Dana Andrews
Carver Dana Andrews (* 1. Januar 1909 in Covington County, Mississippi; † 17. Dezember 1992 in Los Alamitos, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Schauspieler, der in den 1940er-Jahren mit seinen Hauptrollen in den Filmklassikern Laura und Die besten Jahre unseres Lebens seine größten Erfolge feierte.[1]
Leben
Andrews wurde als eines von 13 Kindern eines Baptistenpfarrers geboren, ein Wirtschaftsstudium brach er 1929 wegen eines Jobs in einer Ölfirma ab.[2] Im Jahr 1931 ging er nach Los Angeles, um dort eine Anstellung als Sänger zu finden. Um seinen Lebensunterhalt zu sichern, nahm er verschiedenste Anstellungen an. Einer seiner Arbeitgeber glaubte an Andrews’ Talent und finanzierte ihm Ausbildungen an der Oper und an einer Schauspielschule. 1940 hatte er seine ersten Filmauftritte, darunter eine kleine Rolle in William Wylers Film Der Westerner an der Seite von Gary Cooper. In den nächsten drei Jahren konnte er sein Talent in zunehmend größeren Rollen unter Beweis stellen. 1941 war er etwa in einer Nebenrolle als Gangster in Howard Hawks’ Komödie Ball of Fire zu sehen und verkörperte den sympathischen jungen Protagonisten in Jean Renoirs Drama In den Sümpfen. Weil aufgrund des Zweiten Weltkriegs viele Schauspieler seines Alters ihren Kriegsdienst ableisteten, erhielt er schnell die Chance auf Hauptrollen.[3] Als alleiniger Ernährer seiner Familie war Andrews vom Wehrdienst befreit.[4]
Andrews wurde daraufhin mit Heldenrollen betraut, vor allem in Krimis, Western und Kriegsfilmen.[1] Seine Rolle in William A. Wellmans Western Ritt zum Ox-Bow (1943), in dem er als unschuldiger Familienvater das Opfer eines wütenden Lynchmobs wird, gilt als eine seiner bedeutendsten. Starruhm erlangte Andrews jedoch erst 1944 durch seine Darstellung des Kriminalpolizisten Mark McPherson in Otto Premingers Film-noir-Klassiker Laura an der Seite von Gene Tierney. In dieser Zeit spielte er auch einige Soldatenrolen in Weltkriegsfilmen, so in Henry Hathaways Mission im Pazifik (1944) sowie den von Lewis Milestone inszenierten Produktionen The Purple Heart (1944) und Landung in Salerno (1945). Einen weiteren großen Erfolg hatte er 1946 in der Rolle von Fred Derry, einem vom Militär hochdekorierten Kriegsheimkehrer mit mageren Zukunftsaussichten, in William Wylers Oscar-prämiertem Drama Die besten Jahre unseres Lebens. Im darauffolgenden Jahr spielte er die Hauptrolle eines Staatsanwaltes in Elia Kazans Kriminaldrama Bumerang.
Neben dramatischen und actionreichen Stoffen sah man Andrews auch hin und wieder in Komödien und Musicals, etwa als romantischer Liebhaber im Rodgers- und-Hammerstein-Musicalerfolg Jahrmarkt der Liebe aus dem Jahr 1945. 1950 drehte er mit Faustrecht der Großstadt einen weiteren Film-noir-Klassiker an der Seite von Gene Tierney. Dies war sein fünfter und letzter Film an der Seite der Schauspielerin. In den 1950er-Jahren nahm Andrews’ Popularität allmählich ab und er spielte vor allem in zunehmend belangloseren Western oder Abenteuerfilmen. Eine Ausnahme waren im Jahr 1956 seine Hauptrollen in den Thrillern Die Bestie und Jenseits allen Zweifels, den letzten beiden amerikanischen Filmen von Fritz Lang. 1957 hatte er die Hauptrolle eines Wissenschaftlers in dem Horrorfilm Der Fluch des Dämonen, der über die Jahre einen gewissen Kultstatus erlangte. Aufgrund dieses Films fällt der Name von Andrews auch in Science Fiction/Double Feature, dem Eröffnungssong der The Rocky Horror Show.[5] In den Katastrophenfilmen 714 antwortet nicht (1957), SOS für Flug T 17 (1960) und Giganten am Himmel (1974) verkörperte Andrews jeweils Piloten.
Seine späteren Filme waren kommerziell in der Regel nicht mehr erfolgreich; er erhielt überwiegend Engagements für B-Filme und flüchtete sich immer mehr in den Alkohol. Nach erfolgreichem Kampf gegen seine Alkoholsucht setzte er sich in den 1970er-Jahren für Kampagnen zur Suchtprävention ein.[3] Bis Mitte der 1980er-Jahre spielte er noch einige Kinorollen, etwa in Elia Kazans starbesetzter letzter Regiearbeit Der letzte Tycoon, und absolvierte Gastauftritte in einigen Serien wie Lieber Onkel Bill, Der Chef, Love Boat und Falcon Crest. Späte Hauptrollen hatte er zwischen 1969 und 1972 in der Seifenoper Bright Promise und 1979 als Dwight „Ike“ D. Eisenhower in der dreiteiligen Miniserie Ike. Seine letzte Rolle übernahm Andrews 1985 in der Rolle eines Kardinals in dem Kinofilm Prince Jack. Neben der Schauspielerei investierte Andrews auch erfolgreich in Immobilien.[2] Von 1963 bis 1965 amtierte er als Präsident der amerikanischen Schauspielergewerkschaft Screen Actors Guild und engagierte sich dort unter anderem gegen zu viel Nacktheit in Filmen.[3]
Andrews’ jüngster Bruder war der Schauspieler Steve Forrest (1925–2013). Dana Andrews erkrankte an Alzheimer und starb 1992 im Alter von 83 Jahren an Herzversagen. Er hinterließ zwei Töchter und einen Sohn aus der Ehe mit seiner zweiten Frau Mary Todd. Seine erste Frau, die Schauspielerin Janet Murray, war 1935 bei der Geburt zusammen mit dem zweiten gemeinsamen Kind gestorben. Ihr 1933 geborener gemeinsamer Sohn war 1964 nach einer Gehirnblutung gestorben.[2]
Filmografie (Auswahl)
- 1940: Der Westerner (The Westerner)
- 1940: Lucky Cisco Kid
- 1940: Sailor’s Lady
- 1940: Rote Teufel um Kit Carson (Kit Carson)
- 1941: Tabakstraße (Tobacco Road)
- 1941: Belle Starr
- 1941: In den Sümpfen (Swamp Water)
- 1941: Die merkwürdige Zähmung der Gangsterbraut Sugarpuss (Ball of Fire)
- 1942: Berlin Correspondent
- 1943: Crash Dive
- 1943: Ritt zum Ox-Bow (The Ox-Bow Incident)
- 1943: The North Star
- 1943: Der 7. Dezember (December 7th)
- 1944: Up in Arms
- 1944: The Purple Heart
- 1944: Mission im Pazifik (Wing and a Prayer)
- 1944: Laura
- 1945: Jahrmarkt der Liebe (State Fair)
- 1945: Mord in der Hochzeitsnacht (Fallen Angel)
- 1945: Landung in Salerno (A Walk in the Sun)
- 1946: Feuer am Horizont (Canyon Passage)
- 1946: Die besten Jahre unseres Lebens (The Best Years of Our Lives)
- 1947: Bumerang (Boomerang!)
- 1947: Night Song
- 1947: Daisy Kenyon
- 1948: The Iron Curtain
- 1948: Deep Waters
- 1948: Eine Frau zuviel (No Minor Vices)
- 1949: Britannia Mews
- 1949: Schwert in der Wüste (Sword in the Desert)
- 1949: Angst vor der Schande (My Foolish Heart)
- 1950: Faustrecht der Großstadt (Where the Sidewalk Ends)
- 1950: Auf des Schicksals Schneide (Edge of Doom)
- 1951: Sealed Cargo
- 1951: Froschmänner (The Frogmen)
- 1951: Im Sturm der Zeit (I Want You)
- 1952: Budapest antwortet nicht (Assignment – Paris!)
- 1954: Elefantenpfad (Elephant Walk)
- 1954: Duell im Dschungel (Duel in the Jungle)
- 1954: Drei Stunden Zeit (Three Hours to Kill)
- 1955: Rauchsignale (Smoke Signal)
- 1955: Aus dem Leben einer Ärztin (Strange Lady in Town)
- 1956: Um jeden Preis (Comanche)
- 1956: Die Bestie (While the City Sleeps)
- 1956: Jenseits allen Zweifels (Beyond a Reasonable Doubt)
- 1957: Spring Reunion
- 1957: 714 antwortet nicht (Zero Hour!)
- 1957: Der Fluch des Dämonen (The Night of the Demon)
- 1958: Die Angstmacher (The Fearmakers)
- 1958: Enchanted Island
- 1960: SOS für Flug T 17 (The Crowded Sky)
- 1962: Madison Avenue
- 1962, 1963: Heute Abend Dick Powell (The Dick Powell Show, Fernsehserie, 2 Folgen)
- 1963: Twilight Zone (Fernsehserie, Folge 4x10)
- 1965: Geheimagent Barrett greift ein (The Satan Bug)
- 1965: Erster Sieg (In Harm’s Way)
- 1965: Ein Riß in der Welt (Crack in the World)
- 1965: Das teuflische Spiel (Brainstorm)
- 1965: Revolver diskutieren nicht (Town Tamer)
- 1965: Das verräterische Auge (Berlino – Appuntamento per le spie)
- 1965: Tod in Hollywood (The Loved One)
- 1965: Die letzte Schlacht (Battle of the Bulge)
- 1966: Die Milliarden-Supermasche (Supercolpo da 7 miliardi)
- 1966: Sheriff Johnny Reno (Johnny Reno)
- 1967: Hot Rods to Hell
- 1967: Die Cobra (Il cobra)
- 1967: I diamanti che nessuno voleva rubare
- 1967: Die Eingefrorenen (The Frozen Dead)
- 1968: Die Teufelsbrigade (The Devil’s Brigade)
- 1969: Lieber Onkel Bill (Family Affair, Fernsehserie, Folge 4x02)
- 1969–1972: Bright Promise (Fernsehserie, 347 Folgen)
- 1970: The Name of the Game (Fernsehserie, Folge 3x06)
- 1972: Wer zuletzt lebt, lebt am besten (Innocent Bystanders)
- 1974: Der Chef (Ironside, Fernsehserie, Folge 8x07)
- 1974: Giganten am Himmel (Airport 1975)
- 1975: Einen vor den Latz geknallt (La parola di un fuorilegge … è legge!)
- 1976: Der letzte Tycoon (The Last Tycoon)
- 1978: A Tree, a Rock, a Cloud (Kurzfilm)
- 1978: Black Fighter (Good Guys Wear Black)
- 1978: Die Colson Affäre (Born Again)
- 1979: Ike (Miniserie, 3 Folgen)
- 1980: Der Pilot (The Pilot)
- 1982: Love Boat (The Love Boat, Fernsehserie, Folge 6x05)
- 1982, 1983: Falcon Crest (Fernsehserie, 2 Folgen)
- 1985: Prince Jack
Weblinks
- Dana Andrews bei IMDb
- Dana Andrews in der Deutschen Synchronkartei
- Dana Andrews in der Datenbank Find a Grave
- Biografie und Fotos auf briansdriveintheater.com (englisch)
- Biografie auf reelclassics.com (englisch)
- Steven P. Salyer: Andrews, Carver Dana (1909–1992). Eintrag im Handbook of Texas, 11. September 2007, zuletzt aktualisiert am 28. September 2018.
- Katherine Treppendahl: Dana Andrews. Eintrag bei Mississippi Encyclopedia, 10. Juli 2017, zuletzt aktualisiert am 13. April 2018.
- Dana Andrews in der Datenbank Find a Grave
Einzelnachweise
- ↑ a b Richard Severo: Dana Andrews, Film Actor of 40’s, Is Dead at 83. In: The New York Times. 19. Dezember 1992, abgerufen am 22. März 2022.
- ↑ a b c Dana Andrews Dies; Actor Was a Success but Not a Star. In: Los Angeles Times. 18. Dezember 1992, abgerufen am 22. März 2022 (amerikanisches Englisch).
- ↑ a b c Dana Andrews ( vom 29. Januar 2023 im Internet Archive) bei AllMovie (englisch)
- ↑ Imogen Sara Smith: Dana Andrews: The Forties Hero and His Shadow. In: Bright Lights Film Journal. 1. Januar 2021, abgerufen am 13. März 2026 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Mark Mancini: 15 Movies Referenced in The Rocky Horror Picture Show. mentalfloss.com, abgerufen am 27. März 2024 (englisch).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Andrews, Dana |
| ALTERNATIVNAMEN | Andrews, Carver Dana (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Schauspieler |
| GEBURTSDATUM | 1. Januar 1909 |
| GEBURTSORT | Covington County, Mississippi |
| STERBEDATUM | 17. Dezember 1992 |
| STERBEORT | Los Alamitos, Kalifornien |