Der Messias (Händel, arr. Mozart)

Baron van Swieten, der die Bearbeitung von Händels Musik durch Mozart veranlasste

Der Messias, KV 572, ist eine Bearbeitung, die Wolfgang Amadeus Mozart 1789 von Händels Oratorium Messiah anfertigte. Seine Version beruht auf einem deutschen Text und benutzt ein Orchester, in dem Blasinstrumente anders eingesetzt werden als in Händels barockem Werk, das 1742 in Dublin uraufgeführt wurde. Mozart schrieb die Fassung auf Initiative von Gottfried van Swieten für mehrere Aufführungen vor geladenen Gästen in Wiener Adelshäusern. Obwohl seine Fassung nur für diese Aufführungen gedacht war, wurde sie 1803, zwölf Jahre nach Mozarts Tod, veröffentlicht. Sie erschien in einer kritischen Ausgabe 1961 in der Neuen Mozart-Ausgabe und wird bis heute gespielt.

Händels Oratorium

Händel vertonte ein englisches Libretto, das Charles Jennens aus Bibelstellen zusammengestellt hatte, wobei er überwiegend Texte aus dem Alten Testament verwendete.[1] Der Aufbau des Oratoriums folgt dem Kirchenjahr. Teil I behandelt Advent, Weihnachten, und das Leben Jesu. Teil II stellt die Passion in den Mittelpunkt, gefolgt von Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten. Teil III widmet sich dem Ende des Kirchenjahres mit dem Blick auf Tod und Auferstehung. Geburt und Tod des Messias werden durch die Prophezeiungen Jesajas dargestellt. Die einzige Szene des Oratoriums ist die Verkündigung an die Hirten aus dem Lukasevangelium. Bilder von Schafen und Hirten durchziehen den Text.[2]

Für die musikalische Deutung des Textes benutzte Händel dieselben Mittel wie in seinen Opern und anderen Oratorien: Solo- und Chorgesang. Nur zwei Sätze sind rein instrumental. Händel setzte vier Stimmen ein, Sopran, Alt, Tenor und Bass, sowohl in solistischen Rezitativen und Arien als auch im Chor. Nur in einem Chorsatz ist der Sopran geteilt, sonst singt der Chor vierstimmig. Die Soli sind oft eine Kombination von Rezitativ und Arie für dieselbe Stimmlage. Händel benutzte sowohl Polyphonie wie Homophonie, um die Texte zu deuten.[3]

Mozarts Bearbeitung

Geschichte

Mozart hatte Händels Messiah wahrscheinlich als Neunjähriger in London 1764/65 gehört[4] und ein weiteres Mal in Mannheim, als er dort 1777 auf dem Weg nach Paris Station machte. Die erste Aufführung des Werkes in Deutschland war 1772 in Hamburg.[5] Carl Philipp Emanuel Bach leitete dort 1775 die erste Aufführung in deutscher Sprache. Die Übersetzung wurde von Friedrich Gottlieb Klopstock und Christoph Daniel Ebeling erstellt[6][7] und für weitere Aufführungen verfeinert.[6]

Mozart arrangierte Händels Messiah wie auch andere seiner Werke für Akademien, also Aufführungen für geladene Gäste in den Häusern von Wiener Adeligen. Sie wurden von Gottfried van Swieten organisiert, der dafür die Gesellschaft der Associierten Cavaliers gegründet hatte. Mozart spielte ein Tasteninstrument in Konzerten der Gesellschaft, zum Beispiel für eine Bearbeitung von Händels Judas Maccabäus durch den Hoftheaterkomponisten Josef Starzer.[8] 1788 wurde Mozart Leiter der Konzerte und bearbeitete Händels Acis and Galatea, gefolgt von Messiah 1789, und im folgenden Jahr Ode for St. Cecilia’s Day (Cäcilienode) und Alexander’s Feast (Das Alexanderfest).[9] Van Swieten besaß eine Ausgabe von Händels Messiah, die bei „Randall and Abel“ 1769 gedruckt worden war.[4] Zwei Kopisten übernahmen aus ihr für Mozart die Satzfolge mit den Tempo- und Dynamikbezeichnungen, die Singstimmen und den Streichersatz, und ließen Platz für die Einfügung weiterer Stimmen.[2][8]

Palais Paar in Wien

Die Proben fanden im Haus van Swietens statt.[8] Der Messias wurde am 6. und 7. März 1789 bei Graf Johann Esterházy mit Mozart am Fortepiano und zwölf Chorsängern aufgeführt. Die Solisten waren Mozarts Schwägerin Aloisia Lange, Katharina von Altomonte, Josef Valentin Adamberger und Ignaz Saal.[10] Das Konzert wurde bei Johann Wenzel Paar wiederholt und zwei weitere Male um Weihnachten des Jahres im Winterpalast des Fürsten Schwarzenberg gegeben.[9]

Mozart plante seine Version für diese Aufführungen nicht für eine Veröffentlichung. Sie wurde 1803, 12 Jahre nach seinem Tod, von Breitkopf & Härtel gedruckt.[9] Der Herausgeber Friedrich Rochlitz verwendete einen anderen Text, eine Mischfassung der Übersetzung von Klopstock-Ebeling und einer Übersetzung von Johann Adam Hiller.[6] Rochlitz würdigte Mozarts Leistung in einer Ankündigung der Publikation in der Allgemeinen musikalischen Zeitung: „Er hat mit äußerster Delikatesse nicht berührt, was über den Stempel seiner Zeit erhaben war … Die Chöre sind ganz gelassen, wie sie Händel geschrieben hat, und nur behutsam hin und wieder durch Blasinstrumente verstärkt.“[8] Die erste Urtextausgabe erschien 1961 als Teil der Neuen Mozart-Ausgabe.

Text und Musik

Mozart lag eine Übersetzung von Klopstock und Ebeling vor, die bereits Carl Philipp Emanuel Bach verwendet hatte.[6] Sie wurde teilweise verändert, wahrscheinlich durch van Swieten.[6]

Mozart schrieb wie in seiner Großen Messe in c-Moll für zwei Solosopranstimmen, während Händel Sopran und Alt verwendet hatte. Manchmal teilte Mozart Chorstellen den Solisten zu, und er änderte die Stimmlage einiger Rezitative und Arien. Er kürzte die Musik, indem er einige Sätze nicht übernahm und von einer Da-capo-Arie nur den Hauptteil singen ließ.[9] Er ersetzte die letzte Arie durch ein Rezitativ,[10] und fand van Swietens Zustimmung, der ihm schrieb: „Ihr Gedanke, den Text der kalten Arie in ein Recitativ zu bringen, ist vortrefflich ... Wer Händel so feierlich und so geschmackvoll kleiden kann, dass er einerseits auch den Modegecken gefällt, und andererseits doch immer in seiner Erhabenheit sich zeigt, der hat seinen Werth gefühlt, der ist zu der Quelle seines Ausdrucks gelangt, und kann und wird sich daraus schöpfen“.[8]

Mozart benutzte ein Symphonieorchester seiner Zeit, wie Händel ein barockes Orchester verwendet hatte, wobei auch Händel seine Werke jeweils den zur Verfügung stehenden Musikern anpasste. Mozarts Orchester besteht aus zwei Flöten mit Piccolo, zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotten, zwei Hörnern, drei Posaunen, zwei Trompeten, Pauken, Streichern und einem Tasteninstrument. Mozart setzte vor allem die Blasinstrumente (Harmonie) mehr ein und gab durch bestimmte Instrumente einzelnen Sätzen eine besondere Farbe.[9] Mozart verwendete Klarinetten, die erst zu seiner Zeit Eingang ins Orchester fanden.[9] Er gab Oboen und Fagotten unabhängige Stimmen, während Händel die Oboen lediglich zur Stimmverdoppelung und das Fagott als Teil des Continuo einsetzte.[10] In einigen Chorsätzen ließ Mozart ein Blasinstrument den Sopran colla parte unterstützen, während ein Chor von drei Posaunen mit den Unterstimmen spielte. Die Trompete war im Barock ein Symbol weltlicher und göttlicher Macht und wurde von Virtuosen gespielt. Mozart stand jedoch in Wien kein Trompeter zur Verfügung, der den Part hätte spielen können. Händel hatte eine Trompete für die Arie über das Jüngste Gericht eingesetzt, entsprechend dem englischen Text The trumpet shall sound. Auf Deutsch heißt es „Sie schallt, die Posaun’“, und Mozart entschied sich nach mehreren Versuchen für das Horn.[10] Als Continuo-Tasteninstrument in Rezitativen benutzte Mozart vermutlich das Fortepiano,[10] da in privaten Häusern meist keine Orgel zur Verfügung stand.[9]

Aufbau

Die folgenden Tabellen legen die Nummerierung der Urtextausgabe der Neue Mozart-Ausgabe (NMA) von 1989 zugrunde. Die dritte Spalte enthält die korrespondiere(n) Nummer(n) der Hallischen Händel-Ausgabe (HHA) von Händels Messiah. Mozart benutzte italienische Bezeichnungen, Overtura für die Ouvertüre, Recitativo (Rec.) für ein secco-Rezitativ, das nur vom Continuo begleitet wird, Recitativo accompagnato ed aria (Acc. & Arie) für ein begleitetes Rezitativ, dem eine Arie in der gleichen Stimmlage folgt, und Coro für Chorsätze. Die Stimmen sind abgekürzt, Sopran (S, SII), Alt (A), Tenor (T) und Bass (B).[9]

Parte prima

NMATitelHHAEnglischVokalBibelAnmerkung
1Overtura1
2Tröstet Zion!
Alle Tale macht hoch und erhaben
2,3Comfort ye
Ev’ry valley shall be exalted
Acc. & Aria
T
Jes 40,1–5 Jesaja
3Denn die Herrlichkeit Gottes des Herrn4And the glory, the glory of the LordCoro
4So spricht der Herr
Doch wer mag ertragen den Tag seiner Ankunft
5,6Thus saith the Lord
But who may abide the day of His coming
Acc. & Aria
B
Hag 2,6–7 
Mal 3,1-2 
Haggai
Maleachi
5Und er wird reinigen die Kinder Levi7And He shall purifyCoroMal 3,3 
Denn sieh! Eine Jungfrau wird schwangerBehold, a virgin shall conceiveRec. SIIJes 7,14 
Mt 1,23 
Jesaja, zitiert von Matthäus
6O du, die Wonne verkündet in Zion
mach' dich auf
8O thou that tellest good tidings to Zion
Arise, shine
SII
Coro
Jes 40,9 
60,1
7Blick auf! Nacht bedeckt das Erdreich
Das Volk, das im Dunkeln wandelt
9,10For behold, darkness shall cover the earth
The people that walked in darkness
Acc. & Aria
B
Jes 60,2–3 
Jes 9,2 
8Uns ist zum Heil ein Kind geboren11For unto us a Child is bornCoroJes 9,6 
9Pifa12
Es waren Hirten beisammen auf dem FeldeThere were shepherds abiding in the fieldRec. SIILk 2,8-13 Lukas, Verkündigung an die Hirten
10Und sieh, der Engel des Herrn trat zu ihnen13And lo, the angel of the Lord came upon themAcc. SII
Und der Engel sprach zu ihnenAnd the angel said unto themRec SII
11Und alsobald war da bei dem Engel14And suddenly there was with the angelAcc. SII
12Ehre sei Gott15Glory to GodCoro
13Erwach' zu Liedern der Wonne16Rejoice greatly, O daughter of ZionAria TSach 9,9–10 Sacharja
Dann tut das Auge des Blinden sich aufThen shall the eyes of the blind be open'dRec. SJes 35,5–6 
14Er weidet seine Herde
Kommt her zu ihm
17He shall feed His flock
Come unto Him
Aria SJes 40,11 
Mt 11,28–29 
15Sein Joch ist sanft18His yoke is easyCoroMt 11,30 

Parte seconda

NMATitelHHAEnglischVokalBibelAnmerkung
16Kommt her und seht das Lamm19Behold the Lamb of GodCoroJoh 1,29 Johannes
17Er ward verschmähet20He was despisedAria SIIJes 53,3 
50,6
Schmerzensmann
18Wahrlich, wahrlich!21Surely, He hath borne our griefsCoro53,4-8
19Durch seine Wunden sind wir geheilt22And with His stripes we are healedCoro
20Wie Schafe gehn23All we like sheepCoro
21Und alle, die ihn seh'n24All they that see HimAcc. S
22Er trauete Gott25He trusted in GodCoro
23Die Schmach bricht ihm sein Herz
Schau hin und sieh!
26,27Thy rebuke hath broken His heart
Behold, and see
Acc. & Aria
SII
Ps 69,20 
Klgl 1,12 
Psalm 69
Klagelieder
24Er ist dahin aus dem Lande der Lebenden
Doch Du ließest ihn im Grabe nicht
28,29He was cut off out of the land of the living
But Thou didst not leave his soul in hell
Acc. & Aria
S
Jes 53,8 
Ps 16,10 
Tod
Auferstehung
25Machet das Tor weit30Lift up your headsCoro (SSATB)Ps 24,7–10 Psalm 24
Zu welchem von den Engeln hat er je gesagtUnto which of the angels said he at any timeRec. SHeb 1,5 Brief an die Hebräer
26Der Herr gab das Wort33The Lord gave the wordCoroPs 68,11 Psalm 68
27Wie lieblich ist der Boten Schritt34aHow beautiful are the feet of HimAria SJes 52,7 
Röm 10,15 
28Ihr Schall ging aus35aTheir sound is gone outCoroRöm 10,18 
Ps 19,4 
29Warum entbrennen die Heiden36Why do the nations so furiously rageAria BPs 2,1–4,9 Psalm 2
30Brecht entzwei die Ketten alle37Let us break their bonds asunderCoro
Der da wohnet im HimmelHe that dwelleth in heavenRec. T
31Du zerschlägst sie mit dem Eisenszepter38Thou shalt break them with a rod of ironAria T
32Halleluja39HallelujahCoroOffb 19,6.16 
11,15
Offenbarung des Johannes

Parte terza

NMATitelHHAEnglischVokalBibelAnmerkung
33Ich weiß, daß mein Erlöser lebt40I know that my Redeemer livethAria SIjob 19,25–26 
34Wie durch einen der Tod41Since by man came deathCoro (4)1 Kor 15,21–22 Auferstehung der Toten
35Merkt auf!
Sie erschallt, die Posaune
42,43Behold
The trumpet shall sound
Acc. & Aria
B
1 Kor 15,51–57 
Dann wird erfülltThen shall be brought to passRec. S
36O Tod, wo ist dein Pfeil44O death, where is thy sting?Duetto
SII T
37Doch Dank sei Dir Gott45But thanks be to GodCoro
Wenn Gott ist für unsIf God be for usAcc. SRöm 8,31,33-34 
38Würdig ist das Lamm47Worthy is the LambCoroOffb 5,12–14 Offenbarung
AmenAmenCoro

Änderungen und einzelne Sätze

Der Musikwissenschaftler David Schildkret untersuchte in seinem Aufsatz „Mozart contemplating a work of Handel“ Satz für Satz, welche Änderungen Mozart vornahm und ob er sich auf Hauptteil oder Anhang in der Partitur Händels stützte. Er fasst zusammen:[4]

  • Mozart veränderte in mehr als der Hälfte der Sätze Händels Instrumentierung, indem er Blasinstrumente zusätzlich einfügte.
    • Flöten werden eingesetzt in Nr. 2 (Tröstet Zion), in der Arie von Nr. 4 (Doch wer mag ertragen), Nr. 6 (O du, die Wonne verkündet in Zion), Nr. 7 (Blick auf!), Nr. 9 (Pifa), Nr. 12 (Ehre sei Gott), Nr. 18 (Wahrlich), Nr. 20 (Wie Schafe gehn), im 2. Teil von Nr. 24 (Doch du ließest ihn im Grabe nicht), Nr. 25 (Machet das Tor weit), Nr. 27 (Wie lieblich ist der Boten Schritt), Nr. 29 (Warum entbrennen die Heiden), Nr. 31 (Du zerschlägst sie), Nr. 32 (Halleluja), Nr. 33 (Ich weiß, daß mein Erlöser lebet), und Nr. 38 (Würdig ist das Lamm).
    • Oboen werden eingesetzt in Nr. 3 (Und die Herrlichkeit), in der Arie von Nr. 4 (Doch wer mag ertragen), Nr. 5 (Doch er wird reinigen), Nr. 6 (O du, die Wonne verkündet in Zion), Nr. 8 (Uns ist zum Heil ein Kind geboren), Nr. 9 (Pifa), Nr. 12 (Ehre sei Gott), Nr. 15 (Sein Joch ist sanft), Nr. 16 (Kommt her und seht das Lamm), Nr. 18 (Wahrlich), Nr. 20 (Wie Schafe gehn), Nr. 25 (Machet das Tor weit), Nr. 26 (Der Her gab das Wort), Nr. 29 (Warum entbrennen die Heiden), Nr. 32 (Halleluja), Nr. 34 (Wie durch einen der Tod), und Nr. 38 (Würdig ist das Lamm).
    • Klarinetten spielen in Nr. 3 (Und die Herrlichkeit), Nr. 6 (O du, die Wonne verkündet in Zion), Nr. 7 (Blick auf!), Nr. 9 (Pifa), Nr. 15 (Sein Joch ist sanft), Nr. 16 (Kommt her und seht das Lamm), Nr. 17 (Er wardverschmähet), Nr. 18 (Wahrlich), Nr. 20 (Wie Schafe gehn), Nr. 28 (Ihr Schall ging aus), Nr. 31 (Du zerschlägst sie), Nr. 32 (Halleluja), Nr. 33 (Ich weiß, daß mein Erlöser lebet), Nr. 34 (Wie durch einen der Tod), Nr. 37 (Doch Dank sei Dir Gott), und Nr. 38 (Würdig ist das Lamm).
    • Hörner prägen das Klangbild in Nr. 1 (Overtura), Nr. 3 (Und die Herrlichkeit), Nr. 5 (Doch er wird reinigen), Nr. 6 (O du, die Wonne verkündet in Zion), Nr. 8 (Uns ist zum Heil ein Kind geboren), Nr. 9 (Pifa), Nr. 12 (Ehre sei Gott), Nr. 15 (Sein Joch ist sanft), Nr. 16 (Kommt her und seht das Lamm), Nr. 18 (Wahrlich), Nr. 20 (Wie Schafe gehn), Nr. 25 (Machet das Tor weit), Nr. 26 (Der Herr gab das Wort), Nr. 32 (Halleluja), Nr. 35 (Merkt auf!), Nr. 37 (Doch Dank sei Dir Gott), und Nr. 38 (Würdig ist das Lamm).
  • Mozarts Zeit empfand Tempi wie Grave langsamer als Händels Zeit. Mozart ließ manchmal Adagio vor der Schlusskadenz weg.
  • Triller und andere Verzierungen wurden anders ausgeführt, und die Streichertechnik hatte sich verändert.
  • Mozart fügte viele dynamische Bezeichnungen ein.
  • Die Partitur, die Mozart zur Verfügung stand, ließ oft nicht erkennen, für welche Solostimme ein Satz bestimmt war. Mozart folgte seinem Empfinden für den Text und für die angestrebte abwechslungsreiche und gleichmäßige Aufteilung der Stimmlagen.

1

In der Einleitung fügt Mozart im Grave-Teil Stimmen für zwei Hörner, drei Posaunen und zwei Fagotte hinzu.[4]

5

In Denn er wird reinigen werden die Chorstimmen mit Ausnahme des Schlusses Solostimmen zugewiesen.[4]

9

Das Klangbild der Hirtenmusik Pifa wird von Piccolo und vielen anderen Bläsern sowie Streichern mit Dämpfer (con sordino) bestimmt. Mozart ändert Händels Streicheraufteilung von drei Violinen und Viola zu zwei Violinen und zwei Violen.[4]

12

In Ehre sei Gott fügt Mozart viele Bläserstimmen hinzu und schreibt neue Stimmen für Trompeten und Pauken.[4]

32

In Halleluja spielen alle Bläser mit, mit neuen Stimmen für Trompeten und Pauken.[4]

34

In Wie durch einen der Tod, das bei Händel vom unbegleiteten Chor gesungen wird, lässt Mozart, Oboen, Klarinetten, Fagotte und Hörner mitspielen, die Hörner allerdings nur stellenweise.[4]

38

In Würdig ist das Lamm spielen alle Bläser mit, mit neuen Stimmen für Trompeten und Pauken.[4]

Aufführungen und Einspielungen

Der Musikwissenschaftler Michael Steinberg führt drei Gründe an, auch Mozarts Fassung weiterhin zu spielen, obwohl seit den 1970er Jahren eine Tendenz besteht, Musik im ursprünglichen Klangbild aufzuführen. Die Fassung enthält gute Musik, sie klingt anders als Händels weitverbreitete Musik und regt dadurch zu aufmerksamerem Hören an, und sie dokumentiert, wie sich Stil und Geschmack veränderten.[10] Die Bearbeitung gewährt außerdem Einblick in Mozarts Arbeitsweise.[11]

Mozarts Fassung wird bis heute aufgeführt und aufgenommen. Michel Corboz dirigierte eine Aufnahme mit dem Ensemble Vocal et Instrumental de Lausanne[12] und den Solisten Audrey Michael, Magali Dami, Jard van Nes, Hans Peter Blochwitz und Marcos Fink, die 2009 wieder erschien.[13] 1988 leitete Charles Mackerras die Huddersfield Choral Society und das Royal Philharmonic Orchestra, mit Felicity Lott, Felicity Palmer, Philip Langridge und Robert Lloyd, wobei er allerdings von Mozart lediglich die Instrumentierung übernahm.[11][2] Helmuth Rilling leitete die Gächinger Kantorei und das Bach-Collegium Stuttgart in einer Aufnahme von 1992 mit den Solisten Donna Brown, Cornelia Kallisch, Roberto Saccà und Alastair Miles.[12] Im Jahr 2011 leitete Jürgen Budday den Maulbronner Kammerchor und die Hannoversche Hofkapelle, mit Marlis Petersen, Margot Oitzinger, Markus Schäfer und Marek Rzepka.[13] Der NDR Chor, geleitet von Philipp Ahmann, sang das Werk in einer Serie von Konzerten 2012, mit Ruth Ziesak, Gerhild Romberger, Werner Güra, Hanno Müller-Brachmann und dem Concerto Köln.[7] 2014 leitete Hermann Max die Rheinische Kantorei und Das Kleine Konzert, mit Monika Frimmer, Mechthild Georg, Christoph Prégardien und Stephan Schreckenberger.[13] In der Mozartwoche 2020 des Mozarteums Salzburg inszenierte Robert Wilson den Messias mit Les Musiciens du Louvre unter Marc Minkowski.

Quellen

Literatur

  • Reinhold Bernhardt: Die „kalte Arie“ in Mozarts Messias-Bearbeitung. In: Die Musik, Jg. 22, 1930, Heft 6, S. 435–440 (Textarchiv – Internet Archive).
  • Reinhold Bernhard: W. A. Mozarts Messias-Bearbeitung und ihre Drucklegung in Leipzig 1802–03. In: Zeitschrift für Musikwissenschaft, Jg. 12, 1929/30, Heft 1, S. 21–45 (Textarchiv – Internet Archive).

Weblinks

Commons: Messiah – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Daniel I. Block: Handel's Messiah: Biblical and Theological Perspectives. In: Didaskalia. Band 12, 2001 (englisch, Online [PDF; abgerufen am 19. Juli 2011]).
  2. a b c Robert Ross: George Frideric Handel (1685-1759) / Messiah. In: Hyperion. 2006, abgerufen am 26. September 2017 (englisch).
  3. Donald Burrows: Handel: Messiah. Cambridge University Press, Cambridge (UK) 1991, ISBN 0-521-37620-3 (englisch).
  4. a b c d e f g h i j David Schildkret: On Mozart Contemplating a Work of Handel: Mozart's arrangement of Messiah. In: Thomas J. Mathiesen, Benito V. Rivera (Hrsg.): Festa Musicologica: Essays in Honor of George J. Buelow. Pendragon Press, 1995, ISBN 0-945193-70-X, S. 129–146 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. Bernhard Schmidt: Lied, Kirchenmusik, Predigt im Festgottesdienst Friedrich Schleiermachers: zur Rekonstruktion seiner liturgischen Praxis. Walter de Gruyter, Berlin 2002, ISBN 3-11-017063-9, 2.4.3. Anmerkungen zur Berliner Händelpflege und Rezeptionsgeschichte des Messias, S. 133 ff. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  6. a b c d e Reinhold Bernhardt: W. A. Mozarts Messias-Bearbeitung und ihre Drucklegung in Leipzig 1802-03. In: Zeitschrift fuer Musikwissenschaft. 1930, S. 21–45 (Textarchiv – Internet Archive [abgerufen am 27. September 2017]).
  7. a b Habakuk Traber: Handel: Messiah. NDR, 2012, abgerufen am 6. September 2017.
  8. a b c d e Teresa Frick: Teresa Frick zur Mozart-Fassung des Messias. Herzogenberg Gesellschaft, abgerufen am 27. September 2017.
  9. a b c d e f g h Andreas Holschneider: Handel: Messiah. Bärenreiter, 1999.
  10. a b c d e f Michael Steinberg: Choral Masterworks: A Listener's Guide. Oxford University Press, 2008, ISBN 978-0-19-971262-5, S. 150–154 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  11. a b Robert Hugill: Georg Frideric Handel (1685-1759) / Der Messias (sung in English) arr. Wolfgang Amadeus Mozart. In: musicweb-international.com. 2006, abgerufen am 26. September 2017 (englisch).
  12. a b Nicholas Anderson: Handel Messiah (arr. Mozart). In: Gramophone. 1992 (englisch, Online [abgerufen am 26. September 2017]).
  13. a b c Mozart: Der Messias, K572 (after Handel). Prestoclassical, 2017, abgerufen am 26. September 2017 (englisch).

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Palais Paar in Wien. (1, Wollzeile 30 und 32, Zedlitzgasse 1, 3 und Teil von 5). Abbruch 1938.
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Gottfried Bernhard Freiherr van Swieten (1733-1803) - Fotografie eines vermutlich von Johann Georg Mansfeld stammenden Stiches, wohl nach einer Zeichnung von Lakner