Craig Venter

Craig Venter (2007)

John Craig Venter (* 14. Oktober 1946 in Salt Lake City, Utah) ist ein US-amerikanischer Biochemiker und Unternehmer, dessen Firma Celera Corporation als Erste ein gesamtes menschliches Genom sequenzierte[1] und dem es als Erstem gelungen ist, ein Erbgut selbst herzustellen und in eine Zelle einzupflanzen, sodass ein lebensfähiges Bakterium entstand.[2]

Venter und das Human Genome Project

1998 gründete er das Unternehmen Celera Corporation, um auf Basis privater Finanzierung die Gene des Menschen durch automatisierte Sequenzierung zu kartieren. Damit wurde Venter zum direkten Konkurrenten des seit 1990 laufenden Human Genome Project (HGP), das als internationales Forschungsprojekt aus öffentlichen Mitteln finanziert wird.

Im Gegensatz zu diesem kam Celera Genomics zwar in Teilbereichen wesentlich rascher voran, arbeitete aber nicht so systematisch wie HGP. Die von Letzterem publizierten Forschungsergebnisse kamen zwar (auch) der Forschung Venters zugute, umgekehrt allerdings kaum.

Die relativ früh gelungenen Sequenzierungen einiger Gene ließ sich Venters Firma mit dem Ziel neuer Pharmaprodukte patentieren. Im April 2000 kündigte Venter die gesamte Entschlüsselung an, beantragte im Oktober 2000 etwa 6500 Patente und publizierte einen Teil seiner Ergebnisse.[3] Seitdem gilt er in Teilen der Weltöffentlichkeit als Vertreter der Biopiraterie, andererseits wird ihm auch die wesentliche Beschleunigung dieses Forschungsbereiches an vielen Instituten zugutegehalten.

Synthetisches virales und bakterielles Genom

Im Jahr 2003 berichtete die Gruppe von Craig Venter, dass sie als erstes ein Virusgenom – das von Enterobakteriophage PhiX174 (ΦX174) – vollständig in vitro aus synthetisierten Oligonukleotiden zusammengesetzt hatten.[4] Das Viruspartikel (Virion) von ΦX174 wurde ebenfalls in vitro erfolgreich zusammengesetzt.[5]

Im Jahr 2005 gründete Venter zusammen mit Mitgliedern seines Forschungsteams das Unternehmen Synthetic Genomics Inc., um mit veränderten oder künstlich hergestellten Mikroorganismen Biokraftstoffe herzustellen.[6]

Einer Forschergruppe am J. Craig Venter Institute (JCVI) gelang es 2007 erstmals, das Erbmaterial eines Bakteriums komplett synthetisch herzustellen. Vorbild für den Nachbau war das Bakterium Mycoplasma genitalium mit einem der kleinsten bekannten Genome von 582.970 Basenpaaren; als Name des synthetischen Nachbaus wurde Mycoplasma genitalium JCVI-1.0 gewählt.[7][8][9]

2010 gaben Forscher um Craig Venter die Herstellung des künstlichen Bakteriums Mycoplasma mycoides JCVI-syn1.0 bekannt. Zuvor hatten sie erfolgreich das 1,08 Millionen Basenpaare umfassende Erbgut eines Laborstammes des Erregers der Lungenseuche bei Rindern, Mycoplasma mycoides, aus chemischem Rohmaterial synthetisiert und in ein zuvor von der DNA befreites Bakterium von Mycoplasma capricolum übertragen.[10]

Am 24. März 2016 veröffentlichte Venter Ergebnisse, wonach er ein synthetisches Bakterium Mycoplasma mycoides JCVI-syn3.0 mit 473 Genen, beziehungsweise 531.000 Basenpaaren, geschaffen hat, die es benötigt, um alle lebenswichtigen Prozesse durchzuführen (Minimalgenom).[11][12][13]

Auszeichnungen

Venter wurde im Jahr 2002 in Wien mit einem der privat vergebenen World Awards ausgezeichnet („World Health Award“). Zum Schutz der Artenvielfalt des Tangwaldes untersuchte Venter die Gene der Algen und des Tangs in der Sargassosee, woraus er dort über 1000 unentdeckte Arten vermutet. Demnach könnten sich weltweit in Tangwäldern noch mehrere Tausend bislang unbeschriebene Arten befinden, vor allem im ökologisch wichtigen Phytoplankton.

Im Jahr 2000 erhielt Venter den Gabbay Award, 2001 den Biotechnology Heritage Award. 2002 wurden ihm der Paul-Ehrlich-und-Ludwig-Darmstaedter-Preis[14] und ein Gairdner Foundation International Award verliehen. Zudem ist er seit 2001 gewähltes Mitglied der American Academy of Arts and Sciences, seit 2002 der National Academy of Sciences und seit 2013 der American Philosophical Society.[15] Im Oktober 2009 erhielt er vom US-Präsidenten die National Medal of Science für das Jahr 2008, die als höchste Wissenschaftsauszeichnung der USA gilt. 2011 wurde er mit dem Dickson Prize in Medicine ausgezeichnet, 2012 mit dem Dan-David-Preis. 2015 erhielt Venter die Leeuwenhoek-Medaille.

Veröffentlichungen

  • Der Mensch in der Genfalle. Der Tag wird kommen: Die vollkommene Erkenntnis der Lebensprozesse steht in diesem Jahr bevor. In: FAZ. 8. April 2000.
  • A Life Decoded: My Genome: My Life, New York, Viking Adult 2007, ISBN 978-0-670-06358-1.
    • Dt.: Entschlüsselt: Mein Genom, mein Leben, aus dem Englischen von Sebastian Vogel. S. Fischer, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-10-087030-8.
  • Leben aus dem Labor. Die neue Welt der synthetischen Biologie, deutsch von Sebastian Vogel. S. Fischer, Frankfurt am Main 2014, ISBN 978-3-10-087202-9.

Siehe auch

Literatur

  • René Scheu: Lebenseigentümer. In: Schweizer Monatshefte. Zeitschrift für Politik Wirtschaft Kultur. Zürich 2007, Heft 07/08 (Juli/August), S. 10. ISSN 0036-7400
  • Simone Rödder: Der Wellenmacher muss kein Schaumschläger sein : Der Mann mit dem Genom: Craig Venter ist ein Medienstar, aber für seine Fachkollegen ist er trotzdem kein „Feuilletonwissenschaftler“. Über Reputation auf den Vorder- und Hinterbühnen der Forschung. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30. Juni 2010, Seite N5

Weblinks

Commons: Craig Venter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Genforschung: Genetisches Selbstporträt. In: Tagesspiegel. 3. September 2007 (Online).
  2. Stuart Fox: J. Craig Venter Institute creates first synthetic life form. 21. Mai 2010, abgerufen am 21. Mai 2010.
  3. Tom Reynolds: Pricing human genes: the patent rush pushes on. In: Journal of the National Cancer Institute, Band 92, Nr. 2, 2000, S. 96–97.
  4. Hamilton O. Smith, Clyde A. Hutchison, Cynthia Pfannkoch, J. Craig Venter: Abstract Generating a Synthetic Genome by Whole Genome Assembly: ΦX174 Bacteriophage from Synthetic Oligonucleotides. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. 100. Jahrgang, Nr. 26, 2003, S. 15440–15445, doi:10.1073/pnas.2237126100, PMID 14657399, PMC 307586 (freier Volltext), bibcode:2003PNAS..10015440S.
  5. James E. Cherwa, Lindsey J. Organtini, Robert E. Ashley, Susan L. Hafenstein, Bentley A. Fane: In Vitro Assembly of the ΦX174 Procapsid from External Scaffolding Protein Oligomers and Early Pentameric Assembly Intermediates. In: Journal of Molecular Biology. 412. Jahrgang, Nr. 3, 2011, S. 387–396, doi:10.1016/j.jmb.2011.07.070, PMID 21840317.
  6. syntheticgenomics.com: History (Memento vom 12. November 2016 im Internet Archive) (englisch)
  7. Venter-Institut baut Bakteriengenom zusammen. Heise news, 25. Januar 2008.
  8. J. Craig Venter Institute: Venter Institute Scientists Create First Synthetic Bacterial Genome (Memento vom 9. Februar 2008 im Internet Archive) (englisch)
  9. Daniel G. Gibson et al.: Complete Chemical Synthesis, Assembly, and Cloning of a Mycoplasma genitalium Genome. In: Science. Band 319, Nr. 5867, 2008, S. 1215–1220, PMID 18218864, doi:10.1126/science.1151721
  10. Daniel G. Gibson et al.: Creation of a Bacterial Cell Controlled by a Chemically Synthesized Genome. In: Science. Band 329, Nr. 5987, 2010, S. 52–56, PMID 20488990, doi:10.1126/science.1190719
  11. Leben auf niedrigster Stufe: Genforscher Craig Venter erschafft künstliche Minimalzelle. Deutschlandfunk, 24. März 2016, abgerufen am 26. März 2016.
  12. Was das Leben braucht. Telepolis, 26. März 2016, abgerufen am 1. April 2016.
  13. Die Originalarbeit über das Mycoplasma mycoides JCVI-syn3.0 erschien (mit Lesezugriff auf den Volltext nur für Abonnenten) als: Clyde A. Hutchison, Vladimir N. Noskov, J. Craig Venter et al.: Design and synthesis of a minimal bacterial genome. In: Science. 25. März 2016; (10.1126/science.aad6253). Sie ist frei erhältlich als PDF-Datei von der Berkeley University: Design and synthesis of a minimal bacterial genome (Research article summary und research article)
  14. Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preisträger 2002
  15. Member History: J. Craig Venter. American Philosophical Society, abgerufen am 7. Dezember 2018 (englisch, mit biographischen Anmerkungen).

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Autor/Urheber: Article by Liza Gross, but no photo credit given, Lizenz: CC BY 2.5
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