Der von Wengen

Der von Wengen, Sangspruchdichter aus dem Codex Manesse

Der von Wengen (zweite Hälfte des 13. Jh.) ist im Codex Manesse als Dichter beschrieben mit Miniatur und Sangsprüchen. Er wirkte im Raum Frauenfeld der heutigen Schweiz, weshalb er als Schweizer Minnesänger gilt.

Leben und historische Einordnung

Die Existenz der Edlen von Wengen ist belegt; sie waren ursprünglich Dienstleute der Toggenburger. Ihre Burg stand am Ufer des Flusses Murg oberhalb Frauenfeld[1], vermutlich in der Nähe der heutigen Gemeinde Wängi. Das Wappen des Minnesängers im Codex Manesse entspricht denn auch dem heutigen Wappen der Gemeinde Wängi. Als die Edlen von Wengen um 1232 in die Fehde zwischen den Toggenburgern und den St. Gallern gerieten, fiel ihre Burg an das Stift St. Gallen. Die Familie scheint danach verarmt zu sein, doch der Mannesstamm lebte weiter, da noch 1493 ein Junker Hans von Wengi einen Lehenbrief siegelte[2].

In der Allgemeinen Deutschen Biographie wird Der von Wengen mit «ziemlicher Sicherheit» dem Burkhard von Wengen gleichgesetzt, der zwischen 1258 und 1273 belegt und um 1296 gestorben ist[3]. Diese Darstellung wird heute nicht mehr geteilt[4]. Grund dafür ist, dass in einer neueren Betrachtung der historischen Dokumente keine belastbaren Indizien gefunden wurden[5]. Belegbar hingegen ist, dass Der von Wengen in den Jahren 1240–1250, d. h. zur Zeit der Auseinandersetzungen zwischen Papst Innozenz IV. und Kaiser Friedrich II., aktiv war. In diesem Zeitraum lassen sich die folgenden Personen nachweisen:

Burkhard von Wengen (älterer)

  • urkundlich erwähnt 1229 als Zeuge in einer thurgauischen Urkunde
  •   Kinder:
    •     Heinrich von Wengen (urkundlich 1227 als confrater des Klosters St. Ulrich in Kreuzlingen erwähnt)
    •     Mechthild von Wengen (Nonne im Fraumünster Zürich)
    •     Guta von Wengen (Nonne, erwähnt im Nekrolog von Tobel)
    •     Hemma de Wenguo (im Nekrolog des Fraumünsters erwähnt)
    •     Adelheid von Wengi (im Nekrolog des Klosters Tännikon erwähnt)

Burkhard von Wengen (jüngerer)

  •   urkundlich erwähnt 1263 und 1273 als Ministerialer
  •   Ehefrau: Margareta
  •   Kinder:
    •     Heinrich von Wengen
    •     Berthold von Wengen
    •     Agnes von Wengen

Belege für die Zugehörigkeit des Dichters zu einer dieser Personen fehlen jedoch bis heute. Daher gilt eine eindeutige Identifizierung des Dichters, dessen Vorname nicht überliefert ist, als nicht gelungen[5]. Mit einiger Sicherheit stand Der von Wengen in Verbindung mit der antistaufischen Bewegung und persönlich engem Kontakt mit Graf Hartmann IV. von Kyburg, in dessen Dienst er vermutlich tätig war. Darüber hinaus unterhielt er Beziehungen zu Ulrich II. von Klingen, einem Verbündeten Hartmanns IV. von Kyburg.

Dichtung und Werk

Vom Autor sind 3 Sangsprüche im Codex Manesse überliefert, sie enthalten politische Botschaften. Ein Sangspruch ist klar pro Kyburg und legt die Vermutung nahe, dass dieser Sangspruch eine Auftragsarbeit gewesen war. Andere Sangsprüche bzw. Teile davon sind auch unter anderen Autorennamen in der Jenaer und der Kolmarer Liederhandschrift überliefert. Bemerkenswert ist darüber hinaus, dass den 3 Sangsprüchen ihre Melodien zugeordnet werden können, nämlich der Hofton Reinmars von Brenneberg, Alments von Stolle und der Ton III von Hardegger[6].

Einzelnachweise

  1. Karl Bartsch: Die Schweizer Minnesänger. Hrsg.: Karl Bartsch. J. Huber, Frauenfeld 1886, S. LXI.
  2. Johann Adam Pupikofer: Geschichte des Thurgaus. 2., vollständig umgearbeitete Ausgabe Auflage. Band 1. J. Huber, Frauenfeld 1886, S. 457.
  3. Der von Wengen. In: Deutsche Biographie. Abgerufen am 23. Februar 2026.
  4. Das Mittelalter. In: Deutsches Literatur-Lexikon. De Gruyter, Berlin; New York 2011, ISBN 978-3-598-24991-4.
  5. a b Max Schiendorfer: Autoren des 13. Jahrhunderts und ihre historische Lebenswirklichkeit. Fallstudien am Beispiel «schweizerischer» Minnesänger aus der Manessischen Liederhandschrift. Habil. Universität Zürich, Zürich 1996, S. 359 ff. (academia.edu [abgerufen am 23. Februar 2026]).
  6. Sandra Hofer: Der von Wengen. In: Lyrik des deutschen Mittelalters. Abgerufen am 23. Februar 2026.

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Große Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse) — Zürich, ca. 1300 bis ca. 1340.png
Codex Manesse (Große Heidelberger Liederhandschrift), UB Heidelberg, Cod. Pal. germ. 848, fol. 300r: Von Wengen