palgrave 2001, ISBN 0-333-68758-2 (englisch).
  • Buschmann, Nikolaus; Langewiesche, Dieter, „Dem Vertilgungskriege Grenzen setzen“: Kriegstypen des 19. Jahrhunderts und der deutsch-französischer Krieg 1870/71. Gehegter Krieg – Volks- und Nationalkrieg – Revolutionskrieg – Dschihad, in: Beyrau, Dietrich u. a. (Hgg.), Formen des Krieges. Von der Antike bis zur Gegenwart, Paderborn 2007, S. 163–196.
  • Förster, Stig, Moltke, Helmut (Hrsg.): Vom Kabinettskrieg zum Volkskrieg. Bouvier, Bonn/ Berlin 1992, ISBN 3-416-80655-7.
  • Förster, Stig; Nagler, Jörg (Hrsg.): On the Road to Total War. The American Civil War and the German Wars of Unification, 1861–1871. German Historical Institute, Washington, D.C. 1997, ISBN 0-521-56071-3. (englisch)
  • Ganschow, Jan; Haselhorst, Olaf; Ohnezeit, Maik (Hrsg.): Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71. Vorgeschichte – Verlauf – Folgen. Ares-Verlag, Graz 2009, ISBN 978-3-902475-69-5. (2. Aufl. 2013)
  • Groote, Wolfgang, Ursula von Gersdorff (Hrsg.): Entscheidung 1870. Der deutsch-französische Krieg. Herausgegeben vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt. DVA, Stuttgart 1970, DNB 456546529.
  • Helmert, Heinz; Usczeck, Hansjürgen: Preussischdeutsche Kriege von 1864 bis 1871. Berlin (Ost) 1967, DNB 456955259.
  • Howard, Michael: The Franco-Prussian War. The German Invasion of France, 1870–1871. New York 1961, OCLC 670159189. (2001, ISBN 0-415-26671-8).
  • Jordan, Alexander, Thomas Madeja, Winfried Mönch (Bearb.): Von Kaiser zu Kaiser. Erinnerungen an den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. Katalog zur Sonderausstellung, 31. Juli bis 31. Oktober 2010 im Wehrgeschichtlichen Museum Rastatt (= Studiensammlungen und Sonderausstellungen im Wehrgeschichtlichen Museum Rastatt. Nr. 8). Hrsg. durch die Vereinigung der Freunde des Wehrgeschichtlichen Museums Schloss Rastatt. Rastatt 2010, ISBN 978-3-9810460-5-2.
  • Kolb, Eberhard: Der Weg aus dem Krieg. Bismarcks Politik im Krieg und Friedensanbahnung 1870/71. 1989, ISBN 3-486-54641-4.
  • Kolb, Eberhard: Der schwierige Weg zum Frieden. Das Problem der Kriegsbeendigung 1870/71 (= Schriften des Historischen Kollegs. Vorträge. Band 11). München 1985. (Digitalisat)
  • Kolb, Eberhard (Hrsg.): Europa vor dem Krieg von 1870. Mächtekonstellation – Konfliktfelder – Kriegsausbruch (= Schriften des Historischen Kollegs. Kolloquien. 10). München 1987. (Digitalisat)
  • Kühlich, Frank, Die deutschen Soldaten im Krieg von 1870/71. Eine Darstellung der Situation und der Erfahrungen der deutschen Soldaten im Deutsch-Französischen Krieg, Frankfurt/Main 1995
  • Levillain, Philippe; Riemenschneider, Rainer (Hrsg.): La guerre 1870/71 et ses conséquences. Bouvier, Bonn 1990, ISBN 3-416-80579-8. (deutsch und französisch) (Digitalisat)
  • In ihrem Werk Statuswechsel. Kriegserfahrung und nationale Wahrnehmung im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 untersucht die Historikerin Heidi Mehrkens, inwieweit die im Deutsch–Französischen Krieg gesammelten Erfahrungen eine nationale Identifikation bzw. nationale Feindbilder begünstigten. Sie beleuchtet dies vor allem am Beispiel von sogenannten „Statuswechselern“. Darunter versteht sie Menschen, deren Stellung sich im Krieg wandelte – etwa Kriegsgefangene, Partisanen, Spione, Flüchtlinge, Geisel und Verwundete. Einerseits, so Mehrkens, sei der Nationalismus auf beiden Seiten durch den Krieg verschärft worden. Hierfür seien insbesondere Kämpfe mit bewaffneten Zivilisten, die Artilleriebombadierung von Paris und Geiselnahmen verantwortlich. Andererseits wurden Kriegsgefangene und Verletzte durchaus nach den Maßstäben des damaligen Kriegsrechtes behandelt. Die nationalistische Aufladung des Deutsch–Französischen Krieges sei insbesondere durch die Presse propagiert worden und habe sich selbst auf die Korrespondenz der kämpfenden Soldaten ausgewirkt.[105][106] Vgl. Mehrkens, Heidi: Statuswechsel. Kriegserfahrung und nationale Wahrnehmung im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. Essen 2008, ISBN 978-3-89861-565-5.
  • Roth, François: La guerre de 1870. Fayard, Paris 1990, ISBN 2-213-02321-2.
  • In seiner Dissertation Die Heimatfront 1870/71. Wirtschaft und Gesellschaft im deutsch-französischen Krieg stuft Alexander Seyferth den Deutsch-Französischen Krieg als eine Etappe auf dem Weg zu den totalen Kriegen des 20. Jahrhunderts ein. Er begründet diese Charakterisierung mit der besonderen Rolle der Heimatfront – also einer intensiven Einbeziehung der Zivilbevölkerung. Die Arbeit gliedert sich in zwei zentrale Teile. Der erste Teil befasst sich mit der zivilen Wahrnehmung auf den Krieg. Der zweite Teil thematisiert die Versuche der Politik, Wirtschaft und Presse im Hinblick auf den Krieg zu lenken. Seyferth zeigt, dass der neue deutsche Staat durchaus ein Interesse daran haben musste, die öffentliche Stimmung zu kontrollieren: Da die militärische Auseinandersetzung auch nach der Gefangennahme von Napoleon III. nicht beendet war, regte sich durchaus Kriegskritik. Hierauf musste, so Seyferth, die preußisch-deutsche Politik reagieren und legte damit bereits Grundlagen für eine moderne Kriegspropaganda. Der Deutsch–Französische Krieg traf auch das Wirtschaftsleben hart. Wegen des Fronteinsatzes der wehrpflichtigen Soldaten fehlten vielfach Arbeitskräfte und erhöhten sich die Produktionskosten. Die Historikerin Christine Krüger kritisiert an Seyferths Ansatz unter anderem, dass die Heimatfront nur ein Kennzeichen des totalen Krieges unter vielen sei. Zudem spreche der humane Umgang mit Kriegsgefangenen gegen eine völlige Entrechtlichung im Krieg. Es sei den Konfliktparteien im Vergleich zu den Weltkriegen gelungen, die Konfrontation nach relativ kurzer Zeit wieder zu beenden und eine weitere Radikalisierung somit einzudämmen.[107] Vgl. Seyferth, Alexander: Die Heimatfront 1870/71. Wirtschaft und Gesellschaft im deutsch-französischen Krieg. Paderborn 2007. ISBN 978-3-506-75663-3.
  • Showalter, Dennis: The Wars of German Unification. 2004, ISBN 0-340-58017-8.
  • Steinbach, Matthias: Abgrund Metz. Kriegserfahrung, Belagerungsalltag und nationale Erziehung im Schatten einer Festung 1870/71. (= Schriftenreihe Pariser historische Studien). Oldenbourg, München 2002, ISBN 3-486-56609-1.
  • Stoneman, Mark R.: The Bavarian Army and French Civilians in the War of 1870–1871. Magisterarbeit. Universität Augsburg, 1994.
  • Stoneman, Mark R.: The Bavarian Army and French Civilians in the War of 1870–1871. A Cultural Interpretation. In: War in History. Jg. 8, Nr. 3, 2001, S. 271–293.
  • Stoneman, Mark R.: Die deutschen Greueltaten im Krieg 1870/71 am Beispiel der Bayern. In: Sönke Neitzel, Daniel Hohrath (Hrsg.): Kriegsgreuel. Die Entgrenzung der Gewalt in kriegerischen Konflikten vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert. Paderborn 2008, ISBN 978-3-506-76375-4, S. 223–239.
  • In seinem Buch The Franco-Prussian War. The German conquest of France in 1870–1871 analysiert der US-amerikanische Militärhistoriker Geoffrey Wawro die Ursachen der französischen Niederlage. Er betont das Zögern und die Planlosigkeit der französischen Militärführung. Die hohen Offiziere hätten es nicht verstanden, den Hauptvorteil der französischen Armee, das neuartige Chassepotgewehr, auszuspielen. Entscheidend für den deutschen Erfolg sei die quantitative Verfügbarkeit an Soldaten gewesen (circa 850 000 französische Einsatzkräfte gegen 1,3 Millionen deutsche Soldaten). Im späteren Verlauf trug, so Wawro, auch die Stärke der deutschen Artillerie zur französischen Niederlage bei. Dem taktischen Geschick der preußischen Militärführung in den Schlachten misst er eher weniger Bedeutung bei. Diese habe für ein möglichst schnelles Vorrücken der Fußtruppen oft hohe Verluste in Kauf genommen und die Artillerie meist erst sehr spät eingesetzt. Wawro macht aber auch auf den schnelleren deutschen Truppentransport an die Grenze aufmerksam, der den Kampf frühzeitig schwerpunktmäßig auf französisches Gebiet verlagert habe. Die britische Historikerin Pamela Pilbeam bemängelt an der Darstellung insgesamt, dass zu unklar bleibt, welche konkreten Ziele die beiden Konfliktparteien in dem Krieg anstrebten. Außerdem sei der Ausgang des Konflikts für Frankreich weit härter gewesen, als es Wawro darstellt. Frankreich verlor immerhin hunderttausende Soldaten in den Schlachten, büßte mit der Abtretung von Elsaß-Lothringen 2 Millionen seiner Einwohner ein und verlor 70 % seiner bisherigen Eisenerzversorgung.[108] Vgl. Wawro, Geoffrey: The Franco-Prussian War. The German Conquest of France in 1870-1871. Cambridge University Press, Cambridge 2003, ISBN 0-521-58436-1 (englisch).
  • In seiner Monografie Duell der Giganten. Bismarck, Napoleon III. und die Ursachen des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 beschreibt der US-amerikanische Historiker David Wetzel die Vorgeschichte des Deutsch-Französischen Krieges als eine personengeschichtliche Auseinandersetzung zwischen dem Bundeskanzler des Norddeutschen Bundes und dem französischen Kaiser. Neben den beiden für Wetzel zentralen Protagonisten (Bismarck und Napoleon III.) spielte aber auch deren Umgebung eine wichtige Rolle für die Auslösung des Krieges. Der Autor nennt hier vor allem den preußischen König Wilhelm I., die französische Kaiserin Eugénie, den französischen Ministerpräsidenten Émile Ollivier und den französischen Außenminister Gramont. Vor allem Ollivier und Gramont werden als die für den Krieg hauptverantwortlichen Akteure angesehen. Bismarck arbeitete – so die Einschätzung von Wetzel – nicht auf einen Krieg mit Frankreich hin. Vielmehr habe Bismarck mit der Spanischen Thronkandidatur versucht, Frankreichs Aufmerksamkeit von seiner deutschen Einigungspolitik abzulenken. Die französische Regierung reagierte auf das spanische Projekt weit aggressiver als es Bismarck vorhersehen konnte. Steffen Bruendel wirft Wetzels Darstellung vor, strukturelle Faktoren, die auf die Entscheidungen der Protagonisten einwirkten, zu sehr außen vor zu lassen.[109] Vgl. Wetzel, David: Duell der Giganten. Bismarck, Napoleon III. und die Ursachen des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71. Schöningh, Paderborn u. a. 2005, ISBN 3-506-71791-X.

Weblinks

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Einzelnachweise

  1. https://www.dhm.de/lemo/kapitel/kaiserreich/das-reich/krieg1870/
  2. https://www.dhm.de/lemo/kapitel/kaiserreich/das-reich/krieg1870/
  3. Michael Clodfelter: Warfare and armed conflicts: a statistical reference to casualty and other figures, 1500–2000. Mc Farland, Jefferson NC, 2002, ISBN 0-7864-1204-6, S. 210.
  4. Frédérick Nolte: L'Europe militaire et diplomatique au dix-neuvième siècle, 1815–1884. E. Plon, Nourrit et ce., 1884, S. 527 (französisch).
  5. Nolte: L'Europe militaire et diplomatique. 1884, S. 526–527.
  6. Diese Bezeichnung findet sich beispielsweise als Titel bei einem Sammelband von Eberhard Kolb (Hrsg.): Europa vor dem Krieg von 1870. Mächtekonstellation – Konfliktfelder – Kriegsausbruch (= Schriften des Historischen Kollegs. Kolloquien. 10). München 1987. Siehe auch: Frank Kühlich, Die deutschen Soldaten im Krieg von 1870/71. Eine Darstellung der Situation und der Erfahrungen der deutschen Soldaten im Deutsch-Französischen Krieg, Frankfurt/Main 1995.
  7. Diese Bezeichnung findet sich beispielsweise als Titel bei einer Monographie von Michael Howards: The Franco-Prussian War. The German Invasion of France, 1870–1871. New York 1961. Siehe auch: Geoffrey Wawro: The Franco-Prussian War. The German Conquest of France in 1870-1871. Cambridge University Press, Cambridge 2003,
  8. Geoffrey Wawro: The Franco-Prussian War: The German Conquest of France in 1870–1871. Cambridge 2005, S. 8.
  9. Geoffrey Wawro: The Franco-Prussian War: The German Conquest of France in 1870–1871. Cambridge 2005, S. 9.
  10. Geoffrey Wawro: The Franco-Prussian War: The German Conquest of France in 1870–1871. Cambridge 2005, S. 11.
  11. Geoffrey Wawro: The Franco-Prussian War: The German Conquest of France in 1870–1871. Cambridge 2005, S. 26.
  12. Geoffrey Wawro: The Franco-Prussian War: The German Conquest of France in 1870–1871. Cambridge 2005, S. 13.
  13. Geoffrey Wawro: The Franco-Prussian War: The German Conquest of France in 1870–1871. Cambridge 2005, S. 14.
  14. Geoffrey Wawro: The Franco-Prussian War: The German Conquest of France in 1870–1871. Cambridge 2005, S. 17–18.
  15. Geoffrey Wawro: The Franco-Prussian War: The German Conquest of France in 1870–1871. Cambridge 2005, S. 16–17.
  16. Geoffrey Wawro: The Franco-Prussian War: The German Conquest of France in 1870–1871. Cambridge 2005, S. 19.
  17. Ulrich Kühn: Der Grundgedanke der Politik Bismarcks (Dissertation). Döttelbach 2001, S. 262.
  18. Geoffrey Wawro: The Franco-Prussian War: The German Conquest of France in 1870–1871. Cambridge 2005, S. 19.
  19. Ulrich Kühn: Der Grundgedanke der Politik Bismarcks (Dissertation). Döttelbach 2001, S. 262–263.
  20. Eberhard Kolb: Bismarck. München 2009, S. 81.
  21. Eberhard Kolb: Bismarck. München 2009, S. 82.
  22. Gerd Fesser: Sedan 1870. Ein unheilvoller Sieg. Paderborn 2019, S. 16–17.
  23. Klaus-Jürgen Bremm: 70/71. Preußens Triumph über das Kaiserreich Frankreich und die Folgen. Darmstadt 2019, S. 30.
  24. Klaus-Jürgen Bremm: 70/71. Preußens Triumph über das Kaiserreich Frankreich und die Folgen. Darmstadt 2019, S. 28 und 31.
  25. Christoph Nonn: Bismarck. Ein Preuße und sein Jahrhundert. München 2015, S. 180.
  26. Geoffrey Wawro: The Franco-Prussian War: The German Conquest of France in 1870–1871. Cambridge 2005, S. 23.
  27. Klaus-Jürgen Bremm: 70/71. Preußens Triumph über das Kaiserreich Frankreich und die Folgen. Darmstadt 2019, S. 31.
  28. Klaus-Jürgen Bremm: 70/71. Preußens Triumph über das Kaiserreich Frankreich und die Folgen. Darmstadt 2019, S. 33.
  29. Gerd Fesser: Sedan 1870. Ein unheilvoller Sieg. Paderborn 2019, S. 18.
  30. Eberhard Kolb: Bismarck. München 2009, S. 85.
  31. Klaus-Jürgen Bremm: 70/71. Preußens Triumph über das Kaiserreich Frankreich und die Folgen. Darmstadt 2019, S. 33.
  32. Eberhard Kolb: Bismarck. München 2009, S. 85.
  33. Gerd Fesser: Sedan 1870. Ein unheilvoller Sieg. Paderborn 2019, S. 18.
  34. Geoffrey Wawro: The Franco-Prussian War. The German Conquest of France in 1870–1871. Cambridge 2005, S. 34.
  35. Klaus-Jürgen Bremm: 70/71. Preußens Triumph über das Kaiserreich Frankreich und die Folgen. Darmstadt 2019, S. 36–37.
  36. Geoffrey Wawro: The Franco-Prussian War. The German Conquest of France in 1870–1871. Cambridge 2005, S. 34.
  37. Andreas Biefang: Der Reichsgründer? Bismarck, die nationale Verfassungsbewegung und die Entstehung des Deutschen Kaiserreichs, in: Ulrich Lappenküper (Hrsg.): Otto von Bismarck und das lange 19. Jahrhundert. Lebendige Vergangenheit im Spiegel der Friedrichsruher Beiträge, Friedrichsruh 1999, S. 124–146, hier S. 140–141.
  38. Eberhard Kolb: Bismarck. München 2009, S. 85.
  39. Klaus-Jürgen Bremm: 70/71. Preußens Triumph über das Kaiserreich Frankreich und die Folgen. Darmstadt 2019, S. 39.
  40. Gerd Fesser: Sedan 1870. Ein unheilvoller Sieg. Paderborn 2019, S. 21.
  41. Gerd Fesser: Sedan 1870. Ein unheilvoller Sieg. Paderborn 2019, S. 22.
  42. Michael Erbe Napoleon III. 1848/52-1870, in: Peter C. Hartmann (Hrsg.): Französische Könige und Kaiser der Neuzeit. Von Ludwig XII. bis Napoleon III. 1498–1870, München 2006, S. 422–452, hier S. 450.
  43. Klaus-Jürgen Bremm: 70/71. Preußens Triumph über das Kaiserreich Frankreich und die Folgen. Darmstadt 2019, S. 39.
  44. Christoph Nonn: Bismarck. Ein Preuße und sein Jahrhundert, München 2015, S. 184.
  45. Geoffrey Wawro: The Franco-Prussian War. The German Conquest of France in 1870–1871. Cambridge 2005, S. 35.
  46. Tobias Arand: 1870/71. Der Deutsch-Französische Krieg erzählt in Einzelschicksalen. Osburg, Hamburg 2018, S. 91.
  47. Tobias Arand: 1870/71. Der Deutsch-Französische Krieg erzählt in Einzelschicksalen. Osburg, Hamburg 2018, S. 94.
  48. Klaus-Jürgen Bremm: 70/71. Preußens Triumph über das Kaiserreich Frankreich und die Folgen. Darmstadt 2019, S. 40.
  49. Geoffrey Wawro: The Franco-Prussian War. The German Conquest of France in 1870–1871. Cambridge 2005, S. 35.
  50. Gerd Fesser: Sedan 1870. Ein unheilvoller Sieg. Paderborn 2019, S. 23.
  51. Klaus-Jürgen Bremm: 70/71. Preußens Triumph über das Kaiserreich Frankreich und die Folgen. Darmstadt 2019, S. 41.
  52. Gerd Fesser: Sedan 1870. Ein unheilvoller Sieg. Paderborn 2019, S. 23.
  53. Eberhard Kolb: Bismarck. München 2009, S. 87.
  54. Gerd Fesser: Sedan 1870. Ein unheilvoller Sieg. Paderborn 2019, S. 24.
  55. Christoph Nonn: Bismarck. Ein Preuße und sein Jahrhundert, München 2015, S. 185.
  56. Klaus-Jürgen Bremm: 70/71. Preußens Triumph über das Kaiserreich Frankreich und die Folgen. Darmstadt 2019, S. 43.
  57. Gerd Fesser: Sedan 1870. Ein unheilvoller Sieg. Paderborn 2019, S. 24. und Geoffrey Wawro: The Franco-Prussian War. The German Conquest of France in 1870–1871. Cambridge 2005, S. 35.
  58. Klaus-Jürgen Bremm: 70/71. Preußens Triumph über das Kaiserreich Frankreich und die Folgen. Darmstadt 2019, S. 44.
  59. Gerd Fesser: Sedan 1870. Ein unheilvoller Sieg. Paderborn 2019, S. 26.
  60. Eberhard Kolb: Bismarck. München 2009, S. 88.
  61. Christoph Nonn: Bismarck. Ein Preuße und sein Jahrhundert, München 2015, S. 186.
  62. Gerd Fesser: Sedan 1870. Ein unheilvoller Sieg. Paderborn 2019, S. 27.
  63. Klaus-Jürgen Bremm: 70/71. Preußens Triumph über das Kaiserreich Frankreich und die Folgen. Darmstadt 2019, S. 44–45.
  64. Klaus-Jürgen Bremm: 70/71. Preußens Triumph über das Kaiserreich Frankreich und die Folgen. Darmstadt 2019, S. 45. und Gerd Fesser: Sedan 1870. Ein unheilvoller Sieg. Paderborn 2019, S. 27.
  65. Klaus-Jürgen Bremm: 70/71. Preußens Triumph über das Kaiserreich Frankreich und die Folgen. Darmstadt 2019, S. 43–44.
  66. Klaus-Jürgen Bremm: 70/71. Preußens Triumph über das Kaiserreich Frankreich und die Folgen. Darmstadt 2019, S. 226.
  67. Hermann Rumschöttel: Ludwig II. von Bayern, München 2011, S. 59.
  68. Hermann Rumschöttel: Ludwig II. von Bayern, München 2011, S. 59.
  69. Tobias Arand: 1870/71. Der Deutsch-Französische Krieg erzählt in Einzelschicksalen. Osburg, Hamburg 2018, S. 118.
  70. Tobias Arand: 1870/71. Der Deutsch-Französische Krieg erzählt in Einzelschicksalen. Osburg, Hamburg 2018, S. 118–119.
  71. Lothar Höbelt, Revanche pour Sadowa? Österreich und der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 in: Jan Ganschow, Olaf Haselhorst, Maik Ohnezeit (Hrsg.): Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71. Vorgeschichte, Verlauf, Folgen, Graz 2009, S. 178-189, hier S. 179.
  72. Tobias Arand: 1870/71. Der Deutsch-Französische Krieg erzählt in Einzelschicksalen. Osburg, Hamburg 2018, S. 122.
  73. Lothar Höbelt, Revanche pour Sadowa? Österreich und der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 in: Jan Ganschow, Olaf Haselhorst, Maik Ohnezeit (Hrsg.): Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71. Vorgeschichte, Verlauf, Folgen, Graz 2009, S. 178-189, hier S. 179.
  74. Lothar Höbelt, Revanche pour Sadowa? Österreich und der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 in: Jan Ganschow, Olaf Haselhorst, Maik Ohnezeit (Hrsg.): Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71. Vorgeschichte, Verlauf, Folgen, Graz 2009, S. 178-189, hier S. 180.
  75. Klaus-Jürgen Bremm: 70/71. Preußens Triumph über das Kaiserreich Frankreich und die Folgen. Darmstadt 2019, S. 76.
  76. Tobias Arand: 1870/71. Der Deutsch-Französische Krieg erzählt in Einzelschicksalen. Osburg, Hamburg 2018, S. 82.
  77. Tobias Arand: 1870/71. Der Deutsch-Französische Krieg erzählt in Einzelschicksalen. Osburg, Hamburg 2018, S. 179.
  78. Tobias Arand: 1870/71. Der Deutsch-Französische Krieg erzählt in Einzelschicksalen. Osburg, Hamburg 2018, S. 121.
  79. Christopher Clark: Preußen. Aufstieg und Niedergang. 1600–1947. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2007, ISBN 978-3-421-05392-3, S. 628.
  80. Arnd Krüger: A Horse Breeder's Perspective. Scientific Racism in Germany. 1870–1933. In: Norbert Finzsch, Dietmar Schirmer (Hrsg.): Identity and Intolerance. Nationalism, Racism, and Xenophobia in Germany and the United States. University Press Cambridge, Cambridge 1998, ISBN 0-521-59158-9, S. 371–396.
  81. Frank Becker: Buchrezension zu: C. Krüger: „Sind wir denn nicht Brüder?“. Deutsche Juden im nationalen Krieg 1870/71. Verlag Schöningh, 2006, ISBN 3-506-75648-6. In: H-Soz-Kult. Abgerufen am 15. März 2017.
  82. Christine G. Krüger, Projektskizze zu: Die deutschen Juden zur Zeit des deutsch-französischen Krieges 1870/71. Universität Oldenburg. Abgerufen am 15. März 2017.
  83. Siehe Heinz Helmert: Kriegspolitik und Strategie, Berlin 1970, S. 256.
  84. Siehe Heinz Helmert, Hansjürgen Usczeck: Preußischdeutsche Kriege von 1864 bis 1871. Militärischer Verlauf. 4. Auflage. Berlin 1978, S. 174, 179.
  85. Marcus Junkelmann: Die Eisenbahn im Krieg. Militärische Theorie und Kriegsgeschehen bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs. In: Zug der Zeit–Zeit der Züge. Deutsche Eisenbahn 1835–1985. Band 1, Siedler, Berlin 1985.
  86. Ernst Engelberg: Bismarck. Urpreuße und Reichsgründer. München 1991, S. 629.
  87. Engelberg: Bismarck. 1991, S. 625.
  88. Siehe Helmert, Usczeck: Preußischdeutsche Kriege von 1864 bis 1871. 1978, S. 251.
  89. Zitiert nach Engelberg: Bismarck. 1991, S. 631.
  90. Siehe Helmert, Usczeck: Preußischdeutsche Kriege von 1864 bis 1871. 1978, S. 288.
  91. Zitiert nach Engelberg: Bismarck. 1991, S. 629.
  92. Siehe Helmert, Usczeck: Preußischdeutsche Kriege von 1864 bis 1871. 1978, S. 289.
  93. Siehe Engelberg: Bismarck. 1991, S. 624 ff.
  94. Siehe Engelberg: Bismarck. 1991, S. 627.
  95. Volltext Reparationen = Artikel 2, Zahlungsfristen und -bedingungen Artikel 7.
  96. Vincent Joly: Les Résistances à la Conquête 1830–1880. In: Abderrahmane Bouchène, Jean-Pierre Peyroulou, Ouanassa Siara Tengour, Sylvia Thênault: Histoire de l'Algérie à la Période Coloniale. Paris 2014, S. 100f.
  97. Klaus-Jürgen Bremm: 70/71: Preußens Triumph über Frankreich und die Folgen. Theiss, Darmstadt 1019.
  98. Weitere Bismarck-Zitate dazu siehe: Eberhard Kolb: Der Weg aus dem Krieg: Bismarcks Politik im Krieg und die Friedensanbahnung 1870/71. 2. Auflage. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 1990, ISBN 3-486-54642-2, S. 159 ff.
  99. Annotierte und kommentierte Literatur @1@2Vorlage:Toter Link/www.deuframat.de(Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: deuframat.de)
  100. Deutschlandfunk – Kalenderblatt „Warum haben sie Jaurès getötet?“ Abgerufen am 3. Dezember 2019 (deutsch).
  101. Anmerkung: die linksrheinischen Gebiete Deutschlands waren während der Franzosenzeit schon einmal – etwa von 1794 bis 1814 – unter französischer Herrschaft gewesen.
  102. Militär-Medizinal-Abtheilung des Preussisch Königlichen Kriegsministeriums (Hrsg.): Sanitäts-Bericht über die Deutschen Heere im Krieg gegen Frankreich 1870/71. Zweiter Band: Morbidität und Mortalität bei den deutschen Heeren und bei den in Deutschland untergebrachten kriegsgefangenen Franzosen. Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1886, siehe Tabelle 171 (S. 412) und Tabelle 192 (S. 432)
  103. ibidem, Tabelle 212 (S. 472)
  104. Geiss: Rezension von: Tobias Arand: 1870/71. Die Geschichte des Deutsch-Französischen Krieges erzählt in Einzelschicksalen, Berlin: Osburg Verlag 2018, in: sehepunkte 19 (2019), Nr. 10 vom 15. Oktober 2019
  105. Christine G. Krüger: Rezension von: Heidi Mehrkens: Statuswechsel. Kriegserfahrung und nationale Wahrnehmung im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71, Essen: Klartext 2008, in: sehepunkte 9 (2009), Nr. 4 vom 15. April 2009
  106. Mark Stoneman: Rezension zu: Mehrkens, Heidi: Statuswechsel. Kriegserfahrung und nationale Wahrnehmung im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. Essen 2008
  107. Christine Krüger: Rezension zu: Seyferth, Alexander: Die Heimatfront 1870/71. Wirtschaft und Gesellschaft im deutsch-französischen Krieg. Paderborn 2007. ISBN 978-3-506-75663-3, in: H-Soz-Kult vom 9. August 2007.
  108. Pamela Pilbeam: Rezension zu: Geoffrey Wawro, The Franco-Prussian War. The German Conquest of France in 1870–1871. In: Revue d’histoire du XIXe siècle. Pour une histoire culturelle de la guerre au XIXe siècle. Nr. 30, 2005, doi:10.4000/rh19.925 (englisch, französisch, openedition.org [abgerufen am 25. Februar 2020]). Rezensiertes Werk: Geoffrey Wawro: The Franco-Prussian War. The German Conquest of France in 1870-1871. Cambridge University Press, Cambridge 2003, ISBN 0-521-58436-1 (englisch).
  109. Steffen Bruendel: Rezension von: David Wetzel: Duell der Giganten. Bismarck, Napoleon III. und des Deutsch-Französische Krieg 1870–1871. Aus dem Englischen von Michael Epkenhans, Paderborn 2005, in: sehepunkte 6 (2006), Nr. 3 vom 15. März 2006

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Fürst Otto von Bismarck-Schönhausen
preußisch-deutscher Staatsmann,
geb. 1.4.1815 Schönhausen, gest. 30.7.1898 Friedrichsruh.
1862 wurde er zum preußischen Ministerpräsidenten und Außenminister berufen, ab 1867 zum Kanzler des Norddeutschen Bundes. Von 1871 bis 1890 war er Reichskanzler des am 18.1.1871 von ihm gegründeten Deutschen Kaiserreiches.

Bismarck inmitten seines Stabs im Hauptquartier von Versailles 1871, rechts neben ihm sitzend Paul von Hatzfeld und von Keudell, stehend v.l.n.r. Graf Wartensleben, Wellmann, Graf Bismarck-Bohlen, Blanquart, Delbrück (mit Zylinder), Zezulke, Bucher, Wiehr, Abeken, Willisch, Dr. Busch, Taglioni, Wagner und v. Holstein.