Decurio (Militär)

Ein Decurio („Zehnschaftsführer“, von lateinisch decem = zehn) war in der römischen Frühzeit der Führer einer Gruppe von zehn Legionären (Decurie) in der römischen Armee. Später war die kleinste Einheit einer Legion die Zeltgemeinschaft Contubernium von acht Mann, in der es keinen leitenden Dienstgrad mehr gab.

Ursprünglich kannte auch die römische Reiterei eine Untergliederung jeder Turma in drei Decurien mit jeweils einem Decurio. Diese Bezeichnung für die Führer einer Kavallerieabteilung blieb bestehen, als es in den Alen der kaiserzeitlichen Auxiliarkavallerie nur noch einen Führer pro Turma gab, dieser also 30 bis 40 Mann führte. Dieser Decurio der Reiterei war einem centurio der Legion gleichgestellt. Wie dieser trug der Decurio den auffälligen quergestellten Helmbusch (crista transversa). Er erhielt mindestens den vierfachen Sold eines einfachen Soldaten und hatte wahrscheinlich drei Pferde (ein Wechselpferd und ein Packpferd).

Es ist also stets genau zu unterscheiden, in welchem Zusammenhang der Dienstgrad auftaucht: In den Legionen war er in der römischen Frühzeit und Republik wahrscheinlich nur ein hoher Mannschaftsdienstgrad (immunis), in den Alen der Kaiserzeit war er dagegen ein sehr prestigeträchtiger Offiziersposten.

Das Byzantinische Heer war ebenfalls in Contubernia unterteilt, denen ein Decurio (griechisch Dekarch) vorstand.

Siehe auch

Literatur

  • Otto Fiebiger: Decurio 2. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band IV,2, Stuttgart 1901, Sp. 2352 f.
  • Alfred Neumann: Decurio 3. In: Der Kleine Pauly (KlP). Band 1, Stuttgart 1964, Sp. 1419 f.
  • Marcus Junkelmann: Die Reiter Roms. Teil 2: Der militärische Einsatz. Zabern, Mainz 1991, ISBN 3-8053-1139-7.
  • Marcus Junkelmann: Die Reiter Roms. Teil 3: Zubehör, Reitweise, Bewaffnung. Zabern, Mainz 1992, ISBN 3-8053-1288-1.
  • Brian Campbell: Decurio [4]. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 3, Metzler, Stuttgart 1997, ISBN 3-476-01473-8, Sp. 358 f.