Demenz
| Klassifikation nach ICD-11 | |
|---|---|
| 6D80 | Demenz durch Alzheimer-Krankheit |
| 6D81 | Demenz durch zerebrovaskuläre Krankheit |
| 6D82 | Demenz durch Lewy-Körper-Krankheit |
| 6D83 | Frontotemporale Demenz |
| 6D84 | Demenz durch psychoaktive Substanzen, einschließlich Medikamente |
| 6D85 | Demenz durch anderenorts klassifizierte Krankheiten |
| 6D86 | Verhaltensstörungen oder psychologische Störungen bei Demenz |
| 6D8Y | Demenz, sonstige näher bezeichnete Ursache |
| 6D8Z | Demenz, nicht näher bezeichnete oder unbekannte Ursache |
| ICD-11: Englisch • Deutsch (Vorabversion) | |
Mit dem Begriff Demenz ([]), lateinisch Dementia (‚Wahnsinn, Torheit‘), wird ein Muster von Symptomen unterschiedlicher Erkrankungen bezeichnet, bei denen als Haupt- oder Nebenbefund die Verschlechterung mehrerer geistiger (kognitiven) Fähigkeiten im Vergleich zum früheren Zustand auftritt.[1][2] Die Symptomatik kann durch zahlreiche extra-zerebrale Erkrankungen (sekundär) und durch degenerative Erkrankungen des Gehirns entstehen. Der Begriff leitet sich ab von lateinisch demens ‚unvernünftig‘ (ohne mens, das heißt‚ ohne ‚Verstand‘, ‚Denkkraft’ oder ‚Besonnenheit‘) und kann mit ‚Nachlassen der Verstandeskraft’ übersetzt werden.[3]
Demenz gilt wegen differentialdiagnostischer Unklarheiten inzwischen als überholter Begriff, der im deutschen Sprachraum jedoch immer noch als eine überwiegend im Alter auftretende progrediente Erkrankung beschrieben wird, die allerdings meistens durch weitere Erkrankungen begleitet wird. Diese Unklarheiten beeinträchtigen auch die Verwertbarkeit aller Statistiken und Schätzungen, denen der alten Demenzbegriff zugrunde liegt. Außerhalb der Fachpresse wird Demenz fälschlicherweise synonym mit Morbus Alzheimer verwendet. Letzterer ist nur eine von vielen Ursachen dementieller Symptome, jedoch nicht synonym mit dem veralteten Begriff Demenz. In der amerikanischen Klassifikation psychischer Erkrankungen DSM-5 (Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen) wird der Begriff der Demenz als eigene Krankheitskategorie seit 2013 nicht mehr aufgeführt,[4] sondern nur noch als untergeordnete Symptomatik bei Neurokognitiven Störungen (NCD). Auch in der ICD-11-Klassifikation, die im Jahre 2018 verabschiedet wurde und seit 2022 auch im deutschen Sprachraum die ICD-10 ersetzt, ist Demenz inzwischen der Kategorie Neurokognitive Störungen untergeordnet.[5]
Historisches
Der Demenzbegriff wurde im 18. Jahrhundert in der Juristen- und Umgangssprache für jede Form geistiger Störungen verwendet und ist bis in die heutige Zeit im allgemeinen Sprachgebrauch extrem allgemein gefasst. Im Jahre 1827 trennte Jean-Étienne Esquirol zwischen angeborenem und erworbenem Schwachsinn und führte démence als medizinischen Terminus für letzteren ein. Lange Zeit wurde in der deutschsprachigen Psychiatrie nur das Endstadium des intellektuellen Abbaus als Demenz bezeichnet. Im Jahre 1916 beschrieb Eugen Bleuler das unspezifische hirnorganische Psychosyndrom mit den Merkmalen kognitive Störung, emotionale Veränderung und Persönlichkeitswandel als psychopathologische Folge chronischer Gehirnerkrankungen. Sein Sohn Manfred Bleuler grenzte 1951 davon das hirnlokale Psychosyndrom ab und wies auf Ähnlichkeit mit endokrin verursachten psychischen Störungen hin. Im Zuge der Entwicklung moderner Klassifikationssysteme wie ICD-10, ICD-11 und DSM-IV hat sich die Definition des Demenzsyndroms deutlich erweitert, gefolgt, 2013, von der Streichung des Begriffs als Krankheitskategorie im DSM-5 und Ersatz durch die an neuerer biomedizinischer Forschung orientierte Kategorie Neurokognitive Störungen. Neurokognitive Störungen können sowohl reversibel als auch irreversibel sein und betreffen das Gedächtnis.
Definition der Demenz
Dem Symptombild der Demenz dürfte im modernen allgemeinen Sprachverständnis im deutschen Sprachraum eher der Begriff Vergesslichkeit gerecht werden. Die dementielle Symptomatik umfasst Störungen des Gedächtnisses, des Denkvermögens, der Sprache, der psychosozialen Fähigkeiten und der Persönlichkeit unabhängig von der zugrunde liegenden Erkrankung. Ursächlich können auch Erkrankungen außerhalb des Gehirns sein, die sekundär die Hirnfunktion beeinträchtigen. Beim Gedächtnis ist besonders das Kurzzeitgedächtnis betroffen. Weitere Einbußen betreffen das biographische Gedächtnis („Was war in der Vergangenheit?“), das geographische Gedächtnis (Zurechtfinden in der Wohnung, Gegenstände wiederfinden, sich außerhalb der Wohnung zurechtzufinden, nach Hause zu finden) und die Personenerkennung. Das verminderte Denkvermögen kann zu einer schlechteren Alltagsbewältigung und Selbstorganisation beitragen. Die berufliche Tätigkeit, die Fahrtüchtigkeit und die Bedienung von Maschinen kann zunehmend eingeschränkt sein. Bei verminderter Sprachfähigkeit kann es zu Wortfindungsstörungen, grammatikalischen Fehlern und mangelndem Sprachverständnis kommen. Bei beeinträchtigten psychosozialen Fähigkeiten wird die Aufrechterhaltung sozialer Kontakte schwieriger. Emotionale Reaktionen wie Empathie, Trauer und Freude sind verringert. Bei einigen Formen kommt es auch zu Veränderungen der Persönlichkeit. Kennzeichnend für die Symptomatik ist der erworbene, über Jahre bzw. Jahrzehnte, progrediente Verlust von Fähigkeiten ohne Störung des Bewusstseins oder der Sinneswahrnehmung im Gegensatz zu angeborenen Funktionsstörungen.[6]
Epidemiologie
Absolute Häufigkeit
Die Häufigkeitsangaben im Schrifttum beruhen selten auf ausreichend gesicherten diagnostischen Daten nach aktuellem state-of-the-art. Trotzdem wird der Darstellung der absoluten Häufigkeit von Demenzerkrankungen große ökonomische Bedeutung beigemessen, da die Versorgung dieser Patienten kostenintensiv gestaltet ist, die Wirksamkeit der Behandlung aber als begrenzt gilt. Im Jahre 2003 wurde geschätzt, dass bisher bei über der Hälfte aller Menschen, die an Demenz erkrankt sind, keine ärztliche Diagnose gestellt wurde.[7] Meistens gründen die Zahlen auf ungeprüften Angaben von Todesstatistiken, Versicherungen und Sozialbehörden oder sie sind durch Hochrechnung kleiner Stichproben ermittelt.
Zahlen der Weltgesundheitsorganisation
Im März 2023 gab die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Zahl der von Demenz betroffenen Menschen mit weltweit über 55 Millionen an.[8]
Demenz in Deutschland und Österreich
In Deutschland hatten Ende 2023 laut Informationsblatt der Alzheimer Gesellschaft e.V. etwa 1,8 Millionen Menschen Erkrankungen, die mit dementiellen Symptomen verbunden sind, darunter 1,199 Millionen Frauen. Im Alter von 65 Jahren und darüber war bei etwa 1,7 Millionen Menschen die Diagnose Demenz angegeben worden. Die Zahl der unter 60-Jährigen lag bei 47.000.[9] Im Jahre 2019 berichtete das DZNE, dass im weltweiten Maßstab 12, 7 % der Erkrankten jünger als 65 Jahre sind.[10] In den Jahren 2015 bis 2022 ging die Zahl der Demenzdiagnosen in den deutschen Hausarztpraxen zurück, während sie in Facharztpraxen anstieg. Nach Einschätzung des DZNE sind die Ursachen dafür unklar. Die Analyse schließt aber zum Beispiel nicht Privatversicherte ein. Das könnte im Übrigen auch die qualitative Aussage solcher Auswertungen beeinträchtigen. 2023 haben 445.000 Menschen im Alter von 65 Jahren und darüber neu die Diagnose Demenz erhalten. Jedoch sterben Patienten eher mit Demenz als tatsächlich, wie oft angegeben, direkt an Demenz. Mit zunehmendem Alter entwickeln sich körperliche Schwächen und Komplikationen und die tatsächlichen Todesursachen sind dann zumeist Infektionen, in der Regel Lungenentzündungen.[11] Das Statistisches Bundesamt gab 2025 in einer Pressemitteilung bekannt, dass im Jahr 2024 nach den Ergebnissen der Todesursachenstatistik 61.927 Sterbefälle durch eine Demenzerkrankung verursacht worden wären. Die Verstorbenen seien im Jahr 2024 in 89,1 % der Fälle mindestens 80 Jahre alt gewesen. Bei Frauen sei die Demenz 2024 am häufigsten als Todesursache genannt worden.[12] Etwa zwei Drittel der Patienten mit dementieller Symptomatik in Deutschland werden in der häuslichen Umgebung von Angehörigen betreut und gepflegt (Stand: 2020).[13] Die medizinische Versorgung von Migranten wiederum, kann durch sprachliche Barrieren, kulturelle Unterschiede im Verständnis von Gesundheit und Krankheit und fehlende kulturspezifische Informationen beeinträchtigt sein, was zu einer geringeren Inanspruchnahme von Versorgungsangeboten[14] und zusätzlichen Fehlern in der Diagnostik führen kann.
Das Österreichische Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz gab im Jahr 2025 die Zahl der Demenzerkrankten mit 170.000 an. Nach Hochrechnungen wird bis 2050 ein Anstieg auf 290.000 betroffenen Personen vermutet.[15]
Demenz in Großbritannien und den USA
Das Office for National Statistics gibt an, dass 2019 in England und Wales 66.424 Todesfälle von Demenz und Alzheimer-Erkrankung sowie Begleiterkrankungen verursacht wurden.[16] Das waren 12,5 % alles Todesursachen. Die altersstandardisierte Sterberate an Demenz ging von 123,8 pro 100 000 Einwohner im Jahr 2018 auf 115,1 zurück. In England waren nach den offiziellen Angaben Frauen im Alter über 75 Jahre häufiger von Demenz betroffen als gleichaltrige Männer. Drei Viertel der mit der Diagnose Demenz verstorbenen hatte mindestens eine andere schwere Erkrankung. In der CASCADE-Studie wurde der Verlauf von 323 Patienten mit schwerer Demenz in 22 Pflegeeinrichtungen in den USA untersucht.[17] Im Verlauf von 18 Monaten waren 54,8 % der Bewohner verstorben. Lungenentzündungen und Essprobleme waren häufig und führten zu dieser hohen Sterblichkeit. Demenzformen mit einer klar identifizierten Ursache können reversibel sein, z. B. Demenz nach Chemotherapie wegen bösartiger Tumoren.[18] Bei einigen anderen Formen sind therapeutische Interventionen möglich; die das Auftreten bestimmter Symptome verhindern.
| Anzahl | zusätzliche Erkrankung |
|---|---|
| 1.379 | zerebrovaskuläre Erkrankung |
| 1.379 | Morbus Parkinson |
| 1.334 | koronare Herzerkrankung |
| 917 | COPD |
| 650 | Prostatakarzinom |
| 418 | Sturztrauma |
| 410 | Lungenkrebs |
| 365 | Diabetes |
| 349 | Herzinsuffizienz oder andere Herzerkrankungen |
| 287 | Herzrhythmusstörung |
Im Rahmen der Framingham Heart Study wurde auch das Demenzrisiko untersucht.[19] Beim Vergleich der 70er, 80er und 90er Jahre fand sich überraschend ein signifikanter Rückgang des altersspezifischen Demenzrisikos, ein erster Hinweis auf die Rolle von Lifestyle-Faktoren.
Risikofaktoren
Ein Risikofaktor muss nicht kausal für die Entstehung einer Demenz verantwortlich sein, erhöht aber das Risiko für das Auftreten der Symptomatik. Effekte durch Begleiterkrankungen und Risikofaktoren werden in den meisten aktuellen Statistiken nicht separat ausgewiesen. Inzwischen sind jedoch Lifestyle-Faktoren ein wichtiger Gegenstand der Forschung zur Prävention dementieller Symptomatik geworden.
Modifizierbare Faktoren laut Lancet-Kommission
Die Lancet Commission on Dementia Prevention, Intervention, and Care zählte folgende, modifizierbare Faktoren auf:
- Niedrige Bildung im frühen Lebensalter
- Hörminderung
- Schädel-Hirn-Traumata (Kampfsportarten, Fußball-Kopfball, Schädel-Hirntrauma)
- Bluthochdruck
- übermäßiger Alkoholkonsum
- Adipositas im mittleren Lebensalter
- Rauchen
- Depression
- soziale Isolation
- körperliche Inaktivität
- Luftverschmutzung
- Diabetes im hohen Lebensalter[20]
Verifizierung und Quantifizierung dieser Faktoren sind noch Gegenstand der Forschung.
Risikofaktor Alter
Bereits 1997 wurde in den USA festgestellt, dass mit zunehmendem Alter das Risiko für Demenz steigt. Das Alter gilt als der wichtigste Risikofaktor für das Auftreten dementieller Symptome.
Nach der Berliner Altersstudie (1996) steigt die Zahl der Menschen mit Demenz nach Altersgruppen aufgeschlüsselt folgendermaßen.
| Altersgruppe | Anteil Demenzerkrankter |
|---|---|
| 65- bis 69-Jährige | 1,2 % |
| 70- bis 74-Jährige | 2,8 % |
| 75- bis 79-Jährige | 6,0 % |
| 80- bis 84-Jährige | 13,3 % |
| 85- bis 89-Jährige | 23,9 % |
| über 90-Jährige | 34,6 % |
Nach dem Jahrbuch 2019 der Organisation Alzheimer Europe steigt die Zahl der Menschen mit Demenz nach Altersgruppen und Geschlecht aufgeschlüsselt folgendermaßen:[21]
| Altersgruppe | Männer[21] | Frauen[21] | insgesamt[21] |
|---|---|---|---|
| 60–64 Jahre | 0,2 % | 0,9 % | 0,6 % |
| 65–69 Jahre | 1,1 % | 1,5 % | 1,3 % |
| 70–74 Jahre | 3,1 % | 3,4 % | 3,3 % |
| 75–79 Jahre | 7,0 % | 8,9 % | 8,0 % |
| 80–84 Jahre | 10,7 % | 13,1 % | 12,1 % |
| 85–89 Jahre | 16,3 % | 24,9 % | 21,9 % |
| 90 Jahre und älter | 29,7 % | 44,8 % | 40,8 % |
Es gibt je nach Ursache der Demenz unterschiedliche Begründungen für die Altersabhängigkeit. Im Falle von Ablagerungen (z. B. Alzheimer-Krankheit, Lewy-Körper-Demenz) dauert es viele Jahre von den ersten Ablagerungen bis zur vollständigen Hirnatrophie, wodurch im Alter immer mehr Fälle klinisch manifest werden. Bei vaskulär bedingter Demenz führt die zeitliche Summe kleiner ischämischer Defekte schließlich zur Hirnatrophie.
Geschlecht als Risikofaktor?
Die altersbezogenen Inzidenzwerte der folgenden Tabelle der Deutschen Alzheimergesellschaft beruhen auf den Daten des Global Status Report on the Public Health Response to Dementia der WHO 2021:[22]
| Altersgruppe | Männer | Frauen | Inzidenz bei Männern | Inzidenz bei Frauen |
|---|---|---|---|---|
| 40-59 | 0,19% | 0,22% | ||
| 60-64 | 0,86% | 0,99% | ||
| 65-69 | 1,65% | 2,02% | ||
| 70-74 | 3,27% | 4,19% | ||
| 75-79 | 6,55% | 8,45% | ||
| 80-84 | 12,20% | 15,64% | ||
| 85-89 | 19,07% | 24,98% | ||
| 90+ | 29,07% | 39,05% |
Wegen methodischer Mängel bei der Zusammenstellung der Daten können Schlussfolgerungen zu Geschlechtsdifferenzen nach heutigem Kenntnisstand nicht mehr als bestätigt angesehen werden.
Kardiovaskuläre Risikofaktoren und Bewegungsmangel
Kardiovaskuläre Risikofaktoren (hoher Blutdruck, Übergewicht, Diabetes) erhöhen das Risiko einer zerebralen Sklerose und damit der Ausbildung einer vaskulären Demenz. Im Rahmen der Framingham-Studie wurde festgestellt, dass ein hoher Blutdruck im mittleren und späten Lebensalter das relative Demenzrisiko um den Faktor 1,96 erhöht. Andererseits führte ein starker Abfall eines vorher normalen Blutdrucks ebenfalls zu einer Erhöhung des relativen Demenzrisikos um den Faktor 2,4.[23] In England konnte nachgewiesen werden, dass Übergewicht in mittlerem Lebensalter und körperliche Inaktivität das Risiko einer Demenz erhöht. Nach Manifestation dementieller Symptome wurde häufiger ein geringes Körpergewicht festgestellt.
Risikofaktor Geistige Inaktivität
Es gibt zahlreiche Hinweise, dass die Intensität der Hirntätigkeit das Auftreten dementieller Symptome beeinflusst. So treten diese bei Menschen mit hoher beruflicher Qualifikation seltener auf. In einer Metaanalyse wurden 18 Studien über den Zusammenhang zwischen Bildungsgrad und Demenzrisiko analysiert. Das relative Risiko (RR) einer Alzheimer-Demenz war bei geringem oder mittleren Bildungsniveau um den Faktor 1,44 gegenüber Personen mit hohem Bildungsniveau erhöht. Für Nicht-Alzheimer-Demenzformen war die Risikozunahme mit 1,33 etwas geringer.[24] Im Vereinigten Königreich wurde Demenz häufiger bei sozial benachteiligten Menschen und Personen mit geringer beruflicher Qualifikation, häufigem Verlust des Arbeitsplatzes oder mit monotonen Tätigkeiten beschrieben.[25]
In der klinischen Ausbildung gilt die mentale Reserve des Patienten als wichtiger Faktor beim Entstehen dementieller Symptome. Menschen, die schon vorher nur mühsam ihr Leben bewältigen konnten, geraten früher in die Hilflosigkeit, während hoch gebildete Personen erst spät klinische Symptome ausprägen. Einen Hinweis auf den Zusammenhang zwischen der Funktionsfähigkeit der Sinnesorgane und dem Demenzrisiko liefert die Tatsache, dass Personen mit nicht behandelter Schwerhörigkeit[26] oder nicht operiertem grauen Star[27] häufiger dementielle Symptome entwickeln. Das Fehlen der Möglichkeit zur Rezeption optischer oder akustischer Signale reduziert die Hirnaktivität.
Genetische Risikofaktoren
Obwohl eine dementielle Symptomatik familiär gehäuft sein kann, ist ein genetischer Erbgang in den meisten Fällen nicht bekannt. In der Mehrzahl der Fälle wird eine polygenetische Prädisposition in Kombination mit allgemeinen Risikofaktoren angenommen.[28]
Monogenetische Ursachen dementieller Symptomatik machen weniger als 1 % der Fälle aus:
- APP (β-Amyloid-Vorläuferprotein)
- PSEN1 (Presenilin 1), an frühzeitiger Alterung beteiligt
- PSEN2 (Presenilin 2)
- Nur Alzheimer-Demenz
- MAPT (Microtubulus-assoziiertes Protein Tau)
- GRN (Granulin-Vorläufer)
- Nur frontotemporale Demenz (FTD)
- C9orf72 (chromosome 9 open reading frame 72)
Risikofaktor Infektionen
Auf eine mikrobielle oder virale Vermittlung von pathogenen Veränderungen der Proteinkonformation bei neurokognitiven Störungen wurde frühzeitig hingewiesen,[29][30] wobei dem entorhinalen Cortex eine besondere Rolle zugeschrieben wird. In der Forschung und in der wissenschaftlichen Community führte diese mögliche Ursache der neuropathologischen Symptomatik im Vergleich zur Analyse der veränderten Proteinstrukturen jedoch jahrzehntelang ein Schattendasein.[31] Außerhalb der Fachpresse wurde sie weitgehend ignoriert. Erst in den letzten 15 Jahren ist sie als Ursache neurokognitiver Störungen auch wieder in den Focus klinischer Forschung gerückt. Infektionen werden zunehmend als eigenständige Risikofaktoren für die Entwicklung kognitiver Störungen diskutiert, da sie über systemische und neuronale Entzündungsreaktionen, Zytokinfreisetzung, Schädigung der Blut-Hirn-Schranke sowie vaskuläre und autoimmune Mechanismen möglicherweise zu einer Beschleunigung neurodegenerativer Prozesse beitragen können.[32]
Besondere Aufmerksamkeit gilt hier in neuerer Zeit wieder der Zahngesundheit und dem Paradontitisbazillus Porphyromonas gingivalis, das systemische Erkrankungen, unter anderem auch Alzheimer, fördern oder auslösen kann.[33][34] Es ist bekannt für die Freisetzung von Gingipain im Gehirn, das an der Schädigung von Nervenzellen beteiligt ist.[35]
Weitere Risikofaktoren
Nach Operationen tritt in 10–54 % der Fälle eine postoperative kognitive Dysfunktion (POCD) auf, insbesondere nach langen Vollnarkosen in fortgeschrittenem Alter. Die Symptomatik ist zwar in den meisten Fällen reversibel, aber das Auftreten einer Demenz ist nach POCD häufiger.[36]
„Neue“ Risikofaktoren
Der Neurobiologe und Psychiater Manfred Spitzer weist im Mai 2026 auf einen Beitrag im Wissenschaftsjournal Nature unter dem Titel: Your brain is full of microplastics: are they harming you? („Ihr Gehirn ist voller Mikroplastik: Ist das schädlich für Sie?“) hin.[37] Mikroplastik ist als Umweltproblem seit langem bekannt. Seine Rolle als Risikofaktor für die menschliche Gesundheit ist jedoch erst in den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts in den Focus der Wissenschaft gerückt. Mikro- und Nanoplastikpartikel, einschließlich darin enthaltener Additiva, gelangen über den Darm, die Lungen und die Haut in den menschlichen Körper, in die Organe und in das Blut. Sie gehören zu den Faktoren, die heute auch als potentielle Auslöser von demenztypischen Veränderungen des Gehirns untersucht werden.[38]
Protektive Faktoren
In vielen Fällen ist die Entwicklung einer dementiellen Symptomatik durch Begleit- oder Vorerkrankungen bedingt. Moderne Therapie- und Präventionsansätze und die rechtzeitige Behandlung potentiell ursächlicher Erkrankungen würden oft das Fortschreiten zerebraler Beeinträchtigungen zum Vollbild einer dementiellen Symptomatik verlangsamen oder verhindern.
Gedächtnistraining, Sport, Hirnaktivität
Sehr wirkungsvolle Präventionsmaßnahmen sind die regelmäßige geistige Betätigung und Sport. Das Training erhält und verbessert die Gedächtnisleistung.[39] So war das Demenzrisiko Londoner Taxifahrer (vor Einführung von Navigationssystemen) geringer als das einer Vergleichsgruppe anderer Fahrer.
Hör- und Sehverbesserung
Der Hörverlust ist ein bedeutender vermeidbarer Risikofaktor. Es wurde gezeigt, dass Hörverlust zu einem Rückzug aus dem Sozialleben führt und dass ein geeignetes Hörgerät dem Auftreten dementieller Symptome entgegenwirkt.[40][41]
Ein weiterer Risikofaktor ist ein unbehandelter Sehkraftverlust im höheren Alter. Eine Studie der Monash University in Australien hat ergeben, dass ältere Erwachsene, die regelmäßig Musik hören oder spielen, ein signifikant geringeres Risiko haben, eine dementielle Störung zu entwickeln. Die Untersuchung von über 10.800 Personen über 70 Jahren zeigte, dass Musikliebhaber eine 39 % niedrigere Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung von dementiellen Symptomen aufwiesen. Das Spielen eines Instruments, einschließlich Singen, war mit einer 35%igen Risikominderung verbunden, und Personen, die sowohl Musik hörten als auch spielten, hatten ein um 33 % reduziertes Risiko. Die Studie legt nahe, dass Musik verschiedene Bereiche des Gehirns aktiviert und somit die kognitive Gesundheit fördert.[42]
Lebensstil
Die Kontrolle der kardiovaskulären Risikofaktoren zum Beispiel durch körperliche Aktivität (Sport) und Kontrolle des Körpergewichts (Diät) kann das Risiko vaskulärer Demenzformen reduzieren.[43][44] Eine 2013 veröffentlichte Studie bestätigt, dass vor allem Sport und ein gesunder Lebensstil (und damit die Vermeidung kardialer Risikofaktoren) einer Demenz vorbeugen können.[45] Zu einem gesunden Lebensstil gehören neben der regelmäßigen körperlichen Bewegung auch täglicher Verzehr von Obst und Gemüse. Da auch das Tabakrauchen einen möglichen Risikofaktor für Demenzerkrankungen darstellt, trägt das Einstellen des Zigarettenkonsums ebenfalls zur Demenzprävention bei.[46][47][48]
Zahngesundheit
Eine im Jahr 2012 veröffentlichte Langzeitstudie weist auf einen Zusammenhang zwischen der Zahngesundheit und dem Demenzrisiko hin. Demnach ist das Risiko, an Demenz zu erkranken, um das 1,85-fache höher, wenn dreizehn oder mehr Zähne fehlen und die Lücken nicht mit festem Zahnersatz versorgt sind. Forschungsgegenstand waren 4425 japanische Einwohner, die etwa 65 Jahre alt waren und über vier Jahre begleitet wurden. 220 von ihnen erkrankten an Demenz.[49]
Impfungen
Inzwischen nehmen Belege zu, dass Viren oder Bakterien auch direkt an der Auslösung von Fehlern in Proteinbildung oder Proteinfaltung beteiligt sein können. Einige Wissenschaftler nehmen auch an, dass Impfungen nicht nur akute Infektionen verhindern, sondern das Immunsystem so „trainieren“ können, dass chronische neuroinflammatorische Prozesse abgeschwächt und dadurch das Demenzrisiko längerfristig reduziert werden.[32] Eine 2022 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse von 17 populationsbasierten Beobachtungsstudien und insgesamt 1.857.134 erwachsenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern fand, dass geimpfte Personen ein insgesamt um 35 % niedrigeres Demenzrisiko hatten als ungeimpfte (gepoolte Hazard Ratio 0,65; 95-%-Konfidenzintervall 0,60–0,71).[50] In Subgruppenanalysen dieser Arbeit waren insbesondere Impfungen gegen Influenza (Hazard Ratio 0,74), Herpes zoster (0,69) sowie Tdap-Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie und Pertussis (0,69) mit einem geringeren Demenzrisiko assoziiert; bei Personen, die vier- oder mehrmals gegen Influenza geimpft waren, betrug das relative Demenzrisiko nur noch 0,51.[50] Auch die 2025 erschienene Metaanalyse von Maggi et al., die 21 Kohortenstudien mit insgesamt über 104 Millionen Beobachtungspersonen einschloss, bestätigte eine konsistente Assoziation zwischen mehreren Standardimpfungen und einem verminderten Risiko für Demenz insgesamt sowie für die Alzheimer-Krankheit im Speziellen.[32] Für die Herpes-zoster-Impfung ergaben sich beispielsweise relative Risiken von 0,76 (95-%-Konfidenzintervall 0,70–0,82) für irgendeine Demenz und 0,53 (0,46–0,62) für Alzheimer-Demenz, während Influenza-Impfungen mit einem Risiko von 0,87 (0,77–0,99) für irgendeine Demenz und Pneumokokken-Impfungen mit einem Risiko von 0,64 (0,56–0,73) für Alzheimer-Krankheit verbunden waren.[32][50][51] Die auf der Alzheimer’s Association International Conference (AAIC) 2024 präsentierten Daten zur Gürtelrose-Impfung, denen zufolge insbesondere der rekombinante Herpes-zoster-Impfstoff mit einer deutlichen Verringerung des Demenzrisikos verbunden sein könnte, fügen sich in dieses Bild ein.[52] Tdap-Impfungen waren in dieser Analyse ebenfalls mit einer signifikanten Risikoreduktion für Demenz (relatives Risiko 0,67; 0,54–0,83) und Alzheimer-Krankheit (0,58; 0,46–0,74) assoziiert, insbesondere wenn sie gemeinsam mit anderen Impfungen wie der Herpes-zoster-Impfung verabreicht wurden.[32] Große retrospektive Kohortenstudien aus den USA stützen diese Befunde und erlauben eine detailliertere Betrachtung einzelner Impfstoffe.[51][53][54][55] In einer Auswertung von Daten aus der US-Veteranenversorgung und einem großen privaten Versicherungssystem waren Personen mit Tdap-Impfung im Durchschnitt bis zu acht Jahre nach der Impfung deutlich seltener von neuen Demenzdiagnosen betroffen als vergleichbare ungeimpfte Personen; die Hazard Ratio betrug 0,58 (95-%-Konfidenzintervall 0,54–0,63 bei Veteranen beziehungsweise 0,48–0,70 in der privat Versichertenkohorte).[53] In der Studie von Harris et al. hatten über 1,6 Millionen US-Versicherte ab 65 Jahren nach mindestens einer Impfung mit Tetanus/Td/Tdap im Beobachtungszeitraum von acht Jahren eine Alzheimer-Inzidenz von 7,2 % gegenüber 10,2 % bei Ungeimpften, entsprechend einem Risikoverhältnis von etwa 0,72; ähnlich günstige Assoziationen fanden sich für Herpes-zoster- (RR 0,75) und Pneumokokken-Impfungen (RR 0,73).[51] Eine auf US-Krankenkassendaten basierende Kohortenstudie mit 935.887 geimpften und 935.887 nach Propensity Score gematchten ungeimpften Personen ab 65 Jahren ergab, dass sich während der Nachbeobachtung bei 5,1 % der gegen Influenza geimpften, aber bei 8,5 % der ungeimpften Personen eine Alzheimer-Krankheit entwickelte (Risikoverhältnis 0,60; 95-%-Konfidenzintervall 0,59–0,61).[54] Die Metaanalyse von Sun et al. über acht Beobachtungsstudien mit insgesamt 2.087.195 Personen und 149.804 Demenzfällen fand für mindestens eine Influenzaimpfung ein gepooltes relatives Risiko für Demenz von 0,69 (95-%-Konfidenzintervall 0,57–0,83), was einer geschätzten Risikoreduktion um rund 31 % entspricht.[55]
Diagnostik
Die moderne Medizin bietet ein großes Spektrum klinischer, labortechnischer und bildgebender Untersuchungsmöglichkeiten. Für eine umfangreiche Diagnostik sprechen die notwendige Erfassung des verursachenden Krankheitsbildes sowie des Schweregrades und die so ermöglichte adäquate fachärztliche Therapie, gegebenenfalls auch durch Neurologen und Sozialmediziner. Auch wegen betreuungsrechtlicher Schritte, die mit einer erheblichen Beschneidung der Grundrechte bzw. auch der Bürgerrechte und des sozialen Lebens verbunden sein können (z. B. Einschränkung der Fahrerlaubnis, der Berufsfähigkeit und der Testierfähigkeit, Notwendigkeit einer Pflege oder Betreuung), dürfen solche Entscheidungen nicht leichtfertig oder auf der Basis ungeeigneter diagnostischer Tests erfolgen.[56]
Symptome nach ICD-10 Klassifikation
Bei einer Demenz (ICD-10-Code F00-F03) treten zunehmend Zeichen einer verminderten Hirnleistung auf. Diese können das Gedächtnis, das Denkvermögen (kognitive Symptome), die Sprache, motorische Fähigkeiten sowie Verhalten und Persönlichkeit betreffen. Im fachklinischen Bereich gibt es für diese Teilfunktion Testverfahren, jedoch mit unterschiedlicher Aussagekraft.
Störung des Gedächtnisses
Leitsymptom aller Demenz-Erkrankungen ist die Störung des Gedächtnisses, die allerdings in den Anfangsstadien klinisch meistens nicht offensichtlich ist. Menschen, die ihr Leben lang viele soziale Kontakte hatten, können den geübten verbindlichen Umgangston (Kommunikation) auch weiterpflegen, wenn vor dem Hintergrund lebenslanger Erfahrungen das Erinnern schwerer fällt. Dem Betroffenen selbst fallen seine Gedächtnisstörungen zuweilen nicht auf oder er kann z. B. bei Arztbesuchen sehr ausgeruht den kurzen Termin meistern. Es gibt Daten, die dafür sprechen, dass die subjektive Angabe eines Patienten, vergesslicher zu werden, ein zuverlässiger Parameter ist, um die Entwicklung einer Demenz sehr frühzeitig voraussagen zu können.[57] Jedoch führen Suggestivfragen möglicherweise auch bei nicht Beeinträchtigten zu positiven Antworten. Auch kann z. B. der Schweregrad der Gedächtnisstörung im Falle einer depressiven Verstimmung überschätzt werden.
Das biographische Gedächtnis betrifft die Erinnerung an frühere Ereignisse. Dabei ist zuerst das Kurzzeitgedächtnis gestört, während lange zurückliegende Erinnerungen an Kindheit und Jugend noch erhalten sind. Daher sprechen Demente häufig von lange zurückliegenden Erlebnissen. Später verlieren sich auch länger zurückliegende Gedächtnisinhalte. Der Verlust des exekutiven Gedächtnisses beginnt, den Tagesablauf der Patienten zunehmend zu stören: Die Nahrungsaufnahme wird unregelmäßig. Die Körperpflege wird schlechter. Zudem werden Geburtstage und Feste vergessen, Vereinbarungen, Verabredungen und Arzttermine nicht eingehalten, Medikamente werden nicht zeitgerecht eingenommen. Schließlich geht das Zeitempfinden verloren. Die Patienten kennen kein Datum, keine Jahreszeit, keine Tageszeit mehr.
Das Vergessen betrifft auch die Erkennung von Personen. Das Nicht-Erinnern von Personen führt indirekt zu einer sozialen Isolation. Im weit fortgeschrittenen Stadium erkennen die Betroffenen oftmals nicht einmal ihre engsten Angehörigen wieder. Auch kommt es zu Verkennung der Identität. Zum Beispiel werden Tochter bzw. Sohn mit der vor 30 Jahren verstorbenen Mutter bzw. dem längst verstorbenen Vater verwechselt.
Die Störungen des geographischen Gedächtnisses beruht auf einer Verminderung visuell-räumlicher Fähigkeiten. Es fängt damit an, dass Gegenstände gesucht werden. Außerhalb der Wohnung werden bekannte und gewohnte Wege noch lange wiedererkannt. Außerhalb bekannter Wege verlaufen sich die Patienten oft, besonders, wenn in der ihnen über Jahrzehnte geläufigen Umgebung bauliche Veränderungen stattfinden. In ländlicher Umgebung kommen manchmal desorientierte Personen ums Leben, wenn sie sich dort verlaufen und nicht rechtzeitig gefunden werden.
Kognitive Symptome
Die Verschlechterung kognitiver Fähigkeiten äußert sich beim Denken, der Auffassungsgabe, der Fähigkeiten im Rechnen und der Lernfähigkeit. Für jede dieser Fähigkeiten gibt es bei fachklinischer Untersuchung geeignete Testverfahren. Ein Frühbefund der Denkstörung kann ein gewisser Starrsinn sein, bei dem gewohnte Denkmuster beibehalten werden, obwohl sie überholt sind. Neue Ideen werden abgelehnt, ohne sich damit zu beschäftigen.

Störung der Sprache
Ein Frühsymptom ist die Wortfindungsstörung. Nicht erinnerte Worte werden durch „Dingsda“ oder ähnliches ersetzt. Je mehr Worte im Satz fehlen, um so schwieriger wird es, zu verstehen, was der Patient eigentlich will. Später kommen auch grammatikalische Defizite des Gesprochenen hinzu. Gleichzeitig wird das Sprachverständnis, insbesondere bei schneller oder leiser Sprache schlechter. Ein Hörgerät kann das Sprachverständnis dann oft nicht mehr verbessern. Bei langsamer Sprache und Wiederholung ist das Verständnis besser.
Störung motorischer Funktionen
Motorische Störungen können zum Bild einer fortgeschrittenen Erkrankung gehören, nicht nur dann, wenn es sich um die Folge eines Parkinson-Syndroms handelt (wobei die motorischen Störungen bereits in der Grunderkrankung begründet sind), sondern auch bei anderen Demenzformen. Die Patienten können zunehmend unbeweglich werden, was den ganzen Körper betreffen kann. Der Gang kann kleinschrittiger, schlurfender und breitbeiniger werden. Häufig geht damit, besonders wenn kein Mobilisierungstraining bzw. keine physiotherapeutische Behandlung erfolgt, eine erhöhte Sturzgefährdung einher, weil es zunehmend zur Störung der Haltereflexe kommen kann. In einem Review wurden 20 Langzeitstudien ausgewertet, die den Zusammenhang zwischen Gehen (Geschwindigkeit, Tempo, Variabilität, Schrittlänge) und kognitiver Beeinträchtigung untersucht hatten. Es ergab sich ein Zusammenhang zwischen verminderter Geschwindigkeit und dem späteren Auftreten neurokognitiven Störungen.[58]
Veränderungen von Verhalten und Persönlichkeit
Die Verhaltensstörungen bei Menschen mit Demenz werden BPSD (Behavioural and Psychological Symptoms of Dementia) genannt.[59] Darunter werden die Apathie (76,0 %), Aberrant motor behaviour (d. h. zielloses Herumirren, 64,5 %), Essstörung (Essen von Unessbarem, 63,7 %), Gereiztheit/Labilität (63,0 %), Agitation/Aggression (62,8 %), Schlafstörungen (53,8 %), Depression/Dysphorie (54,3 %), Angst (50,2 %), Wahn (49,5 %), Enthemmung (29,5 %), Halluzinationen (27,8 %) und Euphorie (16,6 %) gezählt. Die Klammern beziehen sich auf die Prävalenz der 12 BPSD bei Alzheimer-Patienten.[60]
Im Vorfeld einer Demenz sind oft psychische Störungen zu beobachten, die häufig kaum von denen einer Depression oder den Folgen sozialer Isolation unterschieden werden können, wie Verlust von Interessen und Eigeninitiative, Reizbarkeit, Gefühl der Überforderung, Verlust der affektiven Schwingungsfähigkeit, depressive Verstimmungen.[61]
Psychotische Symptome sind relativ typisch für die Lewy-Körper-Demenz. Es handelt sich vor allem um optische Halluzinationen. Typischerweise sehen die Betroffenen zunächst vor allem im Zwielicht der Dämmerung nicht anwesende Personen, mit denen sie mitunter sogar Gespräche führen. Die Patienten können sich in diesem Stadium meist von ihren (Pseudo-)Halluzinationen distanzieren; das heißt, sie wissen, dass die Personen, mit denen sie sprechen, nicht anwesend sind.
In schwererer, späterer Ausprägung kommt es vor, dass sie Tiere oder Fabelwesen, Muster an den Wänden oder Staubfussel sehen oder groteske, meist bedrohliche Dinge erleben, zum Beispiel Entführungen. Diese szenischen Halluzinationen sind in der Regel sehr angstgefärbt. Die Patienten werden nicht selten aggressiv, wenn sie die sich in besten Absichten nähernden Angehörigen und Pflegenden in ihr Wahnsystem einbauen. Hier sind die Übergänge zum Delir fließend.
Klinische Diagnostik
Üblich zur standardisierten Beschreibung der Gedächtnisstörungen und des Schweregrades dementieller Symptome sind zunächst einfache psychometrische Testverfahren wie der Mini-Mental-Status-Test (MMSE), der Uhren-Zeichen-Test oder DemTect. Solche einfachen und schnell durchführbaren Tests werden auch zu Verlaufsuntersuchungen eingesetzt, sind aber bezüglich des Krankheitswertes der Veränderungen nur recht begrenzt aussagefähig. Sie werden jedoch benutzt, um zum Beispiel das Ansprechen auf Medikamente oder Therapieverfahren zu überprüfen. Zur Früherkennung wurde das Wiener Testsystem (CFD) entwickelt. Es handelt sich um digitales Test-Set für die Altersgruppe 50+, welches die Dimensionen entsprechend den DSM-5-Diagnosekriterien überprüft. Dazu wird ein Index ausgegeben, der eine schnelle und einfache Einschätzung vorhandener Beeinträchtigungen ermöglichen soll. Im Rahmen der Primärdiagnostik sind nach aktueller Leitlinie Demenz die Durchführung von Laboruntersuchungen erforderlich.[62] (Dies ist zur Erkennung von Erkrankungen notwendig, die sekundär zu dementiellen Symptomen führen, so dass die erforderliche fachärztliche Behandlung eingeleitet werden kann):
- Blutbild, Elektrolyte (Na, K, Ca): Basisdiagnostik
- GOT, Gamma-GT: Ausschluss von Leberversagen
- Kreatinin, Harnstoff, CRP: Ausschluss einer Niereninsuffizienz
- TSH: Ausschluss einer Schilddrüsenfunktionsstörung
- Vitamin B12: Ausschluss eines B12-Mangels
Bei der Untersuchung des Liquors wird versucht, τ-Protein und β-Amyloid als Beweis für eine Alzheimer-Demenz nachzuweisen.
Inzwischen gelingt es auch, diese Substanzen im Blutserum zu erkennen. Die Bedeutung der Serum-Befunde ist noch Gegenstand der Forschung.
Psychologische Diagnostik
Der Ausprägungsgrad einer Demenz kann als leicht, mittelgradig oder schwer klassifiziert werden. Leichte Veränderungen werden als „mild cognitive imparement“ (MCI) bezeichnet. Der Mini-Mental-Status-Test (MMST) ist einfach anzuwenden und wird international zur Einstufung herangezogen. Allerdings ist das Ergebnis nur als Orientierung zu betrachten, steht also nicht für die eindeutige Diagnose aufgrund erfasster Veränderungen. Der Test eignet sich so auch nur bedingt für die Beobachtung der Veränderung des Schweregrades bei jahrelangem Verlauf. Die Ergebnisse des MMST werden durch die Art der Beeinträchtigung beeinflusst. So schneiden Patienten mit aphasischer Symptomatik (Sprachstörung) schlechter ab als Patienten mit amnestischer Symptomatik (Gedächtnisstörung).
Schweregrad nach Punktzahl des MMST:[62]
- leicht: 20 bis 26 Punkte
- mittelschwer: 10 bis 19 Punkte
- schwer: 0 bis 9 Punkte
Der so ermittelte Schweregrad wird, unabhängig von seiner Ursache, zur Bewertung der Einwilligungsfähigkeit (bezüglich Medizinischen Maßnahmen, Verträgen, z. B. Testament, Patientenverfügung) genutzt, ebenso im Zusammenhang mit der Fähigkeit zu selbstbestimmten Leben, Fahrerlaubnis (und anderen Tätigkeiten mit Selbst- oder Fremdgefährdung) und der Entscheidung über soziale oder rechtliche Maßnahmen (Pflege, Heimunterbringung, Vormundschaft).
Die Prüfung soll zu verschiedenen Zeitpunkten wiederholt werde. Für die Diagnose nach ICD müssen die Symptome mindestens sechs Monate lang bestanden haben.
Apparative Diagnostik
Eine Diagnose Demenz kann heute mit keiner Methode unzweifelhaft sicher gestellt werden. Jedoch haben bildgebende Verfahren wie die Positronen-Emissions-Tomographie (PET), die Einzelphotonen-Emissionscomputertomographie (SPECT) und die Magnetresonanztomographie (MRT) in den vergangenen zwanzig Jahren dazu beigetragen, die differentialdiagnostischen Möglichkeiten zur Unterscheidung verschiedener dysfunktioneller und neurodegenerativer Prozesse des Gehirns, wie Amyloidosen, Tauopathien und Parkinson-Krankheit, oder auch vaskulärer Veränderungen des Gehirns und Tumorerkrankungen bzw. Tumormetastasen, deutlich zu verbessern.[63] Mit CT und MRT können differentialdiagnostisch allgemeine und intrakranielle Gefäßprozesse erkannt sowie Tumoren und andere Raumforderungen entdeckt werden. Die Hirnatrophie kann in Schweregrad und Verteilung abgeschätzt werden. Besonders wichtig ist die Atrophie des medialen Temporallappens und der Hippcampusregion im MRT. Es wurde ein MTA-Score (Medial Temporal Lobe Atrophy) entwickelt, der im Falle einer Alzheimer-Demenz gut mit der Krankheitsschwere korrelierte.[64] Die Verwendbarkeit des MTA-Scores ist durch die physiologische Hirnschrumpfung im Alter und durch die subjektive Beurteilung eingeschränkt.[65] Durch spätere Wiederholung der Bildgebung kann die Geschwindigkeit des Krankheitsprozesses beurteilt werden.
Das PET-CT ermöglicht auch die metabolische Beurteilung des Gehirns. Mit der 18 kann die Stoffwechselintensität in verschiedenen Hirnarealen dargestellt werden. Spezielle PET-Tracer für Amyloid-β und TAU-Protein ermöglichen den Nachweis spezifische Proteinfaltungsstörungen.[66][67]
Zur Diagnose von neurokognitiven Störungen, die mit extrapyramidal motorischen Störungen einhergehen, wird die Szintigraphie mit Iod-123-β-CIT oder Ioflupan (DaTSCAN),[68] die Iod-123-IBZM-Szintigraphie und die PET mit L-Dopa eingesetzt. Damit kann eine Parkinson-Krankheit, die Multisystematrophie, eine progressive supranukleäre Blickparese und ein essentieller Tremor abgegrenzt werden.
Auch die Elektroenzephalografie kann zur Unterscheidung von anderen Gehirnerkrankungen sinnvoll sein,[69] wird aber in der Leitlinie nicht empfohlen.[62]
Differentialdiagnostik
Manche psychischen und neurologischen Störungen können eine Demenz vortäuschen:
- Depression
- altersassoziierter kognitiver Abbau
- Leichte kognitive Beeinträchtigung
- Vermeidungsverhalten
- Deprivationserscheinungen oder Hospitalismus mit Regression, wie in Altersheimen
- Delir
- Neurolues
- Psychose und Wahn (z. B. Schizophrenie, Manie und psychotische Depression)
- einfacher Mutismus
- einfache Aphasie
- Flüssigkeitsmangel (Exsikkose)
Eine genaue Differentialdiagnostik ist notwendig, um die richtige Therapie festlegen zu können, sowohl in der medikamentösen wie der nichtmedikamentösen Behandlung.
Einteilung der Demenzarten
Die Klassifikation einer Demenz sollte sowohl nach dem Schweregrad (siehe Diagnostik) als auch nach der Ursache erfolgen.[62]
Frühes Stadium (leichte kognitive Beeinträchtigung)
Während zu mittleren und fortgeschrittenen Stadien einer Demenz bereits umfangreiche Forschungsberichte verfügbar sind, wendet sich in verschiedenen Forschungsbereichen die Aufmerksamkeit nur langsam Menschen mit einer beginnenden oder einer moderaten Beeinträchtigungen zu. Menschen, bei denen eine Demenz diagnostiziert wurde, die selbst aber weiterhin aktiv am Leben teilhaben, fordern die Aufmerksamkeit für frühe Stadien der Demenz ein. Sie sprechen in der Öffentlichkeit als Demenz-Aktivisten. Die bekannteste unter ihnen in Deutschland ist die Münchenerin Helga Rohra, die seit 2009 mit einer Lewy-Körper-Demenz-Diagnose lebt. Helga Rohra spricht auf vielen Tagungen und Kongressen und setzte sich unter anderem als Vorsitzende der European Working Group of People with Dementia[70] für die Rechte von Menschen mit Demenz und für „eine Bewusstseinsänderung zum Thema Demenz“[71] ein.
Mittleres Stadium (mittelstarke kognitive Beeinträchtigung)
Menschen im mittleren Stadium einer Demenz nehmen die Realität, wie sie orientierte, kognitiv gesunde Menschen normalerweise wahrnehmen, anders wahr. Sie verlieren zunehmend bestimmte Wahrnehmungsfähigkeiten, zuallererst die zeitliche Orientierungsfähigkeit, später die Fähigkeit, sich hinsichtlich Ort, Situation und zuletzt der Personen zu orientieren. Sie können Gegenstände, Situationen und Personen immer weniger in einen größeren Kontext einordnen. Aufgrund ihrer Erinnerungsstörungen ist ihnen der Zugriff auf früheres Wissen (semantisches Gedächtnis) und Erlebnisse (episodisches Gedächtnis – zurücklöschend) verwehrt, um sich mit deren Hilfe in der jetzigen Situation zurechtzufinden. Es fehlen das Wissen und die Sicherheit von Ressourcen, die der Bewältigung aktueller Situationen dienen. Es ist also hilfreich und notwendig, diese Ressourcen dem Patienten zugänglich zu machen (z. B. Kalender , Radio, Computer, intaktes Hörgerät, falls eine Schwerhörigkeit vorliegt, der Sehtüchtigkeit entsprechende Brille, Telefon für Kontakt mit Angehörigen und Freunden), denn ein normales Verhalten wird durch normale Umstände unterstützt bzw. ermöglicht.
Insbesondere bei Lewy-Körper-Demenzen kann es zu Halluzinationen oder Wahnvorstellungen kommen. Im Idealfall erfassen die Pflegenden die hinter den Halluzinationen stehende Stimmung und gehen auf diese ein.
Menschen mit Demenz benötigen mehr Zeit für alle Reaktionen und Handlungen. In fortgeschrittenen Stadien gilt das z. B. für die ausreichende Ernährung, weil die Betroffenen kein Hungergefühl verspüren, die Nahrung verweigern oder nicht mehr in der Lage scheinen, die Nahrung aufzunehmen.[72] Häufig tragen auch Erkrankungen im Zahn- und Mundbereich wesentlich dazu bei, die oft auch mit Schmerzen bei der Nahrungsaufnahme verbunden sind. Es ist aber auch zu überprüfen, ob es sich um eine Verkennung der Situation (Nichterkennen der Nahrung), um eine physiologisch oder pathologisch bedingte Schluckstörung oder um einen bereits so weit fortgeschrittenen Abbau der kognitiven Fähigkeiten handelt, dass zwischen dem Spüren von Nahrung im Mund und dem Auslösen eines Schluckreflexes keine kognitive Verbindung mehr möglich ist. Im mittleren Stadium ist es durch ausreichende Sinnesreize (appetitlich und eindeutig zu identifizierende Nahrung, gut gewürzte Nahrungsmittel), eine gute Esskultur (gemeinsames Essen am Tisch, gesunde „Modelle“, die mitessen) und kontinuierliches Anbieten von Nahrung über den Tag und auch in der Nacht oft möglich, den betroffenen Menschen mit ausreichend Nährstoffen zu versorgen. Beeinträchtigungen des Geruchs- und Geschmackssinnes bei manchen Formen der Erkrankung können weitere Hindernisse sein. In Verbindung mit der Alzheimer-Krankheit können mehrere kognitive Fähigkeiten eingeschränkt sein wie das Erkennen von Farben.
Außerdem sind Depressionen ein häufiges Problem. Da die Symptome einer Depression denen der Demenz ähneln, können beide Krankheiten verwechselt werden. Je weiter die Demenz fortschreitet, desto mehr verflacht auch die Gefühlswelt. Bei zunehmender Interessenlosigkeit ist eine affektive Indifferenz zu beobachten, mit einer Unfähigkeit, sich zu freuen oder traurig zu sein.
In Deutschland können Menschen mit der Diagnose Demenz Unterstützungsleistungen aus der Pflegeversicherung erhalten.[73]
Einteilung nach der Leitlinie Demenz 2025
Als Verfasser der Leitlinie Demenz vom 17. Mai 2025 sind Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Neurologie und die Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde paritätisch vertreten. In der Leitlinie ist die ICD10GM implementiert. Die Leitlinie Demenz behandelt nur folgende Formen der Demenz: Alzheimer-Erkrankung, vaskuläre Demenz, fronto-temporale Demenz, Demenz bei Morbus Parkinson, Lewy-Körper-Demenz und Mischformen. Alle anderen Ursachen sind nicht abgedeckt.(Für die Klassifikation entsprechender Leitlinien siehe auch ICD-10, F00-F99, Psychische und Verhaltensstörungen)[74]
Darstellung in der amerikanischen DSM-5
Die Textrevision 2022 des DSM-5 des US-amerikanischen Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders[75] verwendet den Begriff der Demenz nicht mehr, sondern spricht von neurokognitiven Störungen (neurocognitive disorders, NCD) und schließt weitgehend alle erworbenen Hirnleistungsstörungen ein, mit Ausnahme kognitiver Beeinträchtigungen bei Psychosen oder Schizophrenie und kognitive Störungen bei Hirnentwicklungsstörungen. Die bisher im DSM nicht berücksichtigte leichte kognitive Beeinträchtigung (mild cognitive impairment, MCI) wird dagegen ebenso berücksichtigt wie das Delir, letzteres als eigenständige Kategorie. Das DSM-5 unterscheidet beim Oberbegriff neurocognitive disorders folgende als gesichert geltende Krankheiten, wobei die vollständige Formulierung lautet „neurokognitive Störung aufgrund […]“:
Neurokognitive Störungen aufgrund
- Alzheimer-Krankheit
- frontotemporal
- Lewy-Körper-Demenz
- vaskulär
- Schädel-Hirn-Trauma
- substanz-/medikationsinduziert
- aufgrund HIV-Infektion
- aufgrund Prionenkrankheit
- aufgrund Parkinson-Krankheit
- aufgrund Huntington-Krankheit
- aufgrund anderem medizinischen Faktor
- aufgrund multipler Ätiologie[76]
Die bisherigen diagnostischen Kategorien
- Aphasie (Wortfindungsstörung): Störung der Sprache
- Apraxie (Werkzeugstörung): beeinträchtigte Fähigkeit, motorische Aktivitäten auszuführen
- Agnosie (Gestörtes Wiedererkennen): Unfähigkeit, Gegenstände zu identifizieren bzw. wiederzuerkennen
- Dysexekutives Syndrom: Störung der Exekutivfunktionen, d. h. Planen, Organisieren, Einhalten einer Reihenfolge wurden neu gefasst und erweitert zu den Diagnosekriterien komplexe Aufmerksamkeit, exekutive Funktionen, Lernen und Gedächtnis, Sprache, perzeptuell motorische Fähigkeiten und soziale Kognitionen.[76]
Morbus Alzheimer
Die Alzheimer-Krankheit ist nach Daten der WHO 2015 mit 60 bis 70 % aller Fälle die häufigste Ursache einer Demenz. 9 % der Fälle werden im Alter unter 65 Jahren beobachtet.[8] Die Begriffe Alzheimer und Demenz werden außerhalb der Fachpresse fälschlicherweise oft synonym verwendet. Eine Demenz ist ein Symptomkomplex nachlassender Hirnleistung bezüglich Gedächtnis, Denkvermögen, emotionaler und sozialer Leistungen, während die Alzheimer-Krankheit eine Sonderform der Demenz infolge einer neurodegenerativen Krankheit mit typischen Ablagerungen (Plaques) von Amyloid-beta und hyperphosphoryliertem Tau ist.[77][78][79]
Vaskuläre Demenz
Wenn die Sauerstoffversorgung des Gehirns sinkt, so kommt es zur Leistungseinbuße des ZNS, welche zunächst reversibel, später jedoch permanent ist. Durch eine Atherosklerose der zuführenden Arterien (Arteria carotis interna, Arterie basilaris) kann sich die Durchblutung des Gehirns verschlechtern. Die Einengungen können auch kleinere Hirnarterien betreffen. Beim Verschluss einzelner Gefäße kommt es zu einem Apoplex mit Absterben von Hirngewebe. Vaskuläre Demenzen können wie folgt unterschieden werden:
- Multiinfarktsyndrom: Defektsyndrom nach größeren, einzelnen oder multiplen, ischämischen oder hämorrhagischen Schlaganfällen (Insulten) mit Untergang einer kritischen Masse an neuronalem Gewebe (wahrscheinlich ca. 100 ml)
- Strategische Insulte: ausgeprägte kognitive Defizite bei kleinem Läsionsvolumen an entscheidenden Stellen (Thalamus, hinteres Kapselknie, frontales Marklager)
- Mikroangiopathische Läsionen
- multilakunäres Syndrom
- konfluierende Marklagerveränderungen (Subkortikale arteriosklerotische Enzephalopathie, SAE)[80][81]
- Mikrogefäßveränderungen
- Kapillarverlust
- Blut-Hirn-Schranken-Störungen
Pick-Krankheit
Bei der Fronto-parietalen Demenz, einer Sonderform der Demenz, findet sich die Degeneration der Hirnrinde überwiegen in den frontalen und parietalen Hirnlappen. Je nach betroffener Region stehen Verhaltensstörungen oder Sprachstörungen im Vordergrund.[82]
Genetische Formen der Demenz
- CADASIL-Erkrankung
- HERNS-Syndrom
- Familial British dementia (HCHWA-D (Hereditary Cerebral Hemorrhages with Amyloidosis of the Dutch Type), HCHWA-I (Icelandic Type))
Neurokognitive Störung durch cerebrale Raumforderung
Demenzen können durch raumgreifende Ereignisse im Gehirn verursacht werden, z. B.
- Tumoren des Gehirns
- Metastasen im Gehirn
- chronische Hämatome
- nicht behandelter Hydrozephalus.
Diese Demenzformen sind zum Teil reversibel, d. h., die demenziellen Veränderungen können sich zurückbilden, wenn die auslösende Ursache entfernt ist.
Neurokognitive Störung infolge Stoffwechselerkrankungen
- hepatolentikulärer Degeneration (Morbus Wilson)
- Hyperkalziämie
- Hypothyreose, erworben
- Intoxikationen
- Niacin-Mangel (Pellagra)
- Urämie[83][84]
- Vitamin-B12-Mangel
- zerebraler Lipidstoffwechselstörung
Neurokognitive Störung durch Infektionskrankheiten
- Neurokognitive Störung infolge der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit
- Neurosyphilis
- Trypanosomiasis
- HIV
Weitere Formen der Neurokognitiver Störungen
- Lewy-Körperchen-Demenz
- Korsakow-Syndrom, verursacht durch Alkoholmissbrauch
- Neurokognitive Störung im Zusammenhang mit der Parkinson-Krankheit
- Neurokognitive Störung bei Epilepsie
- multiple Sklerose
- Panarteriitis nodosa
- systemischer Lupus erythematodes
Häufigkeit der Demenzformen
Die weltweit häufigste Form einer Demenz ist mit einem Anteil von etwa 60 % die Alzheimer-Krankheit (Stand 2017).[85] Mit Zahlenangaben zwischen 10 und 20 % gilt die vaskuläre Demenz (sekundär, vor allem durch artheriosklerotische Gefäßveränderungen bedingt) als zweithäufigste Form. Die Diagnose ist oft unsicher, da sie bei den Patienten nur anhand der Symptomatik gestellt wird, in seltenen Fällen durch eine Obduktion nach dem Tod des betroffenen Menschen bestätigt.[86]
| Alzheimer-Krankheit | ca. 50 % bis 60 % |
| Vaskuläre Demenz | ca. 20 % |
| Mischform beider o. g. | ca. 15 % |
| Lewy-Körper-Demenz und Parkinson-Syndrom | ca. 10 % bis 20 % |
| Frontotemporale Demenz | ca. 5 % bis 10 % |
| Andere | < 5 % |
Alle Angaben sind Schätzungen.
Therapie
Dementia Care Management
An der begleitenden Pflege ist aktuell eine Vielzahl von Berufsgruppen (Ärzte, Pflegekräfte, Sozialarbeiter, Psychologen, Logopäden, Physiotherapeuten, Psychotherapeuten usw.) beteiligt. In den USA, England, Deutschland und den Niederlanden wurden Konzepte für eine Koordination der Tätigkeiten entwickelt.[87] Die deutschen Fachgesellschaften für Neurologie und für Psychiatrie befürworten die Einführung eines Dementia Care Management in Deutschland.[62] Gegenwärtig (Stand 1.2026) ist es in der BRD nicht flächendeckend verfügbar.
Symptomatische oder umfassend präventive Therapie
Bei Behandlung und Betreuung soll eine antidementive Therapie und die Therapie von Folge- oder Begleiterkrankungen, wie Depression oder Angststörungen, unterschieden werden. Erstere hat das Ziel, die Hirnleistung in Bezug auf Gedächtnis, motorische Fähigkeiten und Alltagsbewältigung zu verbessern. Dadurch kann die Zahl der Klinikeinweisungen reduziert werden.
Kognitive Verfahren
Um Krankheitszeichen günstig zu beeinflussen, das Wohlbefinden der Betroffenen zu verbessern und/oder Fähigkeiten (Ressourcen) so lange wie möglich zu erhalten, wurden verschiedene Formen von nicht-medikamentösen Interventionen entwickelt.[88]
- Kognitives Training
- Kognitive Stimulation
- Remineszenz-Therapie
- Realitätsorientierung
- Kognitive Rehabilitation
- Musiktherapie
- körperliches Training
- sonstige Verfahren
Kognitives Training
Bei leichter bis mittelschwerer Demenz konnte in einer Metaanalyse ein positiver Effekt durch kognitives Training nachgewiesen werden.[89] Gedächtnistraining unterscheidet sich dadurch von Gehirnjogging, dass es sich an ein erkranktes Publikum wendet oder zur Prävention eingesetzt wird, es hat nicht den Charakter eines Sports oder einer reinen Freizeitbeschäftigung. Ein Wirksamkeitsnachweis konnte für die Aufgaben erbracht werden, die geübt wurden, wie das Wiedererkennen von Gesichtern auf Fotos oder die Orientierung in der Umgebung. Die Alltagsrelevanz des Gedächtnistrainings in der sozialen Betreuung von Demenzerkrankten ist umstritten, da die Gefahr besteht, dass die Betroffenen mit ihren Defiziten konfrontiert werden und es eher zu einer Verschlechterung der Gesamtsituation führt, wenn sich die Betroffenen als Versager fühlen. Deshalb wird diese Methode der sozialen Betreuung von Demenzkranken nur in den Anfangsstadien der Krankheit und angepasst an die jeweilige Krankheitslage angewandt.
Kognitive Stimulation
Bei der kognitiven Stimulation werden durch gezielte Aufgabenstellung oder geeignete Spiele die Bereiche Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Gedächtnis, exekutive Funktionen und Koordination trainiert. Es gibt auch Apps, mit denen vom Handy oder Tablet ein selbständiges Training durchgeführt werden kann. Allerdings wird zum gegenwärtigen Zeitpunkt geraten, nicht allein Web-basierte Trainingsprogramme zu benutzen, sondern ein Training als Einzel- oder Gruppentherapie wahrzunehmen.[62]
Remineszenz-Therapie
Bei leichter und mittelschwerer Demenz ist das Langzeitgedächtnis oft überraschend gut. Die Patienten erzählen gern von früheren Zeiten. Durch gemeinsames Betrachten alter Fotos und geduldige Gespräche kann die Gedächtnisfunktion allgemein stimuliert und trainiert werden. Auch die Biographiearbeit im Rahmen der Validation verwendet derartige Techniken.
Realitätsorientierung
Das Training der Realitätsorientierung zielt darauf ab, das tägliche Leben möglichst ohne fremde Hilfe meistern zu können. Dazu gehört das Personenerkennen. Immer wieder auftretende Verwandte und Pflegepersonen werden durch häufiges Zeigen von Bildern und Nennen der Namen eingeprägt. Ein Kalender sollte groß und mit Markierung des aktuellen Datums und wichtiger Feiertage sichtbar sein. Eine Uhr mit großem Zifferblatt und Zahlen solle immer im Blickfeld sein. Schränke sollten mit den Namen der gelagerten Gegenstände beschriftet sein. Die Ordnung in den Schränken sollte nicht verändert werden.[90]
Kognitive Rehabilitation
Bei Hirnfunktionsstörungen nach Schlaganfällen, Schädel-Hirn-Traumata oder langer Vollnarkose sollte versucht werden, die Regenerationsfähigkeit des Gehirns voll auszuschöpfen. Das gelingt am besten im Rahmen eine stationären Rehabilitation in Zusammenarbeit von Neuropsychologie, Psychotherapie, Pädagogik und Sprachtherapie.[91]
Musiktherapie
Die Musik kann passiv als reines Musikhören oder aktiv durch Singen, Instrument spielen oder Tanzen eingesetzt werden. Tanzen kann kognitive, körperliche, emotionale und soziale Fähigkeiten aktivieren,[92] zum Wohlbefinden der Demenzkranken beitragen und ihr Selbstwertgefühl stärken.[93] In einer Übersichtsarbeit wurde ein positiver Effekt einer Musiktherapie auf die globale Kognition gefunden.[94]
Körperliches Training
Körperliches Training kann in Form von Kraftübungen, aerobem Training, Multikomponententraining und Mind-Body-Übungen (z. B. Yoga) durchgeführt werden. In 45 Studien wurden unterschiedliche Effekte unterschiedlicher Trainingsverfahren beobachtet, wie die Verbesserung von Exekutivfunktionen oder des Gedächtnisses.[95] Auch die Ergotherapie dient der Rehabilitation motorischer Fähigkeiten.
Sonstige Verfahren
MAKS-Therapie Dabei handelt es sich um die Motorische, Alltagspraktische, Kognitive und Soziale Aktivierung, eine Kombinationsbehandlung, die von der Psychiatrischen Universitätsklinik Erlangen entwickelt wurde.
Methoden, ohne Empfehlung durch die Leitlinie
Biografiearbeit Durch Biografiearbeit kann erfahren werden, welche Bedeutung bestimmte Verhaltensweisen für einen Menschen mit Demenz haben (Was bedeutet es, wenn Herr M. abends nicht schlafen gehen will? Will er signalisieren: „Ich vermisse noch meinen Schlaftrunk.“ oder meint er: „Ich vermisse beim Schlafengehen meine Ehefrau“?). Je gründlicher die Biografie sowie die Gewohnheiten und Eigenheiten eines Menschen bekannt sind, umso leichter kann sich ein Begleiter in einen Menschen mit Demenz einfühlen und seine momentanen Antriebe und Bedürfnisse verstehen – eine Technik, die Grundlage der Validation ist. Es ist wieder eine gründliche Dokumentation und eine enge Zusammenarbeit aller an der Pflege beteiligten Personen notwendig.[96] Der Ich-Pass kann die Biografiearbeit im Alltag erleichtern: Mit klassischen Fragen, wie sie aus Freundesalben bekannt sind, zum Beispiel nach dem Lieblingsessen, Musikgeschmack oder Hobbys kann der Ich-Pass-Besitzer seine Vorlieben und Abneigungen festhalten. Das kann sehr hilfreich sein, wenn er sich zum Beispiel im Fall einer demenziellen Veränderung nicht mehr verbal artikulieren kann und auf fremde Hilfe angewiesen ist. Durch die Informationen aus dem Ich-Pass kann zum Beispiel das Pflegepersonal ohne Kontakt zu Angehörigen schnell einen guten Zugang zum Betroffenen erhalten.[97]
Daseinsthematische Begleitung Basierend auf der dynamischen Persönlichkeitstheorie des Entwicklungspsychologen Hans Thomae wurde von Andreas Kruse in einer Studie mit demenzkranken Menschen untersucht, inwieweit durch offene, vertrauensvolle Beziehungen der Ausdruck persönlicher, im Laufe des Lebens entwickelter Themen ermöglicht beziehungsweise gefördert wird.[98] Konkret bezieht sich daseinsthematische Begleitung auf Themen, Talente und charakteristische Muster, die einen Menschen im Laufe des Lebens geprägt haben und die bis zuletzt bleiben, auch wenn die konkreten Erinnerungen an die eigene Biografie verblassen. Beispiele für Daseinsthemen sind ein Auslandssemester, Fremdsprachenkenntnisse oder Ausdrucksformen.[99][100]
Validationstherapie Validation ist ein Verfahren, dass wertschätzende Haltung gegenüber Patienten gewährleisten soll. Im Rahmen der Leitlinie Demenz wird diese therapeutische Methodik nicht erwähnt, da anerkannte Wirksamkeitsstudien fehlen.
Medikamentöse Therapie
Bei der Behandlung sind nicht medikamentöse Interventionen grundsätzlich einer medikamentösen Therapie vorzuziehen, da die medikamentösen Therapien die kognitiven Defizite verschlimmern, zum Teil sogar die Lebenserwartung vermindern.[101] Bei der Alzheimer-Erkrankung wird versucht, durch immunologische Mechanismen, die Amyloid-β-Plaques abzubauen. Die Erfolge sind noch sehr umstritten. → Hauptartikel: Alzheimer-Krankheit Bei gefäßbedingter Demenz ist eine internistische Kontrolle der arterosklerosefördernden Mechanismen (Hypertonie, Blutfette, Gerinnung, Diabetes usw.), selten auch eine gefäßchirurgische Intervention sinnvoll. Darüber hinaus können einige Medikamente die Symptome der Demenz bessern. Häufig wird die Ursache der Demenz jedoch nicht verifiziert. Wegen der Häufigkeit des Auftretens der Symptome wurde vielfach pauschal eine Alzheimer-Krankheit angenommen. So bleibt die Wirksamkeit von Medikamenten bei nicht verifizierten Ursachen der Beschwerden in der Regel unklar.
Acetycholin-Esterase-Hemmer
Acetylcholin und Butyrilcholin sind Neurotransmitter, die von einer erregten Faser in den synaptischen Spalt ausgeschüttet werden und dadurch die postsynaptische Membran der verbundenen Zelle erregen. Sinkt die Konzentration von Acetylcholin ab, so verschlechtert sich die Signalübertragung. Bei Alzheimer-Krankheit und anderen Demenzarten konnte nachgewiesen werden, dass die Acetylcholin-Konzentration im ZNS verringert ist.[102] Durch eine Hemmung der Acetycholin-Esterase steigt die Konzentration von Acetylcholin und die Signalübertragung wird besser. Es konnte klinisch nachgewiesen werden, dass Acetycholin-Esterase-Hemmer die kognitiven Funktionen und die Gedächtnisleistung verbessern.[103] Von der großen Zahl wirksamer Substanzen wurden drei für die Behandlung der Demenz zugelassen und werden von der Leitlinie Demenz empfohlen: Donepezil, Galantamin und Rivastigmin.
Donezepil
Nachdem die „Donecepil Study Groupe“ nachgewiesen hatte, dass Donezepil die kognitive Funktion von Patienten mit leichter bis mittlerer Alzheimer-Demenz verbessern konnte,[104] erfolgte 1996 die Zulassung. Donecepil hemmt nicht nur die Acetylcholinesterase, sondern auch die Glutamat-induzierte Hyperexcitation, reduziert entzündliche Prozesse und induziert eine neuroprotektive Isoform der Acetylcholinesterase.[103] Donezepil hat auch verschiedene Nebenwirkungen, z. B. Schlafstörungen, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Durchfall, Muskelkrämpfe, niedrigen Blutdruck und Bradykardie.[104]
Galantamin
Galantamin ist ein weit verbreitetes Alkaloid, welches z. B. in Schneeglöckchen und gelber Narzissen enthalten ist. Zunächst wurde es bei Myopathien, Myasthenie und sensorischen oder motorische ZNS-Defiziten eingesetzt. Im Jahr 2000 konnte die Wirksamkeit von Galantamin bei Demenz nachgewiesen werden.[105] Die wichtigsten Nebenwirkungen sind Konvulsionen, schwere Übelkeit, Konfusion, Muskelschwäche und Tränenträufeln.[106]
Rivastigmin
Nachdem die Wirksamkeit in einer randomisierten Studie nachgewiesen worden war, wurde Rivastigmin im Jahr 2000 für die Behandlung von geringer und mittelgradiger Alzheimer-Demenz zugelassen.[107] Es ist auch bei Parkinson-assoziierter Demenz wirksam.[108] Es bindet sowohl an Acetylcholin-Esterase als auch an Butyrilcholin-Esterase. Rivastigmin kann auch als transdermales Pflaster verabreicht werden.[109] Die wichtigsten Nebenwirkungen sind Bauchschmerzen, Gewichtsverlust, Übelkeit und Erbrechen.
NMDA-Rezeptor-Antagonist Memantin
Neben dem Acetylcholin-Defizit gibt es einen zweiten Befund bei Demenz: die chronische Überstimulation des glutaminergen Systems.
Der N-Methyl-D-Asparagat (NMDA)-Rezeptor wird ständig aktiviert, was den neurodegenerativen Prozess beschleunigt.
Memantin ist ein NMDA-Rezeptor-Antagonist, der diesen Prozess unterbricht. Zusätzlich beeinflusst er Ionenkanäle des Serotonin- und Acetycholin-Systems. Durch diesen Mechanismus wird zusätzlich Gedächtnis und Lernfähigkeit verbessert.[110] Memantin kann mit einem Acetylcholinesterase-Hemmer kombiniert werden. In einer Cochrane-Analyse ergab sich eine Wirksamkeit bei mittlerer und schwerer Alzheimer-Demenz.
Bei vaskulärer Demenz wurde ein geringer Effekt gefunden. Für Memantin konnte keine Wirksamkeit bei Parkinson-assoziierter Demenz, Levy-Körper-Demenz, frontotemporaler Demenz und AIDS-bedingter bzw. bei geringer Demenz nachgewiesen werden.[111]
Ginko
Ginko-Extrakte werden in den chinesischen Medizin seit langem eingesetzt. In Deutschland war die Wirkung lange umstritten. Es wird ein standardisierter Extrakt EGb761 verwendet, der 22 – 27 % Flavonylglykoside, 5 – 7 % Terpenlaktone (Ginkgolide A, B, C, Bilobalid) und weniger als 5 ppm Ginkgolsäure enthält. Welche Komponenten wirksam sind, ist noch Gegenstand der Forschung. In einer Metaanalyse vor 9 randomisierten Studien mit insgesamt 2661 Patienten mit leichter oder mittelschwerer Demenz wurde die Wirkung eines Extraktes von Gingo biloba EGb761 in einer Dosis von 240 oder 160 mg untersucht. Es wurde eine Besserung der kognitiven Funktion und eine Steigerung der Aktivität im Alltagsleben gefunden. Auch Verhaltensveränderungen und neurophychiatrische Symptome wurden seltener.[112] In der Leitlinie Demenz vom 24. Juli 2025 wird die Behandlung mit Ginko-Extrakt in der Dosierung 240 mg täglich befürwortet.[62]
Technische Unterstützungssysteme
Es wurden technische Unterstützungssysteme entwickelt, um den Alltag zu bewältigen, das Wohlbefinden zu steigern und psychische Symptome zu vermindern. Dazu gehören:
- virtuelle Begleiter, Navigationsassistenten
- virtuelle Gesprächspartner
- virtuelle Psychotherapeuten
- Assistenzroboter
- sensorische Überwachungssysteme (z. B. Puls, Blutdruck)
Eine Recherche des IQWiG ergab, dass zum Zeitpunkt der Analyse (2021) keine hinreichende Evidenz zur Wirksamkeit dieser technischen Hilfsmittel vorlag.[113]
Behandlung psychischer und Verhaltenssymptome
Erkrankte können neben kognitiven Einschränkung psychische Veränderungen und Verhaltenssymptome aufweisen. Dazu gehören Apathie, Depression, Agitation, Aggression, Angst, Halluzinationen, Schlafstörungen und Essstörungen.[114] Im Verlauf einer Demenz weisen 97 % aller Patienten zeitweise psychische Symptome auf.[115] Im englischen Schrifttum wird von BPSD (Behavioural and Psychological Symptoms of Dementia) gesprochen. Die BPSD verschlechtern die Lebensqualität der Betroffenen. Diese Begleitsymptome gelten häufig als Begründung einer Heimbetreuung, da sie mit einer Verschlechterung der Motorik, der Gefahr von Sturzverletzungen und einem höheren Pflegebedarf verbunden sein können.[116]
Alle beruhigenden Medikamente, die beispielsweise bei Schlafstörungen oder Verschiebungen des Tag-Nacht-Rhythmus gegeben werden, verschlechtern jedoch die kognitive Leistung. Dasselbe gilt für Neuroleptika mit anticholinerger Nebenwirkung, die oft bei Halluzinationen verabreicht werden.
Die Anwendung sollte erst nach Abwägung von Alternativen erfolgen und zeitlich begrenzt werden.
Trotzdem ergab eine Stichprobe von 142 Patienten aus 26 Pflegeheimen unterschiedlicher Bundesländer, dass 74 % dieser Patienten Psychopharmaka erhalten hatten, davon 56 % Antipsychotika.[117]
Besonders kritisch ist die Anwendung von Psychopharmaka bei jungen und bei männlichen Patienten, sehr schwerer Demenz, allgemeiner Gebrechlichkeit und ernsthaften, ursächlichen Begleiterkrankungen (KHK, Krebs).[118]
Depression
Bei etwa 30 % aller Patienten entwickelt sich eine Depression.[119] Diese entsteht zum Teil reaktiv durch die zunehmenden Schwierigkeiten, die Alltagsprobleme zu bewältigen und durch eine zunehmende soziale Isolation. In einer Metaanalyse wurde die Wirksamkeit verschiedener Therapien untersucht.[120] Dabei zeigte sich eine Überlegenheit nicht-medikamentöser Interventionen. Körperliche Aktivität erwies sich als besonders vorteilhaft bei leichter Symptomatik.[121] Die körperliche Bewegung kann auch in Form einer Tanztherapie vermittelt werden.[122] Auch eine Psychotherapie ist in Form einer kognitiven Verhaltenstherapie bei leichter Symptomatik wirksam.[123] Weitere wirksame Maßnahmen sind kognitives Training, Reminiszenztherapie, stärkere soziale Kontakte, Kontakt mit Tieren (Hunde, Katzen) und Verbesserung der Wohnumgebung.[120]
Eine medikamentöse Therapie wird notwendig, wenn eine Notsituation (z. B. Suizidgefahr) vorliegt oder eine nicht medikamentöse Intervention unmöglich oder nicht erfolgreich ist. Bei der medikamentösen Therapie einer Alzheimer-Demenz werden Mirtazapin und Sertralin eingesetzt.[124]
Angst
Bei der medikamentösen Behandlung empfiehlt die Leitlinie Angststörung die Therapie mit Escitalopram, Paroxetin, Venlafaxin oder Duloxetin.[125] Benzodiazepine, wie sie häufig bei älteren Menschen eingesetzt werden, führen oft zur Verschlechterung der kognitiven Funktionen.
Halluzinationen
Halluzinationen werden am häufigsten bei einer Levy-Körper-Demenz oder einer fronto-temporalen Demenz beobachtet. Nicht interventionelle Behandlungen mit Evidenz sind nicht bekannt. Vor einer medikamentösen Behandlung sollte geprüft werden, ob die Halluzination die Lebensqualität oder die Betreuung des Dementen beeinträchtigt. Von den medikamentösen Optionen wird Risperidon am meisten empfohlen. Haloperidol ist zwar hoch wirksam, hat aber mehr diverse und stärkere Nebenwirkungen. In regelmäßigen Intervallen sollte geprüft werden, ob die Medikamente abgesetzt werden können.[62]
Gestaltung des Lebens betroffener Menschen
Das Wichtigste im Umgang mit an Demenz Erkrankten[126] ist Geduld. Durch Ungeduld seitens der Kontaktpersonen hat der Betroffene das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben – dies ist Ursache für Unzufriedenheit, Traurigkeit und Unwohlsein.
Stella Braam, Tochter eines Betroffenen, schildert einige typische Missverständnisse zwischen (beruflich) Pflegenden und an Alzheimer erkrankten Personen wie Bevormundung, Fixierung als vorgebliche Sicherheit vor Stürzen, unangepasste Beschäftigungsangebote und zu große, zu laute Personengruppen.[127]
Kommunikation
Der Sprachleitfaden der Deutschen Alzheimer- und Demenzorganisationen (DADO) vom März 2025 empfiehlt, im Gespräch über Demenz folgende Wörter und Wendungen zu vermeiden:
- Leiden und leiden
- senil und senile Demenz
- Demente und dement
- dementierend
- demenziell verändert
- verkalkt
Ebenso sollen folgende Begriffe und Wendungen vermieden werden, wenn man über die psychischen und verhaltensbezogenen Symptome einer Demenz spricht:
- schwierige Verhaltensweisen
- aggressiv (als allgemeines Verhalten ohne Bezug zur Situation und ohne nähere Beschreibung)
- problematische Verhaltensweisen
Für den Begriff herausfordernde Verhaltensweise, der sich eingebürgert habe, wird darauf hingewiesen, dass aus Sicht von Erkrankten ein bestimmtes Verhalten keineswegs mit der Absicht verbunden ist, herausfordernd zu sein.[128]
Im leichten Stadium einer Demenz ist eine besondere Form der Kommunikation oft nicht notwendig, kann sogar eine Kränkung der Betroffenen darstellen, die sich in dieser Phase meist ihrer Defizite bewusst sind. Hilfreich ist es jedoch, auf übermäßige Nachfragen und Recht haben zu verzichten.
Im mittelschweren Stadium einer Demenz sollte die Kommunikation von einer einfach strukturierten Sprache dominiert werden. Kurze Sätze ohne Nebensätze, klare, deutliche Formulierungen, der Verzicht auf Warum-Fragen[129] sind einfache Regeln hierfür. Menschen mit Demenz in einem mittleren Stadium sind aufgrund der kognitiven Veränderungen in der Regel nicht mehr in der Lage, Fremdwörter und lange Sätze mit einem komplexen Satzbau zu verstehen. Jeder Satz sollte nur eine freundliche Information enthalten. Also statt: „Steh auf und zieh dir den Mantel an“ nur: „Stehen Sie bitte auf“ und erst dann den nächsten Schritt. Oft werden Sprichwörter und Redensarten besser verstanden als abstrakte Wendungen.
Ein Streitgespräch mit dem an Demenz erkrankten Menschen sollte unter allen Umständen vermieden werden. Dies würde die Verwirrtheit und das unzufriedene „Gefühl“, das nach einem Streit bleibt, verstärken. Für den demenzkranken Menschen ist der Streit deshalb sehr bedrohlich, weil er nicht auf die Erfahrung zurückgreifen kann, dass der Streit wieder vorbeigeht, denn Demenzkranke leben fast ausschließlich im Augenblick. Im Idealfall sind die Betreuenden in der Lage, sich in die Gedankenwelt des Menschen einzufühlen, z. B. durch Validation.
Zu beachten ist ferner, dass bei Demenz die Fähigkeit, die nonverbale Kommunikation anderer Menschen zu deuten, eingeschränkt sein kann. Begleiter sollten daher bewusst auf ihre eigene Gestik und Mimik und andere körpersprachliche Elemente achten. Ein unbewusst verzogenes Gesicht oder eine unbewusste abwehrende Geste kann als bedrohlich empfunden werden.[130]
Wenn eine Kommunikation über Sprache kaum noch möglich ist, wird es umso wichtiger, die übrigen Sinne anzusprechen. Zugang kann über Schmecken, Riechen, Sehen, Hören, Tasten, Bewegung geschaffen werden, wie Melodien bekannter Volkslieder, bei denen die Betroffenen wahrlich aufblühen können. Vielerorts wurden Laienchöre gegründet, in denen Demenz-Erkrankte bekannte und neue Lieder einüben und vor Publikum zur Aufführung bringen.[131]
Allerdings ist zu beachten, dass sich einige Sinne verändern können. So spricht der Geschmackssinn vor allem auf süße Speisen an. Bei allen Reizen sollte darauf geachtet werden, nicht zu viele auf einmal einzusetzen. Eine Überlagerung verschiedener Sinneseindrücke kann bedrohlich wirken, da die verschiedenen Urheber nicht mehr getrennt und zugeordnet werden können. Ein Überangebot an Reizen führt damit eher zu Verwirrtheit als zu Stimulation. Es sollte also ein Gleichgewicht gefunden werden zwischen Überangebot und absoluter Reizarmut.
Die Umgebung und das Verhalten der Helfer sollte an den Erkrankten angepasst werden, beispielsweise beim Aufwachen in einem Seniorenheim: Der Patient wacht in einem fremden Zimmer ohne vertraute Gegenstände auf; ein Mensch (Pflegekraft), den er noch nie gesehen hat, kommt auf ihn zu. Dieser beginnt ihn zu waschen und anzukleiden – ohne zu fragen und deshalb für den Patienten vollkommen unverständlich. Stattdessen empfohlene Vorgehensweise: Die Pflegekraft sollte sich möglichst vorstellen und vorher in einfachen Sätzen erklären, was sie vorhat und auch weitere Handlungen kommentieren. Es zeigt sich, wie wichtig das Einstreuen vertrauter Gegenstände in die nähere Umgebung des Erkrankten ist, um dessen Verwirrtheit und daher aufkeimende Angst zu bekämpfen, denn vertraute Gegenstände, Geräusche usw. geben Sicherheit. Wichtig ist eine gute Beleuchtung, da Schatten häufig zu Verunsicherung führen, da sie nicht eingeordnet werden können. Weiterhin nimmt bei Demenzkranken das räumliche, dreidimensionale Sehvermögen ab. Deshalb werden farbliche Veränderungen des Bodens häufig als Schwellen interpretiert. Es gilt also, den Patienten angstfrei und möglichst orientiert zu halten.
Der Pflegeforscher Erwin Böhm setzt auf Kindheitsemotionen, um Senioren zu rehabilitieren. Böhm rät, in jungen Jahren ein so genanntes Sozigramm zu erstellen. Darin soll genau vermerkt werden, was einem als Kind und Jugendlicher Spaß gemacht hat. Diese Informationen können später verwendet werden, um Kindheitserinnerungen aufleben zu lassen. Dadurch entstehen Emotionen, die besonders Demenzkranke glücklich machen und ihnen neue Lebensenergie einflößen. Die Krankheit könne auf diese Weise zwar nicht geheilt, aber in ihren Auswirkungen vermindert werden. In diesem Sinne kann sich die mundartliche Fortbildung des Pflegepersonals günstig für den Umgang mit den Patienten erweisen.[132]
Wohnformen
Teils wohnen Menschen mit Demenz zuhause bzw. zusammen mit ihren Angehörigen, teils wohnen sie in stationären Einrichtungen wie in (allgemeinen) Alters- oder Pflegeheimen oder in gesonderten Einrichtungen.
In manchen stationären Einrichtungen wurden besondere Wohngruppen für Menschen mit Demenz eingerichtet, die sich zum Beispiel am Konzept ambulant betreuter Wohngemeinschaften oder stationärer Hausgemeinschaften orientieren, oder auch am früheren Projekt der sogenannten „Besonderen stationären Dementenbetreuung“ nach dem „Hamburger Modell“ (Beachte Sprachleitfaden der DADO).[133]
Arbeitswelt
In Japan besteht seit 2017 das Restaurant der Fehlerhaften Bestellungen (englisch The Restaurant of Mistaken Orders, jap. 注文をまちがえる料理店). In diesem Restaurant sind Menschen mit Demenz und Alzheimer als Kellner angestellt. Dass nicht alle Bestellungen richtig ankommen, gehört hier zum Konzept.[134] Im preisgekrönten Dokumentarfilm zum Projekt ist zu sehen, dass diese Wertschätzung den Angestellten wieder zu Selbstwert und Zufriedenheit verhilft.[135]
Das SGB XI sieht Pflegekurse für Angehörige und ehrenamtliche Pflegepersonen (§ 45 SGB XI) vor, ebenso wie Angebote zur Unterstützung im Alltag (§ 45a SGB XI; siehe auch: Alltagsbegleiter, Seniorenbetreuer) und eine Förderung entsprechender Versorgungsstrukturen (§ 45c SGB XI).
Volkswirtschaftliche Auswirkungen
Das DZNE schätzt die Kosten für die Pflege von Menschen mit der Diagnose Demenz in der BRD für das Jahr 2020 auf 83 Milliarden Euro. Dabei sind knapp die Hälfte (38 Mrd. Euro) Kosten der Kranken- und Pflegekassen. 45 Mrd. Euro sind sogenannte informelle Pflegekosten, Kosten also für die Pflege durch Angehörige.[136] Wegen der, so geschätzten finanziellen und gesellschaftlichen Bedeutung des Symptombildes hatte die Bundesregierung im Jahre 2020 eine Nationale Demenzstrategie beschlossen. Diese sollte federführend vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend und vom Bundesministerium für Gesundheit umgesetzt werden. Mit über 80 Akteuren sollte durch die Nationale Demenzstrategie erreicht werden, dass die Lebenssituation für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen besser wird.[137]
Die Regierung des Fürstentums Liechtenstein ließ 2012 eine Demenzstrategie ausarbeiten.[138] Diese ging davon aus, dass die medizinischen Behandlungskosten (Spitalaufenthalte, Medikamente und Kosten für Diagnostik) im Verhältnis zu den Kosten für Pflege und Betreuung sehr gering sein sollten (lediglich ca. 5 %).
Allerdings ist eine Diagnostik, die eine Demenz eindeutig als eigenes Krankheitsbild absichern kann, auch heute noch nicht verfügbar. Die verbesserte differentialdiagnostische Abklärung und schließlich auch Behandlung von Grunderkrankungen, bei denen Demenz lediglich als Begleitsymptom auftritt, würde einen medizinisch effizienteren Einsatz der Mittel erlauben, das gesunde Altern fördern und Pflegekosten für Krankenkassen und Angehörige effektiv senken.
Siehe auch
Literatur
Lehrbücher
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- Hans Förstl (Hrsg.): Demenzen in Theorie und Praxis. 3., aktualisierte und überarbeitete Auflage. Springer, Berlin u. a. 2011, ISBN 978-3-642-19794-9.
- Hans Förstl (Hrsg.): Lehrbuch der Gerontopsychiatrie und -psychotherapie. Grundlagen, Klinik, Therapie. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. Thieme, Stuttgart u. a. 2003, ISBN 3-13-129922-3.
- Stefanie Hellmann, Rosa Rößlein: Formulierungshilfen für Maßnahmepläne nach der SIS, Schlütersche Fachmedien GmbH, 2025, ISBN 978-3-8426-0909-9 (SIS: Strukturierte Informationssammlung für die Altenpflege; Qualitätsstandards).
- Esme Moniz-Cook, Jill Manthorpe: Frühe Diagnose Demenz. Rechtzeitige evidenzbasierte psychosoziale Intervention bei Menschen mit Demenz. Huber, Bern 2010, ISBN 978-3-456-84806-8.
- Hartmut Reinbold, Hans-Jörg Assion: Dementicum. Kompaktwissen über Demenz und Antidepressiva. PGV – PsychoGen-Verlag, Dortmund 2010, ISBN 3-938001-07-0.
- Frank Schneider: Demenz. Der Ratgeber für Patienten und Angehörige. Verstehen, therapieren, begleiten. Herbig, München 2012, ISBN 978-3-7766-2688-9.
- Christoph Metzger: Bauen für Demenz. JOVIS Verlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-86859-389-1.
- Walter-Uwe Weitbrecht (Hrsg.): Dementielle Erkrankungen: Diagnose, Differentialdiagnose und Therapie. Berlin/Heidelberg/New York/London/Paris/Tokio 1988.
Fachgesellschaften
- S3-Leitlinie: Demenzen der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) und der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), AWMF-Registernummer 038/013 (online: Langfassung, Leitlinien-Report u. a.), Stand: 28. November 2023 (gültig bis 28. November 2024)
- Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz e. V. (Hrsg.): MIT-GEFÜHLT. Curriculum zur Begleitung Demenzkranker in ihrer letzten Lebensphase. Der Hospiz-Verlag, Wuppertal 2004, ISBN 3-9808351-4-6.
- Expertenstandard „Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz“. Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP).
- Demenz vorbeugen, Datenlücken schließen: Wissenschaftsakademien stellen sechs Handlungsansätze vor Pressemitteilung von Wissenschaftsakademien am 27. März 2026. (Bericht darüber bei heise.de am 27. März 2026)
Dokumentarfilme
- Mitgefühl (It Is Not Over Yet). Dänemark 2021, Regie: Louise Detlefsen[140]
- Raus aus der Demenzfalle, Vortragsveranstaltung mit Diskussion in der Arena Feldbach mit Gerald Hüther, 3. Oktober 2019, veröffentlicht durch Kanal Steirisches Vulkanland (Österreich): https://www.youtube.com/watch?v=DWUuQDmGYfk, abgerufen am 14. Mai 2026
Unterhaltungsfilme
Weblinks
- Literatur von und über Demenz im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Themenheft Altersdemenz, 2005, (PDF; 339 kB) des Robert Koch-Instituts
- Wegweiser Demenz des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2011.
- T. Etgen et al.: Leichte kognitive Störung und Demenz: Der Stellenwert modifizierbarer Risikofaktoren. In: Dtsch Arztebl Int. Nr. 108 (44), 2011, S. 743–750 (Übersichtsarbeit).
- Was ist Alzheimer? Website der Alzheimer Forschung Initiative
- Jana Lapper: Das Gestern aber bleibt. In: Die Tageszeitung. 21. September 2019 (Ein Erfahrungsbericht).
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- ↑ Reinhard Platzek: Demenz. Zum Begriff einer häufigen Alterserkrankung. In: Fachprosaforschung – Grenzüberschreitungen. Band 10, 2014, S. 223–232, hier: S. 224 f. und 230 f.
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- ↑ Sabine Engel: Alzheimer und Demenzen. Unterstützung für Angehörige. Trias, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8304-3983-7, S. 115.
- ↑ Siehe dazu dieRahmenempfehlungen zum Umgang mit herausfordernden Verhalten bei Menschen mit Demenz in der stationären Altenpflege. ( vom 4. März 2016 im Internet Archive; PDF) Expertengruppe im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit, August 2006.
- ↑ Mercedes Kane: They sing to remember: The power of memory choirs. In: nationalgeographic.com. 17. Juli 2025, abgerufen am 21. September 2025 (englisch).
- ↑ Christianne Nölting föhrt Lännerzentrum för Nedderdüütsch. In: Wi snackt platt auf ndr.de. Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 5. März 2018; abgerufen am 4. März 2018 (Mundart-Ausbildung in der Pflege).
- ↑ Plädoyer für die Einführung von Präsenzstrukturen in „normalen“ Altenpflegeheimen. (PDF) Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 24. Juni 2021; abgerufen am 12. Dezember 2020.
- ↑ Denise Snieguolė Wachter: Bestellung vertauscht? Weil die Kellner Demenz haben. In: stern.de. G+J Medien GmbH, 16. Juni 2017, abgerufen am 8. August 2021.
- ↑ Restaurant of Mistaken Orders. In: mistakenorders.com. The Restaurant of Mistaken Orders General Incorporated Association, abgerufen am 8. August 2021 (englisch, japanisch).
- ↑ Faktenzentrale: Demenz. DZNE, September 2025, abgerufen am 16. Januar 2026.
- ↑ Nationale Demenzstrategie. Deutsches Zentrum für Altersfragen (DZA), abgerufen am 16. Januar 2026.
- ↑ Demenzstrategie für das Fürstentum Liechtenstein. ( vom 8. Oktober 2017 im Internet Archive; PDF) Regierung des Fürstentums Liechtenstein, Vaduz, April 2012.
- ↑ Was uns 678 Nonnen über Demenz lehren können, Focus 11/25, S. 71, 7. März 2025
- ↑ Mitgefühl auf der Internetseite der FBW, abgerufen am 6. Oktober 2021.
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Modell des menschlichen Gedächtnisses
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Eine Demenz beginnt schleichend, wenn im Hirn Nervenzellen absterben.
Ursache dafür sind Proteinablagerungen oder eine Mangeldurchblutung, durch Gefässverschlüsse. Das hat Folgen für jeden Lebensbereich.
Betroffene werden zum Beispiel zunehmend vergesslich, orientierungslos, ruhelos, bekommen Sprachprobleme, Wahrnehmungsstörungen und verlieren ihr Urteilsvermögen sowie die Fähigkeit, Alltägliches zu planen und zu meistern.